Berliner Journal für Soziologie
 
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Berliner Journal für Soziologie
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Sozialwissenschaften
Unter den Linden 6
D-10099 Berlin
Tel.: 030-2093-4355/-4356/-4357
Fax: 030-2093-4365
BJournal@sowi.hu-berlin.de

 

 

 

Stand 29.04.2007

Archiv



Inhalt - Heft 2/2005



Hildegard Maria Nickel
Editorial     S. 157

Walther Müller-Jentsch
Künstler und Künstlergruppen. Soziologische Ansichten einer prekären Profession     S. 159
          Zusammenfassung

Reinhard Blomert
Das Ende der "neuen Ökonomie". Eine finanzsoziologische Untersuchung     S. 179
          Zusammenfassung

Christine Weinbach
Europäische Konvergenzen: Zur Restitution von Staatsangehörigkeit in Deutschland, Frankreich und Großbritannien     S. 199
          Zusammenfassung

Ingo Bode
Desorganisation mit System. Die Neuordnung der "governance of welfare" in Westeuropa     S. 219
          Zusammenfassung

Alexandra Manske
Eigenverantwortung statt wohlfahrtsstaatliche Absicherung. Anmerkungen zum Gestaltwandel sozialer Absicherung     S. 241
          Zusammenfassung

Heinrich Schäfer
Identität als Netzwerk. Ein Theorieentwurf am Beispiel religiöser Bewegungen im Bürgerkrieg Guatemalas     S. 259
          Zusammenfassung



Review Essay

Sérgio Costa
Postkoloniale Studien und Soziologie: Differenzen und Konvergenzen     S. 283










Zusammenfassungen Heft 2/2005


 

Berliner Journal für Soziologie 15, Heft 2

Walther Müller-Jentsch
Künstler und Künstlergruppen. Soziologische Ansichten einer prekären Profession
Der Beitrag entfaltet die These, dass Künstler im Ensemble bürgerlicher Professionen eine prekäre Berufsgruppe bilden. Aufgezeigt wird dies in den Dimensionen sozialer Status, Künstlerhabitus und Formen der Selbstorganisation. Der Gang der Argumentation beginnt mit einer begrifflichen Definition und Auflistung prekärer Merkmale der künstlerischen Profession, gefolgt von einem sozialhistorischen Aufriss ihres Entwicklungspfades. Hierbei wird an drei distinkten Sozialtypen (Handwerker-Künstler, Hofkünstler, moderner Künstler) die wechselvolle Stellung des Künstlers in der Gesellschaft herausgearbeitet. Die für moderne Künstler charakteristische Autonomie und Subjektzentriertheit bei gleichzeitiger Abhängigkeit vom anonymen Kunstmarkt generieren Initiativen zur Bildung von (exklusiven) Künstlergruppen, deren Darstellung der zweite Teil des Aufsatzes gewidmet ist. Jenseits der von diesen Gruppen manifest verfolgten ästhetischen Zielen dienen sie latent dem professionspolitischen Interesse, ein im Vergleich zu bürgerlichen Professionen bestehendes organisationales Defizit zu kompensieren. Die abschließende Erörterung thematisiert das grundlegende Spannungsverhältnis zwischen Bürger und Künstler am Leitfaden von Status, Habitus und Selbstorganisation.
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Berliner Journal für Soziologie 15, Heft 2

Reinhard Blomert
Das Ende der "neuen Ökonomie". Eine finanzsoziologische Untersuchung
Mit dem Internet schien es möglich zu werden, Angebot und Nachfrage so genau zu steuern, dass die Konjunkturzyklen der —alten Ökonomiež überwunden würden. Doch dieses Versprechen erwies sich als Utopie und die —neue Ökonomiež scheiterte, weil die Börse ihre institutionelle Allokationsfunktion nicht mehr erfüllte. Die These ist, dass Deregulierungen und neokonservativer Wertewandel eine Machtverschiebung in der Wirtschaft zur Folge hatten, die zum Missbrauch der Institutionen und zum Börsensturz führten. Im Einzelnen wird die Bedeutung der Deregulierungen und des Wertewandels bei den wichtigsten beteiligten Gruppen untersucht. Am Schluss wird auf die Folgen für den deutschen Kapitalmarkt eingegangen.
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Berliner Journal für Soziologie 15, Heft 2

Christine Weinbach
Europäische Konvergenzen: Zur Restitution von Staatsangehörigkeit in Deutschland, Frankreich und Großbritannien
Die These von der Subversion der Schließungskategorie Staatsangehörigkeit durch den Inklusionsstatus dauerhaft im Land lebender Ausländer hat sich weitgehend durchgesetzt. Im Rückblick jedoch lassen sich bereits seit Anfang der 1990er Jahre Bemühungen um ihre Restitution erkennen: Die europäischen Mitgliedsstaaten Deutschland, Frankreich und Großbritannien haben politische Entscheidungen zu Einbürgerung und Staatsangehörigkeit, Einwanderung und Asyl getroffen, mit denen die Identifizierung von Staatsangehörigkeit und Staatsbürgerschaft wieder hergestellt werden. Die Entwicklung weist trotz nationaler Unterschiede deutliche Konvergenzen auf und ist auch von der EU erwünscht.
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Berliner Journal für Soziologie 15, Heft 2

Ingo Bode
Desorganisation mit System. Die Neuordnung der "governance of welfare" in Westeuropa
In der Diskussion über die Entwicklung westlicher Wohlfahrtsstaaten spielte zuletzt eine wachsende Rolle, wie und mit welchen Auswirkungen sich deren Steuerungssysteme verändern. Als ein wesentliches Merkmal des Wandels gilt die Aufwertung nicht-staatlicher Instanzen und marktförmiger Koordinationsmechanismen. Bezüglich der Interpretation der Veränderungsdynamik stehen sich allerdings verschiedene Diagnosen gegenüber. Ausgehend von einem ganzheitlichen Konzept der —governance of welfarež und mit einem Fokus auf die Praxis nicht-staatlicher Träger der Wohlfahrtsproduktion wird untersucht, inwieweit diese Diagnosen den Wandel zutreffend charakterisieren. Die Analyse nimmt zwei Organisationsfelder aus drei verschiedenen Ländern in den Blick, um zu prüfen, ob länderübergreifende Transformationstendenzen auszumachen sind. Sie zeigt, dass sich überall eine Konstellation abzeichnet, in der soziale Wohlfahrtsproduktion einer spezifischen Vermarktlichung sowie neuartigen Formen der sozialstaatlichen und zivilgesellschaftlichen Moderation unterliegt. Auf diese Weise entsteht —Desorganisation mit Systemž, d.h. eine Neuordnung, in der es durchgängig mehr Kreativität und ebenso durchgängig mehr Output-Heterogenität gibt Ů was systematisch zu mehr, aber unübersichtlicherer Ungleichheit führt.
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Berliner Journal für Soziologie 15, Heft 2

Alexandra Manske
Eigenverantwortung statt wohlfahrtsstaatliche Absicherung. Anmerkungen zum Gestaltwandel sozialer Absicherung
In den Diskussionen um die Grenzen des Wohlfahrtsstaats wird zunehmend von einer Rekommodifizierung gesprochen und konstatiert, dass sich ein Wandel in der arbeitsmarktpolitischen Eingliederung vollzieht, der auf einer normativen Aufwertung von Eigenverantwortung beruht. Wie weit dieser Wandel geht und wie er zu deuten ist, wird indes kontrovers debattiert. Diese Frage wird aufgegriffen und hinsichtlich ihrer Bedeutung für gesellschaftliche Teilhabe diskutiert. Die These ist, dass sich mit dem Gestaltwandel sozialer Absicherung erwerbsbezogene Absicherungsmodi und ihre stratifizierende Wirkung verändern. Die auf aktivierende Eigenverantwortung zielende Wohlfahrtsstrategie bricht, so gilt es zu zeigen, weitgehend mit den bislang gültigen Zielen der Lebensstandard- und Statussicherung. Sie mündet in eine Prekarisierung materieller und institutioneller Teilhabe und verweist daher auf eine steigende Bedeutung von Erwerbsarbeit für gesellschaftliche Teilhabe.
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Berliner Journal für Soziologie 15, Heft 2

Heinrich Schäfer
Identität als Netzwerk. Ein Theorieentwurf am Beispiel religiöser Bewegungen im Bürgerkrieg Guatemalas
Wenn man von "Identität" spricht, dürfte sich im Allgemeinen das geistige Bild einer Kugel, etwas in sich Geschlossenes, einstellen. Die entsprechende —klassischež Identitätsvorstellung ist seit dem cultural turn in eine Krise geraten, ohne dass jedoch eine befriedigende neue Vorstellung an ihre Stelle getreten ist. Ausgehend von einer relationalen Wirklichkeitsauffassung (Cassirer, Rorty, Bourdieu) enthält der vorliegende Artikel den Vorschlag, sich Identitäten als Netzwerke von Dispositionen vorzustellen. Die Problematik wird in der Diskussion um kollektive Identitäten sozialer Bewegungen verortet. Die Entwicklung der theoretischen Modellvorstellung nimmt ihren Ausgang bei der empirischen Untersuchung von religiösen Bewegungen in einer Bürgerkriegssituation (Guatemala). Eine Analyse der Tiefenstruktur praktischer Operatoren der Wahrnehmung, des Urteilens und des Handelns der Akteure erlaubt die Rekonstruktion dieser Operatoren im Modell eines Netzwerks fundamentaler logischer Relationen, die den alltäglichen Wahrnehmungs-, Urteils- und Handlungsweisen zugrund liegen. Auf dieser Basis werden dann theoretische Perspektiven eines Netzwerk-Modells von Identität diskutiert. Dabei werden verbreitete Probleme der Identitätstheorie im Rahmen der Bewegungstheorie aufgegriffen, wie z.B. individuelle vs. kollektive Identität, das Verhältnis von Kognition, Affekt und Leib oder die Relation von Identitäten und gesellschaftlichen Strukturen. Diese Fragestellungen werden mit Hilfe des Netzwerk-Modells neu interpretiert.
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