DFG-Schwerpunktprogramm 1173 „Integration und Desintegration der Kulturen im europäischen Mittelalter“

Aus SPP 1173

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Von 2005 bis 2012 förderte die Deutsche Forschungsgemeinschaft das Schwerpunkt­programm 1173 "Integration und Desintegration der Kulturen im europäischen Mittelalter". Dieser Forschungsverbund war durch die Einsicht angeregt worden, dass Europa zu keinem Zeitpunkt seiner Geschichte eine Einheitskultur gewesen ist. Auch das Mittelalter wird keineswegs als eine rein christliche Epoche begriffen, sondern vielmehr als eine Zeit intensiver Kontakte zwischen religiös geprägten Zivilisationen, die ihre Identität in unaufhörlichen Prozessen der Integration und Desintegration modifizierten, schärften und überhaupt erst hervorbrachten.

Diese vielfältigen Interaktionen lassen sich innerhalb der Grenzen einzelner historischer Disziplinen nicht erforschen, sondern erfordern vielmehr eine trans­disziplinäre Zusammenarbeit. Deshalb vereinigte das Schwerpunktprogramm über 20 Einzelprojekte von 16 deutschen Universitäten aus 14 verschiedenen Disziplinen, unter anderem Kunstgeschichte und Mittelalterliche Geschichte, Germanistik, Mittel­lateinische Philologie, Arabistik, Philosophie, Theologie, Byzantinistik und Judaistik. Die an zahlreichen deutschen Universitäten ansässigen Einzel­projekte wurden durch die beiden Sprecher des Schwerpunkt­programms, Prof. Dr. Michael Borgolte (Humboldt-Universität zu Berlin) und Prof. Dr. Bernd Schneidmüller (Universität Heidelberg), koordiniert. An beiden Universitäten waren eine junge Forscherin und ein junger Forscher als KoordinatorInnen tätig und nahmen mit eigenen Projekten am Schwerpunkt­programm teil.

Dem Forschungsanliegen wurde methodisch und organisatorisch Rechnung getragen, indem die fächerübergreifende Zusammenarbeit bei der Bearbeitung transkultureller Fragestellungen durch die Bildung interdisziplinär zusammengesetzter Arbeitsgruppen und durch kollaborativ erstellte Publikationen auf eine neue Ebene gehoben wurde. Die Projektbearbeiterinnen und -bearbeiter forschten deshalb nicht nur zu ihren eigenen Spezialthemen, sondern fanden sich in regelmäßigen Abständen zu transdisziplinären Arbeitstreffen zusammen, um die innerhalb des Schwerpunktprogramms versammelte Fächer- und Themenvielfalt für disziplinenübergreifende Forschungen zu nutzen. Die Einzelprojekte des Schwerpunkt­programms waren in seiner zweiten Arbeitsphase in sieben Arbeits­gruppen von maximal vier Personen und mindestens zwei Disziplinen organisiert, die jeweils einen selbst­gewählten Aspekt trans­kultureller Integrations- und Desintegrationsprozesse untersuchten und dabei die Fächergrenzen konventioneller wissenschaftlicher Praxis überschritten. Die Ergebnisse ihrer Arbeit legten die Mitglieder des Schwerpunkt­programms im Jahr 2011 in einer gemeinsamen Publikation vor, deren Online-Fassung auf diesen Seiten präsentiert wird (Integration und Desintegration der Kulturen im europäischen Mittelalter. Berlin 2011). Ebenfalls auf diesen Seiten einsehbar ist die Online-Fassung des bereits im Jahr 2008 unter dem Titel "Mittelalter im Labor. Die Mediävistik testet Wege zu einer trans­kulturellen Europa­wissenschaft" erschienenen ersten Ergebnis­bandes, in dem neben den Forschungs­erträgen der ersten Arbeitsphase auch die praktischen Erfahrungen mit der trans­disziplinären Kooperation dargelegt wurden. Er wurde im Frühjahr 2008 auf einer International Spring School präsentiert, deren Vorträge und Workshops in dem Band "Hybride Kulturen im europäischen Mittelalter" (Berlin 2009) vorgestellt wurden. Im Mai 2011 wurde mit der Tagung "Das Europäische Mittelalter im Geflecht der Welt. Integrative und desintegrative Effekte von Migrationen" die gemeinsame wissenschaftliche Arbeit im SPP zugleich abgeschlossen und für ein neues Problem- und Forschungsfeld geöffnet. Die Ergebnisse dieser Tagung wurden 2012 in einem letzten Sammelband unter dem Titel "Europa im Geflecht der Welt" publiziert.

Informationen zur kollaborativen Arbeitsweise des Schwerpunktprogramms und zur technischen Entwicklung des Online-Schreibprogramm SPPedia in Kooperation mit dem Computer- und Medienservice CMS) und der Historischen Fachinformatik der Humboldt-Universität zu Berlin finden Sie in dem Artikel „Mediävistik trifft Technik“ der Zeitschrift humboldt spektrum.

Weitere Informationen erhalten Sie im Impressum sowie auf der Homepage des SPP 1173.

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