Berliner Journal für Soziologie
 
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Berliner Journal für Soziologie
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Sozialwissenschaften
Unter den Linden 6
D-10099 Berlin
Tel.: 030-2093-4355/-4356/-4357
Fax: 030-2093-4365
BJournal@sowi.hu-berlin.de

 

 

 

Stand 29.04.2007

Archiv



Inhalt - Heft 1/2006



Klaus Eder
Editorial     S. 3

Martin Höpner
Determinanten der Quersubventionierung: Ein Vorschlag zur Analyse wirtschaftlicher Liberalisierung     S. 7
          Zusammenfassung

Georg Vobruba
Grundlagen der Soziologie der Arbeitsflexibilität     S. 25
          Zusammenfassung

Philipp Klages
Zwischen institutioneller Innovation und Reproduktion. Zum Wandel des deutschen Corporate Governance-Systems in den 1990ern     S. 37
          Zusammenfassung

Christine Trampusch
Sequenzorientierte Policy-Analyse. Warum die Rentenreform von Walter Riester nicht an Reformblockaden scheiterte     S. 55
          Zusammenfassung

Robert D. Reisz/Manfred Stock
Zwischen Expansion und Kontraktion. Zur Entwicklung der Hochschulbildung in Osteuropa 1950-2000     S. 77
          Zusammenfassung

Roland Verwiebe/Matthias C. Müller
Gelungene Integration in den Arbeitsmarkt? Die flexiblen Biografien transnational mobiler Europäer zu Beginn des 21. Jahrhunderts     S. 95
          Zusammenfassung

Steffen Mau
Die Politik der Grenze. Grenzziehung und politische Systembildung in der Europäischen Union     S. 115
          Zusammenfassung



Essay

Friedhelm Neidhardt
René König: "Gleichzeitig der Sache und der Praxis dienen" – Erinnerungen zum 100. Geburtstag am 5. Juli 2006     S. 133










Zusammenfassungen Heft 1/2006


 

Berliner Journal für Soziologie 16, Heft 1

Martin Höpner
Determinanten der Quersubventionierung: Ein Vorschlag zur Analyse wirtschaftlicher Liberalisierung

In diesem Beitrag wird eine Begrifflichkeit zur analytischen Erfassung wirtschaftlicher Liberalisierungsprozesse vorgeschlagen. Liberalisierung meint die Loslösung leistungsfähiger wirtschaftlicher Einheiten aus Inpflichtnahme zur dauerhaften Subventionierung von Einheiten mit geringerer Wertschöpfung und damit die Durchsetzung des Prinzips der Eigenwirtschaftlichkeit gegenüber übergeordneten Bindungen. Formen der Quersubventionierung lassen sich entlang dreier Dimensionen kategorisieren: des Wesens der Subventionsgeber und -nehmer, der hinter dem Ressourcentransfer stehenden Zielsetzung und der Mechanismen der Inpflichtnahme. Zudem lassen sich vier Schubkräfte der Liberalisierung unterscheiden: Widerstand der Subventionsgeber, Wettbewerbszunahme, allokative Dysfunktionen und Verschiebungen in der ideologischen Sphäre. Die Brauchbarkeit des begrifflichen Instrumentariums wird anhand von vier empirischen Beispielen geprüft. Verluste politischer Steuerungsfähigkeit sind zu konstatieren, wo Steuerung Quersubventionierung impliziert. Zielt Steuerung hingegen auf die Durchsetzung des Eigenwirtschaftlichkeitsprinzips, nimmt staatliche Gestaltungsfähigkeitw? sogar zu.
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Berliner Journal für Soziologie 16, Heft 1

Georg Vobruba
Grundlagen der Soziologie der Arbeitsflexibilität

Der vorliegende Beitrag widmet sich den begrifflichen Grundlagen und grundlegenden Zusammenhängen einer Soziologie der Arbeitsflexibilität. Zunächst entwickle ich ein begriffliches Instrumentarium, um unterschiedliche Phänomene der Arbeitsflexibilität zu erfassen und den Anschluss der Soziologie der Arbeitsflexibilität an eine umfassendere Gesellschaftstheorie herzustellen. Im Anschluss daran rekonstruiere ich die Entwicklung der älteren Diskussion um Arbeitszeitflexibilisierung und ihre Erweiterung zur Flexibilität des Arbeitseinsatzes in seinen Dimensionen Zeit, Raum und Qualifikation. Anschließend biete ich eine Systematik von Arbeitsflexibilität an, verknüpfe sie mit Flexicurity und diskutiere die Entwicklung von Flexibilitätsketten. Daraus ergeben sich Ausschlussfragen zum Verhältnis von ökonomischen Effizienzsteigerungen und individuellen Autonomiegewinnen sowie nach den weiterreichenden Folgen einer flexiblen Arbeitsgesellschaft.
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Berliner Journal für Soziologie 16, Heft 1

Philipp Klages
Zwischen institutioneller Innovation und Reproduktion. Zum Wandel des deutschen Corporate Governance-Systems in den 1990ern

Der vorliegende Beitrag behandelt die Frage, inwieweit sich das deutsche Corporate Governance-System im Verlauf der 1990er Jahre der angloamerikanischen Spielart der Unternehmenskontrolle angenähert hat. Die in der bisherigen Corporate Governance-Forschung vorherrschendew? Neigung zu funktionalistischen Erklärungen wird um eine machttheoretische Perspektive ergänzt, die institutionellen Wandel als Resultat politischer Auseinandersetzungen zwischen Stakeholdern begreift. Anhand empirischer Befunde wird die These erläutert, dass sich der institutionelle Wandel des deutschen Corporate Governance-Systems aufgrund seiner inkrementellen Natur der herkömmlichen Dichotomie zwischen Kontinuität und Wandel entzieht und daher zutreffender als "Hybridisierung" bzw. als "institutionelle Überlagerung" charakterisiert werden kann. Die Ausweitung marktförmiger Governance-Mechanismen und der Machtgewinn finanzorientierter Aktionäre werden von einer Reproduktion verhandlungsförmiger Koordinationsmodi begleitet. Die Einspeisung systemfremder Komponenten in weiterhin bestehende Institutionen hat ein Mischsystem entstehen lassen, das sich zwischen koordinierten und liberalen Marktökonomien bewegt.
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Berliner Journal für Soziologie 16, Heft 1

Christine Trampusch
Sequenzorientierte Policy-Analyse. Warum die Rentenreform von Walter Riester nicht an Reformblockaden scheiterte

Aufgrund der strukturellen Besonderheiten des deutschen Regierungssystems gehen viele politikwissenschaftliche Studien von der Blockadethese aus. Sie gründet in der Annahme gegebener Präferenzen und stabiler institutioneller Rahmenbedingungen und führt auf der analytischen Ebene zu am Rationalwahlansatz orientierten Interaktionsanalysen, die politische Entscheidungen von der Veränderung gesellschaftlicher Probleme, Präferenzen und institutioneller Rahmenbedingungen isoliert betrachten. Interaktionsorientierte Analysen fokussieren auf die Erklärung von inkrementellem Policy-Wandel. Anhand der innovativen Rentenreform von Ex-Bundesarbeitsminw?ister Walter Riester wird vorgeschlagen, Rückkoppelungseffekte von Policies auf das Handeln politischer Akteure in die Analyse mit einzubeziehen, und Politik damit dynamisch zu betrachten. Theoretisch lässt sich das mit dem Bedarf an sozialintegrativen Wirkungen von Policies begründet. Die Hauptthese des Beitrages ist, dass es der Policy-Forschung durch Sequenzorientierung möglich wird, endogene Ursachen für innovativen Policy-Wandel zu identifizieren.
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Berliner Journal für Soziologie 16, Heft 1

Robert D. Reisz/Manfred Stock
Zwischen Expansion und Kontraktion. Zur Entwicklung der Hochschulbildung in Osteuropa 1950-2000

Komparative Forschungen der Bildungssoziologie, die in der Perspektive des neoinstitutionalistischen "world polity"-Ansatzes unternommen werden, sprechen der Expansion der Schulen und Hochschulen einen universellen Charakter zu. Vor dem Hintergrund dieser Forschungen wird im Beitrag die Hochschulentwicklung in West- und Osteuropa im Zeitraum von 1950 bis 2000 verglichen. Es wird gezeigt, dass sich die osteuropäischen Länder durch ein spezifisches Profil der Inklusion ins Hochschulsystem auszeichnen, welches vom globalen Muster abweicht. Expansive Phasen stehen hier neben kontraktiven Phasen. Während der Zeit des Staatssozialismus wurde die Entwicklung der Hochschulen an politischen Programmen auszurichten versucht. In diesen Programmen verschafften sich unterschiedliche und auch gegensätzliche normative Erwartungssyndrome Ausdruck. Zwischen den politischen Vertretern dieser gegensätzlichen Orientierungen kam es zu Konflikten, die in allen sozialistischen Ländern zum Abbruch der Hochschulexpansion führten. Im Zuge der postsozialistischen Transformation nähert sich der Expansionsverlauf in Osteuropa dem im Westen an.
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Berliner Journal für Soziologie 16, Heft 1

Roland Verwiebe/Matthias C. Müller
Gelungene Integration in den Arbeitsmarkt? Die flexiblen Biografien transnational mobiler Europäer zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Der Beitrag thematisiert die sozialstrukturellen Dynamiken, die transnationalen europäischen Wanderungsbiografien inhärent sind. Empirisch lassen sich in der Kontrastierung dieser Mobilitätsformen und unter besonderer Berücksichtigung berufsbiographischer Aspekte mehrere charakteristische Typen transnationaler Mobilität innerhalb Europas herauskristallisieren. Weiterhin zeigt sich, dass der bestimmende ökonomische Integrationsmodus innerhalb unserer Studie wesentlich über die Verfügbarkeit kulturellen und sozialen Kapitals vermittelt wird. Dabei lassen sich nicht nur europäische Elitenbiografien oder Unterschichtsbiografien finden, wie dies aus der neueren transnationalen bzw. der klassischen Migrationsforschung abzuleiten wäre, sondern auch verschiedene Typen transnationaler Mittelschichtsbiografien. Diese Befunde können als mögliche Erweiterung des soziologischen Verständnisses von Wanderungsbewegungen im 21. Jahrhundert verstanden werden. Empirisch stützt sich der Beitrag auf 27 problemzentrierte Interviews mit in Berlin lebenden Italienern, Franzosen, Briten, Dänen und Polen, die in zwei Wellen 2002 und 2003 realisiert wurden.
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Berliner Journal für Soziologie 16, Heft 1

Steffen Mau
Die Politik der Grenze. Grenzziehung und politische Systembildung in der Europäischen Union

Der Artikel beschäftigt sich mit Grenzbildungsprozessen im Zuge der Europäischen Integration. Ausgehend von einer Konzeptualisierung von Grenzen und Grenzkontrolle als zentrale Funktionen politischer Systeme wird gefragt, inwieweit es im Zuge der Europäischen Integration zu einer Neuordnung territorialer Grenzziehungen kommt. Dabei wird zunächst dargestellt, wie es im Zuge der Integration zu einer Deinstitutionalisierung von Grenzen zwischen den Mitgliedsländern der EU kommt. Daran anschließend wird gezeigt, wie als unmittelbare Folge dieser inneren Entgrenzung den Außengrenzen der EU größeres Gewicht zufällt. Der Artikel dokumentiert und bewertet dabei die Rolle der Europäischen Union bei der Koordination und Organisation eines eigenständigen Grenzregimes. Im letzten Abschnitt wird die Frage aufgeworfen, ob die durch die EU erzeugten Außengrenzen mit denen nationalstaatlicher Ordnungen verglichen werden können. Es wird die These vertreten, dass trotz der vorhandenen Tendenzen zur Härtung der Außengrenze der EU diese Grenze unscharf und variabel bleibt, weil eine Vielzahl von grenzübergreifenden Assoziations- und Kooperationsformen mit Ländern jenseits des Territoriums der EU entwickelt wurden. Zugleich ist durch die EU-Besonderheit der wandernden Grenzen ein rigider Abschluss nach Außen nicht möglich. In der Schussfolgerung wird schließlich noch einmal die Frage aufgeworfen, inwieweit Europa als Vorreiter eines veränderten Verhältnisses von Territorialität, Grenzziehung und politischer Ordnung angesehen werden kann.
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