engl. modality; frz. modalité
Semantisch-pragmatische Beschreibungsperspektive, welche sich im weiteren Sinne auf die Art und Weise der Stellungnahme des Sprechers zur Geltung des durch eine Äußerung ausgedrückten Sachverhaltes in der aktuellen Welt bezieht: Modalitäts-Unterschiede in der Bedeutung von Sätzen beziehen sich auf alternative Möglichkeiten zu den in der aktuellen Welt bestehenden Gegebenheiten. Die Beschreibungsperspektive Modalität bezieht sich somit - ebenso wie die Beschreibungsperspektive Temporalität - darauf, in welcher Weise die Wahrheitswertbedingungen eines Satzes S in Bezug auf die Situation, in welcher S geäußert wird, ausgewertet werden kann. Während sich die Beschreibungsperspektive Temporalität auf die Auswertung der Wahrheitswertbedingungen von S auf andere Zeiten bezieht, geschieht die Auswertung der Wahrheitswertbedingungen von S bei der Beschreibungsperspektive Modalität auf die Auswertung in möglichen Welten. Dementsprechend wird Modalität häufig im Zusammenhang mit Temporalität diskutiert (vgl. z.B. Stokhof/Groenendijk/Veltman (1996; 1997), Fine (2005), Uckelman/Uckelman (2007)).
So heterogen die Auffassungen in der linguistischen Literatur darüber sein mögen, was unter Modalität zu verstehen sei, so scheint in zwei Punkten Einigkeit zu bestehen: dass Modalität
(a) nicht Bestandteil desjenigen Sachverhaltes ist, der in einem Satz beschrieben wird, sondern etwas zusätzlich zu diesem Sachverhalt Ausgedrücktes, und
(b) in verschiedene Modalitätsarten zu gliedern ist, insbesondere auf der Basis unterschiedlicher grammatisch-formaler Kategorien bzw. Kriterien (vgl. Calbert/Vater 1975: 104).
Zur Aufarbeitung der Geschichte der hierzu relevanten Terminologie in der antiken Grammatikschreibung vgl. Malter (2005), aus modallogischer Perspektive Goldblatt (2006), zur neueren Geschichte Droessinger (2004).
In der modernen Modallogik werden auf der Basis von Relationen zwischen möglichen Welten verschiedene Arten der Modalität differenziert:
(a) deontische Modalität bezieht sich auf die Art und Weise, wie die Welt nach bestimmten Gesetzen beschaffen sein sollte, z.B.:
Eva darf einem nicht auf die Nerven gehen.
Eva muss verschwinden!
(b) alethische Modalität bezieht sich auf logische Schlussfolgerungen über die Wahrheit von Beziehungen, die zwischen allen möglichen Welten bestehen, z.B.:
Wenn Eva weint oder schreit, muss auch gelten, dass sie schreit oder weint.
(c) physische Modalität bezieht sich auf physische Fähigkeiten, auf das, was jemand tun kann oder muss, z.B.:
Eva kann einem auf die Nerven gehen.
(d) bulethische Modalität bezieht sich darauf, ob in einer möglichen Welt etwas gewünscht wird, z.B.:
Eva will einem auf die Nerven gehen.
(e) epistemische Modalität bezieht sich auf die Erwartungen, die Sprecher aufgrund ihres Hintergrundwissens haben, z.B.:
Eva weint, also könnte sie einem auf die Nerven gehen wollen.
(f) evidentielle Modalität (>Evidentialität) bezieht sich darauf, dass ein Sprecher über Evidenz aus zweiter Hand oder vom Hörensagen verfügt, z.B.:
[Ich habe gehört:] Eva soll auch andern auf die Nerven gehen.
Modalität wird sprachspezifisch durch unterschiedliche formale Mittel kodiert; beispielsweise durch morphologisch-syntaktische Kategorien des >Modus, durch verschiedene deagentivierende Formen (z.B. Die Suppe ist zu essen/essbar. Passiv), durch den Modalen Infinitiv, durch Konditionalsätze (>Konditional) und durch diverse Mittel, welche auch >Satztypen konstituieren. Typische lexikalische Ausdrucksmittel der Modalität sind Satzadverbien, Modalpartikeln, Abtönungspartikeln, Modalverben und eine Reihe anderer Verben, welche in dieser Funktion als Modalitätsverben bezeichnet werden (dt. bleiben, drohen, gedenken, pflegen, scheinen, versprechen, wissen usw.).
Wird Modalität nicht durch lexikalische oder morphologische Mittel zum Ausdruck gebracht, spricht man von verdeckter Modalität (covert modality, vgl. Bhatt 2006), beispielsweise im Deutschen durch unabhängige Infinitive ("satzwertige Infinitive", vgl. Fries 1993) wie in
Den Rasen nicht betreten!,
Alle aufgestanden!,
Ich und an Eva denken!,
In den Müll damit!.
In u. a. auf A. Kratzer zurückgehenden, modallogisch orientierten semantischen Analysen werden die verschiedenen Arten der Modalität durch die beiden Parameter Modalbasis (B) und Ordnungsquelle erfasst (B entspricht den genannten Arten der Modalität, die Ordnungsquelle ist eine Relation, welche mögliche Welten nach dem Grad ihrer Normalität ordnet). Man ist bestrebt, die verschiedenen Phänomene der Modalität plausibel und generalisierend mittels modallogischer Operatoren so zu explizieren, dass sie mit syntaktischen Analysen der involvierten unterschiedlichen Satzstrukturen kompatibel sind. In Modellen der epistemischen Logik (grundlegend Hintikka (1962); vgl. ferner Wuttich (1991) und die Arbeiten von W. Lenzen) werden dementsprechend elementare Aussagen- oder Prädikatenlogik um Operatoren für 'Wissen' und 'Glauben' erweitert.
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Epistemische Relativierung
Evidentialität
Satzmodus