Berliner Journal für Soziologie
 
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Berliner Journal für Soziologie
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Sozialwissenschaften
Unter den Linden 6
D-10099 Berlin
Tel.: 030-2093-4355/-4356/-4357
Fax: 030-2093-4365
BJournal@sowi.hu-berlin.de

 

 

 

Stand 29.04.2007

Archiv



Inhalt - Heft 3/2004



Hildegard Maria Nickel
Editorial    S. 283

Rainer Geißler
Einheit in Verschiedenheit.
Die interkulturelle Integration von Migranten - ein humaner Mittelweg zwischen Assimilation und Segregation    S. 287
          Zusammenfassung

Ingrid Tucci
Konfliktuelle Integration?
Die sozialen Konsequenzen der Lage der türkischen Bevölkerung in Deutschland und der nordafrikanischen in Frankreich    S. 299
          Zusammenfassung

Fabien Jobard
Der Ort der Politik.
Politische Mobilisierung zwischen Aufstandsversuchung und Staatsgewalt in einer Pariser Vorstadt    S. 319
          Zusammenfassung

Erika Alleweldt/Vincenz Leuschner
Freundschaften auf der Straße.
Marginalisierung, Ausgrenzung und Freundschaftsbeziehungen bei jungen Menschen mit Lebensmittelpunkt Straße    S. 339
          Zusammenfassung

Jan Skrobanek
Soziale Identität und Ausländerfeindlichkeit.
Das integrative Moment europäischer Zugehörigkeit    S. 357
          Zusammenfassung

Mike Geppert/Dirk Matten/Peggy Schmidt
Die Bedeutung institutionalistischer Ansätze für das Verständnis von Organisations- und Managementprozessen in multinationalen Unternehmen    S. 379
          Zusammenfassung

Michael Maschke
Behinderung als Feld wohlfahrtsstaatlicher Politik - eine Systematisierung der Behindertenpolitik    S. 399
          Zusammenfassung



Mitteilungen und Berichte

Preis der Fritz Thyssen Stiftung für sozialwissenschaftliche Aufsätze (begründet durch Prof. Dr. Dr. h.c. Erwin K. Scheuch) Zeitschriftenjahrgang 2002    S. 421









Zusammenfassungen Heft 3/2004


 

Berliner Journal für Soziologie 14, Heft 3

Rainer Geißler
Einheit in Verschiedenheit.
Die interkulturelle Integration von Migranten - ein humaner Mittelweg zwischen Assimilation und Segregation
Der Beitrag setzt sich kritisch mit der Debatte um Integration in der deutschen Migrationsforschung auseinander. In Deutschland dominiert eine assimilative Integrationstheorie: Integration sei nur als Assimilation möglich, weil sozialstrukturelle Integration (Chancengleichheit) und kultureller Pluralismus nicht miteinander vereinbar seien (Unvereinbarkeitstheorem). Am Beispiel des klassischen Einwanderungslandes Kanada wird gezeigt, dass das Unvereinbarkeitstheorem eine unzulässige Verallgemeinerung darstellt und dass die interkulturelle Integration nach dem kanadischen Prinzip von Einheit in Verschiedenheit einen humanen Mittelweg zwischen Assimilation und Segregation darstellt. Dieses Konzept sucht nach einer ausgewogenen Balance zwischen den gesellschaftlichen Erfordernissen nach sozialer Kohäsion sowie den Interessen der Mehrheit am Respekt vor ihren Grundwerten einerseits und den Bedürfnissen der ethnischen Minderheiten nach Gewährung und Anerkennung sozialkultureller Differenzen andererseits. Am kanadischen Beispiel wird zugleich deutlich gemacht, dass es großer politischer und gesellschaftlicher Anstrengungen bedarf (ethnic diversity mainstreaming), um eine Ethnisierung der Ungleichheitsstruktur einzudämmen.
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Berliner Journal für Soziologie 14, Heft 3

Ingrid Tucci
Konfliktuelle Integration?
Die sozialen Konsequenzen der Lage der türkischen Bevölkerung in Deutschland und der nordafrikanischen in Frankreich
Seit den 1980er Jahren gehören Konflikte mit einem ethnischen Hintergrund zur Alltagsrealität in Frankreich. In Deutschland fehlen dagegen weitgehend solche Konflikte. Ausgehend von Unterschieden im institutionellen Kontext der Integration von Zuwanderern in Deutschland und Frankreich untersucht der vorliegende Artikel die soziale Lage der türkischen Immigranten in Deutschland und der maghrebinischen Immigranten in Frankreich anhand von Daten des Sozio-Ökonomischen Panels (SOEP) und des Europäischen Panels der Haushalte (ECHP). Dabei wird die Hypothese geprüft, ob das Fehlen von Konflikten in Deutschland zum Teil durch die bessere soziale Lage der türkischen Bevölkerung erklärt werden kann. Die Daten zeigen unter anderem, dass die Arbeitsmarktsituation und die ökonomische Lage der türkischen Bevölkerung in Deutschland im Vergleich zur Lage der maghrebinischen Bevölkerung in Frankreich weniger prekär sind. Sozialstrukturelle Unterschiede allein können allerdings die Entstehung von Konflikten nicht erklären. Abschließend wird deshalb untersucht, inwiefern das jeweilige Integrationsmodell die Entstehung von sozialen Konflikten fördert bzw. verhindert.
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Berliner Journal für Soziologie 14, Heft 3

Fabien Jobard
Der Ort der Politik. Politische Mobilisierung zwischen Aufstandsversuchung und Staatsgewalt in einer Pariser Vorstadt
Vororte französischer Großstädte werden üblicherweise als "Banlieue" bezeichnet, ein Ausdruck aus dem mittelalterlichen Recht, der ursprünglich etwa "Bann-Ort" bedeutete. Es mag auf diese Bezeichnung zurückgehen, dass diese Gegenden in der französischen Soziologie als Orte beschrieben werden, wo außerordentliche soziale Gegebenheiten das Gemeinleben prägen: "Banlieues" wären in diesem Sinne aus den üblichen gesellschaftlichen Verhältnissen "verbannt". Der Beitrag versucht dagegen, diese Sicht auf die politische Geographie solcher Orte infrage zu stellen und zu untersuchen, wie hier politisch gehandelt wird und ob sich über dieses Handeln Anschlüsse an die umfassendere politische Öffentlichkeit ergeben. Gegenstand der empirischen Untersuchung ist die politische Mobilisierung von Jugendlichen in den Plattenbausiedlungen des Pariser Vorortes Dammarie-lĖs-Lys, die sich in einem besonders gespannten politischen und polizeilichen Kontext entfaltete. Diese Mobilisierung begann im Mai 2002 als Reaktion auf zwei tödliche Begegnungen mit der Nationalpolizei - dies in einer Stadt, wo ein ähnlicher Tod Dezember 1997 zu Aufständen und Plünderungen führte. Kollektiver Gewalt und Anomie im Dezember 1997 steht fünf Jahre später die politische Mobilisierung gegenüber - wenn auch unter der ehernen Aufsicht der Polizei und der lokalen Politik. Die teilnehmende Beobachtung der Ereignisse des Jahres 2002 soll einen Beitrag dazu liefern, die politische Geographie der Plattenbausiedlungen französischer Vororte soziologisch zu definieren.
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Berliner Journal für Soziologie 14, Heft 3

Erika Alleweldt/Vincenz Leuschner
Freundschaften auf der Straße. Marginalisierung, Ausgrenzung und Freundschaftsbeziehungen bei jungen Menschen mit Lebensmittelpunkt Straße
Der Beitrag beschäftigt sich mit einer der randständigsten Gruppen unserer Gesellschaft - jungen Menschen mit dem Lebensmittelpunkt Straße. Die "Straße" ist in diesem Zusammenhang als eine umgrenzte Lebenswelt zu verstehen, in der sich junge Menschen bewegen, die häufig sozial entwurzelt sind und sich von den meisten gesellschaftlichen Institutionen abgewendet haben. Ihr Sozialleben beschränkt sich auf das Netzwerk der Straßenszene und die freundschaftlichen Beziehungen in diesem Netzwerk. Diese Beziehungen stehen im Mittelpunkt des Aufsatzes. Er geht der Frage nach, welche Bedeutung die Freundschaften für die jungen Menschen auf der Straße haben. Auf der Grundlage der Ergebnisse einer qualitativen Studie zu Freundschaftsbeziehungen von Straßenjugendlichen in Berlin wird im ersten Teil des Beitrags die formale gesellschaftliche Position der jungen Menschen durch die Schilderung verschiedener Dimensionen sozialer Ausgrenzung dargestellt. Entlang der Kategorien eines ideengeschichtlich gewonnenen Konzeptes von Freundschaft werden im zweiten Teil die Freundschaften von Straßenjugendlichen beschrieben. Einerseits stellen sie eine Anpassung an die objektiven Lebensbedingungen dar, andererseits sind sie ein letzter Aktionsbereich subjektiver Lebensgestaltung.
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Berliner Journal für Soziologie 14, Heft 3

Jan Skrobanek
Soziale Identität und Ausländerfeindlichkeit.
Das integrative Moment europäischer Zugehörigkeit
Identitätstheoretisch inspirierte Ansätze in der Gruppensoziologie - hier insbesondere die Theorie der sozialen Identität von Henri Tajfel - haben die Bedeutung sozialer Identität für die Erklärung von Intergruppendiskriminierung und Gewalt gegenüber Ausländern hervorgehoben. In den vergangenen Jahren haben verschiedene Autoren die These vertreten, dass die Ergebnisse der Kleingruppenexperimente auch auf "large scale" Gruppen wie "Deutsche" oder "Europäer" zutreffen müssten. Dieser Aufsatz untersucht daher die Frage, ob subnationale, nationale und supranationale Identitäten für sich genommen zu einer vorhersagbaren negativen Einstellung gegenüber Ausländern, zu genereller Gewaltakzeptanz und zu gewalttätigem Verhalten gegenüber Ausländern führen. Zur Beantwortung dieser Frage wird unter Bezug auf die Theorie der sozialen Identität ein einstufiges theoretisches Modell zur Erklärung der Explananda entwickelt. Dabei werden Hypothesen über die Wirkung einer starken europäischen im Vergleich zu einer nationalen und regionalen Identität vorgeschlagen und mittels einer repräsentativen Umfrage bei 1457 ostdeutschen Jugendlichen geprüft. Es zeigt sich zunächst, dass eine europäische Identität eine negative Einstellung gegenüber Ausländern und die Akzeptanz von Gewalt abschwächt. In umgekehrte Richtung wirkt eine deutsche Identität. Im Hinblick auf die tatsächliche Ausübung von Gewalt gegenüber Ausländern scheinen soziale Identitäten allerdings von untergeordneter Bedeutung zu sein.
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Berliner Journal für Soziologie 14, Heft 3

Mike Geppert/Dirk Matten/Peggy Schmidt
Die Bedeutung institutionalistischer Ansätze für das Verständnis von Organisations- und Managementprozessen in multinationalen Unternehmen
Es ist auffällig, dass sich die sozialwissenschaftlich orientierte Organisationsforschung nur sehr wenig und theoretisch recht einseitig mit Multinationalen Unternehmen (MNU) als Organisationen beschäftigt. Organisationstheoretische Erklärungsmodelle, die das Verhalten in und von Organisationen jenseits technischer und ökonomischer Unternehmensumwelten erklären, sind daher eher rar und erst seit kurzem in einschlägigen Forschungsarbeiten zu finden. Ziel dieses Beitrages ist, die jüngere und vorwiegend englischsprachige Diskussion über den Einfluss von Institutionen und unterschiedlichen lokalen Rationalitäten auf Organisations- und Managementprozesse in MNU aufzuarbeiten. Im Folgenden werden die Grundlagen, wesentliche Ansätze, Kernaussagen und Konsequenzen des europäischen und amerikanischen Institutionalismus dargestellt. Insbesondere wird der Beitrag die Bedeutung, aber auch Grenzen dieser beiden Ansätze für die Analyse von Veränderungsprozessen in Multinationalen Unternehmen skizzieren und evaluieren. Im Vergleich zum noch dominanten "evolutionären Paradigma" in der internationalen Managementforschung wird hier das alternative Erklärungspotenzial von sozialwissenschaftlichen Institutionentheorien herausgestellt und anhand von vier verschiedenen Aspekten diskutiert: dem Einfluss des Heimatlandes, der Macht und der Autonomie von Tochtergesellschaften sowie der Entstehung transnationaler sozialer Räume.
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Berliner Journal für Soziologie 14, Heft 3

Michael Maschke
Behinderung als Feld wohlfahrtsstaatlicher Politik - eine Systematisierung der Behindertenpolitik
Für die Nachhaltigkeit von Wohlfahrtsstaaten ist Behindertenpolitik aufgrund ihres großen Anteils in den Sozialbudgets von großer Bedeutung. Die Erkenntnisse zu Behindertenpolitik und deren Wirkungen sind im Verhältnis zur ökonomischen Bedeutung jedoch - trotz verstärkter Forschung in den letzten Jahren - gering. Gründe hierfür sind vor allem der Charakter von Behindertenpolitik als Querschnittsaufgabe in verschiedenen Sicherungssystemen und die Schwierigkeit der Objektivierung der sozialen Kategorie Behinderung. In dem Artikel werden die unterschiedlichen Ziele und Funktionen sowie das breite Spektrum an Aufgaben im Bereich der Behindertenpolitik vorgestellt. Um in der Fülle von Leistungen und Rechten Strukturen erkennen zu können, wird in Abgrenzung zu realtypischen Ordnungen eine Typologie entwickelt, deren Idealtypen sich an den Verteilungskriterien von David Miller (needs, deserts, rights) orientieren. Um den Charakter der Typen herauszuarbeiten, werden ihnen Eigenschaften und sozialpolitische Ausformulierungen zugewiesen. Auf dieser Basis können nationale Behindertenpolitiken als Policymix aus den drei Typen beschrieben und miteinander verglichen werden. Zur Inhaltsübersicht