Die Leibniz- Sozietät der Wissenschaften zu Berlin gedenkt ihres
am 11. Dezember dieses Jahres in seinem Wohnsitz S. Abbondio in der
Schweiz im Alter von 84 Jahren verstorbenen Mitglieds Hans Heinz Holz.
Er war im Jahre 1997 in die Sozietät gewählt worden. Er hat,
solange es ihm seine Kräfte erlaubten, nie die weite Reise nach
Berlin gescheut, um an wissenschaftlichen Veranstaltungen der Gesellschaft,
vor allem der Klasse für Sozial- und Geisteswissenschaften, der
er angehörte, teilzunehmen. Seine Auftritte waren stets Höhepunkte
im wissenschaftlichen Leben unserer Sozietät.
Geboren wurde er am 26.Februar 1927 in Frankfurt am Main. Trotz seiner
Jugend beteiligte er sich aktiv am antifaschistischen Widerstandskampf
und wurde aus diesem Grunde noch kurz vor Kriegsende von der Gestapo
in Haft genommen. Nach dem Zusammenbruch des Hitler-Regimes studiert
er Philosophie und arbeitete als Presse- und Rundfunkjournalist.
1956 wurde er von Ernst Bloch in Leipzig zum Dr. phil. promoviert. 1971
erhielt er eine Professur an der Universität Marburg. 1978 folge
er einer Berufung auf den Lehrstuhl für Philosophie der niederländischen
Universität Groningen, den er bis zu seiner Emeritierung inne hatte.
Er war zweifellos eine der herausragenden Gestalten der Hochschulphilosophie,
der auch außerhalb der Hörsäle einen guten Ruf bei Kollegen
wie Studenten genoss. Er war ein vielseitig interessierter Wissenschaftler,
der bedeutende Arbeiten um das Kernfach Philosophie verfasste, so zu
den Werken von Hegel, Kant und Leibniz. Seine Bibliographie umfasste
schon 2007 die kaum noch überschaubare Zahl von 2400 Titeln. Neben
der Philosophie galt sein wissenschaftliches Interesse der Ästhetik
und Kunst sowie der Ideologie- und Religionsgeschichte. Auch zur Sprachwissenschaft
hat er sich wissenschaftlich geäußert. Man kann ohne Übertreibung
sagen, dass er einer der letzten großen Universalisten des 20.
Jahrhunderts war.
Im Rahmen seines Generalfaches Philosophie verfasste er eine Reihe von
Untersuchungen zur Geschichte des dialektischen Denkens, dem von Anfang
an sein Hauptinteresse galt Zu ihnen gehört in erster Linie Weltentwurf
und Reflexion, (2005), eine Grundlegung der materialistischen Dialektik,
der er sich sein Leben lang verschrieben hatte. In diesem Rahmen setzte
er sich leidenschaftlich für die Bewahrung und Weiterentwicklung
des theoretischen, philosophischen wie politischen Erbes von Marx, Engels
und Lenin ein. In diesem Zusammenhang darf auch nicht seine enge Bindung
an die KPD bzw. DKP unerwähnt bleiben, die ihm auch Schwierigkeiten
bei seiner akademischen Laufbahn einbrachte.
Er gründete mit seiner Ehefrau Silvia Holz-Markun die Fondazione
Centro di Studi Filosofici und gab mehrere wissenschaftliche Zeitschriften
heraus.
Hans Heinz Holz, dessen menschliche und moralische Integrität auch
von seinen wissenschaftlichen und weltanschaulichen Gegnern anerkannt
wurde, hat im Laufe seines Lebens eine Reihe hoher wissenschaftlicher
und akademischer Ehrungen und Würdigungen erfahren. Er war u.a.
Ehrenpräsident der Internationalen Gesellschaft für dialektische
Philosophie, gewähltes Mitglied unserer Sozietät sowie der
World Academy of Letters.
Die Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin wird ihrem verstorbenen
Mitglied Hans Heinz Holz ein ehrendes Andenken bewahren.
| Dieter B. Hermann |
Hans-Otto Dill |