Berliner Journal für Soziologie
 
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finden Sie unter:
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Berliner Journal für Soziologie
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Sozialwissenschaften
Unter den Linden 6
D-10099 Berlin
Tel.: 030-2093-4355/-4356/-4357
Fax: 030-2093-4365
BJournal@sowi.hu-berlin.de

 

 

 

Stand 29.04.2007

Archiv



Inhalt - Heft 2/2003



NETZWERKANALYSE UND LEBENSLAUF

Hans Bertram/Betina Hollstein
Editorial     S. 147

Betina Hollstein
Netzwerkveränderungen verstehen. Zur Integration von struktur- und akteurstheoretischen Perspektiven     S. 153
          Zusammenfassung

Frieder R. Lang
Die Gestaltung und Regulation sozialer Beziehungen im Lebenslauf: Eine entwicklungspsychologische Perspektive     S. 175
          Zusammenfassung

Harald Uhlendorff/Hans Oswald
Freundeskreise und Cliquen im frühen Jugendalter     S. 197
          Zusammenfassung

Martin Diewald
Kapital oder Kompensation? Erwerbsbiographien von Männern und die sozialen Beziehungen zu Verwandten und Freunden     S. 213
          Zusammenfassung

Yvonne Schütze
Migrantennetzwerke im Zeitverlauf – junge russische Juden in Berlin     S. 239
          Zusammenfassung

Wolfgang Merkel
Institutionen und Reformpolitik: Drei Fallstudien zur Vetospieler-Theorie     S. 255
          Zusammenfassung



Review Essay

Heinz Steinert
Die kurze Geschichte und offene Zukunft eines Begriffs: Soziale Ausschließung     S. 275



Mitteilungen und Berichte

Kongress der Schweizerischen Gesellschaft für Soziologie (SGS) an der Universität Zürich vom 1. bis 3. Oktober 2003 zum Thema "Triumph und Elend des Neoliberalismus"     S. 286










Zusammenfassungen Heft 2/2003


 

Berliner Journal für Soziologie 13, Heft 2

Betina Hollstein
Netzwerkveränderungen verstehen. Zur Integration von struktur- und akteurstheoretischen Perspektiven

Thema des Beitrags sind die Bedingungen und Mechanismen der Veränderung informeller sozialer Netzwerke. Im Anschluss an Georg Simmels Form-Begriff wird ein Konzept informeller Beziehungen und Netzwerke vorgestellt, das es ermöglicht, sowohl strukturelle Merkmale (der Eigendynamik sozialer Beziehungen geschuldete Merkmale) als auch unterschiedliche individuelle Orientierungen der Akteure in Rechnung zu stellen und in ihren Wechselwirkungen zu analysieren. Erträge dieses Konzepts werden anhand von Ergebnissen einer Studie illustriert, in der die Veränderungen informeller Netzwerke nach der Verwitwung untersucht wurden. Dort wurden drei verschiedene Typen von Netzwerkveränderungen rekonstruiert. Es wird gezeigt, wie bestimmte biographische Orientierungen (Bezogenheit auf soziale Beziehungen, Freundschaftsmuster, Aktivitätsorientierung) die Netzwerkveränderungen steuern. Ferner wird am Abbruch außerfamilialer Beziehungen (Freundschaften und Bekanntschaften) demonstriert, wie individuelle Orientierungen mit Strukturmerkmalen der Gesellungsformen (Quantität) zusammenwirken und dadurch die Stabilität bzw. die Instabilität informeller Beziehungen erklären.
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Berliner Journal für Soziologie 13, Heft 2

Frieder R. Lang
Die Gestaltung und Regulation sozialer Beziehungen im Lebenslauf: Eine entwicklungspsychologische Perspektive

Der Beitrag behandelt die Mechanismen der lebenslangen Beziehungsgestaltung aus entwicklungspsychologischer Perspektive. Es werden sechs Leitsätze der lebenslangen Entwicklung sozialer Beziehungen vorgestellt. Während ihres gesamten Lebens beteiligen sich Individuen aktiv daran, die Leistungen und Strukturen ihrer sozialen Umwelt in Einklang mit ihren Bedürfnissen und Ressourcen zu gestalten. Im Allgemeinen sind dabei selbst- und fremdregulatorische Strategien der Beziehungsgestaltung zu unterscheiden, wobei angenommen wird, dass beide Strategien auf die Ausweitung der Handlungsmöglichkeiten des Individuums gerichtet sind. Eine beispielhafte Strategie der Beziehungsregulation bezieht sich auf das Zusammenspiel zweier sozialer Orientierungen des Individuums: dem Streben nach sozialer Wirksamkeit und dem Bindungsstreben. Anhand empirischer Befunde, wird illustriert, wie die Ausprägungen der beiden Beziehungsorientierungen im Lebenslauf variieren und wie diese die Zusammensetzung und Leistungen persönlicher Netzwerke beeinflussen. Einflüsse der Beziehungsorientierung auf die soziale Einbindung erweisen sich dabei als abhängig von den entwicklungsbezogenen Handlungsressourcen des Individuums.
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Berliner Journal für Soziologie 13, Heft 2

Harald Uhlendorff/Hans Oswald
Freundeskreise und Cliquen im frühen Jugendalter

Jugendliche sind auf vielfältige Weise in ihre Gleichaltrigenwelt eingebunden. Im vorliegenden Aufsatz untersuchen wir die Freundeskreise von Jugendlichen, ihre Einbindung in Cliquen, die damit einhergehende sozio-emotionale Befindlichkeit der Jugendlichen und ihr abweichendes Verhalten. Dazu befragten wir 111 etwa 14-jährige Brandenburger Jugendliche mit standardisierten Instrumenten. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen berichteten, dass sie in Cliquen eingebunden sind, von denen die meisten gemischtgeschlechtlich sind. Jugendliche ohne Cliqueneinbindung hatten einen kleineren Freundeskreis, trafen sich seltener mit anderen und fühlten sich einsamer und weniger sozial akzeptiert als Jugendliche, die sich einer Clique zurechneten. Jugendliche mit Cliquen hatten innerhalb ihrer Cliquen mehr gemischtgeschlechtliche Beziehungen als außerhalb ihrer Cliquen, was dafür spricht, dass Cliquen den Weg zu gemischtgeschlechtlichen Beziehungen im frühen Jugendalter bahnen. Zusätzlich wurden Cliquenbeziehungen gegenüber anderen Beziehungen als unterstützender und spaßorientierter beschrieben. Mitglieder gruppenkulturell problematischer Cliquen, die sich durch Konformitätsdruck nach innen und Provakationsbereitschaft nach außen auszeichneten, neigten zu abweichendem Verhalten wie Unterrichtsstörungen, Devianz und ernsthaften Prügeleien. Die Mitglieder in unproblematischen Cliquen ähnelten hinsichtlich des geringen Ausmaßes an abweichendem Verhalten den Jugendlichen ohne Cliquen. Jugendliche bekommen durch ihre Cliquen zwar einerseits viele positive Entwicklungsimpulse, andererseits bilden Konformität einfordernde und provokative Cliquen einen problematischen Kontext für die Entwicklung abweichenden Verhaltens.
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Berliner Journal für Soziologie 13, Heft 2

Martin Diewald
Kapital oder Kompensation? Erwerbsbiographien von Männern und die sozialen Beziehungen zu Verwandten und Freunden

Der Beitrag behandelt die Auswirkungen unterschiedlicher Beschäftigungsverhältnisse und berufsbiografischer Erfahrungen auf die Integration in soziale Beziehungen, insbesondere solche zu Freunden und Verwandten. Ein wichtiger Aspekt sind hierbei Erfahrungen von Diskontinuität und Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt, die nach Sennett auf den Bereich persönlicher Beziehungen übergreifen und die Integration in enge, verlässliche Beziehungen erschweren. Dem gegenüber gibt es allerdings auch theoretische Argumente für eine Kompensation berufsbiografischer Unsicherheiten durch eine verstärkte Hinwendung zu engen und stabilen Primärbeziehungen gegenüber. Empirische Analysen mit den Daten des Familiensurvey 2000 zeigen sowohl negative Auswirkungen als auch kompensatorische Zusammenhänge, wobei letzteres wohl nur dann möglich ist, wenn das Unsicherheitsniveau nicht ein bestimmtes Maß übersteigt bzw. individuelle Bewältigungsressourcen vorhanden sind. Überraschenderweise sind nicht primär die Verwandtschafts- und Familienbeziehungen Basis solcher kompensatorischer Zusammenhänge, sondern mehr noch enge Freundschaften.
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Berliner Journal für Soziologie 13, Heft 2

Yvonne Schütze
Migrantennetzwerke im Zeitverlauf – junge russische Juden in Berlin

Soziale Beziehungen zu Einheimischen gelten in der Migrationssoziologie als eine zentrale Dimension des Akkulturationsprozesses. Auf der Basis einer Langzeitstudie über junge russisch-jüdische Migranten wird die Entwicklung sozialer Beziehungen zu Deutschen über drei Befragungszeitpunkte verfolgt. Dazu wurden aus Leitfadeninterviews Handlungsstrategien (Integration, Separation, Assimilation, Marginalität) rekonstruiert und unabhängig davon die Anzahl deutscher Netzwerkmitglieder mittels eines Network Questionnaire erhoben. Im Ergebnis zeigt sich erstens ein enger Zusammenhang zwischen Handlungsstrategien und der Anzahl tatsächlich genannter Netzwerkmitglieder. Zweitens wird deutlich, dass über die Hälfte der Migranten bei einer einmal eingeschlagenen Handlungsstrategie geblieben sind, während die anderen mehrheitlich von Separation zu Integration gewechselt haben. Hieraus folgt, dass zur Beschreibung von Akkulturationsprozessen eine Kategorisierung nach Handlungsstrategien sich nur dann empfiehlt, wenn mehrere Befragungszeitpunkte gegeben sind.
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Berliner Journal für Soziologie 13, Heft 2

Wolfgang Merkel
Institutionen und Reformpolitik: Drei Fallstudien zur Vetospieler-Theorie

Der Artikel rekonstruiert und diskutiert die viel zitierte Vetospieler-„Theorie“ von George Tsebelis. Als eine „Theorie“, die zumindest implizit dem handlungsorientierten Paradigma rationaler neo-institutioneller Theorien folgt, verspricht sie das statische Vorurteil von strukturalistischen Variablen-Ansätzen in der vergleichenden Politikforschung zu überwinden. Mit den drei Parametern Zahl der Vetospieler, policy congruence zwischen ihnen und interne Kohäsion der Spieler glaubt Tsebelis einen Ansatz gefunden zu haben, der Stabilität und Wandel von policies erklären und voraussagen kann. Dies gilt für Untersuchungen mit wenigen und vielen Untersuchungsfällen. Die theoretische Konstruktion ist sparsam, elegant und erscheint in sich zunächst schlüssig. Wie erklärungskräftig sie ex post ist, wird an anhand von drei Fallstudien der Rot-Grünen Regierungskoalition von 1998-2002 getestet: der Steuerreform, der Rentenreform und der (ausgebliebenen) Reform des Arbeitsmarktes. Die Untersuchungen zeigen Vetospieler-Theorie auf. Aus der theoretischen Diskussion und der empirischen neben dem zweifellosen Erklärungspotential auch die Grenzen und Schwächen von Tsebelis’ Überprüfung werden abschließend Vorschläge zur Weiterentwicklung des Ansatzes gemacht.
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