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Berliner Journal für Soziologie
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Sozialwissenschaften
Unter den Linden 6
D-10099 Berlin
Tel.: 030-2093-4355/-4356/-4357
Fax: 030-2093-4365
BJournal@sowi.hu-berlin.de

 

 

 

Stand 29.04.2007

Archiv



Inhalt - Heft 4/2004



ZUR METHODOLOGIE DER SOZIALWISSENSCHAFTEN: 100 JAHRE MAX WEBERS OBJEKTIVITÄTSAUFSATZ

Hans-Peter Müller
Editorial    S. 435

Walter G. Runciman
(Neo-)evolutionäre Wahlverwandtschaften     S. 439
          Zusammenfassung

Karl-Siegbert Rehberg
Handlungsbezogener Personalismus als Paradigma     S. 451
          Zusammenfassung

Catherine Colliot-Thélène
Max Weber und die deutsche verstehende Soziologie: ein französischer (Rezeptions-)Mythos     S. 463
          Zusammenfassung

Andreas Balog
Handlungen und Tatsachen. Weber und Durkheim über die "Objektivität" des Sozialen     S. 485
          Zusammenfassung

Irmhild Saake/Armin Nassehi
Das gesellschaftliche Gehäuse der Persönlichkeit. Über Max Weber und die (soziologische) Produktion von Motiven     S. 503
          Zusammenfassung

Thomas Schwinn
Von der historischen Entstehung zur aktuellen Ausbreitung der Moderne. Max Webers Soziologie im 21. Jahrhundert     S. 527
          Zusammenfassung

Michael Schmid
Kultur und Erkenntnis. Kritische Bemerkungen zu Max Webers Wissenschaftslehre     S. 545
          Zusammenfassung



Review Essay

Wolfgang Schluchter
Max Weber und Rational Choice     S. 561










Zusammenfassungen Heft 4/2004


 

Berliner Journal für Soziologie 14, Heft 4

Walter G. Runciman
(Neo-)evolutionäre Wahlverwandtschaften
Max Webers ambivalente Haltung gegenüber der Anwendung der Konzepte Selektion und Adaption auf die Untersuchung der kulturellen und sozialen Evolution ist leicht verständlich angesichts seiner Skepsis hinsichtlich der Reduzierbarkeit der Soziologie auf die Biologie und in Anbetracht seines Argwohns, dass sich die selektionstheoretischen Erklärungen bei genauem Hinsehen als wertegeladen oder zirkulär erweisen würden. Seine Bedenken lassen sich unter Zuhilfenahme von Entwicklungen in der Evolutionstheorie zerstreuen, die für ihn zu Lebzeiten nicht vorhersehbar waren, es jedoch möglich machen, die grundlegenden Vorstellungen seiner Religionssoziologie auf überzeugende Weise zu reformulieren. Dies macht es allerdings notwendig, seine Metapher der "Wahlverwandtschaft" zwischen religiösen Vorstellungen und dem Verhalten idealtypischer Akteure durch empirisch überprüfbare Hypothesen zu ersetzen, die die Anpassungsfähigkeit bestimmter religiöser Meme mit der Anpassungsfähigkeit bestimmter ökonomischer Praktiken in Verbindung bringen.
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Berliner Journal für Soziologie 14, Heft 4

Karl-Siegbert Rehberg
Handlungsbezogener Personalismus als Paradigma
Charakteristisch für Max Webers Soziologie, und insofern "paradigmatisch", ist die programmatische Verankerung der soziologischen Analyse im sozialen Handeln, d.h. in der Orientierung des Einzelnen und seiner "subjektiven" Sinnsetzungen an Anderen (obwohl Webers Soziologie dann ausschließlich "objektiven Sinn" analysiert). Gezeigt wird, wie Weber vom Handlungsansatz zur höheren Strukturebene institutioneller Beziehungsformen (Verbände, Anstalten etc.) kommt und in welcher Weise "Kampf", "Macht" und "Herrschaft" die Vermittlung zwischen individuellem Handeln und personal hergestellter Struktur leisten. Weber opponiert mit seiner Hervorhebung der Handlung als Bedingung jeder "Vergemeinschaftung" oder "Vergesellschaftung" allen Kollektivtheoremen von "links" und "rechts". Sein über das bloß Methodische weit hinausgehender "Personalismus" hat die kulturkritische Seite einer Angst vor dem "Ende der Persönlichkeit" ebenso wie die aktivistische Seite eines "ethischen Programms" der Verantwortlichkeit und asketischen Selbstbeschränkung - gerade auch in einer durch Rationalisierungsprozesse geprägten Moderne. Die Methodisierung des Lebens und die wissenschaftliche Methode bedingen einander. Am Ende des Aufsatzes werden neben diesem paradigmatischen Kern der Weberschen Analyse weitere Grundprinzipien seiner Soziologie skizziert.
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Berliner Journal für Soziologie 14, Heft 4

Catherine Colliot-Thélène
Max Weber und die deutsche verstehende Soziologie: ein französischer (Rezeptions-)Mythos
In diesem Aufsatz werden einige Besonderheiten der französischen Rezeption des Werkes von Max Weber in Bezug auf seine methodologischen Aspekte diskutiert. Webers Theorie der Kausalität wurde in dieser Rezeption im Lichte des Gegensatzes zwischen Determinismus und Freiheit interpretiert und im Kontext des Streites zwischen Methodologischem Individualismus und Holismus instrumentalisiert und dadurch verzerrt dargestellt und systematisch missverstanden. In diesem Beitrag soll anhand der Kritik dieser französischen Interpretation die Bedeutung der Wahrscheinlichkeitstheorien für Webers Vorstellungen der historischen Kausalität und die Unabhängigkeit seiner methodologischen Positionen betont werden, die ohne ontologische Annahmen auskommen. Dabei erweist sich der in den meisten Auseinandersetzungen mit Webers methodologischen Positionen überbetonte, traditionelle Gegensatz zwischen Geistes- und Naturwissenschaften als ein völlig unzulänglicher Rahmen, um die Erkenntniszwecke der Weber'schen Soziologie zu bestimmen.
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Berliner Journal für Soziologie 14, Heft 4

Andreas Balog
Handlungen und Tatsachen. Weber und Durkheim über die "Objektivität" des Sozialen
Weber wie Durkheim haben das gleiche Ziel verfolgt, die "Objektivität" der soziologischen Erkenntnis zu begründen; sie kamen aber aufgrund ihrer unterschiedlichen Ausgangspunkte zu völlig verschiedenen Ergebnissen. Das Ziel der vorliegenden Arbeit besteht im Nachweis, dass die Lösungen der beiden Klassiker einander ergänzen. Es werden von ihnen jeweils unterschiedliche Aspekte sozialer Phänomene in den Mittelpunkt gestellt, zugleich aber verabsolutiert. Von Weber wurde die Soziologie als Handlungswissenschaft definiert, indem er die intersubjektive Gültigkeit von Handlungsbeschreibungen und -erklärungen nachgewiesen hat. Für Durkheim ergab sich die Objektivität der Soziologie aus dem Bestehen von als verbindlich geltenden Pflichten und Normierungen.
In diesem Aufsatz wird nachgewiesen, dass beide Theoretiker entgegen ihrer Programmatik indirekt den jeweils vernachlässigten Aspekt - das Bestehen autonomer sozialer Phänomene und die zentrale Bedeutung von Handlungen - berücksichtigen. Weder auf der Ebene empirischer Beschreibungen noch auf jener der theoretischen Rekonstruktion kann man von diesen beiden konstitutiven Aspekten absehen. So ergibt sich aus der Verbindung von zentralen Elementen beider Theorien die Grundlage einer rationalen Soziologie.
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Berliner Journal für Soziologie 14, Heft 4

Irmhild Saake/Armin Nassehi
Das gesellschaftliche Gehäuse der Persönlichkeit. Über Max Weber und die (soziologische) Produktion von Motiven
Der vorliegende Text schlägt eine Rezeption der Weberschen Soziologie vor, der zufolge sich der Webersche Kulturbegriff als systemtheoretischer Gesellschaftsbegriff lesen lässt. Entscheidende Argumente dafür finden sich in der relativistischen Anlage der Weberschen Studien, die den Befund der Vergleichbarkeit nicht als Hinweis auf Integrationsbedürfnisse lesen, sondern auf evolutionäre Unterschiede, die Eigengesetzlichkeiten betonen. Eine solchermaßen angelegte Differenzierungstheorie betont Unterschiede, ohne diese von vornherein als gesellschaftliche Plausibilität zu interpretieren. Die Plausibilitätsprüfung unterschiedlicher Rationalitäten findet stattdessen bei Weber über die Darstellung von ethoi statt. Ethoi lassen sich aus dieser Perspektive als (soziologische) Produktion von guten Motiven lesen, die jedoch gleichzeitig auch die schlechten Motive mitherstellen. Mit Nicholas Rose lässt sich diese Vorgehensweise als ein Verfahren des ethicalizing authority entschlüsseln, in dessen Verlauf eine psychologisch betreute Motivproduktion als entscheidender Inklusionsmechanismus traditionelle Autoritäten (Persönlichkeit) ablöst. Insofern hat der Webersche Kulturbegriff Folgen, die wir systemtheoretisch als Ethisierung der Kultur bzw. Kulturalisierung der Ethik beschreiben würden: Eine konsequent relativistische Lesart der Differenzierungstheorie - eben dies hat Weber mit Hilfe seines evolutionstheoretischen Arguments ermöglicht - verlagert Integrationsprobleme auf die Ebene der Anerkennung von Kulturen.
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Berliner Journal für Soziologie 14, Heft 4

Thomas Schwinn
Von der historischen Entstehung zur aktuellen Ausbreitung der Moderne. Max Webers Soziologie im 21. Jahrhundert
Max Weber interessierte die historische Entstehung der Moderne; heute steht ihre globale Ausbreitung auf dem Programm. An Stelle eines Pluralismus von Entwicklungsgeschichten der Kulturkreise, den Weber in der Religionssoziologie verfolgt, sehen viele heutige Studien nur noch ein einziges Weltgesellschaftssystem am Werk. Dies stellt sowohl Webers Kritik am Evolutionismus und Universalismus, der aktuell recht zu haben scheint, als auch seine Vermeidung von Kollektivbegriffen infrage. Für die Aktualisierung von Webers Forschungsprogramm im Hinblick auf diese Herausforderungen werden verschiedene Seiten seiner Soziologie unterschieden: eine methodologische, eine theoretische und eine historische. Es wird aufgezeigt, wie seine methodologische Kritik an Kollektivbegriffen auch aktuelle "Weltgesellschafts-" und "Weltsystem-Thesen" trifft. Statt von einem Weltsystem ist es geeigneter, von globalen Konstellationen auszugehen, die Spielräume für Modernisierung eröffnen. Bei der Frage, wie dabei globale und kultur- bzw. länderspezifische Ordnungskonstellationen zueinander stehen, kann auf Webers kultur- und strukturtheoretische Theoreme zur Bestimmung der Moderne zurückgegriffen werden. Das Innovationspotenzial von Webers Forschungsprogramm kann dabei nicht durch bloße Interpretation des Werkes aktiviert werden, sondern es muss weiterentwickelt werden durch Rückgriff auf andere Autoren, Theorien und Fragestellungen. Nur so wird Max Weber auch im 21. Jahrhundert der primus inter pares unter den soziologischen Klassikern bleiben.
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Berliner Journal für Soziologie 14, Heft 4

Michael Schmid
Kultur und Erkenntnis. Kritische Bemerkungen zu Max Webers Wissenschaftslehre
Die folgenden Überlegungen zeigen, dass Max Webers berühmter Aufsatz zur "'Objektiviät' sozialwissenschaftlicher und sozialpolitischer Erkenntnis" als Ausgangspunkt eines methodologisch verteidigungsfähigen soziologischen Forschungsprogramms nicht dienen kann. Einige der weitreichendsten Fehlannahmen werden analysiert und ansatzweise korrigiert und verbessert.
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