IV.5.2 Missverständnisse und Gewaltvermeidung im europäischen Norden

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Mittelalter im Labor
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ISBN 978-3-05-004373-9
Akademie Verlag

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Das folgende Quellenbeispiel entstammt der ‚Haralds saga ins hárfagra‘ („Geschichte des Harald Schönhaar“).[299] Diese wurde neben fünfzehn anderen Sagas in der um 1230 verfassten ‚Heimskringla‘ („Erdkreis“) des Isländers Snorri Sturluson tradiert.[300] Hierbei handelt es sich um eine geschichtliche Darstellung des norwegischen Königtums von der mythischen Vorzeit bis in das Jahr 1177. Die hier zitierte Episode vom Machtstreit zwischen dem englischen König Æthelstan (ca. 894–939) und dem norwegischen Herrscher Haraldr hárfagri (gest. ca. 930) ist nicht nur in Snorris Werk, sondern auch in der sogenannten ‚Fagrskinna‘ („Schönes Pergament“) überliefert.[301] Obwohl das Verhältnis zwischen ‚Fagrskinna‘ und ‚Heimskringla‘ umstritten ist, gibt es Indizien dafür, dass Snorri das wenig ältere Werk kannte und es als Vorlage nutzte.[302]

Aðalsteinn hét þá konungr í Englandi, er þá hafði nýtekit við konungdómi. Hann var kallaðr inn sigrsæli ok inn trúfasti. Hann sendi menn til Nóregs á fund Haralds konungs með þess konar sending, at sendimaðr gekk fyrir konung, hann selr konungi sverð gullbúit með hjöltum ok meðalkafla, ok öll umgerð var búin með gulli ok silfri ok sett dýrligum gimsteinum. Helt sendimaðrinn sverðshjöltunum til konungsins ok mælti: „Hér er sverð, er Aðalsteinn konungr mælti, at þú skyldir við taka.“ Tók konungr meðalkaflann, ok þegar mælti sendimaðrinn: „Nú tóktu svá sem várr konungr vildi ok nú skaltu vera þegn hans, er þú tókt við sverði hans.“ Haraldr konungr skilði nú, at þetta var með spotti gört, en hann vildi enskis manns þegn vera, en þó minntisk hann þess, sem hans háttr var, at hvert sinn er skjót œði eða reiði hljóp á hann, at hann stillti sik fyrst ok lét svá renna af sér reiðina ok leit á sakar óreiðr. Nú gerir hann enn svá ok bar þetta fyrir vini sína, ok finna þeir allir saman hér ráð til, þat it fyrsta at láta sendimenn heim fara óspillta.
Annat sumar eptir sendi Haraldr konungr skip vestr til Englands ok fekk til stýrimann Hauk hábrók. Hann var kappi mikill ok inn kærsti konungi. Hann fekk í hönd honum Hákon, son sinn. Haukr fór þá vestr til Englands á fund Aðalsteins konungs ok fann hann í Lundúnum. Þar var þá boð fyrir ok veizla virðilig. Haukr segir sínum mönnum, þá er þeir koma at höllinni, hvernug þeir skulu hátta inngöngunni, segir, at sá skal síðast út ganga, er fyrstr gengr inn, ok allir standa jafnfram fyrir borðinu ok hverr þeira hafa sverð á vinstri hlið ok festa svá yfirhöfnina, at eigi sé sverðit. Síðan ganga þeir inn í höllina. Þeir váru þrír tigir manna. Gekk Haukr fyrir konung ok kvaddi hann. Konungr biðr hann velkominn. Þá tók Haukr sveininn Hákon ok setr á kné Aðalsteini konungi. Konungr sér á sveininn ok spyrr Hauk, hví hann ferr svá. Haukr svarar: „Haraldr konungr bað þik fóstra honum ambáttarbarn.“ Konungr varð reiðr mjök ok greip til sverðs, er var hjá honum, ok brá, svá sem hann vildi drepa sveininn. „Knésett hefir þú hann nú,“ segir Haukr. „Nú máttu myrða hann, ef þú vill, en ekki mantu með því eyða öllum sonum Haralds konungs.“ Gekk Haukr síðan út ok allir hans menn ok fara leið sína til skips ok halda í haf, er þeir eru at því búnir, ok kómu aptr til Noregs á fund Haralds konungs, ok líkaði honum nú vel, því at þat er mál manna, at sá væri ótígnari, er öðrum fóstraði barn. Í þvílíkum viðskiptum konunga fannsk þat, at hvárr þeira vildi vera meiri en annarr, ok varð ekki misdeili tígnar þeira at heldr fyrir þessar sakir. Hvárrtveggi var yfirkonungr síns ríkis til dauðadags.
„Aðalsteinn hieß damals ein König in England, der hatte da unlängst die Königsherrschaft übernommen. Er wurde ‚der Siegreiche‘ und ‚der Glaubensstarke‘ genannt. Er sandte Männer nach Norwegen zu König Haraldr mit einem Geschenk der Art, dass der Abgesandte vor den König trat, dem König ein goldbesetztes Schwert mit Parierstange und Knauf gibt und die ganze Scheide war mit Gold und Silber verziert und mit prächtigen Edelsteinen besetzt. Der Bote hielt den Schwertgriff zum König und sagte: ‚Hier ist ein Schwert, dass du, wie König Aðalsteinn sagte, entgegennehmen solltest.‘ Der König ergriff den Schwertgriff, und darauf sagte der Abgesandte: ‚Jetzt packtest du [das Schwert] so wie unser König es wollte und jetzt sollst du sein Gefolgsmann sein, weil du sein Schwert annahmst.‘ König Haraldr erkannte jetzt, dass dies zu seinem Spott getan worden war, und er wollte keines Mannes Untertan sein, aber er erinnerte sich daran, wie es seine Art war, dass er jedes Mal, wenn plötzliche Wut oder Zorn ihn ergriff, sich zuerst beruhigte und den Zorn von sich weichen ließ und die Sache ohne Erregung betrachtete. Das macht er auch diesmal so und trug die Angelegenheit seinem Freund vor und sie finden alle zusammen hierauf einen guten Rat, den zu allererst, die Abgesandten unbeschadet heimziehen zu lassen.
Im folgenden Sommer sandte König Haraldr ein Schiff westwärts nach England und machte Haukr hábrók[303] zum Schiffsführer. Er war ein großer Kämpfer und beim König äußerst beliebt. Er übergab ihm Hákon, seinen Sohn. Haukr fuhr dann westwärts nach England zu König Aðalsteinn und traf ihn in London. Dort fand gerade ein Fest und ein großes Gelage statt. Als sie zu der Halle kommen, sagt Haukr seinen Männern, wie sie beim Hineingehen verfahren sollen, er sagt, dass der zuletzt hinausgehen solle, der zuerst hineingeht, und alle sollen nebeneinander vor der Tafel stehen und jeder von ihnen soll ein Schwert auf der linken Seite haben und so den Mantel festmachen, dass man das Schwert nicht sieht. Dann gehen sie in die Halle. Sie waren 30 Männer. Haukr trat vor den König und begrüßte ihn. Der König heißt ihn willkommen. Da nahm Haukr den Jungen Hákon und setzt [ihn] dem König Aðalsteinn aufs Knie. Der König betrachtet den Jungen und fragt Haukr, warum er so verfährt. Haukr antwortet: ‚König Haraldr bat dich, für ihn das Kind einer Magd aufzuziehen.‘ Der König wurde sehr wütend und griff nach einem Schwert, das neben ihm lag, zog und schwang es, als ob er den Knaben erschlagen wollte. ‚Du hast ihn nun auf deinem Knie sitzen gehabt,‘ sagt Haukr. ‚Nun kannst du ihn töten, wenn du willst, aber du wirst dadurch nicht alle Söhne des Königs Haraldr vernichten können.‘ Hiernach ging Haukr hinaus und ebenso auch alle seine Männer und sie machen sich auf den Weg zum Schiff und stechen in See, als sie dazu bereit sind, und sie kamen zurück nach Norwegen zu König Haraldr, und er war sehr zufrieden, denn es ist der Menschen Meinung, dass der von niedrigerem Stand wäre, der für andere Kinder groß zog. In derartigen Zusammentreffen der Könige schien es, dass jeder von ihnen größer sein wollte als der andere, und es ergab sich dessen ungeachtet zwischen ihnen dennoch kein Unterschied des Ranges. Jeder von beiden war Oberkönig seines Herrschaftsbereiches bis zum Todestag.“[304]

Die ‚Haralds saga ins hárfagra‘ beschreibt den Verlauf einer Debatte zwischen dem englischen und dem norwegischen Herrscher, in dem beide Gesprächspartner bemüht sind, ihre königliche Machtstellung gegenüber dem anderen zu behaupten. Als eine Wiedergabe tatsächlicher historischer Ereignisse der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts ist diese Schilderung jedoch nicht zu verstehen. Vielmehr handelt es sich um eine später konstruierte, fiktive Darstellung.[305] Allerdings ermöglicht die Episode durchaus einen Einblick in Strategien der Konfliktbewältigung, wie sie im Skandinavien des 13. Jahrhunderts üblich waren.[306] Auslöser des Disputes ist ein Missverständnis. Haraldr nimmt das Schwert, das Æthelstan ihm schickt, entgegen, ohne zu wissen, dass er damit aus englischer Perspektive zu dessen Gefolgsmann (þegn) und Schwertträger (sverðtakare) wird.[307] Da er nicht bereit ist, den mit dieser Geste verbundenen Rang- und Ehrverlust zu tolerieren, bleiben ihm zwei Möglichkeiten der Reaktion: entweder auf gleicher, also symbolischer Ebene eine friedliche Lösung des Konfliktes zu suchen oder eine gewaltsame Eskalation zu provozieren. Statt seinem anfänglichen Zorn nachzugeben, beruhigt er sich und berät sich mit seinen Vertrauten über das weitere Vorgehen in dieser Angelegenheit.[308] Man entschließt sich, die englischen Gesandten unbeschadet ziehen zu lassen, um eine Eskalation der Situation zu verhindern.[309] Die gesamten weiteren Unternehmungen Haralds verfolgen das Ziel, für den erlittenen Ehrverlust Genugtuung (satisfactio) zu erlangen und so den status quo ante, nämlich die Autarkie der eigenen Herrschaft, wieder herzustellen.[310] Dabei steht der Versuch im Vordergrund, den Streit friedlich zu beenden und eine Gewaltanwendung zu vermeiden.[311] Durch die Geste der Kniesetzung, deren Bedeutung Æthelstan ebenso unbekannt ist wie Haraldr die der rituellen Schwertübergabe, erfährt auch der englische König eine Rangerniedrigung.[312] Das Risiko dieses Unternehmens ist den norwegischen Gesandten dabei durchaus bewusst. Man rechnet jederzeit mit einer kämpferischen Auseinandersetzung, was sich darin äußert, dass alle Norweger bewaffnet sind.[313] Als Æthelstan beabsichtigt, den Sohn des norwegischen Königs zu töten, um Genugtuung für die ihm zugefügte Ehrverletzung zu erlangen, reagieren die Männer Haralds mit einer Drohung, dem letzten Mittel, eine gewaltsame Beendigung des Disputes zu vermeiden.[314] Æthelstan lässt von seinem Vorhaben ab und verhindert so eine Fehde mit dem norwegischen Königshaus.[315]

Wie die ‚Haralds saga ins hárfagra‘ der ‚Heimskringla‘ betont, wollen beide Könige „größer sein als der andere“ (vera meiri en annarr).[316] Da aber jeder von ihnen einen vergleichbaren Rangverlust hinnehmen muss, ergibt sich am Ende kein „Rangunterschied“ (misdeili tígnar) zwischen ihnen. Dies ermöglicht beiden Parteien, den Disput friedlich und ohne Gesichtsverlust zu beenden und die autonome Machtstellung als Oberkönig (yfirkonungr) ihres jeweiligen Reiches zu wahren.

Sowohl der Verfasser der ‚Fagrskinna‘ als auch Snorri Sturluson verfolgten mit der Aufnahme der Æthelstan-Haraldr-Episode in ihr jeweiliges Werk sicher das Ziel, aus der Rückschau des 13. Jahrhunderts die Macht des ersten norwegischen Alleinherrschers Haraldr hárfagri mit der des englischen Königs, der sich selbst auf Münzen und in Urkunden als Rex totius Britanniae bezeichnete,[317] gleichzusetzen. Ebenso wichtig scheint es gewesen zu sein, eine Erklärung dafür zu konstruieren, warum die Herrschaft von Hákon góði Aðalsteinsfóstri (dt. „Hákon der Gute Æthelstansziehsohn“), der als christlicher König den ersten großen Christianisierungsversuch der Norweger unternommen haben soll, trotz seiner Erziehung am englischen Hof als eine von England unabhängige zu verstehen war.[318]

Heiko Hiltmann



  1. Haralds saga 38f., 143–145. Der übergangslose Tempuswechsel zwischen Vergangenheitsformen und Gegenwart in der folgenden Übersetzung mag möglicherweise überraschend und inkonsequent erscheinen. Im Altnordischen sind derartige Wechsel hingegen üblich. An dieser Stelle sei ebenfalls darauf verwiesen, dass das in den Editionen verwendete altnordische Schriftzeichen für das ‚dumpfe o‘ (Labialisierung von a und á durch u [u-Umlaut]) aufgrund grafischer Darstellungsprobleme in diesem Beitrag nicht in seiner ursprünglichen Schreibweise wiedergegeben werden konnte. Es wurde durch Neuisländisch „ö“ ersetzt.
  2. Da keine mittelalterliche Quelle Snorri Sturluson explizit als Verfasser der ‚Heimskringla‘ nennt, wurde dessen Autorschaft gelegentlich angezweifelt. In der jüngeren Forschung herrscht jedoch weitgehend Konsens darüber, dass es sich bei der ‚Heimskringla‘ um das Werk Snorris handelt. Die umfangreichste jüngere Arbeit hierzu stammt von Bagge, Society (1991).
  3. Bagge, Hero (2004), 191. Auch die um 1220 entstandene ‚Fagrskinna‘ behandelt die Geschichte der norwegischen Könige. Sie umfasst jedoch lediglich einen Zeitraum von rund dreihundert Jahren, von der Zeit des Königs Hálfdan svarti („Hálfdan der Schwarze“) im 9. Jahrhundert bis zum Jahr 1177 in der Regierungszeit König Magnús Erlingssons. Vgl. Fagrskinna. Ed. Jónsson 3, 20–23; vgl. engl. Übersetzung: Fagrskinna. Ed. Finlay, 52–54.
  4. Whaley, Heimskringla (1999), 242f.; Haraldsdóttir, Fagrskinna (1994), 148; 150.
  5. Hábrók, dt. „Hochhose“.
  6. Soweit nicht anders angegeben, stammt die Übersetzung im gesamten Kapitel vom Verfasser.
  7. Möglicherweise wurde die Episode von dem Verfasser der ‚Fagrskinna‘ erfunden oder aus einer seiner Vorlagen übernommen. Eine Autorschaft Snorris ist unwahrscheinlich, da die Darstellung der ‚Heimskringla‘ sich vermutlich auf die ‚Fagrskinna‘ bezog. Vgl. Bagge, Hero (2004), 191.
  8. Hierbei zeigen sich erstaunliche Parallelen zu den Regeln der Gewaltanwendung, wie sie Gerd Althoff für Fehden innerhalb der christlichen Adelsgesellschaft feststellte. Vgl. Althoff, Regeln (1998), 154–170.
  9. Zur Vorstellung, dass das Ergreifen eines fremden Schwertes die Unterordnung unter dessen Besitzer symbolisiere vgl. Eickels, Konsens (2002), 339f., Anm. 156; Doublier, Formalakte (1901), 257. Der Begriff sverðtakari findet explizit nur in der ‚Fagrskinna‘ Erwähnung. Nachdem Haraldr das Schwert angenommen hat, teilt der Gesandte Æthelstans ihm Folgendes mit: „Und jetzt sollst Du dessen [Æthelstans] Gefolgsmann und Schwertnehmer [Schwertträger] sein“ (oc skalltu nu vera þegn hans oc sverðtakare [Fagrskinna. Ed. Jónsson 3, 20]). Die ‚Haralds saga ins hárfagra‘ der ‚Heimskringla‘ verwendet lediglich die Bezeichnung þegn.
  10. Bei Althoff heißt es, dass derartige Beratungen die Funktion hatten, „zu prüfen, ob die Anwendung von Gewalt wirklich unabweisbar war“ (Althoff, Regeln [1998], 159).
  11. In der Version der ‚Fagrskinna‘ fragt Haraldr „seine Ratgeber“ (spækinga sina), „ob er die Boten erschlagen oder den König auf eine andere Art beschämen sollte“ (hvart drepa skylldi sendimannen eða næisa konong a aðra lund). Gemeinsam kommen sie zu dem Schluss, dass es nicht königlich (kononglegt) sei, die Boten eines anderen Königs zu töten, weshalb man dem norwegischen König rät, „auf Handlung Handlung und auf Wort Wort folgen zu lassen“ (at lata coma rað raðe i mote oc orð orðe [Fagrskinna. Ed. Jónsson 3, 20f.]).
  12. Vgl. Althoff, Regeln (1998), 160; 163; 168.
  13. Laut Althoff dienten die Regeln mittelalterlicher Fehdeführung vorrangig dem Zweck, „Gewaltanwendung zu begrenzen, Eskalationen zu erschweren und Bemühungen um die Wiederherstellung des Friedens zu befördern“ (Althoff, Regeln [1998], 156).
  14. Lediglich die in der ‚Fagrskinna‘ überlieferte Version der Erzählung macht deutlich, dass Æthelstan über die Bedeutung der symbolischen Kniesetzung durch Haukr, den Gesandten des norwegischen Königs, aufgeklärt wird: Fagrskinna. Ed. Jónsson 3, 22. Allerdings berichten sowohl ‚Fagrskinna‘ als auch ‚Heimskringla‘ davon, dass die Norweger den englischen König darüber in Kenntnis setzen, dass Hákon ein Sohn König Haralds sei, den dieser mit einer Magd (ambátt) namens Þóra hatte. Allein der Umstand, dass von Æthelstan verlangt wird, den Sohn einer Magd als Ziehsohn anzuerkennen und aufzuziehen, verdeutlicht die Rang erniedrigende und entehrende Funktion dieser Geste, durch die sich der englische König dem norwegischen König unterordnen soll. So fragt Æthelstan nach erfolgter Kniesetzung: „Warum würde ich ein Kind für Haraldr aufziehen. Auch wenn es das Kind seiner Frau wäre. Aber noch viel weniger das einer Magd“ (hvi minda ec fœða Harallde barn. þo at þat være æigin cono barn. en holfu siðr ambotar barn [Fagrskinna. Ed. Jónsson 3, 22]). Bei Bagge heißt es dazu: „Athalstan’s humiliation would have been less if Tora were a highborn lady“ (Bagge, Hero [2004], 192). Anders als die ‚Fagrskinna‘ fügt die ‚Heimskringla‘ noch die Information hinzu, dass Þóra mit dem mächtigsten Geschlecht Westnorwegens verwandt sei. Zu dieser ungewöhnlich wirkenden Kombination aus aristokratischer Abstammung und unfreiem Stand vgl. Bagge, Hero (2004), 191–193.
  15. Um eine offene Provokation zu vermeiden, trägt man die Schwerter verdeckt. Die Positionierung der Waffen auf der linken Seite ermöglicht es dabei, die Klinge jederzeit mit der rechten Hand, dem üblichen Schwertarm, zu ziehen und so direkt auf einen Angriff reagieren zu können.
  16. Althoff betont, dass derartige Drohgebärden in der mittelalterlichen Fehdeführung „den Gegner zum Nachgeben und Einlenken aufforderten. Vor wirklicher Gewaltanwendung stand also eine Phase ihrer Androhung, in der man sehr genau die Risiken der Eskalation abschätzen konnte“ (Althoff, Regeln [1998], 158).
  17. Sowohl in der ‚Fagrskinna‘ als auch in der ‚Heimskringla‘ betont Haukr, der Bote des norwegischen Königs, dass Æthelstan die Rache des norwegischen Königs und seiner Gefolgsleute zu befürchten habe, falls er den jungen Hákon töte. Fagrskinna. Ed. Jónsson 3, 22; Haralds saga 39, 145.
  18. Haralds saga 39, 145; vgl. Fagrskinna. Ed. Jónsson 3, 23.
  19. Brooks, Æthelstan (1980), 189f.
  20. Vgl. Krause, Hákon (1999).
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