Leitfrage und Fazit
Lage
Historische Entwicklung
Wohnumfeld Charakteristik
Perspektiven
Kartierung
Statistische Daten
Photos

Marienfelde / Lankwitz

Tempelhof / Steglitz

Das Wohnumfeld bezeichnet den Kernbereich des gesamten Aktionsraumes des Wohnenden und besteht aus privaten, halböffentlichen und öffentlichen Räumen. In unserem konkreten Projekt definieren wir das Wohnumfeld als Radius von 1000 Metern oder 10 Gehminuten um die Wohnung. Neben der Bebauungs-, sowie der Alters- und Sozialstruktur wird das Wohnumfeld durch die infrastrukturelle Ausstattung - also den Möglichkeiten zur Versorgung mit Dienstleistungen und Gütern, Freizeitangeboten, sowie der Verkehrsanbindung - charakterisiert. Wie sich diese im Untersuchungsgebiet darstellen, wird im Folgenden erläutert.
Die in den 1920/30er Jahren gebaute Kleinsiedlung ist durch Doppel-, Reihen-, sowie Ein- und Mehrfamilienhäuser geprägt, die überwiegend ein- bis zweigeschossig sind, aber auch drei Geschosse aufweisen. Die Häuser befinden sich vorwiegend in Privateigentum, Mietobjekte stellen nur einen relativ geringen Anteil dar. Die Wohnflächen und Grundstücke der Häuser variieren verhältnismäßig stark in ihrer Größe, was auch Ausdruck der unterschiedlichen Bauphasen und damit verbundener Intentionen ist. So zeichnen sich z.B. die Doppelhäuser in der Friedrichrodaer Strasse und die Reihenhäuser in der nördlichen „Mariengartensiedlung“ durch eine relativ kleine Wohnfläche und kleine Gärten aus, wohingegen vor allem die Ein- und Mehrfamilienhäuser zwischen Hranitzky-, Kiepert und Friedrichrodaer Strasse weitaus größere Wohn- und Grundstücksflächen aufweisen.
Aufgrund der Bebauungsstruktur hat das Gebiet nur eine Einwohnerzahl von 1423 Personen und ist damit das bevölkerungsärmste der 10 untersuchten Gebiete. Die Einwohnerdichte von ca. 71 Einwohnern pro Hektar ist verglichen mit den anderen Gebieten ebenfalls gering, liegt aber aufgrund der hier vorhandenen Reihenhäuser über dem Wert des zweiten Kleinsiedelgebietes in Berlin - Marzahn. Wie aus den Bevölkerungsdaten der unter "Statistische Daten" befindlichen Tabelle zu entnehmen ist, leben relativ wenige Personen im Alter zwischen 15 und 27 Jahren in dem Gebiet. Mit insgesamt knapp 40% der Bewohner stellen die beiden Altersgruppen der über 55jährigen dagegen einen sehr großen Anteil dar, so dass man von einer leichten Tendenz zur Überalterung in dem Gebiet sprechen kann.
Bezüglich der Nutzungsstrukturen dominiert eindeutig die Wohnnutzung. Die im Rahmen der Kartierung untersuchten Versorgungseinrichtungen des alltäglichen und periodischen Bedarfs, sowie die der Freizeit dienenden Einrichtungen sind kaum innerhalb des Gebietes zu finden. Lediglich ein Friseur, ein Hausarzt, ein Briefkasten, ein Bolz- und Spielplatz und eine Bushaltestelle konnten festgehalten werden. Die Grundversorgung wie z.B. der Einkauf von Lebensmitteln ist somit im Gebiet selbst nicht möglich. Allerdings befindet sich ein Großteil der Einrichtungen in unmittelbarer Umgebung des Gebietes. So konzentrieren sich Einkaufsmöglichkeiten entlang der Marienfelder Allee sowie der Malteser Straße, die zu Fuß zu erreichen sind und auf denen Buslinien verkehren. Auch eine Schule, mehrere Kitas und eine Bibliothek befinden sich in der Nähe. Zu den Einrichtungen, die selbst im erweiterten Umfeld nicht zu finden sind, gehören ein Schwimmbad, ein Kino, ein Fitnesscenter und ein Tierarzt.
Möglichkeiten der öffentlichen Erholung sind nur durch die westlich des Gebietes liegende kleine Grünanlage gegeben. Auch Spielplätze sind nur außerhalb des Gebietes zu finden, sind aber ohnehin nicht stark frequentiert. Der Bedarf ist offensichtlich nicht sehr groß, was vermutlich aus der Tatsache resultiert, dass die Häuser alle über eigene Grundstücke verfügen.
Ein Gespräch mit dem Pfarrer der St. Alfons-Gemeinde, Herrn Brandenburg, hat ergeben, dass auch noch heute gläubige Katholiken in dem Gebiet wohnen, die teilweise in der Zeit der Entstehung des Gebietes eingezogen, oder die Kinder und Kindeskinder der damaligen Bewohner sind. Der Anteil derjenigen, die an den Gottesdiensten teilnehmen liegt nach Angaben des Pfarrers über dem Durchschnitt in Berlin. Die Kirche bietet eine Vielzahl von Veranstaltungen an, die vor allem von älteren Menschen sowie Familien mit Kindern in Anspruch genommen werden. Freiwillige übernehmen stundenweise die Aufsicht über Kinder, die nach Schule oder Kindergarten nicht nach Hause gehen können. Veranstaltungen wie z.B. Kinderfasching, Babybasar und Familienkreis St. Alfons führen dazu, dass die Gemeindemitglieder ihre Freizeit mit anderen Gläubigen gestalten. Weitere interessante und gern besuchte Angebote der Kirche, sind die Tanzgruppe, der Club 60, die Frauengymnastik, der Kinderchor, der Caritashelferkreis und viele mehr. Das Angebot für Kinder bis ca. 11/12 Jahren und deren Familien sowie für ältere Menschen ist breit gefächert. Leider fehlt es an Freiwilligen, die Veranstaltungen für Jugendliche und junge Leute anbieten, teilweise liegt es auch daran, dass es nicht viele junge Menschen gibt, die wirklich Interesse an einem solchen Angebot hätten.
Nach Meinung Pfarrer Brandenburgs ist die soziale Durchmischung in seiner Gemeinde relativ ausgeglichen. Die Bewohner kritisierten hinsichtlich der infrastrukturellen Ausstattung des Gebietes insbesondere das gastronomische und kulturelle Angebot sowie - trotz des geringen Anteils der 15-27jährigen - das Freizeitangebot für Jugendliche, was auch das Gespräch mit dem Gemeindepfarrer der St. Alfons Kirche bestätigte. Vor allem Cafés, Restaurants, ein Kino und Jugendeinrichtungen werden von vielen Bewohnern vermisst. Aufgrund der allgemein guten Verkehrsanbindung (S-Bahn Marienfelde und diverse Buslinien) ist es für die dort ansässige Bevölkerung, vor allem für junge Leute, die ohnehin sehr mobil sind, jedoch kein Problem weitere Strecken zu fahren, und die gewünschten Freizeitangebote andernorts in Anspruch zu nehmen. Insgesamt sind die meisten Bewohner des Untersuchungsgebietes sehr zufrieden mit ihrem Wohnumfeld, vor allem aber wegen den Möglichkeiten – die auch durch das Angebot der Kirche eröffnet werden – gute Nachbarschafts- und Freundschaftsbeziehungen aufrecht erhalten und pflegen zu können. Weiterhin werden die ruhige Lage, der hohe Grünanteil im Gebiet sowie die guten Verkehrsanbindungen von den Bewohnern geschätzt und nur für wenige stellt sich die Frage eines Umzugs. Durch die Gespräche mit dem Gemeindepfarrer und den Bewohnern hat sich herausgestellt, dass die Bindung an das Gebiet sehr hoch ist.

 

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