Love-Parade,
Skater-Night, Theater, Opern, Cafés und Kneipen. Was hat Berlin
alles für ausländische Studierende zu bieten? Unsere Autorin
Michelle Maczka fragte ausländische Studierende an der Humboldt-Universität,
warum sie ausgerechnet nach Berlin gekommen sind und an dieser Universität
studieren wollen. Sie selbst kommt aus den USA und ist im Rahmen des Junior
Year Abroad Programme des Institute for the International Education of
Students (IES), einem Gemeinschaftsprogramm mit der Humboldt-Universität,
für ein Jahr in Berlin.
Gi Hyong, Phillip und Dan suchen nicht nur Spaß oder Kultur in Berlin. Gi Hyong Song aus Seoul, Südkorea, sieht Berlin als ein politisches Symbol für die Wiedervereinigung Deutschlands. Wenn sie das Brandenburger Tor oder einen Teil der Mauer sieht, denkt sie an ihr Land: "Ich hoffe, dass Korea auch irgendwann wieder vereinigt wird".
Gi Hyong hat nur wenig Zeit, sich alles in Berlin anzusehen. Ihr Aufenthalt in Deutschland ist Teil ihres Germanistik-Studiums in Südkorea und dauert nur ein Jahr. Aber es gibt viele andere ausländische Studierende, wie Phillip Kreasge aus Los Angeles, USA, die ihren Abschluss an der Humboldt-Universität machen werden. Für ausländische Studierende wird die Humboldt-Universität immer beliebter. Uwe Brandenburg, Leiter des Akademischen Auslandsamtes, beschreibt die Tendenz in den letzten zehn Jahren mit einem Wort – skyrocketing. Von 1990 bis 2000 ist die Zahl von ungefähr 1.600 ausländischen Studierenden auf 4.100 gestiegen. Bei einer Gesamtzahl von 36.000 Studierenden bedeutet das, dass mehr als zehn Prozent der Studierenden aus dem Ausland stammen.
Was wollen sie in einem fremden Land studieren?
Die meisten studieren in der Philosophischen Fakultät II: Fremdsprachen und Germanistik. An zweiter Stelle stehen die Medizin und die Juristische Fakultät. In ihren Fakultäten und auch durch den Internationalen Club, "Orbis Humboldtianus," werden die ausländischen Studierenden während ihrer Zeit an der Humboldt-Universität betreut. "Einige Fakultäten haben ein eigenes Betreuungsprogramm. So wird in der juristischen Fakultät jeder Austauschstudent durch einen Mentor ehrenamtlich unterstützt", teilt Brandenburg mit.
Diese Betreuung ist nicht nur auf das Akademische und Fachliche beschränkt, sondern umfasst alle Lebensbereiche, in denen Ausländer Hilfe brauchen. Im Club "Orbis" findet freitags eine International Coffee Hour und jeden ersten Donnerstag ein Internationaler Stammtisch statt, wo sich Ausländer und Deutsche treffen und unterhalten können. Außerdem bietet der "Orbis" auch andere Veranstaltungen an, von Bibliotheksführungen über einen Blick hinter die Kulissen des Berliner Ensemble bis hin zum Wochenendausflug nach Dresden.
Berlin ist so groß
Nicht alle ausländischen Studierenden nehmen an den Programmen teil, aber Gi Hyong freut sich, bei diesen Aktivitäten mitzumachen: "Als ich zum ersten Mal hierher gekommen bin, fand ich es sehr schön, dass es hier so viele Angebote gibt. Dadurch konnte ich viele Menschen aus verschiedenen Ländern kennen lernen." Uwe Brandenburg erzählt, dass ihm die guten Betreuungsangebote der Humboldt-Universität bereits bekannt waren, bevor er nach Berlin kam. "Die HU hat einen Ruf dafür", erklärt er. Obwohl er die "Orbis"-Aktivitäten wahrnimmt, meint Phillip, dass es ein Ausländerzentrum geben sollte, um die ausländischen Studierenden besser zu verbinden. Seiner Meinung nach ist das Problem Folgendes: "Berlin ist so groß. Man muss es verkleinern."
Dan McDermott aus Philadelphia, USA ist eher an den Betreuungsaktivitäten seines Austauschprogramms als an denen der Humboldt-Universität interessiert. Neben diesen Aktivitäten genießt Dan "das alltägliche Leben" in Berlin: Kultur mit kleinem k. Dan kam nach Berlin, um ein "anderes Leben und eine andere Kultur außerhalb der Vereinigten Staaten" zu erfahren. Und das tut er durch Spaziergänge im Prenzlauer Berg, möglichst wenn es viele Leute zu beobachten gibt.
Im Gegensatz dazu ist Phillip nach Berlin gekommen, um "Popstar zu werden". Er interessiert sich am meisten für das Nachtleben. "Es lebt und ‚bebt‘ in Berlin. Es gibt Anarchie, Chaos. Immer was Neues". In seinem Heimatort Los Angeles ist es nicht so, wie man es erwarten würde, denn vieles ist streng geregelt. Alle Lokale oder Diskotheken machen um 2 Uhr zu. Aber ihm fällt ein Unterschied auf: "In den Staaten haben Studenten mehr Spaß. Die sind frei, die wollen jung sein. Die Deutschen nehmen alles zu ernst."
Dan beschreibt auch einen Unterschied zwischen Berlin und den USA: "Es ist hier leichter, für dich zu sein und dein eigenes Leben zu leben. Aber man wird auch sehr schnell einsam, besonders wenn man Ausländer ist."
Gi Hyong fühlt sich auch manchmal einsam, wenn sie ihre Familie und Freundinnen vermisst. Die koreanische Sprache fehlt ihr am meisten. Sie kennt nicht viele Koreaner hier, mit denen sie sich in ihrer Muttersprache unterhalten kann. "Als ich zum ersten Mal in Deutschland etwas auf Koreanisch geschrieben habe, habe ich mich sehr gefreut, weil die Sprache schon so fremd für mich war."
Vielfalt Berliner Erfahrungen
Trotz mancher Dinge, die ihnen manchmal gelegentlich fehlen, haben diese drei Studenten positive Erfahrungen zu erzählen. Museums-Ausstellungen, das Nachtleben, die Prenzlauer-Berg-Atmosphäre und viele andere Erlebnisse prägen ihre Zeit in Berlin. Gi Hyong, Phillip und Dan, die sich auch als ausländische Studierende nie kennengelernt haben, sind Beweis für die Vielfalt Berliner Erfahrungen und die Vielfalt des internationalen Lebens an der Humboldt-Universität.
Michelle Maczka