Berliner Journal für Soziologie
 
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Die neue Online-Ausgabe des
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Berliner Journal für Soziologie
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Sozialwissenschaften
Unter den Linden 6
D-10099 Berlin
Tel.: 030-2093-4355/-4356/-4357
Fax: 030-2093-4365
BJournal@sowi.hu-berlin.de

 

 

 

Stand 29.04.2007

Archiv



Inhalt - Heft 1/2005



Klaus Eder
Editorial     S. 3

Friedrich Pohlmann
Heinrich Popitz - Konturen seines Denkens und Werks     S. 5
          Zusammenfassung

Dominik Sommer
Marktvermittelte Massenkunst. Der Anfang von Horkheimers und Adornos Kulturindustriethese in Tocquevilles Kunstdiagnose demokratischer Gesellschaften     S. 25
          Zusammenfassung

Elke Wagner
Gesellschaftskritik und soziologische Aufklärung. Konvergenzen und Divergenzen zwischen Adorno und Luhmann     S. 37
          Zusammenfassung

Uwe Wilkesmann
Die Organisation von Wissensarbeit     S. 55
          Zusammenfassung

Paul Schmelzer
Netzwerkveränderung als Folge der Transformation? Weak Ties und Strong Ties in Ostdeutschland vor und nach der Wende     S. 73
          Zusammenfassung

Berndt Keller/Rainer Schnell
Sozialstruktur und Problemfelder der Interessenvertretung im öffentlichen Dienst. Eine empirische Untersuchung von Personalräten in West- und Ostdeutschland     S. 87
          Zusammenfassung

Susanne Frank
Gender Trouble in Paradise. Das nordamerikanische Suburbia im Wandel     S. 103
          Zusammenfassung



Review Essay

Peter Hägel
Regieren ohne Souveränität?     S. 121



Mitteilungen und Berichte

Margit Weihrich
Inszenierte Ungleichheit
Kommentar zum 32. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in München     S. 131

Irmhild Saake
Asymmetrische Gegenwarten - solidarische Zukünfte
Kommentar zum 32. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in München     S. 138

Preis der Fritz-Thyssen-Stiftung für sozialwissenschaftliche Aufsätze (begründet durch Prof. Dr. Dr. h.c. Erwin K. Scheuch) des Zeitschriftenjahrgangs 2003     S. 143

Schaderpreis für Ulrich Beck     S. 144










Zusammenfassungen Heft 1/2005


 

Berliner Journal für Soziologie 15, Heft 1

Friedrich Pohlmann
Heinrich Popitz - Konturen seines Denkens und Werks
Der 2002 verstorbene Freiburger Soziologe Heinrich Popitz gehört zu den bedeutendsten Nachkriegs- und Gegenwartssoziologen in Deutschland. Popitz hat einen unverwechselbaren Denkstil, an dem vor allem zweierlei auffallend ist: die anthropologische Grundorientierung - die Frage nach den kulturübergreifenden Grundmerkmalen menschlicher Gesellschaft - und die meisterhafte Darstellungsform seiner Überlegungen in wissenschaftlichen Essays mit einem zugleich quasi-künstlerischen Zuschnitt. Popitz' Werk besteht aus vier Teilen - Macht-, Norm- und Techniksoziologie und soziologische Anthropologie der Kreativität -, in denen Einsichten entwickelt werden, die für die allgemeine soziologische Theorie zentral sind. Popitz' Schriften sind ein subtiler Beitrag zur Beantwortung von Georg Simmels Grundfrage, was Gesellschaft möglich mache.
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Berliner Journal für Soziologie 15, Heft 1

Dominik Sommer
Marktvermittelte Massenkunst. Der Anfang von Horkheimers und Adornos Kulturindustriethese in Tocquevilles Kunstdiagnose demokratischer Gesellschaften
Der Artikel zeigt, dass Max Horkheimer und Theodor W. Adorno in ihrer Kulturindustriethese die empirischen Befunde von Alexis de Tocquevilles Kunstdiagnose demokratischer Gesellschaften ihrer eigenen Manipulationsperspektive subsumiert haben. Ihre Theorie der Kulturindustrie nahm in Tocquevilles Kunstsoziologie des zweiten Amerikabandes ihren Anfang. Mittelmaß, Publikumsorientierung, unterhaltender Charakter und soziale Indifferenz sind sowohl den marktvermittelten künstlerischen Produkten der Demokratie Tocquevilles als auch den kulturindustriellen Produkten Horkheimers und Adornos gemein. Fordert der demokratische Mensch Tocquevilles inhaltliche Selbstbezüglichkeit seines Alltags in künstlerischen Produkten und verliert das Kunstwerk somit seinen sublimierenden Charakter, sind die kulturindustriellen Produkte bei den Frankfurtern analog durch eine Verdoppelung der Realität und den damit einhergehenden Verlust ihres gesellschaftstranszendierenden Gehalts gekennzeichnet. Da bei Tocqueville die Demokratie als Lebensform zutiefst mit individuellem Wirtschaftsstreben verknüpft ist, können die Spätkapitalisten Horkheimer und Adorno die empirischen Befunde seiner Analyse marktvermittelter Massenkunst zu ihrer Manipulationshypothese kapitalistischer Herrschaft ausbauen. Es ist von einer "integrativen Adaption" von Tocquevilles Kunstdiagnose durch die Frankfurter die Rede, da das Identische der Kulturindustrie Horkheimers und Adornos der Integriertheit der demokratischen "höfischen Gesellschaft" Tocquevilles, das Nicht-Identische der Kunst in der bürgerlichen Sozialphilosophie der persönlichen Freiheit des französischen Aristokraten entspricht.
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Berliner Journal für Soziologie 15, Heft 1

Elke Wagner
Gesellschaftskritik und soziologische Aufklärung. Konvergenzen und Divergenzen zwischen Adorno und Luhmann
Differenz versus Vermittlung, beobachtete, polykontexturale versus monokontexturale, falsche Realität - mit dieser Formel lassen sich die Unterschiede der Theoriekonzepte Luhmanns und Adornos umschreiben. Der vorliegende Beitrag kann aber in Rückgriff auf die methodischen Möglichkeiten funktionaler Analyse zeigen, dass die beiden Autoren mit ihren unterschiedlichen theoretischen Konzepten gemeinsame Bezugsprobleme lösen. Die Erfassung der Emergenz des Sozialen durch die Soziologie lösen beide, indem sie der gesellschaftlichen Selbstbeschreibung durch eine universale Theorie gegenüber empirischer Forschung Vorrang einräumen. Beide insistieren darauf, dass eine universale Theorie sichtbar machen können muss, dass Forschung keinen extramundanen Standpunkt für sich beanspruchen kann, und dass man die nicht leistbare Letztbegründung der eigenen Möglichkeit begrifflich bezeichnen und aushalten können muss - entweder als Paradoxie oder als Aporie. Beide formulieren eine Alternative zum Bestehenden mittels einer komplexen Sprache, die die Kontingenz vorfindbarer Ordnung unter Zuhilfenahme von Zeit sichtbar machen kann. Die theoretischen Figuren lauten dann entweder unmarked space oder Nicht-Identisches, mit der sich diese Alternativen bezeichnen lassen. Während die Systemtheorie den Wahrheitsbegriff unter Rekurs auf die Unterscheidungstheorie Spencer-Browns dekonstruiert, hält Adorno in zumeist metaphorischen Andeutungen am Glauben an Versöhnung und Erlösung fest. Der Beitrag leitet hieraus Möglichkeiten der Kritik durch Systemtheorie ab, ohne sich dabei in die Tradition der Vernunftaufklärung stellen zu wollen: Soziologische Abklärung statt gesellschaftlicher Aufklärung.
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Berliner Journal für Soziologie 15, Heft 1

Uwe Wilkesmann
Die Organisation von Wissensarbeit
Die Leitfrage dieses Artikels lautet: Wie ist Wissensarbeit organisiert und welche Konsequenzen hat dies für den Organisationsbegriff? Zuerst wird der Begriff Organisation definiert. Anschließend wird Wissensarbeit als eine Tätigkeit definiert, deren Mittel und Zwecke nicht programmiert sind und die deshalb konstitutiv darauf angewiesen ist, dass zum einen der Austausch von Daten und zum anderen die interaktive Generierung neuen Wissens erfolgen. Der Begriff Wissensarbeit wird kurz im ökonomischen, im arbeitssoziologischen und im systemtheoretischen Diskurs rekonstruiert. Es wird dann gezeigt, dass Wissensarbeit sich nicht mit Hilfe traditioneller Kontrollformen managen lässt. Aus einer Reihe von Kontextsteuerungsverfahren wird hier besonders ein großer Handlungsspielraum analysiert, der sowohl intrinsische Motivation als auch nicht intendierte Kooperation unterstützt. Abschließend werden die Veränderungen für den Organisationsbegriff bei einem solchen Verständnis für Wissensarbeit aufgezeigt. An den beiden Beispielen von Partnerschaften und zirkulärem Organisieren wird dies illustriert.
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Berliner Journal für Soziologie 15, Heft 1

Paul Schmelzer
Netzwerkveränderung als Folge der Transformation? Weak Ties und Strong Ties in Ostdeutschland vor und nach der Wende
Der institutionelle Wandel im Zuge des Transformationsprozesses in Ostdeutschland wirkt sich auf das Humankapital und auf das soziale Kapital aus. Dieser Übergang von einer nicht-marktwirtschaftlichen zu einer marktwirtschaftlichen Gesellschaft erlaubt eine Überprüfung von Granovetters These einer bloß graduellen Differenz von Netzwerken in beiden gesellschaftlichen Systemen. Im Gegensatz dazu geht Srubar von einem qualitativen Unterschied zwischen beiden Gesellschaftssystemen aus, da sich Netzwerke in Ostdeutschland unter den Bedingungen der Mangelwirtschaft formieren, was zur Verbreitung von sozialen Beziehungen führt, die auf Reprozität beruhen. Die Beschaffenheit von Netzwerken vor und nach der Wende wurde durch die Unterscheidung zwischen Weak Ties und Strong Ties operationalisiert. Die Ergebnisse der Analyse unterstützen die Argumentation von Srubar. Entgegen Granovetters Hypothesen kommt schwachen Netzwerken vor der Wende keine besondere Rolle zu. Nach der Wende lassen sich dagegen Granovetters Hypothesen bezüglich schwacher Netzwerke bestätigen. Familiäre Netzwerke - immer noch den Prinzipien der Reziprozität verhaftet - verlieren nach der Wende an Bedeutung.
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Berliner Journal für Soziologie 15, Heft 1

Berndt Keller/Rainer Schnell
Sozialstruktur und Problemfelder der Interessenvertretung im öffentlichen Dienst. Eine empirische Untersuchung von Personalräten in West- und Ostdeutschland
Der Beitrag präsentiert im ersten Teil empirische Daten zur Sozialstruktur von Personalräten in West- und Ostdeutschland (unter anderem Größe, Wahlbeteiligung, Zusammensetzung nach Status und Geschlecht). Der zweite Teil behandelt verschiedene Fragen der Interessenvertretung (u.a. ökonomische Rahmenbedingungen, Bereiche der Aktivitäten, Beziehungen zwischen betrieblicher und sektoraler Ebene, Verwaltungsmodernisierung). Entgegen den ursprünglichen Erwartungen bestehen trotz differierender Geschichte und Randbedingungen der Personalräte kaum deutliche Unterschiede zwischen West und Ost in der Zusammensetzung der Personalräte und den berichteten Aktivitäten und Problemfeldern. Nur die bessere Repräsentierung von Frauen sowie die Folgeprobleme des Stellenabbaus sind in den neuen Bundesländern auffällig. Für die Strukturen und Aktivitäten von Personalräten scheinen Faktoren sogenannter "Organisationskultur" gegenüber den faktischen Randbedingungen des Handelns daher von untergeordneter Bedeutung.
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Berliner Journal für Soziologie 15, Heft 1

Susanne Frank
Gender Trouble in Paradise. Das nordamerikanische Suburbia im Wandel
Die Untersuchung setzt sich kritisch mit der in der geschlechterbezogenen Stadtforschung verbreiteten Betrachtung von Suburbia als der antifeministischen Umgebung schlechthin auseinander. Anhand des nordamerikanischen Suburbanisierungsprozesses wird einerseits gezeigt, dass es sich gerade bei Suburbia zwar um ein zutiefst geschlechtlich definiertes und mit sozialen, kulturellen und moralischen Normen und Werten aufgeladenes Ordnungsmodell handelt. Andererseits aber wird argumentiert, dass gerade Suburbias Geschlechtscharakter bzw. die Geschlechterbilder und Geschlechterrollen, auf denen es aufruhte und die es seinerseits prägte, niemals unumstritten, sondern vielmehr Gegenstand von teils erbitterten Aushandlungs- und Deutungskämpfen waren und sind. Letztere werden entlang der drei Phasen des nordamerikanischen Suburbanisierungsprozesses - von der viktorianischen Konstruktion von Suburbia aus dem Geiste symbolischer Dichotomien über die fordistische Verallgemeinerung und Verfestigung von Suburbia bis hin zur postfordistischen Auflösung von Suburbia in einer neuen Stadt - analysiert. Deutlich wird, dass sich unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen nicht nur die suburbane Wohn- und Siedlungsform als solche grundlegend wandelt, sondern auch und gerade ihre Bedeutung für die Geschlechterbeziehungen.
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