1    Startseite 

3    Organisation 

5    Literatur 

2    Motive 

4    Zur Person 

6    Veröffentlichungen 

Hugo-Preuß-Gesellschaft e.V.

 

Broschürenversion

 

5. April 2013: Öffentliche Vorstellung des Fünften Bandes

 

(1) Startseite

Die Verfassung der ersten deutschen Demokratie, die Weimarer Reichs­verfassung von 1919, beruht wesentlich auf dem Entwurf von Hugo Preuß. Aber die Erin­nerung an ihn ist bis heute weitgehend auf einige oberflächliche Klischees reduziert. Oft wird ihm die Verant­wortung dafür aufgebürdet, dass die Textfeld:  Weimarer Republik gescheitert ist. Sein großes, zum Teil unbekanntes Lebenswerk wird davon überschattet, dass die weitgesteckten Ziele, die er sich gesetzt hatte, damals nicht verwirk­licht werden konnten. Das Bürger­tum hatte zwar unübersehbar in Wirtschaft, Wissen­schaft und Kunst eine beherr­schende, prägende Stellung errungen. Nach dem Scheitern der Pauls­kirchen­verfassung aber hatte es sich in die Illusion einer macht­geschützten Inner­lichkeit zurückgezogen (Thomas Mann, Leiden und Größe Richard Wagners, 1933). Kultur und Politik galten als unvereinbare Gegen­sätze. Tragende gesellschaftliche Schichten lieferten sich noch immer und aufs neue einem veralteten Obrig­keits­staat aus. Das politische Denken blieb in monar­chistischen Traditionen stecken und rechtfertigte den überkommenen Militärstaat. Das blockierte notwendige gesellschaftliche Ent­wick­lungen. Hugo Preuß warb dafür, dass die bürgerliche Gesell­schaft auch politische Energien entwickelte, um auf der kom­munalen wie auf der staat­lichen Ebene die Geschicke des Landes in die eigene Hand zu neh­men. Er fand damals noch nicht genügend Gehör. Er war ein unbequemer Warner, und am Ende wurde ihm zum Vorwurf gemacht, dass eintrat, wovor er gewarnt hatte. Bis heute hat er den ihm zukom­menden Platz in unserer Verfassungs- und Demokratiegeschichte noch nicht gefunden. Es ist an der Zeit und ein nobile officium, Hugo Preuß als bedeutenden demokra­tischen Gelehrten, als Staats- und Verwaltungsjuristen, Verfassungs­historiker, Politik­wissen­schaftler, Kommunal­rechtler, Publizisten und Politiker unseres Landes anzuerkennen, sein umfassendes Werk endlich wahrzunehmen und ernsthaft zu diskutieren.

 

 

Photo: Aus Familienbesitz, um 1900. Die Vignette (Waltraut Kremser) stellt oben das Berliner Rathaus (Waesemann, 1861-1867) und unten das Gebäude des Reichstags (Wallot, 1884-1894) dar. Der Reichstag diente erst dem Halb-Parlamentarismus Bismarcks, den Preuß Zeit seines Lebens bekämpfte. Nach 1919 war er der Sitz für das Parlament der ersten deutschen Republik, deren Verfassung Hugo Preuß entworfen hat. Im „Roten Rathaus“ (einem Gebäude aus roten Ziegeln) hat Hugo Preuß über zwei Jahrzehnte als Kommunalpolitiker gewirkt. Die Gemeinde-Demokratie war für ihn Ausgangspunkt und Basis des demokratischen Verfassungsstaates.

Impressum: Die Angaben nach § 6 Teledienstgesetz finden sich unter (3) Organisation der HPG  (S. 6).
© Hugo-Preuß-Gesellschaft e.V.
Letzte Aktualisierung: März 2013

Neben der Hugo-Preuß-Gesellschaft e.V. (HPG) ist nunmehr eine Hugo-Preuß-Stiftung (HPS) tätig: www.hugo-preuss-stiftung.de. Während die Kräfte der HPG noch  von der Edition und deren Präsentations-Veranstaltungen ausgelastet sein werden, soll die HPS zunächst für zwei Bereiche ergänzende Aktivitäten entfalten: Zum einen ist zum 150. Geburtstag von Preuß im Herbst 2010 eine größere Veranstaltung mit einem weiteren Symposion geplant, die intensiver Vorbereitung bedarf. Zum anderen sollen in einem Hugo-Preuß-Colloquium ungefähr dreimal jährlich Einzelvorträge mit der Möglichkeit zu intensiverer Diskussion stattfinden (die nächsten Vorträge sind für den 28.5. und 1.10. vorgesehen, zu genaueren Angaben betr. Ort und Beginn kann bei der HPS angefragt werden).

 

1    Startseite 

3    Organisation 

5    Literatur 

2    Motive 

4    Zur Person 

6    Veröffentlichungen 

(2)  Motive zur Gründung und Zielsetzungen der HPG

Motive

Nach 1949 war ein Gründungsmythos der Bundesrepublik und des Grundgesetzes entstanden, der den Abstand zwischen der ersten und der zweiten deutschen Republik übermäßig betonte. Es vereinfachte die Probleme aber auf unzulässige Weise, wenn die Zerstörung der Weimarer Repu­blik auch damit erklärt wurde, ihr Scheitern sei bereits in der Verfassung von 1919 angelegt ge­wesen. Das lenkte von den eigentlichen Ursachen und Verantwortlichkeiten ab.

Mit allen seinen Mitteln, mit nüchterner wissenschaftlicher Analyse, mit beschwörendem Kampf um öffentliche Meinungsbildung, manchmal auch mit Ironie und Sarkasmus hat Hugo Preuß ein Leben lang gegen Fehlentwicklungen in Deutschland angekämpft. So bitter es für ihn war, die Zurückweisung seines Lebenswerks erleben zu müssen, so wenig ließ er sich als Wissen­schaftler und Politiker davon beeindrucken. Der übermächtige preußisch-deutsche Obrigkeitsstaat war unter spezifischen Bedingungen entstanden und nicht Merkmal eines unveränderlichen „nationalen Charakters“. Gelang es, gesellschaftliche Kräfte, die sich jahrhundertelang blockiert hatten, zusammenzuführen, so waren auch hier Neu­orientierungen denkbar, die zu einer wirklichen „politischen Kultur“ führen konnten. Das brauchte allerdings Zeit und geeignete Rahmenbedingungen.

Hugo Preuß war ein Meister des gesprochenen und gedruckten Wortes, von gedanklicher Schärfe und zugleich von angelsächsischem Common Sense. In seinen Argumenten verarbeitete er ein umfangreiches historisches Wissen und genaueste Kenntnis verfassungs- und verwaltungsrechtlicher Details. Zugleich war er ein konstruktiver Kopf, der überraschende Einsichten in die Funktionsbedingungen der modernen politischen Organisation und ihrer rechtsstaatlichen Institu­tionen zeigte. Er baute von der Weimarer Verfassung aus Gedankenbrücken zu den Demokraten von 1848 und zu älteren Impulsen der deutschen Verfassungsentwicklung und hat damit Traditionslinien bewusst gemacht, auf denen das Grundgesetz beruht. Er verkörperte wie kaum ein anderer eine Haltung, die heute als „Verfassungspatriotismus“ bezeichnet wird.

Während die Geschichte des anti-demokratischen Denkens schon ziemlich gut untersucht ist, sind die Geschichte des demokratischen Denkens in Deutschland und die vorbildlichen Leistungen der Vorläufer unseres heutigen Verfassungsstaates noch längst nicht genügend erforscht. Es ist für unser allgemeines politisches Bewusstsein vordringlich, das zu ändern.

Aus Anlass seines 75. Todestages hat am 9. Oktober 2000 ein erstes Hugo-Preuß-Sym­posion im Berliner Rathaus stattgefunden, wo er über zwanzig Jahre als Kommunalpolitiker gewirkt hatte. Diese Beiträge liegen vor. Ein zweites Hugo-Preuß-Symposion fand am 26./27. November 2005 ebenfalls im Berliner Rathaus statt. Nähere Einzelheiten zu beiden Publikationen finden Sie unter (3) Veröffentlichungen. Ein Hugo-Preuß-Band des Nomos-Verlags Baden-Ba­den in der Reihe Staatsverständnis ist in Vorbereitung.

Die positive Resonanz auf unsere Initiative hat uns ermutigt, die Hugo-Preuß-Gesell­schaft e.V. zu gründen, die sich die wissenschaftliche Diskussion seines Werks und die Edition seiner Schriften zum Ziel setzt, siehe unter (3) Organisation.

Aktuelle Zielsetzungen

Korrekturen im Geschichtsbild

Die meisten Zeitgenossen standen Hugo Preuß, dem großen Vorkämpfer der deutschen Demokra­tie, mit Unverständnis und Ablehnung gegenüber. Heute dagegen gelten seine wesentlichen Zielsetzungen weitgehend als selbstverständlich. Er war weitschauender und führender Vertreter eines modernen, demokratischen Politikverständnisses, der als Verfassungsrechtler und aktiver Kommunalpolitiker eine ungewöhnliche Fähigkeit zeigte, seine ausgedehnte praktische Tätigkeit gedanklich zu durchdringen und aus diesen Erfahrungen weitreichende theoretische Folgerungen abzuleiten. Bis heute wird seine Pionierleistung in der historischen Forschung und in der öffentlichen Meinung nicht angemessen gewürdigt.

Es wird einige Kor­rekturen des bisherigen Geschichtsbildes notwendig machen und zum Verständnis aktueller Fragen beitragen, wenn sein Werk endlich wahrgenommen und diskutiert wird.. Die Bismarck-Verfassung war gezwungen, den überkommenen Obrigkeits­staat mit seinem „monarchischen Prinzip“ durch einige Elemente des Verfassungsstaates abzumildern. Auch heute kommt eine große Zahl diktaturförmig regierter Staaten nicht mehr ohne eine verfassungsrechtliche Fassade aus. Die letzten 150 Jahre deutscher Geschichte zeigen modellhaft, welche Schwierigkeiten dem Versuch im Wege stehen können, einen autoritären Obrigkeitsstaat in eine  wirkliche, funktionsfähige Demokratie zu verwandeln. Die Suche von Hugo Preuß nach Schritten, die zu diesem Ziel führen könnten, ist politikwissenschaftlich von großem Interesse. Das betrifft namentlich:

  • die Besonderheiten des „deutschen Liberalismus“ nach dem Scheitern der Paulskirche;
  • das hegemoniale Übergewicht Preußens in der Bismarck-Verfassung und in der Weimarer Republik;
  • die internationalen Beziehungen Deutschlands vor und nach dem Ersten Weltkrieg;
  • die Zuspitzung der sozialen Konflikte vor und nach dem Krieg;
  • die politische Funktion des Antisemitismus in der deutschen Politik;
  • die Versuche, gegebene autoritäre Strukturen schrittweise zu demokratisieren;
  • die Versuche, Parteien in echte Regierungs- und echte Oppositionsparteien zu verwandeln, auch wenn sie bisher von Regierungsverantwortung ferngehalten und dadurch zur Verantwortungslosigkeit erzogen worden waren;
  • die Versuche, in der „Öffentlichen Meinung“ Verständnis für die Spielregeln demokratischer Entscheidungsprozesse zu wecken;
  • die Möglichkeiten, von den bürgernahen Politikfeldern der Gemeinde und der Stadt aus auch auf den höheren Politikebenen des Nationalstaates und übernationaler Organisationen den Bürgersinn einer Civil Society zu fördern;

Um den von der Charta der Vereinten Nationen geforderten Mindeststandards von Demokratie und Menschenrechten universelle Geltung zu verschaffen, muss die Politische Wissenschaft die Probleme der Systemtransformation erforschen. Es gelang in Deutschland nicht, im letzten Moment noch die notwendige Reformen einzuleiten, um gefährliche Entwicklungen abzuwenden. Die Gründe für das Scheitern von Hugo Preuß sind für Theorie und Praxis der Politik außerordentlich lehrreich.

Paradigma Weimar

Den Gründen, die zur Zerstörung der Republik von Weimar geführt haben, wird heute weithin eine Bedeutung beigemessen, die über die damalige historische Konstellation hinausweisen und zum Teil verallgemeinerungsfähig sind. Es wäre wichtig, dabei auch zu berücksichtigen, von welchen spezifischen Bedingungen Hugo Preuß das Funktionieren oder Scheitern demokratischer Strukturen abhängig sah. Dazu zählen:

  • die Bedeutung wirtschaftlicher Prosperität oder Verelendung;
  • die Wirkungen regionaler, religiöser, sozialer und kultureller Fragmentierung;
  • die Entmutigung und politische Lähmung der Bürger durch autoritäre Strukturen;
  • die Bedeutung einer genügend oder ungenügend entwickelten politischen Kultur;
  • die verhängnisvolle Wirkung falscher Theorien und Begriffe;
  • die Behinderung von Gemeindedemokratie und einer Demokratisierung des politischen Systems der nationalen und übernationalen Ebene durch das traditionelle juristische Dogma von der allein in der zentralstaatlichen Gewalt konzentrierten Souveränität;
  • die Bedeutung des „genossenschaftlichen“ Ausgangspunktes und des Aufbaus eines pluralistischen politischen Systems „von unten nach oben“.

Erneuerung des politischen Systems von der Ebene der lokalen Demokratie aus

Hugo Preuß hatte versucht, den Halbkonstitutionalismus des Bismarck-Systems von der Demokratie auf der Gemeindeebene aus in einen wirklichen Verfassungsstaat zu verwandeln. Auch wenn dieser Versuch damals misslang, bleibt es vielversprechend, ein autoritäres System auf diesem Weg zu modernisieren, und zwar auch dann, wenn sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ganz anders darstellen.

  • Statt Demokratie durch Druck von oben oder von außen aufzuzwingen, kann versucht werden, zunächst die Bürger zu motivieren, die lokalen Probleme, besonders im Bereich der Infrastrukturen, selbst zu lösen.
  • Das würde dazu beitragen, ihre Entfremdung von der Politik zu überwinden. Das könnte sich indirekt auch auf die höheren Politikebenen positiv auswirken.
  • Ein solcher Aufbau der Demokratie von unten nach oben würde erlauben, die besonderen sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Ausgangspunkte unterschiedlicher Gesellschaften zu berücksichtigen, um so dem multikulturellen Ideal einer Demokratie im Sinne der UN-Charta näher zu kommen.

Auch wenn sich die äußeren Bedingungen der Gemeinden und Städte, der Staaten und der internationalen Gemeinschaft seitdem dramatisch verändert haben, kann ein neues Studium des Werkes und des Wirkens von Hugo Preuß eine Quelle der Inspiration sein, um die großen gegenwärtigen Aufgaben zu lösen, die weltweit vor uns liegen.

Editionsprojekt

Neben dem Ziel, weitere Fachtagungen zu veranstalten, ist es unser Anliegen, die Schriften von Hugo Preuß, die z.T. sehr entlegen und z.T. auch ganz unbekannt sind, neu herauszugeben.

Da es uns trotz großer Bemühung nicht gelungen war, öffentliche Mittel für eine Erforschung des Werks von Hugo Preuß zu erlangen und auch zur Zeit keinerlei institutionelle Anbin­dung besteht, basiert unsere Arbeit auf privater Initiative, Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Wir konnten deshalb unser Editionsprojekt auch nicht von Anfang an umfassend planen, sondern mussten Prioritäten setzen und Schritt für Schritt vorgehen.

Zunächst haben wir uns auf das konzentrieren müssen, was als besonders vordring­lich erschien: eine dreibändige Edition von Politischen Schrifen, Bd. 1: Kaiserreich (Hg. Lothar Albertin), Bd. 2: Weimarer Republik (Hg. Detlef Lehnert), Bd. 3: Kommunalpolitik und Kommunalwis­senschaft (Hg. Christoph Müller). Inzwischen haben wir einen vorerst zurück­gestellten weiteren Band mit Schriften zu Rechts­philosophie und zum Öffentlichem Recht (Hg. Dian Schefold) in unser Projekt einbezogen. Bei einer gründlichen Nachrecherche haben wir noch einige Gutachten aufge­fun­den, die Hugo Preuß 1919 für den Verfassungsausschuss erstattet hat. Da es sich dabei um äußerst kontroverse Gegenstände handelte (Verhältniswahlrecht, Volksbegehren und Volksentscheid), halten wir es für erforderlich, auch diese Texte zu veröffentlichen. Insgesamt wollen wir jetzt die juridischen Text in einem neu konzipierten Band Verfassungsentwürfe, Verfassungskommentar, Verfassungstheorie (Hg. Marcus Llanque und Christoph Schönberger) zusammenfassen. Das gibt uns Gelegenheit, nun auch das gesamte Vermächtnis von Preuß aus seinem Nachlass, nicht nur Reich und Länder (1926, Hg. Gerhard Anschütz), sondern auch Verfassungspolitische Entwicklungen in Deutschland und Westeuropa (1928, Hg. Hedwig Hintze) in unsere Edition aufzunehmen und die praktisch-politische Arbeit von Hugo-Preuß bei der Entstehung der Verfassung zu dokumentieren.

Außerhalb unserer Edition bleiben nur noch drei Monographien, die aber als Nachdruck verfügbar sind.

  • Gemeinde, Staat, Reich als Gebietskörperschaften. Versuch einer deutschen Staatskonstruktion auf Grundlage der Genossenschaftstheorie, Berlin: Verlag von Julius Springer, 1889 [Habilitationsschrift], unveränderter reprographischer Nachruck Verlag und Antiquariat Lothar Gruber, ISBN 3-89753-191-7;

·                    Das städtische Amtsrecht in Preußen, Berlin: Georg Reimer, 1902; unveränderter reprographischer Nachdruck Verlag und Antiquariat Lothar Gruber, ISBN 3-89753-343-X;

·                    Die Entwicklung des deutschen Städtewesens, 1. [einziger] Band: Entwicklungsgeschichte der deutschen Städteverfassung, Leipzig: B. G. Teubner, 1906, unveränderter reprographischer Nachdruck Verlag und Antiquariat Lothar Gruber, ISBN 3-89753-344-8.

Auf diese Weise wird das Gesamtwerk von Hugo Preuß zugänglich sein.

Der Verlag Mohr (Siebeck) hat sich bereit erklärt, unser Projekt in Verlag zu nehmen, weil die Erforschung des „Laboratoriums Weimar“ zu seinen Schwerpunkten gehört.

Wir danken dem Deutschen Bundestag die Veröffentlichung durch einen Druckkostenzuschuss möglich gemacht zu haben.

 

 

1    Startseite 

3    Organisation 

5    Literatur 

2    Motive 

4    Zur Person 

6    Veröffentlichungen 

(3) Organisation

Die Hugo-Preuß-Gesellschaft wurde am 16. November 2000 von einer kleinen Initiativgruppe gegründet (Prof. Dr. Lothar Albertin, PD Dr. Elfi Bendikat, Prof. Dr. Michael Dreyer, Prof. Dr. Gerhard Göhler, Prof. Dr. Detlef Lehnert, Dr. habil. Marcus Llanque, Karsten Malowitz, Prof. Dr. Christoph Müller, Prof. Dr. Dian Schefold, Prof. Dr. Christoph Schönberger).

Ihre Gemeinnützigkeit hat das Finanzamt für Körperschaften I von Berlin mit Bescheid vom 19.03.2001/01.02.2007, Steuer-Nummer 27/640/55294, anerkannt. Am 15. November 2001 wurde die Gesellschaft im Vereinsregister des Amtsgerichts Charlottenburg von Berlin (Nr. 21232 Nz) als „e.V.“ eingetragen. Wir sind befugt, für Spenden und für Mitgliedsbeiträge Spendenquittungen zu erteilen.

Die Mitglieder des engeren Vorstandes (Vorsitzender, Stellvertretender Vorsitzender, Geschäftsführer, Schatzmeister) sind - jeweils für sich allein - befugt, die Hugo-Preuß-Gesell­schaft rechtsgeschäftlich zu vertreten.

Vorsitzender:

Prof. Dr. Christoph Müller, Windscheidstraße 22, 10627 Berlin

drcmueller@t-online.de

Stellvertretender Vorsitzender:

Prof. Dr. Detlef Lehnert, Lepsiusstraße 6, 12163 Berlin

Präsident der Hugo-Preuß-Stiftung

www.hugo-preuss-stiftung.de

Geschäftsführer:

Prof. Dr. Marcus Llanque
Lehrstuhl für Politikwissenschaft (Politische Theorie), Universität Augsburg
Universitaetsstrasse 10, D-86159 Augsburg

marcus.llanque@phil.uni-augsburg.de

Schatzmeister:

Rechtanwalt Dr. Rainer Tietzsch

Mehringdamm 66, 10961 Berlin

Beisitzer:

Prof. Dr. Lothar Albertin

Stettiner Strasse 7, 32805 Horn-Bad Meinberg

Beisitzer:

Prof. Dr. Sandro Mezzadra

Facoltà di Scienze Politiche, Strada Maggiore 45, I-40125 Bologna

Sie erreichen uns unter den E-Mail-Adressen des Geschäftsführers oder des Vorsitzenden oder unter der E-Mail-Adresse der Gesellschaft:

hpg@cms.hu-berlin.de.

 

 

1    Startseite 

3    Organisation 

5    Literatur 

2    Motive 

4    Zur Person 

6    Veröffentlichungen 

(4) Zur Person von Hugo Preuß

Lebensdaten

1860

28. Oktober; geboren in Berlin als Sohn von Louis (Levin) Preuß (12.3.1821, Deutsch-Krone, gestorben 1860 in Berlin; im Jahr des Geburt seines Sohnes Hugo Preuß), Inhaber einer lithographischen Anstalt, und dessen Ehefrau Minna, geb. Israel (10.3.1826, Berlin - 2.5.1899, Berlin). Leopold Preuß (24.7.1827-1.8.1905), Bruders von Louis Preuß, ein wohl­habender Getreidehändler, heiratete seine verwitwete Schwägerin. Leopold Preuß war der Stiefvater von Hugo Preuß

1879

nach Schulbesuch in Heidelberg und Berlin: im September 1879 Reifeprüfung am So­phien-Gymnasium Berlin. Vom 1. Oktober 1879 an (als Einjähriger): Militärdienst im 2. Garde-Dragoner-Regiment (entlassen mit Eignung zum Reserve Offizier). Juristisches Studium in Berlin und Heidelberg bis Mai 1883

1883

Mai: Erstes Juristisches Staatsexamen beim Königlichen Kammergericht Berlin

1883

30.11. Promotion zum Dr. juris in Göttingen, mit einer nicht-veröffentlichten Arbeit im Römischen Recht (Eviktionsregreß des in possessorio unterlegenen Käufers)

1883

bis Frühjahr 1885: juristisches Referendariat in Wittemberge und Berlin (mit einjähriger Beurlaubung wegen wissenschaftlicher Studien)

1886

Februar: endgültiger Abschied aus dem Justizdienst, nachdem ihm sein Stiefvater eine Rente ausgesetzt hatte, um ihm die unabhängige Existenz eines Gelehrten zu ermöglichen

1889

Habilitation an der juristischen Fakultät der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin für Öffentliches Recht; dort jahrelange Lehrtätigkeit als Privatdozent

1890

24.7. Heirat mit Else geb. Liebermann (geboren in Berlin am 12.1869, verstorben in Paris am 10.7.1948), Tochter des berühmten Chemie-Professors und Entdeckers Carl Liebermann (1842-1914 ["Liebermannsche Reaktion"]) und dessen Ehefrau Antonia Reichenheim (1850-1916). Über den Bruder von Carl Liebermann, Louis (1819-1894), mit dessen Sohn, dem Maler Max Liebermann (1847- 1935 [Berliner Sezession, Präsident der Akademie der Künste]) verwandt; über die Schwester von Carl Liebermann, Therese (1818-1895), verheiratet mit Moritz Rathenau (1800-1871), verwandt mit Emil Rathenau (1838-1915) und dessen Sohn Walther Rathenau (1883-1922)

 

Kinder von Else und Hugo Preuß:

Dr. Ernst Gustav Preuß, geb. 22.6.1891 in Berlin, Artillerie-Offizier im Weltkrieg, Eisernes Kreuz 1. Klasse, Volkswirt, Abteilungsdirektor in der AEG, Emigration nach England, gest. 3.6.1966 in London

Dr. Kurt Preuß, geb. 20.8.1893 in Berlin, Soldat im Weltkrieg, Eisernes Kreuz 2. Klasse, Chemiker, gest. 11.8.1935 in Berlin (Suizid)

Gerhard Preuß, geb. 15.6.1897 in Berlin, Soldat im Weltkrieg, schwere Kriegsverwun­dungen, Pflege des Invaliden durch die Eltern, 24.6.1921 in Berlin an seinen Verletzungen verstorben

Hans Helmuth Preuß, geb. 19.12.1901 in Berlin, Rechtsanwalt in Berlin, 1933 Ergänzungsstudium in Paris, anschließend Emigration nach Frankreich, Einbürgerung 1939, Rechtsanwalt in Paris, gest. 14.12.1983 in Paris

1895

Hugo Preuß in Berlin zum Stadtverordneten gewählt („Neue Fraktion der Linken“)

1906

Professor für Öffentliches Recht an der Berliner Handelshochschule (dort Lehrtätigkeit seit ihrer Gründung 1904)

1910

November: Wahl zum unbesoldeten Stadtrat von Berlin mit den Stimmen der Linksliberalen und der Sozialdemokraten, zuständig u.a. für das Verkehrswesen im Zweckverband Groß-Berlin; Mitarbeit am Groß-Berlin-Gesetz

1918

Oktober: zum Rektor der Berliner Handelshochschule gewählt

1918

15. November: zum Staatssekretär des Innern ernannt (Entlassung aus dem Hochschuldienst), zuständig besonders für den Entwurf der Weimarer Reichsverfassung, Gründungsmitglied der Deutschen Demokratischen Partei (DDP)

1919

Seit 1890 forderte Hugo Preuß, die Staatssekretariate der Bismarck-Verfassung in Ministerien mit selbständiger Ressortverantwortlichkeit zu verwandeln. Im Februar 1919 wurde er zum ersten Reichsinnenminister ernannt. Rücktritt mit dem Kabinett Scheidemann wegen der Bedingungen des Versailler Friedensvertrages. Entlassung aus dem Ministeramt am 21. Juni 1919. Kommissarischer Vertreter der Reichsregierung für das Verfassungswerk. Nach Abschluss der Verfassungsberatungen: Entlassung aus der Reichsregierung am 31. Juli 1919

1920

Wahl zum Abgeordneten des Preußischen Landtags für die DDP, dort an der Ausarbeitung der neuen Preußischen Landesverfassung beteiligt, die im November 1920 in Kraft getreten ist

1925

9. Oktober: Gestorben in Berlin, Ehrengrab des Landes Berlin, Städtischer Friedhof Wedding, Gerichtsstraße 37/38, 13341 Berlin

1948

Else Preuß: 1937 Emigration nach Frankreich, 1939 Einbürgerung, 1940 Flucht erst nach Südfrankreich, dann (illegal) in die Schweiz, bei Kriegsende Rückkehr aus der Schweiz nach Paris, gestorben am 10.7.1948 in Paris, Urnenbestattung im Familiengrab auf dem Städtischen Friedhof Berlin-Wedding.

 

Die Hugo-Preuß-Brücke

Während es in Erfurt, Glauchau, Hagen, Hannover, Kassel, Köln, Mönchengladbach, Niestal und Wolfen nach Hugo Preuß benannte Straßen oder Plätze gibt, kannte seine Heimatstadt Berlin nach 1945 kein öffentliches Wahrzeichen mehr, das an Hugo Preuß erinnerte (die Preuß-Straße auf dem Prenz­lauer Berg hat mit Hugo Preuß nichts zu tun). 1928 war – nach langen Diskussionen – eine am Lehrter Bahnhof neugebaute Brücke nach Hugo-Preuß benannt worden. Aus Furcht vor den Feinden der Republik wurde nachts nur das neue Straßenschild angebracht; ein förmlicher Widmungsakt unterblieb. Zu den Einzelheiten über die Debatten in der Berliner Stadtverordnetenversammlung im Jahre 1927, vgl.: Martin Schönfeld, Von den Schwierigkeiten, Hugo Preuß’ zu gedenken, in: Verein Aktives Museum. Faschismus und Widerstand in Berlin, Mitgliederrundbrief Nr. 52 (Dezember 2004), S. 15-43.

Die ehemalige Hugo-Preuß-Brücke

© Max Missmann 

1928 

Blick vom ehemaligen Kronprinzenufer (heute Ludwig-Erhard-Ufer) über die Spree auf den alten Lehrter Bahnhof und die frühere Hugo-Preuß-Brücke. 1933 wurde sie in Admiral-Scheer-Brücke umbenannt und im Krieg zerstört.

Die zerstörte Hugo-Preuß-Brücke

© Willy Römer

1945

Diese Foto­grafie der zerstörten Hugo-Preuß-Brücke von Willy Römer war in der Ausstel­lung Auf den Straßen von Berlin im Deutschen Historischen Museum (ehemals: Zeughaus) zu sehen. Die Bildunterschrift lautete: „Zerstörte Brücke über den Humboldthafen“. Der Name „Hugo-Preuß-Brücke“ war vergessen. In dem Bildband Der Fotograf Willy Römer. 1887-1979. Auf den Straßen von Berlin, im Auftrag des Deutschen Historischen Museums hg. von Diethart Kerbs, Bönen: Druck Verlag Kettler, 2004, ist auf S. 392 nur ein anderes Foto der Preuß-Brücke wieder­gegeben.

Die neue Hugo-Preuß-Brücke

© Hugo-Preuß-Gesellschaft

2004

Die wiederaufgebaute Brücke sollte zunächst den Namen Humboldthafen-Brücke erhalten. Wir danken der Senatorin für Stadtentwicklung, Frau Inge Junge-Reyer, dass sie diese Umbenennung rückgängig gemacht hat. Die Hugo-Preuß-Brücke führt in Verlängerung des Kapelle-Ufers über den Schiffahrtskanal, der die Spree mit dem Humboldt-Hafen verbindet. Der Neubau des Regierungsviertels im Spree­bogen gibt dieser Brücke einen neuen politischen Stellenwert. Gegenüber liegen jetzt die Heinrich-v.-Gagern-Straße, die Otto-v.-Bismarck-Allee und die Konrad-Aden­auer-Straße. In der Nähe wird eine weitere Brücke nach Gustav Heinemann benannt. Die Hugo-Preuß-Brücke ist von der S-Bahn aus – vom Bahnhof Friedrichstr. kommend – links, kurz vor Einfahrt in den Lehrter Bahnhof, dem künftigen Hauptbahnhof, zu sehen.

 

 

Ansprache des Vorsitzenden der Hugo Preuß Gesellschaft

bei der feierlichen Verkehrswidmung der neu erbauten Hugo-Preuß-Brücke
in Berlin am 9. Mai 2005

Verehrte Frau Senatorin, verehrte Frau Stadträtin, meine Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen vom Bau!

Gestern haben wir den Tag der Befreiung von der NS-Barbarei gefeiert. Morgen wird das Mahnmal eröffnet, das an die Ermordung der europäischen Juden erinnern soll. Heute wird eine Brücke dem Verkehr geöffnet, die den Namen von Hugo Preuß trägt. Vierzig Jahre lang, von 1885 bis 1925, bis der Tod ihm die Feder aus der Hand nahm, hat er mit allen seinen Kräften darum gekämpft, im letzten Augenblick noch überfällige Reformen einzuleiten. In der Weimarer Republik zeichnete sich eine Möglichkeit ab, sie auch in die Tat umzusetzen. Sie waren geeignet, den katastrophalen Kulturabbruch unserer Geschichte, mit seinen namenlosen Verwüstungen und den Hekatomben von Opfern, zu verhindern, – hätten wir die Chance ergriffen.

Zwanzig Jahre lang war Hugo Preuß im Roten Rathaus als Kommunalpolitiker tätig, in wichtigen Funk­tionen für die Entwicklung unserer Stadt. In den großen Fragen der Verfassung unseres Landes umwarb er das Bürgertum, das in Wirtschaft und Gesellschaft, in Wissenschaft und Kultur eine beherrschende Stellung errungen hatte, auch die politischen Energien zu entwickeln, um sein Geschick in die eigene Hand zu nehmen. Er wollte die Ausgrenzung der Arbeiterbewegung beenden und gehört zu den frühen Architekten einer sozial-liberalen Koalition.

Hugo Preuß fand damals kein Gehör. Die politischen Entwicklungsmöglichkeiten waren auf fatale Weise blockiert. Die Kräfte des veralteten, monarchistischen Obrigkeitsstaates waren noch ungebrochen. Nur wenige Herzensmonarchisten waren bereit, wenigstens Vernunftrepublikaner zu werden, um von den erbitterten Republikfeinden gar nicht zu sprechen. Ein Segment auf der Linken war damals fasziniert von der Revolution in Russland, träumte den Traum von einer sozialistischen Revolution, statt erst einmal die bürgerliche Revolution zu Ende zu bringen, auf deren Grundlage der heutige demokratische Rechtsstaat beruht. Die Widerstände waren gewaltig und wurden durch den Ersten Weltkrieg, die Urkatastrophe Europas, noch einmal gesteigert. Die Gratwanderung, die Hugo Preuß vorschlug, war, wie wir heute wissen, vernünftig. Aber schon Montesquieu hatte erkannt: „Fast nie ist es die Vernunft, die Vernünftiges bewirkt, und fast nie kommt der Mensch aus Vernunft zur Vernunft“ (Montesquieu, Meine Gedanken. Mes pensées, hg. Henning Ritter, 1951). Wir sind erst durch „Enttäuschung zur Vernunft gekommen“, um eine Formulierung von Bertolt Brecht zu verwenden, – erst als alle Alternativen erschöpft und widerlegt waren.

Hugo Preuß ist nicht gänzlich unbekannt. Viele wissen, dass Grundideen der Weimarer Verfassung auf seinem Entwurf beruhen. Aber das Scheitern der Weimarer Republik hat einen Schatten auch auf sein Werk geworfen. Ihm wird sogar der Vorwurf gemacht, Fehlkonstruktionen seiner Verfassung hätten zum Scheitern der Republik beigetragen. Wir haben die Hugo-Preuß-Gesellschaft e.V. gegründet, die sich die Erforschung seines weithin unbekannten Werks zum Ziel setzt. Wir sind dabei, seine Gesammelten Schriften in fünf Bänden herauszugeben. Dabei wird sich zeigen, dass das Werk von Hugo Preuß auch vielen, die es zu kennen glauben, unbekannt und erstaunlich aktuell ist. Wir sind dem Präsidenten des Deutschen Bundestages, Wolfgang Thierse, dankbar, dass er dieses Vorhaben unterstützt und die Veröffentlichung der Edition möglich macht.

Indem wir uns um das Werk von Hugo Preuß bemühen, sind wir sozusagen auf der Suche nach einer neuen Vergangenheit. Dieser Begriff stammt aus der Bürgerrechtsbewegung der USA, als die Afro- Amerikaner, die in den Lehrbüchern der amerikanischen Verfassungsgeschichte kaum vorkamen, vor den Gerichten des Landes die Einhaltung der 200-jährigen Verfassungsversprechen einklagten. Der Begriff einer neuen Vergangenheit scheint auf den ersten Blick töricht zu sein. Die geschehene Vergangenheit lässt sich nicht revidieren. Was würden wir darum geben, wenn wir die Verbrechen ungeschehen machen könnten, die in unserem Namen begangen worden sind! Aber die Suche nach einer neuen Vergangenheit gibt dennoch einen guten Sinn. Wir rufen uns, mit großer Verspätung, die vielen Beiträge ins Bewusstsein, die unseren heutigen Verfassungsstaat möglich gemacht haben. Wir erinnern uns der Vorläufer, um dort Impulse zu finden, die wir beim Weg nach vorn benötigen. Eins dieser vielen Beispiele ist das Freiheitsmuseum in Rastatt, das die Kämpfe dokumentiert, um schon damals, in der Mitte des 19. Jahrhundert, den Anschluss an die westeuropäischen Entwicklungen zu finden. In Kürze wird eine Fußgängerbrücke hier ganz in der Nähe den Namen Gustav Heinemanns tragen, dem wir die Entstehung dieses Museums verdanken, das vom Bundesarchiv aufgebaut worden ist. Dorthin gehört auch Hugo Preuß!

Ich kann das alles hier nicht näher ausführen. Wenn es Sie interessiert, so finden Sie weitere Hinweise in der Website der Hugo-Preuß-Gesellschaft. Ich möchte nur noch der Senatorin Frau Junge-Reyer danken. Sie hat große Sensibilität für die historischen Zusammenhänge gezeigt. Mit ihrer Hilfe konnte der Versuch revidiert werden, die alte Hugo-Preuß-Brücke, die im Krieg zerstört worden war, nach ihrem Wiederaufbau in Humboldt-Hafen-Brücke umzubenennen. Sie hat nicht nur der Brücke ihren alten Namen wiedergegeben, sie holt heute auch den feierlichen Widmungsakt nach, der 1928, aus Furcht vor den Feinden der Demokratie, unterblieben war.

Heute kehrt Hugo Preuß in das äußere Stadtbild Berlins zurück. War es 1928 eine Notlösung, nicht eine zentrale Straße, sondern nur eine etwas entlegene Brücke nach ihm zu benennen, so haben die Regierungsbauten auf dem anderen Ufer der Spree die Umgebung inzwischen aufgewertet. Die Hugo-Preuß- Brücke liegt jetzt der Heinrich-v.-Gagern-Straße gegenüber, die an den Versuch der bürgerlichen Revolution von 1848 erinnert, an die Hugo Preuß mit der Weimarer Verfassung angeknüpft hat. Dazwischen liegt die Otto-v.-Bismarck-Allee, auf den viele Halbheiten unserer Verfassungsentwicklung zurückgehen, um deren Überwindung Hugo Preuß jahrzehntelang gerungen hat. So kommt in unserer geschichtlichen Erinnerung wieder etwas in Ordnung, was in Unordnung geraten war. Darüber freuen wir uns.

Christoph Müller  

 

 

1    Startseite 

3    Organisation 

5    Literatur 

2    Motive 

4    Zur Person 

6    Veröffentlichungen 

(5) Literatur über Hugo Preuß

  • Dreyer, Michael, Hugo Preuß (1860-1925). Biographie eines Demokraten (Habilitationsschrift Jena 2002, noch nicht im Buchhandel erschienen);
  • Faatz, Arndt, Hugo Preuß. Die Entwicklung eines Strukturprinzips für den modernen Staat, 1999 (Diss. Trier), nicht im Buchhandel erschienen;
  • Gillessen, Günther, Hugo Preuß. Studien zur Ideen- und Verfassungsgeschichte der Weimarer Republik (Diss. 1955), Berlin: Duncker & Humblot, 2000, mit einem Nachwort von Manfred Friedrich;
  • Green, Allen Taber, Hugo Preuss and the Weimar Constitution (Dissertation), Atlanta: Emory University, 1965;
  • Grassmann, Siegfried, Hugo Preuß und die deutsche Selbstverwaltung, Lübeck: Matthiessen, 1965;
  • Immel, Jan, Hugo Preuß und die Weimarer Reichsverfassung (Magisterarbeit Hannover), Berlin: Logos-Verlag, 2002;
  • Lehnert, Detlef, Hugo Preuß als moderner Klassiker einer kritischen Theorie der ‚verfaßten’ Politik. Vom Souveränitätsproblem zum demokratischen Pluralismus, in: Politische Vierteljahresschrift, 1992 (33), S. 33-54;
  • Lehnert, Detlef, Kommunale Institutionen zwischen Honoratiorenverwaltung und Massendemokratie. Partizipationschancen, Autonomiepotentiale und Stadtinterventionismus in Berlin, London, Paris und Wien 1888-1914, Baden-Baden: Nomos, 1993/94;
  • Lehnert, Detlef, Institutionen und Institute - Gebietskörperschaften und Anstalten. Zur ‚Polity’ in konzeptioneller und verfassungssystematischer Differenzierung, in: Gerhard Göhler (Hg.), Die Eigenart der Institutionen. Zum Profil politischer Institutionentheorie, Baden-Baden: Nomos, 1994, S. 125-165;
  • Lehnert, Detlef, Verfassungsdemokratie als Bürgergenossenschaft. Politisches Denken, Öffentliches Recht und Geschichtsdeutung bei Hugo Preuß. Beiträge zur demokratischen Institutionenlehre in Deutschland, Baden-Baden: Nomos, 1998;
  • Lehnert, Detlef, Der Beitrag von Hans Kelsen und Hugo Preuß zum modernen Demokratieverständnis, in: Christoph Gusy (Hg.), Demokratisches Denken in der Wei­marer Republik, Baden-Baden: Nomos, 2000, S. 221-255;
  • Lehnert, Detlef, und Müller, Christoph (Hg.). Vom Untertanenverband zur Bürgergenossenschaft. Symposion zum 75. Todestag von Hugo Preuß am 9. Oktober 2000, Baden-Baden: Nomos, 2003;
  • Mauersberg, Jasper, Ideen und Konzeption Hugo Preuß’ für die Verfassung der deutschen Republik 1919 und ihre Durchsetzung im Verfassungswerk von Weimar, Frankfurt/M. 1991;
  • Mezzadra, Sandro, La costituzione del sociale. Il pensiero politico e giuridico di Hugo Preuss, Bologna:  Società il Mulino, 1999;
  • Müller, Christoph (Hrsg.), Gemeinde, Stadt und Staat: Aspekte der Verfassungstheorie von Hugo Preuss, Hugo-Preuss Symposium 2004, Baden-Baden: Nomos 2005,
  • ISBN: 78-3-8329-1646-6, S. 233;
  • Müller, Christoph, Zur Grundlegung der Kommunalpolitik bei Hugo Preuß, in: Jahrbuch zur Liberalismus-Forschung, 18 (2006), S. 13-44;
  • Schefold, Dian, Hugo Preuss (1860-1925). Von der Stadtverfassung zur Staatsverfassung der Weimarer Republik, in: Helmut Heinrichs/Harald Franzki/Klaus Schmalz/Mi­chael Stolleis (Hg.), Deutsche Juristen jüdischer Herkunft, München: C. H. Beck, 1993, S. 429-453;
  • Schefold, Dian, Hugo Preuß (1860-1925) – „Aus dem großen Zusammenbruch den demokratischen Volksstaat retten“, in: Hans Erler/Ernst Ludwig Ehrlich/Ludger Heid (Hg.), „Meinetwegen ist die Welt erschaffen“. Das intellektuelle Vermächtnis des deutschsprachigen Judentums. 58 Portraits, Frankfurt/M.: Campus, 1997, S. 293-309.0

 

 

1    Startseite 

3    Organisation 

5    Literatur 

2    Motive 

4    Zur Person 

6    Veröffentlichungen 

(6) Veröffentlichungen der HPG

Detlef Lehnert und Christoph Müller (Hg.)

Hugo Preuß, Gesammelte Schriften, in 5 Bänden

   Tübingen: Mohr Siebeck, ab 2007,

Erster Band: Politik und Gesellschaft im Kaiserreich

  © 2007  Mohr Siebeck Tübingen, 812 Seiten, ISBN 978-3-16-149016-3

Wolfgang Thierse, Geleitwort des Präsidenten des Deutschen Bundestages (PDF)

Lothar Albertin, Einleitung, S. 1–69 (PDF)

Vorstellung des ersten Bandes der Preuß-Edition in der Humboldt-Universität zu Berlin im Senatssaal am 8. Juni 2007:

Christoph Markschies, Grußwort des Präsidenten der Humboldt-Universität zu Berlin (PDF)

Cornelia Schmalz-Jacobsen, Hugo Preuß – Zur Aktualität eines „liberalen Klassikers“ (PDF)

Rezensionen:

Günther Gillessen, Gegen den Obrigkeitsstaat. Der Anfang ist gemacht,
in: FAZ, 17.08.2007

Stanley L. Paulson, Hugo Preuß: Gesammelte Schriften, Erster Band (PDF),
in: JZ 23/2007, S. 1148f.

Zweiter Band: Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie im Kaiserreich

  © 2009  Mohr Siebeck Tübingen, 891 Seiten, ISBN 978-3-16-149964-7

Dian Schefold, Einleitung, S. 1–76 (PDF)

Flyer des Verlags

Dritter Band: Verfassungsentwürfe, Verfassungskommentare, Verfassungstheorie

  (in Vorbereitung)

Vierter Band: Politik und Verfassung in der Weimarer Republik

  © 2008  Mohr Siebeck Tübingen, 739 Seiten, ISBN 978-3-16-149519-9

Detlef Lehnert, Einleitung, S. 1–70 (PDF)

Fünfter Band: Kommunalwissenschaft und Kommunalpolitik

  (in Vorbereitung)

Weitere Veröffentlichungen

Detlef Lehnert und Christoph Müller (Hg.)

Vom Untertanenverband zur Bürgergenossenschaft

Symposion zum 75. Todestag von Hugo Preuß am 9. Oktober 2000 im Rathaus von Berlin

   © 2003  Nomos Verlagsgesellschaft Baden-Baden, 280 Seiten, ISBN 3-8329-0067-5

Wolfgang Thierse, Geleitwort des Präsidenten des Deutschen Bundestages (PDF)

Detlef Lehnert and Christoph Müller

Perspectives and Problems of a Rediscovery of Hugo Preuss. Introduction (PDF)

   englische Fassung der Einleitung, S. 11–48

Rezensionen:

Günther Gillessen, Von rechts gesehen, stand er links. Der Vater der Weimarer Verfassung – Eine Berliner Tagung erinnerte an Hugo Preuß,
in: FAZ 18.10.2000.

Hans-Georg Fleck, Lehnert/Müller, Vom Untertanenverband zur Bürgergenossenschaft,
in: Jahrbuch zur Liberalismus-Forschung, 17 (2005), S. 328-332 (PDF)

Christoph Müller (Hg.)

Gemeinde, Stadt, Staat. Aspekte der Verfassungstheorie von Hugo Preuß

Hugo-Preuß-Symposion 26./27. November 2004 im Rathaus von Berlin

   © 2005  Nomos Verlagsgesellschaft Baden-Baden, 234 Seiten, ISBN 3-8329-1646-6

Christoph Müller

Hugo Preuß und der lange deutsche Weg zur Vernunft

Vorgesehen zur Veröffentlichung in den Oppermann-Studien 2009.

 

Detlef Lehnert

Hugo Preuß in der europäischen Verfassungsgeschichte

Vortrag des Präsidenten der Hugo-Preuß-Stiftung am 6. Juli 2009 beim IEV / Hagen, der dort veröffentlicht wurde. PDF-Version siehe Hugo-Preuß-Stiftung/Publikationen.