Bindungstheorie

 

engl. binding theory; frz. théorie du liage

 

In der >Rektions-Bindungs-Theorie von N. Chomsky (1980) eingeführter Regelkomplex, der gemäß den durch die >X-Bar-Theorie beschränkten Phrasenstrukturen generalisierende >Beschränkungen für syntaktisch-semantische Beziehungen zwischen Anaphern, Pronomen, Namen und bestimmten >Leeren Kategorien (>Spur, >PRO) und anderen Konstituenten erfasst.

Ein Knoten A bindet einen Knoten B, wenn B durch A >c-kommandiert wird und A und B denselben >Index tragen, d. h. wenn A und B koreferent (>Koreferenz) sind.

Die Bindungstheorie löste die in früheren Versionen der >GG angenommenen strukturverändernden Reflexivierungs- und Pronominalisierungs-Transformationen ab und ist damit genereller als die im Aspekte-Modell angenommenen Mechanismen.

Die Bindungstheorie unterscheidet unterschiedliche Typen nominaler Ausdrücke, die jeweils verschiedene Bindungseigenschaften aufweisen (>A-Position): So müssen reziproke und reflexive nominale Ausdrücke und >Spuren von Nominalphrasen mit der Merkmalskennzeichnung [+anaphorisch, –pronominal] in dem Bereich der sie regierenden Kategorien gebunden sein (= Prinzip A); pronominale Ausdrücke (z.B. Personalpronomen) sind im Bereich der sie regierenden Kategorie frei, d. h. sowohl anaphorisch wie deiktisch interpretierbar (= Prinzip B), und sog. referierende Ausdrücke, z.B. Namen, sind in allen Positionen ungebunden, d. h. müssen deiktisch interpretiert werden (= Prinzip C).

Beispielsweise ist in dem Satz

Er glaubt, dass die Lehrer sich auf seinen Rat hin verbesserten.

er ungebunden, d. h. er wird deiktisch interpretiert; seinen ist im Bereich von auf seinen Rat hin frei und somit sowohl deiktisch wie anaphorisch interpretierbar, d. h. seinen kann (muss jedoch nicht) als >koreferent mit er interpretiert werden, nicht aber mit sich; demgegenüber ist sich durch die Lehrer gebunden, muss sich demzufolge auf die Lehrer beziehen und darf nicht mit er >koreferent sein.

Im Rahmen eines derivationell orientierten Minimalismus werden die Bindungsprinzipien erneut diskutiert und erfahren eine entsprechende Reformulierung (z.B. Chomsky (1993), Webelhuth (1996), Hornstein (2000), Kayne (2002)).

Zur Explikation des Begriffs Bindung in der Semantik vgl. Egli & Heusinger (1991), Heusinger (2005).

 

Literatur

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G. Webelhuth, Government and Binding Theory and the Minimalist Program: Principles and Parameters in Syntactic Theory. Oxford 1996.

 

 

© Norbert Fries, Online Lexikon Linguistik. Berlin 2006 ff.
http://fries.anaman.de

last modified: Tue 20-Apr-2010