Berliner Journal für Soziologie
 
 Home
 Aktuelles Heft
 Vorschau
 Archiv
 Bestellung
 Kontakt
 Manuskripte
 English Version

 

 

Die neue Online-Ausgabe des
Berliner Journal für Soziologie
finden Sie unter:
www.bjs-digital.de

 

Berliner Journal für Soziologie
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Sozialwissenschaften
Unter den Linden 6
D-10099 Berlin
Tel.: 030-2093-4355/-4356/-4357
Fax: 030-2093-4365
BJournal@sowi.hu-berlin.de

 

 

 

Stand 29.04.2007

Archiv



Inhalt - Heft 2/2006

 

 

ORGANISATION UND ARBEIT

Hildegard M. Nickel
Editorial     S. 151

Cornelia Koppetsch
Zwischen Disziplin und Expressivität. Zum Wandel beruflicher Identitäten im neuen Kapitalismus. Das Beispiel der Werbeberufe     S. 155
          Zusammenfassung

Katharina Bluhm
Auflösung des Liberalisierungsdilemmas. Arbeitsbeziehungen in Mittelosteuropa im Kontext des EU-Beitritts     S. 173
          Zusammenfassung

Annette Henninger/Ulrike Papouschek
Entgrenzte Erwerbsarbeit als Chance oder Risiko? Mobile Pflege und die Medien- und Kulturindustrie im Vergleich     S. 189
          Zusammenfassung

Till Westermayer
Die Ich-AG im Walde. Arbeit in ländlichen Räumen der postindustriellen Gesellschaft am Beispiel forstlicher Dienstleistungsunternehmen     S. 211
          Zusammenfassung

Jan Skrobanek/Solvejg Jobst
"Begrenzung" durch kulturelles Kapital? Zu Bedingungen regionaler Mobilität im Kontext der Kapitalientheorie Pierre Bourdieus     S. 227
          Zusammenfassung

Jan Fuhse
Gruppe und Netzwerk eine begriffsgeschichtliche Rekonstruktion     S. 245
          Zusammenfassung



Review Essay

Sylka Scholz
Männliche Herrschaft     S. 265



Mitteilungen und Berichte

Preis der Fritz Thyssen Stiftung für sozialwissenschaftliche Aufsätze (begründet durch Prof. Dr. h.c. Erwin K. Scheuch), Zeitschriftenjahrgang 2004     S. 275










Zusammenfassungen Heft 2/2006



Berliner Journal für Soziologie 16, Heft 2

Cornelia Koppetsch
Zwischen Disziplin und Expressivität. Zum Wandel beruflicher Identitäten im neuen Kapitalismus. Das Beispiel der Werbeberufe

Kreativität, Flexibilität und Authentizität sind zu wichtigen Arbeitstugenden in modernen Industriegesellschaften geworden. Arbeitgeber verlangen von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beständig mehr Selbstverantwortung und Initiative. Auch viele Beschäftigte wollen sich in der Arbeit "selbst" verwirklichen. Der Beitrag skizziert anhand einer Fallstudie zum Berufsfeld Werbung Umrisse eines neuen kreativen Berufsethos. Als Prototypen dieses Ethos werden die Berufsfelder der Kultur- und Medienindustrie vorgestellt, die den ökonomischen Veränderungen stärker als andere Berufe unterliegen, was sich in einem starken Markt- und Konkurrenzdruck, unsicheren und flexiblen Karrieren und der "Projektlogik" der Beschäftigung manifestiert. Die Analyse zeigt, welche Identitätsangebote das Kreativethos macht, welchen ökonomischen Erfordernissen es genügt und wie es in den Kontroll- und Belohnungssystemen der Berufsgruppe verankert wird. Schließlich geht der Beitrag auch auf die Frage ein, wie sich der Expertentypus der Kreativen im Spannungsfeld von Professionalismus und Wettbewerb konstituiert.
Zur Inhaltsübersicht







Berliner Journal für Soziologie 16, Heft 2

Katharina Bluhm
Auflösung des Liberalisierungsdilemmas. Arbeitsbeziehungen in Mittelosteuropa im Kontext des EU-Beitritts

Am Beispiel von Polen und Tschechien wird gezeigt, dass die Arbeitsbeziehungen in Mittelosteuropa in einem Spannungsfeld von sozialpartnerschaftlichen, marktliberalen und etatistischen Orierentierungen institutionalisiert wurden. Nur vor diesem Hintergrund lässt sich erklären, warum es möglich ist, zugleich "exzessive" und "zu wenig" Flexibilität bzw. eine unilaterale Entscheidungsmacht des Managements und Etatismus zu diagnostizieren. Charakteristisch für die Arbeitsbeziehungen der 1990er Jahre ist eine spezifische Permissivität, die im Gegensatz zum angelsächsischen Voluntarismus nicht auf geringer Normierung und Standardisierung beruht, sondern auf der Diskrepanz zwischen Normierung und Praxis. Die Akteurs- und Institutionenschwäche erzeugt ein Liberalisierungsdilemma, weil jeder Rückzug des Staates aus der Normierung der Arbeitsbeziehungen auch den Unilateralismus des Managements fördert. Der EU-Beitritt bildet für dieses Dilemma eine nicht-intendierte institutionelle Zäsur.
Zur Inhaltsübersicht







Berliner Journal für Soziologie 16, Heft 2

Annette Henninger/Ulrike Papouschek
Entgrenzte Erwerbsarbeit als Chance oder Risiko? Mobile Pflege und die Medien- und Kulturindustrie im Vergleich

In der deutschsprachigen Arbeits- und Industriesoziologie wird derzeit intensiv über eine "Entgrenzung" von Arbeit diskutiert, bei der sich industriegesellschaftlich etablierte Grenzen von Erwerbsarbeit verflüssigen oder auflösen. Bislang gibt es kaum empirische Arbeiten, in denen die prognostizierten Veränderungen vergleichend untersucht werden. Der vorliegende Beitrag vergleicht personenbezogene Dienstleistungen in der mobilen Pflege mit selbstständiger Wissensarbeit in der Medien- und Kulturindustrie. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob die These einer generellen Entgrenzung von Arbeit tatsächlich haltbar ist. Lassen sich in bestimmten Bereichen möglicherweise Gegentendenzen beobachten? Passen sich die Beschäftigten lediglich den veränderten Anforderungen an oder entwickeln sie eigene, aktive Strategien zur Begrenzung von Erwerbsarbeit und zur Neugestaltung des Verhältnisses von Erwerbsarbeit und Privatleben? Wie verteilen sich Chancen und Risiken für eine aktive Grenzziehung zwischen unterschiedlichen Beschäftigtengruppen? Und schließlich: Welcher Erkenntnisgewinn lässt sich aus den vergleichenden empirischen Befunden für die Entgrenzungsdebatte erzielen?
Zur Inhaltsübersicht







Berliner Journal für Soziologie 16, Heft 2

Till Westermayer
Die Ich-AG im Walde. Arbeit in ländlichen Räumen der postindustriellen Gesellschaft am Beispiel forstlicher Dienstleistungsunternehmen

Ausgehend von einer Darstellung postindustrieller Arbeit und ihres Echos in der Industriesoziologie, diskutiert der Artikel die Arbeits- und Organisationsformen forstlicher Dienstleistungsunternehmen. Dabei wird zum einen eine Makroperspektive eingenommen, in der das Aufkommen forstlicher Dienstleistungsunternehmen mit sinkenden Waldarbeiterzahlen und Outsourcing-Prozessen in den Forstverwaltungen in Beziehung gesetzt und mit dem historischen Kontext der Waldarbeit verknüpft wird. Zum anderen werden auf der Grundlage qualitativer Interviews mit forstlichen Dienstleistungsunternehmern Merkmale der dort stattfindenden Arbeit und der Organisationsform dieser Dienstleistungsunternehmen vor dem Hintergrund neuerer industriesoziologischer Ansätze dargestellt. Dabei wird deutlich, dass die Arbeit forstlicher Dienstleistungsunternehmen zwar viele Gemeinsamkeiten mit postindustrieller Arbeit aufweist, sich aber vieles auch mit Traditionslinien ländlicher Arbeit in Kleinstunternehmen erklären lässt. Die tatsächlich vorzufindenden Arbeitsweisen und Organisationsformen kombinieren die Reaktion auf einen globalen Markt mit Rückgriffen und Anschlüssen an Traditionslinien.
Zur Inhaltsübersicht






 

Berliner Journal für Soziologie 16, Heft 2

Jan Skrobanek/Solvejg Jobst
"Begrenzung" durch kulturelles Kapital? Zu Bedingungen regionaler Mobilität im Kontext der Kapitalientheorie Pierre Bourdieus

Vor dem Hintergrund zunehmender regionaler Disparitäten bezüglich der ökonomischen Entwicklung und Lebensbedingungen in Europa ist "Migration" zu einem Kernthema der Politik in vielen europäischen Ländern geworden. Ein wichtiges Gebiet der Forschung bildet die Analyse der zentralen Determinanten von Mobilität bzw. Migration, wobei regionenspezifisches kulturelles Kapital bisher kaum berücksichtigt wird. Genau hier setzt der folgenden Beitrag an, indem er das regionenspezifische kulturelle Kapital als besondere Form kulturellen Kapitals bei der Erklärung von Mobilitätsabsichten stärker in den Mittelpunkt rückt. Im Sinne einer theoriegeleiteten empirischen Analyse wird sich hierbei auf die Kapitalientheorie von Pierre Bourdieu und insbesondere auf dessen Unterscheidung von kulturellem, ökonomischem und sozialem Kapital bezogen. Grundlage der Analysen bildet eine im Freistaat Sachsen durchgeführte repräsentative Bevölkerungsumfrage von 3005 Personen. Die Analysen zeigen, dass eine Mobilitätsabsicht am stärksten durch das regionenspezifische kulturelle Kapital, die Unzufriedenheit mit der Situation in der Region und das Alter der Befragten erklärt wird.
Zur Inhaltsübersicht






 

Berliner Journal für Soziologie 16, Heft 2

Jan Fuhse
Gruppe und Netzwerk eine begriffsgeschichtliche Rekonstruktion

Der Aufsatz entwickelt drei zentrale Argumente: 1. Der Gruppenbegriff im frühen 20. Jahrhundert eines der Zentralkonzepte der Soziologie verliert zwischen 1960 und 1970 an Bedeutung. Er wird als Metapher für Verflechtungen sozialer Beziehungen zunehmend vom Netzwerkbegriff verdrängt. 2. Während der Gruppenbegriff abgeschlossene soziale Einheiten suggeriert, betont der Netzwerkbegriff die interrelationale Verknüpfung von Beziehungen und sozialen Kontexten miteinander. Gerade die komplexen sozialen Strukturen der Moderne sind besser mit dem Netzwerkbegriff zu fassen. 3. Gruppen sind Spezialfälle von Netzwerkstrukturen. Gruppen sind "involuierte" Netzwerke, in denen eine sinnhaft konstruierte soziale Außengrenze zum zentralen Orientierungspunkt wird und für eine tendenzielle Ausrichtung von Netzwerkbeziehungen an der sozialen Grenzziehung sorgt. Diese drei Argumente werden in einem geschichtlichen Überblick über die Behandlung von Gruppen und Netzwerken in verschiedenen Ansätzen der soziologischen Theorie entfaltet. Diskutiert werden vor allem die Formale Soziologie in Deutschland um Georg Simmel und Leopold von Wiese, der Symbolische Interaktionismus, die britische Sozialanthropologie und die amerikanische Netzwerkanalyse sowie die jüngsten Entwicklungen der Phänomenologischen Netzwerktheorie um Harrison White in den USA. Der verfolgte Ansatz betont die Eigendynamik von Sozialbeziehungen und Beziehungsgebilden (wie z.B. Gruppen) auf der Meso-Ebene.
Zur Inhaltsübersicht