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Verdatung des Organischen
AG Norm
Mitglieder:
StipendiatInnen des Kollegs: Daniela Döring, Anke Langner, Katharina Weikl
Assoziierte Mitglieder des Kollegs: Wibke Straube
Zeitraum: April 2005 bis Januar 2007
Arbeitsbereiche und Fragestellungen
Die Mitglieder dieser AG sahen sich aus ihren bisherigen Arbeiten an ihrer Promotion heraus mit einer ähnlichen Thematik konfrontiert, die etwas mit den
Begriffen: Norm, Normalität und Normierung zu tun hatte.
Daniela Döring stellte die Frage nach dem Einsatz messender Praktiken. Sie untersuchte u.a. "Durchschnitt und 'Normalzustand' Das Konzept des Mittleren
Menschen Adolphe Quételets", wie Wissen über Geschlecht mit Hilfe von statistischem Material, einer mathematischen Sprache und technischen Formalisierungen
hergestellt wird. Der Quételetsche Durchschnittstyp inkorporiert, so ihre These, einen Zusammenschluss aus der Gesetzmäßigkeit der Wahrscheinlichkeit,
des ästhetischen Ideals und den statistischen Messdaten eines Soldatenregiments und damit eine explizit männliche Norm.
Anke Langner befasste sich mit "Normierung und Normalität in der Identitätsarbeit geistig behinderter Jugendlicher". Sie untersuchte anhand von Fallrekonstruktionen
und Beobachtungen in der Förderschule geistige Entwicklung Normierungs- und Normalisierungspraktiken, die für die Konstruktion von Identität im Alltag
entscheidend sind. Für die Identitätsarbeit von geistig behinderten Jugendlichen arbeitete sie Differenzierungspraktiken in den Interaktionen zwischen Lehrerinnen
und Lehrern und Schülerinnen und Schülern heraus. Diese verortete sie in einem Wechselspiel von normativen Normen - sozialen Regeln - und normalistischen Normen.
Katharina Weikl stellte sich die Frage nach der Norm aus der Perspektive ihrer mikrohistorischen Arbeit - einer Chronologie der Auffälligkeiten des
Jacob Endorfers. In seiner Selbstdarstellung als Besessener beanspruchte Endorfer einen von Katharina Weikl als 'Dritten Raum' bezeichneten Ort außerhalb einer
Skala von normal bis abweichend. Sie verwies auf das Verschwinden dieses Raumes mit dem Mächtigwerden von ökonomischen Aspekten wie Effizienz, Arbeitsfähigkeit
und finanziellen Interessen. Mit der Gründung der königlich-bayerischen Irrenanstalt Giesing 1803 wird Endorfer seinem 'neuen Ort' übergeben. Hier wird die
binäre Aufteilung in gemüthskrank versus gesund institutionell verankert und medizinisch festgeschrieben.
Wibke Straube setzte sich mit Praxen von Normalisierung in Bezug auf geschlechtliche Identitäten außerhalb einer heterosexuellen Matrix auseinander. Sie
untersuchte zeitgenössische Spielfilme unter dem Aspekt der De- und Renormalisierung von Geschlecht, worin insbesondere den 'Brüchen' in der Inszenierung
kohärenter Geschlechtlichkeit nachgegangen wurde. Dabei fragte Wibke Straube spezifisch danach, ob diese Filme mit der Genrebezeichnung 'Transgender' eine
Veruneindeutigung von Geschlecht ermöglichen und sich so einer geschlechtlichen Naturalisierung widersetzen können.
Die wissenschaftlichen Perspektiven auf das Thema waren sehr heterogen: kulturwissenschaftliche, historische, sozialwissenschaftliche und pädagogische.
Den Anfang der AG bildete die gemeinsame Lektürarbeit und Diskussion von ausgewählten Texten zum Thema Norm (Link, Canguilhelm, Foucault). Daraus
entwickelte sich die Idee, die im Raum stehenden Fragen zu dieser Thematik im Rahmen eines Workshops interdisziplinär zu diskutieren. Das Ziel der
AG und des Workshops war es, die oftmals diffus erscheinenden Begriffe der Norm und Normierung sowie Normalität und Normalisierung zu (be-)greifen und
die verschiedenen Strategien und Technologien von Normierung und Normalisierung sowie ihre Anschlussfähigkeit für analytische und methodische Diskussionen zu
verstehen. An dieser gemeinsamen Schnittstelle gerieten höchst verschiedene Forschungsprojekte miteinander ins Spiel, um unter Berücksichtigung ihrer
methodischen Zugänge und methodologischen Aspekte, Konstruktionsweisen von Geschlecht und Norm zu diskutieren.
Organisation von Workshops/ Tagungen
Workshop: Wissen über Geschlecht. Auf dem Spielfeld der Norm
Zeit: 24.-26.11.2006
Ort: Humboldt-Universität zu Berlin
Publikationen
Döring, Daniela und Birgit Stammberger. 2007. "Bericht über den Workshop 'Wissen über Geschlecht. Auf dem Spielfeld der Norm'". ZtG Bulletin 34: 37-41.
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