Berliner Journal für Soziologie
 
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Die neue Online-Ausgabe des
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finden Sie unter:
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Berliner Journal für Soziologie
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Sozialwissenschaften
Unter den Linden 6
D-10099 Berlin
Tel.: 030-2093-4355/-4356/-4357
Fax: 030-2093-4365
BJournal@sowi.hu-berlin.de

 

 

 

Stand 29.04.2007

Archiv



Inhalt - Heft 1/2003



Hans-Peter Müller
Editorial     S. 3

Gil Eyal/Iván Szelényi/Eleanor Townsley
Ironie als Methode. Eine Einladung zur neoklassischen Soziologie     S. 5
          Zusammenfassung

Stefan Böschen/Willy Viehöver/Jens Zinn
Rinderwahnsinn. Können Gesellschaften aus Krisen lernen?     S. 35
          Zusammenfassung

Jürgen Gerhards
Geschlechtsklassifikation durch Vornamen und Geschlechtsrollen im Wandel     S. 59
          Zusammenfassung

Stefan Kühl
New Economy, Risikokapital und die Mythen des Internet     S. 77
          Zusammenfassung

Michael Schmid
Konsens und Gewalt. Zur handlungstheoretischen Modellierung sozialer Mechanismen der Normentstehung     S. 97
          Zusammenfassung



Review Essay

Karin Lohr
Organisation und Gesellschaft – Industrie- und Organisationssoziologie auf der Suche nach neuen theoretischen Perspektiven     S. 127



Mitteilungen und Berichte

Konferenz der DGS (Sektion Soziologische Theorien) in Hamburg, 29. bis 31. Mai 2003. "Worlds of Capitalism – Globalization, Governance, and Democracy"     S. 136










Zusammenfassungen Heft 1/2003


 

Berliner Journal für Soziologie 13, Heft 1

Gil Eyal/Iván Szelényi/Eleanor Townsley
Ironie als Methode. Eine Einladung zur neoklassischen Soziologie

Dieser Artikel stellt theoretische und methodische Ansätze einer neoklassischen Soziologie vor. Die neoklassische Soziologie versteht sich als eine Habermas’sche Rekonstruktion der von ihren klassischen Theoretikern, hier vor allem Max Weber, konzeptualisierten, grundlegenden Idee der Disziplin. Mit Blick auf die Entwicklungen in Ost- und Mitteleuropa widersprechen wir der dominanten Vorstellung einer einzigen, homogenisierenden Globalisierungslogik. Sowohl in der Geschichte als auch in der Gegenwart lässt sich nämlich eine bemerkenswerte Vielfalt kapitalistischer Formen und Ausprägungen feststellen. Weder soziologische Netzwerktheorien oder Theorien der „Einbettung“ noch ökonomische Modelle rationalen Handelns vermögen diese Vielfalt angemessen zu erfassen. Der hier vorgestellte neoklassischer Ansatz verknüpft empirische, vergleichende Ansätze der Untersuchung des Kapitalismus mit einem ironischen historischen Analyseansatz, und ermöglicht so erst eine differenzierte und kritische soziologische Analyse der verschiedenen Formen des Kapitalismus.
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Berliner Journal für Soziologie 15, Heft 4

Stefan Böschen/Willy Viehöver/Jens Zinn
Rinderwahnsinn. Können Gesellschaften aus Krisen lernen?

Bovine Spongiforme Enzephalopathologie, kurz BSE, ist ein Kulminationspunkt einer Reihe sozialer Krisen: BSE ist Symbol für die Krise der Natur, die Krise des Gewissheitsanspruches der Wissenschaften, die Krise der Verwaltungen oder der Agro- und Fleischindustrie. Die BSE-Krise fordert die institutionelle Landschaft moderner Gesellschaften auf besondere Weise heraus. Aber augenscheinlich fällt es Verwaltungen und Regierungen, oder einzelnen sub-politischen Akteuren wie Organisationen und Expertengemeinschaften schwer, auf das komplexe Problem zu reagieren. Die Pluralisierung von Wissensansprüchen, -ressourcen und Werthaltungen, aber auch die Zunahme von Ungewissheit und Nicht-Wissen erschweren die Chancen für eine Konvergenz der Problemsichten und die gemeinsame Organisation von Maßnahmen zur Problemlösung. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, inwiefern Gesellschaften überhaupt aus solchen Krisen „lernen“ können. Die jüngere modernisierungstheoretische Diskussion setzt ihre Hoffnungen dabei auf die Lerneffekte von Netzwerken wie Epistemic Communities, Advocacy- oder Diskurskoalitionen, die die kollektiven Lernchancen quer zu den üblichen Disziplin-, Organisations- und Institutionsgrenzen denken. Der folgende Beitrag versucht über dieses Ansätze hinauszugehen. Dabei wird deutlich, dass die Chancen kollektiven Lernens nicht nur von den akteursspezifischen und institutionelle Problemnarrationen abhängen, sondern auch von den institutionellen Kontexten und Verfahren, durch die das Lernen des Lernens organisiert wird. Ob sich durch das Zusammenspiel von Problemnarrationen und interorganisatorische und interinstitutionelle Kommunikation die Lernfähigkeit in den unterschiedlichen institutionellen Feldern erhöhen lässt oder sich die Wahrscheinlichkeit ihrer Blockierung erhöht, ist eine brennende Frage.
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Berliner Journal für Soziologie 15, Heft 4

Jürgen Gerhards
Geschlechtsklassifikation durch Vornamen und Geschlechtsrollen im Wandel

Der Aufsatz versucht, zwei Fragen zu beantworten: 1. In welchem Maße wird über die Benutzung von Vornamen das Geschlecht von Personen klassifiziert und lässt sich diesbezüglich ein sozialer Wandel feststellen? Zur Beantwortung dieser Frage wurde eine kleine Befragung durchgeführt, in der Befragte neu erfundene Vornamen danach klassifizieren sollten, ob es sich bei den einzelnen Namen um einen männlichen oder um einen weiblichen Namen handelt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Befragten zu einer weitgehend richtigen Einschätzung kommen. Eine fonetische Analyse kann zeigen, dass die richtige Entscheidung von den den Geschlechtern zugeordneten fonetischen Merkmalen strukturiert wird. Die Analysen zeigen weiterhin, dass die Eindeutigkeit der fonetischen Markierung des Geschlechts im Zeitverlauf (1950 bis 1990) sich nicht verändert hat, Prozesse der Androgynisierung von Vornamen also nicht stattgefunden haben. 2. Weiterhin wird untersucht, ob die Eltern je nach Geschlecht des Kindes auf unterschiedliche Namenskulturkreise zurückgreifen und ob sich dies im Zeitverlauf der letzten 100 Jahre geändert hat. Die Ergebnisse zeigen, dass die Jungennamen traditionsgebundener sind, während die Mädchennamen sich schneller wandeln und empfänglicher für die Namen vormals anderer Kulturkreise sind. Zudem zeigt sich, dass Traditionsbindung für beide Geschlechter etwas Unterschiedliches bedeutet. Beide Befunde deuten daraufhin, dass die Vornamen mit geschlechtstypischen Rollenvorstellungen verbunden sind und es diesbezüglich wenig Veränderungen in der Zeit gegeben hat.
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Berliner Journal für Soziologie 15, Heft 4

Stefan Kühl
New Economy, Risikokapital und die Mythen des Internet

In diesem Artikel wird aus einer neo-institutionalistischen Perspektive die Funktionsweise risikokapitalfinanzierter Unternehmen analysiert. Als Beispiel dient dabei der Internet-Hype von 1995 bis 2000. Aufgrund des schnellen Wachstums der Internetunternehmen und der Möglichkeit, Anteile von sehr jungen Unternehmen an den Börsen zu handeln, war diese Branche ein geeignetes Investitionsfeld für Risikokapitalgesellschaften. Insofern davon ausgegangen wurde, dass eine schnelle Marktpenetration über Erfolg oder Misserfolg von Unternehmen im Internet entscheidet, waren nicht kurzfristige Profitabilität, sondern Nutzerzahlen, Bildschirmbesucher und Umsatzsteigerungen wichtig. Da die Geschäftsmodelle risikokapitalfinanzierter Unternehmen vorrangig auf einem Nachfluss von Geldern aus dem Kapitalmarkt aufgebaut sind, ist es für sie von wesentlicher Bedeutung, die „Meilensteine“ auch zu erreichen, die sie bezüglich Nutzerzahlen, Umsatzsteigerung und Ergebnisverbesserung aufgestellt haben. Kapitalmarktorientierte Unternehmen nutzten deswegen ausgeprägt Möglichkeiten, um Nutzerzahlen, Bildschirmbesucher, Umsatz und Unternehmensergebnisse zu schönen. Die so entstehenden „Unternehmensrealitäten“ basieren darauf, dass die Geldnachflüsse aus dem Kapitalmarkt sich fortsetzen. Wenn sie ausbleiben, brechen die Unternehmen wie Kartenhäuser in sich zusammen.
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Berliner Journal für Soziologie 15, Heft 4

Michael Schmid
Konsens und Gewalt. Zur handlungstheoretischen Modellierung sozialer Mechanismen der Normentstehung

Der Aufsatz untersucht die Möglichkeit, handlungstheoretisch fundierte Modelle über Abstimmungsmechanismen zu entwickeln, mittels derer Akteure die Koordinations-, Kooperations- und Ungleichheitsdilemmata überwinden können, denen ihre Beziehungsverhältnisse ausgesetzt sind. Es zeigt sich, dass die bislang diskutierten soziologischen und ökonomischen Modellierungsvorschläge Mängel aufweisen, die dadurch behoben werden können, dass man die Etablierung und Durchsetzung von (normativen und zugleich rechtswirksamen) Regeln, welche die Akteure auf die Rücksichtnahme der Interessen anderer verpflichten, als eine notwendige Bedingung der Stabilisierung zwischenmenschlicher Beziehungsformen in die Modellierungen aufnimmt. Ergebnis dieser Modellerweiterung ist die Einsicht, dass es keine ultrastabilen Lösungen für die genannten Abstimmungsprobleme gibt. Da alle sozialwissenschaftlichen Disziplinen derartige Abstimmungsmechanismen behandeln, wäre deren interdisziplinäre Erforschung anzuraten, die auf der Basis einer einheitlichen, fächerübergreifenden Theorie des menschlichen Wahlhandelns vorangetrieben werden kann.
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