Berliner Journal für Soziologie
 
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Berliner Journal für Soziologie
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Sozialwissenschaften
Unter den Linden 6
D-10099 Berlin
Tel.: 030-2093-4355/-4356/-4357
Fax: 030-2093-4365
BJournal@sowi.hu-berlin.de

 

 

 

Stand 29.04.2007

Archiv



Inhalt - Heft 3/2006

 

 

Frank Ettrich
Editorial     S. 287

Hans-Joachim Schubert
Integration, Ethnizität und Bildung. Die Definition ethnischer Identität Studierender türkischer Herkunft     S. 291
          Zusammenfassung

Jürgen Gerdes/Thomas Faist
Von ethnischer zu republikanischer Integration. Der Diskurs um die Reform des deutschen Staatsangehörigkeitsrechts     S. 313
          Zusammenfassung

Frank Hillebrandt
Funktionssysteme ohne Praxis oder Praxisfelder ohne System? System- und Praxistheorie im Vergleich     S. 337
          Zusammenfassung

Stephan Moebius
Die Gabe ­ ein neues Paradigma der Soziologie? Eine kritische Betrachtung der M.A.U.S.S.-Gruppe     S. 355
          Zusammenfassung

Sabine Fromm/Hans-Jürgen Aretz
Institutioneller Wandel als Hybridisierung. Die Entwicklung der globalen Börsenindustrie und der Konflikt um die Deutsche Börse AG     S. 371
          Zusammenfassung

Ursula Mense-Petermann
Transnationalisierung, Organisation und Kultur. Organisationswissenschaftliche Kulturbegriffe auf dem Prüfstand     S. 393
          Zusammenfassung



Mitteilungen und Berichte

Schaderpreis für Gesine Schwan     S. 413










Zusammenfassungen Heft 3/2006



Berliner Journal für Soziologie 16, Heft 3

Hans-Joachim Schubert
Integration, Ethnizität und Bildung. Die Definition ethnischer Identität Studierender türkischer Herkunft

Die Integration von Bildungsaufsteigern mit türkischem Migrationshintergrund wird nicht durch die Assimiliation an deutsche bei gleichzeitiger Aufgabe kultureller Orientierungen der Herkunft begleitet. Bildungsaufstieg motiviert die individuell-strategische Integration deutscher und türkischer Identitätsmerkmale, weil neue diversity managment-Konzepte internationaler Organisationen Berufschancen eröffnen. Auch Prozesse sozial-emotionaler Integration verlaufen "selektiv", weil die Sozialisation in deutschen Bildungsinstanzen zu emotionaler Distanz von ethnischen Herkunftsgemeinschaften führt, während der soziale Anschluss an Gemeinschaften "Deutscher" nur unvollständig gelingt. Diese starken Individualisierungsanforderungen führen zu Fragen kulturell-authentischer Integration, die jenseits sozialer Klasse und ethnischer Gemeinschaft in einer neuen Immigrantenkultur beantwortet werden. Solche öffentlichen Diskurse motivieren Distanzen zu deutschen und türkischen Lebenswelten zugunsten kommunikativer Integration und Bindung an Verfahren. Bildungsaufsteiger lehnen essenzialistische Zuschreibungen ab, konstruieren hingegen im Prozess projektiver Integration hybride Identitäten, posttraditionale Gemeinschaften und aktive Vertrauensbeziehungen.
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Berliner Journal für Soziologie 16, Heft 3

Jürgen Gerdes/Thomas Faist
Von ethnischer zu republikanischer Integration. Der Diskurs um die Reform des deutschen Staatsangehörigkeitsrechts

Der Artikel gibt einen Überblick über den politischen Prozess, der zu einem in ländervergleichender Perspektive unüblichen Ergebnis der Reform des deutschen Staatsangehörigkeitsrechts Ende der 1990er Jahre geführt hat. Die Kombination zweier sehr widersprüchlicher Elemente des geltenden deutschen Staatsangehörigkeitsrechts ­ ein außergewöhnlich weitgehendes und liberales ius soli und die Aufrechterhaltung einer im Vergleich zu anderen europäischen Immigrationsstaaten äußerst restriktiven Haltung gegenüber doppelten Staatsbürgerschaften ­ muss als ein im Wesentlichen unintendierter Kompromiss zweier politischer Lager betrachtet werden, die sehr verschiedene Überzeugungen über die Integration von Immigranten und der Gesamtgesellschaft vertreten. In diesem Artikel wird die These vertreten, dass die Verzögerung und die Gestalt der jüngeren Reform des deutschen Staatsangehörigkeitsrechts nicht ­ zumindest nicht in den letzten etwa 15 Jahren ­ auf die Kontinuität eines ethnischen Nationsverständnisses zurückzuführen ist, wie dies über Jahre zur Erklärung der restriktiven staatsangehörigkeitsrechtlichen Regeln Deutschlands in der Literatur prominent und wiederkehrend behauptet worden ist. Die deutsche Politik des Staatsangehörigkeitsrechts erklärt sich vielmehr aus einer persistenten parteipolitischen und ideologischen Konfliktstruktur, die wiederum durch zentrale institutionelle Merkmale des politischen und rechtlichen Systems gefördert worden ist. Die sich polarisierend gegenüberstehenden, aber innerhalb eines republikanischen Selbstverständnisses zu verortenden Auffassungen beziehen sich auf sehr unterschiedliche Interpretationen der Funktion der Staatsbürgerschaft und des relativen Verhältnisses der Aufgaben von Staat und Bürger. Insbesondere wird auf der einen Seite Bürgerschaft als Aktivität und auf der anderen Seite Staatsbürgerschaft als Rechtsinstitut akzentuiert.
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Berliner Journal für Soziologie 16, Heft 3

Frank Hillebrandt
Funktionssysteme ohne Praxis oder Praxisfelder ohne System? System- und Praxistheorie im Vergleich

Soziologische Praxis- und Systemtheorie lassen sich nur schwer miteinander vermitteln. Der Aufsatz zeigt zunächst die Gründe dafür an den wichtigsten erkenntnistheoretischen Grundentscheidungen der beiden Theorien auf. Die Ergebnisse dieses Theorienvergleichs werden dazu genutzt, Gemeinsamkeiten zwischen der Praxistheorie Bourdieus und der Systemtheorie Luhmann’scher Provenienz an den im Kern konvergenten Gegenstandsbestimmungen beider Theorien zu konturieren. Die zentrale These des Beitrages ist, dass sich beide Theorien erst dann vermitteln lassen, wenn die Konvergenz in den scheinbar unterschiedlichen Bestimmungen der Sozialität als Praxis (Bourdieu) bzw. als Kommunikation (Luhmann) herausgearbeitet wird. Erst dann lassen sich die Einsichten Bourdieus in die dauerhafte Reproduktion sozialer Ungleichheit mit den Einsichten Luhmanns in die stabile Reproduktion funktionaler Differenzierung mit dem Ziel zusammenführen, die Theorien vertikaler und horizontaler Differenzierung wechselseitig anzureichern.
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Berliner Journal für Soziologie 16, Heft 3

Stephan Moebius
Die Gabe ­ ein neues Paradigma der Soziologie? Eine kritische Betrachtung der M.A.U.S.S.-Gruppe

Geben, Nehmen, Erwidern ­ das ist die Grundformel des Gabentausches, wie sie Marcel Mauss in seinem 1925 publizierten Essay über die Gabe entwickelt und ausgearbeitet hat. Das 1980 von dem französischen Soziologen Alain Caillé und dem Schweizer Anthropologen Gérald Berthoud initiierte Mouvement Anti-Utilitariste dans les Sciences Sociales ­ kurz M.A.U.S.S. ­ knüpft in spezifischer Weise an Mauss’ Essay an: Das Ziel der in Deutschland kaum bekannten M.A.U.S.S.-Gruppe besteht in der Etablierung eines dritten Paradigmas, dem Paradigma der Gabe, mit dessen Hilfe ein "dritter Weg" zwischen methodologischem Individualismus und methodologischem Holismus eingeschlagen werden soll. Der Beitrag geht nach einer Verortung der Gruppe im soziologischen Feld Frankreichs zunächst auf die soziologiehistorische Grundlage der Gruppe, also Mauss’ Gabe-Theorem, ein, um dann in einem zweiten Schritt ihre theoretischen Grundannahmen zu analysieren, die das dritte "Paradigma der Gabe" fundieren sollen. Die Verortung der Gruppierung innerhalb des Feldes gegenwärtiger soziologischer Theoriebildung soll anhand der von Caillé vollzogenen Absetzung von Pierre Bourdieu in knapper Form präzisiert werden. Abschließend werden einige Kritikpunkte formuliert, die sowohl den methodologischen als auch den allgemein-soziologischen Impetus der M.A.U.S.S.-Gruppe betreffen.
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Berliner Journal für Soziologie 16, Heft 3

Sabine Fromm/Hans-Jürgen Aretz
Institutioneller Wandel als Hybridisierung. Die Entwicklung der globalen Börsenindustrie und der Konflikt um die Deutsche Börse AG

Im März 2005 erzwangen institutionelle Investoren die Rücknahme des Übernahmeangebots der Deutschen Börse AG an die London Stock Exchange und später den Rücktritt des Vorstandvorsitzenden und des Aufsichtsrats des Unternehmens. An diesem Vorgang lässt sich exemplarisch die Veränderung der Aktiengesellschaften in Deutschland von Insidersystemen zu Systemen mit Insidern und Outsidern und der damit zusammenhängende Wandel ihrer Corporate Governance aufzeigen. Im Konflikt zwischen den "Principals" und "Agents" der Deutschen Börse AG wird erstens die "Hybridisierung" verschiedener Governance-Systeme deutlich. Entgegen den Annahmen einer "Pfadabhängigkeit" oder einer Konvergenz der verschiedenen Kapitalismusvarianten hin zum US-Modell des marktbasierten Kapitalismus deutet der Konflikt um die Deutsche Börse AG auf einen Wandel, bei dem gleichzeitig Pfadabhängigkeiten und Konvergenzen zu beobachten sind. Zweitens wird deutlich, dass eine Marktöffnung der Unternehmen nicht zwingend zu einer stärkeren Marktsteuerung führt, sondern dass durch diesen Prozess vielmehr neue Optionen der unternehmenspolitischen Steuerung evoziert werden.
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Berliner Journal für Soziologie 16, Heft 3

Ursula Mense-Petermann
Transnationalisierung, Organisation und Kultur. Organisationswissenschaftliche Kulturbegriffe auf dem Prüfstand

Der Aufsatz geht von der Beobachtung eines Wandels der Organisationsstrategien und -strukturen grenzüberschreitend tätiger Unternehmen (Transnationalisierung) aus und fragt vor diesem Hintergrund, welche Bedeutung solche Prozesse der Transnationalisierung für das Verhältnis von Organisation und Kultur und für die Theoretisierung dieses Verhältnisses haben. Die These ist, dass die Debatte um neue, transnationale Organisationsformen und deren Chancen und Grenzen, die wesentlich unter Rekurs auf "Kultur" geführt wird, die ablaufenden Prozesse genauer fassen und über die derzeit dominante Debatte um weltweite Konvergenz oder bleibende Divergenz von Organisationsstrukturen hinaus kommen könnte, wenn die international vergleichende Organisationsforschung eine grundbegrifflich-theoretische Umstellung auf einen praxistheoretischen Kulturbegriff vornehmen würde. Nach einer kritischen Sichtung "klassischer" Konzeptionen des Verhältnisses von Organisation und Kultur wird auf der Basis dieser Kritik ein praxistheoretisch informierter Vorschlag zur Neu-Konzeptualisierung dieses Verhältnisses vorgelegt.
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