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LANGE NACHT DER WISSENSCHAFT

HUMBOLDT

Ausgabe 8 - 2006/2007 www.hu-berlin.de/presse/zeitung Jahrgang 51 - 7. Juni 2007

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Die nächste Ausgabe der HUMBOLDT erscheint am 5. Juli 2007.


Der Humboldt-Weg

oder: Understanding „Translating Humboldt into the 21st Century“

Foto: David Ausserhofer

Wenn am 11. und 12. Juni eine internationale Gutachtergruppe im Rahmen der Exzellenzinitiative die HumboldtUniversität besucht, liegt ein langer Prozess des Nachdenkens hinter der Universität. Humboldt in das 21. Jahrhundert zu übersetzen, ein kohärentes Zukunftskonzept für die gesamte Universität zu entwerfen, neue Kooperationen mit außeruniversitären Partnern zu verabreden und ein valides interdisziplinäres Forschungsprogramm zu entwickeln, bedeutete vor allem intensive Arbeit. Viele Gespräche, Sitzungen des Akademischen Senats, Stärken-­Schwächen-Analysen, Nachtsitzungen, Power-Point-Präsentationen, Fahrten zwischen Mitte und Adlershof,unzählige E-Mail-Korrespondenzen liegen hinter den Beteiligten und schließlich das Ergebnis: der fertige Antrag in der dritten Förderlinie der „Zukunftskonzepte“ mitdem Titel „Translating Humboldt into the 21st Century”, der am 13. April nach Bonn gefahren wurde.
Was dabei herausgekommen ist, ist der eigene Humboldt-Weg, der Antworten auf die Probleme zu geben versucht, denen eine Volluniversität in Deutschland heute gegenübersteht. Es ist ein Weg zwischen den Extremen. Eine gleichgeschaltete, verschulte, rein marktorientierte Hochschule ist keineswegs gewollt, ebenso wie keine realitätsferne, passive, unbewegliche Universität. Deshalb hat die HU ein Bündel an Maßnahmen entwickelt, das ihre sechs wissenschaftlichen Profilbereiche konturiert, stärkt und zugleich an der Idee der Universitas Litterarum festhält. Zu den Profilbereichen zählen: Integrative Life Sciences, The Study of Antiquity and its Transformations, The Study of Security, European Studies, Mathematics as a Key Technology und Modern Optics and Molecular Systems. Sie basieren auf forschungsstarken Bereichen und der im Exzellenantrag beantragten Graduiertenschulen und Exzellenzcluster. Zukünftig will die HU bis zu vier Integrative Forschungsinstitute (IRI) einrichten, die aus diesen sechs Profilbereichen entstehen. Ein IRI muss unter anderem den Kriterien höchster Exzellenz im internationalen Vergleichsmaßstab genügen, strategische Schnittstellen mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Unternehmen in der Wissenschaftsregion Berlin-Brandenburg etablieren, eine hinreichende Differenz zu vergleichbaren anderen nationalen und internationalen Unternehmungen aufweisen.
Forscherinnen und Forscher sollen außerdem in der Lehre angespornt und gefördert werden. Dazu will die HU zwanzig zusätzliche Eduard-Spranger-Lehrprofessuren in ihren sechs Profilbereichen einrichten. Hinzu kommen Maßnahmen, die Kooperationen mit außeruniversitären Partnern aufbauen, beispielsweise die Leibniz-Humboldt-Professuren, und mit den Integrativen Forschungsinstituten das Erfolgsmodell der außeruniversitären Forschung aufgreifen, aber zugleich eng mit der Universität verzahnen. Und nicht zuletzt ist ein umfangreiches Maßnahmenpaket für die Karriereentwicklung der Studierenden und Forscher geplant, das sich nicht an den traditionellen Statusgruppen, sondern an den Stufen von wissenschaftlichen Karrieren, die in der Studienzeit beginnen und in der Regel deutlich über die Pensionsgrenze hinausreichen. In wenigen Tagen nun wird die Gutachtergruppe dieses Konzept in Augenschein nehmen und kritisch bewerten. Die Humboldt-Universität wird im Oktober vielleicht zu den exzellenten Spitzenuniversitäten zählen – und das auf ihrem ganz eigenen Weg. [mehr]

Semtix-Angebot angenommen

Der aktuelle Vertrag zwischen der Studierendenschaft der HU und dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) über ein Semesterticket läuft zum kommenden Sommersemester aus. Der VBB hat die Fortführung dieses Vertrages unter der Bedingung einer gestaffelten Preisanpassung angeboten. Vom 22. bis 24. Mai 2007 fand eine Semesterticket-Urabstimmung zu diesem Angebot statt. Es beteiligten sich 17, 2 Prozent der wahlberechtigten Studierenden. 92,1 Prozent stimmten für die Fortführung des Vertrages zu folgenden Preisen: 154 Euro (Sommersemester 2008), 158,50 Euro (SoSe 2009), 163,50 Euro (SoSe 2010) und 168 Euro (SoSe 2011).[mehr]

Europäischer Preis für lebenslanges Lernen

Die Humboldt-Universität hat den erstmals durch die Europäische Union vergebenen ERASMUS-Preis für lebenslanges Lernen in Silber erhalten. Gewürdigt wurde damit die herausragende Arbeit der Universität und des ERASMUS-Teams mit dem Schwerpunkt Lehre und Betreuung der „ERASMUS-incoming students“ in den letzten Jahren. Gemessen an der Zahl der Studierenden nimmt keine Hochschule mehr Studierende und Dozenten auf als die HU. Bildung verbindet – das Programm für lebenslanges Lernen wurde offiziell am 7. Mai 2007 in Berlin durch Bundesbildungsministerin Dr. Annette Schavan und Ján Figel, Kommissar für allgemeine und berufliche Bildung, Kultur und Jugend, eröffnet. Im Rahmen der III. ERASMUS-Programmgeneration mit der Laufzeit von 2007 bis 2013 wird angestrebt, die Mobilität von bisher 1,5 Millionen auf 3 Millionen mobile Studierende zu erhöhen. Der Finanzetat wurde im Vergleich zum SOKRATES-Programm nahezu verdoppelt.[mehr]

Laufen für die Universität

Aufruf zum 6. Berliner Firmenlauf – Business-Run & Skate
Ein Freitagabend im Juli. Die Bürgersteige sind gefüllt mit jubelnden Menschen. Zwischen ihnen auf der Straße laufen Tausende mit bunten Nummern auf dem Rücken. So oder ähnlich könnte es am 6. Juli zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule aussehen, wenn der Startschuss zum 6. Berliner Firmenlauf – Business- Run & Skate fällt. „Im Team laufen fördert das Gruppengefühl und die Identifikation mit der Mannschaft, bringt jede Menge Spaß und bleibt auch im Nachhinein ein Erlebnis, das zusammenschweißt“, sagt Martina Rost. Die Direktorin der Zentraleinrichtung Hochschulsport möchte deshalb möglichst viele Studierende, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Professorinnen und Professoren zur Teilnahme beim „Team Humboldt-Universität“ animieren. Der Firmenlauf findet in Kooperation mit dem 2. Berliner Friedenslauf unter dem Motto „Konflikte gewaltfrei lösen“ statt. Insgesamt werden sechs Kilometer zurückgelegt. Jede teilnehmende Firma oder Organisation bildet ein Gesamtteam, das aus Kleinteams mit drei bis fünf Teilnehmern besteht. Auch Inline-Skater und Nordic-Walker haben die Möglichkeit, rund um die Siegessäule und das Brandenburger Tor gemeinsam um die Wette zu rollen oder zu walken.Daneben gibt es ein breites Rahmenprogramm. Die Zentraleinrichtung Hochschulsport wird einen Informationsstand einrichten. Für die Organisation und Betreuung der Veranstaltung sucht der Hochschulsport noch freiwillige Helferinnen und Helfer. Ab 17.00 Uhr beginnt ein Bühnenprogramm. Dem sportlichen Teil folgt die After-Run-Party mit der Siegerehrung, bei der nicht nur die besten Läufer bzw. Läuferinnen und das beste Kleinteam geehrt werden, sondern auch die Firma mit den meisten Teilnehmern einen Wanderpokal erhält. [mehr]

 


AKTUELL


Personalia

Ehrendoktorwürde für Elinor Ostrom
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Elinor Ostrom, Indiana University, hat am 1. Juni 2007 im Rahmen eines akademischen Festakts die Ehrendoktorwürde der


Indiana University

Humboldt-Universität verliehen bekommen. Prof. Ostrom ist Mitglied der American Academy of Sciences und gehört zu den international führenden Wissenschaftlerinnen auf den Gebieten Kooperationsforschung, Institutionenanalyse, Ressourcenökonomie und Politikwissenschaften. Sie wird unter anderem für ihre verdienstvolle langjährige Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des Instituts für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaus der Landwirtschaftlich Gärtnerischen Fakultät im Rahmen von teils abgeschlossenen, teils laufenden Forschungsprojekten und Wissenschaftler-Austauschprogrammen gewürdigt.

Hervorragend und selbst finanziert
Das China Scholarship Council hat Zhuang Wei den „2006 Chinese Government Award for Outstanding Self-financed Students Abroad“ zuerkannt. Zhuang ist Doktorand in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Jürgen Rabe, Mitglied im SFB „Mesoskopisch strukturierte Verbundsysteme“ und Absolvent des Master-Studiengangs Polymer Science. Der Preis ist mit 5000 US-Dollar dotiert. In Deutschland gibt es über 20 000 registrierte chinesische Studierende. Davon haben sich mehr als 400 beworben. Insgesamt wurden 21 Preise vergeben. Weltweit wurden 302 Studenten in 40 Fächern ausgezeichnet.

Prof. Peter Vajkoczy jüngster Klinikdirektor der Charité
„Neunzig Prozent aller Hirntumore sind ohne Spätschäden operabel.“ Diese selbstbewusste Kampfansage kommt von Prof. Peter Vajkoczy, der jetzt seinen Dienst als Direktor der Neurochirurgischen Klinik der Charité - Universitätsmedizin Berlin angetreten hat. Mit 38 Jahren ist Prof. Vajkoczy der jüngste Klinikdirektor der Charité. Er gilt als einer der führenden Hirntumorexperten Deutschlands und hat sich auf die operative Therapie von Hirntumoren in schwer zugänglichen Arealen des Gehirns spezialisiert. Sein Studium absolvierte Prof. Vajkoczy in München, Edinburgh, Sydney und Newark. Ab 1995 war er an der Neurochirurgischen Universitätsklinik Mannheim der Universität Heidelberg tätig, zuletzt als stellvertretender Klinikdirektor. Daneben durchlief er eine intensive neurochirurgische Weiterbildung an den Universitätskliniken von Phoenix und Chicago sowie in Helsinki und Utrecht. Mehrere dort erlernte Verfahren für komplexe Operationen am Gehirn importierte er nach Deutschland.

Italienische Juniorprofessorin zu Gastan der Juristischen Fakultät
Dr. Gina Gioa wird als Stipendiatin der Alexander von Humboldt-Stiftung auf Einladung von Prof. Dr. Dr. Stefan Grundmann ein Jahr lang an der Juristischen Fakultät forschen. Sie ist Absolventin der Sapienza in Rom,


Foto: privat

kommt von einem der Hauptzentren für deutsch-italienischen Rechtsvergleich und ist Juniorprofessorin in Padua (Ricercatore). Ihre Schwerpunktereichen vom Verfah rensrecht über das klassische Zivilrecht bis hin zum Handels- und Wirtschaftsrecht. Dieser Strauß bildet auch die Grundlage des Projekts, das sie in Berlin verfolgt. Sie greift für das Vertragsrecht ein altes Petitum auf. Vielfach wurde darauf hingewiesen, dass materielle Rechtsvereinheitlichung immer nur so gut wirkt, wie die Durchsetzung im Verfahren verbürgt ist: „Recht hat nur, wer Recht bekommt.“ Dr. Gioa will, vor allem im Vergleich Italien und Deutschland, die prozessuale Flankierung von zunehmend einheit lichem materiellem Vertragsrecht untersuchen – ein Anliegen, das auch den EU-Gesetzgeber beschäftigt.

Theologische Fakultät feierlich eröffnet


Foto: Bernd Prusowski

Die Theologische Fakultät feierte am 9. Mai die Eröffnung ihres umgebauten Gebäudes an der Burgstraße 26 (siehe auch Humboldt 7 - 2006/07). Im verglasten Foyer, das den Theologen wegen seiner guten Akustik auch als Festraum dient, waren alle Plätze besetzt und die Besucher erwarteten mit Spannung vor allem den Vortrag des Festredners, Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU). Schäuble befasste sich unter dem Titel „Vom Sinn universitärer Theologie in einer globalisierten Welt“ auch mit der möglichen Integration des Islams ins deutsche Hochschulwesen. Auch die evangelische Theologie müsse im 21. Jahrhundert am Verständnis religiöser Entwicklungen in der globalisierten Welt mitarbeiten, appellierte der Innenminister am Ende an die HU-Theologen. Sie solle zur Erforschung der Religion, insbesondere des Christentums für Politik, Wirtschaft und Gesellschaften der Länder einen Beitrag leisten. Danach konnten sich die Besucher bei einem kleinen Empfang stärken und das ansprechende Gebäude in Augenschein nehmen.[mehr]


CAMPUS


Fantasie aller Gefragten

Präsidium begrüßt studentische Studierbarkeitsstudie

Der Bologna-Prozess ist die tiefgreifendste Umstellung, die das deutsche Hochschulsystem seit Jahrzehnten erfahren hat. Dabei hat sich die Einführung der Bachelorund Masterstudiengänge als große Herausforderung erwiesen. Dieser hat sich die Humboldt-Universität als eine der ersten Hochschulen in Deutschland gestellt, so dass die neue Studienstruktur mittlerweile in fast allen Fächern implementiert ist. Dabei hat die Universität darauf geachtet, dass die Errungenschaften der modernen Universitätsreform, die man mit ihrem Namensgeber verbindet, bewahrt worden sind. Trotz vielfältiger Probleme sind wir überzeugt, dass der Prozess insgesamt Erfolg versprechend verläuft und die offensichtlichen Schwächen abzustellen sind.


Die Universitätsleitung will mit an der Studie beteiligten Studierenden in einer AG zusammenarbeiten. Foto: Darwin Meckel/OSTKREUZ

Dass Veränderungen solchen Ausmaßes mit enormen Schwierigkeiten einhergehen, versteht sich beinahe von selbst. Manche Lehrende und Studierende mögen sich von der Fülle an Neuheiten zunächst überrannt gefühlt haben; manche mit heißer Nadel gestrickte Studienordnung zeigte handwerkliche Mängel; es gab leider Fälle, in denen bestimmte Fächerkombinationen zu untragbaren Belastungen für die Studierenden führten; es gab Fächer, in denen die Modulreihenfolge im ersten Durchlauf nicht ausreichend aufeinander abgestimmt waren. Wir haben uns auch in der Vergangenheit darum bemüht, diese Probleme nach und nach zu lösen und die Übergansphase so reibungslos wie möglich zu gestalten.
Dass es aber noch weiterer und teilweise erheblicher Anstrengungen bedarf, darauf macht die Studierbarkeitsstudie der studentischen Arbeitsgruppe aufmerksam. Mit ihr liegt nun eine erste umfassende Untersuchung vor, die den Umstellungsprozess aus Sicht der Studierenden beschreibt. Das Präsidium begrüßt diese Initiative ausdrücklich und betrachtet die Studie als notwendige und nützliche Grundlage, die innerhalb der Gremien zu diskutieren sein wird. Erste informelle Gespräche zwischen der Arbeitsgruppe und der Universitätsleitung über mögliche Konsequenzen haben bereits stattgefunden. Geplant ist die Einrichtung einer „AG Studierbarkeit“, die sowohl die Problemanalyse vorantreiben als auch Vorschläge für Veränderungen erarbeiten soll.
Um Maßnahmen ergreifen zu können, sind nach Meinung des Präsidiums zwei Arbeitsschritte vonnöten. Zunächst gilt es, jenen Bereich abzustecken, in welchem Übereinstimmung hinsichtlich der Schlussfolgerungen besteht, die man aus den empirischen Ergebnissen der Studie zieht. Hier wird man nicht in allen Fällen Einigkeit erzielen, etwa wenn es darum geht, wie der Zugang zu den jeweils nächst höheren Qualifikationsstufen (beispielsweise Übergang vom Bachelor zum Master) geregelt wird. Bei den Punkten hingegen, die nicht kontrovers sind, ist es sinnvoll, zuerst eine Differenzierung vorzunehmen. So lassen sich Informationsdefizite bezüglich von Studien-, Prüfungsordnungen etc. auf Seiten der Studierenden relativ kurzfristig beheben. Auch für Probleme, die von vorübergehender Art sind, etwa beim Vertrauensschutz, lassen sich sicherlich Lösungen finden. Notwendige Veränderungen in den neuen Studiengängen selbst bedürfen indes der Einbeziehung der Fakultäten. Hierbei könnten die verschiedenen Gremien unterstützend tätig werden. Schließlich gibt es strukturelle Probleme, die nicht unmittelbar von den aktuellen Veränderungen herrühren. So kann die HU etwa den Umstand, dass sich viele Studierende ihr Studium selbst finanzieren müssen, nicht ändern, aber zumindest dafür sorgen, dass Lösungen für ein Teilzeitstudium umgesetzt werden. Auch das Betreuungsverhältnis ist von politischen Vorgaben abhängig, etwa die externe Festlegung der Kapazitäten, die von Universitätsseite nur bedingt beeinflussbar sind. Hier ist die Phantasie aller Universitätsangehörigen gefragt, um innovative Ansätze zu verwirklichen.
Die Studierbarkeitsstudie hat viele dieser Probleme nun benannt und eine Anzahl an Verbesserungsvorschlägen gemacht. Dafür sei den Initiatoren und allen Beteiligten noch einmal herzlich gedankt. Der mögliche Eindruck, dass die meisten Probleme unmittelbar mit dem Bologna-Prozess zusammenhängen, ist freilich korrekturbedürftig. Viele Probleme existieren bereits seit geraumer Zeit, sind bisher aber weder wahrgenommen noch ernsthaft angepackt worden. Sichtbar werden sie erst durch die neue Studienstruktur, da diese beispielsweise eine engere, personenbezogene Betreuung vorsieht. Wir alle, die an dieser Universität tätig sind, stehen vor ganz neuen Herausforderungen. Und nur in gemeinsamer Anstrengung wird es uns möglich sein, eine der Kernaufgaben exzellent zu erfüllen, nämlich eine hervorragende akademische Ausbildung anzubieten und zu genießen.[mehr]


FORSCHUNG


Boost für Teilchenphysik

Helmholtz-Allianz „Physik an der Teraskala“ bewilligt – HU-Wissenschaftler beteiligt


Die Forschung findet auch an Teilchenbeschleunigern wie dem „Large Hadron Collider“ (LHC) bei der Europäischen Organisation für Kernforschung CERN in Genf statt. Foto: CERN

Physiker aus Deutschland können zu künftig eine noch stärkere Rolle im internationalen Streben um die Grundlagenerforschung der Natur übernehmen. Der Senat der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren hat für die kommenden fünf Jahre 25 Millionen Euro für das Projekt „Helmholtz-Allianz – Physik an der Teraskala“ bewilligt, das unter Federführung des Deutschen Elektronen-Synchrotrons DESY erstellt wurde. Die Allianz schafft ein Netzwerk für Spitzenforschung an der Grenze der erreichbaren Beschleunigerenergien (Teraelektronenvolt), um die Natur der Materie und der wirkenden Kräfte kurz nach dem Urknall zu untersuchen.
In Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum Karlsruhe, 17 Universitäten, darunter auch Arbeitsgruppen des Instituts für Physik der HU, und dem Max-Planck-Institut für Physik in München werden die in Deutschland vorhandenen Kompetenzen gebündelt, um das Verhalten von Elementarteilchen und die Kräfte, die zwischen ihnen walten, zu erforschen.
Insbesondere wird die Entwicklung neuer IT-Strukturen, Detektor- und Beschleunigertechnologien gefördert, die für eine nachhaltige Entwicklung der Teilchenphysik von zentraler Bedeutung sind. Die an den Forschungsstandorten vorhandene Infrastruktur wird verbessert und vernetzt und allen Partnern zur Verfügung stehen. So findet die Forschung in einem internationalen Verbund an weltweit einmaligen Teilchenbeschleunigern wie dem „Large Hadron Collider“ (LHC) bei der Europäischen Organisation für Kernforschung CERN in Genf und dem geplanten „Internationalen Linearcollider“ (ILC) statt. Der LHC, ein dieses Jahr in Betrieb gehender Teilchenbeschleuniger, und der ILC werden mit bisher unerreichten Energien die Physik an der Teraskala erforschen (1 TeV= 1 Tera-Elektronenvolt, der Energiebereich, den die Forschung mit LHC und ILC erschließt). Mit den Ergebnissen von LHC und ILC könnten Antworten auf die Fragen nach dunkler Materie, Energie oder dem Ursprung der Masse gefunden werden. Die experimentellen Arbeitsgruppen der Humboldt-Universität (Prof. Kolanoski, Prof. Lohse) bringen ihre langjährige Erfahrung im Hardware- und Softwarebereich in den Verbund ein. Sie nutzen die räumliche Nähe zum DESY in Zeuthen, um sich am Aufbau eines Daten- und Analysezentrums zu beteiligen und an der vernetzten Datenanalyse im Rahmen des LHC-Experiments ATLAS teilzunehmen. Zusätzlich werden sich die theoretischen Arbeitsgruppen (Prof. Müller-Preußker, Prof. Plefka, Prof. Wolff) an einem virtuellen Theorie-Institut engagieren, so dass eine enge Verzahnung der experimentellen und theoretischen Forschung an der Humboldt-Universität gewährleistet ist.
Während des Förderzeitraums werden über 50 Stellen für Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker geschaffen. Insbesondere wird Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern mit der Leitung einer Nachwuchs-Forschergruppe Aussicht auf eine Festanstellung geboten. Nachwuchsstellen bei allen Partnern, eine koordinierte Stellenbesetzung und Lehrvertretungen während Auslandsaufenthalten machen die Mitarbeit an Großforschungseinrichtungen möglich, ohne die Lehre einzuschränken.[mehr]

FORSCHUNG


„You are who you educate“

Alumni-Konferenz bringt Initiativen und Vereine zusammen

Seit die ersten 100 „Ehemaligen“ in die Alumni-Datenbank aufgenommen wurden, sind nun drei Jahre vergangen. Die HU betreibt Alumni-Arbeit, die zentral koordiniert wird. Auf dezentraler Ebene arbeiten mittlerweile etwa 30 Initiativen und Vereine hart,um ihre „verlorengegangenen“ Ehemaligen wieder an ihre Alma Mater zurückzuholen. Sie laden zu Jahresfeiern, Absolvententreffen, Bällen, Exkursionen und anderen Aktivitäten ein. Fast 6000 Alumni sind zur HU „zurückgekehrt“, per Mausklick, E-Mail, Telefon oder persönlichen Kontakt.



Alumniarbeit mit Strahlkraft: Der Ball in Organisation des Fakultäts- und Alumninetzwerks WIWEX.net ist jährliches Event an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. Foto: Sebastian Höhne


Auch wenn viel über Sinn und Bedeutung der Alumni-Arbeit zu lesen ist, sind immer wieder Skeptiker dabei: „Alumni – die sind doch nicht wichtig, die haben doch schon ihren Abschluss…“, heißt es dann, oder es wird gefragt: „Was macht ihr eigentlich mit den Alumni“? Die Antwort darauf gelingt spielend, wenn man den Blickwinkel wechselt und zurückfragt: „Wer sind diejenigen, die Sie ausbilden; welchen beruflichen Werdegang haben sie genommen; woran erinnern sie sich noch heute; welche Freundschaften haben sie an ihrer Alma Mater geschlossen? Es ist schwer, den Blick nicht in die Länder mit längeren Alumni-Traditionen schweifen zu lassen. Im anglo-amerikanischen Raum ist es beispielsweise Brauch, dass so genannte „student volunteers“ zur Organisation von Festen und Großveranstaltungen herangezogen werden. [mehr]

200 Jahre Wissenschaftsgeschichte online

Einmalige Datenbank präsentiert Bestände aus Universitätssammlungen

Rund 14000 Objekte aus den Sammlungen der Humboldt-Universität sind nun im Internet recherchierbar. Die HU ist damit bundesweit die erste und bisher einzige Universität, die in dieser Form einer wissenschaftlich interessierten Öffentlichkeit Zugang zu bislang verschlossenen Archiven ermöglicht. Die Datenbank ist ein Pilotprojekt, das einen universellen Rahmen zur zukünftigen Präsentation aller vorhandenen Objekte schafft. Sie bietet nicht nur einen Einstieg in die Vielfalt der Sammlungen, sondern vermittelt auch einen Zugang zur Geschichte wissenschaftlicher Medien und ihrer Ästhetik.
Die Datenbank umfasst zunächst nur ausgewählte Bestände wie etwa frühe wissenschaftliche Grafiken der Universitätsbibliothek, Teile des Medizinhistorischen Museums der Charité oder dem Lautarchiv, ehemals Lautabteilung an der Preußischen Staatsbibliothek. Daneben finden sich Objekte aus dem Museum für Naturkunde, aus der historischen Instrumentensammlung am Johannes-Müller-Institut für Physiologie, faszinierende Mikropräparate aus der Zoologischen Lehrsammlung und Exponate, die bereits im Rahmen der 2001 im Berliner Gropiusbau gezeigten Ausstellung „Theatrum Naturae et Artis“ der Öffentlichkeit präsentiert wurden.[mehr]


GESCHICHTE


„... aber jetzt ist es mir peinlich, hier müßig zu sein...“

Wilhelm von Humboldt, dem Universitätsgründer, zum 240. Geburtstag

Vor 240 Jahren, am 22. Juni 1767, wurde Wilhelm von Humboldt in Potsdam geboren, gestorben ist er am 8. April 1835 auf dem Familienschloss in Tegel. Zwischen beiden Daten spannt sich eine Epoche, die politisch, geistig und kulturell als Achsenzeit zu bezeichnen nicht übertrieben ist. Es ist die Zeit der Amerikanischen und der Französischen Revolution, die Zeit Napoleons, Mozarts, Beethovens, Herders, Goethes, Schillers, Fichtes, Schlegels, Rahel Varnhagens, der Mendelssohns, Schinkels und vieler weiterer. Und – es ist die Zeit Wilhelm und Alexander von Humboldts (1769-1859).


Wilhelm von humboldt auf einem Gemälde von Franz Gerner, gemalt 1946 (Ausschnitt). Foto: HU/Scholz

Die Brüder gehörten an ihren jeweiligen Wirk- und Wohnorten zu den Kernpersonen der literarischen und gelehrten Zirkel. Ob in Jena, wo Wilhelm mit Schiller eine intellektuelle Gemeinschaft bildete, in Paris, in dem sich Alexander wohler fühlte als in Berlin, ob in Rom, wo Wilhelm – als preußischer Ministerresident – und seine Frau Caroline zwischen 1803 und 1808 ein offenes Haus für die europäischen Besucher oder Residenten führten, und schließlich in Berlin, in das sie beide zurückgekehrt waren und zu wissenschaftlichen Inspiratoren wurden, bei Hofe geschätzt, von der breiten Öffentlichkeit verehrt. Es kann daher nicht verwundern, dass der Brüder Name im gleichen Atemzuge mit Herder, Schiller und Goethe genannt wird, beide gehören selbstredend und zweifellos zum Vielgestirn der deutschen Klassik.
Der preußische Politiker und Diplomat Wilhelm von Humboldt war in Rom ein homme de lettres, ein Gesellschaftsmensch, der sich – wie seine Zeitgenossen – mehr für das klassische Griechenland und die griechische Kultur interessierte als für die römische politische Gegenwart, die auch nicht unspannend war; keiner der Antikenverehrer war je in Griechenland gewesen. Die politische Wirklichkeit holte sie alle ein mit ihren nationalen Niederlagen und dem europäischen Siegeszug Napoleons. Preußens Zusammenbruch mit und nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806, die Besetzung Berlins durch französische Truppen, die Flucht des Königs ins ostpreußische Königsberg markieren nur einige Merkdaten dieser eisernen Jahre im Goldenen Zeitalter.
Die Frage, was aus Preußen (und Europa) werden sollte, trieb viele Zeitgenossen um und machte sie zu Politikern. Ab dem zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts wurden kaum für möglich gehaltene Reformen geplant und durchgeführt, nicht nur in Preußen. Sie sind uns unter dem Namen Stein-Hardenbergsche-Reformen seit der Schulzeit geläufig. Die Eigenverantwortung des Bürgers stand von nun an im Zentrum der politischen Überlegungen mit dem Ziel der Wiedererrichtung Preußens. Aus Rom schrieb Humboldt 1806 an den Staatsminister Hardenberg: „Ich war niemals ehrgeizig oder interessiert und zufrieden mit dem Posten in dem Lande, das ich bewohne und das ich liebe und habe weder gesucht noch gewünscht, in eine andere Lage zu kommen, aber jetzt ist es mir peinlich, hier müßig zu sein und nichts für das bedrängte Vaterland tun zu können.“
Wilhelm von Humboldt wurde, von Hardenberg berufen, im Februar 1809 Direktor der Sektion für Kultus und Unterricht im preußischen Innenministerium und konnte mit wenigen programmatischen Memoranden König und Regierung überzeugen, in Berlin eine Universität zu gründen, die sich von allen bisherigen unterscheiden sollte. Diese Hochschule nahm mit dem Wintersemester 1810/11 im Prinz-Heinrich-Palais – noch heute das Hauptgebäude der Humboldt-Universität – ihren Lehrbetrieb auf, der erste gewählte Rektor war der Philosoph Johann Gottlieb Fichte (1762-1814), den Humboldt noch selbst berufen hatte. Friedrich Schleiermacher, Friedrich Carl von Savigny und Barthold Georg Niebuhr waren weitere Gelehrte, die zu den Erstberufenen gehörten. [mehr]


GESCHICHTE


„Kleiner Mann ganz groß!“

Zum 100. Geburtstag von Prof. Dr. Kurt Haspas

Sein Buch „Methodik des Physikunterrichts“ aus dem Jahre 1969 nehmen wir, seine ehemaligen Mitarbeiter und Studenten, noch immer gern in die Hand, um Klarheit im babylonischen Sprachengewirr der Didaktik zu erlangen. Sein Name und sein Wirken sind mit der Entwicklung des Physikunterrichts in der DDR eng verbunden. Am 31. Mai dieses Jahres wäre Kurt Haspas 100 Jahre alt geworden.


Prof. Kurt Haspas,
Foto: R. Brechel

Sein beruflich-wissenschaftlicher Entwicklungsweg wurde vor allem durch seine Begeisterung für den Lehrerberuf sowie durch das Interesse für die Naturwissenschaften, insbesondere die Physik geprägt. Dieses Interesse wurde nicht zuletzt dadurch geweckt und weiterentwickelt, dass er an der Friedrich-Wilhelms-Universität Planck, Nernst, Schrödinger, von Laue, Wehnelt und Sommer zu seinen Lehrern zählen konnte. Unter Betreuung der beiden Letzteren promovierte Haspas zum Doktor der Philosophie mit dem Thema: Das Funkenspektrum des Cers.
In der Zeit des Nationalsozialismus musste Kurt Haspas wegen seiner politischen Einstellung in der Industrie arbeiten. Erst 1945 nahm er seine Tätigkeit als Lehrer in Berlin an der Schinkel-Oberschule und an der Volkshochschule Prenzlauer Berg auf. Ab 1949 begann er mit seinen vielfältigen Arbeiten in der Lehreraus- und Weiterbildung, zunächst als Dozent an der Pädagogischen Hochschule Berlin, dem späteren Institut für Berufschullehrerbildung. Gleichzeitig lehrte er als Lehrbeauftragter für Methodik des Physikunterrichts an der Pädagogischen Fakultät der Humboldt-Universität.
1957 übernahm er schließlich die Leitung der Abteilung Methodik des Physikunterrichts am Institut für Unterrichtsmethodik und wurde nach seiner Habilitation Professor mit Lehrauftrag, mit vollem Lehrauftrag und mit Lehrstuhl.
Von seinen Mitarbeitern und Studenten wurde Kurt Haspas insbesondere wegen seiner Kreativität und seines Verständnisses für den wissenschaftlichen Nachwuchs sehr geschätzt. Er betreute 25 Doktoranden bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit.[mehr]

Leidenschaftliche Germanistin

Bibliothek der ersten Linguistik-Professorin Deutschlands aufgearbeitet

Die tragische Geschichte der Germanistin Agathe Lasch (1879-1942?) ist außergewöhnlich und exemplarisch für ihre Zeit zugleich. Das Leben der Berliner Jüdin ragt einerseits durch ihre Pionierstellung als Frau in der Wissenschaft und ihre bis heute nachwirkenden wissenschaftlichen Leistungen heraus, andererseits ist es ein erschütterndes Beispiel für den Umgang der Nationalsozialisten mit jüdischer Intelligenz.
Da Frauen im Kaiserreich nicht unbedingt Zutritt zum Studium hatten, war Agathe Lasch gezwungen, aus Berlin fortzuziehen. Sie promovierte in Heidelberg, wurde schließlich nach einer Lehrtätigkeit in den USA 1923 erste Linguistik-Professorin Deutschlands in Hamburg. Ihr Forschungsschwerpunkt war das Niederdeutsche.
Die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten überschattete von nun an ihr Leben: Bereits 1934 von ihrer Lehrerlaubnis enthoben, zog sie 1937 zurück zu ihrer Familie nach Berlin und wurde am 12. August 1942 von der Gestapo verhaftet und deportiert. Ihr genauer Verleib ist ungewiss.
Die Tragik und bittere Ironie ihres Schicksals wird deutlich, wenn man aus den wenigen überlieferten persönlichen Aussagen der Germanistin vor allem ihren Patriotismus entnehmen kann: „Die beiden Abstrakta, die ich mit höchster Leidenschaft liebe, sind: Germanistik und Deutschland.“ So ungewiss wie die genauen Umstände ihres Todes ist auch der Verbleib ihrer Privatbibliothek. Sie stellt einen bedeutenden Schlüssel zu ihrer Biographie als Wissenschaftlerin dar, erlaubt sie es doch, ihre Forschungsschwerpunkte und Vorlieben zu rekonstruieren.[mehr]


Humboldt-Universität | Referat Öffentlichkeitsarbeit 12.06.07 | rk