Physik 2000

Neue Medien für ein forschungsorientiertes Studium

Welche Rolle könnten die so genannten Neuen Medien bei der Ausbildung der Studenten spielen? Bieten sie grundsätzlich neue Möglichkeiten, die Lehre besser, effizienter oder vielleicht praxisbezogener zu machen? Während mancher Lehrende sich noch diese Fragen stellt, ist ihre Nutzung per Computer und Datenvernetzung in vielen Bereichen – noch kein Jahrzehnt seit der Einführung des WorldWideWeb – zur Realität geworden. Mit wachsender Tendenz nutzen Lehrende das Internet, Lehrveranstaltungen zu organisieren, Material zur Vorlesung zu verbreiten oder Übungsaufgaben zu verteilen. Es ist inzwischen selbstverständlich, dass ein Seminarvortrag mit intensiver Hilfe von Internet-Recherchen vorbereitet wird. Zunehmend findet man auch Beispiele für weiter gehende Nutzungen der "Neuen Medien", zum Beispiel für interaktive Lehreinheiten, Video-Übertragungen von Lehrveranstaltungen, Fernsteuerung von Experimenten oder Simulation von schwer zugänglichen Abläufen.

Die mögliche Rolle der "Neuen Medien" in der Lehre zu studieren, die didaktischen und technischen Möglichkeiten auszuloten und in der Praxis zu erproben, das ist das Ziel des Projekts "Physik 2000", an dem sich das Institut für Physik der Humboldt-Universität beteiligt. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) seit dem 1. April 2001 für drei Jahre mit etwa 6_Millionen DM gefördert. Unter der Federführung des Fachbereichs Physik der Universität Siegen sind fünf weitere Partnerhochschulen beteiligt.

Das verbindende Thema soll die Physik von Detektoren und abbildenden Systemen sein. Die dabei zu vermittelnden Kenntnisse werden in unterschiedlichster Art bei der Untersuchung der Struktur der Materie benötigt: von der Erforschung kleinster Strukturen in der Teilchenphysik über die Strukturuntersuchungen von Atomen, Molekülen, Kristallen, Zellen und biologischem Gewebe bis zu der Beobachtung von Sternen und Galaxien im Weltall.
Die didaktischen Möglichkeiten der "Neuen Medien" sollen zunächst im Rahmen existierender Studienordnungen in einem forschungsbezogenen Studienabschnitt erprobt werden. Dabei wird erwartet, dass das Projekt einen nachhaltigen Einfluss auch auf andere Bereiche der Physikausbildung haben wird. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden folgende Aufgaben definiert:
Erarbeiten von Internet-basierten "Lehrmodulen": Dabei geht es nicht einfach darum, Vorlesungsskripten auf dem Netz abzulegen, sondern es soll gezielt nach den zusätzlichen Möglichkeiten zur Verbesserung des Studiums gesucht werden.

Entwicklung von Experimenten für das Fortgeschrittenen-Praktikum im Themenbereich "abbildende Systeme", die computer-gesteuert und zum Teil interaktiv über das Internet betrieben werden sollen. In Berlin werden zwei forschungsnahe Experimente zum Nachweis von kosmischer Strahlung und zur Rastersondenmikroskopie von Makromolekülen aufgebaut.
Entwicklung gemeinsamer Kolloquien und Seminare ("elektronischer Hörsaal") im Universitätsverbund, wobei durch die Verwendung von Video-Konferenz-Techniken ein größeres Auditorium für exzellente Fachleute geschaffen werden kann.
Entwicklung von medien-didaktischen Konzepten, wie zum Beispiel die Kombination von netzbasierter und Vor-Ort-Betreuung, sowie die Evaluierung und Qualitätssicherung des Projekts durch Kommunikationspsychologen und Physikdidaktiker.
An der Humboldt-Universität beteiligen sich die Professoren Hermann Kolanoski (Sprecher), Thomas Lohse, Jürgen P. Rabe und Lutz Schön, die die Gebiete Experimentelle Teilchenphysik, Makromolekül- und Biophysik und Didaktik der Physik vertreten.

Infos: Prof. Dr. Hermann Kolanoski, Tel: (033762) 77-380 bzw. -246, kolanosk@ifh.de

http://besch2.physik.uni-siegen.de/~phys2000, http://pmm08.physik.hu-berlin.de/phys2000/, (alt: http://www-zeuthen.desy.de/_~kolanosk/mume/).