Beispielklausuren zur Zwischenprüfung
&
Literaturhinweise für das
Studium der germanistischen Linguistik
im Grundstudium

Allgemeiner Teil

Spezielle Teile zur

 

 

 

Allgemeiner Teil (=A) und spezieller Teil (=B, hier: Wortbildung)

A [Allgemeiner Teil]

1. a.
Analysieren Sie entweder Satz (1) im Rahmen eines generativen Grammatikmodells (X-bar-konform)
oder
analysieren Sie Satz (2) im Rahmen eines traditionellen Beschreibungsansatzes (bestimmen Sie die Satzstruktur und die Satzglieder einschließlich der Nebensätze; der kursiv gesetzte Teilsatz von (2) ist ambig; geben Sie mit Hilfe der Satzgliedanalyse mindestens 2 Lesarten an):

(1) Die Studenten der Germanistik im vierten Semester werden schon wissen, dass die Bibliothek seit einigen Semestern neue Öffnungszeiten hat.

(2) In einer Besprechung im Rechtsausschuss des Abgeordnetenhaushaltes äußerte Justizsenatorin Peschel-Gutzeit, dass sie nicht von ihrer Forderung abrücken will, die vereinbarten 10.000 Mark jährlich für das Zimmer in der Kirchstraße bereits ab 1. Juli einzuziehen.

1. b.
Charakterisieren Sie einige wesentliche semantische und syntaktische Unterschiede zwischen den Infinitivkonstruktionen unter (3):

(3)    a. Er soll Kinder betreuen.
         b. Er scheint Kinder zu betreuen.
         c. Er verspricht Kinder zu betreuen.
 

2. a.
Analysieren Sie die morphologische Struktur der komplexen Wörter unter (4)/(5). Benennen Sie knapp mögliche Probleme:
(4) Abgeordnetenhaushaltes
(5) Vollmondanbeterinnenversammlungshäuser
 2.b.
Charakterisieren Sie die Besonderheiten der Wortbildungen unter (5) - (8):

(5) Vergissmeinnicht
(6) Nachtigall
(7) Zweiwegekatalysator
(8) Gläubiger

3.
(a) Aus welchen Gründen schreibt man /Mutter/ mit zwei /t/ und /Vater/ ohne /h/?
(b) Diskutieren Sie knapp die Vor- und Nachteile der Reform der /ss/- und /ß/-Schreibung!

B [Thema: Wortbildung]

  1. Stellen Sie die Struktur der Bildungen (1) - (5) X-bar-konform (z. B. nach Olsen's Ansatz) dar und kommentieren Sie die dabei auftretenden Probleme:
  2. Klassifizieren Sie die folgenden Beispiele von /er/-Bildungen (6) - (21) nach für die linguistische Analyse relevanten Kriterien in zusammengehörige Gruppen. Diskutieren Sie hierbei auftretende Probleme:

 

Spezieller Teil (=B, hier: Orthografie des Deutschen)

  1. Die bisherigen Regelungen zur Groß- und Kleinschreibung umfassten die Duden-Regeln R 111 bis R 137. Diskutieren Sie unter Berücksichtigung der Beispiele unter (4) - (7) die Probleme dieser Regelungen, insbesondere auch die Schwierigkeiten mit der Kernregel R 115 ("Groß schreibt man alle wirklichen Hauptwörter"):
  2. (4) Obwohl es ihm am Besten fehlt, verzichtet er am besten darauf.
    (5) Es tut mir leid, dass er AIDS hat, aber über kurz oder lang musste das wohl kommen.
    (6) Er hat anfangs alles verloren, dank seiner Geduld dann aber doch noch gewonnen.
    (7) Von klein auf hatte er den kürzeren gezogen.

     
  3. Diskutieren Sie die Reformen zur Groß- und Kleinschreibung von 1996.

 

Literaturhinweise für das 
Studium der germanistischen Linguistik

 Obligatorische Lektüre für das Grundstudium
Fassung 2000
im Internet

Inhalt:

  1. EINFÜHRUNG
  2. OBLIGATORISCHE LEKTÜRE GRUNDSTUDIUM
    1. Linguistische Klassiker
    2. Kernbereiche der deutschen Grammatik, Grammatiktheorie
      1. Grundlagen
      2. Phonologie, Phonetik, Orthographie
      3. Morphologie
      4. Syntax
      5. Semantik
    3. Linguistische Pragmatik
  3. HILFSMITTEL

1 EINFÜHRUNG

Studierende der [germanistischen] Linguistik, speziell des Studienganges Lehramt Deutsch, Teilbereich Sprachwissenschaft, und des entsprechenden Magisterstudienganges am Institut für deutsche Sprache und Linguistik, (HU Berlin), sollten während ihres gesamten Studiums Kenntnisse erwerben über Während des Grundstudiums müssen hierzu in systematischer Weise die notwendigen methodischen, theoretischen und empirischen Vorkenntnisse erworben werden: Diese Übersicht nennt nur die für das Grundstudium obligatorische Lektüre.

Es wird erwartet, daß der Benutzerkreis dieser Hinweise im Rahmen des Studiums genügend Eigenständigkeit für eine angemessene Auswahl der Lektüre entwickelt. Das bedeutet nicht, daß Dozenten nicht jederzeit zu einer näheren Beratung und zur Klärung von Einzelfragen bereit wären.

Zur zusätzlichen bibliographischen Orientierung vgl. z. B.

Empfohlen wird der Kauf und die kontinuierliche Verwendung eines deutschsprachigen Lexikons der Sprachwissenschaft, z. B. und eines englischsprachigen Lexikons der Linguistik, z. B. Empfehlenswert ist der Kauf einer Einführung in die Linguistik, z. B.

2 OBLIGATORISCHE LEKTÜRE IM GRUNDSTUDIUM

Mit dem Zeichen ! versehene Titel sind obligatorisch schon für die Grundkurse A und B.
Alle anderen Titel sind obligatorisch für die Zwischenprüfung.

2.1 Linguistische Klassiker

  • Bloomfield, L., (1933; 1967), Language. London: Allen Unwin. [unwin university books 57].
  • ! Chomsky, N., (1965), Aspects of the Theory of Syntax. Cambridge, Mass.: MIT Press.

  • [Deutsche Übersetzung: (1969), Aspekte der Syntax-Theorie. Frankfurt: Suhrkamp. [STW 42]].
  • Paul, H., (1920.5; 1975.9), Prinzipien der Sprachgeschichte. Tübingen: Niemeyer.
  • Saussure, F. de, (1916; 1966), Cours de linguistique générale. Hrsg. von Ch. Bally und A. Sechehaye. Paris: Payot.

  • [Deutsche Übersetzung: (1967.2), Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft. Berlin: de Gruyter].
  • ! Searle, J. R., (1969), Speech Acts. An Essay in the Philosophy of Language. Cambridge: Cambridge University Press.

  • [Deutsche Übersetzung: (1972), Sprechakte - Ein sprachphilosophischer Essay. Frankfurt: Suhrkamp.].
  • Trubetzkoy, N. S., (1939; 1987), Grundzüge der Phonologie. Göttingen: Vandenhoeck.
  • Whorf, B. J., (1963; 1984), Sprache, Denken, Wirklichkeit. Beiträge zur Metalinguistik und Sprachphilosophie. Hrsg. und übersetzt von Peter Krausser. Reinbek: Rowohlt.
  • 2.2 Kernbereiche der deutschen Grammatik, Grammatiktheorie

    2.2.1 Grundlagen

    [Erforderlich ist die Rezeption mindestens einer Grammatikmonographie des Deutschen und einer Einführung in die Sprachwissenschaft.]

    2.2.1.1 Einführungen in die Sprachwissenschaft

    Akmajian, A., Demers, R. A., Farmer, A., Harnish, R. M., (1990), Linguistics. An introduction to language and communication. Cambridge: MIT-Press.
    ! Clément, D., (1997), Linguistisches Grundwissen. Eine Einführung für zukünftige Deutschleherer. Opladen: Westdeutscher Verlag.
    ! Linke, A., Nussbaumer, M., Portmann, P. R., (1991; 1994.2), Studienbuch Linguistik. Tübingen: Niemeyer [RGL 121].
    ! Radford, A., Atkinson, M., Britain, D., Clahsen, H., Spencer, A., (1999), Linguistics. An in-troduction. Cambridge: MIT-Press.
    Schlobinski, P., (1996), Empirische Sprachwissenschaft. Opladen: Westdeutscher Verlag.

    2.2.1.2 Grammatikmonographien des Deutschen

    Eisenberg, P., (1989.2; 1994.3), Grundriß der deutschen Grammatik. Stuttgart: Metzler.
    Heidolph, K. E., Flämig, W., Motsch, W., Hrsg., (1980), Grundzüge einer deutschen Grammatik. Berlin: Akademie.

    2.2.2 Phonologie, Phonetik, Orthographie

    2.2.2.1 Phonembestand des Deutschen

    Heidolph, K. E., Flämig, W., Motsch, W., Hrsg., (1980), Grundzüge einer deutschen Grammatik. Berlin: Akademie. S. 898-990.
    ! Duden, Band IV: Grammatik, (19955), Mannheim: Dudenverlag. S. 21 - 55.

    2.2.2.2 Deutsche Intonation

    ! Heidolph, K. E., Flämig, W., Motsch, W., Hrsg., (1980), Grundzüge einer deutschen Grammatik. Berlin: Akademie. S. 839-897.

    2.2.2.3 Phonetik

    ! Pompino-Marschall, B., (1995), Einführung in die Phonetik. Berlin: de Gruyter.

    2.2.2.4 Orthographie, Verschriftung

    ! Duden, Band IV: Grammatik, (1995.5), Mannheim: Dudenverlag. S. 55 - 84.
    ! Maas, U., (1992), Grundzüge der deutschen Orthographie. Tübingen: Niemeyer. [RGL 120]

    2.2.3 Morphologie

    ! Olsen, S., (1986), Wortbildung im Deutschen. Stuttgart: Kröner.

    2.2.4 Syntax

    2.2.4.1 Satztypen des Deutschen, Wortarten, Satzglieder, Satzgliedstrukturen, Topologie

    ! Engel, U., (1982), Syntax der deutschen Gegenwartssprache. Berlin: Schmidt.
    Altmann, H., Hahnemann, S., (1999), Syntax fürs Examen. Opladen: Westdeutscher Verlag.

    2.2.4.2 Syntaxtheorien, Grammatiktheorien

    Haegemann, L., (1991), An Introduction to Government and Binding Theory. Oxford: Blackwells.

    2.2.5 Semantik

    Hofmann, Th. R., (1993), Realms of Meaning: An introduction to Semantics. London: Longman.
    Saeed, J.I. (1997): Semantics. Oxford/Cambridge: Blackwell.
    Schwarz, M., Chur, J., (1993), Semantik: Ein Arbeitsbuch. Tübingen: Narr.
    ! Wunderlich, D., (1991), Bedeutung und Gebrauch. In: A. v. Stechow, D. Wunderlich, Hrsg., Semantik. Ein internationales Handbuch der zeitgenössischen Forschung. Berlin: Mouton de Gruyter. S. 32 - 52.

    2.3 Linguistische Pragmatik

    Levinson, S. C., (1990), Pragmatik. Tübingen: Niemeyer.

    3 HILFSMITTEL

    Bußmann, H., (1983; 19902), Lexikon der Sprachwissenschaft. Stuttgart: Kröner.
    Crystal, D., (1987), The Cambridge Encyclopedia of Language. Cambridge usw.: CUP.
    Crystal, D., (1992), An encyclopedic dictionary of language and languages. Oxford: Blackwell.
    Glück, H., (1993), Lexikon Sprache. Stuttgart: Metzler.
    Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft, (1982 ff.). Berlin: Mouton de Gruyter.
    Hansel, J., (19919), Bücherkunde für Germanisten. Berlin: Schmidt.
    Kreuder,H.-D., (19933), Studienbibliographie Linguistik. Mit einem Anhang zur Sprechwissenschaft von Lothar Berger. Wiesbaden :
    F. Steiner.
    Kürschner, W., (1994), Taschenbuch Linguistik. Berlin: Erich Schmidt.