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Berliner Journal für Soziologie
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Sozialwissenschaften
Unter den Linden 6
D-10099 Berlin
Tel.: 030-2093-4355/-4356/-4357
Fax: 030-2093-4365
BJournal@sowi.hu-berlin.de

 

 

 

Stand 29.04.2007

Archiv



Inhalt - Heft 2/2004



DAS LITERARISCHE FELD

Hans-Peter Müller
Editorial    S. 155

GisĖle Sapiro
Das französische literarische Feld: Struktur, Dynamik und Formen der Politisierung    S. 157
          Zusammenfassung

Boris Gobille
Literarisches Feld und politische Krise. Mobilisierungen französischer Schriftsteller im Mai 68 und Verzeitlichungslogiken des Feldes    S. 173
          Zusammenfassung

Anna Boschetti
Vom Engagement zum Experimentalismus. Bemerkungen zur italienischen Literatur seit 1945 und zu ihrem Verhältnis zum transnationalen Raum    S. 189
          Zusammenfassung

Ingrid Gilcher-Holtey
Was kann Literatur und wozu schreiben? Das Ende der Gruppe 47    S. 207
          Zusammenfassung

Ingrid Artus
Interessenrepräsentanz oder Stellvertreterhandeln? ‹ber die Beziehungen zwischen ostdeutschen Arbeitgeberverbänden und ihren Mitgliedern    S. 233
          Zusammenfassung

Renate Mayntz
Hierarchie oder Netzwerk? Zu den Organisationsformen des Terrorismus    S. 251
          Zusammenfassung



Review Essay

Friedhelm Neidhardt
Zur Soziologie des Terrorismus    S. 263









Zusammenfassungen Heft 2/2004


 

Berliner Journal für Soziologie 14, Heft 2

GisĖle Sapiro
Das französische literarische Feld: Struktur, Dynamik und Formen der Politisierung
Der vorliegende Artikel stellt - ausgehend von der Feldtheorie Pierre Bourdieus und von empirischen Studien zu französischen Schriftstellern - die Prinzipien der Strukturierung des französischen literarischen Feldes vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn der 1970er Jahre vor. Das französische literarische Feld strukturiert sich um zwei grundsätzliche Gegensätze: "Herrschende" versus "Beherrschte" und "Autonomie" versus "Heteronomie". Die kreuzweise Anordnung dieser beiden Gegensatzpaare ermöglicht die Differenzierung von vier Idealtypen von Schriftstellern - die "Notabeln", die "Ästheten", die "Avantgarden" und die "populären Schriftsteller" -, die sich sowohl durch ihre Literaturkonzepte voneinander unterscheiden als auch durch die Soziabilitätsräume, in denen sie zusammenkommen, und durch die Art ihres politischen Engagements. Diese keineswegs starre Struktur prägt die Formen der Auseinandersetzung, die zwischen den verschiedenen Fraktionen über den Erhalt oder die Veränderung der konstitutiven Kräfteverhältnisse im Feld stattfinden. Sie werden im zweiten Teil des Artikels näher dargestellt.
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Berliner Journal für Soziologie 14, Heft 2

Boris Gobille
Literarisches Feld und politische Krise. Mobilisierungen französischer Schriftsteller im Mai 68 und Verzeitlichungslogiken des Feldes
Auch wenn Bourdieus Feldtheorie häufig als Theorie der sozialen Reproduktion wahrgenommen wird, liefert sie zweifellos ebenso Mittel, um sozialen Wandel zu verstehen. Die Dynamik des Feldes ist allerdings im Falle eines verhältnismäßig autonomen Feldes, wie es das französische literarische Feld seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts darstellt, vor allem das Produkt interner Konkurrenzkämpfe und bleibt damit alles in allem begrenzt. Der vorliegende Artikel möchte auf den Beitrag aufmerksam machen, den eine Theorie der politischen Krisen zu einer Untersuchung der Verzeitlichungsmodi des literarischen Feldes leisten kann. Ziel ist es, die Veränderung solide etablierter Legitimitäts- und Positionshierarchien im literarischen Feld durch politische Ereignisse, deren Auswirkungen ganz einschneidend oder lediglich vorläufig sein können, theoretisch zu fassen. Das soll nicht heißen, dass das literarische Feld ausschließlich durch heteronome, plötzlich aus dem öffentlichen Raum hervortretende Faktoren in Bewegung gesetzt wird: Der Schlüssel für die abrupten Neukonfigurierungen, Entobjektivierungen und Reproblematisierungen der zentralen Themen und Spaltungen, um die herum sich der literarische Raum ordnet, liegt vielmehr in einer Begegnung zwischen literarischem Feld und einer besonderen politischen Krisenkonjunktur. Die Krise des Mai 1968 in Frankreich bietet in dieser Hinsicht ein bevorzugtes Beobachtungsgebiet.
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Berliner Journal für Soziologie 14, Heft 2

Anna Boschetti
Vom Engagement zum Experimentalismus. Bemerkungen zur italienischen Literatur seit 1945 und zu ihrem Verhältnis zum transnationalen Raum
Anhand einiger exemplarischer Beispiele aus der Geschichte des italienischen literarischen Feldes seit 1945 weist der vorliegende Artikel auf die enge Verflechtung hin, die die innere Logik des literarischen Feldes an die Entwicklung des umfassenden transnationalen Raumes bindet. Dabei ist der transnationale Raum durch eine relativ einheitliche Struktur und Hierarchie gekennzeichnet. Durch den Wechsel der Ebene, also durch Aufgabe der nationalen Sichtweise, wie sie zumeist von der Literaturgeschichte eingenommen wird, kommt die wichtige Rolle der Kräfteverhältnisse deutlich zum Vorschein, welche die "Weltrepublik der Literatur" ("Republique mondiale des lettres") und den Raum charakterisieren, in dem diese situiert ist: das globale Feld der Macht. Es werden daher vor allem solche Beispiele ausgewählt, die in besonders anschaulicher Weise die Beziehung zwischen nationaler und transnationaler Logik offenbaren. Die strukturalistische und genetische Herangehensweise, die diesem Artikel zugrunde liegt, hebt sich von einer interaktionistischen Perspektive ab. In diesem Sinne wird zu zeigen versucht, dass es zur Erklärung der Tatsachen nicht hinreicht, die sichtbaren Interaktionen zu betrachten; notwendig ist es vielmehr, jene Raumstruktur zu berücksichtigen, die den Interaktionen Form und Gestalt verleiht.
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Berliner Journal für Soziologie 14, Heft 2

Ingrid Gilcher-Holtey
Was kann Literatur und wozu schreiben? Das Ende der Gruppe 47
Im Zentrum steht die Analyse der Wechselwirkungen zwischen dem literarischen und dem politischen Feld. Die Problematik wird entfaltet am Beispiel des Zerfalls der Gruppe 47 im Kontext der Formierung und Mobilisierung einer Außerparlamentarischen Opposition in der Bundesrepublik Deutschland (1965-1968). Ausgehend von divergierenden Reaktionen führender Repräsentanten der Gruppe 47 auf die Protestbewegung, zeigt der Artikel den Zusammenhang zwischen den politischen Stellungnahmen der Schriftsteller und den gruppeninternen Konkurrenzkämpfen um die legitime Definition dessen, was Literatur ist und kann. Das Auftauchen eines neuen Akteurs im politischen Feld akzentuiert und dramatisiert, so die These, die latenten Spannungen und Konflikte innerhalb der literarischen Gruppe. Herausgefordert durch die Protestbewegung in ihrem Anspruch, eine außerparlamentarische, antiautoritäre Opposition zu sein, polarisiert und spaltet sich die Gruppe entlang politischer und literarischer Konfliktlinien, die zu divergierenden Bestimmungen des gesellschaftskritischen und transzendierenden Potenzials von Literatur, unterschiedlichen Bestimmungen des Verhältnisses von Autor und Leser sowie zu gegensätzlichen Ansätzen einer Restrukturierung der Beziehungen innerhalb des Literaturbetriebs führen.
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Berliner Journal für Soziologie 14, Heft 2

Ingrid Artus
Interessenrepräsentanz oder Stellvertreterhandeln? ‹ber die Beziehungen zwischen ostdeutschen Arbeitgeberverbänden und ihren Mitgliedern
Erhebliche Defizite normativer Verbandsintegration im Bereich der ostdeutschen Arbeitgeberverbände erlauben die These, wonach deren Politik eher als "Stellvertreterhandeln" denn als intermediärer Prozess der Interessenrepräsentation aufzufassen ist. Diese These stützt sich nicht nur auf den Rückgang der unternehmerischen Verbandsbindung, sondern vor allem auf eine qualitative Analyse der Beziehungsmuster zwischen den ostdeutschen Arbeitgeberverbänden und ihren Mitgliedern. Empirische Grundlage der vorliegenden Untersuchung sind rund 70 qualitative Expertengespräche mit Geschäftsleitungen und Verbandsvertretern und -vertreterinnen in drei ostdeutschen Industriebranchen. Es werden insgesamt vier typische Beziehungsmuster identifiziert und beschrieben, wobei ein fragiles sowie passives Verhältnis der Mitglieder zu den Verbänden vorherrschend ist.
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Berliner Journal für Soziologie 14, Heft 2

Renate Mayntz
Hierarchie oder Netzwerk? Zu den Organisationsformen des Terrorismus
Auf der Grundlage einer ausgedehnten Literatursuche werden in diesem Aufsatz die Organisationsformen des Terrorismus in Kategorien der Organisationssoziologie analysiert. In der Literatur wird der hierarchisch organisierte, auf ein nationales Territorium bezogene "alte" Terrorismus von Organisationen wie ETA, IRA oder Hamas den neuen, vor allem mit dem Namen Al Qaida verbundenen "Netzwerken des Terrors" gegenübergestellt. Tatsächlich weisen jedoch alle verdeckt operierenden Terrororganisationen eine Kombination von hierarchischen und Netzwerkmerkmalen auf. Darüber hinaus weist der organisierte Terrorismus eine Reihe von Merkmalen auf, die weder ins hierarchische Muster passen noch allgemein netzwerktypisch sind. Dabei handelt es sich um einen besonderen Steuerungsmodus und einen besonderen Modus loser Koppelung, die beide auf einer starken ideologischen Identifikation der Mitglieder mit der Organisation und ihren Zielen beruhen. Die Identifikation dieser besonderen Merkmale terroristischer Organisation leistet einen Beitrag zur Theorie der Handlungskoordination, speziell in interorganisatorischen Netzwerken.
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