Sprecher |
weitere tragende WissenschaftlerInnen |
assoziierte WissenschaftlerInnen |
Fachgebiete |
Koordinatorin |
KollegiatInnen |
Ehemalige
KollegiatInnen
PostdoktorandInnen |
Dr. Ulrike Klöppel | Dr. Christina Petterson |
StipendiatInnen |
Nana Adusei-Poku | Käthe von Bose | Fatma Gökcen Dinc | Kevin Dubout | Ronja Eberle | Lukas Engelmann | Kathleen Heft | Marietta Kesting | Kirstin Mertlitsch | Kirsten Möller | Falko Schnicke | Todd Sekuler | Jan Severin | Patricia Treusch | Alexandra Tyrolf |
Assoziierte KollegiatInnen |
Katja Baumgärtner | Katrin Köppert | Stefanie Kollmann | Emily Ngubia Kuria | Julia Schoen | Anett Schulze |
Ulrike Klöppel
Geschlechtswechsel im Sozialismus: Transsexualität in der DDR
Am 27. Februar 1976 erließ das Ministerium für Gesundheitswesen der DDR eine "Verfügung zur Geschlechtsumwandlung von Transsexualisten". Sie ermöglichte es volljährigen Bürger_Innen der DDR, nach Befürwortung ihres Antrags durch eine Expertenkommission der Berliner Charité, eine chirurgische Geschlechtsumwandlung vornehmen zu lassen. An-schließend veranlasste das Ministerium des Innern die Personenstandsänderung. Mit dieser weitreichenden Regelung beschritt die DDR-Führung vier Jahre vor Inkrafttreten des bundes-deutschen Transsexuellengesetzes, das am 10. September 1980 erlassen wurde, neue Wege. Wie kam diese Verfügung zustande und wie wurde sie umgesetzt? Was geschah im Vorfeld auf der Ebene des medizinischen und psychologischen Fachdiskurses und wie verhielten sich die Diskussionen in der DDR zu internationalen Debatten über Transvestismus bzw. Transsexualität, die verstärkt seit den 1950er Jahren geführt wurden? Wie wurden die Weichen auf der politischen Ebene gestellt und war dafür auch die Ost-West-Konkurrenz von Bedeutung? Welche Rolle spielten dabei die Menschen, die einen Wunsch nach Veränderung ihres Geschlechtsstatus gegenüber Ärzt_Innen und den staatlichen Organen artikulierten? Wie hing die Regulierung des Geschlechtswechsels mit dem politisch und gesellschaftlich rigiden Kli-ma bezüglich Homosexualität sowie Sexualitäts- und Geschlechternormen allgemein zusammen? Besaß sie auch für intersexuelle/intergeschlechtliche Menschen Relevanz? Kurzum: unter welchen historischen Bedingungen d.h. den Bedingungen eines Macht-Wissens-Gefüges, das auch die eigensinnigen Artikulationen und Praktiken der Subjekte umfasst kam die staatliche Regelung der Geschlechtsumwandlung zustande und was bedeutete dies für die Geschlechterordnung in der DDR? Während in den letzten beiden Jahrzehnten einige historische Forschungsarbeiten zum Geschlechterverhältnis in der DDR und zum sexualpolitischen Klima insbesondere hinsichtlich der Situation von Lesben und Schwulen entstanden sind, ist die Geschichte der Transsexualität in der DDR bislang unerforscht geblieben. Diese Forschungslücke möchte ich mit meinem Untersuchungsprojekt schließen. Dafür sollen, neben der Analyse der Fachliteratur, Zeitzeug_Innen interviewt und bisher unerschlossene Unterlagen des Staats- und Parteiapparats sowie Akten der Nervenklinik der Charité ausgewertet werden. Das Forschungsprojekt versteht sich als Beitrag zu einer umfassenden Historisierung der zentralen Wissenskategorien Geschlecht und Sexualität.
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Christina Petterson
Als Postdoktorandin erforscht Christina Petterson die Sexualpolitik der Herrnhuter Brüdergemeine im frühen achtzehnten Jahrhundert anhand der Reden Graf Zinzendorfs. Sie analysiert die Rolle des materiellen Körpers an der Wende nicht nur zwischen Feudalismus und Kapitalismus sondern auch zwischen theologischem und wissenschaftlichem Weltbild. Sie konzentriert sich insbesondere darauf, wie diese Vorstellungen in soziale Räume transferiert werden und wie diese Entwicklungen soziale und kulturelle Vorstellungen von Geschlecht geprägt haben.
The object of Christina Petterson s research is the sexual politics of the Moravian Brethren as they are expressed in the speeches of count Zinzendorf in the early eighteenth century. She analyses the role of the material body on the cusp of not only feudalism and capitalism, but also a theological and scientific worldview. She is especially interested in how these concepts are transferred into the social sphere, and how these developments have influenced the social and cultural understandings of gender.
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Nana Adusei-Poku
holds a master's degree in Media and Communications from Goldsmiths College London with a dissertation project on the Visual Representation of Black Feminity on the example of Grace Jones called “Devil Inside?” Since 2009 she is a scholarship holder from the DFG funded PhD Programme “Gender as a Category of Knowledge” at the Humboldt University Berlin. She is currently a visiting doctoral student at the LSE Gender Institute for Michaelis and Lent Term 2010/11. Her research interests are located in the realm of Visual Cultures, Cultural Studies and Critical Race Theory.
She examines in her PhD project "Conditions of Existence" the realm of the visual based on the hypothesis that race and gender are intrinsically tied to each other and fixed in our perception as well as representation. Her trans-disciplinary approach analyses ideas of race and gender in Visual Cultures from a philosophical cultural studies perspective and examines subversions through visual representations by emerging Black artists and their aesthetic interventions. The first research emphasis is located in the conceptualization of the gaze and its philosophical implications. By means, she is in search for a Gaze and Visuals, which understand as well as communicate a moment that can be placed as Post-Identity. Or, is it impossible to visualise/depict the reality of a Black individual without the necessity to work within the realm of (sexual-) politics, fixity and a doctrine imperative? She consequently asks in her second research emphasis for conceptual boundaries of a subversive representation? If arts and aesthetics are able to offer the cultural space for subversive impulses (Gilroy) how is the notion of the Post to be understood and what kind of positive outcomes can be created also in curatorial form for present subject positions?
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Käthe von Bose
Klinisch rein zum Diskurs um Sauberkeit und Hygiene im Krankenhaus. Eine empirische Studie zu Arbeits- und Subjektivierungsprozessen
In ihrem Promotionsprojekt geht Käthe von Bose der Frage nach, welche subjektivierenden (Körper-)Normen und Praktiken sich anhand von Arbeit an Sauberkeit und Hygiene im Krankenhaus rekonstruieren lassen. Ausgangspunkt dafür ist, dass Sauberkeit und Hygiene zum einen zu den Grundlagen moderner Gesellschaften gehören, zum anderen immer schon mit Praktiken des Ein- und Ausschlusses entlang von Kategorien wie Geschlecht, Sexualität, Klasse und "race" verbunden waren. Vor dem Hintergrund historischer Studien zu diesem Nexus von Diskursen um Hygiene und Sauberkeit und sozialen Praktiken des Ein- und Ausschlusses werden aus einer interdependenten und queertheoretischen Perspektive Subjektivierungsprozesse bei der Arbeit an Sauberkeit und Hygiene im Krankenhaus untersucht.
Dabei geht es zum einen darum zu ergründen, welche Bedeutungen Sauberkeit und Hygiene und die Arbeit daran in welchem Kontext erhalten. Zum anderen geht es darum, herauszufinden, wie sich Individuen bei dieser Arbeit durch die spezifischen Anforderungen und Zuschreibungen in bestehende Ordnungen einfügen und diese reproduzieren sowie um die Analyse möglicher Brüche und Verschiebungen. Wesentlich dabei ist, wie diese alltäglichen Diskurse und Praktiken mit sozialen Positionierungen entlang der Kategorien Geschlecht, "race", Sexualität und Klasse verknüpft sind. Wie wird beispielsweise die Dichotomie "sauber" und "schmutzig" bei dieser Arbeit mit Wissen über rassisiert und ethnisiert zugehörige und nicht-zugehörige, männliche und weibliche Körper, über zugeschriebene Klassenzugehörigkeiten und Begehrensformen verbunden? Wie wird dabei Wissen sowohl über die Körper der Patient_innen produziert als auch über die Körper derjenigen, die diese Arbeit verrichten, die entweder medizinisch-pflegerisch tätig sind oder nicht-medizinisch Sauberkeit im Gebäude, in den Zimmern, an den Dingen herstellen? Gerät dieses Wissen in diesen Praxen und Diskursen in Bewegung? In einer empirischen Untersuchung in einem deutschen Krankenhaus soll diesen Fragen nachgegangen werden.
Fatma Gökcen Dinc
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Kevin Dubout
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Ronja Eberle
Indonesien 2008. Nach mehrjährigen national(istisch)en Debatten wird der so genannte Gesetzesentwurf gegen Pornografie und pornografisches Handeln (Indonesisch kurz: RUU APP) unter dem Titel ,Antipornografiegesetz ratifiziert. Im gegenwärtigen Rechtssetzungsprozess werden erste Fälle verhandelt. Mit Blick auf bisherige Entwicklungen sehen Gegner_innen das Gesetz als Versuch, orthodoxe Interpretationen der islamischen Rechtsordnung Scharia in der nationalen Gesetzgebung zu verankern und befürchten im Zuge dessen Beschneidungen der Religions- und Pressefreiheit sowie weitere Einschränkung der Bekleidungs- und Bewegungsfreiheit von Frauen. Orthodox-islamische Forderungen in dieser Breitenwirkung sind in Indonesien zweifellos ein neues Phänomen.
Das Dissertationsprojekt geht an der Schnittstelle der Fächer Gender Studies und Indonesistik aus transdisziplinärer und diskurstheoretischer Perspektive der Frage nach, wie der RUU APP im Kontext neuer weltpolitischer Konstellationen als wichtiges nationales Wissensobjekt hervorgebracht wird. Hierzu untersuche ich englisch- und indonesischsprachige nationale Tageszeitungen mittels sprachwissenschaftlichen (linguistischen und rhetorischen) Instrumentariums auf Konstruktionsmodi im Bezug auf das Thema RUU APP.
Dabei verstehe ich die massenmedialen Debatten zu dem Gesetzesentwurf als nationalistische Leitkulturdebatten, in denen nationale Werte und Normen nicht nur verhandelt, sondern hergestellt werden. Mein Forschungsinteresse gilt der Art und Weise, wie nationale Identitätskonstruktionen in den Debatten hervorgebracht werden, wobei rhetorische Prozesse auch in ihren historischen und machtpolitischen Verwebungen untersucht werden. Neben expliziten und impliziten Argumentationen für und gegen das Gesetz, gehe ich diskursiven Regeln nach, die nationale Diskurse (re)produzieren. Des Weiteren untersuche ich Interdependenzen der Kategorisierungen Nation, Geschlecht, Sexualität, Religion und Ethnizität in den Argumentationen zu dem Gesetzesentwurf. Zentrales Erkenntnisinteresse sind Interrelationen von Geschlechter- und Wissensordnungen, die vor dem Hintergrund gegenwärtiger wissenschaftlicher Wissensproduktion zum Thema RUU APP diskutiert werden.
Theoretisch und method(olog)isch schließt das Projekt an Ansätze der Interdependenz-/Intersektionalitätsforschung, der konstruktivistischen Nationalismusforschung, der Post-kolonialen Theorie, der Diskurstheorie und der feministischen Rhetorik an.
Als bislang erste Studie, die nationale Identitätskonstruktionen mit einem intrakategorialen Interdependenzansatz untersucht, wird die Arbeit einerseits neue Perspektiven und Erkenntnisse in die Nationalismusforschung (zu Indonesien) einbringen, andererseits aber auch einen Beitrag zur Interdependenz-/Intersektionalitätsforschung der Gender Studies leisten. Des Weiteren soll auf theoretischer Ebene eine postkolonial-feministische Lesart zum Thema RUU APP entwickelt und in die bisherige Forschung eingebracht werden. Nicht zuletzt werden die Ergebnisse des empirischen Teils der Arbeit Einsichten in die Funktionsmechanismen nationalistischer Leitkulturdebatten in Indonesien bieten.
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Lukas Engelmann geht der Verwissenschaftlichung von AIDS in visuellen Praktiken der Medizin nach. Das Untersuchungsmaterial der medizin- und kulturhistorisch ausgerichteten Dissertation bilden medizinische Fachatlanten zu AIDS. Sie werden als ordnende Elemente einer visuellen Epistemik ausgemacht und daraufhin befragt, wie sie Bedeutung schaffen und stabilisieren, indem sie visuell argumentieren. Das spannungsreiche Verhältnis zwischen dem vieldeutigem Bild und den homogenisierenden Strategien medizinischer Semantisierung erschließt das Dissertationsprojekt im Begriff des "Krankheitsbildes".
Hierfür wird die medizinische Semantisierung von AIDS erstens aus einer medizinhistorischen Perspektive auf die Abbildungstraditionen von Krankheit untersucht, um die historischen Bezüge des Problems "Krankheit" zum Medium "Atlas" sichtbar zu machen. Zweitens fragt das Projekt mit bildwissenschaftlichen Instrumenten nach Krankheitsvisualisierungen als Bildakte in medizinischer Bilderpolitik. Ziel der ersten beiden Ansätze ist, das "Krankheitsbild AIDS" im Kontext medizinischer Visualisierung auszuleuchten.
Den diskursiven Hintergrund des Projektes bildet drittens ein Normalisierungsprozess, der als weitgehende Entdramatisierung der AIDS-Epidemie in den USA und Europa aufgefasst wird. Hier richtet sich das Interesse auf die medizinische und wissenschaftliche Transformation jener zahlreichen Metaphern, deren exzessive Zirkulation AIDS auch als Epidemie der Signifikation gekennzeichnet hat. Die Dissertation fragt damit nach den Normalisierungseffekten medizinischer Semantisierung und fokussiert visuelle Wissenstransfers anhand der sichtbaren und unsichtbaren Spuren ethnifizierter, sexualisierter und vergeschlechtlichter Körper, die dem "Krankheitsbild AIDS" zutiefst eingeschrieben sind.
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Kathleen Heft untersucht in ihrem Dissertationsvorhaben mit dem Arbeitstitel "Gleichberechtigte Partner_innen, Rabenmütter und Kindsmörderinnen?
Deutsche Dominanzkultur im Spiegel der 'ostdeutschen Anderen'" die diskursive
Re/Produktion von vergeschlechtlichten Normvorstellungen und
'(west)deutscher' Dominanzkultur durch die Konstruktion und das
Ohering von 'Ostdeutschland', 'Ostdeutschen' und 'ostdeutscher
Kultur'.
Im Mittelpunkt steht dabei die Analyse von Diskursen, die über die
Herstellung 'des Ostens' Vorstellungen von '(West)Deutschland',
'(West)Deutschen' und '(west)deutscher' Dominanzkultur als unmarkierte
Norm re/produzieren. Das Forschungsvorhaben untersucht anhand von
ausgewählten medialen, politischen und wissenschaftlichen Diskursen
wie Geschlechternormen auch entlang der Differenzlinie 'ostdeutsch-(west)deutsch' hervorgebracht werden. Ein Schwerpunkt
liegt dabei auf der Analyse medialer Darstellungen von
Kindsmörderinnen in beiden Teilen Deutschlands nach dem Fall der
Mauer.
Theoretisch ist das Forschungsvorhaben in machtanalytischen und
dominanz(selbst)kritischen Perspektiven verortet, die insbesondere in
der kritischen Weißseinsforschung, im Vorschlag eines kritischen
Okzidentalismus und mit Überlegungen zu Intersektionalität eingenommen
werden. Im Dissertationsvorhaben wird außerdem auf unterschiedliche
Studien Bezug genommen, die sich einerseits in Anlehnung an Edward
Saids Orientalism mit der Konstruktion Ost- und Westeuropas seit der
Aufklärung und andererseits mit der post-/sozialistischen
Re/Produktion 'des Ostens' innerhalb Europas auseinandersetzen. In
diesem Zusammenhang soll auch kritisch diskutiert werden, ob und
inwiefern die Analyse einer innerdeutschen Konstruktion 'östlicher'
oder post-/sozialistischer Anderer für dominanz(selbst)kritische
Perspektiven bereichernd sein kann.
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Das Dissertationsprojekt von Marietta Kesting mit dem Arbeitstitel "Visualisierung von Gender, Migration und Xenophobie im Post-Apartheid Südafrika Crossmapping der dokumentarischen Strategien in Photographie und Film" zeichnet sich durch die Verbindung von kulturhistorischen, medienwissenschaftlichen und philosophischen Fragen zur Repräsentation und Konstruktion von Männlichkeit und Weiblichkeit im Zusammenhang mit der Produktion von "gewalttätiger Differenz" aus.
Dabei ist die Frage der Funktion und geschlechtlichen Codierung dokumentarischen Bildmaterials innerhalb der Wissensproduktion bedeutend. Dabei werden einerseits die dokumentarischen Strategien zur Visualisierung von Gewalt kritisch analysiert und andererseits die Bedeutung der interdependenten Kategorien Geschlecht und "Race" als Kategorien sozialer "Körper in Bewegung" herausgearbeitet werden. Ebenso wird die Produktion von Gewalt durch sozial konstruierte, sexualisierte und ethnisierte Differenzen im Post-Apartheid Südafrika untersucht.
Die Auseinandersetzung mit dokumentarischen Filmen in ihrem jeweiligen historischen und politischen Entstehungskontext wird aus dekonstruktivistisch-diskurstheoretischer Perspektive und mit Methoden der Genderforschung, Cultural Studies, Post-Colonial Studies und mit (feministischer) Filmtheorie geführt. Zentrale Fragestellung ist, welche Funktion die Kategorie Geschlecht in der medialen Repräsentation im Kontext der jeweiligen "Opfer-Täter"-Diskurse übernimmt. Dabei werden auch die aktuell vertretenen Mischformen von dokumentarischem Material und Kunstprojekten berücksichtigt, und daraus resultierend werden Fragen der Subversion durch die Fiktionalisierung dokumentarischer Geschichte/n gestellt.
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Das Dissertationsprojekt von Kirstin Mertlitsch untersucht Denk-Figuren der feministisch-queeren Theoriebildung von denen die meisten parallel zur Dekonstruktion des feministischen Wir bzw. einer global sisterhood entstanden sind. Die Protagonist_innen, die mit den entstehenden Texten in Erscheinung treten, sind hybride Antiheld_innen, die in vielen Fällen die Kritik an einem homogenen, weißen, heteronormativen Feminismus in sich aufgenommen haben: Beispielsweise die Cyborg von Donna Haraway, eine Mensch-Maschine Gestalt, verkörpert das Zeitalter der Gen- und Informationstechnologie und hebt die Grenze zwischen Mensch, Maschine und Tier auf; die New Mestiza von Gloria Anzaldúa ist hingegen als semi-autobiographische Figur angelegt, die als queere Chicana ethnische und geschlechtliche Binaritäten hinterfragt; das Nomadic Subject von Rosi Braidotti, ist ebenso eine semi-autobiographische Gestalt, die sich als feministisches Subjekt versteht, deren Nomad_innentum keine abgeschlossene Subjektivität und Identität zulässt. (Als weitere bedeutende Figuren in feministisch-queeren Theorien zählen neben den o.g. etwa die Lesbe von Monique Wittig, die Figuren der Female Masculinity von Judith Halberstam oder etwa die Drag von Judith Butler.) Die Bedeutung und Funktion dieser Denk-Figuren sollen hier nach zwei wesentlichen Aspekten untersucht werden. Erstens, inwieweit diese Figuren bestimmte Probleme und Konzepte der Geschlechtertheorien repräsentieren, die erst durch ihre Verkörperung erkennbar und erfahrbar werden? Diesbezüglich fungieren diese Denk-Figuren als Wissensvermittler_innen bzw. Begriffspersonen und führen mit ihrer Person-Werdnung neue Konzepte und Begriffe ein; Zweitens, könnte ein nachhaltiger Effekt dieser Figuren der sein, dass sie zu Identifikations- und Projektionsprozessen führen und dass dadurch andere Formen der Vergemeinschaftung möglich werden?
Kirstin Mertlitsch studierte Philosophie und Gender Studies in Wien, Pavia und Klagenfurt. Sie ist Mitbegründerin und seit 2004 geschäftsführende Leiterin des Zentrums für Frauen- und Geschlechterstudien (derzeit karenziert), sowie Universitätslektorin an der Universität Klagenfurt. Zudem arbeitet sie im interdisziplinären Forschungsnetzwerk "Kultur und Konflikt" mit und hat zuletzt das Buch "Kulturelle Dimensionen von Konflikten" (Transcript 2010) mit herausgegeben.
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Kirsten Möller
Mutter Heimat. Geschlecht und Heimatverlust im Vertreibungsdiskurs in Literatur, Film und Theater nach 1945 (Deutschland und Polen) (Arbeitstitel)
Wie wurden die historischen Ereignisse von Flucht, Vertreibung und Umsiedlung Deutscher und Polen nach dem Zweiten Weltkrieg erinnert? In welchen Formen wurden sie in das kollektive Gedächtnis der deutschen und polnischen Gesellschaft überführt? Welche Medien des kulturellen Gedächtnisses boten dem Gedenken an diese Erlebnisse Raum?
In der Arbeit sollen mediale Auseinandersetzungen Literatur, Film und Theater mit Erlebnissen des Heimatverlusts im Vordergrund stehen, den Millionen von Menschen infolge der Grenzverschiebungen in Mitteleuropa gegen Ende des Zweiten Weltkriegs machten und der in den nachfolgenden Jahrzehnten auf verschiedenste Art und Weise Gegenstand künstlerischer Reflexionen und Auseinandersetzungen geworden ist. Die Auseinandersetzung mit diesen Erzählungen vom Heimatverlust soll unter Bezugnahme auf die dem Heimat-Begriff impliziten narrativen Muster erfolgen: Die Ausgangsthese ist dabei, dass die dem Heimat-Begriff innewohnenden geschlechtlichen Codierungen die Erzählungen vom Heimatverlust maßgeblich prägen und strukturieren. Die programmatische Zusammenfügung 'Mutter Heimat' verweist bereits auf diesen Zusammenhang.
Die Arbeit bewegt sich damit an den Schnittstellen von Kultur-, Literatur- und Geschichtswissenschaft, wobei Geschlechter- und erinnerungskulturelle Fragen die gemeinsamen Schnittmengen der verschiedenen Disziplinen bilden.
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Das Dissertationsprojekt von Falko Schnicke erarbeitet unter dem Titel "Geschichte als kulturelle Praxis. Wissensordnungen und Geschlechterdispositionen der deutschen und britischen Geschichtswissenschaft des späten 18. und 19. Jahrhunderts" vergleichende Analysen zur kulturellen Praxis von Wissenschaft. Untersucht werden die impliziten Normen und Prämissen, die die Entwicklung des Faches Geschichtswissenschaft begleiten und über die Grenze zur nicht-wissenschaftlichen Geschichtsschreibung entscheiden. Das Erkenntnisziel liegt damit in den als wirkmächtige Prämissen von Geschichtswissenschaft fungierenden vor-inhaltlichen Zuschreibungen, die den kulturellen Rahmen der Forschung bilden. Kulturelle Praxen des Faches - verstanden als alltägliche, selbstverständliche Arbeits- und Repräsentationsformen - bieten sich zur Untersuchung dieser Fragestellung deshalb an, weil in ihnen implizite Wissensordnungen gespeichert sind, die u.a. von den vorherrschenden Geschlechterhierarchien bestimmt sind und auf diese zurückwirken. Konkret sollen diese Rückkoppelungen auf drei Ebenen verfolgt werden: (1) an der umfassenden semantischen Vergeschlechtlichung und Sexualisierung des Forschungsprozesses, (2) den Implikationen der Historikerdarstellungen in öffentlichen Porträts und (3) an den Erzählstrategien und -techniken zur Herstellung von Wissenschaftlichkeit am Beispiel zur deutschen und britischen Nationalgeschichte. Ein deutsch-britischer Vergleich ist aufgrund der Unterschiedlichkeit - v.a. hinsichtlich der Erzählfunktion - bei zeitlich nahezu paralleler Disziplinentwicklung lohnen.
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Todd Sekuler
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Jan Severin
Maskulinität und Kolonialismus. Eine historische Analyse von Geschlechterkonstruktionen und ihrer Wirkmächtigkeit in den deutschen Kolonien (Arbeitstitel)
Im Rahmen des Dissertationsprojekt wird untersucht, wie sich aus der Perspektive deutscher KolonisatorInnen deutsche und indigene Maskulinität(en) im kolonialen Raum konstituierten und welche Wirkmächtigkeit diese Vorstellungen in Bezug auf kolonialen Herrschaftspraktiken hatten. Maskulinitäten wurden in den deutschen Kolonien auf vielfältigen Ebenen immer wieder verhandelt, in Frage gestellt und (re-)produziert und prägten die sozialen, politischen und kulturellen Machtverhältnisse in den Kolonien in erheblichen Maße. Innerhalb des Feldes der historischen Darstellung und Analyse des deutschen Kolonialimus kommt ihnen jedoch bislang lediglich eine marginale Stellung zu.
Die Untersuchung wird anhand einiger ausgesuchter historischer Fallbeispiele aus verschiedenen Kolonien und mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten erfolgen. Zum einen sollen hier, im Rahmen eines Vergleichs zwischen den Kolonien Deutsch-Südwestafrika und Samoa, mittels der Beleuchtung unterschiedlicher Kontexte Ausformungen und Bedeutungen von Maskulinitäten in spezifischen Situationen aufgezeigt und gleichzeitig Strukturen dieser Maskulinitäten und ihrer Wirkmächtigkeit herausgearbeitet werden. Zum anderen wird sich das Dissertationsprojekt, schon vor dem Hintergrund der Notwendigkeit das breite Themenfeld operationalisierbar zu machen, auf die Themenkomplexe Arbeit und Sexualität konzentrieren. Sie bieten sich für das in diesem Dissertationsprojekt angestrebte Vorhaben an, da sie jeweils, ohne vollständig voneinander abgrenzbar zu sein, zentrale Aspekte der kolonialen Herrschafts- und Legitimationsstrategien berühren und eng mit der Kategorie Geschlecht verknüpft sind, mit ihnen jedoch gleichzeitig unterschiedliche Aspekte kolonialer Herrschaftspraktiken beleuchten werden können.
Den Kern des Dissertationsprojekts bildet eine intensive, empirische Untersuchung spezifischer Quellenbestände, insbesondere kolonialer Zeitschriften und Akten. Dabei werden jedoch immer wieder theoretische Zugänge aus den Bereichen der Ethnologie, Geschichtswissenschaft, postkolonialer und feministischer Theorie, der Masculinity Studies und der Interdependenz/Intersektionalitätsforschung zu Hilfe genommen.
Jan Severin hat an der FU Berlin Geschichte, Soziologie und Ethnologie studiert und sich in seiner Magisterarbeit mit Antiziganismus in der deutschsprachigen Ethnologie befasst. Er ist Mitglied von reflect! - Assoziation für politische Bildung und Gesellschaftsforschung.
Patricia Treusch
"Care-Robot & Co: Humanoide als soziale Akteure am Beispiel technisch vermittelter Fürsorge- und Hausarbeit" (Arbeitstitel)
Patricia Treusch untersucht in ihrem Dissertationsprojekt die epistemologischen und ontologischen Konsequenzen aktueller Technikgestaltungsprozesse am Beispiel der Innovation Haushalts- und Pflegeroboter. In der Vision und Realisation der Innovation Care-Robot wird von Robotikingenieur_innen ein Zukunftsszenario kreiert, in dem informationsverarbeitende Maschinen in Bereichen menschlicher Tätigkeiten eingesetzt werden sollen, auch sei es im Privathaushalt oder in Pflegeeinrichtungen in der Pflege älterer oder hilfsbedürftiger Menschen.
Doch wie wird ein Robotersystem zu einem sozialen Akteur? Das Artefakt muss spezifische Fähigkeiten ausüben können. Ausüben meint allerdings nicht, dass eine kalte , bestimmte Abläufe beherrschende Maschine gewisse Tätigkeiten übernimmt, sondern eine als warm konzipierte Maschine diese Fähigkeiten korporealisiert. Warm heißt hier, dass das Robotersystem dem Menschen als Modell für Intelligenz möglichst ähnlich sein soll, ähnlich in der Gestalt, der Bewegungs- und der Kommunikationsfähigkeit, aber auch in einem gewissen Maße ähnlich darin, autonom zu handeln. Zum Medium der Interaktion Mensch-Maschine wird also die Figuration der Maschine als anthropomorph. Der Automatisierung von Pflege- und Haushaltstätigkeiten wird in diesem Dissertationsprojekt anhand der konkreten hybriden, soziomateriellen Verkörperungspraktiken in unterschiedlichen Robotiklaboren nachgegangen. Von Interesse sind die geschlechtlichen Codierungen des Objekts Care-Robot, sowie die Transformationen von Subjektivität und Sozialität, die mit der Automatisierung von Pflege- und Haushaltstätigkeiten einhergehen.
Ziel ist es, eine macht- und herrschaftskritische Perspektive auf das Zusammenwachsen und Zusammenwirken von Mensch und Technik zu entwickeln, indem den Bewegungen innerhalb des Dreiecks Natur, Kultur und Geschlecht im Wissensfeld der humanoiden Robotik nachgegangen wird. Dazu ist es vorgesehen, die Diskurs- und Technologieformationen des Technikgestaltungsprozesses humanoider Assistenzrobotersysteme aus interdisziplinärer Perspektive zu analysieren. Das Projekt spannt sich zwischen technik- und wissenschaftssoziologischen Ansätzen, Ansätzen der Laborstudien, Ansätzen feministischer Technikkritik und -forschung, feministischen Debatten zu Care-Work und geschlechtertheoretischen Debatten zu körperlicher Materialität auf.
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Alexandra Tyrolf
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Katja Baumgärtner
Internationale und transnationale filmisch-mediale Repraesentationen des Konzentrationslagers Ravensbrueck zwischen 1945 und 2010 Interdependenzen von Erinnerung und Geschlecht (Arbeitstitel)
Das interdisziplinaere Promotionsprojekt untersucht die filmische Memorialkultur zum ehemaligen Konzentrationslager-Ravensbrueck aus transnationaler Perspektive. Im diskursanalytischen Vergleich in diesem Umfang fuer den Gedaechtnisort Ravensbrueck erstmalig werden Dynamiken und Mechanismen im Erinnern hinsichtlich der Interdependenzen von Erinnerung, Geschlecht/gender, age. class, race, nation und (dis-)ability erforscht. Vor dem Hintergrund nationaler und internationaler Verstaendigungen stellt das filmische Gedaechtnis zu Ravensbrueck geschlechterspezifische Strukturen und das perspektivische Verstaendnis der nationalsozialistischen Vergangenheit und den Umgang damit in der Gegenwart zur Disposition. Die filmisch-medialen Repraesentationsformen dokumentieren mithin Formen der Instrumentalisierung, Vereinnahmung und Umdeutung in vergangenen, gegenwaertigen und zukuenftigen Demokratisierungsprozessen.
Katja Baumgaertner studierte Kommunikationsdesign und Fotografie an der FHTW Berlin (Abschluss Diplom) und Gender Studies und Philosophie an der Humboldt Universtitaet zu Berlin (Abschluss Magistra Artium). Ihr Forschungsgebiet ist Gender im Kontext von Kunst, Film, Erinnerung und Politik.
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Katja Baumgaertner
International and Transnational Filmic Representations of the Concentration Camp Ravensbrueck between 1945 and 2010. Interdependencies of Memory and Gender. (working title)
This interdisciplinary dissertation project attempts a discourse analysis of filmic commemoration of the former Ravensbrueck concentration camp with a transnational perspective. It is located in the intersection between historical and gender-specific film research. Based on a close analysis of films representing a range of different national production contexts and genres such as documentaries, feature films, compilation films and educational films , this study will investigate the interrelation of memory construction and the construction and performance of gender, race, class, nation, age and (dis-)ability. I approach this project with from the question how these categories matter? The analysis will pay particular attention to the ways in which the films reflect the historically changing political and cultural discourses of their time and are influenced by the social and national contexts in which they are produced. The representation of gender in films about Ravensbrueck can thus also be seen as an indicator for the state of democratization in various countries.
Katja Baumgaertner holds a graduate degree (Diploma) in Design and Photography, University of Applied Sciences, FHTW Berlin and a graduate degree (Magistra Artium) in Gender Studies and Philosophy, Humboldt University Berlin. Her field of resaerch is Gender Theory in Art, Film, Memory and Politics.
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Katrin Köppert
Homepage an der Universität Siegen
Stefanie Kollmann
Repräsentationen von Emotionen und Körperlichkeit in Texten des 13. Jahrhunderts
Stefanie Kollmann beschäftigt sich in ihrer Disseration mit spezifischen körperlichen Darstellungsmustern und Ausdrucksformen von "Emotionen", "Gefühlen" und "Affekten" im Mittelalter. Dabei untersucht sie die Rolle des Körpers bei Gefühlswahrnehmungen und Gefühlsausdrücken sowie verschiedene repräsentative "Verkörperungen" von Emotionen. Ziel ist dabei nicht zuletzt eine Annäherung an die in Quellen- wie Wissenschaftssprache unterschiedlichen Begriffen und die Erarbeitung eines kontextspezifischen "Gefühlsvokabulars".
Quellen für die Untersuchungen sind unterschiedliche Texte des 13. Jahrhunderts, die - wie jeder Text zu Emotionen - den ForscherInnen zwar keinen direkten Zugang zu Emotionen verschaffen, dabei aber sehr wohl spezifische Vorstellungs- und Darstellungsmuster sowie historische und kulturelle Modelle und Entwürfe zur Auffassung und Einstellung zu "Emotionen", "Gefühlen" und "Affekten" im Mittelalter offen legen. Das Quellenkorpus setzt sich aus verschiedenen Texten des 13. Jahrhunderts des höfischen und monastischen Raums zusammen (der Schwerpunkt liegt dabei auf dem deutschsprachigen Raum) - eine Quellenkombination, die nach wie vor unüblich ist, da diese sozialen Räume bislang meist von verschiedenen Disziplinen untersucht wurden. Die Arbeit soll daher auch methodologisch einen Beitrag zur Disziplinen übergreifenden Mittelalterforschung leisten.
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Emily Ngubia Kuria
REVIEWING THE MENTAL ROTATION EXPERIEMTNAL SYSTEM
An interdisciplinary critique of methods and theories linked to the gender/science debate
Emily Ngubia Kuria is a member of the Graduiertenkolleg Humboldt University since January 2009. She completed her Masters degree in Neuroscience at the International School for Advanced Studies (SISSA/ISAS) Italy, and her Bachelors degree in Physics at the University of Nairobi, Kenya. Her dissertation focuses on the debate regarding cognitive (gender) differences in intellectual ability. She evaluates the experimental system implemented in neuroscience to establish brain-sex differences. The Mental Rotation experiment is the most widely recognized system in Neuroscience through which gender differences are demonstrated. It is a system that encapsulates Gender differences through the measurement of visual-spatial abilities, said to favour males (Voyer, Voyer & Bryden 1995, Greary 1996). The objective of her research is therefore to evaluate the process through which gender differences are called into existence in the laboratory. Moreover, through an analysis of the system, she questions the process through which these brain-sex differences come to be understood as biological differences. She therefore evaluates the context and background of creating such a system. The targeted analysis of this experiment allows new critical perspectives in understanding what gendered cognitive differences mean. New questions also arise from this research, such as for example what is to be understood as brain difference with respect to sex, or why only certain kinds of experiments are able to "capture" gender differences.
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Julia Schoen
A line of their Own?
[Auswirkungen des Ungeformten auf Wissensordnungen und Geschlechterkonfigurationen in den Arbeiten Anglo-Jüdischer Avantgarde Künstlerinnen und Dichter, 1910-1937]
Mit meinem Projekt zu Wirken und Wirkungen des Ungeformten in den Arbeiten einiger Anglo-Jüdischer Künstlerinnen und Dichter möchte ich zum einen das Verständnis von modernistischer Kunst und Literaturkritik in England erweitern, welches sich in mancherlei Hinsicht von kontinental-europäischen Entwicklungen abhebt. Zum Anderen sollen die Prozesse und Praktiken in den Werken von vier transdisziplinär tätigen, aus dem Immigrantenviertel Whitechapel stammenden MalerInnen und Dichtern sichtbar gemacht werden, die in meinen Augen wesentlich zur Transformation von Geschlechterfigurationen in den verschiedensten Wissensordnungen zwischen 1910 und 1937 beigetragen haben. Es handelt sich bei Isaac Rosenberg, John Rodker, David Bomberg und Clare Birnberg um eine deutlich unterbeforschte Gruppierung von ProtagonistInnen der britischen Avantgarde- und Zwischenkriegskultur. Die Schriften zur Kunstkritik und Ästhetiktheorie von Roger Fry, Clive Bell sowie Georges Bataille, um die Begriffe der significant form und des l’informe in seinen vier Wirkmechanismen Horizontalität, Materialität, Entropie und Pulsieren möchte ich miteinander in Dialog bringen, um die Texte und Bilder anders zu lesen, als es bisher getan wurde. Die Interdependenzen der Kategorien Gender, Anglo-Judentum und soziale Schicht in Hinblick auf eine prekäre hegemoniale “englisch-christliche” Männlichkeit, sowie die Spezifität des englischen Anti-Semitismus und Allosemitismus (Baumann) werden in dieser Studie sichtbar gemacht. Dabei wird die Alterität anglo-jüdischer Modernismen nicht als normativ gesetzt verstanden, zum Beispiel durch eine besondere Affinität der anglo-jüdischen Avantgarde mit dem Ungeformten, sondern als unausgewogen konstruierte und marginalisierte Präsenz in einem national und hegemonial formulierten Modernismusdiskurs.
Annett Schulze
Unity in Diversity? Konstruktion von kulturellem Gedächtnis im Post-Apartheid-Südafrika
Annett Schulze befasst sich in ihrem transdisziplinären Dissertationsprojekt mit der Frage, wie die unterschiedlich fokussierten Erinnerungen der Menschen nach der Apartheid in ein national-kulturelles Gedächtnis Südafrikas integriert werden. Dabei nutzt sie in der Disziplin der Kulturwissenschaft Ansätze der Medienwirkungsforschung, um an nationalen Orten der Erinnerung die geschaffenen (ikonographischen) Erzählungen hinsichtlich der Auswahl der Perspektiven und der Formen der Repräsentation zu untersuchen. Das Gedächtnis referiert sowohl auf Erinnern als auch Vergessen. Dementsprechend ist auch von Interesse, welche Erinnerungen nicht repräsentativ gemacht werden: Nichtregierungsorganisationen kritisieren sowohl die Homogenisierungsbestrebungen bezüglich der erzählten Geschichte der Anti-Apartheidsbewegungen als auch die Vermarktung von Vergangenheit.
Diese Kurzbeschreibung verweist in der Wissensproduktion bereits auf unterschiedliche Diskurse, deren Marginalisierung oder aber Hegemonialisierung die gegenwärtigen Blicke auf südafrikanische Geschichte begrenzen und Konflikthaftigkeit bedeuten. Durch empirische Forschung sollen diese Perspektiven im national-staatlichen Kontext untersucht und deren Konstruktionsbedingungen im Kontext der kulturellen Zugehörigkeit beschrieben werden. Die Repräsentationen innerhalb der Wissensordnung in den Museen werden entlang unterschiedlicher Kategorien wie der des sozialen Geschlechts oder der Hautfarbe untersucht. In Interviews mit kulturpolitisch Verantwortlichen und der Analyse von Gesetzestexten werden deren Intentionen erfragt. Als theoretisches Werkzeug nutzt sie vor allem konstruktivistische Ansätze, Medienwirkungs- und Performanztheorien, Intersektionalität und Critical Whiteness.
Annett Schulze studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Psychologie und Nordamerikastudien an der Freien Universität Berlin.
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