Humboldt-Universität zu Berlin
Philosophische Fakultät II
Nordeuropa-Institut
Internet
KVV
Sten Berglund
Finnland im Licht der vergleichenden nordischen Politik
Übung
Zwischen Finnland und den drei skandinavischen Nachbarländern
bestehen beträchtliche Unterschiede in sprachlicher, kultureller
wie politischer Hinsicht. Finnland ist im nordischen Kontext ziemlich
oft die Rolle des Außenseiters, die des abweichenden Falls,
zugewiesen worden. Finnland leistet dadurch der nordischen vergleichenden
Politikwissenschaft Beistand, denn ohne oder fast ohne Variationen
zwischen den Ländern käme die vergleichende Politikwissenschaft
nicht besonders weit. Ziel des Seminars ist es, die Studierenden
mit den Politikbereichen vertraut zu machen, in denen Finnlands
Sonderstellung am deutlichsten ist, darunter allerlei verfassungspolitische
Fragen (Republik versus Monarchie), die Rolle des Präsidenten,
das Schwedische im zweisprachigen Finnland und die Bündnispolitik
Finnlands im Schatten der regionalen Großmächte.
Steen Bo Frandsen
De skandinaviske konglomeratstaters historie (1500-1864)
Vorlesung
Forelæsningen er en parallel-læsning af den dynamiske
udvikling og rivalitet i Danmark-Norge (det oldenborgske monarki)
og Sverige i nyere tid og frem til begyndelsen af det nittende århundrede.
I modsætning til de nationale traditioners homogeniserende
blik betoner tilgangen staternes territoriale og etniske kompleksitet.
Statsbygningen i de to konglomeratstater følges komparativt
lige som begge staters tætte forbindelser til Nordtyskland
spiller en vigtig rolle.
Krister Hanne
Regionalismus und Region-Building in Nordeuropa
Übung
Zusammenarbeitsinitiativen unterschiedlichster Art gekennzeichnet.
Bereits im 19. Jahrhundert entstanden im Zuge des Skandinavismus
transnationale Verbindungen, deren politische Ziele sich jedoch
nicht realisieren ließen. Die daran anschließenden zivilgesellschaftlichen
Kontakte führten aber längerfristig zu einer Stärkung
des regionalen Bewusstseins, die während des Ost-West-Konflikts
schließlich auch in politische Strukturen mündete. Seit
dem Ende des Ost-West-Gegensatzes sind im Zuge der Erweiterung des
nordeuropäischen Raumes neue Kooperationszusammenhänge
um die Ostsee und die Barentssee hinzugetreten. Auch grenzüberschreitende
Zusammenarbeit hat eine lange Tradition, wurde hier früh institutionalisiert
und hat nicht zuletzt in der Öresundregion zu greifbaren Ergebnissen
geführt. Diese Veranstaltung möchte neben einem kursorischen
Überblick über den Kosmos der internationalen und transnationalen
Kooperationsbestrebungen in Nordeuropa an ausgewählten Beispielen
die Formen und Strukturen verschiedener Regionalismen beleuchten
sowie die dahinter liegenden Prozesse und Mechanismen des Region-building
studieren.
Jan Hecker-Stampehl
Außenpolitik Finnlands 1917-2007
Übung
In dieser Übung wollen wir uns mit der Außenpolitik Finnlands
in den nahezu neun Jahrzehnten seiner Unabhängigkeit befassen.
Eine Einführung wird die historischen Hintergründe und
den Weg zur Unabhängigkeit beleuchten, danach wird es überblicksartig,
aber mit je nach Thema wechselndem Fokus, um die wichtigsten Phasen
der finnischen Außenpolitik gehen: die Randstaatenpolitik
der 1920er Jahre, die Annäherung an den Norden in den 1930ern,
die Bedrohung der Unabhängigkeit im Zweiten Weltkrieg, die
schwierige Position im Kalten Krieg und schließlich die geglückte
Neuorientierung auf die europäische Integration. Die Beziehungen
zu Deutschland, zu Russland/der Sowjetunion und zu den nordischen
Ländern stehen im Mittelpunkt.
Hendriette Kliemann-Geisinger
Stadtgeschichte im Ostseeraum
Übung
Die Geschichte des Ostseeraumes ist nicht zuletzt auch die Geschichte
seiner Städte. Danzig, Lübeck und Visby zeugen vom merkantilen
Netzwerk der Hanse, Karlskrona steht für die strategischen
Bestrebungen der schwedischen Großmachtzeit, St. Petersburg
symbolisiert die russische Öffnung nach Europa im 18. Jahrhundert
und Helsinki und Stockholm geben Beispiele für die funktionalistische
Architektur der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts. Anhand
ausgewählter Städte sollen in dieser Veranstaltung kulturelle,
politische, soziale und wirtschaftliche Entwicklungen im Ostseeraum
beleuchtet werden - deshalb wird diese Übung auch als "Einführung
in die nordeuropäische Geschichte" geeignet sein. Gleichzeitig
soll ein Überblick über verschiedene historische Quellengattungen
(Urkunden, Stadtpläne, Reiseberichte etc.) gegeben und deren
Interpretation geübt werden.
Carsten Schymik
Ausgewählte Probleme der Zusammenarbeit im Ostseeraum
Übung
Die Lehrveranstaltung wendet sich bevorzugt, wenngleich nicht ausschließlich,
an Studierende mit Grundwissen über die Ostsee und ihre Anrainerstaaten.
Sie bietet eine Einführung in die ideellen und institutionellen
Grundlagen der Zusammenarbeit in der Ostseeregion und stellt zentrale
Probleme und Handlungsfelder zur Bearbeitung und Diskussion durch
die Übungsteilnehmer. Behandelt werden u. a. einzelne Politikfelder
wie Umwelt, Energie, Minderheiten oder Bildung, aber auch übergreifende
Fragestellung wie die nach dem Verhältnis zwischen regionaler
Kooperation im Ostseeraum und europäischer Integration.
Henry Werner
Nation Branding und Public Diplomacy - Strategien für das
Dänemark-Bild in Deutschland 1990 bis heute
Übung
Die Übung soll die Forschungs- und Lehrtätigkeit über
nationale Auto- und Heterostereotypen, die eine wichtige Rolle im
Lehrplan des Instituts spielt, auf eine praktische Ebene herunterbrechen.
Anhand der dänischen Nation-Branding- und Public-Diplomacy-Strategien
der vergangenen Jahre soll
1) die Unterschiede zwischen dänischer Eigen- und Fremdauffassung,
aber auch die Unterschiede zwischen den Fremdauffassungen Dänemarks
in verschiedenen Ländern, erlernt werden;
2) die Rolle von Staat und Interessenverbänden bei der Lenkung
von Eigen- und Fremdauffassungen vermittelt werden (Branding-Initiativen);
3) Grundlagen der dänischen Diplomatie vermittelt werden.
Die Übung soll neben einer theoretischen Einführung in
Nation Branding und Public Diplomacy praktisch ausgerichtet sein.
Bernd Henningsen
Der Norden und Europa
Hauptseminar
Der Teilung des europäischen Nordens (EU-Mitglieder und EU-Nichtmitglieder),
so kann man den Diskurs der letzten Jahrzehnte verstehen, liegen
unterschiedliche Konzepte zugrunde darüber, was "Europa"
eigentlich ist ("Ja zu Europa, Nein zur Union"). Dies
soll im Laufe des Semesters bearbeitet werden: Welche Vorstellungen
von "Europa" kursieren (in historischer Perspektive) unter
Politikern, Parteien, in Literatur und Wissenschaft
? Es sollen
Texte vornehmlich des 20. (und 21.) Jahrhunderts gelesen und analysiert
werden. Ein nicht unwesentlicher Aspekt wird auch sein, welche Vorstellungen
vom Norden in Europa kursieren.
[nach oben]
Humboldt-Universität zu Berlin
Philosophische Fakultät III
Institut für Sozialwissenschaften
Internet
KVV
Dan Florin Popescu
Aktuelle Herausforderungen des osteuropäischen Arbeitsmarktes
- der institutionelle
Wandel vor und nach dem EU-Beitritt
Seminar
Es wird analysiert wie die osteuropäischen Arbeitsmärkte
sich verändert haben, welche neuen Risiken entstanden und dementsprechend
welche neuen institutionellen Lösungen gefunden worden sind.
Mittels einer komparativen Darstellung werden die osteuropäischen
Arbeitsmärkte untersucht, um die unterschiedlichen Entwicklungspfade
hervorzuheben. In einem zweiten Schritt wird der Arbeitsmarktablauf
in Mittel- und Osteuropa nach dem EU-Beitritt erforscht. Es soll
herausgefunden werden, wie die erweiterte europäische Union
- sowohl die alte (EU 15) als auch die neuen Mitglieder (EU 10)
- die neu entstandenen Aufgaben zu bewältigen versucht hat.
Es wird dargestellt wie die EU Mitglieder die Arbeitskräftemigration
von Ost nach West und die Abwanderung von westlichen Unternehmen
Richtung Osteuropa zu bewältigen versuchen.
[nach oben]
Humboldt-Universität zu Berlin
Philosophische Fakultät III
Kunstgeschichtliches Seminar
Internet
KVV
Adam Labuda
Die Malerei des 19. Jahrhunderts in Ostmitteleuropa (Polen, Böhmen,
Ungarn) - Bildgattungen, Themen, historische Bedingtheiten
Seminar
Die Malerei in den Ländern Ostmitteleuropas im 19. Jahrhundert
stellt ein vielschichtiges Gefüge an Themen, Formen und Gattungen
dar, welches sich in das gesamteuropäische Bild der Kunst des
modernen Zeitalters einbinden lässt. Dabei schuf die politische
Unmündigkeit Polens, Tschechien-Böhmens und Ungarns einen
spezifischen Entwicklungsrahmen, der zugleich die Dynamik des kulturellen
Lebens stark und positiv beeinflusste. Für die Höhepunkte
der ostmitteleuropäischen Malerei stehen gleichermaßen
Künstlerindividualitäten (Matejko und Malczewski, Josef
Mánes und Kaván, Munkácsy und Szineyi Merse)
wie auch ein eigenständiger Umgang mit den allgemeineuropäischen
Kunstströmungen (Historismus, Impressionismus, Symbolismus).
Wenn die große Epoche der Malerei um 1900 in den o.g Ländern
dank zahlreicher internationaler Ausstellungen in Deutschland verhältnismäßig
gut bekannt und dokumentiert ist, warten die früheren Entwicklungsphasen
der nationalromantischen und -historischen Malerei immer noch auf
ihre Entdeckung und Würdigung. Im Seminar soll das Phänomen
in der ganzen chronologischen Breite zur Darstellung gebracht und
zur Diskussion gestellt werden. Wir werden uns mit den zentralen
Künstlergestalten ebenso wie mit den für die unterschiedlichen
Phasen relevanten Bildaufgaben wie Historiendarstellung, Landschaft
und Porträt befassen. Auf die politisch-gesellschaftlichen
Bedingtheiten des kulturellen Lebens und Wandels in der Region soll
dabei beachtet werden.
Literatur: Steven A. Mansbach, Modern Art in Eastern Europe. From
the Baltic to the Balkans ca. 1890-1939, Cambridge 1999; Böhmen
im 19. Jahrhundert. Vom Klassizismus zur Moderne, hg. von Ferdinand
Seibt, Frankfurt am Main 1995; Tschechische Kunst 1878-1914. Auf
dem Weg in die Moderne, Ausstellungskatalog, Bd. 1-2, Darmstadt
1984; Vergangene Zukunft. Tschechische Moderne 1890 bis 1918, Verlag
Gerd Hatje 1993; Jaromir Neumann, Die tschechische klassische Malerei
des 19. Jahrhunderts, Prag 1955; Jaromir Neumann, Die neue tschechische
Malerei und ihre klassische Tradition, Prag 1958; Jens Christian
Jensen (Hg.), Polnische Malerei von 1830 bis 1914, Köln 1978;
Jan Ostrowski, Die polnische Malerei vom Ende des 18. Jahrhunderts
bis zum Beginn der Moderne, München 1989; Agnieszka Morawiñska,
Polnische Malerei von der Gotik bis zur Gegenwart, Warschau 1984;
Krzysztof Rumiñski, Bildende Kunst, Politik und Geschichtsbewusstsein
in Polen. Frankfurt am Main 1998; Impressionismus und Symbolismus.
Malerei der Jahrhundrtwende aus Polen, Staatliche Kunsthalle Baden-Baden,
Ausstellungskatalog, Baden-Baden 1997; Júlia Szabó,
Die Malerei des 19. Jahrhunderts in Ungarn, Budapest 1985; Anna
Szinyei Merse, Zsuzanna Bakó, Pleinair-Malerei in Ungarn.
Impressionistische Tendenzen 1870-1910, Ausstellungskatalog, Osnabrück
1994; Ungarn und die Münchner Schule. Spitzenwerke aus der
Nationalgalerie 1860 bis 1900, Ausstellungskatalog, München
1996; Budapest 1869-1914. Modernité hongroise et peinture
européenne, Ausstellungskatalog, Dijon 1995.
[nach oben]
Freie Universität Berlin
Osteuropa-Institut
Internet
KVV
Nikolai Genov
Rationalisierung von Organisationen in Osteuropa
Vorlesung/Übung
Der Mangel an organisatorischer Effizienz war der wichtigste Grund
für den Kollaps des Staatssozialismus. Nun kann man eine Zwischenbilanz
der Erfahrungen aus dem Wandel von Organisationen in der Region
ziehen. Drei Typen von Strukturen und Prozessen stehen zur Debatte.
Erstens, viele offene Fragen betreffen die Veränderungen der
Organisation von Industriebetrieben nach der Privatisierungswelle.
Wurde damit die soziale Rationalität der Mitbestimmung von
der wirtschaftlichen Rationalität verdrängt? Zweitens,
eine vergleichende Analyse soll zeigen, wo sich die Dezentralisierung
des Entscheidungstreffens von staatlichen Organen als erfolgreich
erwiesen hat und wo nicht. Die grundlegende Frage besteht darin,
inwieweit sich das Subsidiaritätsprinzip auch in Osteuropa
durchgesetzt hat. Drittens, eine Innovation ist die Übernahme
staatlicher Funktionen der sozialen Sicherung von marktwirtschaftlichen
Organisationen und Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs). Inwieweit
hat sich diese Innovation in Osteuropa bewährt? Die Antworten
auf diese und ähnliche Fragen sollen ein detailliertes Bild
von Errungenschaften und Problemen der Rationalisierung von Organisationen
in der Region vermitteln.
Literatur: Genov, Nikolai (1999) Managing Transformations
in Eastern Europe. UNESCO/MOST, Genov, Nikolai. Ed. (2000) Continuing
Transformation in Eastern Europe. Berlin:Trafo, Vergleichende Soziologie
osteuropäischer Transformationen (2003) BOI, N19
Genov, N. Ed. (2005) Ethnicity and Educational Policies in South
Eastern Europe. Münster: LIT.
Gertrud Pickhan
Das Gedächtnis der Nation. Polnische Malerei des 19. Jahrhunderts
als Quelle
Vorlesung/Übung
Das Konzept der Nation wurde im 19. Jahrhundert zur wirkmächtigsten
politischen Idee. Ihre Implementierung in die Gesellschaft erfolgte
nicht zuletzt durch einen nationalen Bildercode, mit dem die gedanklichen
Konstrukte imaginiert und popularisiert werden konnten. Wie insbesondere
das polnische Beispiel zeigt, kam der Historienmalerei dabei eine
besondere Bedeutung zu. Die Demütigung und das Trauma der Teilungszeit
wurden kompensiert durch Bilder des Nationalen, die durch ihre emotionale
Aufladung gleichzeitig gemeinschaftsstiftend wirkten. Die Ikonologie
der nationalen Bildersprache Polens im 19. Jh. steht im Mittelpunkt
dieser Vorlesung, in der gleichzeitig auch die Grundlagen des "iconic
turn" in der Geschichtswissenschaft behandelt werden.
Einführende Literatur: Bernd Roeck, Das historische
Auge. Kunstwerke als Zeugen ihrer Zeit. Göttingen 2004; Peter
Burke, Augenzeugenschaft. Bilder als historische Quellen. Berlin
2003. Janusz Walek, Dzieje Polski w malarstwie i poezji. Warszawa
1991.
Rosalinde Sartori
Kulturgeschichte Osteuropas: Schwerpunkt Russland
Vorlesung/Übung
Ausgehend von unterschiedlichen Definitionen des Kulturbegriffs
werden in dieser Vorlesung exemplarisch einzelne Etappen der russischen
Kulturgeschichte beleuchtet. Die Vorlesung soll in kulturelle Ausdrucksformen,
kulturelle Entwicklungen und Beziehungen Russlands bzw. der Sowjetunion
und ihrer Nachfolgestaaten einführen. Dabei steht die Relevanz
der historisch herausgebildeten Werte für die Gegenwart und
die Verknüpfung von Politik und Kultur im Vordergrund.
Ines Koeltzsch
Einführung in die Geschichte Ostmitteleuropas. Teil I
Grundkurs
Der Begriff Ostmitteleuropa' ist ebenso wenig selbstverständlich
wie die geographische Eingrenzung dieser historischen Großregion.
Welche historischen Strukturen und Entwicklungsverläufe lassen
es dennoch sinnvoll erscheinen, von einem Ostmitteleuropa zu sprechen?
Und welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede kennzeichnen die ostmitteleuropäischen
Länder (v. a. Polen, Böhmen und Ungarn) im Rahmen der
europäischen Geschichte? Ziel der Lehrveranstaltung ist es,
einen problemorientierten Einstieg in die Geschichte Ostmitteleuropas
zu verschaffen, der die mittelalterlichen Grundlagen für die
Herausbildung gemeinsamer Strukturmerkmale dieser Gesellschaften
- insbesondere ethnische und religiöse Vielfalt - ebenso berücksichtigt
wie deren spezifische Antworten auf die Moderne. Darüber hinaus
werden auch bestimmte Raumentwürfe und -vorstellungen von Ostmitteleuropa
in den Blick genommen.
Einführende Literatur und Materialien: Handreichung
des Lehrstuhls für Geschichte Ostmitteleuropas am Osteuropa-Institut
der FU Berlin (Homepage des Lehrstuhls); Harald Roth (Hrsg.): Studienhandbuch
Östliches Europa, Bd. 1: Geschichte Ostmittel- und Südosteuropas,
Köln u. a. 1999; Piotr S. Wandycz: The Price of Freedom. A
History of East Central Europe from the Middle Ages to the Present,
London/New York 1992.
Klaus Buchenau
Die "religiöse Renaissance" im postkommunistischen
Osteuropa. Ursachen, Ausprägungen, Folgen
Proseminar
Als die sozialistischen Systeme Ende der 1980er Jahre reihenweise
umfielen, trat die bislang marginalisierte Religion wieder als öffentlich
sichtbarer Faktor in Erscheinung. Westliche Analytiker stellten
damals fest, dass die Säkularisierung eben doch nicht so unaufhaltbar
sei wie bislang angenommen, einige sprachen sogar von der "Rückkehr
des Heiligen". In diesem Seminar soll versucht werden, einen
Überblick über die religiöse Landschaft im Postsozialismus
zu gewinnen und eine Typologie religiösen "Szene"
zu entwerfen - von den ethnonationalen Mehrheitskirchen über
die traditionellen Minderheitenreligionen bis hin zu den freikirchlichen
Gemeinschaften und Sekten.
Ulf Karl Brunnbauer, Matthias Schwartz
Sowjetische Sozial- und Kulturgeschichte
Hauptseminar
Nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes und mit der Öffnung der
sowjetischen Archive hat sich die Forschung in den letzen Jahren
wieder vermehrt Fragen der Sozial- und Kulturgeschichte der UdSSR
gewidmet. Das Interesse richtet sich hierbei zunehmend darauf, wie
die sowjetische Gesellschaft funktioniert hat und welche kulturellen
Praktiken das Leben und den Alltag der Menschen geprägt haben.
Zur Diskussion steht insbesondere, ob es sich bei der Sowjetunion
um ein spezifisches staatliches Gebilde handelte, in dem sich neuartige
soziale und kulturelle Strukturen und Formen herausgebildet haben.
Erklärungsmodelle reichen von der Fokussierung auf ein gesellschaftspolitisches
"Gesamtkunstwerk" (Boris Groys) bis zu Forschungsansätzen,
die eher die Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten mit (populär)kulturellen
Erscheinungen in den hoch- und postindustriellen westlichen Gesellschaften
betonen. Diese Thesen wollen wir in dem Seminar exemplarisch anhand
signifikanter kultureller Phänomene (Avantgarde, Sozialistischer
Realismus, Tauwetter, Samizdat, Estrade, Jugendkultur u.a.) erörtern.
Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Interdependenzen zwischen Vergesellschaftungsprozessen
und der künstlerischen Produktion in der Sowjetunion.
Zur Einführung: Hildermeier, Manfred: Geschichte der
Sowjetunion 1917-1991. Entstehung und Niedergang des ersten sozialistischen
Staates, München 1998. Kelly, Katriona; Shepherd, David (Hg.):
Russian Cultural Studies. An Introduction, Oxford 1998. Plaggenborg,
Stefan: Experiment Moderne. Der sowjetische Weg, Frankfurt a.M.
2006
Jan Behrends
Polnische Geschichte 1939/44-1989. Politik, Gesellschaft, Kultur
Übung
Im Seminar sollen die Grundlagen der polnischen Gesellschaftsgeschichte
zwischen der ommunistischen Machtübernahme in den vierziger
Jahren bis zur Ausrufung des Kriegsrechtes 1981 gemeinsam erarbeit
werden. Besondere Schwerpunkte bilden dabei die Hypotheken von Besatzungsherrschaft,
Holocaust und ethnischem Konflikt, der Stalinismus in Polen, die
Herrschaftskrisen von 1956, 1968 und 1970 und die Entstehung einer
politischen Opposition. Neben der politischen Geschichte wird auch
die Entwicklung von Wirtschaft und Kultur behandelt und die Interpretation
verschiedener Quellen geübt werden.
Literatur: Adam Krzeminski: Polen im 20. Jahrhundert, München
1998; Andrzej Kaluza: Der polnische Parteistaat und seine politischen
Gegner, Frankfurt 1998; Timothy Garton Ash: The Polish Revolution:
Solidarity, London 1983; Anbdrzej Friszke: Polska. Losy Panstwa
i Narodu, 1939-1989, Warschau 2003.
Bernhard Wiaderny
Polen während der Teilungen (1789-1918)
Übung
Die als Ergänzung zu der Vorlesung vom "Bild als historische
Quelle" (G. Pickhan) gedachte Übung wird sich mit den
in der polnischen Malerei des 19.Jh.s thematisierten Ereignissen
wie die Aufstände 1831 und 1863, die Emigration und Verbannung
beschäftigen sowie politische Prozesse untersuchen, die die
Rahmenbedingungen für die Entwicklung der polnischen Malerei
bildeten, wie z. B. die Ausbreitung des Nationalbewußtseins
und die Entwicklung der politischen Autonomie in Galizien seit den
70er Jahren des 19 Jh.s.
Literaturhinweise: Davies N., Im Herzen Europas. Geschichte Polens,
München 2000; Hoensch J. K., Geschichte Polens, Stuttgart,
1998.
[nach oben]
Freie Universität Berlin
Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften
Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft
Internet
KVV
Jan Menzer
Sicherheitspolitik in Osteuropa
Proseminar
Beziehungen. Nach der Auflösung der Sowjetunion und dem Ende
des Warschauer Paktes galt dies insbesondere für die Staaten
Mittel- und Osteuropas. Während Russland in einer Stärkung
der OSZE die Lösung sah, entschieden sich die ehemaligen Mitglieder
des Warschauer Paktes schnell für einen Beitritt zur NATO und
zur Europäischen Union, um das Sicherheitsdilemma zu beheben.
Das Problem der westlichen Staatengemeinschaft bestand nun zum einen
darin, dem Wunsch der osteuropäischen Staaten nach einer Mitgliedschaft
in der transatlantischen Allianz zu entsprechen, weil sie Schutz
vor Russland suchen und andererseits Russland zu erklären,
die Erweiterung der NATO richte sich nicht gegen Moskau. Weiterhin
haben NATO und EU die Aufgabe, die zwischenzeitlich erfolgten Erweiterungsprozesse
so zu vollziehen, dass sie mit Blick auf die nicht beitrittsfähigen
Staaten der GUS oder des Balkans keine neuen Trennlinien in Europa
schaffen. Das Seminar möchte die Tätigkeit internationaler
Sicherheitsinstitutionen in Osteuropa diskutieren. Zum einen werden
die theoretischen Grundlagen internationaler Organisationen zur
Behebung des
Sicherheitsdilemmas sowie deren praktische Umsetzung erarbeitet.
Zum anderen werden Länderstudien durchgeführt, so zum
Beispiel sollen die Rolle Russlands oder der Vereinigten Staaten
von Amerika beim Aufbau einer gesamteuropäischen Sicherheitsarchitektur
im Zuge der Erweiterung von NATO und EU analysiert werden. Zudem
soll der Unterscheidung kollektiver Sicherheits- und kollektiver
Verteidigungsorganisationen nachgegangen werden und der Frage, ob
das Sicherheitsdilemma in unserer Zeit immer noch ein rein militärisches
Problem darstellt oder ob auch nicht-militärische Risiken den
Sicherheitsbegriff definieren.
Larissa Lissjutkina
Formalität, Informalität und Kriminalität: Zum
Wandel der Geschlechterverhältnisse in den Transformationsprozessen
Mittel- und Osteuropas
Proseminar
Ziel des Seminars ist es, die Geschlechterrollen in den Bereichen
des Öffentlichen/Staatlichen/Rechtlichen und des Privaten/Informellen
zu vergleichen. Die Miteinbeziehung der Kriminalität (u. a.
Kriminalisierung der Homosexualität und der Abtreibung) ist
notwendig weil im Laufe des Transformationsprozesses die Grenze
zwischen der Kriminalität und Informalität neu definiert
ist. Im Seminar sollen u. a. folgende Fragen behandelt werde: Führen
verschiedene institutionelle Rahmungen und Wohlfahrtstaatsregime
tatsächlich zu unterschiedlichen Geschlechterkulturen? Welche
informelle/kulturelle Mechanismen werden von den politischen Kreisen
instrumentalisiert? Kann man nach bald 20 Jahren des Reformprozesses
über die Herausbildung einer neuen Geschlechterkultur in Osteuropa
sprechen? Entwickelt sich die Frauenbewegung nach westlichem Muster
oder gibt es Abweichungen von den klassischen westlichen Emanzipationsstrategien?
Was sind progressive und traditionelle Elemente, Strategien und
Politikmittel? Wie werden Fraueninteressen vertreten: durch politische
Parteien, NGOs, Lobbies, kulturelle Strömungen?
Literatur: Brigitta Godel. Auf dem Wege zur Zivilgesellschaft.
Frauenbewegung und Wertewandel in Russland. Campus Verlag, 2002;
S. 11 - 32. Friedrich von Halem. Recht oder Gerechtigkeit. Rechtsmodelle
in Ost und West von der Antike bis zur Moderne. Eine Aufsatzsammlung.
Böhlau Verlag, 2004; S. 6-11; S. 203-229. Elena Zdravomyslova.
Die Konstruktion der "arbeitender Mutter" und die Krise
der Männlichkeit. Zur Unterscheidung der Öffentlichkeit
und Privatheit im Kontext der Geschlechterkonstruktion im spätsowjetischen
Russland. In: Feministische Studien, Nr.17(1), 1999. S. 23-34. Bourdieu,
Pierre (1997): Die männliche Herrschaft, in: Dölling,
Irene/ Krais, Beate: Ein alltägliches Spiel. Geschlechterkonstruktion
in der sozialen Praxis, Frankfurt/Main. S. 153-218.
Karin Pieper
Einführung in die Politik Osteuropas
Proseminar
Dieser Kurs richtet sich an Studienanfänger und versteht sich
als Einführung in das Studium der Politik am Beispiel der Transformation
in Osteuropa. Der Kurs gibt einen Überblick über zentrale
Problemfelder der Transformationsräume in Europas Osten (Einführung
in Transformationstheorien, Systemwechsel und Demokratisierung,
politische Ökonomie der Transformation, Europäisierung).
Diese Themen werden anhand einzelner Politikfelder und im Ländervergleich
analysiert. Den Abschluss bildet eine Diskussion über aktuelle
Entwicklungen in Osteuropa, z.B. zur Rolle der neuen Mitgliedstaaten
in der Europäischen Union und zum Beitrittsstatus weiterer
südosteuropäischer Länder. Zudem werden zentrale
wissenschaftsmethodische Kenntnisse in praxisorientierter Weise
vermittelt.
Ognian Hishow
Nach der Osterweiterung. Die Politische Ökonomie der Integration
der MOEL
Hauptseminar
Die Lehrveranstaltung stellt auf die These ab, dass nach der Osterweiterung
2004 der Ausgang des wirtschaftlichen Integrationsprozess in der
EU Konvergenz oder Divergenz sein kann. Damit ist die gegenwärtige
Lage von dem transformationsbedingten Wachstumsschub der 90er Jahre
und den damit verbundenen Anpassungsreaktionen in West- und Osteuropa
zu unterscheiden. Die MOE-Marktwirtschaften haben nicht die Garantie,
dass sie in überschaubaren Zeiträumen den ökonomischen
Anschluss an Westeuropa schaffen. Dass dabei kein Konvergenzautomatismus
vorliegt, belegt zum einen die Erfahrung der Südmitglieder
der EU-15. Zum anderen leiden die Kernländer der Wirtschafts-
und Währungsunion (WWU) an Wachstumsschwäche, die den
MOEL-Aufholprozess erschwert. Die Voraussetzungen für eine
erfolgreiche Wirtschaftsintegration in der EU sollen in drei etwa
gleich großen Themenrunden behandelt werden. In einem ersten
Block "EU-Wachstumsstrategien" sollen die Bestimmungsgründe
eines aufholenden Wachstums vor dem Hintergrund der großen
Ost-West-Entwicklungslücke erörtert werden. Dazu Vor-
und Nachteile nationaler bzw. EU-harmonisierter Wirtschaftstrategien
und -instrumente (Steuerpolitik, Kohäsionspolitik, Lissabon-Agenda,
EU-Haushalt); ferner realistische Voraussetzungen für eine
F&Ebasierte Entwicklung in den Beitrittsländern. Im zweiten
Sitzungsblock zum WWU-Beitritt der MOEL soll ausgehend von den volkswirtschaftlichen
Erfahrungen der EU-15 mit der gemeinsamen Währung ein Reality
check der Idee "One market - one money" durchgeführt
werden. Weitere Aspekte: Kosten-Nutzen-Saldo der Aufgabe der monetären
Autonomie durch Länder im Catch-up - Prozess; Vor- und Nachteile
des Stabilitätspakts für den Erfolg der WWU; wirtschaftspolitische
Empfehlungen zum Policy mix in einem nicht optimalen Währungsraum
mit Entwicklungsgefälle; die Implikationen des WWU-Projekts
für die weltwirtschaftlichen Ambitionen der EU (WWU hinderlich
oder förderlich ist für die internationale Stellung der
EU bzw. für eine multipolare Welt).
Ein dritter Block soll den Platz der MOEL im europäischen Sozialmodell
untersuchen. Konkurrierende nordund kontinentaleuropäische,
sowie angelsächsische Wirtschafts- und Sozialmodelle sollen
auf ihre Eignung für die MOEL vor dem Hintergrund erforderlicher
langer Konvergenzzeiträume diskutiert werden. Schwerpunkte:
Das Sozialmodell/die MOEL in der EU-Verfassungsdebatte; Sozial-
und wirtschaftspolitische Standpunkte: Sozialdumping /freier Wettbewerb;
Binnenmarktvollendung/Protektionismus; Regulierung/Liberalisierung.
[nach oben]
Universität Potsdam
Philosophische Fakultät
Historisches Institut
Internet
KVV
Bernhard R. Kroener
Europäische Militärgeschichte II: Vom Dreißigjährigen
Krieg bis zum Ende des Nordischen Krieges 1618-1720
Vorlesung
Ausgehend von der säkularen Katastrophe des Dreißigjährigen
Krieges werden am Beispiel der französischen Heeresreformen
unter Le Tellier und Louvois Wirkung und Intensität der wechselseitigen
Beeinflussung von Heeresverfassung und Staatsverfassung untersucht.
Die Beschäftigung mit den militärpolitischen und strategischen
Optionen einer Koalitionskriegführung unter den Bedingungen
von Hegemonie und Gleichgewicht rückt die Auseinandersetzungen
an der Peripherie des europäischen Kriegstheaters ins Blickfeld
der Betrachtung. Das Schicksal der schwedischen Großmachtpolitik
im Ostseeraum und die Rolle des osmanischen Reiches als Gegner und
Partner der europäischen Mächte werden in ihren militärgeschichtlich
relevanten Bezügen behandelt.
Literatur: M. Howard, Der Krieg in der europäischen
Geschichte. Vom Ritterheer zur Atomstreitmacht, München 1981;
J. Black, European Warfare 1660-1815, London 1994; F. Tallett, War
and Society in Early Modern Europe, 1495-1715, London 1992; M. S.
Anderson, War and Society in Europe of the Old Regime, 1618-1789,
Leicester 1988; E. Wolfrum, Krieg und Frieden in der Neuzeit. Vom
Westfälischen Frieden bis zum Zweiten Weltkrieg, Darmstadt
2003.
Manfred Görtemaker
Bismarck und der Osten
Hauptseminar
Das Hauptseminar behandelt die Ostpolitik Otto von Bismarcks - vor
allem gegenüber Russland und Polen - und soll zu einer besseren
Kenntnis des Bismarckschen Denkens und Handelns gegenüber Osteuropa
sowie zu einem vertieften Verständnis der strukturellen Zusammenhänge
der deutschen Ostpolitik von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
bis zur Gegenwart verhelfen. Nach einer Einführung in Potsdam
wird das Seminar in Kooperation mit der Otto-von-Bismarck-Stiftung
(Friedrichsruh) als Blockveranstaltung in der Europäischen
Akademie Külz-Kulice (Polen) abgehalten.
Literatur: G. A. Craig: Deutsche Geschichte 1866-1945, München
1980; L. Gall: Bismarck. Der weiße Revolutionär, Frankfurt
am Main u. a. 1980; D. Hertz-Eichenrode: Deutsche Geschichte 1871-1890.
Das Kaiserreich in der Ära Bismarck, Stuttgart u. a. 1992;
M. Stürmer: Das ruhelose Reich. Deutschland 1866-1918, Berlin
1983.
[nach oben]
|