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Abstracts der Vorträge
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(Kolloquium am 13.14.10.2000)
Stephen Barbour, University of Oxford
Defending languages and defending nations: some perspectives on the use
of 'foreign words' in German
Recent years have seen a renewed purism among German-speakers,
with views expressed by some opinion-formers, notably the journalist Dieter
E. Zimmer, that an excess of foreign words (Fremdwörter) is destroying
the language. In much discussion imagery is used which suggests that a
language is a discrete and bounded entity, like a nation-state, and that
'for-eign words', like immigrants, have no right to enter that territory,
except in limited numbers and in a controlled legally-sanctioned process.
Drawing on the work of Alan Kirkness, this paper will argue that Fremdwörter
are an extraor-dinarily heterogeneous category, that the view of them
as 'foreign' is most unhelpful to an understanding of the operation of
the lexicon. It will be argued that, from a sociolinguistic perspective,
it is often more helpful to view a language (at least for certain purposes)
not as a bounded entity but as an abstraction from speakers' behaviour.
From this perspective the phenomenon under discussion is not the invasion
of German by foreign words, but the deci-sion by many German-speakers
to use in their German words of perceived foreign origin. The paper will
however concede that the use of Fremdwörter can be problematic, and
at-tempt to provide a realistic view of the problems, which are seen more
in terms of social divi-siveness than foreignness.
Peter Barker (University of Reading)
Die Sorbische Sprache und ethnische Identität im Transformationsprozeß
nach der Vereinigung
Die sorbische Volksgruppe in der Ober- und Niederlausitz
ist denselben wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Prozessen ausgesetzt
worden wie andere ostdeutsche Bürger. Aber ihre besondere Position
als die einzige ethnische Minderheit, die zu DDR-Zeiten anerkannt wur-de,
bedeutet, daß sie eine besondere Entwicklung durchstehen mußte.
Die wissenschaftlichen und kulturellen Institutionen, die in der DDR geschaffen
wurden, sind weitgehend erhalten geblieben, sowie das zweisprachige Schulsystem.
Obwohl es keinen Minderheitenschutzartikel in dem Grundgesetz gibt, sind
die kulturellen und gesetzlichen Rechte der Sorben in den beiden Verfassungen
und Sorbengesetzen von Brandenburg und Sachsen gesichert. Finanzielle
Mittel für die sorbischen Institutionen gehen über die 1991
gegründete 'Stiftung für das sorbische Volk'.
Die Sprachsituation in den neunziger Jahren hat sich aber verschlechtert.
Schon zu DDR-Zeiten wurden große Teile des sorbischen Siedlungsgebiets
von der Industrialisierung der Mittellausitz betroffen, und die Ausweitung
des Braunkohlentagebaus führte dazu, daß viele sorbische Dörfer
abgebaggert wurden. Die sorbischsprechende Bevölkerung, die in die
Städte umsiedeln mußte, wurde dadurch stärkeren Germanisierungsprozessen
unterzogen. Nur in der katholischen Oberlausitz, wo die Kirche immer die
Hauptrolle als Träger und Schützer der sorbischen Kultur und
Sprache gespielt hat, ist die sorbische ethnische Sub-stanz erhalten geblieben.
In den katholischen Dörfern nordwestlich von Bautzen ist die Sprachsituation
trotz wirtschaftlichem Druck weitgehend stabil. Nur unter der Jugend ist
eine Tendenz sichtbar, die auf eine lockerere Bindung zu kirchlichen Institutionen
hinweist. In anderen Teilen der Oberlausitz und der Niederlausitz haben
die letzten Studien festgestellt, daß die Rolle der sorbischen Sprache
als Kommunikationsmittel in der Familie und im öf-fentlichen Leben
weiter geschwächt wird. Mit den drastischen Kürzungen in der
Beschäftig-tenzahl in der Landwirtschaft und mit der Abwicklung vieler
Betriebe müssen viele Sorben aus wirtschaftlichen Gründen aus
der Lausitz abwandern, um Beschäftigung zu finden.
Die Sorben haben die Vereinigung finanziell und institutionell überlebt,
aber das Fortbeste-hen ihrer Sprache und Kultur ist auf längere Zeit
gefährdet.
Suzanne M. Bleier, Berlin
Regionale Imagekampagnen - Chancen und Risiken für Identitätsbildung
im europäischen Einigungsprozess
In meinem Vortrag möchte ich die Frage des Herstellens
kulturübergreifender bzw. -abgrenzender Identitäten in der Perspektive
des politischen Marketings erörtern. Hier steht Identitätspolitik
von oben, als Teil von Regierungshandeln, im Mittelpunkt meiner Untersu-chung.
Imageplanung und Standortmarketing sind nicht nur strategische Instrumente
um Wettbewerbsvorteile, sondern können auch als integrationspolitische
Maßnahme und Teil staatlicher Identitätsstiftung angesehen
werden. In dieser Perspektive werden hier regionale Imagekampagnen als
paradoxes Unterfangen begriffen, kollektive Identitäten unter Bedin-gungen
entgrenzter Lebensverhältnisse zu entwerfen und räumlich zu
verankern. Image-kampagnen als Instrumente politischer Kommunikation können
als Chance begriffen wer-den, insofern sie den für eine transnationale
Identitätsbildung erforderlichen Strukturwandel der Identität"
(Richard Münch) unterstützen und damit zu einer Entnationalisierung
und Eu-ropäisierung politischer Gehalte und symbolischer Sinnstiftungsprozesse
beitragen. Dies bedeutet, dass die Neugestaltung politischer Identitätsentwürfe
nicht nur Denationalisie-rungsprozessen, sondern auch der zunehmenden
Befähigung der Bürger, multiple Loyalitä-ten und (grenzüberschreitende)
Identitäten auszubilden, Rechnung trägt. Dazu ist es not-wendig,
dass der Neuausrichtung der politischen Steuerungsebenen Region - Nationalstaat
- Europa auch eine Kompatibilisierung der Zeichen- und Symbolsysteme folgt,
die zu trans-nationalen und transregionalen Orientierungen befähigen.
Damit ist hier ein Dilemma ange-sprochen, das politische Kommunikation
zu lösen hat: die Vermittlung von partikularistischer und universalistischer
Orientierung, die sich nicht einander ausschließen, sondern ergänzen
sollte. Entsprechend frage ich nun nach der politikstrategischen Neugestaltung
der Symbolik und der Konstitution neuer Raummythen: Inwieweit werden sie
spät-modernen Entwicklun-gen und Erfordernissen gerecht, wer produziert
und transformiert mit modernen Kommuni-kationsstrategien welche Geschichte,
Kultur und Tradition als ökonomische und politische Ressourcen für
Modernisierungsprozesse? Welche kulturellen Artefakte werden also in re-gionalen
Heritage-(Kulturerbe)Bewegungen produziert und mobilisiert und wessen
Kultur damit repräsentiert?
Gisela Brandt (Berlin)
Zum Umgang mit sprachkulturellen Problemsituationen in
der deutschen Sprachinsel Priib/Aleksejevka (Bakortostan)
Die Sprachinsel Priib/Aleksejevka (südwestliches Uralvorland,
westlich der baschkirischen Landeshauptstadt Ufa), die auch in den schweren
Jahren des 2. Weltkrieges Bestand hatte, wurde in den Jahren 1906 bis
1910 begründet. Die Ansiedler stammten aus der südlichen Ukraine;
ihre Vorfahren waren vornehmlich aus dem südwestdeutschen Sprachraum
einge-wandert. 1995 lebten hier ca. 1100 Deutsche.
Mit den 11 Dörfern entstanden Muttersprachschulen (4 Klassen), in
denen Lesen, Schreiben und Rechnen gelehrt wurde. Bearbeitet wurde vornehmlich
religiöse Gebrauchsliteratur. Ausgebildete Lehrkräfte standen
nicht zur Verfügung. Aus unseren Befragungen (1993/94) geht hervor,
daß die erste Generation der Einwandererkinder diese Schulen nicht
regelmä-ßig besuchte und viele nicht alle vier Klassen absolviert
haben. Seit 1930 gab es dann eine weiterführende deutsche Muttersprachschule
(5. - 7. Klasse) in Priib. 1937 wurde Russisch Unterrichtssprache,
Deutsch 1. Fremdsprache ab 5. Klasse. 1958 wurde die 8-jährige Pflichtschule
mit erweitertem Deutschunterricht eingeführt. Jetzt gibt es in Priib
eine elfklassige russische Schule mit erweitertem Deutschunterricht. Die
Nachkriegsgeneration hat zu großen Teilen eine abgeschlossene Berufsausbildung
und Fachschulen, gelegentlich Hochschulen oder die Universität in
Ufa besucht.
Seit eineinhalb Jahrhunderten ist die deutsche Inselsprache von der binnendeutschen
Spra-chentwicklung abgekoppelt, die binnendeutsche Standardsprache wirkt
erst seit den 80er Jahren über Spätaussiedler auf größere
Teile der Bewohner der Exklave. Bis auf 2 Kinder bezeichneten alle 825
Befragten Deutsch als ihre Muttersprache, russisch als ihre Zweit-sprache.
Während die Zweitsprache von den meisten in Wort und Schrift beherrscht
wird, lesen nur wenige deutsche Bücher und Zeitungen, noch weniger
schreiben deutsche Briefe. Deutsche Muttersprache ist die Ortsmundart.
Mit dem Konferenzbeitrag werden Antworten auf folgende Fragen versucht:
- Wie haben sich die deutschen Kolonisten auf die ungewohnte sprachliche
Umgebung (tatarisch, baschkirisch) eingestellt?
- Wie sieht die Domänenabgrenzung zwischen Muttersprache und Zweitsprache
aus? In welchen Funktionalbereichen bzw. in welchen Situationen werden
diese Sprachen ein-gesetzt?
- Wie wirken sich die gesellschaftlichen Veränderungen (Technisierung
und Kollektivierung der Landwirtschaft, Zwangsverpflichtung in die Trudarmee,
national gemischte Ehen, ...) auf die Muttersprache bzw. auf den Gebrauch
der Muttersprache aus?
- Wie beeinflußt das Zusammenleben in der gut überschaubaren
Sprachinsel das einge-brachte Varietätengefüge der Siedler?
- In welcher Weise werden Entwicklungstendenzen des Binnendeutschen in
der Insel-sprache fortgeführt? In welcher Weise werden grammatische
Traditionen bewahrt?
Spezielle Fachliteratur
Asfandiarova, Dania (l996): Vokalismus der Ortsmundart des Dorfes Aleksejevka.
Nach den Dialekten der l. Altersgruppe (über 60 Jahre). In: Gisela
Brandt (Hrsg.): Historische Soziolinguistik des Deutschen III. Sprachgebrauch
und sprachliche Leistung in sozialen Schichten und soziofunktionalen Gruppen.
In-ternationale Fachtagung Rostock/Kühlungsborn 15. - 18.9.1996.
(S.A.G. 351) Stuttgart, S.277-298.
Asfandiarova, Dania (l998): Die sprachliche Situation 1995 in der deutschen
Sprachinsel Priib/Aleksejevka - Eine Geschlechtskonfrontierende
Darstellung. In: Gisela Brandt (Hrsg.): Bausteine zu einer Geschichte
des weiblichen Sprachgebrauchs III. Forschungsberichte und feministische
Fragestellungen. Internatio-nale Fachtagung Dresden 15.-16.09.1997. (S.A.G.
363) Stuttgart, S.133-159.
Asfandiarova, Dania (l999): Mir verzähle doch lutherisch und die
katholisch - Dialektmischung im Vokalismus in der deutschen Sprachinsel
Priib/Aleksejevka (Baschkortostan/Russische Föderation). In:
Gisela Brandt (Hrsg.): Historische Soziolinguistik des Deutschen IV. Soziofunktionale
Gruppe - kommunikative Anfor-derungen - Sprachgebrauch. Internationale
Fachtagung Rostock 13. - 16.9.1998. (S.A.G. 372) Stuttgart, S.241-262.
Asfandiarova, Dania (2000): Sprechen Frauen altertümlicher? Eine
geschlechtskonfrontierende Darstellung des Mundartgebrauchs in der deutschen
Sprachinsel Priib/Aleksejevka (Baschkortostan). In: Gisela Brandt
(Hrsg.): Bausteine zu einer Geschichte des weiblichen Sprachgebrauchs
IV. Fragestellungen - Metho-den - Studien. Internationale Fachtagung Potsdam
12.-15.09.1999. (S.A.G. 380) Stuttgart, S.161-174.
Brandt, Gisela (1995a): Deutsche Sprachinseln in Baschkirien. In: Gisela
Brandt/Rainer Hünecke (Hrsg.): Wie redet der deutsche man in solchem
fall? Erwin Arndt zum 65. Geburtstag. (S.A.G. 318) Stuttgart, S.29-48.
Brandt, Gisela (1995b): Die deutsche Sprachinsel Priib/Aleksejevka
Baschkirien. In: Gotthard Lerch-ner/Marianne Schröder/Ulla Fix (Hrsg.):
Chronologische, areale und situative Varietäten des Deutschen in
der Sprachhistoriographie. Festschrift für Rudolf Große. (Leipziger
Arbeiten zur Sprach- und Kommu-nikationsgeschichte 2) Frankfurt a.M.,
S.247-254.
Brandt, Gisela (l999): Systemausgleich in der Verbflexion in der bäuerlichen
Sprachinsel Priib/Aleksejevka. In: Gisela Brandt (Hrsg.): Historische
Soziolinguistik des Deutschen IV. Soziofunktionale Gruppe - kommu-nikative
Anforderungen - Sprachgebrauch. Internationale Fachtagung Rostock 13.
- 16.9.1998. (S.A.G. 372) Stuttgart, S.211-228.
Brandt, Gisela (200l): Zur äußeren Flexion des Verbs (Präsens
Indikativ Aktiv) in den Ortsmundarten der deut-schen Sprachinsel Priib/Aleksejevka
(Bakortostan). In: Jörg Meier/ Arne Ziegler (Hg.): Deutsche
Sprache und Kultur in Europa. Festschrift für Ilpo Tapani Piirainer.
Wien.
Fust, N. J. (l 976): Die deutsche Mundart des Dorfes Prischib (Rayon Blagowar,
BASSR). Diplomarbeit UniPF, masch. Ufa.
Latypova, V. V. (198l): Glagol v verxnenemeckom dialekte d. Priib
Blagovarskogo rajona BASSR. Diplomarbeit InuPF, masch. Ufa.
Meissner, Veronika (l 999): Zum Artikelgebrauch in den Respondentenbeiträgen
zu Interviews mit Einwohnern des Dorfes Aleksejevka (Sprachinsel Priib/Aleksejevka).
In: Gisela Brandt (Hrsg.): Historische Sozio-linguistik des Deutschen
IV. Soziofunktionale Gruppe - kommunikative Anforderungen - Sprachge-brauch.
Internationale Fachtagung Rostock 13. - 16.9.1998. (S.A.G. 372) Stuttgart,
S.229-240.
Wolfdietrich Hartung (Berlin, Leibniz-Sozietät)
Über die Wahrnehmung sprachlicher Unterschiede. Methodologische Anmerkungen
zu "Ostdeutsch" und "Westdeutsch"
Unsere Wahrnehmungen sind in bestimmter Weise gelenkt,
in höherem Maße noch ist es unser Reden über Wahrnehmungen.
Das heißt nicht, dass wir etwas nicht Vorhandenes wahrnehmen oder
dass unsere Wahrnehmungen "falsch" (in einem hier nicht weiter
zu er-örternden Sinn) sind. Sie sind aber zumindest selektiv, weil
unser Vorwissen als Filter wirkt. Und bei Verallgemeinerungen, Typisierungen
und "Erklärungen" lassen wir uns von Vorstel-lungen und
Begriffen leiten, die uns bereits zur Verfügung stehen und die in
den betreffen-den Öffentlichkeiten akzeptiert und damit positiv bewertet
sind.
Dies gilt auch für die Wahrnehmung (und "Erklärung")
von Unterschieden im Sprachge-brauch bestimmter Sprechergruppen, sowohl
durch "naive" Sprecher wie auch durch Lingui-sten. (In der linguistic
anthropology ist in den letzten Jahren für diesen Tatbestand das
Kon-zept der language ideology entwickelt worden; andere Annäherungen
nehmen ihren Aus-gang in der Kognitionswissenschaft oder im Konstruktivismus.)
Vor diesem Hintergrund sind die Unterscheidung "ostdeutscher"
sprachlicher Besonderhei-ten und ihr Bezug auf eine "westdeutsche"
Norm kritisch zu hinterfragen. Ein evidentes Bei-spiel sind wechselnde
Antworten auf die Frage, wie viele deutsche Sprachen es gab/gibt oder
welche Varianten des Deutschen es in der DDR gab. Ähnliches gilt
für die Beurteilung der Ost-West-Unterschiede im Berlinischen oder
für das Aufspüren von Unterschieden im Register-Potential der
Ost- und Westdeutschen. Vorsicht ist auch geboten, wenn mit einem Anspruch
auf allgemeinere Gültigkeit gesagt wird, dass Ostdeutsche andere
Kommunika-tions-Muster hätten oder bevorzugten und wenn dies aus
Besonderheiten der kommunikati-ven Praxis in der DDR abgeleitet wird.
Mögliche Kommunikationsprobleme dürften eher durch einen vorurteilsfreien
und toleranteren Umgang mit Unterschieden abgebaut werden.
Inken Keim/ Deniz Tandogan-Weidenhammer (IDS
Mannheim)
Der Umgang mit dem negativen Face in zwei jugendlichen Migrant/innengruppen.
Ziel des Papers ist es, auf der Basis von Gesprächsaufnahmen
aus zwei verschiedenen Migrant/innengruppen türkischer Herkunft unterschiedliche
Formen der Herstellung von sozialer Distanz und Nähe darzustellen.
Das Material stammt aus einer soziolinguistisch-ethnographischen Untersuchung,
die den Zusammenhang zwischen sozial-kultureller Orientierung und der
Herstellung kommunikativer sozialer Stile zum Gegenstand hat. Bei den
ausgewählten Gruppen handelt es sich um einerseits eine akademische
Gruppe, die europäisch orientiert ist und an einem positiven Bild
der "Europa-Türken" arbeitet; andererseits um eine Gruppe
junger Frauen, die in einem Ausländerstadtteil lebt und in ihrer
sozial-kulturellen Orientierung auf das soziale Leben des Stadtteils ausgerichtet
ist. Ihr Selbstbild ist am Leitbild einer unabhängigen und durchsetzungsfähigen
Frau ausgerichtet. In Abhängigkeit von den sehr unterschiedlichen
Selbstbildern unterscheiden sich die Grup-pen in zentralen Regeln des
Sprechens, die mit der Berücksichtigung des "negativen Face"
(im Sinne Goffmans) des anderen zu tun haben. Das wird anhand von Beispielen
vorgeführt.
Peter Hans Nelde, (Katholische Universität
Brüssel)
Sprachideologie als Herrschaftsinstrument
Im Verhältnis zwischen dominanten und subdominanten
Sprachen und Kulturen äußert sich der Machtanspruch seitens
der dominanten Kultur- und Sprachgemeinschaft
1. als sprachpolitische Instrumentalisierung (Beispiel Namibia, Südafrika),
2. als kulturpolitisch verbrämte Sprachplanung (Beispiel Balkan,
Bosnien-Herzegowina),
3. als bildungspolitischer Eingriff in den Fremdsprachenunterricht (Beispiel
Englisch in Mittel- und Westeuropa)
Eine Gegenüberstellung ideologisch begründeter Sprachplanungsmaßnahmen
soll den An-teil von Sprache als ein Teil des Machtinstrumentariums gegenwärtiger
Kulturpolitik aufzei-gen.
Ilona Pache, (Potsdam/Berlin)
Die Repräsentation von Dialogen als kulturelle Praktik bei der Darstellung
professio-neller Kompetenz
Dass Kulturen kontinuierlich in den Dialogen ihrer Mitglieder
sichtbar, d.h. produziert, repro-duziert und überprüft werden,
also die Annahme des emergenten und dialogischen Charak-ters von Kultur,
ist Ausgangspunkt dieses Beitrags. Er befaßt sich zentral mit Formen
und Funktionen der Wiedergabe von Dialogen bei der Herstellung kultureller
Kontexte in Institu-tionen. Dabei werden Redewiedergaben in Bewerbungsgesprächen
von Bewerbenden ver-schiedener soziokultureller Herkunft im Hinblick auf
gattungsspezifische Formen und Funk-tionen analysiert. Des Weiteren wird
überprüft, ob die Sequenzen, die Redewiedergaben enthalten,
kulturell relevante Manifestationen aus der Sicht der Teilnehmenden aufweisen.
Der Beitrag schließt an Erkenntnisse neuerer Untersuchungen zu institutioneller
Kommuni-kation an. Darin wird der klassische Gegenstand der Sprachwissenschaft,
die Formen und Funktionen der direkten oder indirekten Redewiedergabe,
weniger im Rahmen grammati-scher oder erzähltheoretischer Fragestellungen
betrachtet. Stattdessen wird die Hypothese exploriert, dass verschiedene
Formen der Repräsentation anderer Stimmen funktional sind für
die Erfüllung institutionell spezifischer Aufgaben und Ziele. Beispielsweise
ist im Bereich Sozialarbeit die Rekonstruktion von Dialogen zwischen Sozialarbeitern
und Klienten funktio-nal für die persuasive Darstellung professioneller
Kompetenz.
Empirisch wird die Repräsentation von Dialogen in Bewerbungsgesprächen
von Sozialar-beiterinnen soziokulturell unterschiedlicher Herkunft (migrierte
sowie ost- und westdeutsche Frauen) untersucht. Dabei wird erstens die
Repräsentation hypothetischer Dialoge zwischen Sozialarbeiterin und
Klientin als gattungsspezifische Darstellung professioneller Kompetenz
herausgearbeitet. Zweitens wird die Ir/Relevanz kultureller Differenz
als Teilnehmerkategorie auf verschiedenen Kontextebenen rekonstruiert.
Eine abschließende Diskussion verdeutlicht die Redewiedergabe als
(kulturübergreifende) konstitutive Praktik der Herstellung professio-neller
Kompetenz im Bereich Sozialarbeit.
Margita Pätzold (Uni GH Kassel)
Die Kategorie Vorurteil' als Lernpotential
Wer sich mit der Kategorie Vorurteil' befasst, stößt
auf zwei grundsätzlich verschiedene Ansätze der Beschreibung.
Der erste Ansatz ist mit ideologie- bzw. sprachkritischen Positio-nen
verbunden: Vorurteile werden als falsche' od. vorschnelle'
Urteile entlarvt, denen die richtigen' bzw. objektiven' Urteile
entgegengestellt werden. Diese normative Kategorisie-rung unterstellt,
dass der Analysierende selbst im Besitz eines besonderen Kategorisie-rungsprivilegs
in Bezug auf die Wirklichkeit' ist.
Der zweite, im Folgenden präferierte Ansatz, lässt sich als
interaktional' charakterisieren. Das Erkenntnisinteresse richtet
sich auf die wechselseitige Wahrnehmung und Bewertung differenter Sprech-
und Urteilspraktiken. Dieser Ansatz ist rückgebunden an die biografisch
eingeschränkten Beobachtungsmöglichkeiten der Interaktionspartner.
Ausgehend davon werden die Unterscheidungsweisen zwischen Urteil'
und Vorurteil' als teilnehmerseitige Bewertungen gefasst und gefragt:
1. Wie werden Differenzen in sprachlichen Ausdrucksformen (z.B. "Zigeuner"
vs. "Sinti und Roma") als soziale Zeichen der Zuordnung des
Sprechers zu Ideologiegruppen relevant gesetzt?
2. Wie werden Bezeichnungskonkurrenten zur Diskurskontrolle und zur Strukturierung
des Gesprächs eingesetzt?
3. Wie werden die jeweils gruppenspezifischen und historisch gebundenen
impliziten Vorurteilskriterien wechselseitig kommunikativ zugänglich?
Prof. Dr. Jörg Roesler
Nicht allein anders Sprechende sind anders Denkende. Erfahrungen
mit der Integration der Elsaß-Lothringer in das Deutsche Reich 1871
-1913
1.Der Krieg des von Preußen geführten Norddeutschen
Bundes und seiner süddeutschen Verbündeten gegen Frankreich
war nicht wegen Elsaß-Lothringen begonnen worden. Erst nachdem das
französische Kaiserreich unter Napoleon III. unerwartet bei Sedan
eine schwere Niederlage erlitten hatte, wurden Ansprüche Deutschlands
auf die französischen Rhein- und das Moseldepartement geltend gemacht.
Elsaß-Lothringen wurde Reichsland.
Die Elsaß-Lothringer waren somit den politischen Zielen, die die
Reichsregierung im Reichsland verwirklichen wollte, unmittelbar ausgeliefert.
2.Die Reichspolitik in Elsaß-Lothringen konzentrierte
sich auf die Einführung des preußischen Verwaltungs- und Militärwesens,
sie erstreckte sich aber auch auf die Sprache.
Das mag zunächst verwundern, denn für fünf Sechstel der
Elsaß-Lothringer war die Umgangssprache Deutsch. Zwischen den einströmenden
deutschen Beamten und der einheimischen Bevölkerung gab es also keine
nennenswerten sprachlichen Kommunikationsprobleme. Jedoch war schon vor
1871 bekannt, dass die Leute in Elsaß-Lothringen zwar "deutsch
sprechen", dabei "aber gute Franzosen sind."
" Gute Franzosen" waren gemäß der antifranzösischen
Stimmung, die in Deutschland in den 1860er Jahren einen neuen Höhepunkt
erreicht hatte, schlechte Deutsche. Reichsregierung und Öffentlichkeit
waren sich daher darin einig, dass man - um ein Wort Bismarcks zu zitieren
- der Bevölkerung des Reichslandes den "französischen Anstrich
absprengen" müsse. Dazu waren ihm sprachpolitische Maßnahmen
und Sanktionen - nicht nur gegen die französischsprechende Minderheit,
sondern vor allem die deutsche Mehrheit der Elsaß-Lothringer - gerade
recht. Die Sprachpolitik wurde zum wichtigen Bestandteil der Integrationsbemühungen
im Anschlussgebiet.
3. Zwischen 1871 und 1872 wurde das Hochschulwesen "reformiert",
die Universität Straßburg wieder deutsch. Zwischen 1871 und
1874 wurde der Schulunterricht durchgehend deutsch, der Französischunterricht
völlig abgeschafft.
Mit Geboten und Verboten wurde die antifranzösische Sprachpolitik
auch auf die Verwaltung und das öffentliche Leben des Reichslandes
ausgedehnt. Ab 1872 war Deutsch einzige Verwaltungs- und Gerichtssprache,
ausgenommen in den frankophonen Gemeinden, für die nunmehr Zweisprachigkeit
galt. Ab 1881 bzw. 1888 war Deutsch die einzige zugelassene Sprache in
den beratenden parlamentarischen Gremien Elsaß-Lothringens
Hinter der auf Eindeutschung ausgerichteten Sprachpolitik stand eine Sprachideologie,
die davon ausging, dass Sprachen bestimmte Werte verkörpern und die
deutsche Sprache "deutsche Werte" wie Ehrlichkeit, Direktheit,
Wehrhaftigkeit u. a. "nationale Tugenden" vermittele. Vor allem
mit Hilfe des verordneten alleinigen Gebrauchs der deutschen Sprache sollte
im Reichsland ein deutsches Sprachbewusstsein entstehen als Grundlage
und wesentlicher Bestandteil der "moralischen Wiedereroberung des
Elsaß" durch das Reich.
4. Die Deutschoffensive, gepaart mit dem Verbot des Französischen,
blieb in Elsaß-Lothringen nicht ohne die beabsichtigten Folgen.
Der aktive und passive Gebrauch des Französischen ging stark zurück.
Die zunehmende Durchsetzung des Deutschen als Sprache wurde von den Sprachideologen
als Durchsetzung des deutschen Sprachbewusstseins betrachtet, mit der
Durchsetzung deutschen "Denkens und Fühlens" überhaupt
identifiziert.
5.Nach einer Reihe von Jahren der Defensive reagierte
die elsässische und lothringische Elite auf die aggressive Eindeutschungspolitik
Berlins mit einer Betonung der kulturellen Eigenständigkeit des Reichslandes.
Es ist bemerkenswert, dass die Reaktion besonders früh und tiefgehend
in dem bis auf einige Vogesengemeinden schon immer deutschsprachigen Elsaß
einsetzte. Von 1895 bis etwa 1905 wurde in einer ersten kulturellen Gegenbewegung
der Akzent auf den eigentlich elsässischen "dialektischen"
Aspekt der elsässischen Kultur gelegt. Nach 1905 zeichnete sich eine
neue kulturelle Bewegung ab, die die Doppelkultur des Elsaß problematisierte
und den Akzent auf die französische Komponente setzte. Im französischsprachigen
Lothringen begann die kulturelle Wiederbelebung ein Jahrzehnt später,
etwa 1904/05.
6.Die zunehmenden Zeichen des Misslingens der stark sprachpolitisch
bestimmten Eindeutschungspolitik im Reichsland wurde von der Mehrzahl
der deutschen Beamten, die in Elsaß-Lothringen stationiert waren,
und sich in den Vorstädten von Straßburg, Colmar und Metz komfortabel,
wenn auch isoliert von den Einheimischen, eingerichtet hatten geflissentlich
übersehen. Sie wurden, schon mangels Interesse, im übrigen Reich
kaum bemerkt. "Deutschlandweit" unübersehbar wurden die
Folgen der verfehlten Integrationspolitik erst 1913 durch die Zabernaffäre,
eine Rekrutenschinderei, die im Elsaß zu tagelangen Bürgerprotesten
führte und in Berlin zu einem Misstrauensvotum gegen die Reichsregierung.
7.Die Zabernaffäre widerlegte anschaulich die Auffassung
der Sprachideologen, dass die Sprache das Denken spezifisch prägt.
Gescheitert war eine Sprachpolitik, die darauf abzielte, den Bewohnern
des Reichslandes ihren "französischen Anstrich", ihre durch
das Zusammenleben mit der französischen Sprachnation in einem Staat
entstandene spezifische regionale Kultur abzugewöhnen, in dem man
ihnen korrektes Deutsch beibrachte und sie von der französischen
Sprache fernhielt. Die wachsende Verbreitung des Deutschen im Reichsland,
selbst die Verringerung des dortigen französischen Sprachgebiets
führten nicht dazu, dass die Elsaß-Lothringer begannen "deutsch
zu denken und zu fühlen" im Sinne des deutschen Nationalismus
der wilhelminischen Zeit. Berlins Sprachpolitik verstärkte vielmehr
die mentale Distanz der Reichsländer zum übrigen Deutschen Reich,
seinen Institutionen und Menschen.
Jan D. ten Thije (Chemnitz)
'Stinkkiste', 'Schmuckstück' und 'Kultauto' Biographische Erzählungen
über Trabi-Erlebnisse in Ost- und Westdeutschland
Das Perspektivieren kultureller Verschiedenheit in der
interkulturellen Kommunikation ist eine Strategie zur Vermeidung von Fehlinterpretationen
und potentiellen Konflikten. Per-spektivieren bedeutet meiner Auffassung
nach die Einschränkung der Gültigkeit des vermit-telten Wissens
und ist als entgegengesetzt zum Prozess der Verallgemeinerung von kultu-rellem
Wissen aufzufassen.
Anhand der Analyse von biographischen Erzählungen von Trabi-Erlebnissen
aus Ost- und Westdeutschland wird gezeigt, welche unterschiedlichen sprachlichen
Mittel für das Per-spektivieren zur Verfügung stehen.
Trabi-Erzählungen sind sehr geeignet, um verschiedene kulturelle
Identitäten zum Ausdruck zu bringen. Im Forschungsdesign ist die
Konstellation des narrativen Interviews variiert, so dass ein Vergleich
zwischen intra- und interkultureller Kommunikation möglich ist.
In diesem Beitrag wird eine Analyse der Trabant-Bezeichnungen präsentiert.
Die Bezeich-nungen variieren von sehr abstrakt, wie 'Ding' oder 'Wunderwerk',
und Fachtermini, wie 'P70', '601er' oder '1.1er', bis zu Bezeichnungen,
die im Gespräch selbst entwickelt werden, wie zum Beispiel 'Müll-Trabi'
oder 'Camouflage-Trabi'. Neben eher neutralen findet man Be-zeichnungen,
die eine klare positive oder negative Wertung beinhalten.
Die Analyse zeigt, wie Sprecher in intra- und interkultureller Kommunikation
verschiedene Annahmen bezüglich des Hörer-Vorwissens, das die
Bezeichnungen voraussetzen, bear-beiten, indem sie gefragt oder ungefragt
Erklärungen und Erläuterungen hinzufügen. Dar-über
hinaus ist festzustellen, dass Sprecher bewertende Bezeichnungen durchaus
mit Per-spektivierungen versehen.
Elka Tschernokoshewa (Abt. Empirische
Kulturforschung, Sorbisches Institut, Bautzen)
Bilder der Sorben in den deutschsprachigen Medien: Visionen von Reinheit
und Hybridität
Die Verschiedenheit von Kulturen, kulturelle Andersheit,
ethnisch-kulturelle Differenz - wie wird in den heutigen Medien darüber
debattiert? Welche signifikanten Begriffe und Denkfigu-ren werden in dem
Diskurs eingesetzt? Innerhalb welcher Paradigmen bewegen sich die einzelnen
Bilder, wie werden diese Paradigmen konditioniert und welche Konsequenzen
können die unterschiedlichen Beobachtungsperspektiven für das
gemeinschaftliche Leben haben? Das sind die Fragen, die der Beitrag zur
Diskussion stellt.
Der Beitrag basiert auf einer detaillierten Forschung der Bilder der Sorben
- als einer slawi-schen Minderheit in Deutschland - in der deutschsprachigen
Presse von 1994 bis Anfang 2000. Einerseits finden wir Bilder wie: "Gestern
ist hier", "Die Sorben waren von jeher Bau-ern", "Für
alte Bräuche sind heute die Sorben zuständig". Andererseits
gibt es Bilder wie: "Frau mit Doppelleben", "Überlebenskünstler",
"Spiel mit zwei Sprachen". Die Analyse zeigt wie Diskurse sowohl
als Reinigungshandlung, wie andererseits als Hybridisierungshandlung funktionieren.
In dem Diskurs über sorbische Kultur bzw. über kulturelle Verschiedenheit
wird Sprache als Identitätskriterium verschiedentlich gebraucht und
missbraucht.
Anja Vogel
(Ost-)Berliner Identität vs. (Gesamt-)Berliner Identität - eine
ethnographische Analyse von Ostberliner Einstellungen gegenüber dem
Berliner Dialekt im vereinten Berlin
Als die Berliner Mauer am 9. November 1989 fiel, herrschte
Euphorie auf beiden Seiten der Stadt. Umfragen Anfang 1990 zeigten jedoch,
dass diese Freude schnell nachlies. Eines der erst seit kurzem diskutierten
Probleme war die so genannte "Sprachmauer", die sich wäh-rend
der 40-jährigen Trennung entwickelt hatte. Wichtige Untersuchungen
hierzu, wurden zum Beispiel von Reiher (1995), Schönfeld (1993) und
Dittmar (1999) durchgeführt. Sprach-liche Unterschiede beruhten zum
Teil darauf, dass Westberliner den Berliner Dialekt in ge-ringerem Maße
benutzten, und zudem Dialekt und Standardsprache (Hochdeutsch) gemäss
bestimmter sozialer Situationen anwendeten (code-switching) im Gegensatz
zu ihren östli-chen Nachbarn, die den Dialekt häufiger und unbegrenzt
benutzen. Diese linguistischen Unterschiede deuteten auf tiefergehende
Probleme: Schönfeld und Schlobinski (1995:132) wiesen darauf hin,
dass die umgreifenden Veränderungen nach der Wende in "einem
gro-ßen Verlust an Sinnhaftigkeit und Sicherheit, Minderwertigkeitskomplexen
und Identitätskri-sen" im Ostteil resultierten.
Während der Sommermonate 1999 und Anfang 2000 führte ich Untersuchungen
zum Sprachverhalten und zur Einstellung von 20 Ostberlinern durch. Ich
erfragte ihre Einstellun-gen und Gefühle im Hinblick auf den Gebrauch
des Dialektes und der Standardsprache. Mein Ziel war es festzustellen,
ob sich diese Berliner den vorherrschenden sozialen und sprachlichen Regeln
Westberlins widersetzten oder anpassten, und ob sie sich zur Anpas-sung
gezwungen fühlten. Im Besonderen wollte ich herausfinden, wie Sprache
gebraucht und ihre verschiedenartige Benutzung verstanden wird und ob
sie benutzt wird, um neue Identitäten zu formen bzw. alte aufrecht
zu erhalten.
Die angewandten Methoden sollten die "overt" und "covert"
Gefühle und Meinungen der Teilnehmer in Bezug auf den Sprachgebrauch
erkunden. Ich griff auf Umfragebögen, Interviews und ausführliche
Gespräche zurück, um öffentliche Meinungen (overt) zu erfah-ren.
Schwieriger ist es, verdeckte, private Gefühle (covert) zu erkunden.
Zu diesem Zweck entwickelte ich eine Art "matched-guise" Test.
Die Resultate der Untersuchung deuten darauf hin, dass der Gebrauch von
Hochdeutsch bei Ostberlinern zugenommen hat. Unterschiede existieren jedoch
in Bezug auf Alter und Ge-schlecht. Den Angaben der Teilnehmer zufolge,
wird Hochdeutsch benutzt, um den Eindruck einer höheren sozialen
Stellung und eines höheren Bildungsniveaus zu erzeugen. Dennoch beschrieben
die Befragten eine emotionale Verbindung zum Dialekt und wiesen darauf
hin, dass der Dialekt benutzt wird, um die Zugehörigkeit zu anderen
"Ossis" in sozialen Gruppen auszudrücken.
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