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Geschrieben von Janina Thiel, Kirsten Matthes, Mark Beundermann, Johannes Freund   
Mittwoch, 31. Januar 2001
Uniszene Hamburg
Bunte News aus der Hansestadt
Uniszene nennt sich seit Juni 2000 das Hamburger Hochschulmagazin von Studierenden für Studierende. Ihr Vorläufer war die Hamburger Unizeitung (HUZ), vor elf Jahren gegründet und Anfang letzten Jahres auf den Kopf gestellt. Alles begann mit dem Traum des Journalistik-Studenten Kai Hoffmann, eine unabhängige Studentenzeitung zu gründen, um nicht länger durch das herausgebende Studentenparlament (StuPa) in der Themenauswahl und der Verwirklichung spannender Projekte eingeschränkt zu sein. Statt ausschweifend über StuPa-Wahlen und Gremien zu berichten, sollten die Informationen von interessanten Job- und Praktikamöglichkeiten über Hochschulreformen zu Kultur- und Freizeitmöglichkeiten reichen. Zusammen mit BWL-Student Jan-Hinrich Hey, der sich um die Anzeigen-Akquisition kümmert, ging Kai für die Zeitung ein großes finanzielles Risiko ein. Mit sechs redaktionellen Mitarbeitern an ihrer Seite strebten sie gemeinsam das Ziel an, uniszene attraktiver zu gestalten als die HUZ.
Bereits mit der Veröffentlichung des zweiten Heftes stellten sich erste Erfolge ein. Inzwischen hat das „Baby“ (Papa Kai) laufen gelernt und liegt überall dort aus, wo sich Hamburgs Studenten besonders gern aufhalten (Studentenkneipen, Cafes). Das Feedback ist enorm. Hamburger Tageszeitungen (Hamburger Abendblatt, taz) und ein Radiosender nahmen Kontakt zu uniszene-Redakteuren auf und sorg(t)en für Publicity.
Die Begeisterung für das beliebte Hochschulmagazin liegt nicht zuletzt an den allumfassenden Serviceleistungen für Studenten. Es wird nicht nur „locker“ über Aktuelles auf dem Campus berichtet (BSE-Skandal in der Mensa), uniszene veranstaltet zudem Gewinnspiele und plant weitere Spaß-Aktionen. Eine Blind-Date-Foto-Lovestory fördert den interaktiven Umgang mit Hamburger Studenten. Der in diesem Monat geplante Internetauftritt soll die Studierenden terminlich auf dem Laufenden halten und zum Mitmachen anregen. „Uniszene soll Kultfaktor werden“, schwärmt Chefredakteur Kai Hoffmann. „Wir sehen unseren Internetauftritt als Portal für Hamburger Studenten; die sollen uns cool finden.“ Bislang kann bei einer Auflage von 10.000 Magazinen jeder fünfte HH-Studiuniszene mit nach Hause nehmen und täglich Jetten bis zu hundert Websurfer auf die aktuelle Homepage www.uniszene.de.
Unter Studenten und Unimitarbeitern will uniszene aufrütteln. Geplant ist die Aktion „Professorenfehlzeitenbörse“, eine Rang liste darüber, welcher Professor wie oft im Semester fehlt. Wie wohl die Uni-Leitung reagieren wird? Kai nimmt es gelassen: „Wenn sich die Unileitung über zu freche Texte beschwert, wird das gerade unter Studenten ein Anreiz sein, uns lesen zu wollen. Soll der Unipräsident ruhig den Rotstift zücken, wichtig ist, dass wir die Tatsachen in unseren Berichten nachprüfen. Vielleicht ist das dann endlich der erste Schritt zur Besserung.“ Wünschenswert wäre es.
Janina Thiel

Parklife aus Essex
Die große Suche

Parklife. Passender Name, denn die University of Essex ist von einem Park mit vielen Bäumen umgeben. Auf 16 bis 20 Hochglanzseiten strahlen Artikel, Artikelchen, viel Werbung und eine fröhliche Vielfalt an Ankündigungen von Radio, Pub, Bar und Clubs um die Wette. Parklife zu lesen ist nicht ganz einfach, aus zwei Gründen. Erstens, die Artikel wollen nicht einfach nur gelesen, nein, sie wollen erst einmal gefunden werden. Oft ist zwischen Werbung und Artikel auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden.
Zweiter Kritikpunkt ist die Qualität der Beiträge. Gwyn Phillips, Editor des Magazins, ist verantwortlich für die Auswahl der Texte; er kennt das Problem: „Ich kriege wirklich viel Schrott rein, aber oft habe ich keine Wahl.“ Gwyn ist mit Autorinnen nicht gerade verwöhnt, aber „vor irgendwelchen Student-Union-Wahlen, wie jetzt im März, lesen die Kandidaten gerne ihren Namen unter einem Artikel“, sagt er grinsend. Leider bürgt dieser letzte Versuch der Kandidierenden, kostenlos Werbung für sich zu machen, nicht für bessere Artikel. Und in der Kürze liegt die Würze? „Mir wären längere Artikel lieber, aber dafür interessiert sich hier kaum jemand.“
Die Redaktion von Parklife besteht aus Gwyn und neun weiteren Studierenden, die sich um Werbung, News und Sport kümmern. Parklife hat einen zwei- bis dreiseitigen Sportteil, in dem es um Topwettkämpfe zwischen Uni-Teams von Fechten bis Rugby geht. Ansonsten gibt es Berichte zu aktuellen Fragen des universitären Lebens, Gerüchteküche, Kondomaufklärungskampagnen usw. Zwei bis drei Seiten sind reserviert für das Programm von „University Radio Essex“ (URE) und der diversen Clubs auf dem Campus. Das Übermaß an Werbung ist notwendig, weil die Unileitung das Budget der Student Union, das ihr eigentlich jährlich zusteht, vor ein paar Jahren eingefroren hat; irgendwie war man sich uneinig. Die „Union inklusive der Zeitung musste sich also um andere Geldmittel bemühen – Parklife finanziert sich ausschließlich über Werbung bei einer Auflage von 4.000 Exemplaren für 6.000 Studenten.
Aber Qualität, Lesbarkeit, Werbung hin oder her, Gwyn stört das nicht mehr, seine Amtszeit endet nach den Wahlen im März. Denn, gelebte Demokratie, wer Parklife herausgibt, bestimmen die Studis mit ihrer Stimme bei der Wahl. Die Mitarbeit kann sich allerdings auch auszahlen: Der letzte Herausgeber wurde von der Tageszeitung „The Independent“ mit einem Preis für Nachwuchsjournalisten ausgezeichnet.
Kirsten Matthes

Skript Historisch Tijdschrift
Professionell, wissenschaftlich, aber nicht zu viele Fußnoten

Bei nur wenigen Studentenzeitungen wird die Redaktionsmitgliedschaft von der Uni als ein vollwertiges Praktikum anerkannt. Und bei nur wenigen Studentenzeitungen verpflichtet die Redaktion ihre Mitglieder dazu, sich für anderthalb Jahre an die Zeitung zu binden. Das ist der Fall bei der Amsterdamer Zeitschrift „Skript Historisch Tijdschrift“.
Skript wurde 1978 gegründet mit der Idee, Geschichtsstudenten und jungen Geschichtswissenschaftlern die Möglichkeit zu bieten, ihre Arbeit in einer von Studenten selbst verwalteten Zeitung zu veröffentlichen. Daran gab es ein starkes Bedürfnis: In etablierten geschichtswissenschaftlichen Fachzeitschriften kommen Seminar- und Magisterarbeiten von Studenten, ebenso wie Beiträge von noch nicht promovierten Wissenschaftlern, kaum vor.
Dieses Konzept ist an niederländischen historischen Fakultäten zwar nicht einmalig – Junge Historiker in Leiden, Groningen und Utrecht haben ebenso ihre Zeitungen. Dennoch ist Skript, die vier Mal pro Jahr erscheint, ein besonderes Blatt. Bas von Benda-Beckmann, Skript-Redakteur, erzählt: „Die Zeitungen in den anderen Universitätsstädten lesen sich wie die etablierten geschichtswissenschaftlichen Fachzeitschriften. Darin gibt es viel zu viele Fußnoten und man liest trockene Sätze wie: ,In diesem Beitrag sollen die folgenden Entwicklungen behandelt werden…’ Anfangs war Skript auch ein bisschen so, aber vor einem Jahr hat es eine bedeutende Kurswende gegeben.“
Die Änderungen, zu denen sich die Redaktion entschieden hat, bewirkten vor allem eine bessere Lesbarkeit. Die Anzahl von Fußnoten wird heute beschränkt; zu trockene Artikel werden häufig umgeschrieben und gekürzt. Ein neues, modernes Layout mit guten Photos ist dazu gekommen. Bas: „Die Artikel müssen sich wie schöne Geschichten lesen, ohne an wissenschaftlichem Inhalt zu verlieren. Unser Lesepublikum ist an der Geschichte interessiert, aber nicht an einer spezialistischen Weise. Es hat eine breite Orientierung.“
Das größte Problem für Skript ist nicht das Gewährleisten seiner Unabhängigkeit. „Skript Historisch Tijdschrift“ ist eine Stiftung, die sich größtenteils aus seinen Abonnenten und dem Verkauf in Buchläden (Auflage: ungefähr 600 Exemplare) finanziert. Problematisch ist es eher, Studenten zu finden, die bereit sind, für anderthalb Jahre ein unbezahltes Praktikum machen zu wollen, das auch noch viel Zeit in Anspruch nimmt. Dafür lernt man durch die Mitarbeit an sechs Ausgaben eine Menge für das spätere Berufsleben. „Dennoch“, sagt Bas, „haben wir schon mal jemanden aus reiner Not anstellen müssen, der nur ein Jahr in der Redaktion bleibt.“
Mark Beundermann

Sheaf Saskatoon
Eine Kanadische Studentenzeitung mit Tradition und Weizen

Ein grünes Banner um ein Weizenbündel bildet das Logo der „SHEAF“. Stolz verkünden weiße Buchstaben das Jahr der Gründung. Erstmalig 1912 erschien die Studentenzeitung im kanadischen Saskatchewan. Seitdem wird sie an der Universität der Provinzhauptstadt Saskatoon produziert. Für kanadische Studentenzeitungen ist eine lange Tradition nicht sonderlich ungewöhnlich. Doch auf ihre nun schon fast ein Jahrhundert andauernde Geschichte sind die Macher der SHEAF sichtbar stolz.
Die lange Erscheinungszeit findet ihren Antrieb sicherlich auch in der professionellen Arbeitsweise der Zeitungsmacher. So werden die Posten des Geschäftsführers und des Anzeigenleiters mit externen, bezahlten Kräften besetzt. Selbstverständlich bleiben für die lernbegierigen Studenten noch genügend Möglichkeiten offen, sich für die SHEAF zu engagieren. Vom Sport- oder Photoredakteur über die Koordination des Versands bis zum Webmaster reicht die Palette der bezahlten Anstellungen. Wer eine dieser anspruchsvollen Aufgaben betreuen will, kann dies in einjährigen Praktika machen. Doch auch für freie Mitarbeiter bietet die wöchentlich erscheinende Zeitung einen passenden Rahmen.
Die veröffentlichten Artikel decken ein vielseitiges Themengebiet ab. Während in vergangenen Jahren rund um die Stadt Saskatoon berichtet wurde, plant die Redaktion für kommende Ausgaben, sich auf das nahe Umfeld der Universität zu konzentrieren. Die enge Verflechtung mit der Region zieht sich dabei wie ein roter Faden durch die Arbeit der Zeitung. Nicht nur das im Logo abgebildete Weizenbündel verweist auf die Bedeutung der Getreidelandwirtschaft in der kanadischen Provinz Saskatchewan. SHEAF steht für „A sheaf of wheat“, was übersetzt nichts anderes als Weizenbündel heißt.
Insgesamt 18.000 Studenten zählt die Universität, 10.000 Exemplare der Zeitung werden während der Vorlesungszeit allwöchentlich verteilt. Während der Sommermonate müssen sich die Leser mit einer Ausgabe im Monat begnügen. Finanziert wird die Zeitung in erster Linie durch Werbeeinnahmen. Darüber hinaus zahlt jeder Student der University of Saskatchewan jährlich eine SHEAF-Gebühr von 5,25 kanadischen Dollar. Dafür bekommen sie neben den Printausgaben auch eine professionell gestaltete Webpage geboten.
Johannes Freund
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