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Das Sachbuch ist im Laufe des 20. Jahrhunderts zu einem der wichtigsten Medien geworden, mit dem sich die Wissensgesellschaft breiten- und tiefenwirksam auf dem Laufenden hält. Im Sachbuch werden fortlaufend die "großen Erzählungen" über die politische, biologische, ästhetische, moralische, wirtschaftliche, religiöse, psychologische, ökologische Entwicklung der Kultur geschrieben. Sachbücher nehmen dafür wie kaum ein anderes Medium den Zeitgeist auf. Und gerade weil sie sich nicht an die Fachleser wenden, sondern Wissen popularisieren, prägen sie die Zeit, in der sie gelesen werden, auf entscheidende Weise mit.

Allerdings gibt es nicht das Sachbuch. Als Erfolgsmedium hat es ein äußerst breites Spektrum an Schreibweisen und eine Vielfalt an Formen ausgebildet, die selbst wiederum nichts weniger als den Zeitgeist verkörpern und Auskunft über den jeweiligen kulturellen Stand der Dinge geben.

Eigenartig ist, dass das Sachbuch trotz dieses Erfolgs ein Schattendasein führt. Für die Kultur-, Medien- und Geisteswissenschaften spielt es bis heute allenfalls Nebenrollen. Beschäftigt wird sich mit dem Sachbuch weder im Hinblick auf seine kulturelle Prägekraft noch im Hinblick die Möglichkeiten, aktuelle Forschungsergebnisse in Umlauf zu bringen. Kulturwissenschaftliche und wissensgeschichtliche Untersuchungen widmen sich stattdessen lieber den etablierten Gegenständen: der akademisch legitimierten Wissenschaft, der avancierten Theoriebildung und nicht zuletzt der echten Literatur. Das Sachbuch erscheint aus dieser Perspektive als minderwertiges, unverlässliches Hybrid- oder Bastardmedium, mit dem sich nicht recht arbeiten lässt und von dem man sich keine Erkenntnisse verspricht.

Unser universitätsübergreifendes, kultur-, literatur- und medienwissenschaftlich ausgerichtetes Forschungsprojekt rückt genau diese Hybridität als Grundlage der Produktivität des Sachbuchs in den Mittelpunkt. Getragen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Hildesheim und der Humboldt-Universität zu Berlin, unterstützt von Praktikerinnen und Praktikern in Verlagen, im Buchhandel und in den Redaktionen werden hier die bisherigen und die aktuellen Forschungen zum Sachbuch vernetzt. Hier werden die Literaturgeschichten des Sachbuchs rekonstruiert. Und nicht zuletzt wird hier die Grundlage für eine empirische Forschung zur Geschichte, Theorie und Schreibpraxis des Sachbuchs gelegt.

Auf den Seiten von www.sachbuchforschung.de verfolgen wir kontinuierlich neueste Entwicklungen auf dem Sachbuchmarkt. Wir untersuchen neueste Schreibweisen im Bereich der Non Fiktion. Wir publizieren "Arbeitsblätter zur Sachbuchforschung", um die bisherige Forschung zu dokumentieren und neue Ergebnisse vorzustellen. Und wir publizieren mit "Non Fiktion", dem "Arsenal der anderen Gattungen" eine Print-Zeitschrift, in der wir uns auf größere Themenzusammenhänge konzentrieren.

Das Forschungsprojekt wurde zwischen 2005 und 2008 von der Thyssen-Stiftung gefördert.