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HUMBOLDT

Ausgabe 1 - 2007/2008 www.hu-berlin.de/presse/zeitung Jahrgang 52 - 11. Oktober 2007

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Die komplette Zeitung als PDF-Version

Die nächste Ausgabe der HUMBOLDT erscheint am 8. November 2007.


Vom Rauschen der Fische

1,25 Millionen Euro für jungen Neurowissenschaftler der HU

Der 36-jährige Neurowissenschaftler Dr. Jan Benda von der Humboldt-Universität zu Berlin erhielt am 24. September den mit 1,25 Millionen Euro dotierten Bernstein Preis 2007 des Bundesministeriums
für Bildung und Forschung (BMBF). Jan Benda wurde von einer internationalen Jury für seine herausragenden Leistungen auf dem Gebiet der Computational Neuroscience und sein innovatives Forschungsprogramm ausgezeichnet. Sein Forschungsprojekt untersucht die Rolle des Rauschens in der frühen sensorischen Verarbeitung und verspricht grundlegend neue Erkenntnisse über die Funktionsprinzipien des Nervensystems. Jede Information über die Außenwelt, die ein Tier erhält, wird von den Sinnesorganen in neuronale Signale umgesetzt, die das Gehirn „verstehen“ muss. Wie werden komplexe Sinnesinformationen – wie Gerüche, Geräusche oder Bilder – in dem räumlichen und zeitlichen Muster neuronaler Aktivität verschlüsselt und wie werden diese im Nervensystem weiter verarbeitet? Diese Frage untersucht Benda am Beispiel der Kommunikation zwischen schwach-elektrischen Fischen. Seine überraschende Antwort: Es kommt auf die zeitliche Genauigkeit der Impulse an, mit der Neurone Signale weiterleiten.
Schwach-elektrische Fische besitzen spezielle Organe, mit denen sie ein elektrisches Feld erzeugen, das sich um den Fisch herum im Wasser aufbaut. Die Fische kommunizieren über so genannte „Chirps“, kurze Veränderungen in der Frequenz ihres elektrischen Signals. Begegnet ein männlicher Fisch einem weiblichen, reagieren Sinnesrezeptoren auf die Überlagerung der beiden elektrischen Felder mit einer sehr regelmäßigen Signalfolge, die durch einen Chirp durcheinander gebracht wird.
Ähnlich wie in jedem elektronischen System gibt es auch im Nervensystem ein „Hintergrundrauschen“. Das sind stochastisch auftretende neuronale Signale. Im Allgemeinen wird ein solches Rauschen als eine unumgängliche physikalisch bedingte Störung des Systems betrachtet, die die Signalübertragungseigenschaften beeinträchtigen. Benda möchte mit seinem Preisgeld nun untersuchen, ob es nicht doch eine Funktion in der Signalübertragung hat. [mehr]

 

DFG-Forschergruppe zum Strukturwandel im Agrarsektor bewilligt

Landwirtschaft im 21. Jahrhundert unterliegt einer Vielfalt struktureller Veränderungsprozesse. Die Gesellschaft erwartet von Landwirten neben ihrer Rolle als Nahrungsmittellieferanten auch den Schutz natürlicher Ressourcen und den Erhalt von Landschaften. Die europäische Agrarpolitik durchläuft seit Jahren einen fundamentalen Reformprozess. Globalisierung und technologische Entwicklungen führen zu weitreichenden organisatorischen Veränderungen. Daher ist die unternehmens- und politikbezogene Analyse des Strukturwandels im Agrarsektor Thema einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bewilligten Forschergruppe. Beteiligt sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Humboldt-Universität, des Leibniz- Instituts für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) in Halle/Saale sowie der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in Braunschweig. Ziel ist es, eine integrative Sichtweise zu entwickeln, die aktuelle wissenschaftliche und politische Herausforderungen aufgreift. So wird die klassische Zwei-Ebenen-Betrachtung zwischen Unternehmen und Politik durch die Einbeziehung unternehmerischen Entscheidungsverhaltens und die Analyse institutioneller Aspekte erweitert. Die Vernetzung verschiedener Modelle erlaubt die Analyse von komplexen Politikszenarien, u.a. zu den Auswirkungen der WTO-Verhandlungen, der ländlichen Entwicklungspolitik sowie der Förderung von Energie aus nachwachsenden Rohstoffen. Die Forschergruppe ist zunächst auf drei Jahre Laufzeit konzipiert.[mehr]

Feierliche Eröffnung des Akademischen Jahres


Foto: Meckel

Alle Studierenden und Angehörigen der Humboldt-Universität sind eingeladen zur feierlichen Immatrikulation und Eröffnung des Akademischen Jahres. Die Feierstunde am Montag, dem 15. Oktober, im Auditorium maximum, Hauptgebäude der HU, Unter den Linden 6, statt. Beginn ist 16 Uhr.
Stellvertretend für die Erstsemester werden zwei Studierende die Matrikel unterschreiben. Die Festrede hält Herr Ministerpräsident a. D., Prof. Dr. Dr. h.c. Kurt Biedenkopf. An diesem Tag werden die diesjährigen Humboldt-Preise für herausragende Magisterarbeiten und Dissertationen überreicht. Musikalisch untermalt wird die Feierstunde von der Cappella Academica. Im Anschluss an den Festakt wird zu einem Empfang geladen.
Um den Studierenden den Start zu erleichtern, finden in der Woche vom 8. bis 12. Oktober an den Fakultäten und Instituten Einführungsveranstaltungen statt. Außerdem gibt es für unsere Erstsemester und Studierenden vom 15. bis 17. Oktober 2007 einen Info-Markt im Foyer des Hauptgebäudes, Unter den Linden 6. An diesen Tagen können sie sich rund um das Studium und unsere Alma Mater informieren.
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Fünf Bewerber auf einen Studienplatz

Insgesamt 25.754 Bewerber gab es für Studienplätze für das Wintersemester 2007/2008 an der Humboldt-Universität zu Berlin. Davon waren 1.344 EU-Bürgerinnen und EU-Bürger, 839 so genannte Bildungsinländerinnen und Bildungsinländer sowie 678 Nicht-EU-Ausländerinnen und -Ausländer. An der HU stehen für das neue Semester insgesamt 4.965 Plätze zur Verfügung. Der weite Weg der Wassertropfen Besonders gefragt waren die Studiengänge Erziehungswissenschaften Bachelor (26 Bewerber pro Platz), Kulturwissenschaft Bachelor (24 B.p.P) und BWL Bachelor (17 B.p.P). Bisher wurden 4.729 Personen zum Studium zugelassen. Eine abschließende Zahl kann es erst nach dem Ende des Losverfahrens geben, das zu Redaktionsschluss noch nicht abgeschlossen war.[mehr]

 

Eine Million für Mobilität

Im neuen Erasmus-Programm der Europäischen Union, dem Programm für Lebenslanges Lernen – LLP, hat die Humboldt-Universität erfolgreich einen Projektantrag für die Jahre 2007 bis 2014 gestellt. Insgesamt rund eine Million Euro stehen der Hochschule 2007/2008 als Programmetat zur Verfügung. Neue Bestandteile im Rahmen des Programms bilden die Erasmus-Placements (Leonardo) und die Mobilität von Verwaltungspersonal. Alle Angehörigen der Universität, insbesondere die Studierenden, aber ebenso Lehrende und Verwaltungsmitarbeiterinnen und –mitarbeiter sind aufgerufen, von den umfangreichen Mobilitätsmöglichkeiten Gebrauch zu machen. Studienaufenthalte oder Praktika im Ausland, Lehraufträge sowie Erfahrungsaustausch von Mitarbeitern der Verwaltung an einer unserer nahezu 400 Partnerhochschulen bieten gute Möglichkeiten der Kompetenzerweiterung. Nutzen Sie also die gegebenen Möglichkeiten, zur weiteren Internationalität der Humboldt-Universität beizutragen. Informationen: Dr. Dietmar Buchmann, Erasmus-Team www.aia.hu-berlin.de


AKTUELL


Personalia

HU-Vizepräsident Prömel wird Präsident der TU Darmstadt
Der Vizepräsident für Forschung, Prof. Dr. Hans Jürgen Prömel (54), ist zum Präsidenten der TU Darmstadt gewählt worden. Präsident Christoph Markschies gratulierte ihm im Namen des Präsidiums zu der großen Ehre, zum Präsidenten einer der führenden deutschen Reformhochschulen unter den Technischen Universitäten gewählt worden zu sein und dankte ihm herzlich für sein herausragendes Engagement für die Humboldt-Universität, besonders bei der außerordentlich frühen Etablierung von Juniorprofessuren, der Einrichtung der Humboldt Graduate School sowie der Entwicklung des naturwissenschaftlichen Campus Adlershof. Mit beeindruckender Energie habe er das Engagement der ganzen Universität im Exzellenz-Wettbewerb begleitet und die Bewerbung in der ersten und zweiten Säule (Graduiertenschulen und Exzellenz-Cluster) gemeinsam mit seinem Stab koordiniert. Prömel war seit 1994 C4-Professor für Algorithmen und Komplexität an der Humboldt-Universität; seit 2000 war er Vizepräsident für Forschung. Red.

Als amtierender Vizepräsident für Forschung konnte der Chemiker Prof. Dr. Michael Linscheid gewonnen werden.Der 58-jährige Chemiker, der 2004 bis 2005 bereits den Posten des Generaldirektors des Museums für Naturkunde der Humboldt-Universität vertrat, führt die Geschäfte des Vizepräsidenten  seit 1. Oktober bis zur Neuwahl des Vizepräsidenten, welche im Februar 2008 stattfinden wird. Red.

Dr. Monika Noack mit Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet
Bundespräsident Horst Köhler hat am 4. September 2007 Dr. Monika Noack, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Mathematik, für ihre Verdienste um das Ziel „Bildung für alle“ mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Gewürdigt wurde insbesondere ihr Engagement bei dem Känguru-Mathematikwettbewerb, den sie im Jahr 1995 in die Bundesrepublik holte und den sie seither betreut. Hauptziel des Wettbewerbs, an dem mittlerweile 35 Länder beteiligt sind und an dem in diesem Jahr in Deutschland über 500.000 Kinder aus 5.500 Schulen teilnahmen, ist es, bei Schülerinnen und Schülern vor allem Freude an der Beschäftigung mit Mathematik zu wecken und zu fördern. Monika Noack hat bereits an der HU Mathematik studiert und hier promoviert. Sie gehörte seinerzeit zu einer der ersten Schülerinnen einer Mathematik-Spezialklasse, die es in der DDR gab und hörte bereits als Zwölftklässlerin Vorlesungen an
der Universität. Red.

Bundesverdienstkreuz für Prof. Dr. Arnold Nesselrath
Der Professor für Mittlere und Neuere Kunstgeschichte an der HU, Arnold Nesselrath, wurde am 13. September in Rom mit dem deutschen Bundesverdienstkreuz der I. Klasse ausgezeichnet. Der Kunsthistoriker ist im Kunstgeschichtlichen Seminar für die Gesamtleitung des Census-Projekts, einer Datenbank zur Antikenrezeption in der Renaissance, zuständig. Darüber hinaus ist er Direktor der Abteilung für byzantinische, mittelalterliche und moderne Malerei der Vatikanischen Museen in Rom. Die deutsche Botschaft verwies zur Verleihung auf Nesselraths Rolle in der Stärkung des wissenschaftlichen Austausches. Vor allem seine Brückenfunktion zwischen den Museumsstandorten Berlin, Rom und London, wo der Kunsthistoriker sich der Entwicklung der Census-Datenbank verschrieb, wurde hervorgehoben. Red.

Heinz Maier-Leibnitz-Preis für Prof. Dr. Nicole Schweikardt
Nicole Schweikardt ist eine von sechs Nachwuchswissenschaftlern, die in diesem Jahr von der DFG mit dem Heinz Maier-Leibnitz-Preis geehrt wurden. Schweikardt ist Juniorprofessorin für Logik und Datenbanktheorie an der Humboldt-Universität. Sie leitet eine Emmy Noether-Nachwuchsgruppe. Als theoretische Informatikerin interessiert sie sich für die effiziente Verarbeitung extrem großer Datenmengen, wie es sie als Sammlung wissenschaftlicher Ergebnisse, als Börsenticker oder in Form von Sensordaten gibt. Die Daten liegen häufig nur in wenig strukturierter Form vor. Nicht zuletzt aufgrund ihrer mathematischen Ausbildung konnte die 35-jährige Juniorprofessorin hinsichtlich der Anfrageoptimierung und der Komplexitätstheorie für die Verarbeitung großer Datenbanken wichtige Erfolge erzielen. Die mit 16.000 Euro dotierte Auszeichnung soll die Geehrte darin unterstützen, ihre wissenschaftliche Laufbahn weiter zu verfolgen. DFG/Red.

Charité vergab ihre höchste Ehrung
Prof. Dr. Klaus Rajewsky und Warren Strober, wurden am 23. September für ihre herausragenden wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet der Immunologie von Dekan Prof. Martin Paul mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet. Im Rahmen der Feier wurden auch etwa 35 Doktoranden aus dem Jahr 1957 geehrt. Ihnen überreichte der Dekan für ihr 50-jähriges Jubiläum eine Urkunde zur Goldenen Promotion. Aber auch der Nachwuchs war mit dabei: Etwa 150 Doktorandinnen und Doktoranden durften sich über die Verleihung ihres Doktortitels durch den Vorsitzenden der Promotionskommission, Prof. Helmut Maxeiner, freuen. Red.

Lise-Meitner-Preis 2007 verliehen
Die Vereinigung der Freunde und Förderer des Instituts für Physik verlieh den diesjährigen Lise-Meitner-Preis an Dipl.-Phys. Michael Beimforde für seine Diplomarbeit „Calibration of air shower signals in the IceTop detector using cosmic ray muons” sowie an Dr. Tatiana Engel für ihre Dissertation „Firing statistics in neurons as non-Markovian first passage time problem“. Red.

Tim Wernicke erhält Physik-Studienpreis
Tim Wernicke wurde für seine Diplomarbeit mit dem Physik-Studienpreis der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung ausgezeichnet. Gewürdigt wurden seine „Untersuchungen zur räumlichen Ausdehnung von Materialveränderungen in AlGaN/GaNMikrowellen-Leistungstransistoren“. Kriterien für die Vergabe sind neben einer sehr guten Gesamtnote eine besonders kurze Studiendauer und überdurchschnittliches Engagement im Studium. Seine Diplomarbeit hatte Tim Wernicke im Mai 2006 bereits „mit Auszeichnung“ abgeschlossen. Die Diplomarbeit von Tim Wernicke wurde von Professor Wolfgang Neumann am Institut für Physik der HU, AG Kristallographie, betreut und zum großen Teil am Ferdinand-Braun-Institut für Höchstfrequenztechnik (FBH) durchgeführt. In seiner Diplomarbeit wies Wernicke nach, dass das am FBH eingesetzte Laserbohrverfahren weder die Leistung noch die Lebensdauer von Galliumnitrid-Mikrowellentransistoren beeinträchtigt. Der mit jeweils 1.500 Euro dotierte Preis wird seit 2004 jährlich an zehn Absolventinnen oder Absolventen vergeben. Red.

Dr. Cornelia Weber im Amt bestätigt
Auf der 21. Generalversammlung des Internationalen Museumsrats (ICOM) in Wien wurde Dr. Cornelia Weber, Geschäftsleiterin des Helmholtz-Zentrums für Kulturtechnik, erneut für drei Jahre zur Präsidentin des Internationalen Komitees „University Museums and Collections (UMAC)“ bestellt. UMAC wurde 2001 mit dem Ziel gegründet, das nationale und internationale Kulturerbe an Universitäten mit seinen zahlreichen außergewöhnlichen Sammlungen zu bewahren und zugänglich zu machen. Dem Komitee gehören inzwischen 168 Mitglieder aus 38 Ländern an. Red.

Nach 30 Jahren geht Ausbildungsleiterin in Ruhestand
Brigitte Bächle verlässt nach über 30 Jahren die Humboldt-Universität in den wohlverdienten Ruhestand. Zuerst als Lehrobermeisterin – später als Ausbildungsleiterin – hat sie mehr als 1.000 Lehrlinge bzw. Auszubildende in mehr als 35 verschiedenen Berufen leidenschaftlich und erfolgreich beim Start in das Berufsleben begleitet. Befragt nach den Unterschieden in der Berufsausbildung im Laufe der 30 Jahre antwortete sie: „Ganz gravierend hat sich die Anzahl der Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz erhöht. Von den damals etwa 120 Bewerbungen auf die vorhandenen 48 Lehrstellen ist jetzt die Zahl auf 2000 Bewerber für die 25 Ausbildungsplätze gestiegen. Jeder, der einen Lehrvertrag erhielt, wurde auch übernommen. Er wurde gebraucht. Also wurde viel mit und für die Lehrlinge getan, damit diese sich mit der Universität verbunden fühlten. Jetzt ist die Situation eine andere. Bei jedem Auszubildenden, der nach Abschluss einen Arbeitsvertrag hat, war ich froh. Alle guten Auszubildenden fanden eine Arbeitsstelle nach der Ausbildung.“ Frau Bächle hatte für alle Sorgen, Probleme und die Freuden der Auszubildenden stets ein offenes Ohr. Wir danken ihr und wünschen, dass sie im und am Ruhestand genauso viel Freude hat wie an der Arbeit der vergangenen 30 Jahre. Im Namen aller Auszubildenden und Ausbilder, die Leitung der Abteilung für Personal und Personalentwicklung

40 Jahre an der Humboldt-Universität
Jutta Jordan beging am 1. Oktober ihr 40-jähriges Betriebsjubiläum. Sie begann ihre Arbeit an der HU als Bearbeiterin für Lohn- und SV-Abrechnung im Referat Gehaltsstelle und nahm zugleich die Aufgaben der stellvertretenden Referatsleiterin wahr. Sie „bearbeitete“ mehr als 20 Jahre das Museum für Naturkunde, mehr als zehn Jahre die Sektion Tierproduktion und Veterinärmedizin, zeitweise die Wirtschaftswissenschaften sowie die Universitätsbibliothek. Jutta Jordan schätzte den unmittelbaren, persönlichen Kontakt. Im Jahr 1979 wurde sie mit der Auszeichnung „Aktivistin der sozialistischen Arbeit“ geehrt. Neben der Tätigkeit an der Universität war sie Unfallbearbeiterin beim Kreisvorstand der Gewerkschaft Wissenschaft. Seit April 2002 arbeitete sie in Altersteilzeit und hielt auch in der Freistellungsphase engen Kontakt zu ihrem (ehemaligen) Arbeitsbereich. Die HU dankt ihr für die vielen Jahre engagierter, erfolgreicher Tätigkeit und wünscht ihr weiterhin Gesundheit sowie Freude und Erfolg im täglichen Leben. Andreas Kreßler

Prof. Dr. Dr. h.c. Julius Wess verstorben
Am 8. August 2007 ist Professor Dr. Dr. h.c. Julius Wess im Alter von 72 Jahren vollkommen unerwartet verstorben und aus seiner stets intensiven Forschungsarbeit gerissen worden. Zunächst an die Universität Karlsruhe berufen, seit 1990 Professor an der LMU München und Direktor am MPI Werner-Heisenberg-Institut, hat er auf den Gebieten der Theorie der Elementarteilchen und der Mathematischen Physik vor allem mit der Formulierung der Supersymmetrie und der Supergravitation bahnbrechende Arbeiten publiziert, die die Elementarteilchenphysik schon über Jahre wesentlich beeinflusst haben und in die Zukunft fortwirken werden. Julius Wess war Mitglied mehrerer Akademien und Träger verschiedenster Preise. Die Arbeitsgruppe Theorie der Elementarteilchen der Humboldt-Universität hatte bereits vor 1989 wissenschaftliche Kontakte zu Julius Wess knüpfen können. Nach der Wende hat er den Ausbau der Elementarteilchenphysik in den Neuen Bundesländern nach Kräften unterstützt, so auch an der Humboldt-Universität. Zum Einstein-Jahr 2005 verlieh die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät I an ihn die Ehrendoktorwürde. Wir trauern um einen großartigen Forscher und Menschen. PD Dr. Harald Dorn, Prof. Dr. Michael Müller-Preußker [mehr]


FORSCHUNG


1000 Jahre alte Schriften vor den Fluten gerettet

Archäologen entdecken christliche Texte im sudanesischen Nubien. Die Grabungsstätte wird bald im Stausee versinken

Dass der tausend Jahre alte Text rechtzeitig geborgen werden konnte, ist ein großer Glücksfall. Die Grabungsstätte der Berliner Wissenschaftler liegt am Vierten Nilkatarakt im Nordsudan, wo derzeit ein monumentaler Staudamm gebaut wird. Er wird voraussichtlich 2009 in Betrieb gehen und 170 km des Niltals für immer fluten. Seit 2004 arbeitet das Archäologenteam der Humboldt University Nubian Expedition fieberhaft an der Erfassung der archäologischen Stätten in der Region, die in Kürze in den Fluten des neuen Stausees versinken und der weiteren Erforschung für immer entzogen sein wird. Die Bilder zeigen die Kirchenruine aus dem 10. Jahrhundert auf der Nilinsel Sur (rechts) und die Pergamentseite mit der „Ehebruch-Predigt“ in griechischer Sprache.


Bei der Ausgrabung einer Kirche aus dem 10. Jahrhundert im Nordsudan machten Archäologen der Humboldt-Universität einen sensationellen Fund: Sie entdeckten eine fast vollständig erhaltene Pergamentseite mit der Predigt eines Kirchenvaters. Eine erste Bearbeitung des ungewöhnlichen Textes ergab, dass er das Problem des Ehebruchs diskutiert. Der Autor argumentiert, dass auch ältere und mächtige Männer dem Schuldspruch wegen dieser Sünde nicht entgehen sollten. In diesem Zusammenhang führt er aus, dass bereits König David wegen dieses Vergehens zu Recht von den jungen Propheten Daniel und Nathan kritisiert wurde. Der Verfasser zitiert nicht nur aus dem Alten Testament, sondern bedient sich auch Anleihen aus der griechischen Philosophie.[mehr]

 

Ein Schlüssel zum Biodünger

Genforscher haben das Erbgut eines pflanzenwachstumsfördernden Bakteriums entschlüsselt

Wissenschaftlern der Humboldt-Universität zu Berlin und der Georg-August-Universität Göttingen ist es gelungen, das Erbgut eines Bakteriums vollständig zu entschlüsseln, das als „Biodünger“ eine umweltfreundliche Alternative zu chemischen Düngemitteln darstellt. Das „nützliche“ Bakterium mit dem Namen Bacillus amyloliquefaciens besiedelt die pflanzliche Wurzelzone und fördert das Pflanzenwachstum durch die Bereitstellung zusätzlicher Nährstoffe und anderer Stoffwechselprodukte der Mikrobenzelle, die teilweise noch unbekannt sind. „Mit der nun bekannten Gen-Ausstattung von B. amyloliquefaciens können wir jetzt gezielt die Mechanismen untersuchen, die der wachstumsfördernden Wirkung dieses Bakteriums zugrunde liegen und damit die Voraussetzung für neue, verbesserte Biodünger mit Einsatzmöglichkeiten in der Landwirtschaft und dem Gartenbau schaffen“, betont Prof. Dr. Rainer Borriss, der die für das Genomprojekt verantwortliche Arbeitsgruppe an der Humboldt- Universität leitet.
Die Arbeiten wurden im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Netzwerks Genomforschung an Bakterien (Geno-Mik) in enger Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Gerhard Gottschalk, dem Leiter des Laboratoriums für Genomanalyse der Universität Göttingen, durchgeführt. Über die Forschungsergebnisse berichtete die Zeitschrift „Nature Biotechnology“ im August. „Die Besonderheit des Genoms liegt in der Anwesenheit von sogenannten DNACharité-Inseln. Also DNA-Regionen, die in ihrer Zusammensetzung stark von der üblichen Grundausstattung abweichen“, erläutert Gottschalk.[mehr]

 

Eine Landkarte im Gehirn

Wissenschaftler aus Berlin zeigen in einem theoretischen Modell, wie der Orientierungssinn entsteht


Orts- und Kopfrichtungszellen sind bei der Erkundung einer neuen Umgebung aktiv.

Wo bin ich, und in welche Richtung schaue ich gerade? – Diese beiden Informationen brauchen wir zur Orientierung. Aus Experimenten an Ratten weiß man, dass diese Informationen im Gehirn sehr direkt und unabhängig voneinander zugänglich sind. Wenige Minuten nachdem die Ratte eine neue Umgebung erkundet hat, haben sich so genannte Ortszellen und Kopfrichtungszellen etabliert. Ortszellen sind aktiv, wenn sich die Ratte an einem bestimmten Ort aufhält, egal in welche Richtung sie schaut. Kopfrichtungszellen kodieren dagegen, in welche Richtung die Ratte blickt – unabhängig von ihrem Aufenthaltsort.
Auch beim Menschen gibt es vermutlich solche und weitere Zelltypen, die spezifisch der Orientierung dienen. Mathias Franzius, Henning Sprekeler und Laurenz Wiskott, Wissenschaftler an der Humboldt- Universität und am Bernstein Zentrum für Computational Neuroscience Berlin, haben ein theoretisches Modell entwickelt, das die Entstehung aller bekannten Orientierungszellen im Gehirn von Ratten und Primaten erklären kann. Die Arbeit ist in der wissenschaftlichen Zeitschrift „PLoS Computational Biology“ publiziert.
Das Modell der Forscher analysiert realistische Bilddaten, die den visuellen Eindruck einer Ratte bei ihrem Gang durch Eine Landkarte im Gehirn Wissenschaftler aus Berlin zeigen in einem theoretischen Modell, wie der Orientierungssinn entsteht den Käfig wiedergeben. Der Kern ihres Modells ist ein mathematischer Algorithmus namens „Slow Feature Analysis“, der die für die Orientierung relevante Information aus den Bilddaten extrahiert. Mit Hilfe dieses Algorithmus lässt das Modell Ortszellen und Kopfrichtungszellen entstehen – ohne dass dies eine Vorgabe des Modells gewesen wäre.[mehr]

 

„Ist der Mai kühl und nass, füllt er des Bauern Scheun’ und Fass“

Eine Tagung von Agrarwissenschaftlern beschäftigte sich mit Klimarisiken

Eine alte Bauernregel beschreibt den engen Zusammenhang zwischen dem Wetter und landwirtschaftlichen Erträgen. Leider führt das Wetter in vielen Teilen der Welt aber auch zu katastrophalen Ernteausfällen in der Landwirtschaft, die insbesondere in Entwicklungsländern die Versorgung mit Nahrungsmitteln gefährden. Der Klimawandel führt dazu, dass sich zum einen die Produktionsbedingungen für die Landwirtschaft an vielen Standorten ändern. Zum anderen nimmt die Häufigkeit extremer Wetterereignisse, wie Dürreperioden oder Überschwemmungen, zu.
Wie die Landwirtschaft mit diesen Problemen umgehen kann, war Gegenstand der internationalen Tagung „Management of Climate Risks in Agriculture“, die im Juli an der Humboldt-Universität stattfand. Die Veranstaltung wurde vom Institut für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaus organisiert und bot 80 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus 13 Ländern Gelegenheit, dieses komplexe Thema fachübergreifend zu diskutieren.
Die Vorhersage extremer Wetterereignisse auf lokaler Ebene stellt für die Meteorologie trotz steigender Rechnerkapazitäten und einer verbesserten Verfügbarkeit von Wetterdaten eine große Herausforderung dar. Ein viel versprechender Lösungsansatz, der in der aktuellen meteorologischen Forschung diskutiert wird, besteht in der Kopplung physikalischer und statistischer Modelle. Während physikalische Modelle Klimaveränderungen fortschreiben, dienen statistische Modelle dazu, die Prognosen auf eine regionale Ebene herunter zu skalieren.
Für die Anpassung an veränderte klimatologische Verhältnisse stehen Landwirten verschiedene Möglichkeiten offen. Sie können trockenresistentere Sorten verwenden oder das Anbauprogramm anpassen. Künstliche Beregnung ist dagegen vielerorts zu teuer. Klimaveränderungen müssen sich nicht immer zum Nachteil der Landwirtschaft auswirken. So können durch das Auftauen von Permafrostböden zusätzliche Flächen landwirtschaftlich genutzt werden.[mehr]


EXTRA


Die „Humboldt Universität“ wird 50 Jahre alt

Ein Rückblick in die Geschichte der Universitätszeitung


Die 1. Ausgabe der Universitätszeitung erschien am 14. Oktober 1957. Herausgegeben wurde sie von der Universitätsparteileitung der SED.

Seit einem halben Jahrhundert wird die offizielle Zeitung der Humboldt-Universität zu Berlin veröffentlicht. Am 14. Oktober 1957 erschien die erste Ausgabe. Die Zeitung war und ist gleichermaßen an die Studierenden, die Wissenschaftler und die Mitarbeiter der Verwaltung gerichtet. Dieses runde Jubiläum soll Anlass sein, eine Rückschau durch die wechselvollen Jahrzehnte der Geschichte dieser Zeitung zu halten.
Am Anfang war sie einfarbig, mit stilisiertem Hauptgebäude in der Kopfzeile „Humboldt Universität“. Sie war in Bleisatz gesetzt und hatte sechs Seiten. Zunächst erschien sie alle 14 Tage, später sogar wöchentlich. Der Preis für ein Exemplar betrug 15 Pfennig.
Blättert man durch 50 Jahre Universitätszeitung, so muten manche dieser Texte aus heutiger Sicht etwas skurril an, doch in ihnen spiegeln sich die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse der Zeit ihres Erscheinens wider.
Schon von Beginn an sollte das universitäre Leben in der Zeitung in all seinen Facetten dargestellt werden. Aber auch die große Politik wurde thematisiert. In der ersten Ausgabe formulierte die Redaktion ihren Anspruch so: „Dieses Organ will weder eine Taschenausgabe des „Neuen Deutschland“ oder des „Forum“ sein, noch ihnen Konkurrenz machen. Die Probleme der Universität und ihrer Menschen sollen im Mittelpunkt der Zeitung stehen.“ Deshalb sei diese Zeitung auch nicht nur für SED-Mitglieder gemacht. Eine wichtige Aufgabe sollte es sein, „ein Bild des lebendigen Meinungsstreits der ungehinderten Forschung“ zu vermitteln. Diesen Anspruch sollte die Zeitung in der DDR kaum erfüllen können. Denn sie war das „Organ der Universitätsparteileitung der SED“ und als solches immer an die Parteilinie gebunden. Sie konnte nie ohne ideologische Fesseln agieren.
So blieb die Vermittlung der parteilichen Positionen bis 1989 eine zentrale Aufgabe der „Humboldt Universität“. Dies zeigte sich besonders in den Artikeln, die sich mit Problemen von weltpolitischer Bedeutung beschäftigten. Dem Mauerbau 1961 widmete die Redaktion aus aktuellem Anlass fast eine ganze Ausgabe, um den „Antifaschistischen Schutzwall“ zu rechtfertigen. Die Errichtung einer Mauer quer durch Berlin wurde als „Ausdruck einer neuen Etappe des Kampfes gegen den westdeutschen Militarismus“, „Minderung der Kriegsgefahr“ oder als „ein entscheidender Schlag gegen die westdeutschen Agentenzentren“ dargestellt.
Dass die Weltpolitik von Anfang an eine große Rolle in der Berichterstattung der Zeitung spielte, mag der Tatsache geschuldet gewesen sein, dass die Humboldt-Universität sich aufgrund ihrer besonderen Lage im geteilten Berlin geographisch und ideologisch immer im Brennpunkt des Kalten Krieges befand. So war es auch nicht erstaunlich, dass die Autoren die Studentenproteste der 68er in Berlin mit einer gewissen Genugtuung kommentierten. Es wurde eine mehrteilige Reihe unter dem Titel „Dokumentation. Zur Entwicklung der außerparlamentarischen demokratischen Oppositionsbewegung an der ,Freien’ Universität Westberlin“ veröffentlicht, in der man Verständnis für die Anliegen der protestierenden Studierenden äußerte und die Reaktionen des Westberliner Senats auf das Schärfste kritisierte. Doch es blieb seitens der Redaktion und der Autoren nicht nur bei der teilweise berechtigten Kritik an den westdeutschen Sicherheitsorganen. Die Ereignisse in Westberlin boten auch Gelegenheit, um mit den „Waffen des Kalten Krieges“ auf den ideologischen Gegner loszugehen. Im Artikel „Blutostern 1968“ wurde dies offenbar. Dort heißt es: „Blutostern in Westberlin und Westdeutschland – faschistischer Polizeiterror gegen friedliche und disziplinierte Demonstranten, die weiter nichts wollten als verhindern, dass ihr Staat den Frieden in Europa mehr und mehr ernsthaft bedroht“ und „Sie sind gegen Nazis und Neonazis in Schulen, Ämtern und Justiz, gegen Meinungsmanipulation und die Verherrlichung des Krieges“.
Doch die Zeitung war nicht nur eine Plattform für die politisch-ideologische Auseinandersetzung mit dem damaligen Klassenfeind. Sie war auch mehr als das bloße Indoktrinationsorgan der Universitätsparteileitung. Das studentische und künstlerische Leben an der Alma Mater Berolinensis wurde über die Jahrzehnte hinweg in seiner Vielfalt dargestellt. Die Veröffentlichung von Gedichten und Liedern, die von Universitätsangehörigen verfasst wurden, war ein fester Bestandteil der Zeitung. So war die „Humboldt Universität“ immer auch eine Bühne für junge, engagierte (Laien-)Künstler, die ihre – auch kritischen – Gedanken einer größeren Öffentlichkeit präsentieren wollten. [mehr]


CAMPUS


Ein Sommersemester auf dem Sand

Studentinnen erfolgreich beim Beach-Volleyball

„Jung, frech, attraktiv – und erfolgreich!“ Die Rede ist von den beiden Studentinnen der Rehabilitationswissenschaften an der Humboldt-Universität, Katrin Holtwick und Ilka Semmler. Als „Shootingstars der deutschen Beach-Volleyball-Szene“ ziehen sie nicht nur die Blicke der männlichen Beach-Fans auf sich. Seit 2006 ein Team, deuteten sie bereits in ihrer ersten gemeinsamen Saison sowohl national mit drei Turniersiegen als auch international als Vize- Europameister (U23) ihren Anspruch an, künftig auf höchstem Niveau mitzumischen.



Die Studentinnen Katrin Holtwick (links) und Ilka Semmler gelten als die Shootingsstars der deutschen Beach-Volleyball-Szene.

Neben technischem und taktischem Können sind in ihrem Sport Durchhaltevermögen, Konzentration, Vertrauen in den Partner und eine Portion Selbstvertrauen gefragt. Alles das haben die beiden sympathischen Studentinnen: Nach einer „Einspielphase“ bei der FIVB World Tour in Shanghai/CHN (13. Platz), in Sentosa/SIN (25.) und Pölten/AUT (17.) gelang ihnen bei der European Championship Tour in Moskau gegen die hoch favorisierten Europameister aus Russland ihr erster großer Triumph und internationaler Sieg. Auch national triumphierte das Paar bei der Smart Beach Tour mit einem 1. und 2. Platz in Erfurt und Essen. Hoch motiviert sorgten sie mit der Bronzemedaille in Hamburg und einem weiteren World-Tour-Sieg Anfang Juli in Luzern für Furore.
„Wir sind wahnsinnig glücklich und hoffen, genügend positive Energie mit in unser nächstes Vorhaben nehmen zu können: Der Grand Slam in Berlin!“.
Der Heim-Grand-Slam ist etwas ganz Besonderes, die Erwartungen der unzähligen Fans, die zu diesem hauptstädtischen Volleyballereignis kamen, waren hoch, und die beiden Volleyballerinnen waren sich ihrer Favoritenrolle durchaus bewusst. Aber wie so oft im Sport entscheiden letztendlich viele Faktoren über Sieg und Niederlage. Enttäuscht, aber nicht entmutigt schieden
sie bereits in der Qualifikation aus. Doch ihre Klasse konnten sie schon bei den nächsten internationalen Wettkämpfen in Italien (5.) und Zypern (1.) unter Beweis stellen, und nur eine Fußverletzung von Ilka im Finale auf der Deutschen Tour in München stoppte das auf Sieg spielende Duo.[mehr]

Vom Sütterlin zur HTML

Die digitale Edition des Nachlasses von Franz Brümmer – ein Studierendenprojekt

Der ‚Brümmer‘ ist ein kleinformatiges und doch gehaltvolles Schriftstellerlexikon von außergewöhnlichem Rang. Kaum ein anderes Lexikon bietet eine vergleichbare Fülle von Informationen über Schriftstellerinnen und Schriftsteller des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Viele damals noch wenig bekannte Autorinnen und Autoren fanden in ihm das erste Mal Erwähnung. Wie bei anderen großen Nachschlagewerken hat es sich eingebürgert, den Namen des Verfassers synonym für das Werk zu setzen. Gemeint ist Franz Brümmers (1836–1923) Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten, das ab 1882 im praktischen Format der Universal-Bibliothek des Reclam-Verlags erschien. Die sechste und letzte Auflage 1913 umfasst acht Bände und enthält knapp 10.000 Artikel.
Dabei ist der ‚Brümmer‘ in seiner gedruckten Form lediglich das Konzentrat von Autorinnen- und Autorenbriefen, die Franz Brümmer im Zuge seiner Korrespondenz seiner Zeit systematisch sammelte und für sein Nachschlagewerk auswertete. Diese Selbstzeugnisse sind 1918 in den Besitz der Berliner Königlichen Bibliothek übergegangen und harren in der heutigen Staatsbibliothek
zu Berlin zum großen Teil noch immer ihrer Entdeckung. Im Nachlass Franz Brümmer befinden sich so unterschiedliche Dokumente wie die erste handschriftliche Autorenselbstdarstellung Thomas Manns als auch das als Versepos gestaltete Lebensbild eines heute unbekannten Schweizer Heimatdichters. Der Nachlass Brümmer ist kaum erschlossen. Nicht schuldlos ist daran die Perspektive traditioneller Literaturforschung, die sich vornehmlich von ‚großen Namen’ leiten lässt, und die Scheu vor dem Arbeitsaufwand, den die Erschließung der Handschriften erfordert.[mehr]


GESCHICHTE


Idol von Patienten und Ärzten

War der Pionier der Thoraxchirurgie Ferdinand Sauerbruch ein unpolitischer Arzt?

Der „genialste“ Chirurg der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts war, wie wohl kaum ein anderer Arzt, noch zu Lebzeiten zum Idol von Patienten und Ärzten geworden. Seine in einer der größten deutschen Illustrierten und ab 1951 in hunderttausenden Buchexemplaren in mindestens acht Auflagen vertriebene „Autobiographie“ und der danach gedrehte Spielfilm trugen zur Verbreitung seines Grenzen sprengenden Ruhms bei. Der Wahrheitsgehalt von Buch und Film jedoch, in dem Sauerbruch als „Halbgott in Weiß“ dargestellt wird, ist höchst zweifelhaft. Daher stellt sich die Frage: Wer war Sauerbruch wirklich?


Hermann Otto Hoyer: Ferdinand Sauerbruch bei der Operation, 1922. Öl auf Leinwand; das Bild hängt in der Chirurgischen Klinik.

Vor achtzig Jahren, zum 1. Oktober 1927, begann der 52jährige Ernst Ferdinand Sauerbruch (1875 – 1951) als ordentlicher Professor sowie Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik im Charité-Krankenhaus seine Berliner Tätigkeit an der Friedrich-Wilhelms-Universität. Sauerbruch war damals schon Deutschlands bedeutendster Chirurg. Das Preußische Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung berief regelmäßig Professoren an die Medizinische Fakultät der Reichshauptstadt, die vorher schon als Direktoren und Lehrstuhlinhaber anderer Universitäten tätig waren. Dies garantierte den guten Ruf von Fakultät und Universität, handelte es sich dabei doch immer um Personen, die als Wissenschaftler schon vorher zu Ruhm und Ehren gekommen waren. Die Berufung nach Berlin galt als Höhepunkt einer Wissenschaftlerkarriere, nicht nur bei Medizinern. Sauerbruch bekleidete vorher Lehrstühle in Zürich seit 1910 und in München seit 1918.
Bereits in diesen Jahren war er regelmäßig in Kriegslazaretten tätig gewesen. Tausenden Soldaten des Ersten Weltkrieges hatten Gliedmaßen amputiert werden müssen, auch wegen der noch kaum wirksamen Medikamente gegen regelmäßig auftretende Infektionen. Sauerbruch entwickelte ein Verfahren, künstliche Ersatzglieder bei Armamputierten durch Benutzung der Muskeln des Amputationsstumpfes willkürlich bewegbar zu machen. Eine von ihm entwickelte Kunsthand galt noch jahrzehntelang als Standard. Eine andere durch ihn entwickelte Operationsmethode verbesserte die Versorgung von Patienten, deren Oberschenkel entfernt werden musste, dramatisch. Die Regel war in diesem Fall, dass das ganze Bein amputiert werden musste. Sauerbruchs Idee zur so genannten „Umkipp-Plastik“ ermöglichte, den gesund gebliebenen Unterschenkelknochen als Ersatzoberschenkel in dessen Weichteilen zu verwenden, womit die Versorgung mit einer Beinprothese möglich wurde und den Patienten ein Leben in „Krücken“ erspart blieb.[mehr]


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Die Ostseeregion fest im Blick

Sechs Austauschstudenten des Masterstudiengangs „Baltic Sea Region Studies“ sind im Wintersemester am Nordeuropa-Institut zu Gast
Die acht Ostseestaaten der EU sind in der Wissenschaft bisher nur selten als eigenständige Region wahrgenommen worden und daher bisher nur selten Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Dies erstaunt angesichts der Tatsache, dass dieser Teil Europas in den letzten 15 Jahren einen enormen Wandel erlebt hat. Er zeichnet sich durch ein hohes Maß an interregionaler Zusammenarbeit auf politischer, kultureller, sozialer und wirtschaftlicher Ebene und hohes wirtschaftliches Wachstum aus. In den Bereichen Wissenschaft und Technologie gehört das Gebiet zu denen Europas, die sich am schnellsten entwickeln. So gibt es zum Beispiel in keiner anderen europäischen Region, gemessen an der Bevölkerung, so viele Universitäten und Forschungseinrichtungen wie in den acht Ostseestaaten.
Um der wachsenden Bedeutung der Ostseeregion gerecht zu werden, gibt es daher seit einigen Jahren am Nordeuropa-Institut der Humboldt-Universität eine Vielzahl von Aktivitäten und Forschungsvorhaben, die sich intensiv mit ihr beschäftigen. Den institutionellen Rahmen dafür bildet das 2001 gegründete Ostsee-Kolleg. Zu den wichtigsten Aktivitäten des Kollegs gehört das BalticStudyNet, ein EU-finanziertes Netzwerk, das aus insgesamt acht Universitäten besteht, so dass jeder der EU-Ostseestaaten beteiligt ist. „Durch das Netzwerk soll die Ostseeregion und insbesondere ihre Hochschullandschaft im Ausland bekannter und sichtbarer gemacht werden“, erklärt Projektkoordinatorin Katrin Hecker.[mehr]

Die Kirche, die Wissenschaft und die Evolution

Bischof und Naturkundemuseum einig gegen Kreationismus

Gespannt beobachtet Prof. Reinhold Leinfelder, Generaldirektor des Museums für Naturkunde der Humboldt-Universität, seinen prominenten Besucher, während er ihn zum letzten Ausstellungsbereich im Saal „Evolution in Aktion“ führt. Die Ausstellungen, durch die er Bischof Dr. Wolfgang Huber, den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), bisher geführt hatte, widmeten sich der Evolution und Vielfalt der Tiere. Nun geht es um die geistige Evolution und Vielfalt, um verschiedene Sichtweisen des Menschen auf das Leben und dessen Sinn.
Das Museum hat sich dieser Thematik auf unkonventionelle und, wie Bischof Huber später erfreut betonen wird, undogmatische Weise genähert: Leuchtbänder zeigen rund 300 Originalzitate ganz unterschiedlicher Menschen zu sieben grundsätzlichen Fragen, darunter Klassiker wie jener des Genetikers Dobzhansky „Nichts in der Natur ergibt Sinn, außer im Lichte der Evolution“ oder Goethes „Alle Schöpfung ist Werk der Natur“, aber auch Zitate mit Augenzwinkern von Coco Chanel oder Woody Allen. Für den Betrachter entsteht allmählich ein Gesamteindruck, den er mit dem eigenen Eindruck aus den Ausstellungen vergleichen kann.


Bischof Wolfgang Huber (links) mit Gattin im Gespräch mit dem Generaldirektor des Museums für Naturkunde, Reinhold Leinfelder

Bischof Huber nähert sich interessiert den Erläuterungen. „Eine streng an die Beobachtung der Natur gebundene Betrachtungsweise ist eine Möglichkeit, über die Entwicklung des Lebens nachzudenken, Religion und die Frage nach einem Gott eine andere. Im Hintergrund all dieser Aussagen steht die Frage nach dem Sinn des Lebens“, steht dort. Auf so knappem Raum könne man es kaum ausgewogener formulieren, meint der Bischof. [mehr]



Humboldt-Universität | Referat Öffentlichkeitsarbeit 29.10.07 | rk