Nikolai Gennadijevitsch BASOV
* 14.12.1922 † 01.07.2001

Korrespondioerendes / Auswärtiges Mitglied
der Akademie der Wissenschaften
seit 1967
   

Am 1. Juli 2001 verstarb Nikolai Gennadijevitsch Basov in einem Krankenhaus in Moskau. Damit verlor die internationale Wissenschaft einen der Begründer der Quantenelektronik, eine der großen Entwicklungen der Physik der vergangenen Jahrzehnte mit bedeutenden wissenschaftlichen Ergebnissen und weitreichenden praktischen Anwendungen.
Am 14. Dezember 1922 in Usman nahe Woronesch geboren, besuchte Basov die Schule in Woronesch und wurde 1941 zum Militär eingezogen. An der Militärmedizinischen Akademie in Kuibyschev erhielt er eine Ausbildung als Assistenzarzt und diente an der Ukrainischen Front. Ende 1945 wurde er demobilisiert und begann sein Studium der theoretischen und experimentellen Physik am Moskauer Ingenieur-Physikalischen Institut. . Anfang der 50er Jahre arbeitete er am physikalischen P. N. Lebedev-Institut der Akademie der Wissenschaften gemeinsam mit A. M. Prochorov über molekulare Oszillatoren und wurde 1956 promoviert. 1952 zeigten Basov und Prochorov auf der Grundlage theoretischer Überlegungen die Möglichkeit, Verstärker und Oszillatoren auf der Basis der induzierten Emission von Quantensystemen bei inverser Besetzung zu konstruieren. 1955 schlugen beide eine wirkungsvolle Methode zum selektiven Pumpen eines Drei-Niveau-Systems vor. Parallel dazu wurden Maser und Verstärker mit niedrigem Rauschen entwickelt. Beide erhielten 1959 den Lenin-Preis und 1964 gemeinsam mit Charles Townes den Nobel-Preis für die grundlegenden Arbeiten auf dem Gebiet der Quantenelektronik, die zu Masern und Lasern führten.
Zunächst waren Halbleiter als aktive Medien für Quanten-Licht-Generatoren, Laser, in Betracht gezogen worden, die in verschiedener Weise angeregt werden sollten, darunter durch die Injektion von Ladungsträgern über einen p-n-Übergang, die heute am weitesten verbreitete Methode. Später beschäftigten sich Basov und seine Mitarbeiter mit Frequenzstandards. So konnten die Genauigkeiten von Frequenzen und Wellenlängen von atomaren und molekularen Übergängen um viele Größenordnungen gesteigert werden.
Basov engagierte sich auch in starkem Maße für die Nutzbarmachung der Ergebnisse für sein Land und benannte, gemeinsam mit seinen Mitarbeitern, verschiedene wissenschaftliche und technische Arbeitsrichtungen für praktische Anwendungen. Unter anderem beschäftigte er sich mit der Entwicklung leistungsstarker Laser, einer wichtigen Richtung der Forschung, Beginnend 1962 entstand so eine breite Familie, Photodissoziations-, Excimer-, elektronenstrahlangeregte und chemische Laser. Besonders erfolgreich waren Jod-Photodissoziationslaser, in denen eine Stosswelle das aktive Medium anregt. Solche Laser wurden gemeinsam vom Lebedev-Institut und dem Allunionsinstitut für Experimentalphysik hergestellt. Bereits 1968 wurden Megajoule-Impulse erreicht.
Die breiten Interessen Basovs waren auch auf die Lösung globaler Probleme gerichtet, wie Energieerzeugung, industrielle Nutzung und Gesundheit. Mit dem Ziel, eine hohe Energiekonzentration zu erzielen, wurden auf Initiative von Basov Arbeiten zur Frequenzkonversion durchgeführt, auch im Hinblick auf Mehrkanal-Laser.
1962 wurde im Präsidium der Akademie, 1963 dann auf einer internationalen Konferenz in Paris von Basov (zusammen mit O. N. Krochin) der Vorschlag für die Erzeugung thermonuklearer Reaktionen durch Beschuss von Targets mit Laserstrahlung gemacht. 1968 wurden die ersten Neutronen gewonnen, und in vielen Laboratorien der Welt wurden Arbeiten zur lasergesteuerten Kernfusion aufgenommen.
Unter der Leitung von Basov wurde im Lebedev-Institut eine Mehrkanalanlage mit einer Leistungsdichte von 1014 W/cm3 aufgebaut, um die Möglichkeit der effizienten Einkopplung der Laserenergie auf das Target zu demonstrieren. Das Target wurde sphärisch bis zu der Dichte eines festen Körpers komprimiert, so dass thermonukleare Reaktionen erhalten wurden. Basov und seine Mitarbeiter entwickelten zur Verringerung der erforderlichen Laserenergie für einen positiven Output Targets mit besonders dünnen Schalen, wie sie heute durchweg benutzt werden. Bei der Weiterentwicklung der Laseranlage "Delfin" konnten Mitarbeiter des Zentral Instituts Pur Optik und Spektroskopie der hiesigen Akademie der Wissenschaften einen Beitrag leisten.
Basov und seine Mitarbeiter entwickelten das Konzept eines thermonuklearen Reaktors und schließlieh eines Hybridreaktors unter Nutzung spaltbaren Materials, um in der Zukunft eine relativ sichere nukleare Energiequelle zur Verfügung zu haben.
Im Interesse einer raschen Nutzung der Ergebnisse in der Volkswirtschaft wurde von Basov ein spezielles Entwicklungsbüro in Troizk nahe Moskau ins Leben gerufen, das viele Jahre erfolgreich arbeitete. 1980 wurde eine Filiale des Lebedev-lnstituts in Samara gegründet, das - heute unabhängig - Ergebnisse der Forschung in die Industrie überführt.
Ähnlich wurde zur Förderung medizinischer Anwendungen des Lasers eine spezielle Abteilung im Lebedev-Institut eingerichtet.
Basov widmete sieh auch dem wissenschaftlichen Nachwuchs. Er hatte einen Lehrstuhl am Moskauer Ingenieur-Physikalischen Institut, gründete und leitete eine spezielle höhere Schule für Physik, die dem Ingenieur-Physikalischen-Institut und dem Lebedev-Institut zugeordnet war. Viele seiner Schüler waren wissenschaftlich erfolgreich, mehrere erhielten hohe staatliche Auszeichnungen, einige wurden Mitglieder der russischen Akademie der Wissenschaften.
Für die Entwicklung der Quantenelektronik in der DDR hatten die Beziehungen zu Instituten der sowjetischen Akademie der Wissenschaften und der Universität Moskau, die von N. G. Basov seit Mitte der 60er Jahre intensiv gefördert wurden, eine große Bedeutung. Hier konnten in längeren und kürzeren Studienaufenthalten die ersten Erfahrungen an international angesehenen Forschungseinrichtungen gewonnen werden. Auch eine umfangreiche Unterstützung mit Bauelementen und Geräten, die für uns sonst nicht zugänglich gewesen wären, förderten die experimentellen Arbeiten vor allem im Zentralinstitut für Optik und Spektroskopie. Diese wissenschaftlichen Beziehungen (neben Basov sind hier vor allem die Akademiemitglieder Prochorow, Chochlov und Mandelstam zu nennen) trugen viel zu einem raschen Aufholen und in manchen Richtungen zu einem Aufschließen an den Stand der internationalen Forschung bei. Mit vielen ihrer Mitarbeiter entwickelten sieh freundschaftliche Beziehungen, die auch zu regelmäßigen Gegenbesuchen in die DDR führten, Kontakte, die bis heute anhalten. Zahlreiche Themen der Zusammenarbeit, die in vielen Beratungen mit Basov und seinen Mitarbeitern erarbeitet worden waren, erwiesen sich als erfolgreich. Die regelmäßig in Dresden oder Leipzig stattfindende wissenschaftliche Konferenz "Laser und ihre Anwendungen", an der Basov meist teilnahm, entwickelte sich zu einem wichtigen Treffpunkt von Wissenschaftlern aus Ost und West.
Basov war seit 1962 Korrespondierendes Mitglied und seit 1966 Mitglied der russischen Akademie der Wissenschaften, ebenso Mitglied auswärtiger Akademien, darunter auch der Deutschen Akademie der Wissenschaften, in dieser seit 1967 Korrespondierendes und seit 1969 Auswärtiges Mitglied. Basov war Mitglied des Präsidiums der russischen Akademie der Wissenschaften, viele Jahre Direktor des Lebedev-lnstituts, Chefredakteur der Zeitschrift Priroda und Vorsitzender der Gesellschaft Znanie. 1971 gründete er die Zeitschrift Kvantovaya Electronika und war 30 Jahre lang ihr Chefredakteur. Viele staatliche Auszeichnungen und die Lomonossow-Goldmedaille der russischen Akademie der Wissenschaften würdigten Basovs Leistungen. Basov zeigte einen ungewöhnlichen Ideenreichtum, die Fähigkeit, Kollektive um sich zu sammeln und mit neuen wissenschaftlichen Zielstellungen zu beachtlichen Lösungen zu führen.
Mit der Weiterentwicklung der Quantenelektronik, neuen wissenschaftlichen Gedanken und technischen Lösungen befindet sich diese Wissenschaftsrichtung weiter in seinerzeit kaum geahntem Umfang in raschem Fortschritt und Aufschwung.
Eine Herzschwäche beendete Basovs Leben. Russland und die gesamte wissenschaftliche Welt haben einen großen Physiker und Menschen verloren.

Klaus Junge

 
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Aktualisiert am: 05.10.2001