Internationale Studierende

KUSTOS - ein Projekt

Internationale Studierende sind von großer Bedeutung für die Universität. Sie repräsentieren ihre internationale Vernetzung, sie bereichern sie durch ihre kulturelle Vielfalt.

Die Universität gibt den internationalen Studierenden umfangreiche Hilfestellung. Dennoch kann beobachtet werden, dass vorhandene Angebote nicht genutzt werden und der Studienerfolg internationaler Studierender erschwert ist. Eine Reihe von Gründen kann dafür angeführt werden.

"Ausländische Studierende, die meist eine andere lehrergeleitete Sozialisation erfahren haben, kommen häufig mit der an deutschen Hochschulen schon im Grundstudium geforderten Selbständigkeit nur schwer zurecht. Geringe Betreuungsintensität und unzureichende Orientierungsvorgaben gefährden ihren Studienerfolg." (HIS-Studie "Studienverlauf im Ausländerstudium", 2003)

Als einen anderen Grund benennt die Studie die kulturelle Differenz zwischen internationalen Studierenden und ihrer Umgebung, die sich in unterschiedlichen Bereichen bemerkbar macht und das Studium erschwert. KUSTOS will eine Kultur- und Studienorientierung bieten, welche die Situation internationaler Studierender nachhaltig ändert und verbessert.

Organisatoren

KUSTOS ist ein vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gefördertes Projekt, das vom Amt für Internationale Angelegenheiten der Humboldt-Universität zu Berlin ins Leben gerufen wurde. Es will internationalen Studierenden einen größeren Überblick geben und durch schnelle Hilfestellung schon zu Beginn des Studiums zu einem besseren Studienerfolg beitragen. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit dem Institut für die Didaktik interkulturellen Handelns (INDIK e.V.) umgesetzt. Ein Team von Trainer/innen entwickelt die Konzepte zur Realisierung der einzelnen Projektbestandteile. Professor Dr. Jürgen Henze vom Institut für Erziehungswissenschaften, Bereich Vergleichende Erziehungswissenschaft, steht als Vorsitzender des INDIK e.V. für eine hohe Qualität der Trainingsinhalte und eine kontinuierliche Aus- und Weiterbildung der Trainer.

 

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Konzept

KUSTOS betrachtet und behandelt die Situation internationaler Studierender von zwei Seiten: Es bindet neben internationalen Studierenden auch Universitäts-Mitarbeiter in das Projekt ein. Die internationalen Studierenden befinden sich zu Studienbeginn oft in einem Kulturschock, während gleichzeitig ungewohnte und hohe Anforderungen an ihre Eigenständigkeit gestellt werden. Deutsche Studierende wurden in der Schule schon stärker an diese Art des Studiums herangeführt. Ihr soziales Netzwerk ist leichter erreichbar. Internationalen Studierenden fehlt ein soziales Netzwerk und der Austausch zwischen nichtdeutschen und deutschen Studierenden ist oft nur gering. Diese und andere Faktoren können Verzögerung im Studienverlauf und zu Frustration internationaler Studierender führen. KUSTOS bietet Trainings an, die auf diese besonderen Fragestellungen der internationalen Studierenden zugeschnitten sind.

Auf der anderen Seite werden die universitären Beratungs- und Verwaltungsinstitutionen der Universität in den Blick genommen. Für internationale Studierende sind sie die Schnittstelle zum offiziellen Deutschland. Für die Verwaltungs- und Beratungsinstitutionen unterscheiden sich die Fragestellungen und Herangehensweise internationaler Studierender von denen der deutschen Kommilitonen in vielerlei Hinsicht. Neben den Sprachschwierigkeiten führt der unterschiedliche kulturelle Hintergrund auf beiden Seiten zu Unsicherheiten und das wiederum führt dazu, dass Beratungsstellen gerade von internationalen Studierenden gemieden werden, die einen hohen Beratungsbedarf hätten. Die Universitätsverwaltung wird oft als Beratungsinstitution missverstanden. Sie darf nicht beraten, sondern nur auf die zahlreichen Beratungsinstitutionen verweisen. Für manchen internationalen Studierenden ist dies ein unbekannter Umstand und verunsichert ihn erheblich. Deshalb bietet KUSTOS neben den interkulturellen Trainings für internationale Studierende auch Weiterbildungen für verschiedene Verwaltungs- und Beratungsinstitutionen an.

 

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Methodik

KUSTOS identifiziert geeignete Zielgruppen und entwickelt spezielle Konzepte, welche die kulturelle Dimension in den Studiums- und Arbeitsbereich der Gruppe didaktisch aufarbeitet. Im Bezug auf die internationalen Studierenden arbeitet KUSTOS seit einem Jahr erfolgreich. Dazu werden in Deutschland bevorzugte Studientechniken mit interkulturellen Instrumenten verbunden.

Dies geschieht mit Hilfe von Simulationen, Rollenspielen, eigenständiger Gruppenarbeit und anderen bewährten Mitteln. Die Trainings greifen auf die eigenen Erfahrungen der Teilnehmer auf und unterstützen sie durch die systematische Aufarbeitung typischer Situationen. Es werden sowohl kognitive als auch emotionale Aspekte angesprochen. Darüber hinaus gibt es das Angebot, sich online und in Nachbereitungen nach dem Training mit anderen Studierenden über eigene Probleme und Fragestellungen auszutauschen. Die langfristige Netzwerkbildung ist ein wesentlicher Bestandteil des Konzeptes, welches in die Alumniarbeit der Universität übergehen soll.

 

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Perspektive

KUSTOS ist ein Projekt, das sich kontinuierlich entwickelt und erweitert. Dazu werden alle Maßnahmen laufend evaluiert und durch wissenschaftliche Studien begleitet. Langfristig soll ein Netzwerk mit ähnlichen Projekten an anderen Universitäten in Deutschland entstehen. HOPIKOS, das "Hochschulübergreifende Projekt Interkulturelle Kompetenz für Studierende" der Hamburger Universitäten ist einer der ersten Partner. Innerhalb Berlins arbeitet KUSTOS mit der Freien Universität und dem Institute for the International Education of Students Berlin (IES) zusammen.

KUSTOS, das sich in einer ersten Phase auf die Kultur- und Studienorientierung von internationalen Studienanfängerinnen und -anfängern konzentriert, will diese künftig auch während des Studiums begleiten und in interkulturellen Trainings verstärkt mit deutschen Kommilitonen und Kommilitoninnen zusammenführen. Angedacht sind auch Trainings kurz vor Studienende, die internationale Studierende auf ihre Heimkehr (Reentry) vorbereiten, wo es nach einem jahrelangen Aufenthalt im Ausland erneut zu einem Kulturschock kommen kann.

 

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