Berliner Journal für Soziologie
 
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Berliner Journal für Soziologie
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Sozialwissenschaften
Unter den Linden 6
D-10099 Berlin
Tel.: 030-2093-4355/-4356/-4357
Fax: 030-2093-4365
BJournal@sowi.hu-berlin.de

 

 

 

Stand 29.04.2007

Archiv



Inhalt - Heft 4/2006

 

 

RELIGION UND POLITIK ZWISCHEN KONFLIKTUALISIERUNG UND INSTITUTIONALISIERUNG

Klaus Eder
Editorial     S. 425

Karsten Fischer
Arbeit an der Apokalypse. Zur Begriffsbestimmung von "Fundamentalismus"     S. 429
          Zusammenfassung

Uta Karstein/Thomas Schmidt-Lux/Monika Wohlrab-Sahr/Mirko Punken
Säkularisierung als Konflikt? Zur subjektiven Plausibilität des ostdeutschen Säkularisierungsprozesses     S. 441
          Zusammenfassung

Richard Münch
Religiäse Pluralität im nationalen Verfassungsstaat. Funktionale Grundlagen und institutionelle Formung aktueller Konflikte     S. 463
          Zusammenfassung

Karsten Lehmann
Community-Kirchen im Wandel. Zur Entwicklung christlicher Migrantengemeinden zwischen 1950 und 2000     S. 485
          Zusammenfassung

Anne Goedicke
Organisationsmodelle in der Sozialstrukturanalyse: Der Einfluss von Betrieben auf Erwerbsverläufe     S. 503
          Zusammenfassung

Hartmut Esser
Ethnische Ressourcen: Das Beispiel der Bilingualität     S. 525
          Zusammenfassung



Mitteilungen und Berichte

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2006 an Wolf Lepenies     S. 545

Bernd Wegener
11th International Social Justice Conference, Berlin 2006     S. 545









Zusammenfassungen Heft 4/2006



Berliner Journal für Soziologie 16, Heft 4

Karsten Fischer
Arbeit an der Apokalypse. Zur Begriffsbestimmung von "Fundamentalismus"

Entgegen verbreiteter Skepsis gegenüber dem Begriff „Fundamentalismus“ als sozialwissenschaftlicher Kategorie nimmt der Aufsatz seinen Ausgangspunkt in der Doppelnatur des Fundamentalismus als einer affirmativen Selbstbeschreibung und als einer pejorativen Fremdbeschreibung. Diese historische Rekonstruktion führt zur Unterscheidung zwischen mehreren kulturübergreifenden Phasen fundamentalistischer Latenz und Virulenz. Die hieraus resultierende Definition fokussiert die „Arbeit an der Apokalypse“ als gemeinsames Merkmal fundamentalistischer Bewegungen und ihrer paradoxen Haltungen zur Moderne. Abschließend reflektiert der Beitrag politische Konsequenzen dieser Begriffsbestimmung.
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Uta Karstein/Thomas Schmidt-Lux/Monika Wohlrab-Sahr/Mirko Punken
Säkularisierung als Konflikt? Zur subjektiven Plausibilität des ostdeutschen Säkularisierungsprozesses

Bezug nehmend auf die religiäs-weltanschauliche Entwicklung in der DDR und in Ostdeutschland, plädieren wir für einen historisch tiefenscharfen konflikttheoretischen Zugang zum Prozess der Säkularisierung, der seinen Ausgangspunkt bei den Laien im religiäs-weltanschaulichen Feld nimmt. Im Anschluss an Max Weber und Pierre Bourdieu verstehen wir den ostdeutschen Säkularisierungsprozess als Resultat eines Kampfes um „gleiche Güter“ innerhalb eines sozialen Feldes. Anhand von Familieninterviews mit ostdeutschen Familien arbeiten wir drei Ebenen dieses Konfliktes heraus: den Konflikt um Mitgliedschaft, den Konflikt um Weltdeutung sowie den Konflikt um ethische Handlungsregulierung. Über die Positionierungen der Akteure zu diesen Konfliktdimensionen werden, so unsere These, die Konfliktlinien des Makroprozesses subjektiv plausibel. Erst dadurch übersetzt sich der Staat-Kirche-Konflikt in einen tendenziell dauerhaften Prozess subjektiver Säkularisierung. Die Umkehr dieses Prozesses ist insofern schwierig, als sich unter veränderten Rahmenbedingungen eine Revision vorwiegend auf der Ebene der Weltdeutung, nicht aber auf den Ebenen der Mitgliedschaft und der ethischen Handlungsregulierung, vollzieht. Damit bleiben die Veränderungen chronisch instabil.
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Berliner Journal für Soziologie 16, Heft 4

Richard Münch
Religiäse Pluralität im nationalen Verfassungsstaat. Funktionale Grundlagen und institutionelle Formung aktueller Konflikte

Dieser Aufsatz soll zu einem sowohl funktionalistisch als auch institutionalistisch informierten Verständnis der aktuellen Konflikte über Leitkultur, religiäse Pluralität und Multikulturalismus führen, aus dem eine Erklärung des entsprechenden historischen Vorgangs mäglich wird. Zu diesem Zweck wird die funktionale Ausdifferenzierung und institutionelle Formung der Politik systematisch mit speziellem Fokus auf der Differenzierung von Religion und Politik sowie Kirche und Staat, der Handhabung von religiäser Pluralität und der politischen Inklusion religiäser Minderheiten rekonstruiert. Das Argument wird im Anschluss an einleitende Bemerkungen in den folgenden vier Schritten entfaltet: (2) Herausbildung des staatlichen Gewaltmonopols und die Trennung von geistlicher und weltlicher Macht (Funktionalismus I), (3) Nationalstaat und Volkssouveränität als historische Form der funktionalen Ausdifferenzierung der Politik (Funktionalismus II), (4) Verfassung als Zivilreligion staatlich organisierter Politik (Institutionalismus I) und (5) historische Formen der Zivilreligion und der Institutionalisierung religiäser Pluralität (Institutionalismus II).
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Berliner Journal für Soziologie 16, Heft 4

Karsten Lehmann
Community-Kirchen im Wandel. Zur Entwicklung christlicher Migrantengemeinden zwischen 1950 und 2000

Die gegenwärtige religionssoziologische Forschung zu Migrantengemeinden ist von einem Hiatus geprägt: Während sich die theoretischen Debatten der Religionssoziologie maßgeblich am westlichen Christentum abgearbeitet haben, beschäftigen sich empirische Untersuchungen vor allem mit muslimischen oder asiatischen Zuwanderergemeinden. Vor diesem Hintergrund wird ein heuristisches Modell vorgestellt, welches die institutionentheoretische Perspektive der Sekte-Kirche-Typologie um die Dimension des Bezugs auf die Aufnahmegesellschaft oder die Community erweitert. Im Mittelpunkt der Analyse steht der Typus der Community-Kirche. Darunter kännen im Anschluss an Max Weber und Friedrich Heckmann die Gemeinden verstanden werden, die sich (a) als Verwalterin einer Art von Fideikomiss ewiger Heilsgüter betrachten, die jedem dargeboten werden, der (b) Teil einer auf der Basis von Selbstorganisationen entstandenen Beziehungsstruktur unter Einwanderern in einer bestimmten räumlich-territorialen Einheit ist. Die Entwicklung der christlichen Migrantengemeinden scheint von Beginn der 1950er Jahre bis in die 1980er Jahre von Gemeinden geprägt zu sein, die dem Typus der Community-Kirche nahe stehen. Seit Mitte der 1990er Jahre entfernen sich die Gemeinden zunehmend von diesem Typus. Auf der einen Seite entstehen unter den Zuwanderern neue Sozialformen von Religion. Auf der anderen Seite orientieren sich die Gemeinden zunehmend an der gesamten Aufnahmegesellschaft.
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Berliner Journal für Soziologie 16, Heft 4

Anne Goedicke
Organisationsmodelle in der Sozialstrukturanalyse: Der Einfluss von Betrieben auf Erwerbsverläufe

Erklärungen von Beschäftigungschancen und Karrieren beziehen sich in der deutschsprachigen Sozialstrukturanalyse nach wie vor weitaus häufiger auf überbetriebliche Institutionen als auf die Struktur und Dynamik von Arbeitsorganisationen. Empirische Diagnosen einer „Verbetrieblichung“ von Beschäftigungsbedingungen in Deutschland erhähen jedoch die Notwendigkeit, sich systematisch mit der betrieblichen Strukturierung von Erwerbsverläufen und daraus resultierender sozialer Ungleichheit zu befassen. Vor dem Hintergrund aktueller Prozesse organisationalen Wandels und vorliegender empirischer Studien wird vorgeschlagen, neben den gut etablierten, auf betriebliche Positionsstrukturen bezogenen Modellen der strukturalistischen Arbeitsmarktforschung analytische Perspektiven zu stärken, die die Strategiefähigkeit von Betrieben, das Handeln und die sozialen Beziehungen von Organisationsmitgliedern sowie die kulturelle Einbettung betrieblicher Personalpraktiken betonen.
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Berliner Journal für Soziologie 16, Heft 4

Hartmut Esser
Ethnische Ressourcen: Das Beispiel der Bilingualität

In dem Beitrag wird am Beispiel der Bilingualität die Hypothese behandelt, wonach die ethnischen Ressourcen für die Integration von Migranten von einer besonderen Bedeutung seien, so wie es im Zuge neuerer Konzepte der Migrationssoziologie, etwa im Konzept der „segmented assimilation“, vermutet wird. Vier Bereiche werden hierbei angesprochen: die Bedeutung muttersprachlicher Fertigkeiten für die schulischen Leistungen, die Wirkungen muttersprachlicher Unterrichtsprogramme, die Effekte muttersprachlicher Kompetenzen für den Arbeitsmarkterfolg allgemein und dann speziell für Kanada als einem oft genannten Beispiel für eine „angemessene“ Sprach- und Integrationspolitik. Es zeigt sich, dass in so gut wie keinem Fall die muttersprachlichen Kompetenzen (wie die binnenethnischen Beziehungen) einen empirisch belegbaren Effekt für den Bildungs- und Arbeitsmarkterfolg haben. Zumindest in Hinsicht auf die Prozesse des Spracherwerbs und dessen Folgen ist das Konzept der intergenerationalen Absorption durch (sprachliche) Akkulturation nach wie vor gültig, auch in Kanada.
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