Meroë

Der archäologische Fundkomplex von Meroë liegt in der Butana am Oberlauf des Nil zwischen dem 5. und dem 6. Katarakt. Hier sind auch einige Könige des kuschitischen Reiches bestattet. Das Zentrum dieses Reiches lag vor der meroitischen Epoche zwischen dem 3. und dem 4. Katarakt in der Nähe des Jebel Barkal, an dessen Fuß sich noch heute die Ruinen eines großen Amun-Tempels befinden. Dort wird auch die Hauptstadt Napata vermutet. Einzigartig in der Geschichte ist die Tatsache, dass es den kuschitischen Herrschern gelang, Ägypten zu erobern und als 25. Dynastie zu regieren. Seit der Frühzeit war nämlich stets das Pharaonenreich der Ausgangspunkt für Eroberungen entlang des Nils.


In der Mitte des 3. Jh. v. Chr. begann die meroitische Epoche des Reiches von Kusch. Seine Könige sind durch die Assyrer wieder aus Ägypten vertrieben worden und verlegten ihre Bestattungsplätze weiter nach Süden, nach Meroë. Für die nächsten Jahrhunderte bildete diese Stadt die Drehscheibe für den Handel der Mittelmeeranrainer mit Zentralafrika. So gelangten Gold, Elfenbein und afrikanische Kriegselefanten nach Ägypten und in den Vorderen Orient.
Bis heute als herausragendes Landschaftsmerkmal erhalten geblieben sind die pyramidenförmigen Graboberbauten, die die Könige von Meroë für sich bauen ließen. Auf dem königlichen Nordfriedhof stehen diese in einer langen Reihe nebeneinander und liefern so wichtige Hinweise auf die Reihenfolge ihrer Bauherren.

 
 
Chronologie:
Die Chronologie Meroës baut in wesentlichen Teilen auf die Abfolge und die Baudetails der Königsgräber des Nordfriedhofs auf. Peter Shinnie stellte die ersten Berechnungen an, die dann von Fritz Hintze in ihre bis heute weitgehend gültige Form gebracht wurden. Der Ursprung des kuschitischen Reiches grob um 1000 v. Chr. liegt im Dunkeln. Bei den ersten Kuschiten könnte es sich um Wüstennomaden,

(Foto: University of Maryland)
 
ausgewanderte Ägypter oder die Nachfolger zweier regionaler Gruppen (Kerma und C-Gruppe) handeln. Einigermaßen sichere Daten aus schriftlichen Quellen gibt es nur wenige:
 
591 v. Chr.: Zerstörung Napatas durch Pharao Psammetich II. In der Folge eventuell Verlegung des kuschitischen Regierungssitzes nach Meroë.
335-315 v. Chr.: Nastasen als letzter König in Nuri bei Napata begraben.
Beginn der meroitischen Epoche

270-260 v. Chr.:Arkamani(Ergamenes) setzte sich gegen die Amun-Priester des Jebel Barkal durch und tötete sie vielleicht, wie der griechische Geschichtsschreiber Diodor uns berichtete.
235-218 v. Chr.: Arnekhamani begann mit der Errichtung des Löwentempels für Apedemak in Musawwarat-es-Sufra.


Wirtschaft und Handel:
Eisenvorkommen und Waldungen in der Nähe der Stadt Meroë boten eine sehr gute Grundlage für die enorme Eisenproduktion, die Meroë den Spitznamen „Birmingham Afrikas“ gab.

Auch Produkte aus Zentralafrika wurden von Meroë aus in den Mittelmeerraum verhandelt. Vor allem Gold und die bevorzugt von den Ptolemäern eingesetzten Kriegselefanten sind hier zu erwähnen. Auch wichtige Karawanenwege verlaufen dicht bei Meroë, zum Beispiel die Route, mit der die Nilschleife und der 4. und 5. Katarakt umgangen wurden.

 


Stele mit dem Bildnis des Apedemak
(Hintze, 1978)
 

Religion:
Die wichtigsten Götter der Meroiten waren Apedemak, ein löwenköpfiger Gott, der kriegerische und Fruchtbarkeitsattribute vertrat. Aus Ägypten wurde der Kult des Amun übernommen, der hier die Rolle eines Staatsgottes innehatte. In der Anfangszeit des meroitischen Reiches spielten die Amun- Priester des Jebel Barkal eine bestimmende Rolle und konnten sogar die Thronfolge beeinflussen. Ihre Macht wurde von Arkamani gebrochen und das weltliche und geistige Zentrum des kuschitischen Reiches verlagerte sich mehr und mehr nach Meroë, wo in der Folgezeit ebenfalls ein großer Amun-Tempel gebaut wurde.

 

 


Ralf Miltenberger