Berliner Journal für Soziologie
 
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Die neue Online-Ausgabe des
Berliner Journal für Soziologie
finden Sie unter:
www.bjs-digital.de

 

Berliner Journal für Soziologie
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Sozialwissenschaften
Unter den Linden 6
D-10099 Berlin
Tel.: 030-2093-4355/-4356/-4357
Fax: 030-2093-4365
BJournal@sowi.hu-berlin.de

 

 

 

Stand 29.04.2007

Archiv



Inhalt - Heft 1/1991

 

 

Reinhard Bendix
Staat, Legitimierung, "Zivilgesellschaft" S. 3
          Zusammenfassung

Johannes Weg
Die Intellektuellen und der asketische Sozialismus S. 13

Ulrich Voskamp, Volker Wittke
Aus Modernisierungsblockaden werden Abwärtsspiralen - zur Reorganisation von Betrieben und Kombinaten der ehemaligen DDR S. 17

Leonid Jonin
Das Schauspiel kultureller Formen S. 41
          Zusammenfassung

Michael Hartmann
Der Staat in der Defensive? Das Theorem vom "reflexiven Recht" und die Gewerkschaftsgesetzgebung der Regierung Thatcher S. 55
          Zusammenfassung

Harald Bluhm
Plädoyer für eine veränderte Sicht auf Marxens Werk S. 69
          Zusammenfassung

Heiner Ganßmann
Marxismus: Differenz und Erklärungsvorteile im Spektrum soziologischer Theorieansätze S. 81

Effi Böhlke
Unkritische Theorie oder der Glaube an die Existenz der selbst gesetzten Gesetze S. 85
          Zusammenfassung

Anton Sterbling
Strukturprobleme und Modernisierungsaussichten südosteuropäischer Gesellschaften S. 99
          Zusammenfassung

 

Materialien


Christian Stappenbeck

Arbeiterwerktag und Kirche. Lausitzer Tagebuchaufzeichnungen eines theologischen Bauhilfsarbeiters 1958/59 S. 113
          Zusammenfassung

 

Rezensionen


Vera Sparschuh

Friedrich H. Tenbruck: Die kulturellen Grundlagen der Gesellschaft. Der Fall der Moderne S. 133

Katharina Bluhm
Rainer Deppe, Dietrich Hoß: Arbeitspolitik im Staatssozialismus: Zwei Varianten: DDR und Ungarn S. 135















Zusammenfassungen Heft 1/1991


 

Berliner Journal für Soziologie 1, Heft 1

Reinhard Bendix
Staat, Legitimierung, "Zivilgesellschaft"

Im Frühjahr 1990 weilte R. Bendix in Berlin, um sich von den Entwicklungen in Deutschland einen eigenen Eindruck zu verschaffen. Zu den Zielen seiner Europa-Reise gehörte auch eine erste Kontaktaufnahme mit Kollegen aus der damals noch existierenden DDR.
Wir drucken in unveränderte Form das Manuskript eines Vortrages ab, den Bendix an der Berliner Humboldt-Universität gehalten hat.
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Berliner Journal für Soziologie 1, Heft 1

Leonid Jonin
Das Schauspiel kultureller Formen

In der Sowjetunion wird – neben all den anderen Problemen – auch der Kulturverfall beklagt; doch wird damit nur die halbe Wahrheit erfaßt Tatsächlich ist die "institutionalisierte" Kultur in der Misere, doch auch in der SU ist eine "Massenkultur" entstanden. Allerdings sind deren Erscheinungsformen, traditionellen Bezüge und modernen Spielarten gänzlich anders geartet als bei der westlichen Massenkultur.
Der Einfluß dieser neuen Kulturform auf das soziale Leben ist so dominant, daß unterdessen zwei Prozesse zu erkennen sind: die Detraditionalisierung der Gesellschaft und die Deobjektivierung der Traditionen.
Tradierte marxistische Erklärungsmuster reichen nicht mehr aus, um diese Prozesse zu erfassen, da diese die Kultur stets nur als ein soziales Epiphänomen deuteten - hier geht es jedoch darum, die Kultur als gesellschaftlichen "Motor" zu erkennen.
Die Begriffe der Lebensform und des Lebensstils werden als Schlüsselbegriff eines Versuchs der soziologischen Interpretation gegenwärtige kultureller Prozesse theoretisch begründe und empirisch angewandt. Gerade die Anwendung dieser Begriffe ermöglich interessante Einblicke in die russische und sowjetische Gegenwart.
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Berliner Journal für Soziologie 1, Heft 1

Michael Hartmann
Der Staat in der Defensive? Das Theorem vom "reflexiven Recht" und die Gewerkschaftsgesetzgebung der Regierung Thatcher

Das Theorem vom "reflexiven Recht" und die Gewerkschaftsgesetzgebung der Regierung Thatcher
Dieser Beitrag soll zeigen, daß die Grundthese vom "selbstbildenden Recht" falsch ist. Es liegt nicht an der Stärke gesellschaftlicher Systeme, die den Staat zwingen könnten substantielles Recht oder Wohlfahrtsgesetze durch "reflexives" oder "selbststeuerndes Recht" zu ersetzen. Die Entwicklung des britischen Gewerksehaftsrechts veranschaulicht das ganz deutlich. Im Gegensatz zur Regierung Heath in den 70er Jahren, als die Gewerkschaften noch stark und der Staat schwach waren, war es dann für die Regierung Thatcher möglich das neue Gewerkschaftsrecht als eine An von "reflexivem Recht" durchzusetzen, da eben die Gewerkschaften schwach und der Staat stark waren. Das neue Gewerkschaftsrecht hat weiterhin nicht die Absicht, die Gewerkschaften zu demokratisieren, sondern vielmehr ihre Macht zu brechen.
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Berliner Journal für Soziologie 1, Heft 1

Harald Bluhm
Plädoyer für eine verändert Sicht auf Marxens Werk

Die Auseinandersetzung mit Marx ist ein Gebot selbstkritischen Umgangs mit der eigenen Vergangenheit für Gesellschaftswissenschaftler der ehemaligen DDR. Hier wird zur sachorientierten Auflösung dogmatischer Lesarten der Versuch unternommen, eine mehr begrifflich systematische und historisierende Herangehensweise zu verbinden. Erst dann läßt sich hypothetisch ein innerer Widerspruch im Marxschen Werk, der zwischen kritischer Wissenschaft und Emanzipationsinteressen besteht, bestimmen. Er stellt ein durchgehendes Moment im Ouevre dar und kennzeichnet drei größere Perioden (1843-1850, 1850-ca. 1860 und 1860-1883) mit seinen jeweiligen Lösungsformen. Nimmt man als einen Indikator die Revolutionserwartung, so wandelt sie sich von einer unmittelbaren übe die mittelbare zur mehr resignativen Haltung. Damit korrespondiert die Veränderung in der Theorieorientierung, in der das Leitthema, die Verselbständigung sozialer Verhältnisse gedacht wird: vom aktivistischen Praxisansatz über die systemtheoretische Ausprägung der Ökonomie bis hin zur evolutionistischen Wendung der Theorie. wenngleich die Fassung des Leitthemas problematisch ist, das Grundproblem der Rückkoppelung der Tätigkeit an die agierenden Subjekte bleibt aktuell.
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Berliner Journal für Soziologie 1, Heft 1

Effi Böhlke
Unkritische Theorie oder der Glaube an die Existenz der selbst gesetzten Gesetze

Das Thema der Existenz und Erkennbarkeit von Gesetzen im allgemeinen und sozialen Gesetzen im besonderen ist eines der Kardinalprobleme der Wissenschaftsgeschichte in Vergangenheit, Gegenwart und sicher auch in Zukunft. Diesbezüglich Debatten zeigen Pro und Contra, ebenso wie Versuche einer Reformulierung – Modernisierung dieser Kategorie unter neuen Aspekten und haben systemstrukturierende Konsequenzen für ganze Theoriegebäude. Die Analyse der jeweiligen Position zur Gesetzeskategorie bietet einen methodischen Zugang zur Erklärung theoretischer Konstrukte.
Im Artikel wird versucht, diesen Zugang für ein Verständnis wie eine Kritik des Marxismus/Leninismus unter folgenden Gesichtspunkten zu erschließen:
1.) Welche Struktur haben sowohl die geistige Produktion der Gesetzeskategorie wie ihr Produkt, die Kategorie selbst?
2.) Woraus resultiert die substantialistisch-realistische Haltung zu den Gesetzen, die in ihnen nicht mehr ein geistiges Produkt, sondern eine objektive Substanz sieht?
3.) Welche erkenntnisimmanenten, sozialen (aus der Position der Intellektuellen im sozialen Raum resultierenden) wie machtpolitischen (im Sinne der Dispositive der Macht) Voraussetzungen liegen diesem Akt zugrunde?
40 Jahre theoretische Vergangenheit sind nicht zu annullieren, .sondern einem kritischen Blick zu unterwerfen.
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Berliner Journal für Soziologie 1, Heft 1

– Materialien –

Anton Sterbling
Strukturprobleme und Modernisierungsaussichten südosteuropäisch Gesellschaften

Nach dem Zusammenbruch der realsozialistischen Systeme stehen die südosteuropäischen Gesellschaften vor einer dreifachen Modernisierungskrise bzw. -herausforderung: einer Demokratisierungskrise, einer „soziokulturellen“ Krise und einer sozioökonomischen Krise. Der Autor plädiert für eine stärkere Erforschung der Sozialstrukturen der Gesellschaften Südosteuropa als Voraussetzung für die Bewältigung der genannten Modernisierungsherausforderungen. Er argumentiert für eine Analyse der Sozialstrukturen südosteuropäischer Gesellschaften unter Rückgriff auf das Konzept der „sozialen Schließung“. Die Sozialstrukturen der Gesellschaften Südosteuropas waren bzw. sind von verschiedenen Mustern und Tendenzen der sozialen Schließung gekennzeichnet, wobei Prozesse der sozialen „Ausschließung“ und Vorgänge der sozialen „Schließung“ der von den Ausschließungsprozessen negativ betroffenen sozialen Gruppen eine komplizierte Interdependenz aufweisen.
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Berliner Journal für Soziologie 1, Heft 1

Christian Stappenbeck
Arbeiterwerktag und Kirche.
Lausitzer Tagebuchaufzeichungen eines theologischen Bauhilfsarbeiters 1958/59

Der Beitrag ist der Versuch einer Annäherung an die Mentalität von Industriearbeitern der früheren DDR, die plätzlich mit dem Phänomen Kirche konfrontiert sind. Aus dem Tagebuch eines jungen Theologen im entstehenden Braunkohleveredlungswerk Schwarze Pumpe, der zu einer der ersten Gruppen ostdeutscher „Industriepastoren“ gehörte, wird die Kluft zwischen der traditionellen protestantischen „Volkskirche“ und den werktätige Mitgliedern der Klasse, die nach dem Selbstverständnis des jungen Staates die herrschende, machtausübende ist, 1ebendig sichtbar. Dabei gibt es nicht den typischen Arbeiter, sondern es treten die differenzierten Typen des indifferenten, des neugierigen, des emotional antiklerikal engagierten wie auch des von Familienherkunft kirchlich sozialisierten Arbeiters hervor. Der Versuch des theologischen Hilfsarbeiters, einzutreten in die Solidarität der arbeitenden Menschen, wird allerdings nach vier Monaten durch die drakonische Einwirkung notorisch mißtrauischer höherer Instanzen unterbrochen.
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