Die nächste Ausgabe der HUMBOLDT erscheint am 6.
Dezember 2007.
Die Humboldt-Universität und Exzellenz Wettbewerb
Präsident Christoph Markisch zu den Ergebnisse
Nach den Entscheidungen des 19. Oktober haben wir gleichzeitig Anlaß uns zu freuen und traurig zu sein: Wir haben zwei Graduiertenschulen gewonnen, ferner gemeinsam mit der Freien Universität zwei Exzellenzcluster; Wissenschaftler unserer Universität sind außerdem maßgeblich am Cluster Unifying Concepts of Catalysis der Technischen Universität beteiligt.
Diese Erfolge sind ein Anlaß zur Freude und zum besonderen Dank an alle, die unter teils unsäglichen Mühen diese Initiativen vorbereitet und getragen haben. Nimmt man die Erfolge der ersten Runde des Wettbewerbs hinzu, die Graduiertenschule Mind and Brain und die gemeinsam mit den anderen Universitäten getragene Berlin Mathematical School, so haben wir drei Punkte für Graduiertenschulen und einen Punkt für Cluster eingeworben; in Deutschland nur noch übertroffen durch die Freie Universität und die Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg mit jeweils fünf Punkten. Über allem, was zur dritten Säule zu sagen ist, sollten wir diesen Erfolg nicht vergessen und in den Dank für die erfolgreichen Antragstellerinnen und Antragsteller möchte ich alle Mitarbeiter in den Ressorts der Vizepräsidenten und in meinem eigenen Ressort einschließen, hier wurde vorzügliche Arbeit geleistet. Andere Initiativen unserer Universität sind teilweise knapp gescheitert, auch den für
diese
Cluster und Schulen verantwortlichen
Kolleginnen
und Kollegen möchte ich ganz
herzlich danken; wir möchten diese Initiativen
weiterverfolgen und der Masterplan
des Senators Zöllner reserviert für solche
Initiativen 10.000.000 Euro jährlich.
Gleichzeitig sind wir aber auch enttäuscht
darüber, daß das Zukunftskonzept „Translating
Humboldt into the 21st Century“
nicht gefördert werden soll. Noch kennen
wir das Gutachten der Gruppe, die uns
im vergangenen Juni begangen hat, nicht.
Trotzdem müssen wir keine Kaffeesatzleserei
in der Gerüchteküche durchführen,
denn die Verantwortlichen haben sich
bereits öffentlich geäußert. Die Gutachter
haben unser Konzept einen mutigen Plan
mit breiter Unterstützung der Universität
genannt und dem Institut für integrative
Lebenswissenschaften
Modellcharakter bescheinigt.
Es wurde aber auch kritisch angemerkt, daß
wir nur ein integratives Forschungsinstitut
wirklich ausgearbeitet haben – das für
Lebenswissenschaften – und die anderen
Skizze geblieben sind. Selbstverständlich ist bei einem abgelehnten
Antrag die Frage legitim, wie man
es hätte besser machen können. Ich bin
aber felsenfest davon überzeugt, daß wir
nach der Ablehnung des Vorantrages
im Januar
2006 getan haben, was wir
konnten. Wenn ich in einer ersten Reaktion
auch davon gesprochen habe, daß die
Humboldt-Universität vor siebzehn Jahren
„vollkommen umgebaut wurde“, dann
wollte
ich selbstverständlich nicht behaupten,
daß man damals
bei Null begonnen
hat und bin auch weit davon entfernt,
die wissenschaftliche Arbeit insbesondere
von Naturwissenschaftlern
in der DDR
gering zu schätzen – sie sind doch zu
nicht unerheblichen Teilen an der Ausarbeitung
der Exzellenzanträge beteiligt
gewesen. Aber wir alle wissen, daß der
Neuaufbau vor siebzehn Jahren zunächst
sehr energisch begann, dann bald gestoppt
wurde und die ganze Universität durch
zwei Kürzungsrunden
mit den bekannten
Folgen erschüttert
wurde.[mehr]
Informationsmesse zu Studium und Praktikum im Ausland
Am 14. November 2007 veranstaltet die Abteilung Internationales bereits zum sechsten Mal die Informationsmesse „HU International“. Sie findet von 12 – 18 Uhr im Senatssaal des Hauptgebäudes statt. Studierende und Lehrende erhalten hier die Gelegenheit, sich ausführlich über einen Auslandsaufenthalt und seine Fördermöglichkeiten zu informieren. Im Rahmen einer Präsentation und einer anschließenden Podiumsdiskussion, um 14.30 Uhr im Raum 2103, stellt die Abteilung Internationales die Programme und Möglichkeiten vor, über die Studierende und Doktoranden einen Auslandsaufenthalt absolvieren können. Daneben stehen die Regionalreferenten den Studierenden an den Informationsständen für Fragen zur Verfügung. Des Weiteren informieren das Sprachenzentrum und das Career Center über ihre Angebote zu fremdsprachlichen Kursen und berufsvorbereitenden Maßnahmen. Als größter Stipendiengeber und wichtigster Partner im Bereich Studium und Praktikum im Ausland wird der Deutsche Akademische Austauschdienst vertreten sein. Praktikums- und Studienmöglichkeiten in Australien, Nordamerika, Europa und Argentinien stellen das Australia Centre, die University of Toronto in Berlin, Most-Brücke e.V. und Mundo Espagnol vor. Zu Fragen der Kranken- und Haftpflichtversicherung geben Berater zweier Versicherungen Auskunft.[mehr]
Am 23. Oktober fand im Museum für Naturkunde der Humboldt-Universität die konstituierende
Sitzung des Kuratoriums der Von-Pawel-Rammingen Stiftung statt. Neben dem Stifter-Ehepaar Dr.
Udo und Dr. Ingrid von Pawel-Rammingen (1. und 2. von rechts) begrüßte ein glücklicher Generaldirektor,
Prof. Reinhold Leinfelder (2. von links), auch den Vertreter der Humboldt-Universitäts-Gesellschaft,
die diese Stiftung treuhänderisch verwaltet, RA Ruprecht Röver (ganz links). Die Stiftung dient der
Förderung von Wissenschaft und Forschung am Museum für Naturkunde. Das Kuratorium der Stiftung
bilden Dr. Udo von Pawel-Rammingen, Prof. Reinhold Leinfelder und RA Ruprecht Röver.
Wahlbekanntmachung
Am 15. und 16. Januar 2008 finden an der Humboldt-Universität die jährlichen Wahlen zum 16. StudentInnenparlament (StuPa) statt. Alle an der HU immatrikulierten Studentinnen und Studenten sind wahlberechtigt und wählbar. Weitere Informationen sowie Orte und Öffnungszeiten der Wahllokale sind erhältlich beim Studentischen Wahlvorstand, c/o ReferentInnenrat, Tel.: 2093-2603/2614, www.refrat.de/wahlen Am 15. Januar 2008 werden an der HU die universitären Mitglieder für das Kuratorium gewählt. Die Angehörigen der Universität besitzen das aktive und passive Wahlrecht innerhalb ihrer Mitgliedergruppe. Wahlvorschläge, die mindestens drei Bewerberinnen oder Bewerber enthalten müssen, sind bis zum 20. November 2007, 15.00 Uhr auf den vom Zentralen Wahlvorstand herausgegebenen Formblättern beim Zentralen Wahlvorstand einzureichen. Am 22. Januar 2008 werden an der HU zwei Vizepräsidentinnen/zwei Vizepräsidenten gewählt. Die Mitglieder des Präsidiums werden auf Vorschlag des Kuratoriums vom Konzil in geheimer Wahl mit der Mehrheit der Stimmen seiner Mitglieder auf fünf Jahre gewählt. Das vorläufige Wahlergebnis für die Wahl wird voraussichtlich am 23. Januar 2008 bekannt gegeben. Am 15. Januar 2008 werden an der HU die Mitglieder der Fakultätsräte und dieMitglieder des Rates des Zentralinstituts Großbritannien-Zentrum gewählt. Die Angehörigen der Fakultäten und des Zentralinstituts besitzen das aktive und passive Wahlrecht innerhalb ihrer Mitgliedergruppe. Rückfragen sind an den jeweiligen Örtlichen Wahlvorstand zu richten. Einzelheiten sind in der Wahlordnung der HU geregelt. Rückfragen an den Zentralen Wahlvorstand (ZWV) können gerichtet werden an die Geschäftsstelle, Kathrin Karow, Hauptgebäude, Raum 2070, Tel.: 2093-
2201.
Einhäupl wird Gründungsdirektor des IILS
Am 5. Oktober 2007 wurde Prof. Dr. Karl Max Einhäupl durch den internationalenwissenschaftlichen Beirat des Instituts für Lebenswissenschaften in einer konstituierenden Sitzung zum Gründungsdirektor nominiert. Am Institut, einer Kooperation der HU, der Charité, dem Max-Delbrück- Centrum und anderen Forschungspartnern, findet an Schnittstellen die Zusammenarbeit von Geistes- und Naturwissenschaften auf höchstem Forschungsniveau statt. Einhäupl, seit 1993 Direktor der Klinik für Neurologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin, war von 2001 bis 2006 Vorsitzender des Wissenschaftsrates, seit 2003 ist er Mitglied des Gesundheitsforschungsrates beim BMBF, seit 2005 Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina und seit 2007 Mitglied des Kuratoriums der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, sowie Vorsitzender des Hochschulrates der TU München.
Humboldt-Preisträger 2007
Mit dem Humboldt-Preis zeichnet die Humboldt- Universität zu Berlin jährlich herausragende wissenschaftliche Arbeiten von Studierenden sowie Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern aus. Ausgezeichnet wurden in diesem Jahr in der Kategorie Bachelorarbeiten: Nadja Högner, Institut für Rehabilitationswissenschaften, für ihre Arbeit „Befragung zur Wirksamkeit von farbigen Filterfolien und -gläsern bei diagnostiziertem IRLEN-Syndrom hinsichtlich der Beseitigung spezifischer Störsymptome beim Lesen und Schreiben“. In der Kategorie Master-, Magister-, Diplom- und Staatsexamensarbeiten wurden ausgezeichnet: Torben Reelfs, Institut für Pflanzenbauwissenschaften, für seine Arbeit „Optimierte Anwendung von Pflanzenschutzmitteln zur Regulierung des Kartoffelkäfers (Leptinotarsa decemlineata Say) im Ökologischen Landbau“; Arthur Guljamow, Institut für Biologie, für seine Arbeit „Identification and characterization of eukaryote-like actin and profilin in Microcystis aeruginosa PCC7806“; Fabian Spill, Institut für Physik, für seine Arbeit „Hopf Algebras in the AdS/CFT Correspondence“ sowie Hannah Markus, Institut für deutsche Literatur, für ihre Arbeit „Zu genau komponiert, unfertig abgenabelt. Nachlass, Druck, Deutung: Thomas Braschs Gedichtband ‚Der schöne 27. September’“. In der Kategorie Dissertationen wurden geehrt: Jens Stefan Roggan, Institut für Chemie, für seine Arbeit „Heterodinukleare Molybdän/ Bismut-Organyle – Von Bananenbindungen zu Oberflächenmodellen“ sowie Antje Kraft, Institut für Psychologie, für ihre Arbeit „Visuell-räumliche Aufmerksamkeit: Modellbildung auf Grundlage von experimentalpsychologischen und funktionell-neuroanatomischen Befunden“. Den Sonderpreis „Judentum und Antisemitismus“ erhielt Isabel Hartung, Institut für Europäische Ethnologie, für ihre Magisterarbeit „Koscher(es) Leben in Berlin. Eine empirische Forschung über die Lebensbedingungen von Juden in Berlin“.[mehr]
Ein öffentliches Forum am Ende des Jahres der Geisteswissenschaften
Sprache und Denken sind untrennbar miteinander verbunden. Dies scheint eine unumstößliche und allgemein anerkannte Tatsache zu sein. Aber was genau ist damit gemeint? Bedeutet das, dass Sprache Ausdruck des Denkens ist? Sicherlich. Gemeint sein könnte damit aber auch, dass die Sprache unser Denken in einer speziellen Weise beeinflusst. Denkt demnach der Chinese wegen seiner Sprache vielleicht anders als der Engländer? Oder gar der Bayer anders als der Berliner? Ein öffentliches Forum zum Thema „Wie die Sprache unser Denken beeinflusst – Neue Sichtung eines alten Themas“ widmet sich am 30. November dieser Frage.
In Zeiten von „Zwiebelfisch & Co.“ entdecken wir eine neue Lust an der (deutschen) Sprache. Es werden (Un-)Wörter des Jahres gekürt, über Sinn und Unsinn von Anglizismen diskutiert und sprachliche Verfallserscheinungen beklagt. Für den Sprachwissenschaftler besonders interessant ist dabei die oft angestellte Vermutung, dass zwischen der Art einer Sprache mit ihren Eigenheiten sowie der Art zu denken und die Welt zu sehen ein enger Zusammenhang bestünde. Hinter dieser Vermutung steckt die alte philosophische Frage nach der Beziehung zwischen Sprache und Denken, über die in den Geistes- und Humanwissenschaften seit Jahrhunderten hitzige Debatten geführt werden. Sprache wird schon immer als Fenster zum Geist empfunden, das uns einen Einblick in die Beschaffenheit des Menschen geben und uns so schließlich Erklärungen für sein individuell geprägtes Handeln liefern kann.
Annähernd 6500 Sprachen werden auf der Welt gesprochen. Sie können sich in ihrem Aufbau gravierend voneinander unterscheiden. Das Spektrum reicht von Tonsprachen wie dem Chinesischen, das keine Kasus aufweist und das Wortbedeutungen mittels Tonhöhen unterscheiden kann, bis hin zum Ungarischen, eine agglutinierende Sprache, die über ein System mit etwa 20 Kasus verfügt.
Die Überlegungen zum Zusammenspiel zwischen Sprache und Denken sind ausgesprochen breit gefächert und umfassen viele Facetten. Kann der Mensch ohne Sprache überhaupt denken? Beinflusst die Art einer einzelnen Sprache, also etwa Chinesisch im Gegensatz zu Englisch, das Denken? In welchen „Größen“ denken wir und inwiefern sind diese durch Sprache bestimmt? Wie gestaltet sich das Wechselspiel zwischen Sprache und intelligenter Kognition im Allgemeinen? Zur Auslotung dieser Fragen hat man sich neben den traditionellen Ansätzen der Geisteswissenschaften mittlerweile auch moderne kognitionswissenschaftliche Methoden zunutze gemacht, die uns eine spannende neue Sicht auf das Verhältnis zwischen Sprache und Denken erlauben. Die Grundlagen der empirischen Forschung zum Thema haben Edward Sapir und Benjamin Whorf im vergangenen Jahrhundert gelegt. Obwohl umstritten und oft als überholt angesehen, dienen ihre Hypothesen auch heute noch häufig als Ausgangspunkt für aktuelle Forschungen zum Thema. Sapir und Whorf vertraten die Annahme, dass Sprache eine Art zeichenbezogene Anleitung für Kultur sei und Sprache daher unsere Weltsicht und unser Denken in entscheidendem Maße präge. Whorf sammelte Daten aus Sprachen indigener Völker Amerikas wie den Hopi. Er stellte dabei unter anderem fest, dass diese aufgrund des speziellen grammatischen Tempussystems, das die Hopi-Sprache verwendet, eine völlig andere Sicht auf zeitliche Abläufe und einen gänzlich unterschiedlichen „Geschichtsblick“ als etwa Engländer hätten. Whorf schloss daraus, dass die Sprache das Denken beeinflusse. Neben dem linguistischen Aspekt macht dieses Beispiel auch eine ganz andere Dimension der Ausgangsfrage deutlich: Wie überall bei der Untersuchung verschiedener Kulturen und ihrer Eigenarten gilt es hier in ganz besonderem Maße, ethische Belange zu berücksichten, Fragen mit der gegebenen Vorsicht zu stellen und die Anworten sorgsam auszuhandeln.
Neue experimentelle Methoden erlauben
es uns heute, Hypothesen auch empirisch
abzusichern. Eine Forschergruppe
um Debi Roberson an der Universität Essex
hat mit Experimenten zur Farbwahrnehmung
festgestellt, dass Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Farben offensichtlich in Abhängigkeit von der jeweiligen Sprache wahrgenommen werden. Getestet wurde dies mit Sprechern des Himba (eine Sprache aus Namibia), das prinzipiell nicht zwischen Grün und Blau unterscheidet. Häufiger als Sprecher des Englischen ordneten Himba-Sprecher in Experimenten grüne und blaue Farbproben als gleich ein. Der entsprechende Schluss, der in der Literatur allerdings kontrovers diskutiert wird, lautet auch hier: Die Einzelsprache bestimmt die Farbwahrnehmung, also unser „Denken“ über Farben.
Ähnliches hat eine Forschergruppe um Stephen Levinson aus Nijmegen für die Wahrnehmung des Raumes bei der Untersuchung des Tzeltal, eine Maya-Sprache, festgestellt. Das Tzeltal unterscheidet, grob gesagt, nicht zwischen rechts und links, sondern orientiert sich hier an geographischen Größen wie bergauf und bergab bzw. nördlich oder südlich. In einer Studie wurde getestet, ob Tzeltal-Sprecher dementsprechend räumliche Anordnungen anders erinnern als etwa Sprecher des Niederländischen, das den Rechts-Links-Unterschied aufweist. Tatsächlich wurde ein Unterschied ermittelt: Tzeltal-Sprecher reproduzierten Anordnungen von Objekten signifikant häufiger „absolut“, das heißt nach der Himmelsrichtung, und nicht relativ zur eigenen Person, also von rechts nach links. Aber auch hier scheint, wie so häufig in der Forschung, die Antwort irgendwo in der Mitte zu liegen: Peggy Li und Leila Gleitman aus Pennsylvania haben die Studie mit Englisch-Sprechern wiederholt und dabei ermittelt, dass das bloße Öffnen der Fensterjalousien im Labor die Ergebnisse signifikant verändert. Bei geöffneten Jalousien, sobald also geographische Außeninformationen zugänglich waren, reproduzierten auch englische Probanden Objektanordnungen deutlich häufiger nach geographischen Informationen und nicht mehr von rechts nach links. Li und Gleitman schließen daraus, dass es weniger die Eigenschaften der einzelnen Sprache als vielmehr situative und kulturelle Aspekte seien, die die Raumwahrnehmung, also das Denken über den uns umgebenden Raum, bestimmten.[mehr]
„Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles“ (J. W. Goethe, Faust I)
Chemiker der Humboldt-Universität entwickeln kleine Goldteilchen für die Biosensorik
Maik eichelbaum und Prof. Klaus Rademann bei der spektoskopischen Analyse der goldhaltigen Glasschichten
Wohl mit keinem anderen Element als dem Gold können sich etwa Chemiker, Anlageberater, Juweliere, Zahnärzte oder auch Abenteurer beschäftigen. Betrachten wir einen Mini-Goldbarren mit einem Gewicht von einem Gramm, so besteht dieser aus ungefähr 3 x 1021 Goldatomen. Dieses Goldstück ist chemisch unreaktiv und daher für Chemiker recht uninteressant. Würden wir den Barren in zehn gleich große Teile zerschneiden, haben wir pro Stück immer noch 3 x 1020 Atome. Wenn wir das Zehnteln noch neunzehnmal wiederholen, bleiben Teile übrig, die lediglich noch 30 Goldatome enthalten. Diese Teilchen bezeichnet man als Goldcluster. Bildet man aus diesen 30 Atomen einen kugelförmigen Cluster, so hätte dieser einen Durchmesser von ungefähr einem Nanometer, was dem Einmillionstel eines Millimeters entspricht. Dieses kleine Stückchen Gold verhält sich aber nun völlig anders als der große Barren. So kann es als Katalysator das giftige Kohlenmonoxid in das weniger gefährliche Kohlendioxid umwandeln, eine für die Autoabgasreinigung sehr wichtige Reaktion.
Dies ist nur ein Beispiel der völlig unerwarteten Eigenschaften der kleinen Goldcluster. Ein anderes ist die so genannte Photolumineszenz. Dieser Begriff beschreibt einen Vorgang, bei dem ein chemischer Stoff Licht einer bestimmten Farbe aufnimmt und danach Licht einer anderen Farbe abgibt. Dieses physikalische Phänomen findet beispielsweise bei der Markierung von Geldscheinen Verwendung, um diese vor Fälschungen zu schützen. Hält man einen Euroschein unter eine Lampe mit ultraviolettem Licht, so leuchten die europäische Flagge, die Unterschrift des Präsidenten der Europäischen Zentralbank sowie die Sterne auf. Wenn wir wieder unseren einen Gramm schweren Goldbarren betrachten, so luminesziert dieser nicht. Aber was machen die nanometergroßen Goldcluster?[mehr]
Nachwuchsphysiker experimentieren an Großgeräten
Wissenschaftler schaffen neue Möglichkeiten für Ausbildung an Großgeräten vor Ort
Mit BEST wird ein neuer Akzent gesetzt, die naturwissenschaftliche Ausbildung in Adlershof und
Mitte mit der Großforschungseinrichtung BESSY eng zu verzahnen. Im Bild: das höchst auflösende
Photoelektronen-Spektrometer von BEST bei BESSY II.
Junge Nachwuchswissenschaftler und Studierende der natur- und lebenswissenschaftlichen Fakultäten können in Zukunft ein Ausbildungsangebot der Humboldt-Universität an der Synchrotronstrahlungsquelle BESSY nutzen. Forscher des Instituts für Physik installierten die Beamline for Education and Scientific Training (BEST), um den Übergang von der Studierphase zur eigenständigen Forschung an Großgeräten zu fördern. Der Einsatz von Synchrotronstrahlung hoher Brillianz vom infraroten bis zum Röntgen- Spektralbereich führt zu einer stetig steigenden Anzahl von wichtigen Resultaten in ganz unterschiedlichen wissenschaftlichen Bereichen, wie der Atom-, Festkörper- und Oberflächenphysik, Chemie, Lebenswissenschaften, Nanospektroskopie, Materialwissenschaften, Lithographie und Radiometrie. Die ständig wachsende wissenschaftliche Bedeutung ergibt sich aus der engen Wechselbeziehung der rasanten Entwicklung von neuen und leistungsfähigeren Synchrotronstrahlungsquellen und Experimentiermöglichkeiten und erzeugt einen steigenden Bedarf an exzellent ausgebildeten jungen Wissenschaftlern. Um diesem zu entsprechen, wurde von der Arbeitsgruppe von Professor Recardo Manzke am Institut für Physik in enger Zusammenarbeit mit BESSY (Berliner Elektronen- Speicherring-Gesellschaft für Synchrotronstrahlung) die Beamline bei BESSY II aufgebaut. Sie besteht aus einem hoch auflösenden 5-Meter-Monochromator (5m- NIM) und zwei leistungsstarken Photoemissions- Experimentierstationen. An ihnen sollen Studierende und junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in das Experimentieren mit Synchrotronstrahlung eingeführt und weiterqualifiziert werden. Neben praktischem Training vor Ort sollen auch Veranstaltungen an der Universität angeboten werden. Die Nachbarschaft von BESSY II, einer Synchrotronstrahlungsquelle der so genannten dritten Generation, zum wissenschaftlichen Campus der Humboldt-Universität in Berlin-Adlershof bietet hier eine einzigartige Gelegenheit. Darüber hinaus ist BEST auch für Master- und Doktorarbeiten vorgesehen.[mehr]
Günter Tembrock ist seit 70 Jahren an der Berliner Universität. An ihn wurde erstmals die Humboldt-Universitäts-Medaille verliehen
In weniger als drei Jahren feiert unsere Alma Mater ihren 200. Geburtstag. Dieser Tage schon konnte einer ihrer großen Söhne ein Jubiläum begehen, das in der Geschichte der Universität einmalig ist. Vor 70 Jahren, am 1. November 1937,wurde Günter Tembrock an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin immatrikuliert und ist ihr als Angehöriger seither treu geblieben. Diese außerordentliche Wegmarke hat die Humboldt-Universität, vertreten durch ihren Präsidenten, zum Anlass genommen, Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Günter Tembrock während eines Festaktes die neu geschaffene Humboldt-Universitäts-Medaille zu verleihen. Damit ehrt die Universität nicht nur einen ihrer bedeutendsten Wissenschaftler, sondern auch einen Hochschullehrer, der sich um die Entwicklung seiner Hochschule wegweisend verdient gemacht hat.
Tembrock studierte seit 1937 an der Friedrich-
Wilhelms-Universität, wie sie damals hieß, Zoologie, Paläontologie und Anthropologie und arbeitete schon während seines Studiums als „Demonstrator“ am Zoologischen Institut. 1941 verteidigte er seine Doktorarbeit über die Verbreitungs- und
Stammesgeschichte eines Laufkäfers (Carabus ullrichi). Aufgrund eines Lungenleidens musste er sein Studium kurz unterbrechen; dieses bewahrte ihn dann jedoch vor dem Einzug in die Wehrmacht. Als einer der wenigen verbliebenen männlichen Nachwuchskräfte übernahm er schon früh eigenständige Lehraufgaben, wie die zoologischen Bestimmungsübungen, die er dann auch dreißig Jahre lang betreuen sollte. Noch während sich die Kriegsfront auf Berlin zubewegte, Kanonendonner als Begleitkulisse, führte er mit den verbliebenen Studentinnen zoologische Exkursionen durch. Im Sommer 1945, lange vor der offiziellen Neueröffnung der Universität, war der Lehrbetrieb schon wieder im Gange und Abschlüsse wurden ausgestellt.
Tembrock war seit 1945 Lehrbeauftragter und seit 1946 auch kommissarischer Leiter des Zoologischen Instituts. 1948 gründete er am Zoologischen Institut im Auftrag der Akademie der Wissenschaften die „Forschungsstätte für Tierpsychologie“ – die erste verhaltensbiologische Forschungsinstitution im deutschsprachigen Raum. Hier war 1951 auch die Keimzelle des Tierstimmenarchivs, heute mit mehr als 100.000 Aufnahmen die größte systematische Tierstimmensammlung in Europa und eine der drei größten der Welt. Als kommissarischer Direktor leitete Tembrock in den 1950er Jahren die Wiederaufbauarbeiten der Gebäude und der Bibliothek der Zoologie. Es wurden modernste chemische, histochemische und bioakustische Labore sowie Haltungsanlagen für Tiere errichtet.
Als Lehrer war und ist Günter Tembrock
eine prägende Gestalt, sowohl in der Retrospektive als auch für die junge Generation. Zu seinem 80. Geburtstag im Jahre 1998 veranstalteten die Studenten der Biologie einen Dies academicus und schenkten der Humboldt-Universität ein Porträtgemälde Tembrocks, welches jetzt im Hörsaal 12 der Invalidenstraße 42 hängt. Eine Studentin brachte es zu diesem Anlass auf den Punkt: „Er begeistert, weil er selbst begeistert ist!“ Tembrock hat im Laufe von reichlich sechs Dekaden mehr als ein Dutzend verschiedene Vorlesungen gehalten, unter anderem die weltweit ersten Vorlesungen über Bioakustik und Biokommunikation. Danebenbetreute er zahlreiche Kurse, Übungen und führte fast 60 Jahre die legendären zoologischen Exkursionen durch. Aktuell laufen die Vorlesungen zur „Speziellen Verhaltensbiologie“ und zu „Grundfragen der Biologie/ Lebenswissenschaften“. Zusätzlich zu den Veranstaltungen für Biologen hielt Tembrock von 1952 bis 2003 die Vorlesung „Biologie für Mediziner“ und in nicht wenigen Arztpraxen löst der Name Tembrock verzücktes Schwelgen in Erinnerungen aus. Er sagte dazu einmal, sie sei „die einzige Vorlesung meines ganzen Studiums, die sich gelohnt hat“.[mehr]
Soziale Netzwerke als Zukunftsvision
Die Kommunikation über ein erweitertes Alumni-Portal kommt gut an
In der geschäftigen Atmosphäre der Humboldt- Universität fällt es nicht immer leicht, den Kontakt zu Freunden und Bekannten aus Veranstaltungen, Zusammenarbeit, Studium oder auch dem Hochschulsport zu halten. Besonders viele ehemalige Studierende bedauern, dass mit der Exmatrikulation viele Verbindungen schwieriger zu erhalten sind oder gar abbrechen. Das Alumni Portal der Humboldt-Universität bietet hier Abhilfe für alle Universitätsangehörigen. Dabei ist es gleich, ob jemand noch eingeschrieben oder angestellt, ob er exmatrikuliert oder emeritiert ist. Auf dem Portal findet sich der Hinweis auf die Registrierung. Diese kann in fünf Minuten abgeschlossen werden. Nach Prüfung der angegebenen Daten verschickt das Alumni-Büro Zugangsdaten zur Kommunikationsplattform. Sofern gewünscht, bekommen Alumni auch eine lebenslange E-Mail-Adresse. Begeisterte Nutzer berichten immer wieder, dass für „offizielle“Nachrichten die Serveradresse alumni.huberlin.de perfekt geeignet ist. Steffi Winkler, ehemalige Studentin, schreibt beispielsweise aus Italien, dass „aus Gründen meiner weiteren wissenschaftlichen Laufbahn und meiner anstehenden Promotion“ eine E-Mail-Adresse der Humboldt-Universität notwendig ist.Doch das erweiterte Alumni Portal bietet weit mehr als die E-Mail-Adresse mit der begehrten Endung. Communities sind die Informations- und Kommunikationsknoten im Portal und unterteilen die Mitglieder in verschiedene Nutzergruppen. Nutzer können z. B. Artikel schreiben und eigene Bilder hochladen.[mehr]
Die Medaillensammlung der Humboldt-Universität zu Berlin
„Eine Medaille hat, durch ihre mögliche Verbreitung, durch ihre Dauer, durch Überlieferung der Persönlichkeit in einem kleinen Raum, durch Documentierung allgemein anerkannter Verdienste, durch Kunst- und Metallwerth, soviel Vorzügliches, daß man, besonders in unseren Zeiten, Ursache hat, sie allen anderen Monumenten vorzuziehen.“ – soweit Goethe. Doch nicht nur er pries die Medaille als ein Kunstwerk en miniature. Die Schar ihrer Verehrer war und ist groß.
Die Medaille wurde anlässlich des 100. Jubiläums der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin im Jahre 1910 erstellt, Bronze, Durchmesser 10 cm
Auch die Humboldt-Universität ist in Besitz einer kleinen, gleichwohl repräsentativen Medaillensammlung, die 95 unterschiedliche Medaillen und sechs Plaketten umfasst. In der Mehrheit sind es Geschenke deutscher und ausländischer Universitäten und erinnern an deren Jubiläen: an das 500-jährige Bestehen der Universität Prag von 1848, an die 400. Gründungsfeier der Universität Tübingen von 1877 und die der Universität Uppsala, ebenfalls 1877, an das 300. Ehrenfest der Universität Jena von 1848 oder an das der spanischen Universität von Oviedo von 1908, an das 200. Jubiläum der Yale-Universität von 1901 oder an die Säkularfeier der Universität von Buenos Aires von 1912. In der Grundausführung ähneln sich diese Medaillen darin, dass auf der Avers – der Vorderseite – zumeist der Universitätsstifter oder das Universitätsgebäude eingraviert ist und auf dem Revers – der Rückseite – Allegorien in zahllosen Varianten. Eine Reihe von Medaillen gedenkt kultureller Ereignisse, wie der Einweihung des Goethe-Schiller-Archivs von 1896 oder der Gründung der Universität Warschau im Jahre 1818 – die zweitälteste Medaille unserer Sammlung. Von der Universität von Rio de Janeiro liegt eine Medaille vor, die an die Grundsteinlegung ihres Bibliotheksgebäudes im Jahre 1905 erinnert und eine weitere an die Einweihung derselben im Jahre 1910. Geprägt wurde eine weitere Gruppe der Medaillen zu Ehren einzelner Wissenschaftler, sowohl solchen, die an anderen Universitäten oder Institutionen wirkten, wie Gauß, Heim, Soemmering, Wilms, Trommsdorff oder Malecki, als auch für Gelehrte der Berliner Alma mater, wie Christoph Knape (Medaille von 1823), Alexander von Humboldt, Christoph Wilhelm Hufeland (von 1833) und Christian Reil (ohne Jahresangabe). Von dem Porträt A. v. Humboldts nachdem Entwurf von Carl Pfeuffer, das aus den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts stammt, sind drei verschiedene Medaillen bekannt. Bei gleicher Vorderseite wurden die Rückseiten für drei unterschiedliche Anlässe variiert. Die zum Besitz der Universität gehörende Medaille wurde vermutlich zu Humboldts 60. Geburtstag 1829 geprägt. Die Inschrift verweist stichpunktartig auf sein wissenschaftliches Werk bis 1829. Alle Vorderseiten der Gelehrten-Medaillen zeigen feinziselierte Reliefporträts. Die Rückseiten sind variationsreicher. Bei Humboldt und Reil beschränkte sich der Medailleur Carl Pfeuffer auf Schriftzeichen im Eichenkranz, während die Rückseiten der Medaillen von Hufeland und Knape kunstvoll gestaltete Allegorien auf die medizinische Wissenschaft abbilden. So formte der Medailleur Henri F. Brandt nach einem Entwurf von Christian Daniel Rauch für die Hufeland-Medaille zwei Genien der Wissenschaft, die einer Kranken beistehen. Carl Voigt wählte bei der Knape-Medaille die Parze Lachesis, die das Lebenslos zuteilt, und den Äskulapstab; so verdeutlichte er die Verbindung von Medizin und Forschung. Eine der schönsten ist die Gedenkmedaille für Rudolf Virchow aus dem Jahre 1891, die anlässlich seines 70. Geburtstages geprägt wurde. Die überreiche Gestaltung der Rückseite entwickelt sich hier zu einer kunstvollen szenischen Darstellung, die in nichts einem großformatigen Reliefbildwerk nachsteht. Ihr Künstler, Anton Scharff, war einer der bekanntesten Medailleure am Ende des 19. Jahrhunderts.[mehr]
Rektor, Ökonom und Bevölkerungspolitiker
Johann Gottfried Hoffmann zum 160. Todestag
Am 12. November 2007 jährt sich zum 160. Mal der Todestag von Johann Gottfried Hoffmann. Hoffmann wurde am 19. Juli 1765 in Breslau geboren. Nach Studium und praktischer Tätigkeit als Bauassessor bei der ostpreußischen Kriegs- und Domänenkammer wurde er Professor der praktischen Philosophie und der Kameralwissenschaften (der heutigen Volkswirtschaftslehre) an der Universität Königsberg. Er war ein Mann der ersten Stunde, als im Jahr 1810 die Berliner Universität, die heutige Humboldt-Universität, gegründet wurde und er vom damaligen Kultusminister und Universitätsgründer, Wilhelm von Humboldt, mit der Wahrnehmung eines Lehrstuhls für Staatswissenschaften und der Ausarbeitung eines Studienplanes für den Staatsdienst betraut wurde. Neben seiner Professur leitete er das „Statistische Büro“, eine Art Planungsstelle des Innenministeriums, dessen sich Staatskanzler Hardenberg regelmäßig bediente und das alsbald große Bekanntheit erlangen sollte. 1823/24 wurde Hoffmann Rektor der Berliner Universität. Als praxisorientierter Wissenschaftler publizierte er an die 200 Schriften, u.a. über die Physiokratie, über Malthus’ Bevölkerungstheorie, über soziale Probleme der Armut sowie über Steuer- und Münztheorie. Wilhelm Roscher zählt ihn in seiner Geschichte der National-Oekonomik in Deutschland von 1874 „[z]u den reinsten und bedeutendsten Vertretern des preußischen Beamtenthums … aus dem volkswirthschaftlichen Gebiete.“ Weiter schreibt Roscher: [mehr]
Es war das Jahr 2003, als am Zentrum für Sprache und Kultur Japans die erste Seminararbeit via Internet eingereicht wurde: Elena Polzer hatte eine reich bebilderte Studie verfasst, die Filmsequenzen über die erste Pop-Ikone, die Kewpie-Puppe, enthielt. 1909 wurde diese von der Amerikanerin Rose O’Neill gezeichnet und erstmalig in Ohrdruf/Thüringen als Puppe produziert. Von da an trat sie ihren Siegeszug um die Welt an. Während man heute in Amerika oder Deutschland kaum noch den Namen kennt, glaubt man in Japan, Kewpie (jap. Kyûpî) sei ein urjapanisches Produkt. Die Mori-Ogai-Gedenkstätte griff die Thematik auf, setzte sich mit Produzenten und Sammlern in Japan in Verbindung und zeigte im vergangenen Jahr die Ausstellung „Kewpie – der älteste ‚character’ der Welt“ (siehe HUMBOLDT 8-2005/06, S. 9). Vor Ablauf der Ausstellung stand die Frage:
Was kommt danach – im Keller entsorgen
oder weitere Interessenten finden? Die
großen Puppenmuseen hielten sich bedeckt.
Ein Päckchen mit Fotos, Material,
Texten und Pressemappe weckte das Interesse
des Kulturverantwortlichen in Ohrdruf.
Im dortigen Museum gibt es zwar
noch vereinzelte Gussformen, auch wusste
man, dass Ohrdruf einst Weltspitze in der
Biskuitpuppenproduktion war. Aber heute
gibt es die Fabriken nicht mehr, Kewpie
war vergessen und mit dem Schaukelpferd,
das ebenfalls eine Ohrdrufer Erfindung
ist, kann man mit anderen Städten an der
deutschen Spielzeugstraße nicht konkurrieren.
Schon im Vorfeld der Ausstellung im November
2006 im Ohrdrufer Rathaus löste
das aufgearbeitete Material rege Aktivitäten
aus: Bürger brachten Kewpie-Teile, die sie
auf ihren Feldern gefunden hatten, andere hatten diese Bruchstücke als Dämmmaterial
unter der Dielung benutzt, die
nun aufgebrochen wurde, um ins
Museum getragen zu werden. Puppenköpfe
lächelten einen früher auch
aus den zur Füllung des Fachwerkes
benutzten Gussformen an. Nicht
nur von den Postern der Ausstellung
rief es: „Die Kewpies sind zurück!“
Inzwischen wurden weitere Ur-Kewpies
von Sammlern im Internet
angekauft, der Kontakt zu Kewpie-
Freunden in Japan und Amerika über
die Mori-Ôgai-Gedenkstätte vermittelt
und die German Doll Company
produziert die kleinen „Engel des
20. Jahrhunderts“ wieder. Am 13.
Oktober 2007 konnte im Schloss
Ehrenstein eine Dauerausstellung über
die Geschichte der Puppenproduktion in
Ohrdruf mit dem hiesigen Ausstellungsmaterial
eröffnet werden.[mehr]
Solarschiffprojekt der HU schlägt Wellen in Berlin und Brüssel
Meilensteine säumen den langen Weg des Solarschiff-Projektes der HU nach Brüssel. Den Grundstein dafür, dass das Projekt „Entwicklung multifunktionaler EU-Solarschiffe als Beitrag für den Klimaschutz und Mobilität“ Repräsentanten der EU-Kommission vorgestellt werden konnte, legte Prof. Dr. Wiltrud Gieseke, Leiterin der Abteilung Erwachsenenbildung/Weiterbildung am Institut für Erziehungswissenschaften, wo das Projekt angedockt ist.
Projektleiter Berndt Brussig wünscht sich Sightseeing im Jubiläumsjahr mit dem Solarschiff.
Nach anfänglich verschlossenen Türen an der HU stieß das Vorhaben bei ihrer Abteilung auf Interesse, da eine ehemalige Projektgruppe Weiterbildung/Umweltwissenschaft nicht in ein An-Institut umgewandelt werden konnte. In der Abteilung sollte ein Teilvorhaben gerettet werden, da man von der konzeptionellen, zukunftsweisenden Notwendigkeit bereits 1999 überzeugt war. Mit Projektprämissen, wie der Nutzung der Ressource Wasser für den Öko-Tourismus in Berlin-Brandenburg und dem Aufbau eines Netzwerkes von Akteuren zum Betrieb von umweltfreundlichen Solarschiffen in großer Anzahl sowie der praxisnahen Vermittlung von Umweltbildung, wurde die Projektarbeit fortgeführt. „Damit kann ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet und Wissen über ökologische Zusammenhänge erarbeitet werden. Letztendlich wird das Projekt auch Arbeitsplätze in der Öko- und Solarbranche schaffen“, sagt Wiltrud Gieseke. Die zweite Kardinalfrage, die Finanzierung der Stelle, konnten Bundestagsabgeordnete und ein Staatssekretär mit Solarenergie-Weitblick klären. Als Start-ups folgten Workshops am Solarpavillon in Köpenick sowie die Mitarbeit in der Jury von Umweltprojekt-Wettbewerben. Dazu zählt auch die symbolische Eröffnung des Solar-Schiffverkehrs in Potsdam. Markanter Meilenstein auf dem Weg nach Brüssel war die Präsentation des Projektes vor Politikern und Umwelt-EnEngagierten im Roten Rathaus zum Thema „Zukunftsfähige Projekte“ im Februar, aus der eine Allianz mit der Technologiestiftung Berlin (TSB) und der TU hervorging. Das starke Echo auf diese Präsentation, die für den Betrieb umweltfreundlicher Solarschiffe als Öko-Tourismusattraktion plädierte, aber auch die aktuellen Debatten zum Klimaschutz, gaben den Impuls, ein spezielles EU-Solarschiff-Projekt anzuschieben. [mehr]