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300 Jahre

   

   
     
   
Klimawandel und Energieversorgung

Aufruf zur Diskussion
Der im Dezember 2009 in Kopenhagen zuende gegangene "Klimagipfel" mit seinem für viele enttäuschenden Ergebnis hat die Diskussionen um die Klimaproblematik weltweit neu entfacht. "Klima", - dieser Begriff birgt Sprengstoff in sich und beeinhaltet eine der wichtigsten Zukunftsfragen der Menschheit. Müssen wir uns darauf einstellen, einem kommenden Klimawandel durch Anpassung gewappnet gegenüber zu treten oder können wir diesen Wandel auch ganz oder teilweise beeinflussen und vielleicht sogar abwenden?

Im Anschluss an die Plenarsitzungder Leibniz-Sozietät am 10. Dezember 2009, auf der Karl Lanius über "Tipping Points (Kipppunkte) in Natur und Gesellschaft" vorgetragen hatte, schlug unser Mitglied Heinz Kautzleben vor, die Diskussion um den Klimawandel und insbesondere seine Beziehung zur sicheren Versorgung der Menschheit mit Energie und Rohstoffen (vgl. Sitzungsberichte 1994,) wieder aufzunehmen. Damit kann zugleich an die online-Debatten unserer Sozietät zur Verantwortung des Wissenschaftlers in unserer Zeit (Karl Lanius) und zum Ende des Ölzeitalters (Lothar Kolditz) unmittelbar angeknüpft werden.
Mein Aufruf zu einer neuerlichen Debatte über "Klimawandel und Energieversorgung" erfolgt auch mit Blick auf eine lange Tradition der berliner Wissenschaftsakademie in der Klimaforschung.
Schon mit der Tätigkeit des ersten Astronomen der Brandenburgischen Sozietät der Wissenschaften, Gottfried Kirch, an den im Jahre 2010 von unserer Sozietät anlässlich seines 300.Todestages mit einem Kolloquium erinnert werden wird, war auch der Beginn regelmäßiger meteorologischer Beobachtungen in Berlin verbunden. Leopold von Buch und Alexander von Humboldt haben im 19. Jahrhundert die klassische Klimatologie wesentlich mit begründet, zu der Heinrich Wilhelm Dove, nahezu 4 Jahrzehnte als Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften, bedeutsame Beiträge geleistet hat.
Unter den Mitgliedern der Deutschen Akademie der Wissenschaften und der Akademie der Wissenschaften der DDR sind in diesem Zusammenhang Siegfried Dyck, Ernst August Lauter, Klaus Voigt und vor allem der langjährige Direktor des Meteorologischen Dienstes, Wolfgang Böhme zu nennen, der als Mitglied der Commission for Atmospheric Sciences der Meteorologischen Weltorganisation (WMO) zuletzt Leiter einer der Arbeitsgruppen war, die das auf der Zweiten Weltklimakonferenz 1990 in Genf beschlossene Weltklimaprogramm ausgearbeitet haben.
Die letzte Plenartagung der Gelehrtengesellschaft der Akademie der Wissenschaften in ihren angestammten Räumen war am 9. April 1992 der "Zukunft des globalen Klimas - Unsicherheiten und Risiken" gewidmet - einen Monat vor der Verabschiedung der UN-Rahmenkonvention zum Klimawandel in New York, mit der das Ziel verfolgt wurde, eine gefährliche anthropogene Störung des Klimasystems zu verhindern.
Was damals noch als ein rein akademisches Ansinnen von Gelehrten missverstanden werden konnte, ist in der Zwischenzeit zu einem globalen Problem höchster Relevanz geworden, das Staatsmänner in aller Welt und zunehmend auch breite Kreise der Bevölkerung bewegt, wie die Ereignisse um den Klimagipfel in Kopenhagen demonstriert haben.
Unsere Gelehrtengesellschaft tut gut daran, die zu Beginn ihrer Tätigkeit aufgenommene Diskussion des globalen Wandels und die spätere Erörterung der sicheren Versorgung der Menschheit mit Energie und Rohstoffen (vgl. Sitzungsberichte 82, 2005) in Form einer öffentlichen Debatte wieder aufzunehmen.
Auf jeden Fall aber sollte die Debatte interdisziplinär und unter Teilnahme auch von Sozial-und Geisteswissenschaftlern geführt werden, deren Meinung beispielsweise zu wissenschaftssoziologischen und -politischen, zu ökonomischen, sozialen und völkerrechtlichen wie zu philosophischen Aspekten der anstehenden Problematik gefragt ist.
Die von Heinz Kautzleben verfassten Thesen, die auch der Klasse Naturwissenschaften vorgelegen haben, sollen als Anregung und möglicher Leitfaden für die Diskussion verstanden werden, während in den Thesen von Karl-Heinz Bernhardt eine fachwissenschaftliche Position zum Problem des Klimawandels umrissen wird.

Dieter B. Herrmann
Präsident

Berlin, 20. Dezember 2009

Thesen
K.-H. Bernhardt

Die Leibniz-Sozietät hält es für eine herausragende Verpflichtung, sich Fragen der Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft zuzuwenden und damit Impulse der Wissenschaft in die Gesellschaft zu senden.


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Aktualisiert am: 02.02.2010