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Lehre als kartographischer
Zeichner, Studium Kunsterziehung und Deutsch an der Pädagogischen Hochschule
Erfurt 1966/1970.
Promotion zum Dr. päd. 1974, Habilitation 1988 mit einer Arbeit über Antikerezeption
in der bildenden Kunst der DDR.
1993 Ernennung zum Professor.
Hauptforschungsschwerpunkt: Ikonographie und Ikonologie.
Selbstdarstellung der wissenschaftlichen
Interessen und Vorhaben
Was ist das Urbild des modernen Menschen? Ikarus, der
über das vermeintlich Bewährte hinaus will und scheitert? Sisyphos, dessen
Intelligenz mit einer stupid sich wiederholenden, vielleicht unerfüllbaren
Aufgabe konfrontiert ist, wie der Mensch, der sich auf dem Weg zum sozialistischen
Gipfel wähnte und sich nun am Fuß des Berges seinem Stein gegenüber sieht?
Oder sind es Prometheus oder Odysseus, die ihr Schicksal selbst, unabhängig
vom Willen der Götter bestimmen wollten? Oder deuten Individualismus und
Selbstsucht gar auf Narziss? Die griechischen Mythen, in ihren Mythemen
ständig wandelbar, wurden zu allen Zeiten antike Mythen als Sinnstrukturen
erkannt und können in den Kunstepochen im Sinne Pierre Bourdieus als "obligate
Themen- und Problemkonstellationen" und "soziale Denkformen" wahrgenommen
werden.
Es gehört zweifellos zu den Besonderheiten der jüngsten
Vergangenheit, dass die Künstler und Dichter aus der DDR antike Mythen
ungewöhnlich häufig auf den Prüfstand stellten und ihre aktuelle Bedeutung
hinterfragten. In meiner Dissertation B bzw. Habilschrift konnten in den
verschiedenen Kunstabschnitten der DDR Eirene, die Harpyien, Herakles,
Sisyphos, Ikarus und zuletzt auch das Parisurteil als Paradigmen ausgewiesen
werden, mit denen die bildenden Künstler die gesellschaftliche Verständigung
über Lebenspraxis befördert haben. Dies haben meine Gothaer Ausstellungen
"Das Urteil des Paris" (1986) und "ANTIKWANDEL. Mythos und Antike in der
DDR-Karikatur" (1989) belegen können.
Weitere Forschungen haben ergeben, dass bei Künstlern aus verschiedenen
deutschen Ländern und darüber hinaus die Mythosrezeption als Medium des
bildnerischen Gestaltens weiterhin aktuell ist. Deshalb sollen mit der
Ausstellung "Mythos und Figur", 2001 in Gotha, die Themen, Topoi oder
gar Paradigmen herausgefunden werden, die zur Benennung, Vergewisserung
und Problematisierung von Positionen in der Gegenwart genutzt werden.
Ich bin neugierig auf Bildsprachen. Im Rahmen zweier Buchpublikationen
über zwei weitgehend unbekannte Künstler, den Glauchaer Maler Fritz Keller
(1915-1994) und den Brandenburger Maler Curt Ehrhardt (1895-1972), sah
ich, dass das Neue nicht selten in der originären Synthetisierung verschiedener
Stilmittel liegt. Bei ihnen stiess ich auf die strukturelle Erzeugung
"verschollener" Künstler, verursacht einerseits durch ideologische Einflussnahme,
andererseits durch monetäre Zwänge des Kunstmarktes. Deshalb verfolge
ich die Ausdifferenzierung der Kunst mit kritischem Interesse. Vor allem
wegen der Selbstreferenz dabei behaupte ich die Position des Realismus,
weil sich realistische Bildsprachen dem sozialen Leben öffnen und künstlerische
Innovation nicht ausschliessen. Durch den kreativen Blick des Künstlers
und seine ikonografische Fantasie wird vornehmlich durch die menschliche
Gestalt mit ihren Ausdrucksreaktionen immer wieder neue Bildzeichen hervorgebracht
werden.
In den gegenwärtigen Kunstverhältnissen will ich den Realismus mit Personalausstellungen
und in Publikationen wie Rezensionen aktiv vertreten, insbesondere auch
in meinen Lehrveranstaltungen an der Pädagogischen Hochschule. Dort lehre
ich seit 1974, von 1989 an als Hochschuldozent und seit 1993 als Universitätsprofessor.
2001 wird die PH in die Universität Erfurt integriert.
Es ist bestimmt nicht zufällig, dass sich die Verteidigung des Realismus
mit der Verteidigung der Vision von einer sozial gerechten Gesellschaft
verbindet. Visionen besitzen kein Tithonosschicksal.
Es gibt Zeiten, in der bei der Zuwahl zur Leibnitz-Sozietät - und so verstehe
ich die meine - diese Haltung wohl den Ausschlag gibt. .
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