Subkategorisierung

 

lat. sub 'unter'; griech. κατεγορια (kategoria) 'Grundaussage'; auch: Subklassifizierung; engl. subcategorization, frz. sous-catégorisation

 

Im >Aspekte-Modell eingeführte Spezifikation von Lexikoneinträgen (>Basiskomponente) hinsichtlich ihrer syntaktischen und semantischen Valenz: Syntaktische Grundeinheiten werden durch die Subkategorisierung mittels Subkategorisierungs-Merkmalen in einzelne Klassen eingeordnet.

Im Aspekte-Modell wird unterschieden zwischen
(a) kontextfreier Subkategorisierung und
(b) kontextsensitiver Subkategorisierung.

Die kontextfreie Subkategorisierung gilt unabhängig von sprachlichen Kontexten, in welchen die betreffenden syntaktischen Grundeinheiten (Wörter) auftreten; z.B. erhält das dt. Nomen Akustik u. a. die Subkategorisierungs-Merkmale [+Nomen, +abstrakt, +kontinuierlich, –belebt, –menschlich ...].

Die kontextsensitive Subkategorisierung hat zwei Aufgaben:

(a) wird in der sog. strikten (lokalen) Subkategorisierung der obligatorische syntaktische Rahmen definiert, in welchem eine bestimmte syntaktische Grundeinheit (in erster Linie Verben) auftreten darf bzw. muss; z.B. ist das dt. Verb bewirten für ein Akkusativ-Objekt (direktes Objekt, ) strikt subkategorisiert und wird durch das Merkmal spezifiziert;

(b) bestimmt die selektionale Subkategorisierung, welche semantischen Selektionen eine syntaktische Grundeinheit bei den von ihr syntaktisch geforderten Ergänzungen (und evtl. Angaben) vornimmt; z.B. erfordert das dt. Verb bewirten ein Objekt, das für [+menschlich] spezifiziert ist.

Die strikte Subkategorisierung wird durch Subkategorisierungs-Regeln (>Regel) expliziert, welche sog. Subkategorisierungs-Rahmen (subcategorization frames) erzeugen; z.B. genügt das Verb bewirten einer Subkategorisierungs-Regel der Form

Die selektionale Subkategorisierung wird durch selektionale Subkategorisierungs-Regeln expliziert; z.B. muss eine selektionale Subkategorisierungs-Regel erfassen, dass das dt. Verb bewirten nur in einer solchen syntaktischen Umgebung auftreten darf, welche ein [+menschlich]-markiertes Akkusativ-Objekt aufweist (zu den formalen Darstellungsformen der >Regeln im Rahmen des Aspekte-Modells und zu verschiedenen theoretischen Optionen vgl. Bechert (1970, Kap. 4 f.); zu Entsprechungen in >Unifikationsgrammatiken vgl. Chrupala (2003)).

Im Rahmen der Folgemodelle des Aspekte-Modells (>EST, >REST, >Rektions-Bindungs-Theorie, >Barrierentheorie) wird durch das >Projektionsprinzip garantiert, dass die Subkategorisierung auf den syntaktischen Ebenen des >Modells eingehalten wird. Insbesondere wird angestrebt, die rein deskriptive Erfassung der Subkategorisierung zu überwinden (wenngleich diese in der automatischen Sprachverarbeitung und in der Korpusanalyse vorherrscht, vgl. Chrupala (2003), Korhonen (2002), Niyogi (2003), Lin (2004) mit alternativen Vorschlägen) und im Rahmen des Minimalismus bzw. neueren Modellen der Semantik zu generalisierenden und erklärenden Modellen zu gelangen (vgl. Pustejovsky (1996), Hale & Keyser (1998), Steinitz (1995), Vogel (1998)).

 

Literatur

J. Bechert et al., Einführung in die generative Transformationsgrammatik. München 1970.

T. Bhattacharya & E. Reuland & G. Spathas (Hg.), Argument Structure. Amsterdam 2007.

N. Chomsky, Aspects of the Theory of Syntax. 1965.
[dt.: Aspekte der Syntax-Theorie. Übersetzt v. E. Lang. Frankfurt/Main 1968.]

G. Chrupala, Acquiring Verb Subcategorization from Spanish Corpora. Diss. Univ. de Barcelona 2003.

L. Geist, Die Kopula und ihre Komplemente. Zur Kompositionalität in Kopulasätzen. Tübingen 2006.

J. Grimshaw, Subcategorization and Grammatical Relations. In: A. Zaenen (Hg.), Subjects and Other Subjects. Proceedings of the Harvard Conference on the Representation of Grammatical Relations. Bloomington 1982, 35-55.

K. Hale & S. J. Keyser, The Basic Elements of Argument Structure. In: H. Harley (Hg.), Papers from the UPenn/MIT Roundtable on Argument Structure and Aspect. Cambridge, Mass. 1998, 73-118.

A. Korhonen, Subcategorization Acquisition. Diss. Univ. of Cambridge 2002 [UCAM-CL-TR-530].

J. Lin, Event Structure and the Encoding of Arguments: The Syntax of the Mandarin and English Verb Phrase. Diss. MIT Cambridge, Mass. 2004.

S. Niyogi, A Minimalist Implementation of Verbal Subcategorization. Proceedings of the 7th IWPT. Tsinghua 2003.

M. Paster, Subcategorization vs. Output Optimization in Syllable-Counting Allomorphy. In: J. Alderete & C.-h. Han & A. Kochetov (Hg.), Proceedings of the 24th West Coast Conference on Formal Linguistics. Somerville, MA 2005, 326-333.
[http://www.lingref.com/cpp/wccfl/24/paper1238.pdf]

R. Pfeiffer-Rupp, Studien zu Subkategorisierung und semantischen Relationen. Bern 1977.

J. Pustejovsky, The Generative Lexicon. Cambridge, Mass. 1996.

H. Seiler, Probleme der Verb-Subkategorisierung mit Bezug auf Bestimmungen des Ortes und der Zeit. Lingua 1968/3, 337-367.

R. Steinitz, Towards a Revision of the Lexical Subcategorization Features. ZASPiL 1995/1, 101-116.

R. Vogel, Polyvalent Verbs. Diss. HUB 1998.

 

 

© Norbert Fries, Online Lexikon Linguistik. Berlin 2006 ff.
http://fries.anaman.de

last modified: Tue 02-Nov-2010