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K o n t a k t / I m p r e s s u m
S u c h r o b o t e r
Schriftenreihe herausgegeben vom
Forschungszentrum Populäre Musik
der Humboldt-Universität zu Berlin

in: PopScriptum 04 - Rechte Musik
© Margitta Fahr, 1995



Odins Erben

Neoheidentum und nordische Mythologie in Rechtsrock-Texten an ausgewählten Beispielen der britischen Band «Skrewdriver»

Margitta Fahr, Deutschland


Bis Ende der achtziger Jahre waren Neoheidentum und nordisch-mythologische bzw. völkische Präferenzen im wesentlichen auf zwei Strömungen innerhalb des rechten Spektrums beschränkt. Einerseits auf Teile der neuen Rechten, deren philosophische Grundhaltungen Alain de Benoit in seinem Werk «Heide sein - zu einem neuen Anfang; die europäische Glaubensalternative» und Sigrid Hunke in «Europas eigene Religion» formuliert haben. Prinzipiell geht es um die «geistige Neuordnung des Abendlandes» und die Abkehr vom Christentum (i.e. Juden-Christentum) als eine «dualistische, egalitäre, monotheistische Lehre», die «der europäischen Tradition nicht entspricht».
Andererseits tauchten neoheidnische Orientierungen bei Gruppierungen der extremen Rechten auf. Dabei wurden Neonationalsozialismus und Germanenglaube («Artglaube») verknüpft, eine vulgarisierte Form nordischer Mythologie propagiert und ebensolche, primitiv verkürzten Rituale praktiziert. (Sonnenwendfeiern)
Eine dritte Gruppe, die sich den Status von Religionsgemeinschaften gegeben hat, muß zwar in diesem Zusammenhang benannt werden, soll aber nicht als originär rechtsorientiert diffamiert werden, obgleich sich diese ideologische Ausrichtung bei einem erheblichen Teil der Mitglieder nachweisen läßt. Eindeutig der rechten Szene zuzuordnen sind der Armanen-Orden, die Goden und Gylphiliten, Wotans Volk und die Deutschgläubige Gesellschaft, die Artgemeinschaft; differenziert zu betrachten sind die Heidnische Gemeinschaft und verschiedene Organisationen innerhalb der A.N.S.E (Arbeitsgemeinschaft naturreligiöser Stammesverbände Europas) sowie Vereinigungen moderner Hexen und Hexenmeister, Thelemiten, Satanisten etc.


«Skrewdriver» - ein Schraubenzieher im Nordlicht

Der letzte Auftritt der britischen Kultband in Deutschland fand am 10. Juli 1993 in Waiblingen statt. Dort spielte Skrewdriver («Schraubenzieher») mit ihrem Frontmann, Ian Staut Donaldson, vor etwa 400 Zuhörern auf einem «musikalischen Griffest», gefolgt von der schwäbischen Band Triebtäter.

Am 24. September verunglückte der 35jährige Ian Stuart Donaldson bei einem Autounfall auf dem Highway A 38 in Derbyshire (Nordengland) und erlag im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.
An den darauffolgenden Wochenenden spielten Polizisten und Dutzende angereister rechter Skinheads und organisierte Rechtsextremisten aus allen Bundesländern in Stuttgart und im badischen Singen stundenlang Räuber und Gendarm. Es gab zahlreiche Festnamen. Anlaß waren geplante Gedenkkonzerte für «den aktivsten nationalistischen Liedermacher der Welt» und den neuen Märtyrer der Bewegung: Ian Stuart Donaldson.
Stuarts tödlicher Unfall ist heute, achtzehn Monate danach, Gegenstand moderner Sagen- und Legendenbildung in der Szene. Ian Stuart sei ermordet worden, alle vier Reifen des Fahrzeuges seien gleichzeitig geplatzt, weil «man» Krallen ausgelegt oder die Reifen mit einem anderen Gas gefüllt hatte. Hinter «man» wird der britische Geheimdienst vermutet.
Seit ihrer Gründung 1977 konnte sich die britische Rockband Skrewdriver zügig an die Spitze der rechten Musikszene spielen und wurde von den Boneheads frenetisch gefeiert. Dabei verkauften Ian Stuart Donaldson (git & voc) und seine Crew die meisten Tonträger nicht im britischen Mutterland, sondern in Schweden und Deutschland, wo sie bei dem Brühler Label Rock-O-Rama unter Vertrag standen. Kleinversandbetriebe, Fanzines und rechtsextreme Monatszeitschriften wie «Europa vorn» bieten die Skrewdriver-Produktionen und -Projekte zu Preisen an, die für die mageren Budgets der Fangemeinde noch einigermaßen erschwinglich sind.
Nicht weniger 'erfolgreich' bewegten sich Band und Frontmann innerhalb der ultrarechten britischen und nordirischen Politszene. Die Rechtsrocker sind personell und funktionell verflochten mit der National Front, der British National Party (BNP), der konspirativ arbeitenden Kaderorganisation British Movement, der Terrororganisation Combat 18 («Kampfgruppe» + 1. und 8. Buchstabe des Alphabets = «A(dolf) H(itler)») und stehen dem braunen Netzwerk Blood & Honour («Blut und Ehre») vor.
Der Aufstieg Ian Stuarts, Sohn kleiner Mittelständler aus der Nähe von Blackpool, verlief kontinuierlich. Schon den Teenager zog es in die Reihen der National Front. Obwohl seine Band anfänglich noch zum Punk tendierte, marschierte sie bald stramm nach rechtsaußen. Ian Stuart Donaldson wurde Parteiorganisator der National Front und für seine hervorragende Mitgliederwerbung im Herzen Londons ausgezeichnet. Zu seinen frühen Aktionen gehörte 1981 die Kampagne «Rock gegen Kommunismus». Mitte der 80er gründete er die rechtsextreme Dachorganisation «White Noise» («WeißerLärm»), die mit ihren scheinbar losen Strukturen speziell auf die Skinhead-Szene zugeschnitten war. 1986 mußte der superaktive Politrocker allerdings sechs Monate pausieren - im Knast. Er hatte mit seinen Kumpanen einen Nigerianer am Bahnhof King's Cross in London überfallen und schwer verletzt. Wenig später verließ er die National Front, die ihm nun politisch zu schlaff erschien und wandelte «White Noise» in das Netzwerk «Blood & Honour» um. Die Gelder, die «White Noise» eingenommen hatte, waren zu einem großen Teil den Spitzenfunktionäre der NF zugeflossen. Stuart Donaldson engagierte sich außerdem noch im Ku-Klux-Klan. Vor diesem Hintergrund entstand das Skrewdriver-Musikprojekt The Klansmen («Die Klansmänner»). Im unmittelbaren Umfeld von Skrewdriver sind noch die Naziskin-Bands Skullhead, No Remorse und Brutal Attack angesiedelt.
Ian Stuart Donaldson verfügte über ausgezeichnete Beziehungen zur internationalen rechtsextremen Szene und zu Sponsoren, die auch aus dem Kreis ehemaliger Angehöriger der Waffen-SS in der Bundesrepublik kommen. Die Finanzspritzen gingen hauptsächlich in die Produktion und den Versand von Neonazi-Devotionalien, angeboten u.a. im THUNOR-Katalog. Das besondere Interesse des Briten und seiner unmirttelbaren Gefolgschaft verlagerte sich in den letzten drei Jahren immer stärker in den osteuropäischen Raum hinein.
Ian Stuart Donaldson ist zweifellos die Galionsfigur der ultrarechten britischen Musik- und Politik-Szene (auch mit seinen Solo-Alben war er erfolgreich) und hat einen wesentlichen Anteil an der zunehmenden Politisierung und Vernetzung der europäischen Skin-Szene. Die übrigen Mitglieder von Skrewdriver sind jedoch nicht minder umtriebig und standen immer auf der Matte, wenn es ums Hauen, Stechen, Schlagen und Treten ging. Kameradschaft ist schließlich alles, und so bekannte sich Mark «Der Bär» Harvey vor drei Jahren der Messerstecherei für schuldig, obwohl der wahre Täter John «Burnley» Bellany hieß. Als Bellany seinen Kumpel nicht auslöste, sank sein Stern bei der Fangemeinde ganz kräftig. Die gerechte Strafe ereilte ihn (fast), als er im Dezember 1991 in Cottbus verhaftet wurde. Im Vorfeld eines von Frank Hübner und der Deutschen Alternative organisierten Rockkonzertes hatte er mit vier Mittätern einen 18jährigen vermeintlichen Linken mit dem Messer schwer verletzt. Der Prozeß in Cottbus entwickelte sich zur Provinzposse, als die fünf beschuldigten Bandmitglieder und Sympathisanten großzügig heim ins Insel-Reich entlassen wurden, zu den Prozeßterminen nur einen Vertreter schickten und somit die Verhandlungen platzen ließen.
In einer repräsentativen Umfrage unter Skinheads landete Skrewdriver auf dem zweiten Platz als «wichtigste/beste Band aller Zeiten». Die Konzerte waren stets ausverkauft, die Band- und Szene-eigenen Sicherheitstrupps («Security») mußten oft knallhart durchgreifen, um die krawallbereiten Konzertbesucher einigermaßen kontrollieren zu können. Videomitschnitte der Konzerte wurden innerhalb der Szene kopiert und weitergereicht.
Ian Stuart Donaldson war bekennender Neoheide und deshalb flossen in die Texte der Band zahlreiche Elemente nordischer Religion, rassistischen Artglaubens und, beides agglutinierend, nationalisozialistischer Ideologie ein.
Die erste «Kultproduktion» ist, nach Ansicht der rechtsorientierten Fangemeinde, das Album «Blood And Honour» aus dem Jahre 1986. Das Prinzip White power wird fortgeführt, dieses Mal unter dem Motto, das jedem SS-Mann als ideale männliche Tugenden mit auf den Weg gegeben wurde.
Der Feind steht eindeutig links, Männertugend gegen das Böse aus dem Osten, Blutsbande gegen Bolschewisten:


We looked with caution to the East,
We can see the red flag of the beast,
Countless millions have died at the Marxists' hands,
We would fight and die to keep our land.

Refrain:
For the blood and honour,
For the blood and for the pride,
For the blood and honour,
We must never let our Europe be taken for a ride.»


(Wir schauten vorsichtig gen Osten,
Wir können die rote Fahne der Bestie erkennen,
Zahllose Millionen sind durch die Hände der Marxisten gestorben,
Wir wollen kämpfen und sterben, um unser Land zu bewahren.

Für das Blut und die Ehre,
Für das Blut und den Stolz,
Für das Blut und die Ehre,
Wir dürfen unser Europa niemals im Sturm überrennen lassen.)


Unter dem Aspekt dieses Beitrages ist jedoch der Tonträger «Hail The New Dawn» (Heil dem neuen Morgenrot) aus dem Jahre 1983 ergiebiger. Das Cover von «Blood And Honour» zeigt einen schwach erkennbaren nordischen Gott, Odin. «Hail The New Dawn» präsentiert dagegen einen Wikingerfürsten mit Kurzschwert, der seiner Schiffsbesatzunge mit Schwertern und Schilden bei der Eroberung eines Landes voraneilt, in der linken Hand eine Fahne mit einem stilisierten (Haken-) Kreuz. Die Stilisierung verbotener Kennzeichen, die Nutzung von Sinnzeichen und Runen für politische Forderungen zur Schaffung von Identität und Exklusivität, ist eines der hervorstechendsten Merkmale der rechten Szene. Als Beispiel dafür soll die Darstellung der «Bauge» genügen, die man in der Hoch-Zeit der rechten Graffiti-Kultur in Berlin zwischen 1990 und 1992 oft sehen konnte:
Die «Bauge» ist das Symbol für «die Hoffnung auf baldige Wiederkehr» und wurde bei «den Germanen» Freunden ins Totenreich mitgegeben. In heutiger Zeit symbolisiert die «Bauge» die Hoffnung auf die baldige Wiederkehr des Nationalsozialismus. Sie war übrigens bis zum Verbot der militant-rechtsextremen Wiking-Jugend auch das Kennzeichen deren Mädchenorganisation.
Solche kryptischen Botschaften sind nur für Szeneangehörige identifizierbar und diese Form des Auserwähltseins unterstützt zusätzlich noch das Gefühl, einer Elite anzugehören.
Der Song «Hail The Dawn» beschwört wie viele nachfolgende von Skrewdriver den Augenblick nach der «letzten Schlacht», ergo: den «Endsieg». Die Verse sind holperig, das Versmaß ist nicht durchgehalten. Die Bilder, die angeboten werden, sind grob gerastert, wie «Blood of our blood, spirit of our spirit» (Blut von unserem Blute, Geist von unserem Geiste), die Reime quälen sich oft dahin:


«...we proudly hail the dawn,...
Triumphant standards of a race reborn.»


(...Wir huldigen stolz dem Morgenrot,...
Triumphstandarten einer wiedergeborenen Rasse.)


Wenn die Band von der «European unity» singt, so ist damit «the North teutonic dream» (der Nordisch-germanische Traum) gemeint, für den «the dead bataillons of those who fell, that Europe might be great» (die toten Bataillone derer, die gefallen sind, damit Europa groß werde) gekämpft haben. In einer späteren Produktion werden Skrewdriver deutlicher und sagen ziemlich unverblümt, daß dies die Waffen-SS war, die sogenannten Europäischen Freiwilligenverbände. Allerdings verkündet die Band im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg bereits 1983 in «Hail The New Dawn», daß «I could see, that it could be, we fought on the wrong side» (Ich habe erkannt, daß es sein könnte, daß wir auf der falschen Seite gekämpft haben).
Rasse, Volk und Nation sind die Eckpunkte, um die sich die meisten Texte inhaltlich gruppieren. Dabei ist auffällig, wie häufig diese Begriffe in der Art und Weise von Gebetsformeln gebraucht werden; ein rituelles Gerüst, ohne geistige Vertiefung und ohne Auseinandersetzung.


R & N

«I believe in the white race,
A race apart we've got a mile start,
I believe in my country,
It's where I belong, it's where I'll stay.

Refrain:
|:|:|:|: For my Race and Nation.:|:|:|:|»


(Ich glaube an die weiße Rasse,
Eine Rasse für sich, wie haben einen tollen Anfang gehabt,
Ich glaube an mein Land,
Dort gehöre ich hin, dort will ich bleiben.

Für meine Rasse und meine Nation.)


Ein weiterer Song von «Hail The New Dawn» ist unbedingt bemerkenswert. «Tomorrow Belongs To Me» ging 1972 um die ganze Welt - mit der Oscar-preisgekrönten Verfilmung des Musicals «Cabaret». Die dazugehörige Szene spielt in einem sehr deutschen Biergarten. Ein Hitlerjunge in vollem Wichs steht auf und beginnt das Lied, die übrigen Gäste erheben sich nach und nach, manche zögernd, aber sie erheben sich alle, recken den Arm zum Hitler-Gruß und singen schließlich in einem fulminanten Chor das Lied mit. Ein Exempel für das Mitlaufen und Mitschuldig werden. In der bundesrepublikanischen Synchronisation flog die ganze Szene heraus (!), in der DDR-Synchronisation blieb sie drin.
Mehr als zehn Jahre später taucht das Lied im Repertoire einer rechtsextremen Band auf. Eine Form der Parodie, bei der das Original pur genommen wurde und sich, entgegen den Intentionen des Autors, nahtlos in das neonationalsozialistische Weltbild des Parodisten einfügt.


Tomorrow Belongs To Me

«...The Rhine gives its gold to the sea,
But somewhere a glory awaits unseen.

|: Tomorrow belongs to me.:|

Refrain:
Now Fatherland, Fatherland, show us the sign.
Your children have waited to see,
The morning will come when the world is mine,
|: Tomorrow belongs to me.:|»


(...Der Rhein schenkt sein Gold dem Meer,
Aber irgendwo wartet ein noch nie gesehener Ruhmesglanz.

Die Zukunft gehört mir.

Jetzt, Vaterland, Vaterland, gib uns das Zeichen.
Deine Kinder haben darauf gewartet, es zu sehen,
Der Morgen wird kommen, an dem die Welt mein sein wird,
Die Zukunft gehört mir.)


Im Skrewdriver-Songbook, herausgegeben von Excalibur Services als Andenken an Ian Stuart, wird das gedachte Zeichen abgebildet: es ist die Odalrune, die Odinsrune, eines der stärksten Heilssymbole.
Den Heils- oder Erlösungsgedanken formuliert die Band erstmalig explizit bei der Produktion «White Rider» (Weißer Reiter) 1988. In dem Titel «Pride Of A Nation» (Stolz einer Nation) heißt es:


«The flags are raised in glory, before the battle starts,
Time is getting tighter, the pride it fills their hearts,
As they march towards the battlefields, the nemy ahead,
The final fight is almost here, it's either life or death.

Refrain:
Pride of a nation, freedom, salvation,
Pride of a nation, they kept the flames alight.»


(Die Fahnen werden stolz erhoben, bevor die Schlacht beginnt,
Die Zeit wird knapp, der Stolz erfüllt ihre Herzen,
wie sie so vorwärts marschieren, den Feind voraus,
Der letzte Kampf ist fast begonnen, es geht um Leben oder Tod.

Stolz einer Nation, Freiheit, Erlösung,
Stolz einer Nation, sie haben die Flamme am Brennen gehalten.)


In der letzten CD, die die Band vor Stuarts Tod herausbrachte, «Freedom What Freedom» (Freiheit, was für eine Freiheit), 1992, wird der Erlöser namentlich benannt: Thor (Donar), «god of thunder, god of war» (Gott des Donners, Gott des Krieges). Damit artikulieren Skrewdriver auf ihre Weise einen der wesentlichen Gründe für die Abkehr der Rechten vom («jüdisch-morgenländischen») Christentum zum «nordländischen Artglauben»: der christliche Erlöser ist ein Friedensfürst, aber der ihrige ist ein Warlord, ein Kriegerfürst. Aus dieser Grundkonstellation ergeben sich weitere Feindbilder, z.B. die christlichen Humanisten, die Sozialpazifisten, die sich um Flüchtlings- und Einwanderungsprobleme kümmern, währenddessen die Artgläubigen sich nur der eigenen Rasse, dem eigenen Volk und deren/dessen Reinhaltung verpflichtet fühlen. So sprechen Skrewdriver auch von «white warriors» (weißen Kriegern), der «fortress Europe» (Festung Europa) und der «Invasion» derer, die da «from the jungles, from the trees» (aus den Dschungeln, von den Bäumen) kommen.
Das Symbol des «warriors» (des Kriegers, nicht des «soldiers», Soldaten) ist immer wieder in neuen Varianten abgehandelt. Der Warrior ist die Lichtgestalt im Gegensatz zum Feind, der ein Dunkelmann ist, dunkle Kräfte (Zaubersprüche) beherrscht und mit dessem Sieg alles in Finsternis fallen würde. Ein typischer Titel für das Genre der musikalischen Schlachtengemälde ist «We Fight For Freedom» (Wir kämpfen für die Freiheit):


«...We charge at the enemy, no one unwilling to die,
Our banners are flying, our sabres all point to the sun,
Our pride is our race, and our enemies scatter and run.

Refrain:
We're fighting for freedom, our destiny hangs by a thread,
We're fighting for freedom, the flag of our race at our head,
We're fighting for freedom, the land of our fathers at stake,
We're fighting for freedom, the blood of our ancestors' sake.

...We fight for our honour, we fight for a future of light,
For darkness will fall and engulf us, should we loose the fight.

Heat sounds of the battle, the screams of the wounded are loud,
The warrior stands, and he wipes the hot blood from his brow,
We knew that the victory is ours, as we gaze at the sight,
The flags of our fathers are raised, in victorious flight.»


(...Wir greifen unseren Feind mit blanken Waffen an, keiner, der nicht gewillt ist, zu sterben.
Unsere Banner wehen, unsere Säbel sind auf die Sonne gerichtet,
Unser Stolz ist unsere Rasse, und unsere Feinde zerstreuen sich und rennen weg.

Wir kämpfen für die Freiheit, unser Schicksal hängt an einem Faden,
Wir kämpfen für die Freiheit, die Flagge unserer Rasse führt uns,
Wir kämpfen für die Freiheit, das Land unserer Väter steht auf dem Spiel,
Wir kämpfen für die Freiheit, um das Blut unserer Vorfahren willen.

...Wir kämpfen für unsere Ehre, wir kämpfen für eine lichte Zukunft,
weil Finsternis herabsinken und uns verschlingen wird, wenn wir den Kampf verlieren.

Hitzige Schlachtgeräusche, die Schreie der Verwundeten sind laut,
Der Krieger steht fest, und er wischt sich das heißt Blut von der Braue,
Wir wußten, daß der Sieg unser sei, als wir auf dieses Panorama blickten,
Die Flaggen unserer Väter sind erhoben, in sieghaftem Flug.)


Dieser Text ist in mehrfacher Hinsicht interessant.

Erstens: es tritt uns das Bild vom Schicksalsfaden entgegen. Stuart benutzt das Wort «destiny», d.h. es geht um das vorbestimmte Schicksal, die Vorsehung, den Schicksalsfaden, den in der Mythologie die Nornen spinnen.
Zweitens: der Wille des Kriegers, zu sterben. Dem Tod wird der Schrecken genommen, der Krieg erscheint als kraftvoll-männlicher Waffengang.
Ebenso ausgerichtet ist der Song «Win Or Die» (Gewinnen oder Sterben) von der Produktion «After The Fire» (Nach dem Feuer) aus dem Jahre 1988. Dort heißt es:


«Fight for your country, fight for your race,
Fight for your nation, fight made our people great.

As we stand and face the future, our eyes raised to the sky,
we pledge ourselves to struggle, we'll either win or die.
We don't lose ground and be knocked down, we've got a history,
Our ancestors look down on us, and pray for victory.»


(Kämpfe für dein Land, kämpfe für deine Rasse,
Kämpfe für deine Nation, das Kämpfen hat unser Volk groß gemacht.

Wie wir so dastehen und der Zukunft ins Angesicht sehen, unsere Augen zum Himmel erhoben,
übergeben wir uns mit Leib und Seele dem Kampf, wir werden gewinnen oder sterben.
Wir werden keinen Boden verlieren und geschlagen werden, wir haben eine Geschichte,
Unsere Vorfahren sehen auf uns herunter und beten für den Sieg.)


Jeder einzelne gibt sein Schicksal aus der Hand, denn er ist nichts, und die Bewegung, das Ziel ist alles. Das bedeutet die Aufhebung jeglicher Individualität zugunsten der Volks-Gemeinschaft, das Opfer der «Seele» zugunsten des Volkskörpers. In dem Lied «Eyes Full Of Rage» (Augen voller Wut) wird das Opfer auch so beschrieben:


«It's time that we stood up for our Nations,
It's time that we all made that sacrifice.»


(Es wird Zeit, daß wir uns für unsere Nationen erheben,
Es wird Zeit, daß wir dieses Opfer bringen.)


Noch deutlicher drückt es «The Warrior Song» (Der Krieger-Song) aus:


«Your life is build around honour and loyalty.»

(Dein Leben umschließt Ehre und Loyalität.)


Neben diesem Abstrakten ist das Kriegerleben, heissa !, lustig, ein, nur durch den Tod beendetes, Abenteuer:


«Last drink to the coming battle,
Last drink to the bloods of fields,
Last drink to the thrill of combat,
Last drink as it falls on you,
Last drink to our mighty warriors,
Last drink to the noble winds,
Last drink to our women's beauty,
Last drink for the war begins.
War.»

(Ein letztes Glas auf die kommende Schlacht,
Ein letztes Glas auf das Blut auf den Feldern,
Ein letztes Glas auf den schaurigen Kitzel des Streites,
Ein letztes Glas, falls es dich erwischt,
Ein letztes Glas auf unsere mächtigen Krieger,
Ein letztes Glas auf die prächtigen Winde,
Ein letztes Glas auf die Schönheit unserer Weiber,
Ein letzes Glas, weil der Krieg beginnt.
Krieg.)


Kommen wir noch einmal auf die Figur des Erlösers zurück, der in den späten Songs von Skrewdriver nicht mehr nur der Kriegerfürst ist, sondern der Führer, sogar «the gallant leader», der ritterliche Führer.


Warlord (in: Warlord,1988)

«No one's ever going to take away his land,
Not while he has the power in his hands, He appears when his nation is in danger, To all our enemies he is the slayer.

Refrain:
Warlord, I'll tell you of his story.
Warlord, riiding into glory.
Warlord, the power in his hand.
Warlord, savior of his land.»


(Keiner wird ihm jemals sein Land wegnehmen,
Nicht, solange er die Macht in seinen Händen hat,
Er erscheint, wenn seine Nation in Gefahr ist,
Er ist der Totschläger aller unserer Feinde.

Warlord, ich werde euch seine Geschichte erzählen.
Warlord, er reitet zum Ruhm.
Warlord, die Macht in seinen Händen.
Warlord, Erlöser seines Landes.)


Der Warlord ist «the guardian since time began» (der Wächter seit Anbeginn aller Zeit), der «protector of the people and the pride» (der Beschützer von Volk und Stolz).
Einem subalternen Warlord, im Verhältnis zum Führer, ist der Song «One In A Million» gewidmet, der ein Mann der Leibstandarte Adolf Hitler ist.
1991 wird die Erlöserfigur das erste Mal erkennbar in mythologisch faßbarer Gestalt vorgestellt, aber nicht namentlich benannt, sondern nur mit ihren Accessoires dargestellt (Donner und Blitz):


Hail And Thunder

«Our flags we proudly wield,
Towards the field of death we ride,
Our battle songs we loudly sing, for victory they will bring,
Old comrades riding by our side.

Hail and thunder the lightning fills the sky,
Gone's the calm that comes before the storm,
Hail and thunder we're not afraid to die,
a mighty sea of warriors marching on.

For high ideals we make our stand to clean the poison from our land,
We fight the evil and the greed.
Whilst dark forces created strife to bleed our nation of it's life,
Long ago they panted the evil seed,
They spread a plague, a wicked spell,
to keep our people locked in hell,
They always hoped we wouldn't know,
but now the devils' covers blow.
The strenght of light will break the evil seal.»


(Wir schwenken stolz unsere Flaggen,
Wir reiten auf das Feld des Todes zu,
Unsere Schlachtgesänge singen wir laut, weil sie uns den Sieg bringen werden,
Alte Kameraden reiten an unserer Seite.

Refrain:
Heil und Donner, der Blitz erfüllt den Himmel,
Vorbei ist die Ruhe, die vor dem Sturm kommt,
Heil und Donner, wir haben keine Furcht vor dem Sterben,
Ein mächtiges Kriegerheer marschiert auf.

Für hohe Ideale halten wir stand, um unser Land vom Gift zu reinigen,
Wir bekämpfen das Böse und die Gier.
Während dunkle Mächte Hader anzettelten, um die Lebenskraft unseres Volkes auszubluten,
Vor langer Zeit pflanzten sie die böse Saat,
Sie sandten eine Seuche aus, einen zauberischen Fluch,
um unser Volk in der Hölle eingeschlossen zu halten,
Sie hofften immer, wir würden es nicht erfahren,
aber jetzt platzt die Maske der Teufel ab.
Die Macht des Lichtes wird das böse Siegel brechen.)


Thor wird als der Erlöser des Abendlandes in «God Of Thunder» gefeiert. Erwähnt werden sollte, daß in deutschen Produktionen Odin/Wotan stärkere Beachtung findet.


«Panic spreads, misery,
a lot of people live in poverty,
Decline of Europe, decline of man,
We need a savior, before long,
it must be soon before the chance has gone,
A great leader, from the north,
a true warrior, to defend the cause.

Refrain:
|:God of thunder, god of war,
Hail Europe, hail Thor.:|

When he comes, the people rise,
crush all treason, as corruption dies,
No longer weaklings, on our knees,
we stand proud, destroy the disease...»


(Panik macht sich breit, Elend,
eine Menge Leute leben in Armut,
Untergang Europas, Untergang der Menschheit,
lange ist es her, daß die Fäulnis einsetzte,
Wir brauchen seit langem einen Erlöser,
es muß bald sein, bevor die Chance vorüber ist,
Ein großer Führer aus dem Norden,
ein wahrer Krieger, um die Sache zu verteidigen.

Gott des Donners, Gott des Krieges,
Heil Europa, heil Thor !

Wenn er kommt, wird das Volk sich erheben,
allen Verrat zermalmen, so, wie die Korruption stirbt,
Nicht länger Schwächlinge, auf unseren Knien,
wir widerstehen stolz, vernichten das Übel.)


Erst in der letzten regulären CD von Skrewdriver taucht «Walhalla» auf, die legendäre Halle, in der sich die toten Helden versammeln. Die "Walhalla" erscheint in den Produktionen anderer Bands der letzten beiden Jahre dafür umso öfter als Gleichnis (Toitonen, Rheinwacht, Ultima Thule, Sturmgesang).
Bei Skrewdriver trägt der Titel den Namen «Epilogue - The Road To Valhalla» (Epilog - Der Weg nach Valhalla):


«There is a road and it leads to Valhalla,
Where only the chosen are allowed,
There is a boy with a dream of Valhalla,
A place in the land of the gods,
Because in the heart where the fire burns forever,
Where life goes on for the those who fell in battle,
the gods are waiting the moment he falls in the fight,
Because he will rise when the sun goes down,
He raised high his sword, as he cried out Valhalla,
his dream had become reality,
Tonight he will dine on the road to Valhalla,
Chosen to feast with the gods,
Because in the heart where the fire burns forever,
Where life goes on for the mighty young Viking,
The journey has finally come to an end for the boy,
He has risen as the bravest of them all.»


(Da ist eine Straße und die führt nach Walhalla,
Wo nur die Auserwählten hin dürfen,
Da ist ein Junge mit einem Traum von Walhalla,
Einem Ort im Land der Götter,
Denn im Herzen, wo das Feuer für ewig brennt,
wo das Leben weitergeht für die, die in der Schlacht gefallen sind,
die Götter warten auf den Augenblick, wenn er im Kampf fällt,
denn er wird aufsteigen, wenn die Sonne hernieder sinkt,
Er hob sein Schwert hoch, als er laut «Walhalla !» schrie,
sein Traum war Wirklichkeit geworden,
Heute abend wird er auf der Straße nach Walhalla speisen,
Auserwählt, mit den Götter zu feiern,
Denn im Herzen, wo das Feuer für ewig brennt,
Wo das Leben weitergeht für den kräftigen, jungen Wikinger,
ist die Reise für den Jungen zu Ende gegangen,
Er ist aufgestiegen als der Tapferste von allen.)


Im Vergleich dazu eine der deutschen Produktionen zum Thema «Walhalla», von der Gruppe Sturmgesang auf der CD «Erschaffen im Sturm»:


«Das Leben verlassen, Du mußt jetzt gehn,
doch in Walhalla werden wir uns wiedersehen
Hier ist das Leben vergessen, nur die Träume leben
Das Reich der Helden, das Ziel des Strebens

Refrain:
Walhalla
Wo es Götter wirklich gibt, das Paradies entsteht
Wo Lieder noch Lieder, wo das Leiden vergeht
Wo die Jugend erhalten bleibt, wo wir alle uns wiedersehn
In das Reich der Helden, dahin will ich gehn.»


Für Ian Stuart Donaldson war der «Epilog» recht eigentlich ein Stück Vorsehung. Seine Straße nach Walhalla lag in Derbyshire.
Skrewdriver war die erste Band, deren nordisch-mythologische Bezüge Reaktionen bei Bands auf dem «Kontinent» auslösten. Stuart ist einer der Märtyrer der internationalen rechtsextremen Szene, aus dem tiefbraunen, militanten Neonazi und pathologischen Antisemiten machte die Verklärung von Fans und Gesinnungsgenossen einen Lichtalben:


«Ian, we will never, ever forget you.
Strong is the warrior who lived for the cause of his race.
May you be well seated at the table of Odin.
Ian see you in Valhalla.»


(Ian, wir werden dich nie und nimmer vergessen.
Stark ist der Kämpfer, der für die Sache seiner Rasse gelebt hat.
Mögest du bequem sitzen an Odins Tafel.
Ian, auf Wiedersehen in Walhalla.)
(In: Ian Stuart, His message across to you. Everlasting songs., ohne Jahr, ohne Ort)


Verschiedene Aktivisten der rechten Szene haben ergreifende Nachrufe auf Ian Stuart geschrieben. Die Nationalen Infotelefone von Hamburg bis Baden Württemberg brachten Meldungen und riefen zu den Gedenkkonzerten auf.
Unter anderen widmete Frank Rennicke eine seiner Produktionen dem Briten. Im Cover zu seinem Tonträger «Ich bin nicht modern...Ich fühle deutsch» heißt es:


«Dieser Tonträger ist dem britischen Sänger Ian Stuart
der Gruppe Skrewdriver gewidmet.
Er war einer der wenigen, der sich in unseren Tagen für ein Europa
der freien Völker einsetzte und aussprach, was junge Patrioten aus Europas
verschiedenen Nationen dachten.
We See You In Valhalla !»


© 1995 Margitta Fahr / PopScriptum mailto:fpm.webmaster@rz.hu-berlin.de