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Theatrum naturae et artis
Der Lichthof bildet das geometrische und das programmatische Zentrum der Ausstellung. Die in der Mitte aufgestellten Torsi bezeichnen die beiden Pole Natur und Kunst: die mit genauer anatomischer Kenntnis geformte klassische griechische Skulptur und das anatomische Lehrmodell, das die freigelegten Muskeln ästhetisiert. Die beiden Pole bilden die Brennpunkte einer Ellipse, auf der sich die Büsten der großen Berliner Gelehrten anordnen.
Längs der trennenden Achse verweist ein naturwissenschaftlicher Bildatlas des 16. Jahrhunderts auf die Aufhebung der Kunstkammer im Gedanken der Enzyklopädie; ihm gegenüber interagieren Stephan von Huenes kinetische Skulptur Tischtänzer mit den Besuchern, der Welt der Informationen und der Musik. Die freien Ecken des Lichthofs bieten schließlich Raum für Installationen der Künstler Micha Brendel, Gabriele Leidloff, Alexander Polzin und Ruth Tesmar, die sich zu Fragen der Medizin, der Physik und der Medien äußern.
Kabinett der Kulturgeschichte
Die Zusammenstellung von Insignien, Kunstwerken, mittelalterlichen Urkunden, Autographen, Inkunabeln und historischen Lehrmitteln versammelt unterschiedliche Elemente einer Kulturgeschichte, wie sie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts angestrebt wurde. Ihr umfassender Anspruch führte zu Sammlungen wie dem archäologischen Lehrapparat, der nicht nur das Studium der materiellen Reste fördern, sondern anhand von Abgüssen und Kopien zumindest die Aura von Originalen hervorrufen sollte. Vom Apparat des historischen Seminars sind noch knapp 150 mittelalterliche, teils mit Siegeln versehene Urkunden überliefert, anhand derer im 19. Jahrhundert unterrichtet wurde. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kamen die Sammlungen der Ur- und Frühgeschichte und einer »Deutschen Archäologie« hinzu. Die in der Universitätsbibliothek bewahrten Sammlungen enthalten nicht nur Handschriften bedeutender Gelehrter, sondern auch deren Bibliotheken, beispielsweise die Bibliothek der Brüder Grimm, aus der besondere Schätze gezeigt werden.
Bild- und Dichtkunst - Die Kunstsammlungen der Humboldt-Universität
Die kunst- und kulturhistorischen Sammlungsstücke illustrieren die Berliner Wissenschafts- und Kulturgeschichte. Seit der Gründung der Universität 1810 wuchs der Bestand stetig durch Schenkungen, Erwerb von Nachlässen und in erheblichem Umfang auch durch Ankäufe. So verfügt die Universität über einen umfangreichen Fundus an Werken der bildenden und angewandten Kunst, bestehend aus Universitätsinsignien, Professorenbildnissen, Porträtbüsten, Denkmälern, Graphiken, kulturhistorisch bedeutsamen Archivalien, wertvollen Büchern und anderen Zeugnissen. Die mehr als zwanzig Spezialsammlungen, die zumeist aus Lehrsammlungen hervorgingen, sind auch heute noch größtenteils fest in Ausbildung und Forschung integriert und deshalb nur in wenigen Fällen der Öffentlichkeit zugänglich. An erster Stelle sind die Kustodie und die Universitätsbibliothek zu nennen, unter deren Beständen sich auch Originale von Käthe Kollwitz und Adolph von Menzel befinden. Eine Spezialsammlung von außergewöhnlicher Bedeutung bildet das Archiv des literarischen Sonntagsvereins »Tunnel über der Spree«.
Das Reich von Kusch - Die Sammlung des Instituts für Sudanarchäologie und Ägyptologie
Von 1960 bis 1968 führte die Humboldt-Universität unter Leitung von Fritz Hintze Ausgrabungen in Musawwarat es Sufra im Nordsudan durch. Die Funde wurden zwischen dem Sudan und dem Ausgräber geteilt. Auf diese Weise gelangten 1975 zahlreiche Objekte aus Musawwarat an die Universität. Darunter sind auch Architekturteile, die nicht wieder in ihren ursprünglichen Zusammenhang zurückversetzt werden konnten. Heute befindet sich die Sammlung in den Räumen des Seminars in der Prenzlauer Promenade und ist interessierten Besuchern zugänglich.
Sie repräsentiert unterschiedlichste Facetten der Kunst des antiken Reiches von Kusch, das über 1000 Jahre im mittleren Niltal existierte (8. Jh. v. Chr. bis 4. Jh. n. Chr.) und seine Hochblüte in der meroitischen Periode zwischen dem 3. Jh. v. Chr. und dem 2. Jh. n. Chr. hatte. Bildgraffiti, Reliefs, Verzierungsstücke von Tempeln, Gegenstände aus Eisen, Keramikerzeugnisse, aber auch aus Ägypten importierte Waren zeugen von der Kultur des Reiches von Kusch und seinen Beziehungen zum nördlichen Nachbarn.
Gilliérons minoisch-mykenische Welt - Glanzstücke aus der Sammlung des Winckelmann-Instituts
Zu den umfangreichen Sammlungen des Instituts, für die das zweite Obergeschoss des neuen Westflügels der Universität gebaut worden war, gehörte die minoisch-mykenische in einem eigens dafür errichteten Saal. In Berlin waren allein hier Zeugnisse dieser Kultur zu besichtigen. Der Raum selbst wurde von den Wandgemälden beherrscht, die entsprechend ihrer ursprünglichen Anbringung über einer durch einen Holzbalken begrenzten Sockelzone in die Wand eingelassen waren. Um den Effekt zu erhöhen, wurde die Südwand zusätzlich zu dem Greifenfresko des Thronsaals im Palast von Knossos noch mit Abgüssen von Thron und Bänken versehen, sodass ein ähnlicher Effekt erreicht wurde wie später mit dem als assyrischem Thronraum gestalteten Ausstellungssaal im Pergamonmuseum. Der Besucher sollte ganz gezielt in das Ambiente minoisch-mykenischer Raumausstattung versetzt werden, ohne dass der Museumscharakter verborgen bliebe.
Dieser in Deutschland singuläre Saal musste 1956 aufgegeben werden. 1998 erfolgte die Rückgabe und 2000 die Wiederherstellung.
125 Jahre Berliner Ausgrabungen in Olympia - Das "Friedenswerk" der deutschen Einheit. (1089 Zeichen)
Ernst Curtius war ein Exponent der an den alten Griechen orientierten Bildungspolitik des 19. Jahrhunderts. Er sah viele Parallelen zwischen dem Führungsanspruch Athens in der antiken griechischen Staatenwelt und Preußens und Berlins innerhalb der deutschen. Das Heiligtum Olympia, dessen Spiele die alten Griechen kurzzeitig vereinte, galt daher vor der Reichsgründung als Beispiel für den deutschen Einigungsprozeß. Nach seinem berühmten Berliner Vortrag Olympia 1852 unterstützte der König seine Ausgrabungspläne, welche er jedoch erst von 1875 bis 1881 nach dem Deutsch-Französischen Krieg realisieren konnte.
Die »Aufdeckung« von Olympia sollte nunmehr als »erste große Friedensarbeit« des Reiches Deutschlands Vermögen zu Friedenswerken verdeutlichen: »Es wird in der Geschichte unvergessen bleiben, daß das deutsche Volk unmittelbar nach dem glorreichen Krieg, in welchem es wiederhergestellt ist, ein Friedenswerk begann, das in seiner Art auch ein Zeugnis der großen Zeit sein sollte, [...] die Ausgrabung von Olympia [...] ein Ehrendenkmal des Vaterlandes [...]« (Curtius, 1882).
Meer im Museum - Institut und Museum für Meereskunde
Das 1900 gegründete und 1906 eröffnete Institut und Museum für Meereskunde war der Friedrich-Wilhelms-Universität als weitgehend eigenständige Institution angegliedert. Seine Aufgaben erstreckten sich auf drei Bereiche: Als Forschungsinstitution unternahm es Expeditionen mit dem Schiff Meteor, als Bildungsinstitution sollte es Schifffahrt und Meereskunde breiten Volksschichten nahebringen und als Propagandainstrument die deutsche Flottenpolitik unterstützen. Zu den kostspieligen Neubauten der Reichsmarine glaubte man umfassende Zustimmung nur dann erreichen zu können, wenn »das deutsche Volk systematisch zu einem seeverständigen erzogen wird«. Durch ein sehr besuchernahes Ausstellungskonzept gelang es, jährlich über 100 000 Besucherinnen und Besucher zu ereichen. Im Zweiten Weltkrieg wurden große Teile der Sammlung ausgelagert, zerstört oder gingen verloren. 1994 betraute die Humboldt-Universität das Deutsche Technikmuseum mit der Treuhandschaft über die verbliebenen Bestände.
»Stimmen der Völker« - Das Berliner Lautarchiv
Die Möglichkeit, Schallereignisse reproduzierbar zu konservieren, eröffnete zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein neues Feld wissenschaftlicher Sammeltätigkeit, in deren Folge das Lautarchiv entstand. Wilhelm Doegen, Initiator dieser akustischen Sammlung, umriss 1914 in einem Antrag an das Kultusministerium den Bereich der Sammeltätigkeit als Sprache, Musik und Gesang sämtlicher Völker, deutsche Mundarten sowie Stimmen »großer Persönlichkeiten«. Aus diesem Antrag ging die »Kgl. Preuss. Phonographische Kommission« hervor. Die 1920 gegründete Lautabteilung an der Preußischen Staatsbibliothek erhielt neben den grammophonischen Aufnahmen dieser Kommission auch die von Doegen ab 1917 aufgebaute Sammlung mit Stimmen berühmter Persönlichkeiten.
Die rege Aufnahmetätigkeit der Lautabteilung, die nun auch deutsche Mundarten umfasste, wurde nach ihrer Übertragung an die Friedrich-Wilhelms-Universität in den 30er Jahren bis 1944 fortgeführt. Diese Sammlung gehört heute zum Musikwissenschaftlichen Seminar der Humboldt-Universität.
Einige Klangbeispiele finden Sie, wenn Sie auf das Bild klicken.
Eine Welt im Kleinen - Die Brandenburgisch-Preußische Kunstkammer
Die Museen der Moderne waren die so genannten Kunstkammern. Sie waren nicht auf einzelne Bereiche fixiert, sondern bargen Gegenstände aus allen Bereichen der Natur, der menschlichen Kunstprodukte und der wissenschaftlichen Geräte, also Naturalia, Artificialia und Scientifica.
Im Dreißigjährigen Krieg ging der Bestand der Berliner Kunstkammer fast vollständig verloren, aber als nach 1700 Andreas Schlüters Ausbau des Stadtschlosses vollzogen wurde, war er erneut so weit angewachsen, dass er insgesamt neun Räume des Schlosses einnahm. Die Kunstkammer bildete für Gottfried Wilhelm Leibniz im Jahre 1700 den Anreiz für die Idee, in Berlin im Rahmen der Akademie der Wissenschaften ein »Theater der Natur und Kunst« zu errichten. Knapp hundert Jahre später, 1798, kam die Kunstkammer tatsächlich unter die Direktion der Akademie, musste 1810/11 ihre Naturalia aber an die neu gegründete Berliner Universität abgeben. Restbestände sind dort und in verschiedenen Berliner Sammlungen wie dem Kunstgewerbemuseum sowie den Franckeschen Stiftungen in Halle bewahrt.
Kabinett der Naturgeschichte
Das Kabinett der Naturgeschichte eröffnet eine Folge von Objektensembles, die der »Natur« zugerechnet werden können. Gezeigt werden einige der ältesten naturkundlichen Sammlungsstücke im Berliner Raum: »Monumente« der Natur, die - wenigstens ihrem Ursprung nach - ohne menschliches Zutun entstanden sind. Sammeln von Naturalien bedeutet, diese Objekte zu entdecken, um sie dann, aus ihrem Kontext herausgelöst, präpariert und mit einer neuen Ordnung versehen, in einem Sammlungsraum aufzubewahren und der Öffentlichkeit zu präsentieren. Alles Ordnen beginnt mit dem Verwundern, denn die Natur offenbart sich keineswegs von selbst. Was nicht auf den ersten Blick erklärlich scheint, wird zum Anlass, nach einem den Dingen innewohnenden Sinn zu suchen. Geschichten, von denen manche sich als Fiktionen erweisen, können zur Grundlage systematischen Nachfragens werden. Menschliche Deutung prägt das Sammlungsprofil - von naturwissenschaftlichen Systemen bis zu künstlerischen Interpretationen.
»Kein Tag ohne Präparat« - Rudolf Virchow
Rudolf Virchow entfaltete von 1856 bis 1902 in dem für ihn eingerichteten Pathologischen Institut eine umfangreiche Tätigkeit als Forscher, Lehrer und Sammler, die seinen Weltruhm begründete. Er ist repräsentativ für die Bemühungen im 19. Jahrhundert, Medizin und Anthropologie als Naturwissenschaft zu betreiben. Dazu dienten auch der Aufbau und Ausbau einer Sammlung pathologischer Präparate sowie seine umfangreichen anthropologischen Messungen und Sammlungen.
Überdies gehörte Virchow von 1859 bis zu seinem Tode der Berliner Stadtverordnetenversammlung an, seit 1861 auch dem Preußischen Abgeordnetenhaus und schließlich für einige Jahre auch dem Deutschen Reichstag (1890-93). Seine Bemühungen um die Stadtsanierung trugen dazu bei, das Erscheinungsbild Berlins in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dramatisch zu verändern. So steht Virchow für den Glauben des 19. Jahrhunderts an die Humanisierung der Welt durch den naturwissenschaftlichen Fortschritt.
Physiologie als Maschinenwissenschaft - Die historische Instrumentensammlung am Johannes-Müller-Institut der Charité
Hermann von Helmholtz (1821-1894) und Emil DuBois-Reymond (1818-1896) waren Schüler des bedeutenden Gelehrten Johannes Müller (1801-1858), der von 1833 bis 1858 an der Berliner Universität Anatomie und Physiologie lehrte. Müllers Haltung gegenüber dem Organismus war von Ehrfurcht geprägt, sein Forschen mehr beobachtend als eingreifend. Für ihn entwickelt sich das Lebewesen durch das Walten einer Lebenskraft zu einer ganzheitlichen Gestalt. Der Gesamtzusammenhang der Erscheinungen war Müller wichtiger als der Mechanismus eines Teilvorgangs. Das Experiment am Teilorganismus lehnte er ab.
Anders seine Schüler: Beflügelt durch die experimentelle Forschung und den Geist des Maschinenzeitalters, waren sie davon überzeugt, dass »im Organismus gemeinhin nur physikalisch-chemische Kräfte wirken« und der Organismus auch durch Untersuchung seiner Teilsysteme analysiert werden könne. Bald errangen sie die Vorherrschaft im medizinischen Denken und trugen nachhaltig zur Entwicklung einer naturwissenschaftlich orientierten Medizin bei.
Traditionsreich und höchst aktuell - Die Zoologische Lehrsammlung des Instituts für Biologie
Im Jahre1884 begründet, dient die Zoologische Lehrsammlung auch heute noch als wertvolles Instrument zur anschaulichen Wissensvermittlung im Biologiestudium. Der Aufbau der Sammlung erfolgte rasch; schon nach wenigen Jahren umfasste die Sammlung mehrere tausend Objekte, darunter Modelle, Wandtafeln und mikroskopische Präparate. Im 2. Weltkrieg wurden große Teile der Sammlung vernichtet. Nach einer Ausbauphase in den 60er Jahren wurde 1970 in Folge der 3. Hochschulreform der DDR die Sammlung erneut stark verkleinert. Mit der Neuordnung des Instituts für Biologie der Humboldt-Universität nach dem Mauerfall wurde eine Professur »Vergleichende Zoologie« eingerichtet, die auch die Betreuung der zoologischen Lehrsammlung übernommen hat. Die letzten Jahre waren geprägt von Bestandssicherung, Neuorganisation und Erweiterung der Sammlung. Trotz schmerzlicher Verluste in der Vergangenheit dürfte sie eine der größten zoologischen Lehrsammlungen Deutschlands sein. Diese Ausstellung zeigt, dass auch im Zeitalter der Genforschung und virtuellen Wissensvermittlung eine beinahe 120 Jahre alte zoologische Lehrsammlung noch eine wichtige Rolle in der Ausbildung zukünftiger Biologen spielen kann.
Theatrum anatomicum - Die Sammlungen des Instituts für Anatomie
Das Institut für Anatomie der Humboldt-Universität beherbergt Exponate, die vom 18. Jahrhundert bis heute angefertigt wurden. Viele bedeutende Persönlichkeiten aus Lehre und Forschung haben die Sammlung durch Präparate erweitert. Eine große Anzahl der Präparate sind Ergebnisse wissenschaftlicher Forschungsarbeiten. Andere sind als Anschauungsobjekte für den akademischen Unterricht konzipiert. Häufig genug sind aber beide Aspekte nicht voneinander zu trennen. Anatomische Präparate haben die Aufgabe, etwas Vergängliches festzuhalten sowie komplexe räumliche und funktionelle Zusammenhänge darzustellen und didaktisch aufzubereiten. Im Gegensatz zur virtuellen Welt des Computers umgibt die Originalpräparate die Faszination der realen Struktur. Von den ersten Anfängen bis heute steht die Präparationstechnik immer neu vor dem Problem, organisches Gewebe in natürlicher Konsistenz und Farbe haltbar zu machen. Originalpräparate sind nicht in genügend großer Zahl herstellbar. Deshalb müssen Lehrmodelle angefertigt werden, die den Vorgaben der Natur möglichst exakt entsprechen.
Der Mensch in Wachs - Anatomische Modelle und klinische Moulagen
Wachs ist ein besonderer Stoff. Mit diesem Naturprodukt lässt sich der menschliche Körper hinsichtlich Form, Farbe und Textur äußerst realistisch nachbilden. Die Medizin entdeckte das Medium Wachs im 18. Jahrhundert und nutzte es in der Folgezeit als Aufklärungs-, Lehr- und Studienmittel. Zunächst ging es darum, den gesunden, normalen Menschen in der dritten Dimension zu bannen. Ab 1750 entstanden in Bologna und Florenz reich bestückte anatomische Wachsmodellsammlungen, die technische und thematische Impulse aus dem Bronzeguss, dem Wachseinbrennverfahren der enkaustischen Malerei sowie dem Totenmasken- und Votivwesen aufgriffen. Seit dem frühen 19. Jahrhundert trat neben die anatomische Wachsplastik das klinische Wachsbild. Als Abdruck (Moulage) gearbeitet, ist es darauf angelegt, Aspekte des kranken Körpers täuschend echt wiederzugeben - etwa dermatologische Außenansichten der menschlichen Körperhülle, die am häufigsten zur Darstellung kamen. Mit diesen individuellen Krankenporträts gerät allerdings auch die Person des historischen Patienten in den Blick.
Berlins grüne Schatzkammer - Die botanischen Sammlungen
Bis 1946 gehörten der Botanische Garten und das Botanische Museum in Berlin-Dahlem zur Friedrich-Wilhelms-Universität. Dann wurden sie ausgegliedert und dem Magistrat (später Senat) von Berlin zugeordnet. Seit 1995 bilden sie gemeinsam eine Zentraleinrichtung der Freien Universität Berlin mit vier Bereichen: der Sammlung lebender Pflanzen, der Sammlung konservierter Pflanzen, der Bibliothek und dem Botanischen Museum.
Die Beschäftigung mit Pflanzen hat viele Gesichter. Sie werden geordnet, gezeichnet, beschrieben und benannt, experimentell erforscht, analysiert und schließlich konserviert. Diese vielfältigen Tätigkeiten kennzeichnen die Arbeit in naturwissenschaftlichen Sammlungen. Täglich werden sie aufs Neue ausgeübt, heute wie vor zweihundert Jahren. Am Beispiel der Arbeit berühmter Forscher wie Adelbert von Chamisso, Johann Gottlieb Gleditsch, Georg Schweinfurth und Adolf Engler werden diese Facetten wissenschaftlicher Praxis anschaulich: eine Zeitreise durch die Arbeit von Generationen von Botanikern.
»Mit diesen Schätzen ... in einer würdigen Gestalt« - Die Sammlungen des Zoologischen Museums im Universitätsgebäude Unter den Linden 1810-1889
Die Entstehung des Zoologischen Museums fällt mit der Gründung der Berliner Universität zusammen. Die Museumssammlung bestand zunächst aus einigen großen Privatkollektionen, der akademischen Sammlung des Collegium medico-chirurgicum und den Raritäten der Königlichen Kunstkammer. Innerhalb kurzer Zeit wuchs der Bestand vor allem durch die Ausbeute von Forschungsreisen in alle Teile der Welt und den Austausch mit anderen wissenschaftlichen Institutionen erheblich an. Eine große Anzahl dieser »frühen« Objekte bilden die Grundlage des heutigen Typenreichtum des Naturkundemuseums. Zur »Belehrung« des Betrachters war die Herkunft der Tiere durch farbige Etikette gekennzeichnet, auf denen der wissenschaftliche Name, »das Vaterland« und der Sammler vermerkt waren. Ein Grundriss der Sammlungsräume gibt einen Überblick über die historische Anordnung der Objekte im ehemaligen Museum im Universitätsgebäude Unter den Linden.
Alte Sammlungen, neue Perspektiven - Forschungsprojekte des Instituts für Systematische Zoologie am Museum für Naturkunde
Die Evolutionstheorie hat der naturwissenschaftlichen Forschung neue Perspektiven eröffnet. Die Natur wird heute in ihrer Dynamik erfasst. Als einer der ersten Naturforscher versuchte der Berliner Zoologe Hilgendorf in den 1860er Jahren anhand fossiler Schnecken Darwins Abstammungstheorie zu belegen. Die aktuellen Forschungsprojekte des Instituts für Systematische Zoologie verbinden die traditionsreichen Sammlungen mit neuen Fragestellungen. Wichtige Schwerpunkte bilden Artdifferenzierungsprozesse und ökologische Verflechtungen, Aspekte der geografischen Verbreitung und der Lebensweise. Die Spannbreite der Methoden reicht von der Morphologie und Mikroskopie über akustische Verfahren bis zur DNA-Analyse. Eine historisch gewachsene zoologische Sammlung kann auch langfristige Umweltveränderungen belegen. Die ökologische Krise erhöht die gesellschafts- und wissenschaftspolitische Relevanz solcher Fragestellungen und Projekte.
Die Bedeutung der Dimension - Mineralogische Forschungen in Berlin
Die Entwicklung immer neuer Untersuchungsmethoden hat den Ausschnitt der Naturbeobachtung in der mineralogischen Forschung verändert. Einerseits werden immer kleinere Dimensionen erschlossen, andererseits wird die Erde als Ganzes betrachtet und mit anderen Himmelskörpern verglichen. Erst in der Summe dieser Betrachtungen eröffnet sich uns die Natur als ein System:
Der Zusammenhang zwischen innerem Aufbau und dem äußeren Erscheinungsbild der Kristalle beschäftigte die Naturwissenschaft seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Entdeckung der Röntgenbeugung an Kristallen 1912 und der damit verbundene Nachweis, dass die Materie aus Atomen aufgebaut ist, verlieh dieser Forschung eine neue Qualität.
Es gilt heute als gesicherte Erkenntnis, dass das Leben auf der Erde durch kosmische Katastrophen beeinflusst wurde. Um Ausmaße und Wirkungen dieser Katastrophen zu verstehen, muss neben der kosmischen Dimension auch die Beeinflussung der Kristallstrukturen der Minerale untersucht werden, die durch Meteoriteneinschläge verändert wurden.
Brachiosaurus, Tendagurtherium und die Lebenswelt von Tendaguru -
Paläonthologische Forschungen in Berlin
Ein Zufallsfund führte 1907 in der damaligen Kolonie »Deutsch-Ostafrika«
(Tansania) zur Entdeckung einer der größten Saurierlagerstätten der
Welt. Die daraufhin von dem Direktor des Geologisch-paläontologischen
Instituts der Berliner Universität, Wilhelm von Branca initiierte
Tendaguru-Expedition erstreckte sich von 1909 bis 1913. Unter Leitung
des Kustos des Instituts Werner Janensch, und der Assistenten Edwin
Hennig, Hans Reck und Hans von Staff bargen rund vierhundert Afrikaner
die fossilen Knochen. Die wissenschaftliche Bearbeitung des
Tendaguru-Materials beschäftigt die Mitarbeiter des Museums für
Naturkunde bis heute. Von August bis September 2000 fuhren Mitarbeiter
des Instituts für Paläontologie nach Tansania, um neue Grabungen
durchzuführen. Nachdem vor allem die Knochen über Jahrzehnte hinweg
eingehend anatomisch, taxonomisch und phylogenetisch untersucht wurden,
sollen nun die Geologie der Lagerstätte, die Ernährung und die
Lebensgemeinschaften von Dinosauriern, Säugetieren und Kleinreptilien
rekonstruiert werden.
Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik an der Humboldt-Universität zu Berlin, letzte Önderung: 14.11.2000