| © Burkhard Schlede: Musik-Sponsoring im Bereich Pop und Rock. Eine Chance für Musikschaffende? Humboldt-Universität zu Berlin 1998 | ![]() |
Inhalt
1. Einleitung
2. Einordnung und Abgrenzung des Sponsoringbegriffs
2.1. Mäzenatentum3. Hintergründe zum Musik-Sponsoring
2.2. Spendenwesen
2.3. Sponsoring2.3.1. Schauplätze des Sponsoring
2.3.2. Das "magische Dreieck" des Sponsoring
3.1. Entwicklungstendenzen und -faktoren4. Musik-Sponsoring im Bereich Pop- und Rockmusik3.1.1. Wertewandel in der Gesellschaftsstruktur3.2. Kulturfinanzierung durch öffentliche Mittel
3.1.2. Gesellschaftliche Bedeutung der Pop- und Rockmusik
3.1.3. Pop- und Rockmusik als Medium3.2.1. Finanzierungslücken in den kommunalen Kulturhaushalten
3.2.2. Probleme bei der Verwendung öffentlicher Fördermittel
4.1.Beteiligte am Sponsoring5. Praxisbeispiele innovativer Sponsoringkonzepte4.1.1. Sponsor4.2. Maßnahmen des Pop- und Rockmusiksponsoring
4.1.2. Gesponsorte
4.1.3. Dienstleister
4.1.4. Medien und Konsument4.2.1. Umsetzung im Kommunikationsmix eines Unternehmens4.3. Motive und Ziele beim Sponsoring
4.2.2. Gängige Einzelmaßnahmen des Pop- und Rocksponsorings4.3.1. Motive und Ziele der Sponsoren4.4. Umsetzung in ein Sponsoringkonzept
4.3.2. Motive und Ziele der Künstler4.4.1. Systematische Auswahl eines Sponsorunternehmens
4.4.2. Komponenten einer Sponsoring-Präsentation
4.4.3. Rechtliche Gestaltungsfragen
5.1. Pink Floyd Europe Tour 94 - Presented by Volkswagen6. Bewertung des Sponsoring im Bereich Pop und Rock5.1.1. Vorstellung des Konzepts5.2. JAM-Jeans und Music - Musikmarketing made by Mustang
5.1.2. Maßnahmen des Sponsorships
5.1.3. Nachbetrachtung des Konzepts5.2.1. Vorstellung des Konzepts
5.2.2. Maßnahmen der einzelnen Konzeptbausteine
5.2.3. Nachbetrachtung des Konzepts
6.1. Bewertung der Voraussetzungen für ein Sponsorship7. Fazit
6.2. Bewertung der Maßnahmen
Inhalt
2. Einordnung und Abgrenzung des Sponsoringbegriffes
Die Wurzeln der mehr oder minder neudeutschen Sprachregelung »Sponsoring«,
worunter in Übersetzung des Englischen wohl in erster Linie »Förderung« oder
»Finanzierung« zu verstehen ist, sind, folgt man dem Sprachstamm ein wenig in
die Vergangenheit, auch dem Deutschen gar nicht so neu. Der Begriff »Sponsor«
läßt sich wohl vom so gut wie in Vergessenheit geratenen altdeutschen Wort
»Sponsorierer« herleiten, einem Mann, der nach dem Sinn des Wortes für oder um
etwas wirbt[1]; so
z. B. im Auftrag eines jungen Mannes mit der Absicht, einem Mädchen die Ehe
anzutragen. Auch die Gebrüder Grimm übersetzten den »Sponsorierer« in ihrem
legendären Wörterbuch noch im Sinne von »Freier« und »Werber«. So fand der
Begriff in leicht veränderter Sinngebung und Schreibweise in unsere heutige
Sprache zurück.
In ähnlichem Zusammenhang und daher häufig vermischt stehen die Begriffe
»Mäzenatentum« und »Spendenwesen«, deren Abgrenzung zum hier behandelten
Gegenstand nicht unproblematisch erscheint und oft auch nicht vorgenommen wird,
aber, dennoch versucht werden soll.
Der Namensgeber dieser Art der Förderung ist uns bekannt. Es handelt sich um Gaius Clinius Maecenas (ca. 70-8 v. Chr.), einen vermögenden römischen Ritter mit literarischen Neigungen, der Dichter wie Horaz, Virgil und Properz derart mit Barmitteln ausstattete, daß diesen ein sorgenfreies Dichten ermöglicht wurde.[2] Das Vorbild machte Schule. Ob Justinian, Marc Aurel oder acht Jahrhunderte später Karl der Große, nicht zu vergessen auch die Medici am Ende des 14. Jahrhunderts, das Fördern von Gelehrten, Künstlern und Dichtern erfreute sich zunehmend großer Beliebtheit. Ob die Förderung des Maecenas tatsächlich altruistisch war und im Stillen erfolgte, wie es von der Definition des Wortes »Mäzen« überwiegend verlangt wird[3], läßt sich nach rund zweitausend Jahren wohl nicht mehr klären. Sicherlich wird der Glanz des so Geförderten auch auf den Mäzen abstrahlen, so daß die Grenze zur Förderung mit Eigennutz schwer zu ziehen ist. Ganz überwiegend bezeichnen sich aber Unternehmer und Unternehmen, die dieselbe nicht in direktem Zusammenhang mit unternehmerischen Zielen sehen, gern als Mäzene und nicht als Sponsoren.[4]
Inhalt
2.2. Spendenwesen
Aber auch in der Vergangenheit waren nicht alle Förderer Mäzene im
eigentlichen Sinn, sondern verfolgten durchaus eigene Ziele. Als solche Form der
Förderung gilt heute auch das Spendenwesen. Hierbei handelt es sich um die
Unterstützung von Kunst oder Wissenschaft, die systematische Förderung sozialer
Vereinigungen, kirchlicher Aktionen, Parteien und Sport zur Betonung der
gesellschaftlichen Verantwortung und Position durch Personen und Organisationen,
besonders durch Unternehmen. Das Spendenwesen, in den USA als »Corporate Giving«
bezeichnet, stellt eine Weiterentwicklung des Mäzenatentums dar, bei dem auch
eigene Motive, insbesondere z. B. steuerliche Gründe, ein hohes Gewicht haben.
Auf diese Weise sind viele herausragende Einrichtungen im Kunst- und
Kulturbereich in Deutschland entstanden. Ein großer Anteil davon ist den auf
dauerhafte Förderung angelegten ca. 5.000 Stiftungen hierzulande zuzuschreiben,
welche sich, wie beispielsweise die »Robert-Bosch-Stiftung«, der Erhaltung und
Förderung kultureller Institutionen schwerpunktmäßig widmen. Hinzu kommen die
zahllosen Maßnahmen von einzelnen Privatpersonen, die in den verschiedensten
Bereichen eine wichtige Finanzierungsergänzung leisten oder oftmals über
Mitgliedsbeiträge für Fördervereine gezielt kulturelle Aktivitäten
unterstützen.[5]
Das Mäzenatentum darf — ebenso wie das Spendenwesen — nicht mit Sponsoring
gleichgesetzt werden. Nach obiger Abgrenzung kann nun eine genaue Definition
letzteren Begriffes erfolgen.
Inhalt
2.3. Sponsoring
Als Definition des Begriffes wird in Publikationen am häufigsten folgende
zitiert:
»A Sponsor makes a Contribution in cash or kind — which may or may not include services and expertise — to an activity, which is in some measure a leisure pursuit, either sport or within the broad definition of main commercial function of the sponsoring body (otherwise it becomes straightforward promotion, rather than sponsorship). The sponsor expects a return in term of publicity«..[6]Eine weitere Definition, eher betriebswirtschaftlich angelegt, kommt aus Deutschland:
»Sponsoring ist die Planung, Organisation, Durchführung und Kontrolle sämtlicher Aktivitäten, die mit der Zurverfügungstellung von Mitteln durch Unternehmen für Personen und Organisationen im sportlichen, kulturellen oder sozialen Bereich zur Erreichung von unternehmerischen Marketing— und Kommunikationszielen verbunden sind«.[7]Eine ganz andere Abgrenzung wird in den USA in der Praxis verwendet: der sogenannte »acid test« (Feuerprobe). Hierbei wird ganz pragmatisch darauf geachtet, ob der Förderer auf die Nennung seines Namens besteht. Tut er das, so ist er ein Sponsor.[8]
Sponsoring läßt sich kennzeichnen als
Als für Sponsoraktivitäten interessante Erscheinungsformen werden folgende Gebiete genannt:
In den 80er Jahren entwickelten sich in den USA neue Wege des Sponsoring im kulturellen Bereich. Ursache war, daß der amerikanische Staat im internationalen Vergleich den geringsten Anteil an öffentlichen Geldern für Kulturförderung bereitstellt.[15] In Deutschland wurde man darauf Ende der 80er— Anfang der 90er Jahre aufmerksam und versuchte, in den USA entwickelte Konzepte auf die hier anzutreffenden Gegebenheiten zu transformieren.[16] Dabei fiel zuerst auf, daß Sponsoringkonzepte aus dem sportlichen Bereich nicht ohne weiteres übertragen werden können. Die Ursachen dafür liegen unter anderem in folgendem:
Die Möglichkeiten des Kultur-Sponsoring sind ähnlich vielfältig wie beim Sozio- und Öko-Sponsoring und haben sich nach dem Sport-Sponsoring inzwischen am stärksten durchgesetzt.[19] Partnerschaften lassen sich in den folgenden Gebieten eingehen:
|
Bereiche |
Ausprägungen |
|
Schauspiel |
Oper Operette Ballett Theater |
|
Ausstellungen |
Museum Galerie Unternehmenseigene Gebäude |
|
Musik |
Klassische Musik (Konzerte, Chöre, Orchester usw.) Moderne/Populäre Musik (Konzerte, Tourneen, Festivals usw.) |
|
Literatur |
Bücher Bildbände Reiseführer |
|
Film |
Spielfilme Fernsehsendungen |
Waren die Kultur-Sponsoring-Engagements der ersten Jahre oft von der Angebotsseite, also seitens der Künstler initiiert und wurden eher spontan eingegangen, so reicht dieses Vorgehen heute nicht mehr. Ein Unternehmen durchleuchtet heute sorgsam Angebot und Nachfrage, um dann nach objektiven bzw. subjektiven Entscheidungskriterien die richtige Programmwahl zu treffen. Als eine Hilfe wird dabei die richtige Einschätzung des Levels des Engagements gesehen. Zwei Kriterien kann man hier zugrunde legen: Die »Klassen« und die »Leistungsebenen« der Kulturträger.
Dabei wird der Einsatz des Kultur-Sponsorings mit der Klasse des Sponsorobjektes im Verhältnis zum zu vergebenen bzw. eingeplanten Budget in drei Ebenen eingeteilt:
|
Sponsoring-Bereich |
Kultur-Sponsoring | |
|---|---|---|
|
Sponsoring-Ebene |
Sponsoring-Klasse |
Sponsoring-Budget (pro Engagement) |
|
Oberste Ebene |
Top-Professionals: Künstler oder -gruppen, die Spitzenleistungen in ihrem Bereich erbringen. |
hoch |
|
Leistungs- ebene |
Professionals: Künstler oder -gruppen, die von einer breiten Kennerschaft voll akzeptiert werden. |
mittel |
|
Unterste Ebene |
Laien: Freizeitkünstler oder Nachwuchs in den verschiedenen Kulturformen (Musik, Malerei etc.) |
niedrig |
Entsprechend dieser Ebenen von Personen, Gruppen oder den dahinterstehenden
Veranstaltungen sind natürlich Wirkungspotential und Budgetaufwand zu sehen.
Gerade mit Sponsorobjekten etwa der unteren Ebene eine mittel- oder langfristige
Bindung einzugehen und so eventuell den Durchbruch zu den oberen Ebenen zu
schaffen, benötigt Fingerspitzengefühl und eine sorgfältige Planung und Auswahl.
So können Unternehmen möglicherweise jedoch Leistung zu relativ geringen Kosten
einkaufen.
Nach einer Umfrage des Kulturkreises im BDI lassen sich vier Gruppen
kulturfördernder Unternehmen nach deren Aktivitäten bilden[22]:

Inhalt
2.3.2. Das »magische Dreieck« des Sponsoring
Die Beziehungen zwischen drei unterschiedlichen Institutionen spielen bei der
Entstehung und Verbreitung des Sponsoring eine wichtige Rolle:[23]
Diese drei Institutionen bilden das sogenannte »magische Dreieck« des Sponsoring:

Dieses Beziehungsmuster bedeutet für die einzelnen Institutionen[25]:
Diese Interdepenzen zwischen den einzelnen Institutionen sind zusätzlich von diversen Überschneidungen geprägt.
Inhalt
3. Hintergründe zum Musik-Sponsoring
Dem Musik-Sponsoring als
Teilbereich des Kultur-Sponsoring kommt in den letzten Jahren eine immer
stärkere Bedeutung zu. Insbesondere hat die Wirtschaft erkannt, welch enormes
Potential gerade in den jüngeren Generationen als Kunde bzw. bei den
Jugendlichen als zukünftiger Kunde steckt. Eine relativ genaue
Zielgruppenabgrenzung ermöglicht das genaue Erreichen der bewußten
Marktsegmente; über die Multiplikation der Medien kommt ein ungewohnt hoher
Streueffekt zustande. Möglich wurde dies durch diverse grundsätzliche
Veränderungen in der Gesellschaftsstruktur. Außerdem fehlen den staatlichen
Kulturverantwortlichen durch Sparzwang, insbesondere im Bereich der
Populärkultur, zunehmend Fördermittel.
Inhalt
3.1. Entwicklungstendenzen und -faktoren
Sponsoring entwickelte sich als
relativ junges Phänomen äußerst expansiv. Nachdem zunächst die möglichen
Potentiale im Bereich des Sports ausgeschöpft wurden und sich dort eine gewisse
Sättigung abzeichnete, wuchs die Bedeutung des Kultur- und damit auch des
Musik-Sponsorings. So ist es nicht verwunderlich, daß der Aufwand dafür ständig
stieg. So wurden in den USA bereits 1986 gut 160 Mio. DM in Musikprojekte
investiert.[26] Dennoch
spielt sich der Anteil des Musik-Sponsorings in Deutschland immer noch in
wesentlich geringeren Dimensionen ab.[27]
Betrachtet man den gesamten deutschen Sponsoring-Umsatz, der nach Angaben des
Bundeskartellamtes 1990 ca. 1,5 Mrd. DM ausmachte, so ist der auf das
Musik-Sponsoring entfallende Anteil von 2,8%-5,6% doch verschwindend gering[28], obwohl
der deutsche Tonträgermarkt mit rund 2.877 Mio. US-Dollar Umsatz in 1994
weltweit den dritten Platz einnimmt.[29]
Trotzdem läßt sich sagen, daß das Pop- und Rockmusik-Sponsoring zunehmend an
Attraktivität gewinnt und einen potentiellen Wachstumsmarkt darstellt.[30]
Unterstützt wird diese Entwicklung u. a. durch eine veränderte Medienlandschaft,
die sich mit zunehmend stärker werdenden privaten Anbietern nicht scheut,
Musiker und Sponsoren in enger Verbundenheit zu präsentieren.[31] Vor
allem aber tragen grundlegende gesellschaftliche Strukturveränderungen zu dieser
Entwicklung bei, insbesondere nimmt der Anteil der Konsumenten, die sich häufig
oder oft mit Musik beschäftigen, permanent zu.
Inhalt
3.1.1. Wertewandel in der Gesellschaftsstruktur
Die zu benennenden
Phänomene, die in der Gesellschaft ein verstärktes Verlangen nach Kultur und
damit auch und vor allem nach Musik implizieren und somit indirekt auch den
Boden für Sponsoring bereitet haben, sind zumindest in alten Bundesländern gar
nicht so neu. Zum einen haben sich bereits in der Nachkriegsgeneration
grundlegende Strukturwandlungen vollzogen, zum anderen ist ein aus diversen
Gründen entstandener Trend zur Freizeit- und Konsumgesellschaft nachzuweisen.
Gleichzeitig ging der Anteil der Selbständigen im Zuge zunehmender Monopolisierungsprozesse im gleichen Zeitraum von rund 20% auf 11% zurück. Und selbst bei der sozialen Oberschicht, zu der in diesem Zeitraum die vornehmlich wirtschaftlich, gesellschaftlich und politisch höchst einflußreichen Kreise, wie führende Politiker, Unternehmer, Professoren, Staranwälte usw. gehörten, ließ sich ein merklicher Rückgang und der Trend zur sozialen Anpassung nachweisen, wobei typische Kapitaleigner 1970 nur noch 2,1% dieser Gruppe ausmachten.[33] Diese neu entstandene breite Mittelschicht setzte sich aus Angehörigen aller drei Klassen zusammen, wie Facharbeitern, Angestellten, Beamten und dem mittleren Management der zunehmend entstandenen Großunternehmen. Folge war nicht nur eine allgemeine Steigerung der Durchschnittseinkommen, sondern auch der stetige Drang nach höherer Bildung und mit beidem einhergehend die verstärkte Pflege von Kultur, ein Luxus der früher ausgiebig nur vom gehobenen Bürgertum und der Oberklasse gepflegt wurde. Zudem setzte sich durch eine hektisch angekurbelte Verbrauchermentalität ein weitverbreitetes Genuß- und Auslebebedürfnis durch, das sich in einem steigenden Drang nach einzelpersönlicher Freiheit, Ungebundenheit und Ehelosigkeit manifestierte. »Der Geschmack, die Neigung und Fähigkeit zur (materiellen und/oder symbolischen) Aneignung einer bestimmten Klasse klassifizierter und klassifizierender Gegenstände und Praktiken, ist die Erzeugungsformel, die dem Lebensstil zugrunde liegt...«.[34] Die so entstandene Single-Welt, die sich ausgiebig dem lustbetonten Nazißmus hingab, suchte statt der bisherigen traditionellen Werte, wie Familie oder Glauben, neue Formen der Selbstfindung und Freizeitbeschäftigung.[35] Die Werte — als nicht gegenstandsbezogene Orientierungen auf relativ abstrakter Ebene verstanden — haben sich auf aggregiertem Niveau in dem Sinne verschoben, daß die Bedeutung sogenannter Pflicht- und Akzeptanzwerte zurückgegangen, die der Selbstentfaltungswerte dagegen angestiegen sind.[36]
|
Selbstzwang und -kontrolle (Pflicht und Akzeptanz) |
Selbstentfaltung
| ||
|
Disziplin |
Emanzipation (von Autoritäten) | ||
|
Gehorsam |
Individualismus |
Gleichbehandlung | |
|
Pflichterfüllung |
Gleichheit | ||
|
Bezug auf die Gesellschaft |
Treue |
Demokratie | |
|
Unterordnung |
Partizipation | ||
|
Fleiß |
Autonomie (des einzelnen) | ||
|
Bescheidenheit |
|||
|
Selbstbeherrschung |
Genuß | ||
|
Pünktlichkeit |
Abenteuer | ||
|
Anpassungsbereitschaft |
Hedonismus |
Spannung | |
|
Abwechslung | |||
|
Ausleben emotionaler Bedürfnisse | |||
|
Bezug auf das individuelle Selbst |
Fügsamkeit |
Kreativität | |
|
Enthaltsamkeit |
Spontaneität | ||
|
idealistische Gesellschaftskritik |
Selbstverwirklichung | ||
|
Ungebundenheit | |||
|
Eigenständigkeit | |||
Abb. 5: Pflicht- und Akzeptanz- sowie Selbstentfaltungswerte[37]
Das Erfahren und Ausleben von Kultur als sowohl intellektuellem wie auch als ästhetischem Wert ist dabei wohl den Selbstentfaltungswerten zuzuordnen und wurde demnach ebenso ein fester und vor allem regelmäßiger Bestandteil des allgemeinen Lebens. Kulturelle Interessen verwirklichen zu können, d. h. beispielsweise ins Theater gehen, Konzerte oder Ausstellungen besuchen, ist für über die Hälfte der Bevölkerung von Bedeutung bzw. von großer Bedeutung. Zudem besucht mehr als ein Drittel der Westdeutschen gern bzw. besonders gern Theater, Oper oder Konzerte.[38]

Diese Entwicklung fördert eine kontinuierliche Ausweitung des gesamten Dienstleistungs- und Freizeitmarktes und somit permanent steigende Ausgaben im Freizeitbereich.[45] Diese Tendenzen lassen sich auch im Bereich des Konsumverhaltens, das durch die Nutzung von Musik bedingt ist, nachweisen, wenn man die Saturation und die Penetration deutscher Haushalte mit CD-Playern und Cassettenrekordern vergleicht[46]:
|
1986 |
1990 |
1995 | ||
|
Private Haushalte (in Mio.) |
25,5 |
33,2 |
34,1 | |
|
CD-Player Saturation (in %) |
4,0 |
24,0 |
59,0 | |
|
CD-Player Penetration |
4,0 |
30,0 |
78,0 | |
|
Cassettenrekorder Saturation (in %) |
75,0 |
77,0 |
80,0 | |
|
Cassettenrekorder Penetration |
260,0 |
265,0 |
290,0 | |
Abb. 7: Haushaltsausstattung mit Audiogeräten in der Bundesrepublik Deutschland
Grundsätzlich läßt sich also wegen diverser Faktoren, wie der steigenden Bedeutung des intensiven Freizeiterlebens bzw. dem generellen Wunsch nach einer hedonistisch orientierten Lebensführung, nach Kreativität und Sinnerfüllung, eine verstärkte gesellschaftliche Bedeutung von Kultur, verbunden mit einer Zunahme der Wahrnehmung von kulturellen Angeboten, darstellen.[50] Ebenso hat das Bedürfnis nach Konsum zugenommen. Um jedoch die damit verbundene Bedeutung und die Chancen für das Musik-Sponsoring im hier betroffenen Bereich zu erklären, ist im Folgenden ein Blick auf die gesellschaftliche Bedeutung von Pop- und Rockmusik sowie die Eigenschaften, die ihr anhaften, zu werfen.
Inhalt
3.1.2. Gesellschaftliche Bedeutung der Pop- und Rockmusik
Wie bereits
oben gezeigt, entfällt die Hauptnutzung von Musik über Tonträger auf die Gruppe
der 14-29jährigen. Um die Bedeutung von Musik neben anderen Freizeit- und
kulturellen Beschäftigungen zu verdeutlichen, dient folgende Abbildung:
|
Freizeitbeschäftigung ("tue sehr gern) |
Alle Jugendlichen[51] 12-21 Jahre |
|
Musik hören [52] |
95 |
|
Mit Freunden zusammen sein |
92 |
|
Radio hören |
85 |
|
Fernsehen |
73 |
|
Selbst Sport treiben |
70 |
|
Ins Kino gehen |
70 |
|
Bücher lesen |
69 |
|
Zeitschriften lesen |
68 |
|
Fahrrad fahren |
64 |
|
Mit Tonbändern/Kassetten beschäftigen |
63 |
|
Tanzen gehen/Discotheken |
55 |
|
Unterwegs mit Moped, Motorrad, Auto |
55 |
|
Basteln, Handarbeiten |
52 |
|
Tageszeitung lesen |
51 |
|
Besuch von Freizeitzentren |
37 |
|
Fotografieren/Filmen |
37 |
|
Selbst Musik machen |
31 |
Abb. 8: Freizeitinteressen bei Jugendlichen[53]
Musikgeprägte Aktivitäten und insbesondere das Musikhören stehen also an
vorderer Stelle, wenn es um Freizeitbeschäftigungen geht. Damit wird deutlich,
daß Musik im Rahmen anderer kultureller Beschäftigungen eine Sonderstellung
einnimmt. Innerhalb der Musik ist nun zu fragen, ob dem hier beschriebenen
Bereich wiederum besondere Bedeutung zukommt.
Neben die Welt des Schlagers und die klassische Musik hat sich seit Mitte der
60er Jahre in Deutschland unaufhaltsam die internationale Pop- und Rockmusik
geschoben. Vor allem die jungen Bevölkerungsschichten favorisieren diese Form
der Musik. Im übrigen präferiert jedoch Pop- und Rockmusik nicht nur die junge
Generation, sondern auch die finanziell kaufkräftigste Gruppe der 30-49jährigen.
|
präferierter Musikstil |
Gesamtbevölkerung[54] |
14-29 Jahre |
30-49 Jahre |
|
intern. Pop/Rock |
47 |
80 |
62 |
|
Volksmusik |
30 |
5 |
17 |
|
Klassik |
29 |
14 |
21 |
|
Dt. Schlager |
26 |
7 |
30 |
|
Jazz |
8 |
7 |
7 |
|
Meditationsmusik |
4 |
5 |
6 |
Abb. 9: Musikpräferenzen der Bundesbürger 1995[55]
Gerade also die jungen Erwachsenen und die Jugendlichen[56], die die Käufer von heute und morgen stellen, konsumieren Musikkultur über den Bereich der Pop- und Rockmusik. Musik im allgemeinen, aber insbesondere die Pop- und Rockmusik, stellt damit für einen Großteil der bundesdeutschen Gesellschaft im kulturellen Bereich eines der Hauptbedürfnisse dar.[57]
Inhalt
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Inhalt
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Abb. 10: Beteiligte am Musik-Sponsoring[77]
Adressaten der zu vermittelnden Botschaften sind das Publikum und die darin
enthaltenen Zielgruppen sowie die Mediennutzer.
Die Sponsoren werden also als Anbieter im Rahmen der zu bewerbenden Produkte
nach ihrer Affinität zum Musikbereich eingeteilt.
Inhalt
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Desweiteren bilden sich in zunehmenden Maße sogenannte Sponsoring-Börsen, wie
beispielsweise die »ESB — Europäische Sponsoring-Börse« mit Sitz in der Schweiz,
die sich aus einem Zusammenschluß spezialisierter Agenturen zusammensetzt. Sie
basiert auf einer Datenbank, auf der Sponsoring-Gesuche aus jedem Bereich gegen
eine Gebühr von 50 DM eingetragen werden können. Potentielle Sponsoren erhalten
die Gesuche nach Bedarf kostenlos — nach Gebieten sortiert — zugestellt.
Inhalt
Zur Erreichung von Werbezeit und -platz gibt es mehrere Möglichkeiten. Die
übliche ist das Einkaufen von Werbeflächen und Werbezeit, eine Möglichkeit, die
allerdings zunehmend mit hohen Kosten verbunden ist. Im Privatfernsehen spielen
jedoch sogenannte »Barter-Deals« eine immer größere Rolle. Dabei zeichnen
Sponsoren Interviews oder Konzerte der Künstler auf, setzen die eigenen
Kommunikationsbotschaften in Szene und überlassen diese Mitschnitte den
Fernsehsendern im Tausch gegen Werbezeit, eventuell bei kleineren Acts auch
kostenlos.[82] Eine
effektive Ausnutzung der Medien ist also für alle Beteiligten von Vorteil.
Aus der Sicht der Künstler und Unternehmen wird diese Unterscheidung
Zielgruppenorientiert erfaßt:
Abb. 11: Unterscheidung nach Zielgruppen[83]
Die vom Sponsorunternehmen festgelegten Zielgruppen werden als direkte
Konsumenten der Musik als Mediennutzer bzw. als das Publikum des Stars mit den
Produkten und den darüber erdachten Aktivitäten konfrontiert. Firmen- und
Produktnamen werden auf Plakaten, in den Konzerthallen und eventuell sogar auf
Veröffentlichungen der Künstler genannt. Zusätzlich erhalten die Sponsoren
häufig die Möglichkeit, ihre Produkte auf den Konzertveranstaltungen mit Ständen
zu bewerben bzw. sogar zu verkaufen.
Inhalt
Inhalt
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Eine ebenfalls oft wahrgenommene Möglichkeit des Sponsoring liegt in direkter
Promotion im Umfeld von Veranstaltungen. Das Spektrum reicht von der
Eintrittskarten- und Plakatwerbung, der Gestaltung einzelner Teile oder des
gesamten Veranstaltungsfeldes mit Produkt- oder Herstellernamen bzw. den Farben
der beworbenen Marke bis zum kooperativen Merchandising mit den Veranstaltern
und den Musikern oder spektakulären Aktionen, wie einem Zeppelin mit dem
Firmenlogo über einem Open Air-Gelände. Das kann soweit gehen, das sogar die
Ausstattung des Personals vor Ort, also die Kartenverkäufer, Aufbauhelfer,
Roadies usw., in den entsprechenden Farben und Designs des Herstellers erfolgt.
Häufig werden auch Werbedurchsagen während der Veranstaltung, Gewinnspiele oder
Verlosungen sowie das Verteilen von Produktproben beim Ein- oder Auslaß
vereinbart. Derartige Maßnahmen helfen insbesondere Veranstaltern bei der
Finanzierung ihrer Projekte und werden auch von Unternehmen mit geringem
Sponsoring-Budget, wie z. B. lokalen Anbietern, gern wahrgenommen.
Inhalt
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Dabei gehen Unternehmen bereits in der Phase der Grobauswahl eines zu
sponsernden Künstlers von folgenden denkbaren Verbindungslinien zwischen sich
bzw. ihrem Produkt und dem kulturellen Umfeld des Musikers aus[98]:
Selbstverständlich spielen persönliche Vorlieben der Entscheider für
bestimmte Künstler und Musikrichtungen eine wichtige Rolle und haben keinen
geringen Einfluß auf die Wahl des Engagements. Dennoch fließen natürlich vor
allem Gesichtspunkte im Rahmen einer Kosten-Nutzen-Relation in die Entscheidung
für oder gegen einen Künstler als Sponsor-Objekt ein. Dabei werden insbesondere
die folgenden Kriterien, häufig mittels eines Punktbewertungsverfahrens,
alternativer Sponsoring-Engagements gegeneinander abgewogen[100]:
Bei der Formulierung der Ziele ist festzustellen, daß es sich beim
Musik-Sponsoring hauptsächlich um psychographische Ziele handelt, da es
schwierig ist, derartige Maßnahmen auf Umsatz- oder Absatzzahlen zu beziehen.
Möglich und vorstellbar ist dies nur, wenn sich zwischen dem Produkt und
Künstler eine enge, logische Verbindung herleiten läßt.
Zeithorizont / Ziele kurzfristig mittelfristig langfristig ökonomische Ziele
psychographische Ziele
Abb. 12: Bedeutung von Zielen für das Sponsoring im Zeitablauf[101]
Dementsprechend ist es sinnvoll, sich insbesondere die psychographischen
Ziele zu verdeutlichen.
Inhalt
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Als Akquisitionsstrategie hilft in der Regel ein schriftlich fixierter
Entwurf über die geplanten Aktivitäten, aus dem insbesondere die Grenzen des für
den Musiker akzeptablen hervorgehen. Ist die Entscheidung zum Kontaktieren eines
oder mehrerer Unternehmen gefallen, ist es sinnvoll, eine
Sponsoring-Präsentation auszuarbeiten, die dann dem ausgewählten Ansprechpartner
vorgeführt wird.
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Als erster nicht amerikanischer Jeanshersteller der Welt ist Mustang heute
der zweitgrößte Lieferant von Markenjeans in Deutschland und einer der führenden
Markenhersteller in Europa. Die Produkte sind basicorientiert und verzichten
auf modischen Schnickschnack, sind also klassische Jeansmode in amerikanischer
Tradition.
Inhalt
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Grundsätzlich gilt zudem bei allen Aktionen, daß vorrangig interessante,
abwechslungsreiche Musik gefördert wird und man sich keinem thematischen Dogma
in Form nur einer bestimmten Richtung unterwirft. Weiterhin wird versucht, nicht
durch übermäßige Werbung von den einzelnen Ereignissen abzulenken, sondern
dezent als integrierter, glaubwürdiger Bestandteil im Hintergrund zu agieren.
Außerdem finden alle Aktivitäten auf sehr hohem Niveau statt, d. h. es wird bei
keinem der Bausteine an Produktionskosten gespart, sondern versucht, einen
internationalen Standard zu erreichen bzw. zu halten.
Inhalt
Zu fragen bleibt nun, welche Chancen sich für den einzelnen Kulturschaffenden
aus dem Gesagten ergeben.
Inhalt
Abb. 13: modifiziertes Sponsoring-Modell im Pop- und
Rockmusikbereich
Noch recht gut stehen die Chancen für Veranstalter, sofern sie sich im
lokalen Umfeld um das geplante Event bewegen und derartige Erfahrungen bereits
vorweisen können. Lokal angesiedelte Kleinunternehmer, wie z. B. Reisebüros,
Sonnen- oder Fitneß-studios sowie Gaststätten u. a., werden dieser Form des
Engagements mit Kleinbeträgen gegen Eintrittskarten- oder Plakatwerbung i. d.
R. offen gegenüberstehen; bei Parties und Konzerten wird dieses Sponsoring
bereits seit längerem erfolgreich betrieben.[130] Viel
schwieriger haben es da schon Bands, Einzelmusiker oder Studios, Verlage und
Labels. Gerade bei Bands aus dem Pop- und Rockbereich gilt wohl der gut bekannte
Teufelskreis: Ohne Geld keine Tonträger, ohne Tonträger keine Auftritte, ohne
Auftritte keine Plattenfirma, ohne Plattenfirma kein Geld. Folge des Ganzen ist
der eklatante Mangel an Publikum, der dann auf der anderen Seite die Zufuhr
finanzieller Mittel, die diesen Kreis durchbrechen könnten, durch sponsorwillige
Unternehmen verhindert. Und auch die anderen benannten Kulturschaffenden werden
nur dann erfolgreich ein Engagement akquirieren können, wenn sie bereits einige
in ihrer Sparte übliche Leistungen und Erfolge vorweisen können. Die mehr oder
minder »natürliche Auslese« wird also durch Sponsoring nicht durchbrochen.
Großinvestitionen werden sowieso nur in dementsprechend lohnenswerte Objekte
getätigt, und auch kleinere Budgets werden ausschließlich dort vergeben, wo
zumindest über den lokalen Bereich hinaus ein Bekanntheitsgrad und Imageplus mit
dem entsprechenden Umfeld zu verbuchen ist, was sich dann auch an dem doch sehr
innovativen, offenen und tiefgreifenden Sponsoring-Engagement der Firma Mustang
zeigt.
Inhalt
Inhalt
*Magisterarbeit, Humboldt-Universität zu Berlin,
Philosophische Fakultät III, Fachbereich Kultur- und Kunstwissenschaften,
Musikwissenschaftliches Semninar, Forschungszentrum für Populäre Musik,
Betreuer: Prof. Dr. Peter Wicke
1 Vgl. P. Roth, Kultur-Sponsoring, S. 14.
2 A.a.O.
3 Vgl. A. Herrmanns, S. 36, M.
Bruhn, Sponsoring: Unternehmen als Mäzene und Sponsoren, K. Forbeck,
Renaissance der Mäzene?.
4 Siehe auch: M. Bruhn, Kulturförderung und
Kultursponsoring, S. 39.
5 Vgl. W. Hay, Sponsoring, S. 276.
6 Siehe bei P. Roth, S.27.
7 Siehe H. D. Dahlhoff, Sponsoring, S. 3.
8 Vgl. M. Bruhn, Kulturförderung und
Kultursponsoring, S. 40.
9 Vgl. M. Püttmann, Internationales
Musik-Sponsoring, S. 51.
10 Vgl. M. Bruhn, Kulturförderung und
Kultursponsoring, S. 37 f.
11 Vgl. H. D. Dahlhoff,
Unternehmenskommunikation, S. 30 ff.
12 Vgl. W. Hay, Sponsoring, S. 278.
13 Ebd., S. 279.
14 M. Bruhn, Sozio- und
Umweltsponsoring, S. 23 ff.
15 Vgl. W. Hay, Sponsoring, 278.
16 P. Roth, Probleme und Grenzen, S.
167.
17 Vgl. auch K.-E. Wirtz, S. 252; zur
Abgrenzung von Zielgruppen und Konsumentenverhalten im allgemeinen vgl.: W.
Kroeber-Riel.
18 Vgl. auch K.-E. Wirtz, S. 252.
19 Vgl. M. Püttmann, Musik-Sponsoring
219.
20 Vgl. M. Bruhn, Kulturförderung und
Kultursponsoring, S. 50.
21 Vgl. P. Roth, Kultur-Sponsoring, S. 130;
eine ähnliche Einteilung auch bei A. Herrmanns/N. Drees, S. 153.
22 Vgl. M. Bruhn, Kulturförderung und
Kultursponsoring, S. 41.
23 Vgl. H. D. Dahlhoff, Sponsoring,
S. 12.
24 Vgl. M. Bruhn, Kulturförderung und
Kultursponsoring, S. 47.
25 Vgl. H. D. Dahlhoff, Sponsoring,
S. 14 ff.
26 Vgl. M. Püttmann, Internationales
Musik-Sponsoring, S. 50.
27 Vgl. u. a. E. Pappermann, Kommunale
Kulturpolitik heute, S. 27.
28 Ebd.
29 Quelle: IFPI, Phonographische Wirtschaft, S.
35.
30 Vgl. M. Püttmann, Internationales
Musik-Sponsoring, S. 50.
31 Im Bereich des Sports sind inzwischen sogar
öffentlich-rechtlich Funk- und Fernsehanstalten dazu übergangen, große
Übertragungen durch einen Sponsor ankündigen zu lassen. Man denke hier nur an
die Bierwerbungen vor Fußballübertragungen.
32 J. Herrmand, S. 29 f.
33 Ebd.
34 P. Bourdieu, S. 283.
35 Ebd., S. 35.
36 L. von Rosenstiel, Selektions- und
Sozialisationseffekte beim Übergang vom Bildungs- ins Beschäftigungssystem, S.
22.
37 H. Klages, Wertorientierungen im
Wandel.
38 Vgl. hierzu die bei P. Roth,
Kultur-Sponsoring, S. 455 ff genannten Studien.
39 Zur Ausgangslage vgl. hierzu vor allem R.
Inglehart »The Silent Revolution«, der mit dieser Studie zum
intergenerationalen Wertewandel Pionierarbeit leistete. Ausgangspunkt sind die
Mangelhypothese, die besagt, daß die Wertprioritäten eines Menschen sein
sozio-ökonomisches Umfeld reflektieren, und die Sozialisationshypothese,
derzufolge die grundlegenden Wertvorstellungen eines Menschen die
wirtschaftlichen und physischen Bedingungen seiner Jugendzeit widerspiegeln. In
Anlehnung an die Theorie der Bedürfnishierarchie Maslows erläutert die
Mangelhypothese, wie die materiellen Bedürfnisse aufgrund einer weitgehenden
Sättigung kontinuierlich an Bedeutung verlieren, während immaterielle
Bedürfnisse, wie der Wunsch nach Zugehörigkeit und Wertschätzung und die
Befriedigung intellektueller und ästhetischer Bedürfnisse, zunehmend in den
Vordergrund treten. Inglehart zufolge lassen sich deutliche Zusammenhänge
zwischen materialistischen und postmaterialistischen Wertprioritäten und der
sozialen Schichtzugehörigkeit sowie dem Bildungsniveau erkennen. Demnach sind
die hauptsächlichen Träger eines Wertewandels die Jugendlichen, die die
Möglichkeit hatten, während ihrer formativen Jahre, ihre materialistischen
Bedürfnisse zu befriedigen, und die Mitglieder der gehobenen Bildungs- und
Sozialschichten (zu diesem Ergebnis kommen übrigens unabhängig von
Ingleharts Theorien auch Langzeitstudien, wie die Spiegeldokumentation
»Persönlichkeitsstärke 1983« oder die »Brigitte Kommunikations-Analyse 1986«.
Siehe hierzu die Daten dieser u. a. in P. Roth, 456 ff.). Obwohl diese
Studie wegen der Ungenauigkeit der Items, an denen Inglehart die
unterschiedlichen Wertprofile definiert hat, oft kritisiert wurde, haben doch
die Mehrheit der Autoren, die sich mit gesellschaftlichem Wertewandel befassen,
ähnliche Tendenzen nachweisen können. Vgl. hierzu auch E. Noelle-Neumann,
die davon ausgeht, daß reine materielle und soziale Sicherheit nicht zu größerer
Zufriedenheit und Glück führt. Auch B. Strümpel kommt zu dem Schluß, daß
in den letzten Jahren eine signifikante Wertverschiebung zum
Postmaterialistischen stattgefunden hat (um in Ingleharts Sprachmuster zu
bleiben). Die Erklärungsmuster sind also unterschiedlich, das Ergebnis ist
jedoch meistens ähnlich.
40 Vgl. G. Wittkämper, S. 16 ff.
41 So stieg z. B. das Bruttoinlandsprodukt nominal
von 3.320 Mrd. DM in 1994 auf 3.383 Mrd. DM in 1995. Vgl. GFK Panel Services,
Phonographische Wirtschaft, S. 31.
42 Vgl. P. Schürmann, S. 246.
43 Vgl. P. Wicke, Kultur — Politik -
Wirtschaft.
44 Media Analyse 1994/1995, Phonographische
Wirtschaft, S. 50.
45 Vgl. P. Schürmann, S. 246.
46 Jeweils zum Jahresende; siehe Phonographische
Wirtschaft, S. 44.
47 Schätzung.
48 Saturation: Anteil der Haushalte mit mind.
einem entsprechenden Audiogerät.
49 Penetration: Anzahl der in Hundert Haushalten
vorhandenen entsprechenden Audiogeräte.
50 Vgl. auch B. Grüßer, S. 26.
51 Mehrfachnennungen möglich.
52 Fettdruck = stark musikgeprägte Aktivitäten.
53 Auszug aus K. Fohrbeck/A.
Wiesand, S. 203.
54 Angaben in Prozent, Mehrfachnennungen
möglich.
55 Quelle: Emnid Institut, Phonographische
Wirtschaft, S. 48.
56 Vgl. hierzu auch die sehr dezidierten
Untersuchungen von C. Langenbach, 85 ff.
57 So auch G. Gebhardt, S. 56 ff.
58 Musik wurde 1995 vom Durchschnitt der
bundesdeutschen Gesamtbevölkerung zu gut 65% über das Radio (56%) und das
Fernsehen (11%) konsumiert. Quelle: Emnid Institut, Phonographische Wirtschaft,
S. 49.
59 Vgl. A. Herrmanns/M. Püttmann, 262.
60 H. Bonfadelli, S. 228 ff.
61 Vgl. M. v. Schoenebeck, S. 35.
62 Ebd. S. 232 f.
63 J. Herrmand, S. 399 ff.
64 Vgl. U. Meyer, S. 150.
65 Vgl. M. v. Schoenebeck, S. 24.
66 Vgl. A. Herrmanns/M. Püttmann, 262.
67 Ebd., Grundsätzliches dazu auch bei W.
Kroeber-Riel.
68 Vgl. M. Püttmann, Musik-Sponsoring
221.
69 Siehe hierzu auch M. Söndermann, S.
3ff und A. Klein, S. 4ff.
70 Rat für die Künste.
71 K. Kinkel, "Kultur und Kommerz".
72 Vgl. P. Wicke, Popmusik und Politik.
Provokationen zum Thema.
73 Vgl. hierzu auch die Fördermaßnahmen des BDI,
B. Conzen, S. 117 ff., speziell S. 119 f.
74 ABM=Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen.
75 Vgl. hierzu auch P. Wicke, Kultur —
Politik — Wirtschaft.
76 Vgl. auch bei K. Kriese.
77 Vgl. M. Püttmann, Internationales
Musik-Sponsoring, S. 50.
78 Vgl. M. Bruhn, Kulturförderung und
Kultursponsoring, S. 35.
79 Ebd., S. 56 ff.
80 Zu Dienstleistungsunternehmen, speziell
Sponsoringagenturen vgl. D. Mussler, 297 ff.
81 Vgl. M. Püttmann, Internationales
Musik-Sponsoring, S. 54 f.
82 Ebd.
83 Vgl. ebd, S. 54.
84 A. Herrmanns/N. Drees, S.7; hier gibt
es zwar keine Einmütigkeit, ob noch weitere Instrumente dazugehören, über diese
drei Säulen besteht aber Einstimmigkeit; vgl. u.a. auch bei H. Meffert,
S. 119 f, R. Nieschlag et al., 531 ff.
85 Vgl. H. Meffert, S. 119 f, zur
Unternehmenskommunikation allg. vgl. u. a. M. Bruhn, Integrierte
Unternehmenskommunikation.
86 Eine von vielen möglichen Definitionen; hier
von R. Huth/D. Pflaum, S. 13.
87 R. Nieschlag et al., 531 f.
88 Ebd.
89 Vgl. ebd., S. 533 ff..
90 Vgl. M. Püttmann, Internationales
Musik-Sponsoring, S. 53, abstrakt bei R. Nieschlag et al., 534 f.
91 «Point Of Sale«: Ort des Verkaufs der
Musikprodukte, also im Tonträgerfachhandel usw.
92 Vgl. J. Bürger, Arbeitshandbuch, S. 13
ff, R. Nieschlag et al., 537.
93 Vgl. J. Bürger, Wie sage ichs der
Presse.
94 Vgl. zum Folgenden A. Herrmanns/M.
Püttmann, 263 ff.
95 Bei sehr bekannten Einzelmusikern wird das
allerdings seltener verlangt, da diese häufig Einzelanfertigungen benutzen.
Allerdings kommt es häufig vor, daß solche Künstler an der Entwicklung des
Gerätes mitwirken bzw. dasselbe nach deren Wünschen angefertigt wird.
96 O. V., Musikwoche Nr. 35/94, S. 24.
97 Vgl. M. Bruhn, Sponsoring als
Kommunikationsinstrument, S. 145; ebenso kann die Grobauswahl auch anhand einer
Affinitätsprüfung erfolgen, die als Verbindungslinien allerdings ähnliche
Merkmale nennt, wie die oben beschriebene Variante; vgl. dazu M. Bruhn,
Kulturförderung und Kultursponsoring, S. 66 f.
98 Ebd., S. 150 f.
99 Dazu mehr in Kap. 4.1.
100 Vgl. M. Bruhn, Sponsoring als
Kommunikationsinstrument, S. 160.
101 Vgl. ebd., S. 85.
102 Vgl. C. Stolorz, S. 56.
103 Bei diesen Veranstaltungen erhalten
Mitarbeiter, insbesondere bei sehr bekannten Stars, die Möglichkeit, diese auf
Konzerten in VIP-Zelten zu treffen und Fotos zu machen.
104 Vgl. C. Stolorz, S. 58.
105 Siehe dazu weiter unten 4.1.
106 Vgl. M. Püttmann, Internationales
Musik-Sponsoring, S. 55.
107 So wird insbesondere das Sponsoring mit
Instrumenten bezeichnet.
108 Als Ausnahme wäre hier allerdings das
Sponsoring durch Schenkung mit Auflage zu sehen. Vgl. hierzu M.
Bruhn/R. Mehlinger, S. 54 f.
109 Die Grenzen der inhaltlichen Gestaltung
werden nur durch die allgemeinen Schranken des Vertragsrechts, wie
beispielsweise Sittenwidrigkeit und Verstoß gegen Treu und Glauben, bestimmt.
110 Typisierte Vertragsformen sind im zweiten
Buch, siebenter Abschnitt des BGB, dem sogenannten Besonderen Teil des
Schuldrechts, festgehalten. Dieses beginnt mit dem 433, dem Kauf. Ein ähnlicher
Sachverhalt ergab sich beim Reisevertragsrecht ( 651 a ff. BGB), bei dem es bis
1979 auch keine spezielle rechtliche Regelung gab. Der Reisevertrag wurde als
Vertrag »sui generis«, also eigener Art, behandelt, und hinsichtlich der
Rechtsfolgen bei Vertragsstörungen war jeweils zu prüfen, welche Regeln zur
Anwendung kommen sollten — die des Allgemeinen ( 241 — 432 BGB) oder die des
Besonderen Teils des Schuldrecht. Folge war eine grundsätzliche
Rechtsunsicherheit bei allen Beteiligten; vgl. M. Bruhn/R.
Mehlinger, S. 62 f.
111 Vgl. 433 Abs. 1 BGB.
112 Vgl. 433 Abs. 2 BGB.
113 Vgl. O. Palandt (-H. Putzo),
BGB, 515 Rn. 1.
114 M. Bruhn/R. Mehlinger, S. 63
ff.
115 Vgl. 535 BGB.
116 Ganz plastisch darf der Pächter einer
Obstplantage die Früchte der Plantage also das Obst verwerten.
117 Vgl. 581 BGB.
118 Ein Kaufvertrag beginnt mit dem
rechtswirksamen Vertragsabschluß und endet, wenn beide Parteien ihre
Leistungspflichten erfüllt haben. Anders ist es beim Mietvertrag. Hier beginnt
das Mietverhältnis mit dem Vertragsabschluß und dauert bis zur Beendigung des
Vertrages infolge Zeitablaufs oder Kündigung. Danach ist das
Leistungsaustauschverhältnis beendet und es beginnt ein Abwicklungsverhältnis
(Rückgabe der Mietsache, Rückzahlung einer geleisteten Kaution o. ä.).
119 Vgl. 611 Abs. 1 BGB.
120 Vgl. 611 Abs. 2 BGB.
121 Im Sport wären Arbeitsverträge denkbar, wenn
in einem Einzelarbeitsvertrag eines Vereins mit einem Sportler vereinbart wird,
daß letzterer bestimmte Werbemaßnahmen für einen den Verein unterstützenden
Sponsor durchzuführen hat; vgl hierzu M. Bruhn/R. Mehlinger, S.
70.
122 Vgl. 516 Abs. 1 BGB.
123 Vgl. 598 BGB.
124 Siehe 631 ff. BGB.
125 Siehe 607 ff. BGB.
126 Die folgenden Ausführungen basieren
hauptsächlich aus der Auswertung der Pink Floyd-Tour-Sponsoring Unterlagen, die
von VW und Pink Floyd gemeinsam entwickelt wurden und vom Konzern zur Verfügung
gestellt werden.
127 C. Dahlhaus et al.,Brockhaus
Riemann Musiklexikon, Bd. 3, S. 305.
128 Die folgenden Ausführungen basieren auf den
Ausführungen von U. Bloch/M. Raven, S. 432 ff und C.
Ohnesorge, Musikwoche Nr. 36/94, S. 23 sowie den Presseunterlagen der
Konzeptbetreuer von Mustang, dem Mainhattan Musik Verlag und der BMG Ariola
Medien GmbH.
129 Vgl. Abb. 2 auf S. 8.
130 Man beachte in Berlin nur die Plakate der
diversen Uni- und Konzeptparties, auf denen eigentlich immer Sponsoren vermerkt
sind.
Abb. 1: Möglichkeiten des Kultur-Sponsoring in verschiedenen Bereichen 8
Abb. 2: Sponsoring-Ebenen 8
Abb. 3: Die vier Gruppen kulturfördernder Unternehmen 9
Abb. 4: Das »magische Dreieck« des Sponsoring 9
Abb. 5: Pflicht- und Akzeptanz- sowie Selbstentfaltungswerte 14
Abb. 6: Nutzung von Tonträgern nach Altersgruppen pro Woche in Minuten 16
Abb. 7: Haushaltsausstattung mit Audiogeräten in der Bundesrepublik
Deutschland 17
Abb. 8: Freizeitinteressen bei Jugendlichen 18
Abb. 9: Musikpräferenzen der Bundesbürger 1995 19
Abb. 10: Beteiligte am Musik-Sponsoring 26
Abb. 11: Unterscheidung nach Zielgruppen 32
Abb. 12: Bedeutung von Zielen für das Sponsoring im Zeitablauf 40
Abb. 13: modifiziertes Sponsoring-Modell im Pop- und Rockmusikbereich 59
3.1.3. Pop- und Rockmusik als Medium
Musik im allgemeinen ist ein
ideales Medium, um Menschen zu erreichen. Täglich hören wir Musik, teilweise
ohne es wahrzunehmen, in Kauf- und Warenhäusern, in Lebensmittelläden, in
Discos, zu Hause und auf Parties über die verschiedensten Tonträger, am
Arbeitsplatz und natürlich vor allem über die Medien, allen voran das Radio und
auch das Fernsehen.[58] Pop- und
Rockmusik ist somit allgegenwärtig und seit nunmehr 30 Jahren die verbreitetste
kulturelle Ausdrucksform der westlichen Gesellschaft.[59] Dabei
kann sie als Selbstzweck dienen, indem sie verschiedenste affektive Funktionen
für den Hörer als Mittel zur Stimmungsregulierung erfüllt, als Hintergrund bei
sozialen Anlässen zum Stiften von Kontakt und Geselligkeit, als
Sekundäraktivität oder als Distraktion während verschiedenster Tätigkeiten aber
auch als Ersatz bei fehlendem Kontakt.[60] Gerade
bei Jugendlichen erfüllt Pop- und Rockmusik zudem eine soziale Funktion. Über
die reine Musik hinaus gehört zu ihr untrennbar verbunden das Image, der Gestus
und das Umfeld des Künstlers, womit sie auf Bedürfnisse und Erwartungen des
Publikums antwortet, diese legitimiert, verstärkt und
fortschreibt.
Pop- und Rockmusik ist ein globales Medium, das sich trotzdem flexibel an die
Gegebenheiten der einzelnen Länder anpaßt. Sie vermittelt und erzeugt Emotionen,
ist gleichzeitig eine Form der Artikulation und eine Ausdrucksform des Körpers
und dient so der nonverbalen Kommunikation zwischen Menschen.[66] Gerade
auch bei Konzertveranstaltungen sind die Besucher Umweltreizen gegenüber sehr
aufgeschlossen, was als Basis den gezielten Aufbau von Assoziationen, die
gedankliche Verbindung zweier Erlebniswelten, unterstützt.[67] Pop- und
Rockmusik stellt folglich sowohl wegen der hohen Reichweite und der großen
Toleranz der Konsumenten, als auch besonders als Facette der soziologischen
Entwicklung der Gesellschaft ein gutes Instrument für Verbindungen im Rahmen von
Sponsoringverträgen dar.
3.2. Kulturfinanzierung durch öffentliche Mittel
Wie am Beispiel des
Konsumverhaltens der Bundesbürger gezeigt, zeichnet sich innerhalb der
Bevölkerung seit geraumer Zeit eine deutliche Hinwendung zur Kunst und Kultur
sowie auch ein gesteigertes Interesse an kulturellen Veranstaltungen ab.
Allerdings reichen die finanziellen Mittel der Kulturverantwortlichen und die
staatlichen Fördermittel oft nicht mehr aus, um dem wachsenden Bedarf gerecht zu
werden. Etatkürzungen und ständige Veränderungen der kommunalen
Haushaltsschwerpunkte haben insbesondere den Bereich der lokalen Musikkultur
förmlich veröden lassen. Aufwendige Projekte, wie beispielsweise Tourneen,
lassen sich aus den schmalen Töpfen fast gar nicht realisieren. Und bei der
Giganterie, die einem heutigen Pop- und Rockkonzert inzwischen fast
selbstverständlich innezuwohnen hat, haben selbst gestandene Megastars und deren
Veranstalter Probleme, diese aus eigenen Mitteln zu finanzieren. So verschlang
bereits 1987 die Europatour der englischen Gruppe GENESIS allein 6 Mio.
US-Dollar an Produktionskosten.[68] Daß
derartige Kosten natürlich nicht von der öffentlichen Hand getragen werden
können oder auch nur müssen, leuchtet wohl ein. Daher versucht heute nahezu
jedes größere Management, über entsprechende Sponsorverträge an die notwendigen
Mittel zu gelangen. Fraglich ist jedoch, ob und inwieweit derartige Engagements
tatsächlich der Substanz einer nationalen Musikkultur, nämlich den unzähligen
kleinen unabhängigen Unternehmen in der Peripherie um die noch unbekannten
Musiker, die vielleicht die Repräsentanten derselben von morgen sind sowie
diesen selbst zugute kommt. Zunächst soll daher ein tieferer Blick auf den
finanziellen Zustand der kommunalen Kulturhaushalte geworfen werden, die im
Endeffekt als erster Anlaufpunkt für Kulturschaffende der Region zuständig sind.
3.2.1. Finanzierungslücken in den kommunalen Kulturhaushalten
Als
Beispiel soll hier nur auf den Kulturhaushalt 1996 von Berlin eingegangen
werden, der als Haushalt der größten deutschen Stadt — zudem der Hauptstadt —
permanenten Kürzungen unterworfen ist, obwohl gerade dort schon immer ein
vielfältiges kulturelles Angebot vorhanden war und genutzt wurde. Das Bild, was
sich in Berlin zeichnen läßt, ist aber auch mehr oder minder repräsentativ für
andere Großstädte der Bundesrepublik Deutschland.[69]
Nach dem Entzug von mehr als 200 Mio. DM Bundesmitteln als Beteiligung des
Bundes an der Finanzierung Berliner Kulturinstitutionen mit gesamtstaatlicher
Aufgabenstellung stellt sich die Frage, ob der Haushalt des Landes Berlin
überhaupt einen Ausgleich dazu zuläßt. Für die Vergabe der vom Bund für die
Hauptstadt-Kulturförderung nur noch zur Verfügung gestellten 60 Mio. DM müssen
weiterhin vom Land und seinen Vertretern Vorschläge eingereicht und inhaltlich
begründet werden, welche Kulturinstitutionen gesamtstaatlich wirken und somit
förderungswürdig sind. Betrachtet man nun diese Liste, stellt man erstaunt fest,
daß Populärkultur, wie die Pop- und Rockmusik, gar nicht förderungswürdig
erscheint. Vielmehr gehen diese Gelder an Institutionen, wie die Deutsche
Staatsoper, Deutsche Oper, das Deutsche Theater, das Berliner Philharmonische
Orchester, das Haus der Kulturen der Welt und den Martin-Gropius-Bau in seiner
künftigen Fassung als internationales Ausstellungshaus u. ä.[70] Dabei
werden diese Fördermittel bis auf ganz geringe Anteile, die dann zur freien
Disposition stehen, bereits im Vorfeld verplant. Hinzu kommt, daß durch diese
Bundesmittel frei gewordene Gelder des Landes in Höhe von 55 Mio. DM, die der
Förderung freier nicht institutionalisierter Einrichtungen dienen könnten, nicht
im Kulturhaushalt verbleiben sollten, sondern aus Sparzwang in andere Töpfe
wandern. Verwundern tut in diesem Zusammenhang allerdings die Tatsache, daß der
Bund allein für Auslandsschulen, wie die Goetheinstitute, 350 Mio. DM aus dem
Kulturhaushalt bereitstellt[71], eine
sozialisierende und massenwirksame Kulturform, wie die Pop- und Rockmusik, mit
den dazugehörigen Kulturzusammenhängen und den Werten, die in ihr zirkulieren
sowie der Sinngebung, die dabei in den Alltag vermittelt wird und somit nicht
unerheblichen Einfluß auf die Zukunft unserer Gesellschaft hat[72], bei
Förderungen einen derartig geringen und unwichtigen Platz einnimmt.[73] Um die
kommunalen Kulturhaushalte ist es dementsprechend schlecht bestellt, zudem
stehen die Chancen für Musikschaffende aus den Bereichen der Populärkultur, an
notwendige Gelder für Projekte zu kommen, trotz der immensen gesellschaftlichen
Bedeutung dieser Musik schlechter denn je.
3.2.2. Probleme bei der Verwendung öffentlicher Fördermittel
Dazu
gesellt sich zur Tatsache ständig schrumpfender Fördertöpfe das grundsätzliche
Problem der Verwendung dieser Mittel. Selbst wenn nun einmal Gelder für
Populärkultur zur Verfügung stehen, was, um nicht ungerecht zu sein, doch immer
wieder vorkommt, werden diese i. d. R. konsumptiv aufgebraucht. Rockbüros
veranstalten Wettbewerbe oder Konzertveranstaltungen; es werden also Events
finanziert, die langfristig keine Effekte oder wenn nur für einige teilweise
sehr eigenartig, ohne wirklich benennbare Kriterien ausgewählte Künstler
bringen. ABM[74]-Stellen
werden ohne tieferen Sinn und Verstand eingerichtet, da während der
Bewilligungsphase schon klar ist, daß nach Ablauf der Förderung keine
selbsttragenden Strukturen entstanden sein werden, die Arbeitsplätze also wieder
verloren gehen. Die neben den Musikern eigentlichen Träger einer kommunalen und
somit im Erfolgsfall auch nationalen Musikkultur, wie kleine Labels, Verlage,
Clubs, Konzertveranstalter, Übungsraumzentren usw., erhalten so keine Förderung,
bleiben somit den Unwägbarkeiten des Jungunternehmertums überlassen. Auch die
Möglichkeiten, Wirtschaftsförderungen zu erhalten, gestalten sich in diesem
Umfeld sehr schwierig, müssen doch dafür - wenn auch kalkulatorische — Zahlen
und Fakten, Bilanzen, Gewinn- und Verlustrechnungen neben der eigentlichen
Geschäftsidee in einem Konzept zu Papier gebracht werden, die bei einem derart
unsicheren Produkt wie der Musik nur schwer glaubhaft dargestellt werden können
— schließlich verbürgen sich auch die Profis der Branche nicht dafür, daß einem
bestimmtem Titel, einer bestimmten Band der Erfolg und somit auch der
entsprechende finanzielle Background für die Unternehmen dahinter garantiert
werden können. Außerdem sind ebenfalls die Vorleistungen, die getragen werden
müssen, um eine Produktion zu ermöglichen, abgesehen von notwendigen
Ausrüstungsgegenständen, oft sehr hoch. Es erscheint also sinnvoll, neben der
konkreten Förderung einzelner Bands oder Musiker, eine Infrastruktur um die
Musik entstehen zu lassen, die selbsttätig überdauern kann und somit für eine
eigenständige Auslese und Förderung lokaler Musikkultur steht. Möglichkeiten
solcher Förderung wären beispielsweise die befristete Gewährung von
Anschubfinanzierungen, Darlehensbürgschaften, einmaligen Investitions- und
Sachmittelzuschüssen, eine begrenzte Übernahme einrichtungsbedingter Betriebs-
und Personalkosten oder die befristete Übernahme von Mietkosten.[75] Unüblich
ist diese Form öffentlicher Förderung gar nicht. Im Sozialbereich werden schon
seit längerem staatliche Aufträge, wie z. B. die Einrichtung und Verwaltung von
Tagespflegestätten mit Gerontotherapie, an freie Träger vergeben, wobei
entstehende Kosten sowohl von der öffentlichen Hand als auch dem Nutzer getragen
werden. Das Problem, das sich hier stellt, ist ein eher formaljuristisches:
Solche Einrichtungen sind in der Regel Vereine oder tragen die Rechtsform der
GmbH gemeinnützig. Gemeinnützigkeit bedeutet, keine (oder nur in ganz geringem,
genau abgesteckten Rahmen) Gewinne erwirtschaften zu dürfen.[76] Und
genau darum soll es ja bei den o. g. Beispielen gehen: nach einer Anlaufphase
Gewinne zu erwirtschaften, die den Fördergegenstand in die (finanzielle)
Selbständigkeit führen und ihn dort halten können. Doch auch ohne dieses
juristische Argument, welches sich durch Änderung von Förderrichtlinien wohl
entkräften ließe, scheint aber nun eine derartige investive Verwendung von
öffentlichen Fördermitteln den Kulturverantwortlichen fremd zu sein, sei es
wegen der immer noch weit verbreiteten Ansicht Kultur und Kommerz gehörten nicht
zusammen oder der gerade bei älteren Autochthonen verankerten, wenn auch eher
selten benannten Einstellung, Rockmusik und die darum entstandenen Strukturen
sei wegen ihres »rebellischen« Images das Schmuddelkind deutscher ja
internationaler Kultur, was sich letztlich dann auch an der bereits oben
gezeigten Verteilung von Kulturfördermitteln verdeutlicht.
Hier wäre, neben der Notwendigkeit eines grundsätzlichen Umdenkens der
öffentlichen Verantwortlichen, ein Ansatz für Sponsoring zu sehen. Ähnlich
einer Gaststättenfinanzierung durch eine Brauerei könnten gerade auch Anbieter
von audiotechnischen Ausrüstungsgegenständen mit Sachmitteln aber auch andere
Branchen durch Geldmittel im lokalen Bereich infrastrukturelle Unterstützungen
gewähren, die sich dann im Rahmen langfristiger Verträge, beispielsweise in
Werbungen auf Veröffentlichungen, in Clubs oder Discos u. ä., niederschlagen
könnten und sicher auch auf Dauer rentieren würden. Ebenso wären Partnerschaften
zwischen freier Wirtschaft und den Kulturverantwortlichen denkbar, um die
öffentlichen Kassen zu entlasten. Dabei ist hier nicht das bereits häufiger
praktizierte Event-Sponsoring gemeint, bei dem solche Partnerschaften schon
existieren, sondern tatsächlich eine Hilfe im Bereich der Infrastruktur, die
beiderseitig auf Dauer angelegt ist. Solche Förderung fände dann, wie bereits
oben beschrieben, auf der untersten Leistungsebene statt, könnte aber
langfristig eben den hohen Wirkungsgrad zu relativ geringen Kosten produzieren.
4. Musik-Sponsoring im Bereich Pop und Rock
Wie dargestellt, zeigt sich
die öffentliche Kulturförderung nicht gerade als starker Partner von
Musikschaffenden aus dem Bereich Pop und Rock. Wegen der enormen Bedeutung
dieser Musik bleibt jedoch als Handlungsalternative der Blick in die freie
Wirtschaft. Im folgenden soll daher dezidiert das Musik-Sponsoring in diesem
Bereich beschrieben werden.
Inhalt
4.1. Beteiligte am Sponsoring
Der Vertrag zwischen Sponsor und
Gesponsertem bildet die Basis eines Sponsorships. Zusätzlich einbezogen werden
jedoch häufig Dienstleister, wie Sponsoring-, PR- oder Werbeagenturen, die
zwischen beiden Parteien stehen und vermitteln bzw. im Auftrag einer Partei
tätig werden. Nicht zu vergessen sind natürlich die Medien, die durch
Übertragung von Musikereignissen oder Berichterstattung als Multiplikator
fungieren.
4.1.1. Sponsor
Als Sponsoren treten Einzelpersonen oder Organisationen,
insbesondere Unternehmen auf, die den Akteuren Honorare zahlen, um mit ihnen
ihre kommunikativen Interessen öffentlichkeits- und medienwirksam zu
überbringen. Sponsoren können dabei nach folgenden Kriterien klassifiziert
werden[78]:
4.1.1.1. Klassifizierung nach der Leistungsart
Sponsoren erfüllen ihre
Leistungspflicht i. d. R. durch eine der folgenden Möglichkeiten oder auch einer
Kombination daraus:
4.1.1.2. Klassifizierung nach der Nähe zur Musik
Bei der Klassifizierung
nach der Nähe des Sponsors zur Musik gibt es drei zu unterscheidende Gruppen:
4.1.1.3. Klassifizierung nach der Anzahl der Sponsoren
Sponsoren können
als Exklusivsponsor, wobei nur einem Sponsor die werbliche Nutzung gestattet
ist, oder als Co-Sponsor, hierbei beteiligen sich zwei oder mehrere Unternehmen
an der Förderung, auftreten. Wie bereits oben erwähnt, tritt das Co-Sponsoring
im Bereich Pop und Rock eher seltener auf. Anders zeigt sich die Situation
allerdings z. B. bei Großveranstaltungen im Dance- oder Technobereich, bei dem
diese Variante zum Standard gehört (z. B. das großangelegte Engagement des
Herstellers von Camel-Zigaretten sowie diverser Reiseveranstalter).
4.1.1.4. Klassifizierung nach der Vielfalt des Sponsoring
Hierbei wird
nach der Vielfalt bzw. nach der Intensität des Sponsoring unterschieden:
4.1.2. Gesponsorte
Gesponsert werden Bands und Einzelmusiker, aber auch
einzelne Mitglieder von Musikgruppen, Musikverbände und -vereine.
Großveranstaltungen wurden zusätzlich schon seit längerem
unterstützt.Insbesondere durch die steigenden Sponsoring-Budgets und
-Aktivitäten der Unternehmen kommen zunehmend jedoch auch Veranstalter von
Kleinveranstaltungen, wie Discoabenden u. ä. in den Genuß von Förderungen vor
allem lokal ansässiger Kleinbetriebe.
4.1.3. Dienstleister
Zunehmend wichtiger werden als Ansprechpartner
beider Seiten Dienstleister, die sich ganz oder teilweise auf die Vermittlung,
Beratung, Planung und Durchführung von Sponsorships spezialisiert haben bzw. als
Branchenkenner, wie Plattenfirmen, Promoter oder Konzertagenturen, für ihre
Künstler derartige Verbindungen suchen.[80] Solche
Anbieter können nicht nur mit Know-How, wie z. B. Vertragsgestaltungen und
Erfahrungen, sondern vor allem auch mit ihren Kontakten wertvolle Hilfestellung
leisten.
Es gibt verschiedene Typen von professionellen Sponsoring-Agenturen, die
teils Generalisten-Full-Service, teils einzelne Spezialleistungen offerieren.
Das Angebotsspektrum der Erstgenannten umfaßt nahezu alle Bereiche des
Sponsoring-Managements, insbesondere werden derartige Unternehmen auf allen
Gebieten tätig (z. B. Vidahl + Heinrich in Köln). Die Zweitgenannten beschränken
sich auf einzelne Sponsoring-Arten oder Leistungsbereiche, wie z.B. reine
Lizenzgeschäfte oder nur Vermittlung gegen Provision (z. B. der Mainhattan Musik
Verlag, der ausschließlich im Bereich des Musik-Sponsoring tätig wird).[81] Bei
einem der bedeutensten Vertreter im Bereich der Konzertveranstaltungen, der
Konzertagentur »MAMA-Concerts & Rau« in München, wird als Service neben der
kompletten Planung, Organisation und Durchführung von Konzerten und Tourneen
inzwischen fast selbstverständlich, sofern vom Künstler gewünscht, auch jeweils
ein Sponsorship zur Finanzierung der Veranstaltungen vermittelt.
4.1.4. Medien und Konsument
Als Multiplikator machen die Print-,
Rundfunk- und TV-Medien regelmäßig auf die Aktivitäten des Sponsorships
aufmerksam. Für den Künstler und die dahinter stehende Plattenfirma ist dies
eine billige Form der Promotion, da die Kosten insbesondere für Printwerbungen
aber auch für Fernseh- und Rundfunktrailer i. d. R. von den Sponsoren getragen
werden. Gerade die neueren Musiksender wie MTV und VIVA propagieren gern und
ausführlich momentan aktuelle Sponsorships für Tourneen. So werden auch
Mediennutzer ohne Konzertbesuch durch Ausnutzung dieses Multiplikatoreffektes
erreicht. Grundsätzlich werden die Medien in zwei Kategorien eingeteilt:
4.2. Maßnahmen des Pop- und Rockmusik-Sponsoring
Die Möglichkeiten eines
Künstlers, sich sponsern zu lassen, sind vielfältig. Bevor jedoch die
wichtigsten Maßnahmen, die bevorzugt von Unternehmen durchgeführt werden, im
folgenden dargestellt werden, sollen zuerst grundsätzliche Umsetzungen von
Sponsoringmaßnahmen in die Marketingpolitik, genauer in die
Kommunikations-politik eines Unternehmens aufgezeigt werden, um insbesondere zu
verdeutlichen, was mit dem Namen des Künstlers im Rahmen eines
Sponsoringvertrages geschieht.
4.2.1. Umsetzung im Kommunikationsmix eines Unternehmens
Die
Kommunikationspolitik eines Unternehmens setzt sich aus drei Säulen zusammen:
der Werbung, der Verkaufsförderung und der Public Relations oder auch
Öffentlichkeitsarbeit.[84] Die
sorgfältige Mischung und Vernetzung dieser drei Säulen als Instrumente der
Kommunikation eines Unternehmens wird als Kommunikationsmix bezeichnet.[85] Der Name
bzw. die Musik eines Künstlers werden also im Rahmen des abgeschlossenen
Vertrages je nach Strategie des Unternehmens in diese drei Säulen integriert.
4.2.1.1. Werbung
»Werbung wird ganz allgemein überall dort eingesetzt,
wo es gilt, Kommunikationsprobleme zu lösen. Sie ist eine absichtliche und
zwangfreie Form der Beeinflussung, die beim Menschen ein bestimmtes Handeln
auslöst«[86]
(veranlassen soll[87]).
Eine wichtige Rolle bei der Auslösung eines Identifikationsprozesses in der
Zielgruppe des Unternehmens kommt der Leitbildwirkung des Künstlers zu.
Leitbilder sind zunächst die subjektiven Vorstellungen, die sich Menschen von
bestimmten Personen machen. Ein Leitbild in der Werbung hat die Aufgabe, auf ein
bestimmtes Produkt oder das dahinter stehende Unternehmen hinzuweisen und
Verhaltensweisen der Zielgruppe in eine bestimmte Richtung zu lenken.[88] Häufig
wird daher mit dem Künstler in Anzeigen in Fach- oder Musikzeitschriften, in
Fernsehspots oder Rundfunkjingles geworben, um den Aufmerksamkeitswert einer
Marketingkampagne zu erhöhen. Dabei können die Künstler die Werbung mit Zitaten
unterstützen, die die Qualität des jeweiligen Produktes unterstreichen.
4.2.1.2. Verkaufsförderung
Unter dem Begriff der Verkaufsförderung
versteht man verschiedene Absatzförderungsinstrumente, die als kurzfristige
Anreize zum Kauf oder Verkauf eines Produktes oder einer Dienstleistung
ermuntern sollen. Die eigenen Mitarbeiter, der Handel und die unternehmensfernen
Endkonsumenten sind dabei die Adressaten, die durch diese Instrumente erreicht
werden sollen.[89]
Dabei unterscheidet man grundsätzlich drei Formen von
Verkaufsförderungsmaßnahmen, die beim Musik-Sponsoring durchgeführt werden
können und sich zum Thema einer gesponserten Veranstaltung oder um einen Musiker
bzw. um eine Band herum gestalten lassen:[90]
4.2.1.3. Public Relations
Die Public Relations oder betriebliche
Öffentlichkeitsarbeit wird immer dort eingesetzt, wo sich Botschaften nicht über
die klassischen Werbewege vermarkten lassen. In der Regel werden darüber keine
Produkte, sondern Ziele, Leistungen und Eigenschaften des Unternehmens
dargestellt, damit die Öffentlichkeit gegenüber dem Unternehmen eine
Vertrauensbasis aufbaut.[92]
Durch systematische Pressearbeit in Form von Pressekonferenzen,
Pressemitteilungen oder Preisverleihungen wird versucht, die erwünschte Wirkung
zu erzielen. Auf der unternehmensinternen Ebene werden die Mitarbeiter durch
Haus- oder Mitarbeiterzeitschriften auf das Sponsoring-Engagement und die
dadurch zu überbringenden gewünschten Botschaften und Wirkungen aufmerksam
gemacht.[93]
4.2.2. Gängige Einzelmaßnahmen des Pop- und Rockmusik-Sponsoring
Nach
diesen grundsätzlichen Ausführungen sollen nun mögliche, in der Praxis häufig
anzutreffende Einzelmaßnahmen folgen.[94]
4.2.2.1. Werbung auf Ausrüstungsgegenständen
Diese Maßnahme bezieht sich
auf das Anbringen von Logos oder Namenszügen des Sponsors auf den Instrumenten
oder Übertragungsanlagen der Musiker. Meist stellen die Hersteller dieser Geräte
den Künstlern ihre Produkte kostenlos oder zum Selbstkostenpreis zur Verfügung
und machen dadurch bei Konzerten, Presseterminen, in Printwerbungen,
insbesondere in Fachzeitschriften, auf den Veröffentlichungen der Künstler und
bei Fernsehauftritten auf dieselben aufmerksam. Der einzelne Künstler
verpflichtet sich dabei i. d. R., ausschließlich die Instrumente des Sponsors zu
benutzen[95], bei o.
g. Werbemaßnahmen durch Fotos oder Unterschriften und ähnliches mitzuwirken
sowie Logos und Schriftzüge der Produkte frei und offen sichtbar anzubringen
bzw. zu belassen und nicht durch eigene, wie z. B. Bandlogos o. ä., zu
überdecken. Diese Möglichkeit ein Sponsorship zu erhalten, kann auch von
unbekannteren Künstlern wahrgenommen werden, da häufig insbesondere junge
japanische Unternehmen diesen Weg nutzen, um sich im Konkurrenzkampf mit
alteingesessenen Anbietern zu profilieren.
4.2.2.2. Promotion im Umfeld von Veranstaltungen
4.2.2.3. Titel-Sponsoring von Veranstaltungen
Eine finanziell sehr
aufwendige, aber auch sehr effektive Variante stellt das Titel-Sponsoring dar.
Dabei wird der Unternehmens- oder Markenname in den Titel der Musikveranstaltung
integriert. Insbesondere wird diese Form bei Tourneen von Bands praktiziert, die
eine wirklich große Anzahl an Publikum ansprechen. Beispiele wären hier z. B.
die »Presenter«-Sponsorings von VW (presents »The Rolling Stones Voodoo Lounge
Tour 1995« oder »The Pink Floyd Europe Tour 1994«) oder Pepsi Cola (presents
»The Michael Jackson World Tour«).
4.2.2.4. Sponsoring von Musikproduktionen
Hierbei werden
Musikproduktionen, wie Ton- und Filmaufnahmen oder Videoproduktionen einzelner
Künstler oder Bands finanziell unterstützt. Diese Variante richtet sich häufig
auch an Nachwuchskünstler und stellt somit, wie das Sponsoring mit
Ausrüstungsgegenständen, eine gute Möglichkeit auch für unbekanntere Musiker
dar. Der Zigarettenhersteller der Marke Marlboro besitzt sogar ein eigenes
Plattenlabel und veröffentlicht darunter Musikproduktionen von Künstlern, die u.
a. aus den von ihm finanzierten Nachwuchswettbewerben kommen. Ein weiteres
Beispiel ist der Kaufhauskonzern C&A, der für zwölf Bands im Jahr
Musikvideos finanziert, die dann werblich genutzt, aber auch beim Musikkanal
VIVA mehrfach ausgestrahlt werden.
Aber auch bekannte Künstler machen sich diese Form zunutze. So ließ Phil
Collins seine Tour 94 von TDK präsentieren, die einen Konzertmitschnitt machten
und diesen »natürlich« auf TDK-Videocassetten verkauften. Der Reinerlös ging
übrigens an Obdachlose.
4.2.2.5. Ausschreibung von Musikwettbewerben
Derartige Wettbewerbe
werden von Unternehmen, meistens aus der Unterhaltungselektronik, wie Yamaha
und BASF, oder dem Bereich der Verbrauchskonsumgüter, wie Zigaretten oder
Alkohol (z. B. Marlboro), in Alleinregie ausgerichtet. Angesprochen sind in der
Regel Nachwuchsmusiker oder professionelle Künstler, die noch keine
Massenerfolge vorzuweisen haben. Beispielsweise veranstaltete der Chemiekonzern
und Cassettenhersteller BASF aus Köln einen Nachwuchs-DJ Wettbewerb in den
Kategorien Hip Hop, House und Techno. Musikjournalisten, Produzenten und
Besucher der in großen Clubs deutscher Metropolen unter dem Titel
»BASF-DJ-Contest« veranstalteten »BASF-DJ-Parties« bewerteten die Leistungen des
Nachwuchses. Die Gewinner traten eine einwöchige Tour durch die Dance-Tempel der
Welt an und machten eigene CD-Aufnahmen.[96] Ein
weiteres Beispiel sind die Talentveranstaltungen des Elektronik- und
Instrumentenherstellers Yamaha, der sich an Bands aus den traditionellen
Bereichen der populären Musik richtet. Hier erhalten die Gewinner ebenfalls
CD-Produktionen sowie Instrumente und treten in einem Konzert in Tokyo vor einem
großen Publikum auf.
4.2.2.6. Ausrichtung von Musikveranstaltungen
Weiterhin werden auch
ganze Konzerte, Tourneen oder Festivals von Unternehmen als Veranstalter oder
Organisator finanziert. So veranstalten z. B. der Radiosender SDR 3 und der
TV-Kanal Südwest 3 aus Stuttgart regelmäßig eigene Konzerte und Festivals (z. B.
die Veranstaltung »Heroes Of Rock« im Dezember 1994 in der Stuttgarter
Schleyerhalle). Diese Events werden massiv von den Sendern promotet, um im
Gegenzug durch Promotion-Aktionen auf der Veranstaltung und durch Übertragungen
im Radio und Fernsehen die eigenen Reichweiten zu erhöhen.
4.3. Motive und Ziele beim Sponsoring
Die Motive und Ziele, die zu einem
Sponsorship führen können, sind vielfältig. Divergierende Interessen der beiden
Parteien müssen beachtet und auf der Ebene eines Kompromisses gelöst werden. Um
als Künstler zu einem Sponsoringvertrag zu kommen, müssen die Zieldefinitionen
und Erwartungen insbesondere der Unternehmen an ein Sponsorship klar
verdeutlicht und verstanden werden, denn eines darf bei allen derartigen
Aktivitäten nicht vergessen werden: Ein harmonisches Zusammenspiel zwischen
Sponsor und Musikern ist unabdingbar, um die Glaubwürdigkeit und Akzeptanz des
gemeinsamen Auftrittes zu gewährleisten.
4.3.1. Motive und Ziele der Sponsoren
Unternehmen wollen mittels
Musik-Sponsoring vor allem eine Festigung der innen- und außengerichteten
Kommunikation erreichen. Dabei ist die Pflege der Beziehungen zu den
Mitarbeitern ebenso wichtig, wie die Erhaltung der Kontakte zu Marktpartnern
oder die Erhöhung des Bekanntheits- und Imagegrades bei Absatzmittlern und
Konsumenten. Somit lassen sich folgende Motive formulieren:
4.3.1.1. Bekanntheitsgrad
Da durch Konzerte und insbesondere die
Einschaltung der Medien eine hohe Kontakthäufigkeit mit potentiellen Konsumenten
gewährleistet ist, dient die Nutzung des Aufmerksamkeitswertes des Künstlers dem
Unternehmen, seine Produkte oder auch den eigenen Namen bekannt zu machen bzw.
einen Bekanntheitsgrad zu stabilisieren.
4.3.1.2. Schaffung von Goodwill
Durch ein Sponsorship im Bereich der
Kultur kann ein Unternehmen zur Förderung der Kultur und des kulturellen Lebens
beitragen. Durch dieses Engagement wollen und können Unternehmen demonstrieren,
daß sie bereit sind, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und damit
einen gesellschaftspolitischen Beitrag leisten.[102]
Dahinter steckt der Versuch, Vertrauen, Akzeptanz und eine positive Einstellung
— sogenannten Goodwill — in der Gesellschaft gegenüber dem Firmennamen und
dadurch auch für die vertriebenen bzw. hergestellten Produkte zu schaffen.
4.3.1.3. Imagebeeinflussung
Imagebeeinflussung kann zunächst allein
dadurch erreicht werden, daß der Sponsor als Musikförderer vom Publikum
wahrgenommen wird. Über den Künstler soll ein Imagetransfer stattfinden, das
bedeutet, daß Imagemerkmale der vom Künstler produzierten Musik oder seine
Imageeigenschaften auf das Unternehmensimage übertragen werden. Dabei wird zum
einen ein Imagetransfer der Musik im allgemeinen, wie Jugendlichkeit oder
Zeitgeist, erwartet, aber auch eine spezielle Akzeptanz der Marke beim
Konsumenten durch die geförderte Musikrichtung, wie Heavy Metal oder Techno.
4.3.1.4. Mitarbeitermotivation
Häufig versuchen Unternehmen auch neben
den marktbezogenen Kommunikationszielen, unternehmensinterne Zielgruppen
anzusprechen. Durch Einladungen zu Konzerten oder sogenannten »Meet &
Greet«-Veranstaltungen[103] ist es
den Mitarbeitern möglich, die Künstler direkt und hautnah zu erleben. Erreicht
wird dadurch eine größere Loyalität, verbunden mit der Verbesserung des
Betriebsklimas und eines »Wir-Gefühls« der Mitarbeiter.[104] Gerade
beim Titel-Sponsoring werden diese Ziele häufig verwirklicht. So hatte VW bei
der Rolling Stones Tour 1995 Zelte für durch Verlosung ausgewählte und gehobene
Mitarbeiter aufbauen lassen, in denen dann neben einem feudalen Catering auch
die Möglichkeit bestand, die Stones persönlich zu treffen und Fotos mit den
Stars zu machen.[105]
4.3.1.5. Hospitality-Aktivitäten und
Kontaktpflege
Hospitality-Aktivitäten richten sich an tatsächliche oder
potentielle Kooperationspartner, Absatzmittler, Mitarbeiter und Menschen in
Schlüsselpositionen aus Politik und Medien. Diese Kontaktpflege wird
systematisch ausgeübt, um die Geschäftsbeziehungen mit unternehmensrelevanten
Personen zu pflegen. Angeboten werden hier ähnliche Aktivitäten wie bei der
Mitarbeitermotivation. VW nutzte bei der Rolling Stones-Tour auch diese
Möglichkeit in den aufgebauten Zelten.
4.3.2. Motive und Ziele der Künstler
Selbstverständlich sind auch die
Motive und Ziele der Künstler vielfältig. Einerseits geht es i. d. R. wohl
sicherlich um Einnahmenerzielung, sei es zur Finanzierung aufwendiger
Tourneeprojekte oder Liveveranstaltungen für Benefizzwecke o. ä. bzw. um die
Ersparnis eigener Aufwendungen für Instrumenten- oder Anlagenkauf. Gerade im
Bereich großer Welttourneen wird heutzutage selbst Großverdienern der
Musikbranche finanziell das Letzte abverlangt. Hierzu bemerkte Robert »Kool«
Bell, Frontman der amerikanischen Band »Kool and The Gang«:
»When you reach a certain status, people expect more of you and it becomes
more expensive. You need a corporate sponsorship just to do the type of show you
want to do.«[106]
Andererseits ergibt sich durch die unterschiedlichen Sponsoringeinsätze von
Unternehmen auch häufig erstmalig die Möglichkeit, überhaupt oder vor einem
großen Publikum durch Auftritte oder Tonträgerproduktionen auf sich aufmerksam
zu machen. Ein weiteres Motiv kann das Ausschöpfen der doch nicht zu
unterschätzenden Synergieeffekte im Bereich der Kommunikation für die Musiker
darstellen. Die thematische Einbindung des Künstlers in die Werbung,
Öffentlichkeitsarbeit und Verkaufsförderung des Unternehmens kann neues Publikum
schaffen oder die Verkäufe der eigenen Tonträger forcieren, da dadurch natürlich
als Nebeneffekt eine zusätzliche Präsenz in den Medien verschafft wird.
Seitens der Künstler ist jedoch ganz besonders sorgfältig darauf zu achten,
daß die Wahl des Sponsors nicht allein von kommerziellen Erwägungen abhängig
gemacht wird. Gerade psychographische Merkmale, wie Image und Akzeptanz in der
und durch die Zielgruppe, wollen besonders sensibel behandelt werden.
Imageverluste und Unglaubwürdigkeit sowie, dadurch bedingt, sinkende Popularität
können Auswirkungen einer falschen Sponsorenwahl sein. Manche Musiker, wie z. B.
Udo Lindenberg, lehnen daher und aus Angst vor einer Überkommerzialisierung
Sponsorships kategorisch ab. Solche negativen Auswirkungen sind wohl nicht zu
befürchten, wenn sich das Sponsoring auf Instrumente oder Übertragungsanlagen
bezieht. Selbstverständlich werden auch Nachwuchswettbewerbe und ähnliche
Aktivitäten sowie die daraus gezogenen Früchte i. d. R. eher Positives bewirken.
Sollte es aber zu einer Dilatation des Sponsorings im Rahmen größerer Konzepte
kommen, sind die o. g. Probleme genau zu bedenken. Daher ist es für den
Gesponserten ebenso wichtig, eine Sponsoring-Aktivität genau zu planen,
Marketing Know-How aufzubauen und dieses in Akquisitionskonzepten umzusetzen.
4.4. Umsetzung in einem Sponsoringkonzept
Hat sich ein Künstler oder
eine Band entschlossen, einen Sponsor zu suchen, können interessante und
relevante Unternehmen direkt oder über einen Dienstleister gezielt angegangen
werden. Vorher sollten jedoch, insbesondere bei eigenem Engagement, einige Daten
über die eventuell in Frage kommenden Unternehmen gesammelt werden.
4.4.1. Systematische Auswahl eines Sponsorunternehmens
Grundsätzlich
sollte hierbei in vier Stufen vorgegangen werden:
4.4.2. Komponenten einer Sponsoring-Präsentation
Da man als Künstler in
einem Unternehmen als möglichem Partner einen betriebswirtschaftlich und somit
insbesondere auf Zahlen fixierten Gesprächspartner findet, ist es ganz besonders
wichtig, auf die Vorbereitung einer Präsentation viel Mühe und Sorgfalt zu
verwenden. Das gilt vor allem bei der Planung größerer Aktivitäten. Aber auch
bei kleinen »Endorsement-Deals«[107] ist
eine wahrheitsgemäße, detailgetreue und vorteilhafte Darstellung der eigenen
Persönlichkeit und der um die Musik entstandenen Peripherie nötig. Schließlich
haben Unternehmen in den seltensten Fällen Geld zu verschenken (dann wären sie
auch Mäzene). Dabei sollte auf die Zusammenstellung und Darstellung folgender
Komponenten besondere Mühe verwendet werden:
4.4.3. Rechtliche Gestaltungsfragen
Zur Rechtsnatur eines
Sponsoringvertrages etwas Verbindliches zu sagen ist wegen der bereits o. g.
vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten schwierig. Es bleibt allein die Tatsache,
daß er in Abgrenzung zur Spende oder zum Mäzenatentum, die beide ohne
verpflichtende Gegenleistung des Gesponserten eingegangen werden und in der
Regel wohl Schenkungen sind, einen gegenseitigen Vertrag mit wechselseitigen
Verpflichtungen darstellt.[108] Es
wird also der Austausch von Leistung und Gegenleistung vertraglich bestimmt,
wobei der Inhalt eines Sponsoringvertrages grundsätzlich[109] frei
bestimmbar ist und der Abschluß formlos, also auch mündlich, erfolgen kann,
sofern das Gesetz keine speziellen Formvorschriften vorsieht (wie z. B. eine
notarielle Beurkundung bei der Übertragung von Grundstücken). Eine Schriftform,
in der die wechselseitigen Verpflichtungen eindeutig festgehalten sind, ist
jedoch natürlich immer anzuraten, da ansonsten derjenige, der sich auf einen
bestimmten Inhalt beruft, für diesen die Darlegungs- und ggf. Beweislast trägt.
Der Sponsoringvertrag ist im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) nicht als
typisierte[110]
Vertragsform vorhanden. Das bedeutet, daß im Fall von Leistungsstörungen, i. d.
R. also im Streitfall, die wesentlichen Vertragselemente geprüft werden müssen,
um die anzuwendenden Rechtsfolgen bestimmen zu können. Das ist insbesondere z.
B. bei Fragen der Sachmängelhaftung von Bedeutung, da die unterschiedlichen
Vertragsformen unterschiedliche Handhabungen vorsehen. Daher sollen im folgenden
überblicksartig die Elemente typisierter Rechtsverhältnisse genannt und
beispielhaft erläutert werden, die im Rahmen von Musik-Sponsorships denkbar
sind.
4.4.3.1. Kauf- und Tauschelemente
Die wesentlichen Elemente eines
Kaufvertrages bestehen auf seiten des Verkäufers in der Verpflichtung zur
Übergabe des Kaufgegenstandes und der Verschaffung des Eigentums.[111] Der
Käufer verpflichtet sich zur Abnahme und Zahlung des Kaufpreises.[112] Der
Tauschvertrag unterscheidet sich davon insofern, daß er nicht auf die Leistung
eines individuellen Wertes gegen Bezahlung desselben, sondern auf Umsatz gegen
einen anderen individuellen Wert gerichtet ist.[113] Beide
Elemente können in Sponsoringverträgen vorkommen, wenn ein Sponsor einem Musiker
Sachleistungen, also z. B. Instrumente o. ä., gegen die Nutzung von
Persönlichkeitsrechten, wie beispielsweise dem Recht am eigenen Bild, für
Werbungszwecke gewährt (Tauschelement) oder aber innerhalb eines umfassenderen
Sponsorships isolierte Verpflichtungen begründet werden, die Kaufcharakter
haben.[114]
4.4.3.2. Miet- und Pachtelemente
Das Wesen des Mietvertrages besteht
darin, daß der Vermieter einer Sache verpflichtet wird, dem Mieter den Gebrauch
derselben für eine bestimmte Zeit (die Mietzeit) zu gestatten, während der
Mieter sich zur Zahlung des Mietzinses verpflichtet.[115] Bei
der Pacht tritt zu dem Recht auf bestimmungsgemäße Nutzung noch das Recht auf
die sogenannte Fruchtziehung[116]
hinzu.[117] Hier
wird zur Art und Weise des Leistungsaustauschs (wie beim Kaufvertrag) zudem noch
eine zeitliche Komponente relevant.[118] Es
geht also um eine dauerhaftere Verbindung. Mietvertragselemente tauchen
beispielsweise auf, wenn eine Band während einer Tour auf dem Bühnenhintergrund
während der Konzerte die Anbringung von Werbung des Sponsors vereinbart,
Pachtelemente sind denkbar, wenn zudem ein Stand des Sponsors aufgebaut wird,
an dem dieser seine Produkte verkauft.
4.4.3.3. Dienstvertragselemente
Durch einen Dienstvertrag wird
derjenige, der Dienste zusagt, zur Leistung der versprochenen Dienste, der
andere Teil zur Gewährung der vereinbarten Vergütung verpflichtet.[119]
Gegenstand des Dienstvertrages können Dienste jeder Art sein[120], das
heißt auch eine Werbeleistung. Betreffen also Regelungen in Sponsoringverträgen
nicht spezielle arbeitsrechtliche Faktoren, was im Bereich des Musik-Sponsorings
eher selten vorkommen dürfte[121], so
ist Dienstvertragsrecht fast ausnahmslos immer dann denkbar anzuwenden, wenn der
Künstler dem Sponsor bestimmte Dienste gegen Entgelt leistet.
4.4.3.4. Schenkungs- und Leiheelemente
Eine Schenkung liegt vor, wenn
jemand aus seinem Vermögen einen anderen bereichert und beide Teile sich darüber
einig sind, daß die Zuwendung unentgeltlich erfolgt.[122] Eine
Sonderform stellt die bereits o. g. Schenkung mit/unter einer Auflage dar. Diese
Möglichkeit käme bei mäzenatischen Sponsoren in Betracht. Beispielsweise bekommt
ein Musiker ein Instrument mit der Auflage geschenkt, es bei Konzerten zu
benutzen. Voraussetzung für diese typisierte Vertragsform ist aber, daß das mit
der Auflage verbundene Verhalten des Künstler keine Gegenleistung für die
Schenkung darstellt. Ebenso unentgeltlich hat der Verleiher bei der Leihe dem
Entleiher den Gebrauch der Sache zu gestatten.[123] Auch
diese typisierte Vertragsform kommt eigentlich nur bei Beteiligung mäzenatischer
Sponsoren in Betracht. Denkbar wäre hier eine Konstellation, in der ein
Unternehmen dem Künstler zum Beispiel im Rahmen eines Konzertes
Übertragungsanlagen kostenlos zur Verfügung stellt, ohne eine Gegenleistung
dafür zu verlangen. Der Sponsor könnte jedoch seine eigene Leistung selbst, z.
B. durch Erwähnung in firmeneigenen Publikationen öffentlichkeitswirksam
darstellen, um so ohne direkte Leistung des Künstlers aus dem Sponsorship zu
profitieren.
Weitere typisierte Vertragsformen, wie beispielsweise der Werkvertrag[124] oder
der Darlehensvertrag[125], sind
bei einiger Phantasie vorstellbar und können in Sponsoringverträgen vorkommen.
Die rechtlichen Gestaltungsmöglichkeiten sind dementsprechend vielfältig.
Verträge sollten daher unter genauer Prüfung der rechtlichen Konsequenzen
sorgfältig durchdacht und ausgearbeitet werden.
5. Praxisbeispiele innovativer Sponsoring-Projekte
Um zu verdeutlichen,
in welchen Bahnen sich Sponsorships im Bereich Pop & Rock bewegen können,
welch innovatives Potential darin stecken kann und mit welchem Aufwand
Unternehmen ihre Ziele verfolgen, sollen im folgenden zwei sehr unterschiedliche
Projekte näher vorgestellt werden.
5.1. Pink Floyd Europe Tour 94 — Presented by Volkswagen[126]
Die
britische Rockmusikgruppe Pink Floyd gehört seit ihrer Gründung 1966 zu den
wegweisenden Innovatoren der populären Musikgeschichte und hat als erste Band
liveelektronische Musik im Rock'n'Roll verwirklicht. Bereits 1967 erweckten sie
Aufsehen, in dem die Band zum ersten Mal in Europa »psychedelic music« mit
Lightshows präsentierte.[127]
Seitdem wurden live immer wieder spektakuläre Großprojekte wie beispielsweise
»The Wall« umgesetzt. VW hat sich seit der Gründung des Unternehmens im Jahre
1934 zum größten europäischen Automobilhersteller entwickelt und ist, weltweit
betrachtet, an vierter Stelle. Das Unternehmen betätigt sich bereits seit vielen
Jahren im Musik-Sponsoring auf regionaler Ebene, in dem es beispielsweise
standortbezogen Musikveranstaltungen in den verschiedensten Bereichen finanziert
und für kleinere Tourneen in der Region um Wolfsburg z. B. Fahrzeuge für den
Transport des Equipments zur Verfügung stellt. Als Titelsponsor für Groß-Events
trat der Konzern erstmalig 1992 mit der Popgruppe Genesis in Erscheinung und
konnte mit diesem Engagement großes Aufsehen und auch finanzielle Erfolge
verzeichnen. Wegen des Erfolgs dieser Kampagne setzte VW das Konzept mit der
Präsentation der Pink Floyd Europatournee 1994 fort.
5.1.1. Vorstellung des Konzeptes
Die spektakuläre Show der Band Pink
Floyd wurde von VW auf insgesamt 50 Vorstellungen in 14 europäischen Ländern
präsentiert. Dieses Sponsorship wurde inhaltlich und formal mit der Band sowie
zeitlich mit der Tour, der CD und mit den anderen Kommunikationsinstrumenten des
Konzerns abgestimmt. Zeitgleich mit der Veröffentlichung der CD »The Division
Bell« und der Bekanntgabe der dazugehörigen Tournee präsentierte VW seine Pink
Floyd Sondermodelle aus der Golfreihe in stückzahlenmäßig limitierter Auflage im
Frühjahr 94 am Markt. Dabei heben sich die drei Modelle Golf, Golf Cabrio und
Golf Variant durch markante Logos der Band auf der Motorhaube, den hinteren
Seitenpartien und am Fahrzeugheck vom Basismodell ab. Auch im Innenraum der
Fahrzeuge wurde das auf der CD und den Tourneeplakaten immer wieder verwendete
»Boatman«-Symbol in das Design, so z. B. auf den Radioanlagen, der
Armaturentafel und der schwarzen Innenausstattung, integriert. Die Band und ihre
Designer wirkten aktiv bei den Entwürfen und der Gestaltung dieser mit (für den
damaligen Zeitpunkt) ausgesuchter Sicherheits- und Umwelttechnik ausgestatteten
Sondermodelle mit.
Die Live-Show entwickelte Pink Floyd in Zusammenarbeit mit ausgesuchten
Designprofis (so z. B. mit Marc Brickman, der auch das Beleuchtungsdesign der
Olympischen Spiele von Barcelona entwarf), wobei der Schwerpunkt in der
visuellen Umsetzung der akustischen Kraft und Virtuosität der Band mit absoluter
technischer Perfektion lag. Aufwendige Licht- und Computeranlagen wurden
verwendet, um dieses Konzept umzusetzen. Laut VW lag gerade in dieser kreativen
Nutzung modernster technischer Mittel eine wichtige Imageparallele mit der Band.
Dieses Product Image Linked (bei Bezug auf die Fahrzeuge) bzw. Corporate Image
Linked (in bezug auf das Unternehmen) zwischen ideenreichem Industriedesign und
kreativen Musikkünstlern sollte dabei besonders deutlich werden und als
Ausgangsbasis für die Kommunikation zwischen Händlern und Käufern dienen, wobei
in diesem Zusammenhang intensiv auf den Aspekt der Internationalität der Musik
von Pink Floyd, die über Grenzen hinweg ein integratives Motivationselement und
ein konsumentenorientiertes Thema bildet, hingewiesen wurde. Die Band weist nach
einer Erhebung der Universität Siegen, die die Plattenfirma EMI in Auftrag gab,
allein in Deutschland einen Bekanntheitsgrad von 98% auf.
5.1.2. Maßnahmen des Sponsorships
Neben der Gestaltung und dem Vertrieb
der nach der Band benannten Sondermodelle hat VW nahezu die ganze Palette der
üblichen Sponsoringmöglichkeiten eingesetzt. Autohersteller und Band bildeten
während des gesamten Engagements eine eng kooperierende Allianz in der Print-,
Funk- und Fernsehwerbung, auf Sonderveranstaltungen und in einer
internationalen Verkaufsförderungskampagne. Händlerinformationen wurden
entsprechend gestaltet, um Mitarbeiter und Kunden in die Konzeptidee
einzubinden. Die Werbespots für die Sondermodelle unterlegte man mit Auszügen
der neuen CD, und auch die Plakate, Ankündigungen und Pressekonferenzen der Band
und des Automobilherstellers wurden immer wieder in diesem Kontext präsentiert.
So stellten beide Partner CD und Pkws in einer gemeinsamen Veranstaltung in Köln
im März 94 rund 1200 Medienvertretern sowie Prominenz aus Politik und
Showbusineß vor. Des weiteren traten 24 Band- und Crewmitglieder unter der
Leitung des Motorsportlers Hans-Joachim Stuck zu einer Probefahrt auf der
VW-Teststrecke in der Nähe von Wolfsburg an, bei der Fahrsicherheitsübungen,
Hindernis-, Slalomparcours usw. auf dem Programm standen. Neben weiteren
Sonderveranstaltungen erhielt der Besitzer des 250.000sten Volkswagens, der in
Sachsen vom Band lief, von der Geschäftsführung offiziell einen Golf »Pink
Floyd« mit dazugehörigem Schlüsselanhänger und zwei Eintrittskarten für das
Konzert in Prag überreicht. Auf allen Konzerten war das VW-Logo auf
Bandenwerbung, Plakaten und überdimensionalen Säulen in allen vier Ecken der
Stadien sowie auf einem VW-Zeppelin, der über der Arena flog, vorhanden und
weithin sichtbar. Weiterhin galt diese umfassende Promotionidee auch als Element
für internationale Mitarbeitermotivation und Identifizierung. Die gesammelte
Belegschaft des Stammwerks Wolfsburg wurde für die zwei Konzerte in Hannover auf
Firmenkosten eingeladen. Darüber hinaus schrieb der Produktionsvorstand für alle
Mitarbeiter in allen zehn europäischen Produktionsstätten einen Wettbewerb aus,
bei welchem dem Gewinner eines jeden Werkes, insgesamt 140 Personen, ein
Konzertbesuch mit Einladung in die VIP-Lounge winkte, die VW auf jedem Konzert
zur Bewirtung von Geschäftspartnern, verdienten Händlern, Medienvertretern und
geladenen Prominenten aufgebaut hatte.
5.1.3. Nachbetrachtung des Konzeptes
Erwartungsgemäß löste die
Kooperation zwischen Pink Floyd und VW einen erheblichen Rücklauf an
Berichterstattung der Medien aus. Neben der gekauften Werbefläche berichteten
viele Printmedien sowie Funk- und Fernsehsender über das Sponsorship bzw. die
Einzelteile desselben, wobei der andere Partner nur selten ungenannt blieb.
Musik- und Jugendzeitschriften, VIVA und MTV stellten entweder die CD, natürlich
regelmäßig verbunden mit dem Logo des Sponsors, vor oder gingen in speziellen
Stories und musikspezifischen Nachrichtensendungen auf das Sponsorship ein. I.
d. R. war die Reaktion dabei positiv, wobei insbesondere immer wieder die
Tatsache unterstrichen wurde, daß sich ohne diese Partnerschaft der Preis für
die Eintrittskarten ungefähr verdoppelt hätte. Natürlich gab es auch kritische
Stimmen, die vor allem an der Aufgabe der ehemaligen »Hippie«-Ideale von Pink
Floyd durch diese Kommerzialisierung Anstoß nahmen. Derartige Reaktionen hielten
sich jedoch in Grenzen. Im Endeffekt haben beide Partner sowohl in finanzieller
Hinsicht als auch in bezug auf die Popularität von dem Sponsorship profitiert.
Weltweit besuchten 5,5 Mio., in Europa rund 2,3 Mio. Menschen die restlos
ausverkauften Konzerte, womit diese Tournee zum damaligen Zeitpunkt als bisher
erfolgreichste Rocktournee in die Geschichte einging. Auch der CD-Absatz
profitierte von den massiven Werbeaktionen und der immensen Berichterstattung:
Mit rund 750.000 verkauften Einheiten bis Mitte Dezember 94 galt »The Division
Bell« damals als schnellstverkaufte Veröffentlichung aller Zeiten. Auch VW war
bereits zu Beginn des Sponsorships mit dem Absatz der Sondermodelle so
zufrieden, daß bereits ein Jahr später im Frühjahr 1995 nach Auslaufen der Golf
»Pink Floyd«-Serie ein neues Sponsorship mit den Rolling Stones vereinbart
wurde, daß sich über Europa hinaus auch auf Südamerika erstreckte.
5.2. JAM — Jeans and Music — Musikmarketing made by Mustang[128]
Ein
ganz anderes und viel weitergreifendes Konzept wird vom Kleidungshersteller
Mustang seit Ende 1993 verfolgt.
5.2.1. Vorstellung des Konzeptes
Grundgedanke der Marketingidee »Jeans
and Music« war der Versuch, langfristig auf eine bis dato noch nicht dagewesene
Art eine analoge Bedeutung von Jeansbekleidung und Pop- und Rockmusik zu
etablieren und dieser als Ausdruck des Lebensgefühls mehrerer Generationen
Rechnung zu tragen (Product image linked). Jenseits der mittlerweile schon
klassischen Verwendung dieser Musik in Werbespots wollte Mustang mit JAM fest in
der Welt des Pop & Rock, als Spiegel der Jugendkultur unserer Gesellschaft,
verwurzelt sein und die beiden Komponenten derart verbinden, daß sie in den
Dialog treten und sich gegenseitig fördern. Ziel war, einerseits durch das
Engagement als Kulturförderer einen wichtigen Gegenpol zum Sponsoring von
Großevents in der internationalen Musikbranche zu bilden und andererseits
natürlich vom so entstehenden Sympathieträger JAM werblich zu profitieren.
Inhaltlich ist für die Konzeption, die aus mehreren Bausteinen besteht und so
eine große Breite erreichen sollte, der Mainhattan Musik Verlag aus Obertshausen
verantwortlich, der im Rahmen seiner Beratertätigkeit für den Jeanshersteller
die einzelnen Bausteine entwickelte und die Durchführung koordinierte. Gut 10%
seines Umsatzes investiert das Unternehmen in seinen Werbeetat, wobei ein großer
Teil über das JAM-Konzept direkt in die Kulturförderung fließt. Dabei werden die
in den Bausteinen enthaltenen Möglichkeiten nicht ausschließlich Topstars
eröffnet, sondern vor allem auchbereits einigermaßen erfolgreichen
Nachwuchskünstlern, denen es bisher an Breitenwirksamkeit fehlte und die so im
Kielwasser der bekannten Künstler Erfahrungen und Publicity sammeln können.
5.2.2. Maßnahmen der einzelnen Konzeptbausteine
Bei der Entwicklung der
einzelne Bausteine wurde insbesondere darauf geachtet, eine sinnvolle,
umfassende Verzahnung der möglichen Promotionaktivitäten zu erreichen, um so für
beide Partner ein optimales Maß an Kommunikation und somit an
Wahrnehmungsmöglichkeiten durch den Konsumenten zu gewährleisten. Dabei werden
alle medialen Informationsträger den Eigenheiten entsprechend ausgenutzt, so daß
sich sechs Bausteine ergeben:
5.2.2.1. Das JAM-Magazin
Als erster Baustein steht das JAM-Magazin.
Entstanden aus einer klassischen Modebroschüre ist es heute eine Mischung aus
Zeitgeistpostille, Modeblatt und Musikmagazin. Gleichzeitig dient es als
Basismedium für alle Aktivitäten des Gesamtkonzeptes und natürlich als
Schaufenster für aktuelle Mustang-Kollektionen. Es erscheint vierteljährlich in
Deutsch und Englisch und wird kostenlos in einer Auflage von rund 350.000
Exemplaren im Jeans- und Tonträgerfachhandel verteilt. Die englischsprachige
Auflage beträgt rund 120.000 und wird nach Frankreich, Belgien, Holland,
Portugal, Polen und Ungarn geliefert. Für die Gestaltung erhielt das Magazin die
Silbermedaille des »Art Directors Club Deutschland« im Bereich der
Zeitschriftengestaltung.
5.2.2.2. Mustang-Roadshow & Großevents
Zweimal jährlich organisiert
Mustang Tourneen und führt diese »Roadshows« für 3-4 Wochen durch deutsche,
österreichische und Schweizer Clubs. Zuletzt fand diese Aktion im Herbst 1996
mit den Mustard Seeds und den englischen Newcomern Placebo statt. Weitere
Künstler waren Axxis, Pink Cream 69 und die Jule Neigel Band. Durchgeführt
werden die jeweiligen Tourneen in Zusammenarbeit mit kleinen, professionellen
Konzertagenturen, die Venues im Bereich der kleinen bis mittleren Hallen mit
Kapazitäten zwischen 800 und 2000 Besuchern buchen. Gefördert werden diese
Events und damit auch die Künstler durch Nutzung der hauseigenen Print- und
TV-Medien und durch die Möglichkeit, kostenfrei Mustang-Textilien (bei Gefallen)
als Bühnenoutfit zu tragen. Am Merchandisingstand der Band liegt zudem das
aktuelle JAM-Magazin aus. Zusätzlich zur Roadshow hat Mustang seit 1994 sein
Engagement auch auf Großevents ausgeweitet. Mit großem Erfolg sponserte das
Unternehmen in Zusammenarbeit mit der Konzertagentur Marek Lieberberg 1994 und
1995 das inzwischen traditionelle deutsche Riesenfestival »Rock am Ring« auf dem
Nürburgring und seinen Auslegern in anderen Städten. Durch abwechslungsreiche
Musikmischungen, wie Peter Gabriel und Race Against The Machine, paßt dieser
Event zur JAM-Philosophie, alles zu präsentieren, was interessant ist und sich
nicht auf bestimmte Sparten und Musikrichtungen festzulegen.
5.2.2.3. JAMtrax-Sampler
Im Oktober 93 veröffentlichte Mustang in
Zusammenarbeit mit der Tonträgerfirma BMG Ariola die JAM-Compilation JAMtrax
Vol. 1; 1994 erschien der Nachfolger Vol. 2. Als akustische Umsetzung des
JAM-Magazins beinhalten die CDs Single- und Albumtracks, Klassiker, aktuelle
Titel sowie Newcomer mit Hitpotential, die bereits im Magazin präsentiert wurden
und bieten so ein Repertoire in alle Richtungen.
5.2.2.4. JAM bei VIVA
Seit Juli 1994 präsentiert Mustang zudem in einer
neuartigen wöchentlichen Musiksendung mit dem Namen JAM auf dem Musiksender
VIVA-TV die vierte Komponente. Unter der Regie des Wiener Produzententeams DoRo
berichtet die Sendereihe über Topstars und Newcomer, Musikmetropolen und -szenen
sowie über junge Menschen. Von anfangs zwei Werbeinseln konnte bereits im
September 94 wegen des großen Interesses anderer Unternehmen auf drei
Schaltungen aufgestockt werden, was die hohe Reichweite der Musiksendung belegt.
Ausgestrahlt wird die Sendung am Sonntag um 17.00 Uhr, mit Wiederholungen um
23.00 Uhr und Mittwoch um 22.00 Uhr.
5.2.2.5. JAM-Store in Köln
Ende September 1994 eröffnete in Köln als
Pilotprojekt der erste JAM-Store, mit dem Mustang das Konzept auf neuartigem Weg
im Einzelhandel vertreten wollte. Der JAM-Store ist eine Mischung aus
Bekleidungs- und Tonträgergeschäft und Theaterkasse. Neben der Mustang und
W<-Kollektion sind dort auch CDs sowie Konzertkarten erhältlich, und es
finden öfter Unplugged-Konzerte mit Künstlern auf Promotiontour statt. Außerdem
bietet das Geschäft Platz für ein Bistro mit Snacks und Drinks, das vom Manager
der Kölner Rockgruppe BAP geführt wird. Weitere Kooperationen bestehen mit Radio
Köln, dessen Club dort eine Niederlassung hat und mit der renommierten
Spielstätte E-Werk, wo regelmäßig das JAM-Konzert des Monats veranstaltet wird.
Inzwischen hat sich das Geschäft auch zum »Cyber-Café« entwickelt, in dem man
abends nach der Arbeit im Internet surfen kann. Allerdings ist dieser Laden kein
in Amerika übliches Shop-In-Shop System, sondern vielmehr eine eigene Erlebnis-
und Konsumwelt mit lokaler Ausrichtung. Inzwischen wird dieses Konzept mit
anderen Kooperationspartnern auch in anderen Städten verfolgt.
5.2.2.6. JAM-Radioshows
Seit dem Frühjahr 1995 gibt es die Radioshow
JAM, die damals über ein Netz von insgesamt 15 und heute noch von 9
reichweitenstarken öffentlich-rechtlichen und privaten Radiosendern wie z. B.
der Energy-(NRJ)-Kette, Radio Regenbogen, Antenne Bayern und diversen
NRW-Lokalradios zu guten Sendezeiten bundesweit gesendet wird. Auch hier bleibt
die Mischung diverser Musikrichtungen und das Einbetten von Newcomern verbunden
mit Gewinnspielen als Erlebnisradio erhalten.
5.2.2.7. JAM im Internet
Seit einiger Zeit wird das Konzept auch auf das
Internet ausgeweitet und ist dort u. a. auf dem Server der »On Air Syndication«
vertreten. Zum ersten Mal in der Mediengeschichte werden Radio, TV, Print, Live
Events, CD, CD Rom und Internet verbunden, um völlig neuartige Möglichkeiten von
Crosspromotions zu schaffen.
5.2.3. Nachbetrachtung des Konzeptes
Zusammenfassend läßt sich
festhalten, daß alle der entwickelten Bausteine sowohl in der Verzahnung als
auch einzeln mehr oder minder erfolgreich waren. Insbesondere die
Mustang-Roadshows werden vom Publikum sehr gut angenommen und finden 1997 im
vierten Jahr statt. Gerade in einer Zeit, in der es für immer mehr Bands
zusehends schwieriger wird, aus eigener Kraft und vor allem aus eigener Kasse zu
touren, ist dieser Bereich ein wichtiges Feld für Basisarbeit. Insbesondere
partizipieren auch kleinere Konzertveranstalter und -agenturen an diesem
Konzept. Aber auch auf finanzieller Seite und imagebezogen konnten die
beteiligten Künstler und Mustang von den Sponsoringaktivitäten profitieren.
Gerade die Einnahmen aus auf Konzerten verkaufter Tonträger und anderer
Merchandisingartikel fließen in die Kassen der Bands und bringen eine nicht zu
unterschätzende Publizitätssteigerung. Der erste JAM-Store wurde bewußt in Köln
eröffnet, da das Unternehmen dort traditionell die geringsten Verkaufsumsätze in
Deutschland hatte. Seit der Eröffnung stiegen die Absatzzahlen in Köln enorm und
der Shop wird inzwischen von der Kölner Szene als Happening Place nicht nur zum
Einkaufen benutzt. Einzig die Zusammensetzung der ersten CD stieß nicht so recht
auf den Geschmack der Konsumenten. Das Problem ist wohl in erster Linie darin zu
sehen, daß die Zielgruppen der einzelnen Tracks i. d. R. wohl keine Kopplungen,
sondern vielmehr Longplay-Veröffentlichungen der Künstler kaufen. Im Vergleich
zu etablierten Serien, wie beispielsweise den Bravo-Hits, die spartenspezifisch
und zielgruppenhomogen die Musik zusammenstellen, waren die Verkaufszahlen trotz
qualitativ hochwertiger Musik und Produktionsmethoden verhältnismäßig niedrig.
6. Bewertung des Sponsoring im Bereich Pop und Rock
Wie gezeigt, läßt
sich theoretisch sehr detailliert aufzeichnen, warum Sponsorships im Bereich
Pop- und Rockmusik zustande kommen, weshalb die Beteiligten ein Interesse daran
haben können, wie derartige Verbindungen gestaltet werden können und sollten und
vor allem wieso es ein Bedürfnis danach gibt. Weiterhin verdeutlichen die o. g.
Beispiele, wie vielfältig und kreativ Sponsorships eingegangen werden können.
Unternehmen benutzen in zunehmendem Maße Sponsoring im Kulturbereich und
insbesondere auch im Bereich der populären Musik als Kommunikationsmittel, um
die von ihnen bezweckten Botschaften dem Konsumenten und anderen für sie
wichtigen Personen, Organisationen und Institutionen zu übermitteln. Dabei
werden für diese Engagements von einigen Unternehmen inzwischen relativ hohe
Budgets zur Verfügung gestellt. Andererseits läßt sich ebenso der Nutzen für die
als Partner beteiligten Kulturschaffenden, Musiker und Kleinunternehmer aus der
Peripherie um diese sollen hier unter diesem Begriff zusammengefaßt werden, bei
bereits durchgeführten oder bestehenden Sponsorships nachweisen.
6.1. Bewertung der Voraussetzungen für ein Sponsorship
Betrachtet man
die Zielfunktionen, die ein Unternehmen zur Vergabe entsprechender finanzieller
Mittel bewegen, so läßt sich in erster Linie festhalten, daß bestimmte Erfolge
der Kulturschaffenden bereits vorliegen müssen, um als Partner interessant zu
werden. Die beabsichtigten Kommunikationsinhalte können nur dann übertragen
werden, wenn die dem Budget angemessene Wahrnehmung durch die Zielgruppe
gewährleistet ist. Dabei gilt diese Aussage wohl auch für die Künstler in der o.
g. untersten Leistungsebene. Selbst die reine Demonstration gesellschaftlicher
Verantwortung ist zielbestimmt, sei es aus Imagegründen oder zur Schaffung von
Goodwill und wird nur dann zur Ausschüttung von Beträgen führen, wenn die
Kosten-Nutzen-Relation stimmt. Dem widersprechende Engagements müssen dann wohl
zum Mäzenatentum bzw. bei Vorliegen z. B. steuerlicher Gründe zum Spendenwesen
gezählt werden. Wo realiter die Meßlatte einzelner Unternehmen liegt, kann wohl
tatsächlich nur durch Ausloten der Bereitschaft der Entscheidungsträger
ermittelt werden. Es ergibt sich dementsprechend folgendes modifiziertes, auf
vier Ebenen erweitertes Modell[129]:
6.2. Bewertung der Maßnahmen
Wie an den Voraussetzungen, die zu einem
Sponsorship führen, gezeigt, ist und bleibt Musik-Sponsoring im Bereich Pop und
Rock eine Maßnahme zwischen zwei wirtschaftlich erfolgreichen Partnern. Das
breite Feld derer, die eventuell ein vielversprechendes kreatives Potential und
die entsprechenden qualitativen Eigenschaften besitzen, um ggf.
Kulturrepräsentanten — einerlei ob lokal oder national — zu werden, aber mangels
finanzieller Möglichkeiten die notwendige Peripherie noch nicht aufbauen
konnten, bleibt von Sponsoring-Maßnahmen weiterhin unberührt. Der tägliche Kampf
um die Übungsraum- oder Gewerbemiete, das Geld für die für hochwertige Aufnahmen
notwendige Ausrüstung und auch nur um die Mittel für anspruchsvolle Werbe- und
Presseunterlagen bleibt den einzelnen Kulturschaffenden erhalten und wird auch
durch Sponsoring nicht gemildert. Alle benannten, in der Praxis durchgeführten
Maßnahmen und Engagements sind für die beteiligten Künstler sowie deren Umfeld
mit Sicherheit eine wichtige Hilfe, den ohnehin schweren Schritt in die
finanzielle Unabhängigkeit im Musikbusineß zu sichern, können aber nicht darüber
hinwegtäuschen, daß die bereits obenbenannte wichtige Basisarbeit dadurch nicht
geleistet wird. Die Lücke, die durch Kulturförderung staatlicherseits zu
schließen wäre, bleibt erhalten, obwohl, wie schon angedacht, auch hier die
Möglichkeit adäquater Mittelverwendung durch Sponsoren gegeben zu sein scheint.
Denn auch im Bereich des Sponsoring werden die Gelder ganz überwiegend
konsumiert. Statt konsumptiver Verwendung könnten investive Sponsormaßnahmen
einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung und Stabilisierung einer lokalen
Infrastruktur leisten und dennoch langfristig auch für die Unternehmen
erfolgversprechend im Sinne der o. g. Ziele sein. Andererseits bleibt allerdings
verständlich, warum sich Unternehmen scheuen, in völlig unbekannte Künstler oder
deren Peripherie und damit auch in die kulturelle Infrastruktur zu investieren.
In einer Zeit andauernder Konjunkturschwäche und zunehmender Arbeitslosigkeit
hätten wohl auch sehr kulturinteressierte und engagierte Entscheidungsträger in
Unternehmen Probleme, Ausgaben in diesem Bereich, die nur sehr unbestimmt
sichere, langfristige Ergebnisverbesserungen versprechen, gegenüber der
Unternehmensspitze, vor allem aber auch gegenüber den vielleicht sogar
gefährdeten Arbeitnehmern zu rechtfertigen.
7. Fazit
Es bleibt grundsätzlich für jeden Kulturschaffenden
wünschenswert, einen finanziell starken Partner im Rahmen eines Sponsorships zu
gewinnen. Derartige Verträge liefern nicht nur die gewünschten finanziellen
Mittel, sondern können zudem auch einen erheblichen Beitrag zum Bekanntheitsgrad
durch verstärkte Publicity leisten. Allerdings ist dennoch festzuhalten, daß
sorgfältige und systematische Planung benötigt wird, um einerseits überhaupt ein
Sponsorship zu erhalten und andererseits nach Abschluß einer derartigen
Partnerschaft keine unliebsamen Überraschungen, insbesondere auch auf der
juristischen Ebene zu erleben. Unternehmen werden in der Zukunft sowohl wegen
der positiven Beispiele als auch der überdurchschnittlich guten
Kommunikationsmöglichkeiten, die Musik-Sponsoring im Bereich Pop- und Rock
bieten kann, wohl weiterhin ein verstärktes Interesse an Verträgen mit
erfolgreichen Künstlern haben. Bei all diesen Maßnahmen jedoch von einer
Förderung für die nationale oder lokale Kulturarbeit zu sprechen, ist vermessen,
da alle für Unternehmen interessanten Engagements, seien sie noch so breit
angelegt, im Endeffekt auf Einzelmaßnahmen beschränkt bleiben und nur denen
helfen, die sich in einem gewissen Grad bereits selber geholfen haben. Der Staat
mit seiner Aufgabe als Förderer unserer Kultur kann durch Musik-Sponsoring im
Bereich Pop und Rock demnach nicht aus seiner Verantwortung entlassen, sondern
durch gut abgestimmte Maßnahmen höchstens entlastet werden. Es bleibt folglich
genug Platz für innovative und visionäre Konzepte; und vor allem auch
Kulturschaffende als Adressaten der Leistungen sollten nicht müde werden, solche
zu denken und immer wieder der Wirtschaft oder den Kulturpolitikern anzutragen.
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