Die deutsche und europäische Fachöffentlichkeit
behandelt den Norden Europas im allgemeinen und die Ostseeregion
im besonderen seit Jahrzehnten stiefmütterlich. Die politikwissenschaftlichen
Forschungsinstitute und Bildungseinrichtungen haben keinen nordeuropäischen
Schwerpunkt, mit entsprechenden Institutionen in Skandinavien gibt
es nur sehr lose Zusammenarbeitsformen, das Kompetenzniveau in Politik
und Gesellschaft ist relativ niedrig - so groß das Interesse
am europäischen Norden sein mag und so sympathisch man diese
Gegend auch betrachtet.
Vor diesem Hintergrund unternimmt das Ostsee-Kolleg
am Nordeuropa-Institut der Humboldt-Universität zu Berlin seit
einigen Jahren verstärkte Anstrengungen, um das regionale Kompetenzniveau
unter den jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu erhöhen.
Dank großzügiger materieller Unterstützung der Europäischen
Kommission, des Deutschen Akademischen Austauschdienstes und anderer
Institutionen ist es uns möglich, wissenschaftlichen Nachwuchs
in den Geistes- und Sozialwissenschaften zu fördern, neue Studiengänge
zu entwickeln sowie internationale Workshops, Konferenzen und Sommerschulen
zu veranstalten. Daß wir damit auf dem richtigen Weg sind,
zeigt uns die wachsende Nachfrage und Kooperationsbereitschaft nicht
zuletzt in den jungen EU-Mitgliedstaaten im Ostseeraum.
Gleichwohl existiert an deutschen Hochschulen heute noch kein
institutionell integriertes Studienprogramm zur Ostseeregion. Das
wissenschaftliche Angebot geht nach wie vor nicht über einzelne
Lehrveranstaltungen und verstreute Forschungsprojekte hinaus. Eine
Zusammenstellung mit detaillierten Informationen über aktuelle
Studien- und Forschungsmöglichkeiten über die Ostseeregion
an der Humboldt-Universität und anderen Hochschulen in Berlin
und Deutschland finden Sie auf dieser Seite unter Ostsee-Studium
und Ostsee-Forschung.
Das Ostsee-Kolleg arbeitet auf das Ziel hin, im Verbund mit unseren
Partnerhochschulen in der Ostseeregion einen internationalen regionalwissenschaftlichen
Master-Studiengang „Ostseestudien“ („Baltic Sea
Region Studies“) auch an der Humboldt-Universität einzuführen,
als Ergänzungsangebot für Studierende der Politik-, Sozial-
und Geisteswissenschaften einschließlich der Skandinavistik,
Geschichte und der Wirtschaftswissenschaften. Die konzeptionellen
Grundlagen für diesen Studiengang liegen bereits vor, ebenso
wie erste positive Erfahrungen mit dessen Umsetzung im Rahmen eines
einjährigen Pilotprojektes (mehr dazu unter Master
2003). Gegenwärtig sind unsere Bemühungen darauf gerichtet,
eine hinreichende finanzielle und personelle Ausstattung sicherzustellen,
um „Ostseestudien“ als festes Studienangebot an der
Humboldt-Universität zu verankern.
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