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Geschrieben von Antje Binder, Gina Apitz, Jennifer Quandt, Tina Rohowski   
Freitag, 19. Oktober 2007
Überleben im Uni-Dschungel: Neun Studierende geben Tipps für den Start ins Campus-Leben.

Ich würde jedem Studenten im ersten Semester empfehlen, zuerst in die Studienberatung zu gehen. Das hat mir zu Beginn meines Studiums sehr geholfen. Wie stellt man sich seinen Stundenplan zusammen, wie teilt man sich sein Studium ein? Oft weicht die eigene Studienlaufbahn von den Idealvorgaben ab. Dann hat man Angst, nicht alles koordiniert zu bekommen. Dabei ist ein Studium meist gar nicht so unflexibel, wie es zunächst scheint.
Ganz wichtig ist auch: Bei Prüfungsterminen und allen organisatorischen Vorbereitungen sollte sich niemand zu sehr auf die Hilfe von Dozenten oder Kommilitonen verlassen. Jeder sollte sich selbst rechtzeitig über das Internet oder direkt beim Prüfungsbüro informieren, wann die Fristen für die Anmeldung sind. Ich habe das zu Beginn nicht berücksichtigt und bekam dann die Rechnung: Dadurch habe ich schon dreimal eine Prüfungsanmeldung verpasst und musste nachschreiben… Dozenten wissen oft gar nicht, wann welche Fristen beginnen und enden. Kümmert euch also unbedingt selbst darum. Außerdem sind die Prüfungsbüros gegenüber Nachzüglern, die den Termin verpasst haben, längst nicht mehr so kulant,  wie sie es früher – zu Zeiten der nicht modularisierten Studiengänge – vielleicht noch waren.
Sören Müller-Kaempffer (25)
7. Semester, Deutsch und Arbeitslehre auf Lehramt


Alle Erstis sollten wissen, was für ein Privileg es ist, ein Studienanfänger zu sein. Ein berühmter Zen-Meister schrieb: »Im Geist des Anfängers gibt es viele Möglichkeiten, im Geist des Experten nur wenige.« Werdet also niemals Experten im Studieren! Da ihr noch nicht so genau  wisst, wie das Studentenleben ist, müsst ihr es erst einmal jeden Tag neu definieren. Beobachtet erst, ohne gleich zu schlussfolgern: Ist es richtig, die Dozentin monologisieren zu lassen, obwohl wirklich niemand zuhört? Ist der Professor wirklich so unsympathisch oder ist das nur ein Trick, um sein Seminar vor zu großem Andrang zu schützen? Muss ich alle Möbel bei Ikea kaufen? Bilde ich Arbeitsgruppen mit den Kommilitonen, deren Geist mich inte-
ressiert oder reicht schon das Interesse an ihrem Körper? Darf ich ein Referat als Einladung zur Inszenierung meiner selbst betrachten?
Macht aus eurem Studium keine verlängerte Schulsession! Um noch einmal den Zen-Meister zu zitieren: »Wenn dein Geist leer ist, ist er immer bereit für alles.« Seid bewusste Studienanfänger. Unwissenheit kann eine göttliche Gnade sein. Der Studienalltag, den ihr euch als Anfänger vor lauter Chaos von ganzem Herzen ersehnt, wird euch schneller einholen, als ihr zu träumen wagt.
Bastian Gahler (29)
14. Semester, Nordamerikastudien, Politik und Philosophie


Oftmals heißt es im Studium nur »Augen zu und durch!« Doch gerade im ersten Semester sollte man sich nicht von Dozenten unter Druck setzen lassen, die alles schlecht reden und anfangen wollen, unter den Studenten zu selektieren. Zu Studienbeginn ist es sinnvoll, alles etwas langsamer angehen zu lassen und sich erst einmal zu orientieren. Wer sich zu viel zumutet und sich den Stundenplan zu voll packt, der muss schnell auf einen Großteil seiner Freizeit verzichten. Dabei schadet ein bisschen Spaß neben dem Studium ganz sicher nicht. Es ist außerdem wirklich sinnvoll, in den ersten Semestern zu entscheiden, ob man überhaupt das Richtige studiert. Frühzeitig das Fach zu wechseln, ist letztlich besser, als sich durch ein Studium zu quälen, das einem vielleicht gar keinen Spaß macht und die eigenen Erwartungen nicht erfüllt.
Und noch ein ganz praktischer Hinweis: Es gibt nicht nur eine Mensa! Außer der Mensa im Hauptgebäude der Humboldt-Universität gibt es nämlich noch die Mensa Nord in der Reinhardtstraße – mein absoluter Favorit! Außerdem sollte man auch die eine oder andere Cafeteria mal ausprobiert haben! Dafür braucht man aber eine Mensa-Karte. Die bekommt man gegen eine Gebühr an jeder Mensa-Kasse und kann dann zum Studentenpreis futtern.
Maria Dörpholz (23)
5. Semester, Europäische Ethnologie und Afrika-Asien-Wissenschaften

Was sollte man Studierenden im ersten Semester mit auf den Weg geben? Zuerst ein paar wichtige Kleinigkeiten – zum Beispiel: Auch Mensa-Mitarbeiter haben mal ein aufmunterndes Lächeln verdient. Oder: Der Kaffee im Café Weltgeist am Hegelplatz ist eindeutig der beste.
Meinen eigentlichen Tipp werde ich aber noch genereller halten, damit ihn wirklich alle von euch befolgen können. Ich würde euch empfehlen, alles Kommende mit einer ausreichenden Menge Humor aufzunehmen. Das klingt zuerst einmal sehr einfach, aber im Laufe des Uni-Alltags vergeht selbst hartnäckigen Optimisten mitunter das Lächeln. Außerdem glauben die meisten, mit der Uni würde nun wirklich der Ernst des Lebens beginnen. Viele Studierende im Bachelor stürzen sich deshalb mit angestrengten und bitteren Gemütern auf ihre Module. Leider wird dabei gerne vergessen, dass es in der Uni nicht um Leben und Tod geht und dass Leistungsnachweise oder der schlimmste Referat-Marathon (ihr werdet noch früh genug erfahren, was das bedeutet) die Laune nicht verderben sollten.
Daher meine Forderung: Nehmt eine Prise Ironie und eine große Portion Humor mit in die Seminarräume. Das ist das A und auch das O des Uni-Alltags.
Maria Graaf (21)
5. Semester, Englisch und Deutsch mit Lehramtsoption


 
Als ich vor ein paar Jahren aus der Ukraine nach Berlin kam, hatte ich vor allem Probleme mit der deutschen Sprache. Aus Angst, etwas Falsches zu sagen, habe ich im Seminar lieber gar nicht gesprochen. Mit Kurzvorträgen war es dasselbe. Jedes Mal, wenn ich ein Referat halten musste, hatte ich riesige Angst, Fehler in der Aussprache zu machen. Aber ich kann alle beruhigen. Das gibt sich mit der Zeit. Ich möchte jedem, vor allem den ausländischen Studierenden, nur empfehlen: Traut euch so früh wie möglich, in einer Lehrveranstaltung vor anderen zu sprechen. Nur dann werdet ihr sicherer in Aussprache und Grammatik. Ich habe den Mut dafür erst im vierten Semester gefunden. So lange solltet ihr nicht warten.
Ich finde, dass man seinem Studium zwar Priorität einräumen, sich aber trotzdem nicht nur darauf konzentrieren sollte. Probiert so viel wie möglich aus. Ob Theater oder Sport, es gibt in Berlin schließlich so viel zu entdecken. Meine Leidenschaft ist zum Beispiel das Tanzen. Ihr solltet herausfinden, wo eure Stärken liegen und diese ganz gezielt in das Studium einfließen lassen. Erfahrungen außerhalb der Uni, egal ob in der Freizeit oder bei einem Praktikum, helfen dabei, die eigenen Berufswünsche zu überprüfen.
Alexandra Luchyk (24)
5. Semester, Europäische Ethnologie und Skandinavistik


Mein Motto lautet: Eigeninitiative! Vieles gelingt besser und schneller, wenn man es selbst in die Hand nimmt. Vor allem am Anfang ist es wichtig, dass man sich traut, mit den Dozentinnen oder Dozenten zu sprechen. Manchmal kollidieren zum Beispiel die Lehrveranstaltungen im Erst- und Zweitfach und passen nicht zusammen in den Stundenplan. Das war bei mir schon der Fall. Meist gibt es dann die Möglichkeit, das mit den Lehrenden anders zu regeln. Bittet einfach um einen Sprechstundentermin. Vorschläge zum Studienverlauf findet ihr auf den Internet-seiten eurer Institute.
Generell sollte man einfach nicht zu verbissen starten und den Spaß nicht verlieren. Lernen mit Gleichgesinnten fällt zum Beispiel leichter als alleine, da man sich gegenseitig anspornen kann. Andere Studierende lernt man aber nicht nur in Seminaren oder Lerngruppen kennen: Beim Unisport gibt es in der Vorlesungszeit sowie in den Ferien unzählige Kurse. Übrigens kann man auch die Unisport-Angebote der anderen Berliner Universitäten sowie der Fachhochschulen zum Studententarif nutzen. Ebenso bieten die Hochschulen in Berlin an ihren Career Centern etliche Kurse an. Dort erhält man Praxiskenntnisse und kann sich über das eigene Fach hinaus weiterbilden. Also nutzt das Angebot!
Isabel Fuhrmann (28)
5. Semester, Germanistische Linguistik und Spanisch

Es ist ratsam, nicht nur die Bibliotheken der Humboldt-Universität zu nutzen, sondern sich auch in der Staatsbibliothek anzumelden. Das kostet zwar etwas Geld – im Moment 25 Euro pro Jahr – lohnt sich aber, weil die »Stabi« sehr gut ausgestattet ist. Dort findet man oft Bücher, die es in den HU-Bibliotheken nicht gibt oder die hier gerade entliehen sind.
Allerdings sollte man die Bücher am besten mit nach Hause nehmen oder die wichtigsten Seiten gleich im Copyshop der Stabi kopieren. Im Lesesaal ist es nämlich oft sehr laut und man kann sich kaum auf die Texte konzentrieren.
Außerdem solltet ihr versuchen, eine der begehrten Stellen als studentische Hilfskraft an der Uni zu bekommen. Ich habe selbst auch als Hilfskraft gearbeitet. Man wird sehr gut bezahlt, besonders im Vergleich mit sonstigen Studentenjobs. Mit etwas Glück bekommt man sogar eine Hilfskraftstelle, bei der man auch fachlich etwas lernt. So eine Station klingt zudem sehr gut im Lebenslauf und bringt viele Kontakte zu anderen Mitarbeitern am Institut. Besonders empfehlenswert ist dieser Job, wenn man, später selbst eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen. Ich könnte mir inzwischen jedenfalls vorstellen, nach meinem Abschluss an der Uni zu bleiben.
Kathrin Müller (23),
9. Semester, Klassische Archäologie und Alte Geschichte


Seit zwei Jahren studiere ich VWL. Ich habe ziemlich schnell festgestellt, dass Übungen und Tutorien für das Bestehen der Klausur meist deutlich wichtiger sind als die Vorlesungen. Trotzdem versuche ich, zu allen Veranstaltungen zu gehen und kann nur allen dazu raten. Denn wenn man einmal nicht hingeht, hat man schnell keine Hemmungen mehr und spart sich auch im weiteren Verlauf des Semesters noch ein paar andere Vorlesungen. Deshalb am besten gleich der Versuchung widerstehen und nicht schwänzen.
Außerdem braucht man sich wirklich nicht jedes Buch kaufen, dass der Professor oder die Professorin empfiehlt. Üben ist das Wichtigste. Viele Bücher sind von den Profs selbst geschrieben und werden deshalb so angepriesen. Was die Mensa angeht scheint es drei Gruppen von Studierenden zu geben: Die einen sind mit dem Essen zufrieden, die anderen finden es generell ungenießbar und manche essen nur bestimmte Sachen. Ich gehöre zu denen, die mit der Mensa sehr zufrieden sind, zumindest mit der in der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät.
Der Preis von rund zwei Euro pro Mahlzeit ist einfach unschlagbar. Ganz allgemein finde ich, dass sich Studienanfänger nicht so viele Sorgen machen sollten. Lasst das Ganze einfach auf euch zukommen!
Marcus Hübner (23)
5.Semester, Volkswirtschaftslehre


Angesichts von 30 Semesterwochenstunden, die in den Verlaufplänen gefordert werden, muss sich jeder Studienanfänger die Frage stellen: Studiere ich schnell oder studiere ich gut? Ich persönlich habe mich entschieden, lieber richtig zu studieren, denn wenn man sich nur an den verschulten Plan hält und wie verrückt lernt, nimmt man keinen vernünftigen Gedanken mit. Mir war es wichtig, auch etwas aus diesem Studium mitzunehmen und nicht nur schnell »abgebachelort« zu werden.
Außerdem sollte das Studentenleben auch Spass machen. Als ich vor zwei ≠Jahren angefangen habe zu studieren, war das zuerst aber alles andere als lustig. Ich kam frisch von der Schule und war zunächst völlig orientierungslos. Weder Dozenten noch die Studienberatung lieferten Antworten auf meine vielen Fragen.
Erst von der Fachschaft bekam ich gute Tipps und gewann die Erkenntnis, dass sich der Durchblick auch mit zweistelliger Semesterzahl nicht zwangsläufig einstellt. Ein guter Anlaufpunkt ist auch die studentische Sozialberatung. Sie hat mir sehr bei meinen Bafög-Fragen geholfen. Der beste Weg aus dem Ersti-Chaos ist also: sich nicht scheuen, Fragen zu stellen, auch wenn sie einem manchmal blöd vorkommen.
Marlies Krüger (22)
5.Semester, Englisch und Geschichte mit Lehramtsoption

Protokolle: Antje Binder, Gina Apitz,
Jennifer Quandt, Tina Rohowski <

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