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FORSCHUNG

HUMBOLDT

Ausgabe 5- 2007/2008 www.hu-berlin.de/presse/zeitung Jahrgang 52 - 15. Februar 2008

Die HUMBOLDT-Zeitung finden Sie von jetzt an unter
http://www.hu-berlin.de/pr/publikationen/humboldt/

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GESCHICHTE

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Die nächste Ausgabe der HUMBOLDT erscheint am 10. April 2008.


Neue Vizepräsidenten im Amt

Prof. Dr. Dr. h.c. Uwe Jens Nagel und Prof. Dr. Michael W. Linscheid vom Konzil gewählt

Mit 41 von 48 abgegebenen Stimmen wurde Prof. Dr. Dr. h.c. Uwe Jens Nagel (65) am 12. Februar 2008 vom Konzil der Humboldt-Universität zu Berlin zum Vizepräsidenten für Lehre und Studium gewählt. Auf Prof. Dr. Michael W. Linscheid (59) entfielen 37 von 48 abgegebenen Stimmen, und er ist damit gewählter Vizepräsident für Forschung.
Der Präsident der Humboldt-Universität, Prof. Dr. Dr. h.c. Christoph Markschies, gratulierte beiden Vizepräsidenten zum guten Wahlergebnis. Uwe Jens Nagel und Michael Linscheid bedankten sich bei allen Unterstützern und freuten sich auf die gemeinsame Arbeit.
Sowohl Nagel als auch Linscheid waren bereits mit der Wahrnehmung der Amtsgeschäfte seit einigen Monaten beauftragt, denn Prof. Dr. Stefan Matuschek musste krankheitsbedingt aus dem Amt des Vizepräsidenten für Studium und Internationales ausscheiden und Prof. Dr. Hans Jürgen Prömel, bis Oktober 2007 Vizepräsident für Forschung, wechselte als Präsident an die TU Darmstadt.

Michael Linscheid konnte schon Leitungserfahrung sammeln, da er bereits eine Zeitlang das Museum für Naturkunde übergangsweise geführt hatte. Er war vor der Wahrnehmung der Amtsgeschäfte des Vizepräsidenten Professor für Chemie an der Humboldt- Universität. Der in Wuppertal (Nordrhein-Westfalen) geborene Michael Linscheid studierte in Köln, war Research Chemist an der University of California in Berkeley (USA) und wurde 1998 Professor für Angewandte Analytik und Umweltchemie an der Humboldt-Universität zu Berlin.
Uwe Jens Nagel ist ebenfalls Professor an der Humboldt-Universität. Nagel wurde in Dietfurt geboren und studierte zunächst Soziologie an der Freien Universität Berlin und in Stanford (USA). Anschließend studierte er Ländliche Entwicklung an der Technischen Uni versität Berlin. 1993 wurde Uwe Jens Nagel Professor für landwirtschaftliche Beratung und Kommunikationslehre an der Humboldt- Universität zu Berlin.[mehr]

Neues Studierendenparlament gewählt

Am 15. und 16. Januar 2008 fanden die Wahlen zum 16. Studierendenparlament (StuPa) statt. Bei 33.037 Wahlberechtigten wurden insgesamt 2.456 Stimmen abgegeben, davon waren 2.423 gültig. 60 Sitze im StuPa waren zu vergeben. Den größten Zuspruch hatte, wie schon im Vorjahr, die „Linke Liste an der HUB-(LiLi)“ mit 478 Stimmen und zwölf Sitzen. Die „Grünboldte“ konnten 453 Stimmen auf sich vereinigen und erhielten elf Sitze. Drittstärkste Liste wurde „SDS.Die Linke HU“ mit 257 abgegebenen Stimmen und sechs Sitzen im StuPa vor der „Lust-Liste unabhängiger Studierender“, die 219 Stimmen und somit fünf Sitze erhielt. Die Wahlbeteiligung fiel von 9,8 Prozent im Vorjahr auf 7,43 Prozent. „Die Intensität des Wahlkampfes hat in diesem Jahr nicht mit der Wahlbeteiligung korreliert“, erklärte Refrat-Mitglied Peter Hartig, der in die Liste der „Jusos“ gewählt wurde.[mehr]


Mathematik. Alles, was zählt.

Das Wissenschaftsjahr 2008 bietet Gelegenheit, die Vielfalt und die Bedeutung der Mathematik kennen zu lernen und die Faszination für diese Wissenschaft zu spüren. Zahlreiche Partner aus Wissenschaft, Kultur und Politik laden mit vielfältigen regionalen und überregionalen Veranstaltungen, Ausstellungen, Wettbewerben und Festivals dazu ein, Mathematik zu erleben.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) veranstaltet zusammen mit der Initiative Wissenschaft im Dialog, mit der Deutschen Telekom Stiftung und der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV) das Jahr der Mathematik.
Ein Highlight wird der Wettbewerb „Känguru der Mathematik“ sein; dieser wird vom Mathematikwettbewerb Känguru e.V., der an der HU ansässig ist, deutschlandweit koordiniert. Am 10. April 2008 werden Schülerinnen und Schüler der 3. bis 13. Klasse bei dem Multiple-Choice-Test vielfältige Aufgaben rechnen, knobeln und schätzen.[mehr]
Mehr Infos zum Wettbewerb: www.mathe-kaenguru.de
Mehr zum Wissenschaftsjahr: www.jahr-der-mathematik.de

Hilfe bei Studienproblemen

Info-Veranstaltungen der Studienberatung

Studierende, die Probleme mit der Studienmotivation haben, die den Eindruck haben, das falsche Fach gewählt zu haben, die Leistungsdefizite bemerken, die die Prüfung nicht bestanden haben oder nicht wissen, wie sie ihr Studium weiterhin finanzieren können, sind herzlich eingeladen zu einem Vortrag mit anschließender Möglichkeit zur Einzelberatung. Häufig sind Lösungsmöglichkeiten, Ansprechpartner oder Unterstützungsangebote nicht bekannt. Der Psychologe Holger Walther und die Studienberaterin Benita Bischoff wollen hier Abhilfe schaffen und Wege weisen, krisenhaften Entwicklungen vorzubeugen. Nächste Termine sind der 8. April 2008 von 11 bis 13 Uhr, Unter den Linden 6, Raum 2103, sowie der 10. April 2008 von 13 bis 15 Uhr in Adlershof, Rudower Chaussee 25, Humboldt-Kabinett (1. Etage zwischen den Häusern 3 und 4).[mehr]


AKTUELL


Sprachenzentrum schärft Profil und lädt dazu ein

Die Zentraleinrichtung Sprachenzentrum ist seit über 50 Jahren erfahrener Dienstleister der HU im Bereich hochschulspezifischen Fremdsprachenunterrichts für aktuell 13 Sprachen für Studierende und Mitarbeiter. Daneben werden individuelle Lernberatung, Sprachgutachten, Einstufungstests, akkreditierte UNIcert®-Prüfungen, Sprachintensivreisen und eine Mediothek, die ihresgleichen sucht, angeboten. Vor dem Hintergrund aktueller Anforderungen will das Sprachenzentrum sein Profil schärfen. Dafür treffen sich alle Mitarbeiter des Sprachenzentrums am 18. Februar 2008 zu einem Brainstorming. Aber auch Ihre Meinung ist wichtig. Ob Sie das Angebot schon genutzt haben oder es noch nutzen wollen – schreiben Sie Ihre Anregungen an: team-zes@spz.hu-berlin.de

Personalia

Studentin erhielt Ehrenpreis der GTZ

„Soziale, ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit ist im Wassereinzugsgebiet des Mekongbeckens nur mit Genderperspektive zu erreichen“, sagt Linda Wünsche. Die 23-Jährige studiert an der Humboldt-Universität zu Berlin Südostasienstudien und erhielt für ihre Erkenntnisse den diesjährigen Forschungspreis der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). Nachhaltiges Ressourcenmanagement sei im Gebiet des Mekongs demnach nur durch eine Gleichberechtigung der Geschlechter möglich, lautet die These der Drittsemesterin, die die Effizienz des GTZ-geleiteten Projekts in Vietnam analysiert hat. „Erste Verbesserungsvorschläge werden vor Ort bereits umgesetzt“, berichtet die Studentin stolz.
Am 7. Februar 2008 präsentierten Linda Wünsche und zwölf weitere Kandidaten ihre Projektarbeiten zu den Themen erneuerbare Energien, Krisenmanagement und Korruption. Die Verfasser der drei besten Arbeiten erhalten die Möglichkeit, ein mehrmonatiges Praktikum in ihrem oder einem anderen GTZ-Projekt zu absolvieren.[mehr]

Wahl der Mitglieder der DFG-Fachkollegien 2007

Ende letzten Jahres fand die Fachkollegienwahl 2007 der DFG statt. Für insgesamt 48 Fachkollegien standen 1300 Kandidierende zur Wahl. Diese Fachkollegien der DFG sind für die Bewertung der Begutachtung zuständig. Sie sind damit im Rahmen der Qualitätssicherung für die Förderentscheidung der DFG verantwortlich.
Unter den Mitgliedern der neuen Fachkollegien sind auch elf Wissenschaftler der HU: Prof. Dr. Ernst Osterkamp, Neuere deutsche Literatur; Prof. Dr. Wolfgang Kaschuba, Ethnologie und Volkskunde; Prof. Dr. Thomas Börner, Genetik der Pflanzen; Dr. Matthias Glaubrecht, Spezielle Morphologie; Prof. Dr. Carmen Büttner, Phytomedizin; Prof. Dr. Martin Odening, Agrarökonomie und –soziologie; Prof. Dr. Joachim Sauer, Chemische Festkörperforschung: Theorie und Modellierung; Prof. Dr. Michael Linscheid, Chemie, Analytik und Methodenentwicklung; Prof. Dr. Andreas Griewank, Mathematik; Prof. Dr. Wilfried Endlicher, Physische Geographie, sowie Prof. Dr. Elmar Kulke, Humangeographie.[mehr]

Bibliothekswissenschaftlerin erhält VFI-Förderungspreis 2007

Mit einem Anerkennungspreis prämiert der Verein zur Förderung der Informationswissenschaft (VFI) die Magisterarbeit von Elke Susanne Greifeneder, „Effektivität und Effizienz von Online-Hilfesystemen in deutschen Universitäts-OPACs“. In dieser Arbeit wird ein bislang nur selten behandeltes Thema, das aber von hoher Relevanz für die praktische Bibliotheksarbeit ist, analysiert und kommentiert. Das Werk ist nun auch als Buchpublikation verfügbar („Online-Hilfen in OPACs: Analyse deutscher Universitäts-Onlinekataloge. Saarbrücken, 2007). Die nächste Ausschreibung für den VFI-Förderungspreis findet im März 2008 statt.[mehr]

Joseph Doob Prize für Mathematiker Walter Gubler

Der Nachwuchswissenschaftler Dr. Walter Gubler, der zurzeit eine Vertretungsprofessur an der HU wahrnimmt, wurde im Januar in San Diego mit dem „Joseph Doob Prize“ ausgezeichnet. Dubler erhält diesen alle drei Jahre von der American Mathematical Society verliehenen Preis gemeinsam mit dem hoch angesehenen italienischen Mathematiker Enrico Bombieri vom Institute for Advanced Study der Princeton-University. Bombieri und Gubler wurden für ihr Buch „Heights In Diophantine Geometry“, das die diophantische Geometrie von Grund auf bis zu aktuellen Forschungsergebnissen beschreibt, geehrt. In der diophantischen Geometrie sucht man ganzzahlige Lösungen von Gleichungen. Dieses Gebiet fasziniert die Mathematiker seit langem, als berühmtestes Beispiel sei dazu die Fermatsche Vermutung erwähnt.[mehr]

Rufannahmen an die Humboldt-Universität zu Berlin

Seit dem 1. Oktober 2007 wurden an die Humboldt-Universität berufen: Prof. Dr. Michael Pauen, W3, Philosophie des Geistes; Prof. Dr. Thomas Mergel, W3, Europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts; Prof. Dr. Gesa Stedman, W3, Literatur und Kultur Großbritanniens; Prof. Dr. Dirk Becherer, W3, Stochastische Analysis und Stochastik der Finanzmärkte; Prof. Dr. Jaap Denissen, W1, Persönlichkeitsentwicklung; Prof. Dr. Barbara Beham, W1, BWL mit dem Schwerpunkt Gender and Diversity Management und Prof. Dr. Gregory Kobele, W1, Allgemeine Sprachwissenschaft: Syntax.[mehr]


EXTRA


Im dritten Teil unserer Serie über die Humboldt-Universität in der Exzellenzinitiative stellen wir zwei Graduiertenschulen vor.
Die Berlin Mathematical School (BMS) und die Berlin School of Mind and Brain waren bereits 2006 in der ersten Runde des Wettbewerbs
erfolgreich und setzen ihr Programm vielversprechend um.

Gemeinsamkeiten erkennen


Ur-Vater der interdisziplinären Forschung: Leonardo da Vinci ging Leben und Geist auf den Grund (Anatomische Zeichnung von 1508).
Berlin School of Mind and Brain integriert Geistes- und Lebenswissenschaften

Gibt es einen freien Willen? Wie kommen Entscheidungen zustande? Wie entwickelt sich Sprache? Diese Fragen haben die Menschheit schon immer bewegt. Es waren vor allem Philosophen, aber auch andere Geisteswissenschaftler, die sie zu beantworten suchten. Dass diese Themengebiete in den letzten Jahren wieder an Öffentlichkeit gewonnen haben, hängt damit zusammen, dass sich nun auch Lebenswissenschaftler zu Wort melden. Ihre Erkenntnisse sind modernen bildgebenden Verfahren zu verdanken, allen voran der funktionellen Kernspintomographie, die es möglich macht, dem Gehirn beim Arbeiten zuzuschauen. Schnell sind die eingangs gestellten Fragen auch in den Mittelpunkt des Interesses der „Brain-Forscher“ gerückt.
Dass Philosophen und Hirnforscher nicht nur kontrovers diskutieren, wie es in den Medien oft erscheint, sondern auch viel voneinander lernen können, zeigt die „Berlin School of Mind and Brain“, die im Oktober 2006 den Zuschlag der Exzellenz initiative erhalten hat und als Graduiertenschule mit jährlich etwa einer Million Euro gefördert wird.
„Wir wollen die Wissenschaft in diesem Bereich vorantreiben, und die Graduiertenschule ist unsere Plattform“, erklärt Philosophie-Professor Michael Pauen, einer der Sprecher der Schule, die ein Gemeinschaftswerk von Humboldt-Universität und Charité ­ Universitätsmedizin Berlin ist. 60 hochrangige Wissenschaftler, Philosophen, Linguisten, Biologen, Neurologen und Psychologen, um einige Disziplinen zu nennen, sind an dem Vorhaben beteiligt. Sie gehören den drei großen Berliner Universitäten (HU, FU, TU) an, den Universitäten Potsdam und Magdeburg sowie elf außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Die zurzeit 16 Graduierten werden grundsätzlich immer von zwei Wissenschaftlern betreut, je einem aus jeder Wissenschaftsrichtung. Die Forschung dreht sich um fünf Bereiche, bewusste Wahrnehmung, Entscheidungsfindung und Sprache. Dazu kommen die „ontogenetische Entwicklung über die Lebensspanne“ und „Hirnerkrankungen
und mentale Disfunktionen“. Ob die Lebenswissenschaften Antworten auf seine Fragen bereithalten, weiß Doktorand Malte Engel noch nicht. Der Philosoph beschäftigt sich mit Bedingungen moralisch verantwortlichen Handelns.[mehr]

Umtriebige Mathematiker

Exzellente Forschung, spannendes Begleitprogramm: Die Berlin Mathematical School
Am 18. und 19. Februar 2008 ist es wieder soweit, dann treffen sich Studierende und Lehrende zum zweiten Mal zu den BMSDays in der Urania, um aktuelle mathematische Themen zu diskutieren. Die BMSDays sind das Jahrestreffen der mathematischen Community rund um die Berlin Mathematical School (BMS), das Matheon, die vier Berliner mathematischen Graduiertenkollegs und andere mathematische Forschungseinrichtungen. Mit dabei werden auch die aktuellen Bewerber der BMS sein, die hoffen, im kommenden Herbst ihr Studium aufzunehmen.
Die Berlin Mathematical School ist im Sommer 2006 gegründet worden und hat im Oktober darauf den Zuschlag in der ersten Runde der Exzellenzinitiative erhalten. Mittlerweile studieren beziehungsweise promovieren 100 deutsche und internationale Studierende in zwei Phasen an den mathematischen Instituten von HU, FU und TU (siehe Kasten). Anna von Pippich, Doktorandin im Graduiertenkolleg „Arithmetik und Geometrie“, lobt die Graduiertenschule. „Ich schätze sehr, dass ich nicht nur mit Fachleuten meines Gebiets zusammen komme, sondern auch viel über andere mathematische Themen erfahre“, erklärt sie. Für Austausch sorgen nicht nur die einmal im Jahr stattfindenden BMS-Days, sondern vor allem die Freitagskolloquien, die BMS-Fridays, die in der Vorlesungszeit zweimal monatlich an der Urania stattfinden. Es geht um „Mathematik als Ganzes“, hier geben nationale und internationale Mathematiker Einblicke in größere Zusammenhänge aktueller mathematischer Entwicklungen. Zu den „Fridays“ gehören auch Seminare und Workshops.[mehr]

FORSCHUNG


Eins werden mit dem Universum

Das internationale Symposium Foundations of Taoist Ritual am Seminar für Sinologie

Der religiöse Taoismus ist die einzige indigene Religion Chinas, die über die Sphäre des Staates hinaus in allen Gesellschaftsschichten des traditionellen China präsent war und sich als Schriftreligion von schamanischen und mündlichen Äußerungen der Religiosität unterscheidet. Gleichwohl haben solche fundamentalen religiösen Ausdrucksformen erhebliche Bedeutung für die Entstehung und Entwicklung des religiösen Taoismus seit dem 2. Jahrhundert (A.D.), und sie begleiten ihn bis heute. Antike Bestrebungen eines kommunalen Ausdrucks von Religiosität, Individualismus im Bemühen das Leben zu verlängern und „Unsterblichkeit“ durch Alchemie und Physiologie, durch Meditation und Gebet anzustreben, sind bedeutende Komponenten. Ein religiöser Impetus hat die entsprechenden Mittel, Methoden und Konzepte vereint und zu dem geformt, was wir heute als den lebenden religiösen Taoismus bezeichnen. Seine literarische Seite wird mit dem legendären Wirken von Laozi, „auf dem Weg in die Emigration“ (Bertolt Brecht), begründet und dokumentiert sich in einer seit Jahrhunderten gewachsenen kanonischen Sammlung (Taozang), in der auch die Grundlagen der Liturgie verbrieft wurden.


Diese Amulette werden zur Zerschlagung dämonischer Kräfte, zur Beseitigung schlechter, schädlicher Einflüsse und Atmosphären verwendet. Sie stammen aus der kanonischen Sammlung „Corpus taoistischer Rituale“ (Taofa huiyüan, 14.Jh.) und gehören zur Tradition der „Fünf-Donner Rituale“ (Wulei fa, Sung-Zeit).

Als Religion ist der Taoismus bis heute in China, Taiwan und in der chinesischen Ökumene in Südostasien gegenwärtig. Er kennt keine dogmatisch fixierten Lehrinhalte oder administrativ zwingende Organisationsformen. Familiär begründete, über Generationen tradierte und dabei regional variierende Traditionslinien sind das bestimmende Organisationsmuster. Als Taoisten bezeichnet die Wissenschaft nur die Priester, die „Meister des Tao“, die als Spezialisten für Liturgie und Exorzismus eine Berufsgruppe darstellen. Sie vollziehen die der Saison entsprechenden, oft sich über Tage erstreckenden, rituellen Feiern zum Wohl von Staat und Gesellschaft, wobei sie den Festtagen des „kaiserlichen (Mond-) Kalenders“ (oder „Bauernkalenders“) folgen. Natürlich gibt es auch Rituale, die Privatpersonen gemäß ihren Bedürfnissen bestellen können. Oft handelt es sich um exorzistische Vorgänge, die nicht immer nur von Priestern ausgeführt werden. Hier sehen wir die alten Spuren der allseits präsenten oralen und schamanischen Kultsphäre, wobei deutliche regionale Unterschiede, zum Beispiel zwischen Nord- und Süd-Taiwan, zum Vorschein kommen.[mehr]

Neues Urheberrecht

Rechte an eigenen Publikationen wahren!


Papier ist geduldig, das Internet nicht: Das Urheberrechtsgesetz regelt die Online-Verwertung neu.

Seit dem 1. Januar 2008 gilt ein verändertes Urheberrechtsgesetz. Es enthält eine Regelung, mit der Verlagen die Rechte zur Online-Verwertung von Publikationen zufallen, die bisher bei den Autoren lagen. Wissenschaftlern bleibt bis Ende 2008 die Möglichkeit, ihre Rechte zu wahren und darüber zu verfügen. Nutzen Sie diese Gelegenheit!
Bisher war durch Paragraph 31 Absatz 4 des Urheberrechtsgesetzes die „Einräumung von Nutzungsrechten für noch nicht bekannte Nutzungsarten“ unwirksam. Bis 1995 galt die Online-Zugänglichmachung als eine solche unbekannte Nutzungsart. Wer zuvor einem Verlag Nutzungsrechte an eigenen Publikationen, wie Artikel und Bücher, übertragen hat, gab damit nicht das Recht ab, diese auch ins Netz zu stellen.
Durch den Wegfall dieser Regelung und den neuen Paragraphen 137 l des Urheberrechtsgesetzes ändert sich das: Verlagen fallen diese Rechte rückwirkend zu. Es gilt: Wenn ein Verfasser vor Inkrafttreten der Neuregelung einem Verlag ein umfassendes Nutzungsrecht an seinem Werk übertragen hat, darf dieser es ohne weitere Zustimmung des Autors im Internet zugänglich machen. Der Verfasser kann jedoch innerhalb eines Jahres ab Inkrafttreten des Gesetzes, also bis Ende 2008, der Internet-Verwertung durch den Verlag widersprechen. Als Wissenschaftler sollten Sie jetzt handeln, um die Rechte an Ihren eigenen Publikationen nicht zu verlieren und gleichzeitig einen Beitrag zur freien Verfügbarkeit des Wissens im Sinne von Open Access zu leisten. [mehr]


CAMPUS


Eine „Schule für alle“ betrifft jeden Lehrenden

60 Jahre Studium der Sonderpädagogik an der Humboldt-Universität zu Berlin


Ein Bild aus den Anfangszeiten der Rehabilitationswissenschaft: Ruth Häusser mit einer Studentengruppe beim Artikulationsunterricht

Im Wintersemester 1947/48 begann an der Berliner Universität die akademische Lehrerbildung für Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen. Dieses Datum war Anlass, im Rahmen eines internationalen Kongresses an der Humboldt-Universität im November die Frage nach (sonder-) pädagogischer Professionalität vor dem Hintergrund aktueller Aufgaben und Herausforderungen zu diskutieren.

Der Humboldt-Universität gebührt das Verdienst, als erste deutsche Universität die akademische Lehrerbildung für Sonderpädagogen kurz nach Kriegsende installiert zu haben. Damit wurden die Professionalisierungsbemühungen dieser Lehrergruppe mit Erfolg gekrönt, die seit der Weimarer Republik für eine Akademisierung ihrer Ausbildung gestritten hatte. Während in Ungarn bereits 1900 eine „Hochschule für Heilpädagogik“ errichtet und in der Schweiz 1931 eine Professur für Heilpädagogik etabliert wurde, blieben die Bemühungen in Deutschland um eine Akademisierung der Sonderpädagogenausbildung angesichts der katastrophalen Finanzsituation des Staates während der Weimarer Republik erfolglos. Die Politik des „Dritten Reichs“ schließlich war gekennzeichnet von der Verachtung behinderter Menschen, und es war nur folgerichtig, dass praktisch jegliche Ausbildung von Sonderpädagogen zum Erliegen kam. Als heimgekehrte Pädagogen mit dem Aufbau des weitgehend zerstörten Schulwesens in der sowjetisch besetzten Zone begannen, vereinte sie mehrheitlich der Wille, an einer Demokratisierung des Bildungswesens tatkräftig mitzuwirken. Die verheerenden Folgen nationalsozialistischer Politik gerade für den Personenkreis der Behinderten waren offenbar bewusstseinsprägend für jene Sonderpädagogen der „ersten Stunde“, die wie Reinhold Dahlmann und Max Staubesand in Berlin maßgeblich am Aufbau des Sonderschulwesens in der sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR sowie an der Einführung eines Studienganges beteiligt waren. Denn nur zwei Jahre nach Kriegsende wurden Maßnahmen zur Ausbildung von Sonderpädagogen an den Universitäten von Berlin (1947/48) und Halle (1949) eingeleitet, die in Anknüpfung an Reformbestrebungen der Weimarer Republik für alle Gruppen von Sonderpädagogen als akademische Ausbildung konzipiert wurden. Zum Vergleich: In den westlichen Zonen begann erst 1960 an der Universität Marburg ein Studiengang für Sonderschulpädagogik. An diese Anfänge erinnerte die Ausstellung „Alles begann im Kleinen – das Studium der Sonderpädagogik an der Humboldt-Universität zu Berlin von 1945-1961“, die von Studierenden des Instituts für Rehabilitationswissenschaften im Rahmen eines Forschungsseminars zur Geschichte der Berliner Heilpädagogik konzipiert und Ende des Jahres präsentiert wurde.[mehr]

Raus in die Praxis mit prominenter Begleitung

Ein Mentoring-Programm bringt erfahrene Persönlichkeiten mit Studierenden zusammen

Was soll ich bloß nach meinem Studium machen? Will ich in der Wissenschaft bleiben oder lieber in einen ganz anderen Bereich? Zu welchem Thema soll ich meine Abschlussarbeit schreiben und ist das überhaupt wichtig für meine Bewerbungen nach dem Studium? Und vor allem, was ist mir dabei wichtig? Studierende am Ende des Studiums kennen diese Fragen zur Genüge, und nicht selten bringen sie diese leicht ins Schleudern und bisweilen zur Verzweiflung.
So haben wir drei Studentinnen der Gender Studies gedacht, dass sich daran etwas ändern sollte. Unser Traum war, dass es eine Institution gibt, die diese Fragen und Unsicherheiten ernst nimmt und uns dabei unterstützt, diese produktiv zu nutzen. Da es solch eine Unterstützung für Studierende bisher kaum gibt, haben wir diese selbst initiiert.


Katjas Ziele:
Die Idee war, Studierenden in der Abschlussphase eine erfahrene Person an die Seite zu stellen, die Lust hat, durch ihre Erfahrung und Kontakte mit ihrer oder ihrem Mentee deren Träume Schritt für Schritt zu verwirklichen. Als Rahmen dafür konnten wir mit dem Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien das erste Mentoring-Programm für Studierende dieser Art an der Humboldt-Universität ins Leben rufen: Das Mentoring-Programm „Gender goes Praxis“.
Im März 2007 ging es los: 15 Studierende der Gender Studies kamen zusammen, um ihre Wünsche für die berufliche Weiterentwicklung zu realisieren. Die Motivationen für die Teilnahme an dem Programm und die jeweiligen Ziele waren sehr unterschiedlich und vielfältig. Mentorinnen und Mentoren sind unter anderem: die Bundesministerin a.D. Christine Bergmann, die FHTW-Professorin Claudia Gather, die Vizepräsidentin der
Akademie der Künste Nele Hertling, der Politikberater Herbert Hönigsberger, die Journalistin Heide Oestreich sowie Henning von Bargen von der Heinrich Böll Stiftung.[mehr]


GESCHICHTE


Fürstliche Stifterin für die Medizin

Louise von Bose – eine bedeutende Mäzenin der Berliner Universität

Eine der 170 Büsten der Universität zeigt das Porträt der Louise Wilhelmine Gräfin von Bose. Im Jahre 1888, fünf Jahre nach ihrem Tod, wurde ihre Marmorbüste im Senatszimmer (Kleiner Senatssaal) der Universität aufgestellt.


Marmorbüste der Louise von Bose, geb. Gräfin von Reichenbach-Lessonitz (26.2.1813 – 3.10.1883) von Joseph von Kopf, 1880 1997 restauriert von Michael Spengler

Gemäß der „Massregel über die Aufstellung von Büsten und anderen Kunstdenkmälern“ von 1837 wurden Porträtbüsten zuerst im Senatszimmer und fünf Jahre nach dem Ableben des jeweiligen Wissenschaftlers und einer Befürwortung durch den Senat im Großen Hörsaal, der Aula, aufgestellt. Da Gräfin Bose keine Professorin war, verblieb ihre Büste vermutlich bis in die 1920er Jahre des 20. Jahrhunderts hinein im Kleinen Senatsaal. Während des Zweiten Weltkrieges wurde diese Büste mit anderen im Keller gelagert und erst 1997 restauriert und in den Arbeitsräumen der Kustodie aufgestellt.
Louise von Bose war keine Universitätsangehörige, aber sie hinterließ der Berliner Universität eine Stiftung mit 733.500 Mark. Aus den Erlösen sollten und wurden vor allem medizinische Studien, insbesondere durch Stipendien für Medizinstudenten und durch Reisestipendien für an der Universität tätige Mediziner, gefördert.
Zu Beginn jedes Semesters wurden dieStudierendenden seit 1888 zur Bewerbung für dieses Stipendium – 600 Mark im Jahr – aufgefordert. Das Reise-Stipendium für ein halbes Jahr betrug 1.500 Mark. Es war viel Geld, das den Universitätsangehörigen durch die Stiftung zur Verfügung gestellt wurde. Zum Vergleich: Das Jahresgehalt eines Berliner Maurers um 1895 betrug ca. 1.000 Mark.
Ende des 19. Jahrhunderts, als die Berliner Alma mater zu den weltweit angesehensten Universitäten zählte, profitierte sie auch noch von anderen privaten Stiftungen. Die Vergabe der Stipendien wurde jährlich in der „Chronik der Königlichen Friedrich-Wilhelms-Universität“ veröffentlicht. 1897 waren es 42 verschiedene Stipendien- und Stiftungsfonds mit insgesamt 106 Stipendien, an denen die 24 jährlichen Bose-Stipendien den größten Anteil hatten. Die letzten Beihilfen wurden 1944 angewiesen.
Gräfin Bose förderte jedoch nicht erst testamentarisch, sondern schon zu Lebzeiten nachhaltig Wissenschaft und Kultur. Als illegitime Tochter des Kurfürsten Wilhelm II. von Hessen verfügte sie über reichliche monetäre Mittel. Sie wurde am 26. Februar 1813 in Berlin geboren.
Ihre Mutter, Emilie Ortlepp, Tochter eines Berliner Goldschmieds, war seit 1812 die Geliebte des Kurfürsten, der sie 1821 als Gräfin Reichenbach in den Adelsstand erhob und 1841 ehelichte. 1843 starb die Mutter und hinterließ ihren acht Kindern, von denen Louise das älteste war, ein geschätztes Vermögen von 48 Millionen Mark.[mehr]

 


CAMPUS


Wunderforschung

Eine Sonderausstellung im Museum für Naturkunde zeigt die Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft

Wissenschaft und Wunder sind nicht einfach entgegengesetzt. Immer wieder bildet Erstaunen auch die Voraussetzung von Erkenntnis. Die Geschichte der Wissenschaft ist geprägt durch Wesen wie Einhörner, Fliegende Fische oder Monster,Gegenstände wie Roboter, Talismane oder Kristalle, Orte wie Atlantis, Galapagos oder Utopia.


Wunder schön: Manchmal
sind die kleinen Wunder
des Alltags die schönsten.

Im Comenius-Garten in Berlin-Neukölln haben Künstler, Wissenschaftler und Kinder monatelang Wunder erforscht. Nun präsentieren sie das Ergebnis. Sichtbar wird in der Sonderausstellung sowohl die Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft als auch der kulturelle Reichtum eines Migrantenviertels. Zugleich aber bleiben Fragen offen: Wann sollten wir jemandem glauben, wann zweifeln? Woher kann man wissen, ob etwas in der Vergangenheit wirklich geschehen ist? Und gibtes für alles, was geschieht, immer eine richtige Erklärung?
Vormittags ist die Ausstellung für angemeldete Gruppen geöffnet. Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren werden dann selbst Entdecker, Forscher und Erfinder. Sie erleben in Kleingruppen spielerisch die Angebote und forschen mit Wissenschaftlern auf gleicher Augenhöhe. Die Ergebnisse werden festgehalten, sind am Nachmittag in der Ausstellung zu sehen und anschließend auf der Website. Eine Wundertüte für Lehrer gibt die Möglichkeit, das Thema im Unterricht nochmals aufzugreifen. Nachmittags ist die Ausstellung dem allgemeinen Publikum zugänglich.
Hinter sechs verschiedenen Türen verbergen sich: Wunder und Erkenntnis, Wunder in der Natur, Wunder und Kunst, Wunderliche Orte, Wunder im Leben, Wunder und Glauben. Finanziert vom Hauptstadtkulturfonds.[mehr]

Neu erschienen:

Aus der Halbdistanz
Stefan Krankenhagen, Birger Schmidt (Hg.)
Aus der Halbdistanz –
Fußballbiographien
und Fußballkulturen heute
Lit Verlag Münster, 2007
ISBN 978-3-8258-0194-6
184 S., 14,90 Euro

Nicht erst seit der WM 2006 hat sich Fußball zu einem voll akzeptierten und etablierten Teil des gesellschaftlichen Lebens entwickelt. In einem Studienprojekt am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität nahmen sich Studierende aus unterschiedlichen Fachbereichen des Themas an. Die Autoren beschäftigen sich mit aktuellen Themen wie Repräsentation, Konflikt, Migration oder Körperbildern. Als reizvoll erweist sich, dass sie sich für ihre Forschungen an Orte abseits der etablierten Fußball- und Fankultur begaben. So kommen auch indische ManU-Fans aus Calcutta, Nachwuchsspieler aus dem Internat von Hertha BSC oder Fans des Serienmeisters der DDR-Oberliga zu Wort.

Wissenschaft kommunizieren
Tagungsband
Wissenschaft kommunizieren.
Die Rolle der Universitäten
Hrsg. Anita Hermannstädter, Michael Sonnabend,
Cornelia Weber
Edition Stifterverband
Essen 2008, 19,90 Euro
ISBN-10:3-922275-22-2

23 Referentinnen und Referenten diskutierten im April vergangenen Jahres mit 240 weiteren Interessierten in der Akademie der Wissenschaften über die Rolle der Universitäten auf dem Gebiet der Wissenschaftskommunikation. Eingeladen waren Experten aus den Bereichen Wissenschaft und Medien, die theoretisches Wissen und praktische Erfahrungen im Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft präsentierten. Veranstaltet wurde die Tagung vom Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik der Humboldt-Universität, Wissenschaft im Dialog und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Wer die Veranstaltung verpasst hat, kann die Ergebnisse im jetzt vorliegenden Tagungsband nachlesen. Die Publikation „Wissenschaft kommunizieren. Die Rolle der Universitäten“ ist in der Edition Stifterverband erschienen und im Buchhandel zu beziehen. 50 kostenfreie Exemplare liegen zur Abholung im Sekretariat des Helmholtz-Zentrums, Hauptgebäude, Raum 3032, bereit.[mehr]


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