Hans Heinz Holz
* 26.02.1927 † 11.12.2011
Mitglied der Leibniz-Sozietät seit 1997
   

Die Leibniz- Sozietät der Wissenschaften zu Berlin gedenkt ihres am 11. Dezember dieses Jahres in seinem Wohnsitz S. Abbondio in der Schweiz im Alter von 84 Jahren verstorbenen Mitglieds Hans Heinz Holz. Er war im Jahre 1997 in die Sozietät gewählt worden. Er hat, solange es ihm seine Kräfte erlaubten, nie die weite Reise nach Berlin gescheut, um an wissenschaftlichen Veranstaltungen der Gesellschaft, vor allem der Klasse für Sozial- und Geisteswissenschaften, der er angehörte, teilzunehmen. Seine Auftritte waren stets Höhepunkte im wissenschaftlichen Leben unserer Sozietät.
Geboren wurde er am 26.Februar 1927 in Frankfurt am Main. Trotz seiner Jugend beteiligte er sich aktiv am antifaschistischen Widerstandskampf und wurde aus diesem Grunde noch kurz vor Kriegsende von der Gestapo in Haft genommen. Nach dem Zusammenbruch des Hitler-Regimes studiert er Philosophie und arbeitete als Presse- und Rundfunkjournalist.
1956 wurde er von Ernst Bloch in Leipzig zum Dr. phil. promoviert. 1971 erhielt er eine Professur an der Universität Marburg. 1978 folge er einer Berufung auf den Lehrstuhl für Philosophie der niederländischen Universität Groningen, den er bis zu seiner Emeritierung inne hatte.
Er war zweifellos eine der herausragenden Gestalten der Hochschulphilosophie, der auch außerhalb der Hörsäle einen guten Ruf bei Kollegen wie Studenten genoss. Er war ein vielseitig interessierter Wissenschaftler, der bedeutende Arbeiten um das Kernfach Philosophie verfasste, so zu den Werken von Hegel, Kant und Leibniz. Seine Bibliographie umfasste schon 2007 die kaum noch überschaubare Zahl von 2400 Titeln. Neben der Philosophie galt sein wissenschaftliches Interesse der Ästhetik und Kunst sowie der Ideologie- und Religionsgeschichte. Auch zur Sprachwissenschaft hat er sich wissenschaftlich geäußert. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass er einer der letzten großen Universalisten des 20. Jahrhunderts war.
Im Rahmen seines Generalfaches Philosophie verfasste er eine Reihe von Untersuchungen zur Geschichte des dialektischen Denkens, dem von Anfang an sein Hauptinteresse galt Zu ihnen gehört in erster Linie Weltentwurf und Reflexion, (2005), eine Grundlegung der materialistischen Dialektik, der er sich sein Leben lang verschrieben hatte. In diesem Rahmen setzte er sich leidenschaftlich für die Bewahrung und Weiterentwicklung des theoretischen, philosophischen wie politischen Erbes von Marx, Engels und Lenin ein. In diesem Zusammenhang darf auch nicht seine enge Bindung an die KPD bzw. DKP unerwähnt bleiben, die ihm auch Schwierigkeiten bei seiner akademischen Laufbahn einbrachte.
Er gründete mit seiner Ehefrau Silvia Holz-Markun die Fondazione Centro di Studi Filosofici und gab mehrere wissenschaftliche Zeitschriften heraus.
Hans Heinz Holz, dessen menschliche und moralische Integrität auch von seinen wissenschaftlichen und weltanschaulichen Gegnern anerkannt wurde, hat im Laufe seines Lebens eine Reihe hoher wissenschaftlicher und akademischer Ehrungen und Würdigungen erfahren. Er war u.a. Ehrenpräsident der Internationalen Gesellschaft für dialektische Philosophie, gewähltes Mitglied unserer Sozietät sowie der World Academy of Letters.
Die Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin wird ihrem verstorbenen Mitglied Hans Heinz Holz ein ehrendes Andenken bewahren.

Dieter B. Hermann Hans-Otto Dill
 
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Aktualisiert am: 16.12.2011