Vorgestellt
Prof. Dr.
Peter Arlt
* 18.12.1943 - Kunstgeschichte
 

Gewählt am
18. Mai 2000

 

 
 
   
 

begründet 1700

 

 

Lehre als kartographischer Zeichner, Studium Kunsterziehung und Deutsch an der Pädagogischen Hochschule Erfurt 1966/1970.
Promotion zum Dr. päd. 1974, Habilitation 1988 mit einer Arbeit über Antikerezeption in der bildenden Kunst der DDR.
1993 Ernennung zum Professor.
Hauptforschungsschwerpunkt: Ikonographie und Ikonologie.

Selbstdarstellung der wissenschaftlichen Interessen und Vorhaben

Was ist das Urbild des modernen Menschen? Ikarus, der über das vermeintlich Bewährte hinaus will und scheitert? Sisyphos, dessen Intelligenz mit einer stupid sich wiederholenden, vielleicht unerfüllbaren Aufgabe konfrontiert ist, wie der Mensch, der sich auf dem Weg zum sozialistischen Gipfel wähnte und sich nun am Fuß des Berges seinem Stein gegenüber sieht? Oder sind es Prometheus oder Odysseus, die ihr Schicksal selbst, unabhängig vom Willen der Götter bestimmen wollten? Oder deuten Individualismus und Selbstsucht gar auf Narziss? Die griechischen Mythen, in ihren Mythemen ständig wandelbar, wurden zu allen Zeiten antike Mythen als Sinnstrukturen erkannt und können in den Kunstepochen im Sinne Pierre Bourdieus als "obligate Themen- und Problemkonstellationen" und "soziale Denkformen" wahrgenommen werden.
Es gehört zweifellos zu den Besonderheiten der jüngsten Vergangenheit, dass die Künstler und Dichter aus der DDR antike Mythen ungewöhnlich häufig auf den Prüfstand stellten und ihre aktuelle Bedeutung hinterfragten. In meiner Dissertation B bzw. Habilschrift konnten in den verschiedenen Kunstabschnitten der DDR Eirene, die Harpyien, Herakles, Sisyphos, Ikarus und zuletzt auch das Parisurteil als Paradigmen ausgewiesen werden, mit denen die bildenden Künstler die gesellschaftliche Verständigung über Lebenspraxis befördert haben. Dies haben meine Gothaer Ausstellungen "Das Urteil des Paris" (1986) und "ANTIKWANDEL. Mythos und Antike in der DDR-Karikatur" (1989) belegen können.
Weitere Forschungen haben ergeben, dass bei Künstlern aus verschiedenen deutschen Ländern und darüber hinaus die Mythosrezeption als Medium des bildnerischen Gestaltens weiterhin aktuell ist. Deshalb sollen mit der Ausstellung "Mythos und Figur", 2001 in Gotha, die Themen, Topoi oder gar Paradigmen herausgefunden werden, die zur Benennung, Vergewisserung und Problematisierung von Positionen in der Gegenwart genutzt werden.
Ich bin neugierig auf Bildsprachen. Im Rahmen zweier Buchpublikationen über zwei weitgehend unbekannte Künstler, den Glauchaer Maler Fritz Keller (1915-1994) und den Brandenburger Maler Curt Ehrhardt (1895-1972), sah ich, dass das Neue nicht selten in der originären Synthetisierung verschiedener Stilmittel liegt. Bei ihnen stiess ich auf die strukturelle Erzeugung "verschollener" Künstler, verursacht einerseits durch ideologische Einflussnahme, andererseits durch monetäre Zwänge des Kunstmarktes. Deshalb verfolge ich die Ausdifferenzierung der Kunst mit kritischem Interesse. Vor allem wegen der Selbstreferenz dabei behaupte ich die Position des Realismus, weil sich realistische Bildsprachen dem sozialen Leben öffnen und künstlerische Innovation nicht ausschliessen. Durch den kreativen Blick des Künstlers und seine ikonografische Fantasie wird vornehmlich durch die menschliche Gestalt mit ihren Ausdrucksreaktionen immer wieder neue Bildzeichen hervorgebracht werden.
In den gegenwärtigen Kunstverhältnissen will ich den Realismus mit Personalausstellungen und in Publikationen wie Rezensionen aktiv vertreten, insbesondere auch in meinen Lehrveranstaltungen an der Pädagogischen Hochschule. Dort lehre ich seit 1974, von 1989 an als Hochschuldozent und seit 1993 als Universitätsprofessor. 2001 wird die PH in die Universität Erfurt integriert.
Es ist bestimmt nicht zufällig, dass sich die Verteidigung des Realismus mit der Verteidigung der Vision von einer sozial gerechten Gesellschaft verbindet. Visionen besitzen kein Tithonosschicksal.
Es gibt Zeiten, in der bei der Zuwahl zur Leibnitz-Sozietät - und so verstehe ich die meine - diese Haltung wohl den Ausschlag gibt. .

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Aktualisiert am: 05.07.2000