Ihre Hand greift nach seinem Schuh. Sie sagt, sie habe der Polizei
nichts verraten und sieht ihn einfach nur an. Diese Momente brennen
sich ins Gedächtnis. Er ist Lou Ford (Casey Affleck), Deputy Sherriff
in einer texanischen Kleinstadt: alle mögen ihn, niemand traut ihm
allzu viel zu, auch nichts Böses. Ist es diese scheinbare
Harmlosigkeit, die seine Freundin Amy (Kate Hudson) und seine Geliebte
Joyce (Jessica Alba) so für ihn einnehmen? Fühlen Sie seine Schwäche
und glauben, ihn kontrollieren zu können?
Die Berlinale ist vorbei, einige Filme werden wir aber auch nach dem letzten Vorhang vorstellen, weil sie wahrscheinlich auch in dem reguläre Kinoprogramm laufen werden.
SOS gibt einen Einblick in die US-amerikanische
Sicherheitspolitik. Vielleicht ist es angebracht, ihn als kritischen
Dokumentarfilm mit den Filmen von Michael Moore zu vergleichen: Wie in
diesen werden Mißstände angeprangert, die die Demokratie unterminieren.
Doch SOS kommt stiller daher, es gibt keine effektreichen Aktionen
sondern vor allem Interviews mit Insidern der US-amerikanischen
Sicherheitspolitik: Generäle, einfache Soldaten, Beamte, Berater, allen
voran Richard A. Clark.
Mit den Filmen Die Ehe
der Maria Braun (1978/79) undLili
Marleen (1980/81) prägte Hannah Schygulla das deutsche Nachkriegskino.
Dafür wurde sie in der Kategorie „Retrospektive“ mit einem Goldenen Ehrenbär
für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.
Für Deutsche ist Monga, ein altes Stadtviertel im chinesischen
Taipeh, ein kaum vorstellbares Stück Land. Unglaublich eng ist es, wirr
und verdorben von Prostitution und Gewalt. Die Bosse der
rivalisierenden Banden, die ihr jeweiliges Territorium gleichermaßen
bekriegen und beschützen, haben es sich auf ihren Thronen gemütlich
gemacht; sie sind alt geworden, genießen aber noch unverändert Respekt
und Anerkennung.
„Ich wollte einen Film über arme Menschen machen“, sagt Regisseur Babak Najafi. Damit meint er nicht jene armen Menschen in armen Ländern, die morgens nicht wissen, ob sie den Abend erleben werden, sondern er meint die armen Menschen, wie es sie in reichen Industrienationen mit einem sicheren sozialen Netz gibt. Arme Menschen, wie es sie in Schweden zum Beispiel gibt.
Eigentlich ist „How I ended this summer“ ungeeignet für
eine Vorführung im Kino. Denn während im Saal getuschelt und geknistert wird,
geht es auf der Leinwand vor allem um Isolation und Einsamkeit in der
russischen Arktis.
Es ist das New York der 70er Jahre. Downtown Manhattan ist eine Geisterstadt. Keiner will hier leben. Die wirtschaftliche Lage ist ein Desaster, in den Wohnungen wimmelt es von Ratten und Ungetier. Auf den Straßen herrscht nachts ein anarchieähnlicher Zustand. Es ist genau dieser Zustand, der eine der produktivsten Epochen der Filmgeschichte hervorgebracht hat: No Wave und Cinema of Transgression.
Was in einem Film alles nicht passieren kann, zeigt Regisseur Luis Sampieri in seinem Drama "Fin (End)", dem spanischen Beitrag für die Kategorie "Forum". Auf einem Berghang treffen sich drei Jugendliche, die gemeinsam eine Reise antreten wollen, deren Ziel für den Zuschauer noch ungeklärt ist. Ungeklärt ist auch, weshalb der tonangebende Iker so allergisch auf die kopftuchtragende Ramia reagiert, und warum ihre wiederholt schüchterne Kontaktaufnahme bei der stillen und depressiven Ana so gar nicht ankommt.
Wer mal wieder einen überzeugt feministischen Film sehen will, dem sei "Eine flexible Frau" empfohlen, der deutsche Beitrag von Tatjana Turanskyj in der Kategorie "Forum". In ihrem Spielfilmdebut stellt die Regisseurin dem modernen Frauenbild eine alternative Frauengestalt gegenüber, die mit aller Kraft versucht, sich anzupassen, dabei aber trotzig ihre Selbstachtung bewahren will. Sie muss in jeder Hinsicht kläglich scheitern.
Beim Betreten des Raumes höre ich das Gemurmel der Exiliraner, die zur Filmvorstellung von Red, White & the Green gekommen sind. Rot, weiß, grün sind die Farben der Nationalflagge der Islamischen Republik Iran und the Green ihr vermutlich größter Feind.
Die Dokumentation "Exit Through The Gift Shop" ist
vielleicht 20 Minuten gelaufen, da drängt sich die Frage auf: Was ist das hier
eigentlich, wenn nicht eine große Farce? Aber von vorne. Thierry Guetta,
ein französischer Einwanderer, der in Los Angeles ein Klamottengeschäft
besitzt, hält alles in seinem Leben mit seiner Kamera fest. Absolut alles. Als
er davon erfährt, dass sein Cousin Teil einer neuen Underground-Bewegung ist,
der Street-Art, bekommt seine Obsession plötzlich einen Sinn. Thierry wird zum mit
der Videokamera bewaffneten Schatten der Street-Art-Szene. Er dokumentiert, wie
die Künstler Häuserwände und Mauern bei ihren nächtlichen Streifzügen zu ihren
Leinwände machen.
"Zwischen Selbstbestimmung und Intervention" - Ulrich Miksch, ehemaliger UnAuf-Chefredakteur, über ein Buch, das alle HU-Studierenden gelesen haben sollten:
Sven Vollraths Dissertation zum Umbau der Humboldt-Universität zwischen 1989 und 1996 versucht zugleich eine Analyse der Transformation wie eine lebendige Chronologie einer bewegten Zeit in Berlin zu liefern.
Was passiert, wenn ein 1988 an der Humboldt-Universität zu Berlin immatrikulierter Geschichtsstudent in den Strudel der politischen Aufbrüche 1989 gerät? Er engagiert sich im hier zu besprechenden Falle im „Neuen Forum“, für die neuen studentischen Vertretungen, sitzt als Studierendenvertreter und dann auch Akademischer Senator plötzlich in allen möglichen Gremien. Unter anderem in der Zentralen Personalstrukturkommission (PSK) , die über eine personelle Erneuerung der Universität zu befinden hat.
Prostituierte führen eine
unterdrückte Existenz und verkaufen nicht nur ihren Körper, sondern ihre Seele
gleich mit? Von wegen. Die Dokumentation "Frauenzimmer",
Abschlussarbeit der Regiestudentin Saara Aila Waasner und in der
"Perspektive deutsches Kino" im Berlinale-Rennen, zeichnet ein ganz
anderes Bild des Berufs der Prostituierten.
Wer am Freitag überrascht war beim Betreten des Foyers in der Dorotheenstraße 24, der muss die Wochen zuvor einigermaßen blind durch die Uni gelaufen sein. Zumindest, wer regelmäßig in einer der Berliner Mensen zu Mittag isst, konnte gar nicht umhin, zu bemerken, dass seine Servietten in diesen Tagen anders aussahen als gewöhnlich.
Nicht weniger als 160.000 literarisch bedruckte Servietten mit insgesamt vier Motiven hatten die HU-Studierenden Andreas Lipowsky, Corinna Egdorf und Pauline Piskaè in den beiden Wochen vor dem „Daneben“-Literaturfestival in Umlauf gebracht. „Die kurzen Texte sollten die Studierenden motivieren, uns ihre eigenen Arbeiten zu schicken“, erklärt Corinna Egdorf. Und das taten sie: Die selbst geschriebenen Texte aller Art wurden nun am Freitag im Foyer des Seminargebäudes am Hegelplatz gezeigt.
Knapp eineinhalb
Stunden traurige Gesichter und schlimme Schicksalswendungen - das ist "Our
Fantastic 21st Century", der südkoreanische Beitrag in der Kategorie
"Forum". Dabei kann
Protagonistin Soo-young (Han Soo-yeon) genau genommen nicht einmal weinen. Aus
ihren Tränenkanälen kommt kein Tropfen. Schuldsind die Antidepressiva, die Soo-young für eine
Pharmafirma testet. Die Medikamententests sind nur einer von vielen Jobs der
jungen Frau, die nach ihrem Studium keine richtige Anstellung findet. So wie
Soo-young geht es vielen jungen Südkoreanern, legt
der Film nahe. Dieses Problem dürfte vielen jungen Deutschen nicht ganz
unbekannt sein.