Maria Seidl

Maria Seidl

Ausführlicher Lebenslauf
Preise und Stipendien

Dissertationsprojekt
Der Intellekt in Pierre Gassendis materialistischer Philosophie


Kontakt



Der Intellekt in Pierre Gassendis materialistischer Philosophie

Das Projekt beschäftigt sich in historischer und systematischer Hinsicht mit der Philosophie Pierre Gassendis, insbesondere mit seiner Auffassung von abstraktem Wissen und der Frage ob und wie die Spannung aufzulösen ist, die zwischen Gassendis materialistischer, atomisti-scher Weltsicht und seiner Annahme eines immateriellen Geistes zu bestehen scheint.

Gassendi war sowohl Materialist als auch uneingeschränkter Empirist. Nicht nur beruht alles Wissen über physikalische Gegenstände auf Sinneseindrücken, auch Universalien und ma-thematische Gegenstände sind von diesen Sinneseindrücken abstrahiert. Das heißt, es gibt weder eingeborene Begriffe noch abstrakte Gegenstände, von denen wir auf einem bestimm-ten Weg Wissen erlangen können. Diese Konzeption soll in dem Projekt genauer betrachtet werden. Dazu muss unter anderem geklärt werden, was für eine Theorie von Ideen Gassendi vertritt. In Bezug auf abstraktes Wissen stellt sich zunächst die Frage ob Gassendi bestimmte Vorstellungen davon hat, wie der Abstraktionsprozess verläuft. Da die Abstraktion seiner Auffassung nach viel leisten muss, scheint es notwendig, dass er diesen Prozess erklärt. Schließlich soll untersucht werden, ob eine solche empiristische Auffassung abstrakten Wis-sens, insbesondere mathematischen Wissens überzeugen kann.

Aus Gassendis Empirismus folgt ein gemäßigter Skeptizismus; das heißt, er behauptet nicht, dass Wissen unmöglich ist, es ergeben sich aber aus seinem Empirismus bestimmte Grenzen unseres Wissens. Eine Arbeitshypothese dieses Projekts ist, dass Gassendis Atomismus als Schluss auf die beste Erklärung aufzufassen ist. Da uns die Dinge immer irgendwie erschei-nen und wir ihr Wesen nie erfassen können, kann auch nicht bewiesen werden, dass sie aus Atomen als kleinsten Teilchen bestehen. Diese Annahme erklärt aber die Erscheinungen, die wir haben, besser als andere. Gassendi wäre damit keineswegs darauf festgelegt, dass es in der Welt außer Atomen nichts gibt (tatsächlich könnte er einer solchen Folgerung nicht zustim-men, da er die Existenz Gottes nicht anzweifelt, der nicht aus Atomen besteht). Er nimmt an, dass es Atome mit bestimmten Eigenschaften gibt, da damit unsere Sinneseindrücke gut er-klärbar sind.

Es scheint, dass sich mit dieser Annahme auch die Auffassung verbinden lässt, dass die Seele immateriell ist. Denn auch Wissen über unseren Geist läge dann außerhalb unserer Möglich-keiten und es wäre uns nicht möglich mit Sicherheit zu erkennen, was genau der Geist ist und wie seine Fähigkeiten zu erklären sind. Gassendi könnte also ohne Widerspruch die Seele als immateriell ansehen, diese Annahme hätte allerdings keinerlei explanatorische Kraft.