Die meroitische Schrift und Sprache

Die meroitische Sprache gehört zu den im Norden verwendeten Sprachen und wurde wahrscheinlich schon zur Zeit des Neuen Reiches gesprochen. Bevor man allerdings im 3. Jh. v. Chr. eine eigene Schrift entwickelte, wurden in Kusch die Texte in ägyptischer Hieroglyphenschrift verfasst. Das älteste Zeugnis für die meroitische Schrift ist ein Graffito aus dem 3. Jh. v. Chr. aus Musawwarat es-Sufra. Damit ist Meroitisch die älteste Schriftsprache Afrikas nach dem Ägyptischen.


(Demuß & Kammerzell, 2003a)

Die meroitische Schrift ist eine Alphabetschrift mit 23 Buchstaben. Außerdem gibt es Zahlzeichen und einige Wortzeichen, d.h. einzelne Zeichen, die stellvertretend für ein ganzes Wort stehen. Es existiert eine Hieroglyphen- und eine Linearschrift. Die Zeichen für diese beiden Schriften wurden von den ägyptischen Hieroglyphen bzw. aus dem Demotischen übernommen. Im Unterschied zum Ägyptischen gibt es im Meroitischen einen Worttrenner und die Leserichtung ist umgekehrt, d.h. man liest in Blickrichtung der Hieroglyphen. Die Entzifferung des Meroitischen geht auf F. Ll. Griffith zurück. Inzwischen sind die Worte zwar lesbar und der grammatische Aufbau der Sprache ist in Hauptzügen bekannt, leider sind die Texte jedoch bisher unverständlich. Zum Verstehen würde man eine echte Bilingue benötigen, einen Text, der sowohl auf Meroitisch, als auch in einer bekannten Sprache abgefasst ist, ähnlich wie der Stein von Rosetta für die ägyptischen Hieroglyphen.

 
Eine „kleine“ Bilingue existiert und half bei der Entzifferung des Meroitischen und der Zuordnung der Lautwerte: Auf dem Barkenuntersatz des meroitischen Königs Natakamani und der Kandake Amanitore, den die preußische Expedition unter Lepsius 1844 aus Wad Ban Naqa im Sudan mitbrachte, sind die Namen des königlichen Paares sowohl in ägyptischen als auch in meroitischen Hieroglyphen geschrieben. Der Barkensockel befindet sich heute im Berlin Ägyptischen Museum (Inv. Nr. 7261).

Eine weitere Hilfe zum Verständnis des Meroitischen bieten die Inschriften auf den Opfertafeln, die durch ihre stark formelhafte Gestaltung der Texte teilweise verstanden werden können.

Barkensockel/ Bilingue
(Priese, 1996, S.257)


Opfertafel Berlin ÄMP 2255 mit Überstzung
(Demuß & Kammerzell, 2003b)

Texte in meroitischen Hieroglyphen sind verhältnismäßig selten. Im Gegensatz zum ägyptischen Hieratisch wurde die meroitische Kursive auch auf steinernen Denkmälern bevorzugt.

Der Korpus des Meroitischen beinhaltet Inschriften der Könige, Beischriften zu Personen und Göttern auf den Wänden von Kapellen und Tempeln, Texte auf Stelen und Opferplatten und Graffiti an Tempelwänden. Meroitische Texte auf Papyri und Pergament exisitieren nur vereinzelt.

Leider sind bisher nur wenige Wörter verständlich, wie z.B.:

annata = Priester

plamusa = Anführer / General

ato = Wasser

at = Brot

will = Bruder von jemandem sein

Meroitisch existierte mindestens bis zum 4. / 5. Jh. n Chr. Die jüngsten meroitischen Inschriften stammen von dem nachmeroitischen Nobaden-König Kharamadoye aus Kalabscha sowie von einem Bronzegefäß aus el-Hobagi, ebenfalls aus nachmeroitischer Zeit.


Opfertafel Berlin ÄMP 2255
(Priese, 1996, S.258)

Sara Bock

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