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Theatrum Naturae et Artis     Theatrum Naturae et Artis

 

 

Die Sammlungen der Humboldt-Universität zu Berlin

Die Ausstellung "Theatrum naturae et artis - Wunderkammern des Wissens" ermöglicht einen Einblick in die Besonderheit der naturwissenschaftlichen und kulturhistorischen Sammlungen der Humboldt-Universität zu Berlin.
Mit dem Ziel der Universität, die unterschiedlichsten Sammlungen zu Lehr- und Forschungszwecken anzulegen, entstand über Jahrzehnte einer der bedeutendsten Sammlungskomplexe der Wissenschaftsgeschichte. Etwa 100 Einzelsammlungen bestehen seit der Gründung der Berliner-Universität im Jahr 1810. Zu den bekanntesten gehören die Sammlungen des Museums für Naturkunde. Die meisten Sammlungen waren jedoch bisher der Öffentlichkeit durch ihre weit verstreute Unterbringung nicht zugänglich und damit in ihrem Zusammenhang nicht mehr wahrnehmbar.
Die gemeinsame Ausstellung bietet die Möglichkeit, die vielfältigen und engen Beziehungen zwischen den einzelnen Wissensbereichen wieder sichtbar zu machen. In der Zusammenschau der zahlreichen Objekte aus Naturwissenschaften, Medizin, Kunst- und Kulturwissenschaften wird der verlorene Zusammenhang wiederhergestellt, indem die enge Verbindung von Kunst, Natur und Wissenschaft im Ursprung der Sammlungen erkennbar wird.

Nachfolgend ein kurzer Überblick über die Einzelsammlungen aus den drei großen Sammlungskomplexen:

Naturwissenschaften

 
 

Kunst- und Kulturwissenschaften

Naturwissenschaften

Die ältesten Bestände der Sammlungen gehen auf die im 16. Jahrhundert gebildete Brandenburgisch-Preußische Kunstkammer zurück. Die Gründer der Kunstkammern des 16./17. Jahrhunderts wollten ein Abbild des gesamten Universums im Kleinen - einen Mikrokosmos der Welt - schaffen. Zum Bestand gehörten daher neben Kunstgegenständen (artificialia), Objekte aus allen Bereichen der Natur (naturalia) und wissenschaftliche Instrumente (scientifica).
Nach den großen Verlusten im Dreißigjährigen Krieg wurde der Bestand der Sammlung unter Kurfürst Friedrich Wilhelm und Friedrich III. ergänzt und erweitert. Bis 1700 war die Sammlung so angewachsen, daß sie neun Räume des neu ausgebauten Stadtschlosses einnahm.
Gottfried Wilhelm Leibniz sah in der Kunstkammer den Entwurf eines idealen Universalmuseums. Sie diente ihm als Anregung für seine Idee, ein "Theater der Natur und Kunst" innerhalb der Akademie der Wissenschaften zu errichten. 1798, fast 100 Jahre später, wurde die Kunstkammer tatsächlich der Akademie unterstellt, mußte aber bereits 1810/11 ihre Naturalia an die neu gegründete Universität abgeben. Weitere Bestände der Kunstkammer gingen später an verschiedene Berliner Museen, u. a. an das Alte Museum und das Museum für Naturkunde. Ein bedeutender Restbestand befindet sich heute im Berliner Kunstgewerbemuseum und in den Franckeschen Stiftungen in Halle.

Den größten Raum nehmen die naturkundlichen Sammlungen ein, deren Bestand sich aus den Objekten der ehemaligen Brandenburgisch-Preußischen Kunstkammer, mehreren universitären Sammlungen sowie verschiedenen Privatsammlungen zusammensetzt.
Das 1810 gegründete Zoologische Museum, das sich ehemals über mehrere Räume und Etagen des Universitätsgebäudes erstreckte, umfaßte ein Anatomisch-Zootomisches Museum, ein Mineralienkabinett und die zoologischen Sammlungen. Nachdem die stark angewachsenen Sammlungen im Hauptgebäude der Universität keinen Platz mehr fanden, wurde 1889 das Museum für Naturkunde eröffnet, um die naturkundlichen Sammlungen wieder an einem Ort unterbringen zu können. Heute gliedert sich das Museum für Naturkunde in drei große Sammlungsbereiche und verfügt mit über 25 Millionen Objekten über den größten Sammlungsbestand der Universität.
Die wissenschaftlich wertvollen Bestände der mineralogischen Sammlung gehen in ihrem Ursprung auf die 1770 gegründete Bergakademie und einzelne Privatsammlungen zurück. Tausende von Mineralien, Gesteinen und Erzen sowie die bedeutende Meteoritensammlung dokumentieren zugleich die Geschichte der Mineralogie, die maßgeblich von Berliner Gelehrten wie Christian Samuel Weiss und Martin Heinrich Klaproth geprägt wurde.
Die mineralogischen Forschungen, die seit Anfang des 19. Jahrhunderts die Naturwissenschaft beschäftigen, gewannen für die Untersuchung kosmischer Katastrophen wie Meteoriteneinschläge immer mehr an Bedeutung.
Einen umfangreichen Bestand an Fossilien beherbergt die paläontologische Sammlung. Die bedeutendsten fossilen Saurierfunde wurden während der Expedition nach Tendaguru (1909-1913) im damaligen "Deutsch-Ostafrika" (Tansania) entdeckt. Aus Tendaguru, heute eine der größten Saurierfundstätten der Welt, stammen die ältesten Knochenfunde des Museums für Naturkunde. Das mit 12 m Höhe und 23 m Länge beeindruckende Skelett des Brachiosaurus brancai, des größten Dinosauriers, steht heute im Lichthof des Museums.
Bis heute sind die Mitarbeiter mit der wissenschaftlichen Auswertung der paläontologischen Sammlung beschäftigt, die mit über 2 Millionen Objekten reiches Material für die Evolutionsforschung auf der Erde bietet.
Der mit 21 Millionen Objekten weitaus größte Teil des Gesamtbestandes gehört heute zur systematischen zoologischen Sammlung. Zu den ältesten Teilen zählen die aus dem 18. Jahrhundert stammende Fischsammlung von Marcus Elieser Bloch und die Schausammlung der Säugetiere, die noch heute dem Studium der Präparationstechniken dient.
Von besonderer Bedeutung ist die sogenannte "Typensammlung", in der die für die Erstbeschreibung einer Spezies verwendeten Exemplare - "Typen" - aufbewahrt werden. Sie wird in der Forschung immer wieder zum Vergleich mit heutigen Funden herangezogen.
Zu den wertvollsten Objekten der Sammlung gehört der Folioband "Theatrum Naturae", ein naturkundlicher Bildatlas aus der Renaissance mit originalen Aquarellen und Zeichnungen von Lazarus Röting. Die Verbindung von Natur und Kunst wird hier besonders deutlich, da Röting seine künstlerische Arbeit ganz in den Dienst des wissenschaftlichen Interesses stellte.

Eilhard Schulze gründete 1884 die Zoologische Lehrsammlung, die Unterrichtszwecken diente. Noch im Gründungsjahr wurden Teile der anatomisch-zootomischen Sammlung der medizinischen Fakultät sowie des Zoologischen Museums als Sammlungsbestand an die Zoologische Lehrsammlung übergeben. Der schnelle Aufbau der Sammlung ließ die Bestände in wenigen Jahren auf mehrere tausend Objekte anwachsen, unter ihnen Skelette, Insektenkästen und mikroskopische Präparate sowie Modelle und Lehrtafeln.
Der Bestand wurde im 2. Weltkrieg erheblich dezimiert. Trotz der großen Verluste gilt die Sammlung noch heute als eine der größten zoologischen Lehrsammlungen, die in der wissenschaftlichen Ausbildung eine wichtige Rolle spielt.

Das Museum für Meereskunde ist fast vollständig dem 2. Weltkrieg zum Opfer gefallen.
Als weitgehend eigenständige Institution der Universität wurde es 1900 gegründet und 1906 eröffnet. Zu seinen Aufgaben gehörte neben Forschung und Bildung auch die Propaganda zur Unterstützung der deutschen Flottenpolitik.
Über die erst nach der Wende wiederentdeckten Restbestände des Museums hat seit 1994 das Deutsche Technikmuseum die Treuhandschaft von der Humboldt-Universität übernommen.

Der größte Bestand der botanischen Sammlungen befindet sich heute in Berlin-Dahlem, im Botanischen Garten und dem Museum, die 1946 der Freien Universität angegliedert wurden.
Zum Sammlungsbestand gehören neben den lebenden auch die unterschiedlich konservierten Pflanzen. Bereits vor Gründung der Universität existierte in Berlin das bedeutende Herbarium des Apothekers Carl Ludwig Willdenow. Es enthielt wertvolles Pflanzenmaterial, das von zahlreichen Forschungsreisenden wie Johann Georg Forster und Alexander von Humboldt stammte. Die Sammlung wurde später zur Keimzelle des Königlichen Botanischen Herbariums aus dem das heutige Herbarium des Botanischen Gartens und Museums hervorging. Zu den weiteren Beständen des Botanischen Museums zählen u. a. die Arbeiten Adelbert von Chamissos, die er als Kustos am königlichen Herbarium in Berlin anfertigte, die Sammlungen Georg Schweinfurths (Naturforscher und Illustrator) sowie die umfangreiche Naßpräparatesammlung, die in über 13.000 Gläsern die Pflanzenvielfalt der Erde repräsentiert.
Zum Bereich Botanik an der Humboldt-Universität gehört heute nur noch das Arboretum in Berlin-Treptow, dessen Baumbestand auf die von Ludwig Späth im 19. Jahrhundert gegründete Baumschule zurückgeht. Die wissenschaftliche Sammlung lebender Gehölze dient der Ausbildung von Biologen, Agrar- und Gartenbauwissenschaftlern. In speziellen Führungen wird das Arboretum auch einer interessierten Öffentlichkeit präsentiert.

Im Zusammenhang mit der medizinischen Ausbildung begannen Johann Gottlieb Walter und sein Sohn Friedrich August mit dem Aufbau eines Anatomischen Museums, das bereits 1796 über ca. 3.000 Exponate verfügte. Nach der 1810 erfolgten Übergabe des Museums an die Universität kam es unter Karl Asmund Rudolphi und Johannes Müller zu einer enormen Expansion der Sammlung. 1858, im Todesjahr von Johannes Müller, fanden sich im Inventar des inzwischen Königlichen Anatomischen Museums 19.577 Objekte verzeichnet. Sie gehörten zu den Bereichen pathologische Anatomie, Physiologie, Zoologie, Paläontologie und Mineralogie. Platzmangel und Unübersichtlichkeit führten 1876 zu der Entscheidung, die Sammlungen des Anatomischen Museums auf die inzwischen etablierten Spezialsammlungen zu verteilen, die bis heute davon profitieren.

Die Humboldt-Universität ist heute im Besitz der Präparatesammlung des Berliner Arztes Johann Nathanael Lieberkühn. Der berühmte Präparator galt im 18. Jahrhundert als Injektionskünstler. Mit der neuen aus den Niederlanden stammenden Injektionstechnik gelang ihm bereits 1748 die Darstellung von Blutgefäßen. Um die entstehenden Korrosionspräparate zu betrachten, konstruierte Lieberkühn zum Teil eigens für jedes Präparat einfache Mikroskope. Die als "Wundergläser" bekannt gewordenen mikroskopischen Präparate erregten zu ihrer Zeit großes wissenschaftliches Aufsehen.
Neben der Sammlung Lieberkühns beherbergt die heutige Präparatesammlung zahlreiche Präparate und Modelle unterschiedlichster Techniken. Unter ihnen befinden sich menschliche und tierische Knochenpräparate, wie das Skelett eines "Langen Kerls" aus der Leibgarde Friedrich Wilhelm I. und das Skelett von Condé, dem letzten Reitpferd Friedrich II., verschiedene Schädel mit Beschriftungen des Anatomen Franz Josef Gall, einige Feuchtpräparate menschlicher Organe sowie mehrere zerlegbare anatomische Lehrmodelle, wie das berühmte Großmodell eines menschlichen Schädels aus Lindenholz, die zu Vorlesungszwecken dienten.

1899 wurde nach langer Vorbereitungszeit durch Rudolf Virchow das Pathologische Museum in der Berliner Charité eröffnet. Vorangegangen war dem eine langjährige und umfangreiche Sammlungstätigkeit. Als neuberufener Professor der Pathologie hatte Virchow bereits 1856 mit dem Aufbau der Pathologisch-Anatomischen Präparatesammlung begonnen.
Den Grundstock bildeten die ca. 1.500 Präparate aus dem Pathologisch-Anatomischen Cabinet. In der Folgezeit kamen die noch zum Teil im 18. Jahrhundert gefertigten Präparate aus dem Königlichen Anatomischen Museum hinzu. Unter ihnen befand sich auch die Fehlbildungssammlung, die Virchows besonderes wissenschaftliches Interesse fand.
Durch den enormen Zuwachs der Bestände erhielt die Sammlung im Zuge des Umbaus der Charité ein eigenes Museumsgebäude, von dem ein Teil als Schausammlung der Öffentlichkeit zugänglich war. Bis zum 2. Weltkrieg war die Sammlung auf 25.000 Präparate angewachsen.
Die etwa 300 erhalten gebliebenen Präparate aus der Sammlung Virchows sind neben 600 weiteren pathologisch-anatomischen Präparaten im erst vor zwei Jahren neu eröffneten Berliner Medizinhistorischen Museum ausgestellt.

Rudolf Virchow spielte auch eine wichtige Rolle für die Anerkennung der Anthropologie als Wissenschaft. Seine umfangreiche Sammeltätigkeit und die Vermessung von Skeletten und Schädeln sowie lebenden Menschen war von entscheidender Bedeutung in der Auseinandersetzung um die Theorie der menschlichen Abstammung.
Die anthropologische Sammlung Virchows existiert als solche erst seit 1905, nachdem sie mit den Beständen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte zusammengeführt wurde. Seit 1956 liegt die Verantwortung für den Erhalt und die Nutzung der wertvollen Sammlungsbestände bei der Humboldt-Universität.

Am Physiologischen Institut Emil DuBois-Reymonds existierte im 19. Jahrhundert eine wissenschaftliche Instrumentensammlung, die in drei großen Räumen im Erdgeschoß des Universitäts-gebäudes untergebracht war. Sie diente als Geräte-Magazin, in dem die meist teuren Gerätschaften für die unterschiedlichen physiologischen Forschungen aufbewahrt wurden. Unter dem Einfluß von Hermann von Helmholtz und Emil DuBois-Reymond - beides Schüler des bedeutenden Naturforschers Johannes Müller - hatte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Experimentieren am Teilorganismus durchgesetzt. Diese experimental-wissenschaftlich ausgerichtete Physiologie beeinflußte nachhaltig die medizinischen Wissenschaften; sie brachte z. B. durch den von Helmholtz entwickelten Augenspiegel einen sprunghaften Erkenntniszuwachs in der Augenheilkunde.
Die Restbestände der historischen Instrumentensammlung sind seit 1999 in einer ständigen Ausstellung am Johannes-Müller-Institut der Charité wieder zu besichtigen.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Berlin ein Zentrum der medizinischen Wachskunst, wo neben anatomischen Wachsplastiken zunehmend klinische Wachsbilder hergestellt wurden. Als Abdruck (Moulagen) gefertigt, sollten sie die Aspekte des kranken Körpers so echt wie möglich wiedergeben.
Oskar Lasser, der Gründer der Berliner Dermatologischen Gesellschaft, begann seit 1890 in seiner privaten Hautklinik in Berlin mit dem Aufbau einer Moulagensammlung. Seine Sammlung umfaßte damals das gesamte Spektrum der Haut- und Geschlechtskrankheiten. Weitere Moulagensammlungen entstanden seit 1896 an verschiedenen Einrichtungen der Charité, vor allem an der Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten sowie am Pathologischen Institut Rudolf Virchows und an der Augenklinik.
Aus der Zeit Oskar Lassers haben sich in der heutigen Moulagensammlung am Institut für Mikrobiologie und Hygiene der Humboldt-Universität keine Modelle mehr erhalten. Die 87 Moulagen stammen aus der Fertigung des Dresdener Hygienemuseums, das mit dem Erstarken der Hygienebewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts die klinischen Moulagen zur Gesundheitsaufklärung einsetzte.

Zum Bestand der medizinischen Sammlungen der Humboldt-Universität gehören heute noch das Robert-Koch-Museum, die gerichtsmedizinische Sammlung, die Beckensammlung aus dem Institut für Frauenkrankheiten und Geburtshilfe, die Sammlungen geburtshilflicher und zahnärztlicher Instrumente sowie die Sammlung von Artikulatoren zur Simulation von Bewegungsabläufen der Kiefergelenke.

Kunst- und Kulturhistorische Sammlungen

Die kunst- und kulturhistorischen Sammlungen der Universität, die einen wesentlich geringeren Umfang als die naturwissenschaftlichen Sammlungen einnehmen, sind dennoch nicht weniger bedeutsam. Generationen von Wissenschaftlern sorgten dafür, daß die Bestände seit der Gründung der Universität im Jahre 1810 beständig angewachsen sind.
Durch Schenkungen, Nachlaßerwerb und Ankäufe verfügt die Universität heute über ein wertvolles Inventar an Werken der bildenden und angewandten Kunst, wie Universitätsinsignien, Gelehrtenporträts und -büsten, Denkmäler, kulturhistorisch bedeutende Archivalien und einen wertvollen Buchbestand.
Die Sammlungsstücke befinden sich in mehr als zwanzig Einzelsammlungen und werden bis heute als Anschauungsmaterial in Ausbildung und Forschung verwendet.

Zu den Beständen der Kustodie der Universität gehören zum großen Teil die Werke der bildenden und angewandten Kunst, unter ihnen Originale von Käthe Kollwitz und Adolph von Menzel, sowie Porträtbüsten bedeutender Gelehrter der Universität wie von Wilhelm und Alexander von Humboldt, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Jakob und Wilhelm Grimm, Robert Koch, Ferdinand Sauerbruch, Rudolf Virchow und Hermann von Helmholtz.

Die seit 1836 an der Universität bestehende Sammlung von Porträtbüsten verstorbener Gelehrter umfaßt heute noch über 200 Marmor-, Gips- und Bronzebüsten. Namhafte Berliner Bildhauer wie Gottfried Schadow, Christian Daniel Rauch, Reinhold Begas, Georg Kolbe u. a. wurden beauftragt, die Gelehrten zu porträtieren. Die in mehr als hundert Jahren entstandene Sammlung repräsentiert durch die Beteiligung der bekanntesten Berliner Bildhauer die verschiedenen Epochen der Berliner Kunstgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert.
Nachdem die Sammlung ursprünglich in der Universitätsaula aufgestellt war, anschließend in den Räumen der Bibliothek in der "Kommode", sind die einzelnen Büsten heute über die gesamte Universität verteilt.

Neben einem umfangreichen Buchbestand von ca. 6 Millionen Bänden verfügt die Universitätsbibliothek noch heute über bedeutende Spezialsammlungen. Die Autographensammlung umfaßt allein mehr als 1.300 Schriftstücke. Sie enthält die handschriftlichen Zeugnisse berühmter Gelehrter wie von Alexander von Humboldt, Jacob und Wilhelm Grimm, Robert Bunsen und Theodor Mommsen, die an der Berliner Universi-tät lehrten oder eng mit ihr verbunden waren. Ziel der Sammlung war es, die Handschriften bedeutender Wissenschaftler unmittelbar für die Lehre und Forschung an der Universität zugänglich zu machen.
Die historisch wertvolle Privatbibliothek der Brüder Grimm gehört ebenfalls zum Bestand der Universitätsbibliothek. Neben kostbaren Inkunabeln und Raritäten des damaligen Buchmarktes finden sich neueste wissenschaftliche Publikationen der Zeit, welche die Grimms für ihre eigenen Arbeiten verwendeten. In der heute wieder zusammengeführten Bibliothek sind die zahlreichen Widmungen von besonderem Interesse, da sie über die anerkannte Stellung Auskunft geben, die Jacob und Wilhelm Grimm unter den Wissenschaftlern ihrer Zeit einnahmen.
Das umfangreiche Archivmaterial des Berliner literarischen Sonntagsvereins "Tunnel über der Spree" gelangte 1912 als Schenkung in den Besitz der Universitätsbibliothek. Der literarische Zirkel verband Kritik mit privater Geselligkeit und bot sowohl anerkannten Autoren als auch poetischen Dilettanten ein offenes Forum. Unter dem Einfluß der Schriftsteller Theodor Fontane, Theodor Storm, Emanuel Geibel, Christian Scherenberg und Paul Heyse erlebte er zwischen 1840 und 1860 seine Blütezeit.
Der Nachlaß umfaßt heute neben Protokollen und Jahresberichten des Vereins ca. 4000 handschriftliche und über 200 gedruckte literarische Schriften - sogenannte "Späne" - der Vereinsmitglieder, die zum größten Teil unbekannt sind.
Eine Besonderheit bildet der paläographisch-diplomatische Apparat, dessen Bestände vorrangig in den historischen Hilfswissenschaften im 19. Jahrhundert als Anschauungs- und Übungsmaterial in Urkundenlehre und Handschriftenkunde verwendet wurden.
Der Begründer der Sammlung, der Wissenschaftler Ulrich Friedrich Kopp, bot seine Sammlung 1820 Friedrich Wilhelm III. als Schenkung für die Berliner Universität an, unter der Bedingung, daß an der Universität ein Lehrstuhl für Diplomatik eingerichtet wird. Zum so genannten "Apparatus Koppianus" gehörten neben Siegeln, Urkunden und den Originalkupferplatten von Schriftproben auch die speziell für Vorlesungen durch Kopp angefertigten Handpausen und Kupferstiche. Durch Ankäufe im 19. und 20. Jahrhundert wurde die Sammlung ständig ergänzt und erweitert. Heute befinden sich, bedingt durch Kriegsverluste, noch 147 Urkunden im Besitz der Universitätsbibliothek.

Das heutige Winckelmann-Institut verdankt den Ursprung seiner archäologischen Sammlungen Eduard Gerhard, dem ersten Archäologen am Königlichen Museum und ordentlichem Professor der Friedrich-Wilhelms-Universität. Gerhard stiftete 1851 Bücher und Abgüsse antiker Bildwerke, um die Archäologie als Universitätsfach mit einem eigenen Lehrapparat zu begründen. Unter dem Institutsdirektor Georg Loeschcke wurde seit 1913 das sogenannte Winckelmann-Museum im Hauptgebäude der Universität eingerichtet. Im zweiten Obergeschoß des Westflügels der Universität entstanden weiträumige Ausstellungsflächen. Neben den Originalsammlungen und der mehrere tausend Objekte umfassenden Gipsabgußsammlung war dort bis Anfang der vierziger Jahre die Sammlung minoisch-mykenischer Kunst zu sehen, die damals einmalig war.

Die umfangreiche Sammlung antiker Gipsabgüsse, darunter die Kopien der bekannten Laokoon-Gruppe, der Nike des Paionos und des Westgiebels des Zeustempels von Olympia, verdankt das Winckelmann-Institut vor allem Ernst Curtius. Curtius, der die Ausgrabungen in Olympia anregte, übernahm 1875 die Leitung der Grabungen. Auf der Grundlage des Vertrages mit der griechischen Regierung verblieben sämtliche Originalskulpturen, die bei den Ausgrabungen gefunden wurden in Olympia, wo Curtius ein eigenes Museum für sie einrichtete. Die Reproduktionsrechte für die Funde blieben jedoch beim Ausgrabungsteam. Curtius beauftragte die Charlottenburger Gipsformerei mit dem Abguß der Figuren, die heute zum Kernbestand der archäologischen Sammlung der Universität zählen.

Die minoisch-mykenische Sammlung umfaßt zahlreiche sehr gut erhaltene Kopien kretischer Wandmalereien, die nach den Ausgrabungen in Knossos seit 1900 und in Hagia Triada seit 1902 von Emile Gilliéron und seinem Sohn angefertigt wurden. Darüber hinaus befinden sich hier mykenische Keramiken, bemalte Gipsabgüsse und Kopien kostbarer Metallfunde wie Gefäße, Schmuckbleche (darunter die Kopie der berühmten Goldmaske des Agamemnon), Siegelringe und Waffen aus den Gräbern von Mykene.

Bedeutende Funde weist die sudanarchäologische und ägyptologische Sammlung auf. Unter der Leitung des Ägyptologen Fritz Hintze führte die Humboldt-Universität von 1960-1968 Ausgrabungen in Musawwarat es Sufra im Nordsudan durch. Neben weitläufigen Tempelanlagen entdeckten die Forscher vor allem Eisengegenstände und -werkzeuge, Waffen und eine Fülle von keramischen Gefäßen, die von der Kultur des antiken Reiches von Kusch (8. Jh. v. Chr. bis 4. Jh. n. Chr.) und seinen Beziehungen zu Ägypten zeugen.
Die kulturhistorisch und künstlerisch bedeutenden Objekte werden in der Ausstellung zum ersten Mal einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert.

In den dreißiger Jahren gehörte die 1902 gegründete Lehrsammlung der Ur- und Frühgeschichte zu den größten prähistorischen Anschauungssammlungen Deutschlands.
Die umfangreiche Kollektion von Keramiken, Werkzeugen und Kunstwerken aus verschiedenen Kulturen und Epochen erlitt durch Kriegsauslagerungen während des zweiten Weltkriegs erhebliche Verluste. Der Bestand wurde seit 1952 durch verschiedene Schenkungen, Ankäufe und Leihgaben im wesentlichen neu erworben, so daß die Sammlung heute wieder über bedeutende Bestände archäologischer Fundstücke aus allen prähistorischen Epochen verfügt.

Ferdinand Piper, Professor für Kirchengeschichte und christliche Archäologie, gilt als Begründer der Christlich-archäologischen Kunstsammlung, die seit 1851 im zweiten Geschoß des Westflügels der Universität untergebracht war. Piper hatte auf den Dokumentationswert frühchristlicher Kunst als Quelle für die Kirchengeschichtsschreibung aufmerksam gemacht. Er sammelte systematisch Gemälde, Kupferstiche, Holzschnitte, Lithographien und Zeichnungen aus dieser Zeit, um sie als Anschauungsmaterial in seinen Vorlesungen zu verwenden. Die Christlich-archäologische Kunstsammlung galt als erste ihrer Art und diente als Anregung und Vorbild für ähnliche Sammlungen in Marburg, Rom und New York. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg fast vollständig vernichtet.

Eine Besonderheit bildet das Lautarchiv, das mit Tausenden von Schellackplatten und Wachswalzen über einen einzigartigen Bestand an frühen Tonzeugnissen verfügt.
Auf Initiative Wilhelm Doegens wurde es 1920 gegründet, um die Aufnahmen der Phonographischen Kommission sowie die von Doegen seit 1917 aufgenommene Stimmensammlung berühmter Persönlichkeiten unterzubringen und auszuwerten.
Doegens Idee war es, ein Archiv der "Stimmen der Völker" mit allen lebenden Sprachen, Dialekten und Gesängen einzurichten. Zu diesem Zweck führte die "Kgl. Preuss. Phonographische Kommission" in geheimer Aktion während des 1. Weltkrieges Sprach- und Musikaufnahmen in deutschen Kriegsgefangenenlagern durch. So entstand in kurzer Zeit die mit über 1600 Aufnahmen größte Serie fremder Sprachen und Musikstile. Eine große Anzahl von Sprachen und Dialekten aus dieser Zeit ist heute bereits ausgestorben und läßt sich nur mit Hilfe der frühen Sprachaufnahmen dokumentieren.
Das Lautarchiv gehört heute zum Musikwissenschaftlichen Seminar der Humboldt-Universität.

Christina Stehr

Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik an der Humboldt-Universität zu Berlin, letzte Änderung: 14.12.2000