Dominik Perler

Prof. Dr. Dominik Perler

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Projekt:
Transformationen der Gefühle Emotionstheorien in der frühen Neuzeit


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Transformationen der Gefühle

Emotionstheorien in der frühen Neuzeit

Emotionen scheinen auf den ersten Blick vertraute Phänomene zu sein, die wir täglich erleben und in vielfältiger Weise beschreiben können. Sobald wir diese Phänomene einer philosophischen Analyse unterwerfen, stellen sich aber drei grundlegende Probleme. (1) Handelt es sich bei den Emotionen überhaupt um eine einheitliche Klasse von Phänomenen? Oder müssen verschiedene Klassen (z.B. nicht-intentionale und intentionale, biologisch verankerte und kulturell erworbene) unterschieden werden? (2) Sind Emotionen geistige Phänomene oder nicht ebenso sehr auch körperliche, die entsprechend auch auf körperlicher Ebene zu untersuchen sind? Wie lässt sich ihr scheinbar hybrider Charakter erklären? (3) Sind Emotionen als kontrollierbare Phänomene aufzufassen, d.h. als Zustände oder Prozesse, die wir rational steuern und verändern können? Oder sind sie als "passiones" zu begreifen, die wir erleiden und nicht aktiv beeinflussen können?
>In meinem Teilprojekt möchte ich diese systematischen Probleme anhand ausgewählter Texte von Suárez, Descartes, Malebranche und Spinoza diskutieren. Dabei möchte ich verdeutlichen, dass die unterschiedlichen metaphysischen Konzeptionen des Geistes, die diese Autoren wählten, eine unmittelbare Auswirkung auf ihre Erklärung der Emotionen hatten. So führte eine hylemorphistische Konzeption zu einer anderen Klassifizierung von Emotionen als eine dualistische oder eine monistische, aber auch zu einer anderen Erklärung der geistigen und körperlichen Komponenten. Um Transformationen im Verständnis von Emotionen in den Blick zu bekommen, muss man daher den jeweiligen metaphysischen Rahmen rekonstruieren, der zur Erklärung von geistigen Phänomenen gewählt wurde. Wie ich zeigen möchte, ist dieser Rahmen auch für die Frage nach der Kontrollierbarkeit der Emotionen von zentraler Bedeutung. Ob und wie Emotionen gesteuert werden können, hängt nämlich entscheidend davon ab, wie geistige Steuerungsprozesse und Geist-Körper-Interaktionen prinzipiell aufgefasst werden. Da die Autoren der frühen Neuzeit ganz unterschiedliche Interaktionsmodelle entwickelten, kamen sie auch zu unterschiedlichen Einschätzungen der rationalen Kontrollierbarkeit.
Angesichts der engen Verflechtung von allgemeiner Geistkonzeption und Emotionstheorie ist der Titel "Transformationen der Gefühle" in zweifacher Weise zu verstehen. Zum einen soll analysiert werden, wie der Emotionsbegriff transformiert wurde, d.h. wie im Übergang vom Hylemorphismus (Suárez) zum Dualismus (Descartes, Malebranche) und Monismus (Spinoza) ein neuer begrifflicher Rahmen zur Erklärung konkreter Phänomene geschaffen wurde. Zum anderen soll aber auch untersucht werden, wie die einzelnen Autoren die Möglichkeit oder Unmöglichkeit der Transformation von Gefühlen erklärten, d.h. wie sie die Möglichkeit einer Steuerung oder Veränderung einzelner Emotionen einschätzten. Dabei sollen auch Bezüge zu heutigen Debatten (insbesondere mit Blick auf kognitivistische Theorien) hergestellt werden.