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Geschrieben von Margarete Stokowski, Silvio Schwartz, Konstantin Sacher   
Samstag, 28. März 2009

Rosa. Schauspiel mit Musik

Stephen Fry: Feigen, die fusseln

Deutsches Guggenheim Museum

»Nicht-Küssen ist antirevolutionär!« Es gibt wohl viele Vorwürfe, die man einer politisch engagierten Frau wie Rosa Luxemburg machen kann. Was man jedoch sicher nicht sagen kann, ist, dass sie über ihre Arbeit Gefühle und Menschlichkeit vergessen hätte. Ständig fand Rosa Luxemburg neue Liebhaber, ganz gleich, ob es sich um ihren eigenen Anwalt oder einen viel Jüngeren handelte. 1871 als Jüdin in Polen geboren, kam sie als junge Frau nach Zürich und Berlin. Bald begann sie, politische Schriften und Zeitungsartikel zu verfassen und wurde mit ihrem kompromisslosen Revolutionswillen zu einer der bedeutendsten Frauen des frühen 20. Jahrhunderts. Bis sie 1919 ermordet wurde, führte sie ein bewegtes Leben, in dem sie sich hohe Ziele in der Politik setzte und dabei nicht darauf verzichten wollte, eine romantische Liebhaberin und eine gute Hausfrau zu sein. Die Geschichte der Rosa Luxemburg wird nun am Grips-Theater von Volker Ludwig und Franziska Steiof inszeniert. Das »Schauspiel mit Musik« kommt massentauglich daher und richtet sich keineswegs nur an politisch Interessierte oder linksorientierte Menschen. »Rosa« ist eine Mischung aus Theater und Musical und mischt alte Arbeiterlieder mit neuen Kompositionen von Thomas Zaufke. Dazwischen gibt es Originalzitate aus Rosa Luxemburgs Schriften und viele rote Fahnen. Und das ganze drei Stunden lang. Das Stück kommt wider Erwarten ohne Kitsch oder übertriebene Idealisierung aus: Rosa Luxemburg (Regine Seidler) und ihre Mitstreiter sind vor allem Menschen und werden auch so gezeigt.

Margarete Stokowski <


Rosa. Schauspiel mit Musik

Grips-Theater

Nächste Aufführungen:

6.-9.5, 27.+29.5.2009

 

> Nicht umsonst heißt es im Untertitel: »Entfessle den Dichter in dir«: Denn wo Jamie Oliver jedem das Kochen schmackhaft machen möchte, versucht Fry das gleiche für die Lyrik. Es gebe Angst vor dem Dichten, schreibt er, aber: »Es ist niemals zu spät.« Dann geht es los. Und wie: 180 Seiten lang beschäftigt sich Fry mit dem Metrum und dessen Regeln, Ausnahmen und Unterschieden zu anderen Sprachen. So geht es weiter mit den Reimformen, den Gedichtformen und was es sonst so gibt. Das wäre klassisch-dröger Schulstoff, würden nicht Fry und sein Witz an jeder Ecke lauern: Er stellt betont schlechte Gedichte vor, schreibt, dass er gerade hungrig ist und per Fußnote weist er darauf hin, wenn er einen seiner eigenen Sätze ganz toll findet. Seine Ausführungen garniert er mit ausgesuchten Beispielen, die aus der englischen Klassik und Romantik stammen, aber auch mittelalterliche Dichtungen und Hip-Hop-Texte sind zu finden. Fry kann Begeisterung für Poesie entfesseln, zum Selberdichten ist es da nicht mehr weit. Zumal der Leser regelmäßig zu »Praktischen Lyrikübungen« genötigt wird.Aber es bleibt zu hoffen, dass das Buch nicht ähnlich erfolgreich wird wie Oliver und seine Kochshow. Auf Dichter an jeder Ecke kann man dann doch gerne verzichten.

Silvio Schwartz <


Stephen Fry: Feigen, die fusseln

Aufbau-Verlag 2008

475 Seiten

22,95 Euro


> Man bekommt Lust auf Kaugummis, sieht man das Bild »Gum Ball No. 10 Sugar Daddy« von Charles Bell. Oder ist versucht zu sagen: Lass uns nach New York fliegen und ins Guggenheim gehen, vielleicht haben wir Glück und das Wetter ist noch so schön, wenn wir ankommen – betrachtete man das Bild »The Salomon R. Guggenheim Museum« von Richard Estes. Anspruchsvolle Kunst, die sich dennoch jeder gerne in seine Wohnung hängen würde, zeigt das Deutsche Guggenheim in seiner aktuellen Ausstellung »Picturing America«. Bilder voller Intensität und Botschaft, in starken Farben und mit Motiven aus dem Leben in den USA der 1970er Jahre bis ins kleinste Detail genau wiedergegeben sind hier noch bis zum 10.05.2009 ausgestellt. Die Schau zeigt 32 Bilder des Fotorealismus der 60er, 70er und frühen 80er Jahre. Fotorealismus bedeutet realistische Abbildungen der Wirklichkeit auf die Leinwand zu bringen und so genau zu malen, dass man nicht erkennen kann, dass es sich nicht um ein Foto handelt. Manche der Werke wurden 1972 auf der documenta 5 in Kassel zum ersten Mal einer großen Öffentlichkeit vorgestellt. Das Deutsche Guggenheim möchte mit der Ausstellung auf die wichtige Rolle Deutschlands in der Frühphase des Fotorealismus hinweisen. In schönen und absolut schlichten Räumen ist diese Ausstellung zu sehen, die sich wegen ihrer Überschaubarkeit und Nähe zum Campus Mitte ideal für die Mittagspause oder die Freistunde eignet.

Konstantin Sacher <


Deutsches Guggenheim Museum

Unter den Linden 13/15

Täglich 10 bis 20 Uhr,

donnerstags bis 22 Uhr

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