lat. trānsfōrmāre 'umgestalten'
Bezeichnung für geordnete syntaktische Operationen, welche sprachliche Strukturen spezifischer Form (Analysierbarkeit) systematisch verändern.
Für Z. S. Harris (1952; 1957), der den Begriff Transformation in die Linguistik zum Zwecke der Textanalyse einführte, handelt es sich bei Transformationen um Paraphrasebeziehungen, welche komplexe sprachliche Ausdrücke in weniger komplexe überführen und hierdurch zugleich Klassen von Ausdrücken definieren (vgl. Plötz (1972)).
Durch die Arbeiten von N. Chomsky gewinnt der Transformations-Begriff Mitte der 1950er Jahre seine Bedeutung zur Bezeichnung eines systematischen grammatischen Mechanismus, der in den generativen Modellen bis Mitte der 1970er Jahre wesentlich für die rekursiven Eigenschaften (>Rekursivität) sprachlicher Systeme mitverantwortlich gemacht wird. Transformationen werden hierbei formal in allen Versionen des >Modells durch eine >Strukturbeschreibung (SB) und eine >Strukturveränderung (SV) charakterisiert; je nach Version des Modells erhalten Transformationen Zusatzspezifikationen wie z.B. die Information, ob sie fakultativ oder obligatorisch stattfinden oder bestimmten >Beschränkungen unterliegen (vgl. z.B. Huber & Kummer (1974), König (1972)).
Chomsky (1957) konzipierte Transformationen als strukturerzeugende und strukturverändernde Operationen: Ein System von >Phrasenstrukturregeln erzeugt eine endliche Menge sog. Kernsätze, welche mittels Transformationen zu korrekten Sätzen bestimmten Typs transformiert werden. Ziel dieses Grammatik-Modells war es, eine >Chomsky-Grammatik zu repräsentieren, welche die Terminalketten, die Kernsätzen unterliegen, möglichst stark beschränkt. Beispielsweise leitete die Negations-Transformation (TNEG) aus dem Kernsatz John can come den Nicht-Kernsatz John can't come ab. Die Unterscheidung von singulären Transformationen, welche über einzelne Konstituenten operieren, und generalisierenden Transformationen, welche einfache Strukturen zu komplexeren Strukturen verbinden, ermöglichte die Erfassung der >Rekursivität; fakultative Transformationen bewirkten Bedeutungsveränderungen (wie TNEG), obligatorische Transformationen erfassten obligatorische morphologische Prozesse wie z.B. die Subjekt-Verb-Kongruenz.
Im >Aspekte-Modell wird das Konzept der Kernsätze durch die Konzeption der durch Transformationen vermittelten >Tiefenstruktur und >Oberflächenstruktur ersetzt; Transformationen sind hierbei bedeutungserhaltend, was insbesondere die Explikation von >Ambiguitäten und synonymen sprachlichen Strukturen ermöglichte.
Die wesentlich durch J. R. Ross (1967) angeregte Diskussion um generalisierbare >Beschränkungen syntaktischer Mechanismen führte einerseits zur >Generativen Semantik, für welche Transformationen Beziehungen zwischen semantischen >Tiefenstrukturen und phonologischen Strukturen formulieren, andererseits zur Konzeption der >EST, >REST, >Rektions-Bindungs-Theorie und >Barrieren-Theorie, für welche die transformationelle Komponente nur noch aus dem in Form zweier Variablen formulierten Prinzip >Move α besteht.
In den an Kriterien der Optimalität und biologischen Perspektiven orientierten Konzeptionen des Minimalismus (vgl. Chomsky (1995)) spielen Transformationen im Sinne strukturverändernder Operationen schließlich nur noch eine marginale bzw. keine Rolle mehr (vgl. Chomsky (2005)).
N. Chomsky, Syntactic Structures. The Hague 1957.
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[erschienen als: J. R. Ross, Infinite Syntax. New York 1981].